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Wüchterner Zeitung

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119 rSchriftleit. H.-T. Hohmeister, Schlüchtern. Geschäftsstelle Drei« :

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Amtliches Organ für Stadt und Kreis Schlüchtern

Rr 44

GrLmdrnmersiKg.

Die Bezeichmmg des Tages vor dem Karfreitag als Gründonnerstag" ist uralt: sie geht zurück bis ins 12. Jahrhundert, wo sich die Sitte einbürgerle, an diesem grüne Frühlingskränter zu geriießen, denen man wie heilbringende Kraft bei man. Die evangelische eireße feiert diesen Tag mm Gedächtnis der Einsetzung ses heiligen Abendmahls: sie führt am Gründonuers- laa die am Palmsonntag fonfirmierte Jugend erstmalig an den Tisch des Herrn, um dadurch das Gelöbnis am eonfirmatronstag zu bekräftigen. In der griechischen Äirche hat sich zum Teil bis auf den heutigen Tag die Sitte des Fußwaschens am Gründonnerstag erhalten: bei anderen Religionsgemeinden ist dieser Brauch noch ß als sogenannte kleine Taufe üblich. Im 19. Jahr- ert bürgerte sich das hauptsächlich für die Jugend bestimmende Suchen nach Ostereiern an diesem Tage ein. Heuer wird es freilich den Osterhasen wieder schwer fallen, so manche Hoffnung auf einen Eierfnnö zu be­friedigen. Schuld daran find nicht die Hasen oder Hüh­ner sondern die Preise! Zucker- und Schokoladerreier gibt es ebenfalls in Hülle und Fülle und wenn man es versteht, eirszuteilen und. hauszuhalten, kann man den Kleinen hier schon eine schöne Freude bereiten. Und nichts ist im späteren Alter schöner als solch frohe Ju­genderinnerungen.

Eine Konferenz der deutsche« Fina«zmi«isier ist für Ende Avril in Würzbura in Aussicht genommen.

Die Verhandlungen zwischen Puten und Memel sie­ben vor dem Abschluß. Natürlich macht sich auch Inet bei polnische Ausöehuungsörana unliebsam bemerkbar.

Die ehemalige Kaiserin Zita von Oesterreich bar nach einer Meldung an» Genf beim Bundesrat Schritte un- ternommen, damit ihr gestattet werde, mit ihren Kindern auf Schloß Warteg bei Rorfchach Wohnung zu nehmen.

Kemal Pascha hat sich alsinoffizieller Beobachter" nach Genua beaebeir. _

Der Deutsche Bantdeamteuvere«» dar den Schieds- prnch im Bankgewerbe nur unter Vorbehalt ange- m'nnneiL

Anläßlich des Erplosionsuuqlncks in Gleiwiß sind Berbaftuilaen von Deutschen voraerwmmen worden.

Graf Lerchenfeld hat in Ingolstadt über die aeaen- wärtiae politische Lage gesprochen und sich bei dieser Ge­legenheit u. a. entschieden gegen das Streikrecht der Be- amten ausgesprochen.

Bo« amtlicher bayerischer Seite wird festgestellt, daß die Behauptung Poincarees von einer militärischen Ausbildung der Schupo von Anfang bis zu Ende er­müden ist.

Der DampferBismarck", der von nun an den Na­menMajestic" führen wird, hat Hamburg unter eng­lischer Flagge und unter Führung des Kapitäns Heves mit dem Fahrtziel Southampton verlassen.

Milleraud und der Sultan von Marokko tauschste« tu Rabat Besuche aus.

F« Hannover ist die Tuberkulose-Ausstellung des, deutschen Hygienen« cfeums eröffnet worden.

. Die AM der «bei Cnr-aven beförderten Answan- derer aus dem Deutschen Reich betrug im März d. Is. WJjjß tat gleichen Monat des Vorjahres).

General ve» Falkenhayn f.

Der frühere preußische Kriegsminister und Chef des Generalstabes des Feldheeres, General der Infanterle Erich v. Falkenhayn, ist am 8. April auf Schloß Lmd- neM bei Wildpark gestorben.

Donnerstag 13 April 1922

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Die Nachricht kommt irberraschend, denn man hörte nichts, daß Falkenhayn erkrankt sei. Er war geboren am 11. September 1861, stand also im 61. Lebensjahre. Mit ihm ist eine der bemerkenswertesten Gestalten aus dem alten deutschen Heere geschieden, ein Mann, dessen glänzender Geist unbestritten ist, der aber in Verken- nung des Mögtzcheu als Cbef des Generalstabes schwerste Keßler beging. Die Rivalität zwischen ihm und dem weit überlegenen Hindenburg bildete eine Quelle ständiger Reibungen. Während Hindenburg die Entscheidung im Osten suchte, erschöpfte sich Falkenhayn vor Verduu: der Salongeneral, der im Reichstage sei­nerzeit das Wort von derblitzschnellen Offensive" ge­prägt hatte, war den gigantischen Aufgaben aus dem europäisch-asiatischen Schauplatze nicht gewachsen. Auch die Zusammenarbeit mit Oesterreich" klappte nicht. Nach seinem Abgänge wurde er mit der Führung der 9. Ar­mee gegen Rumänien betraut, und später übernahm er die Oberleitung auf dem asiatischen Schauplätze: hier blieben ihm aber Erfolge versagt, da der Zusammen- bruch aller Fronte« dem Kriege ein Ziel setzte.

Eröffnung der Welttonferenz.

Jm altberühmten Palazzo Reale in Genua versam­melten sich Montag nachmittag schon von 1 Uhr an die eingeladenen Delegierten, Pressevertreter und Notabel« zur Eröffnung einer Konferenz, wie sie von solcher Be­deutung seit dem Wiener Kongreß kaum abgehalten wurde. Militär war aufgeboten und in der Nähe des Palazzo Reale ausgestellt. Nachdem die Vertreter ver- schledener Staaten ihre Plätze eingenommen hatten, kam Reichskanzler Dr. Wirth mit den deutschen Delegierten, danach der italienische Minister des Aeußern Schanzer, dann, Punkt 3 Uhr, Lloyd George, und als letzte die Russen, Tschitscherin mit seiner Begleitung.

Die Sitzung wurde 3 Uhr 10 von de Facta eröffnet, der die Erschienenen begrüßte und auf die große Bedeu­tung der Konferenz hinwies. Die Ansprache wurde ins Englische und Französische übersetzt und dann ein Tele­gramm des Königs Viktor Emanuel und eins von Poin- earee verlesen.

Lloyd George sprach darauf in kurzen Worten seinen Dank aus und schlug vor, de Facta Alm Präsidenten -n wählen. Nach ihm nahm Barthou das Wort, der die Kan­didatur von Facta guthietz und erklärte, daß Italien durch die Einberufung auch die Verantwortung für die Konferenz auf sich genommen habe, de Facta wurde dar­auf zum Präsidenten gewählt.

Die Reden der Delegierten.

»« Als erster Redner sprach der Führer der italienischer! Delegation, de Facta. Er hob die Möglichkeit und die große Wichtigkeit der europäisechn Rekonstruktion her­vor. Er wies darauf hin, daß es auf dieser Konferenz nicht Sieger und Besiegte, sondern nur Völker gebe. Italien habe mit Zentral- und Osteuropa immer in leb­haftem Handelsverkehr gestanden und wünsche die Wie­derherstellung dieser Beziehungen. de Facta betonte wei­ter, daß alle diejenigen Staaten, die der Einladung nach Genua Folge leisteten, damit auch das in Cannes auf- geftellte Programm angenommen hätten. Weiter sagte de Faeta, daß die Länder in Mittel- und Osteuropa, be­sonders Rußland, das seine wichtige Funktion im euro­päischen Wirtschaftsleben wieder haben müsse, nicht län­ger mehr aus dem Umkreis der europäischen Wirtschaft ausgeschaltet bleiben dürfen. Wie durch die Washingto­ner Konferenz die grauen Wolken des Stillen Ozeans verschwunden seien, so hoffe er, daß in Genua Verständ­nis voll für den Weltfrieden gearbeitet werde. Italien sei bereit. in wirtschaftlicher Hinststst die Hinderirrste ^» be-

74. Jahrgang

ctlmpsc«, ote oec ENtwlctlung des Handels durch eine Politik der Verbote und BegünsLiK«ngen entstanden seien. In finanzieller Hinsicht sei Italien geneigt, mit den anderen Staaterr alle Lösungen zu prüfen, um den allgemeinen Zustand der staatliche« Finauze« zu ver- -esseru, den Geldumlauf einzuschränken und die We«- selkurse anszualeicheu.

Nun erhob sich unter allgemeiner Aufmerksamkeit Lloyd George. Er begann seine Rede um 3 Uhr 50 Nki- nuten und sprach 25 Minuten. Auch er sagte, auf dieser. Konferenz unterfcheide man nicht zwischen Siegern und Besiegten, Monarchien, Republiken und Sowjets. Alle Nationen, ohne Unterschied, müßten an dem Wiederauf­bau der europäische« Wirtschaft arbeiten. Aus der Rede des Miuisterpräsidenten klang der aufrichtige Wunsch, zur Rekonstruktion Europas beizutrageu. Er forderte die ariwefenden Delegierten auf, ihn in dieser Arbeit zu unterstützen. Die Rede wurde laut applaudiert.

Nach Lloyd George sprach Barthou. Er Mrte aus: Ich bringe dieser Konferenz, aus der eine Neuorientie­rung der Welt hervorgehen kann, die überlegte Stimme und die loyale Mitarbeit Frankreichs entgegen. Als Lloyd George in Cannes die Initiative ergriff, die Kon­ferenz einzuberufen, wurde die Zustimmuug Frankreichs sofort gegeben, und wenn Frankreich seitdem einen nütz­lich angewarlöten Zeitaufschub forderte, so geschah dies in der Absicht, um durch eine vollkommene Vorbereitung die Resultate zu erzielen, auf welche Frankreich das Ver­trauen und seine ganze Hoffnung setzt. Die Welt leidet an ihrer Gesundheit, an ihrer Sicherheit, an ihrer Stetig­keit und sie fordert, daß eine methodische und wirksame Aktion ihr endlich das wiedergebe, dessen sie bedarf. Nur das Vertrauen, das stete Vertrauen kann die Welt ret­ten. Europa ist mit Ruinee bedeckt. Europa, um nicht zu sagen, die ganze Welt, ist eine wirtschaftliche Einheit die der Krieg gelähmt hat. Der Friede und die Arbeit sind das Progranrm und die Tagesordnung Frankreichs.

Nach Barthou sprachen Vertreter Japans und der Belgier Theunis.

Hierauf ergriff das Wort Reichskanzler Dr. Wirth, der u. as auf die schwere Verantwortung hinwies, die die dörfische Reichsregierung au: sich genommen hatte, Lej^der-jetzigen Saue Deutschlgnds und seines Volkes das Schwergewicht der politischen Tätigen oielle dit am Wochen hinaus zu verlegen. Noch schwerer würde aber die Verantwortung für ein Fernbleiben gewesen sein. Die deutsche Reichsregierung sei bereit, an den der Kon­ferenz gestellten Aufgaben mitzuwirken in der Hoffnung, daß auch die anderen Verhandlunasmächte in dem glei­chen Geiste mitarbeiten werben, der getragen sein müsse von ber'Bereitschüst, das Mißtrauen zu beseittaen, das seit vielen Jahren die Weltatmosphäre trübe, und wenn ^es nötig, für das Wohl des Ganzen auch Opfer zu brin­gen und auf lang vertretene Interessen zu verzichten. Bei den Beratungen dieser Konferenz müßten die Wirt- schaftter und Finanzleute ein maßgebendes Wort haben. Die europäischen Staaten müßten zu dem System des »«behinderte« Handels znrückkehren und den Wirt­schaftsverkehr von allen Fessel« freimachen. Die Hilfe, die den einzelnen Wirtschaften gewährt werden solle unh gewährt werden müsse, könne nur so aewährt werde» daß sie der politischen and wirtschaftliche« SelbstSestim- m««g der Völker keinen «bhrttch tue. Die Rebe des Reichskanzlers wurde mit lebhaftem Beifall aufge- «ommen.

Tschitschert« erklärte insbesondere. Satz RutzlanS bereit sei, auf rede polittsche AuslarioSpropaganda zu verzichten, seine Grenze« z« öffne« und durch die Ge« Wahrung von Konzessionen einer vlanmäßiaeu AuSLe«-

Der Liebe ewiges Licht.

Roman von Erich Friese«.

-M (Nachdruck »ertöten.)

Und als sie vorhin bange Minuten lang glaubte, er werde ihr genommen, der Heißgeliebte - da meinte sie, ein Abgrund tue sich vor für auf, der sie für immer verschlingen müsse.

Aber nein er lebt! Lebt!! Nun ist alles gut!

Und mit dieser Erkenntnis kommt auch wieder die - alte Energie und Tatkraft über- sie.

Sie kennt die Mamsell Tönnesen zur Genüge, um anzunehmen, daß ihre Neugier und Klatschsucht sie in dieser Nacht nochmals hierher treiben wird und sei es unter einem noch so nichtigen Vorwande. Es gibt also zuerst, Gunnar, der sich ersichtlich in einem ihr unerklärlichen, todesähnlichen Schlaf befindet, von hier fort, nach seinem nebenan liegenden Schlafgemach zu bringen.

Aber ivie dies bewerkstelligen?

Da fällt ihr Blick avf Hjalmar, dessen Gegenwart sie in ihrer Aufregung ganz vergessen.

Rasch verständigt sie sich mit ihm in der Zeichen­sprache. Und schon nach wenig Minuten ruht Gunnar auf der Chaiselongue, ein bequemes Kissen unter dem Kopf und eine wollene Decke über den Füßen. Der Vorsicht halber fühlt Ebba noch seinen Puls: er geht ruhig und kräftig.

So! Jetzt karm sie den Geliebten verlassen. Hjal- mar mag bei ihr» Wache halten für alle Fülle.

Doch seltsamerweise wehrt der Taubstumme sich da­gegen, hier zu bleiben. Aufs neue bedeutet er ihr mit flehenden Gebärden, ihm zu folgen. Und wieder füllt ; ihr seine beredte Geste nach dem Munde auf, als ob ' er trinken wolle dieselbe Geste, die er bereits am ' Abend, nachdem er Karin au den Hals gesprungen war, : machte. Und auch vorhin, als'er Ebbas Hilfe für Gun-

»ar anrief. Sie muß also einen tieferen Zinn haben.

So entschließt sich Ebba, wenn auch ungern, den Ge­liebten allein zu lassen. Noch einen innigen Blick wirft sie auf den ruhig atmenden Schlafenden dort auf der Chaiselongue dann verläßt sie mit Hjalmar die Sternwarte.

Wohin wird der treue Bursche sie jetzt führen?

Als er den Weg nach dem Laboratorium einschlägt, zuckt eine neue Angst in ihrem Herzen auf. Wie me­chanisch haftet sie die Gänge entlang, treypab und wie­der treppab. Sie bemerkt kaum, daß Mamsell Tönne­sen, mit einem Licht in der Hand, vorbeischleicht und bei ihrem und Hjalunrrs Anblick verdutzt stehen bleibt.

Erst, als sie die Schwelle des Laboratoriums hinter sich hat und den Vater, wie stets, in seinem Lehnsessel vor dem Epperimentiertisch sitzen steht Luzifer zu­sammengekauert zu seinen Füßen da atmet sie er­leichtert auf.

Vater! Lieber Vater!"

Keine Antwort.

Nur aufs neue jener unheimliche, langgezogene kla­gende Katzenschrei.

Sie tritt näher. Das greife Haupt ist tief auf die Brust herabgefnnlen. Die Augen sind geschlossen. Er scheint friedlich zu schlummern.

Von einer bangen Ahnung durchzuckt, legt Ebba die Hand auf seine Stirn; sie ist eiskalt.

Auf den noch nicht erstarrten Zjigen liegt eine drei­fache Majestät: Die Majestät des Denkers, des Alters und des Todes.

17.

Hell und klar steht am nächsten Morgen die Sonne am Himmel. Nichts mehr von Wolken, die die Bläue des Himmels verdecken. Nichts mehr von Nebel, der die Erhabenheit der Natur ringsum verdüstert.

Wiederholt schon hatte Mamsell Tönnesen den Kopf durch eine Türspalte in Madame Karins Schlafgemach

gesteckt, um zu sehen, ob Madame noch immer schlief

Nicht- rührt sich hinter den schweren Damastvor, hängen des wetten Himmelbetts. Noch immer fest ge< schlössen die Fensterläden. Alles still und finster - stockfinster.

Endlich hält Mamsell Tönnesen es nicht mehr aus. Mit einem Ruck stößt sie die Fensterläden auf. Helle- Sonnenlicht flutet herein in das mit altmodische- Pracht ausgestattete Schlafgemach .

Auch jetzt noch alles still. Unheimlich ftiU.

Mamsell Tönnesen schleicht auf den Zehenspitzen nach dem Himmelbett und hebt einen Zipfel des Vorhangs, Grell beleuchtet ein durch die hohen Bogenfenster her. eintanzender Sonnenstrahl das in die weißen Kisse« hineingewühlte fahle Gesicht.

Vorhang zu! Läden zu!" kreischt es auf. Und zwei unruhige, zitternde Hände wehren hastig den blenden­den Sonnenstrahlen.

Mamsell Tönnesen ist klug, und ganz eigene G^ danken rumoren seit heute nacht in ihrem listigen KoH herum. Aber üOlamfeH Tönnesen ist auch brutal. Unl ' so fällt sie gleich mit der Tür ins Haus.

Madame! Ich muß Ihnen eine Trauerbotschaft bringe«."

Karin rührt sich nicht. Nur ihre Finger trumpfe» j sich ineinander. Und in ihr Gesicht tritt ein gefpann« ; ter, grausamer Ausdruck.

IDer Arzt war soeben da und hat Gehirnschlag sott* ! fintiert," fährt Mamsell Tönnesen mit einem lauerm ! deu Seitenblick fort.Der alte Mann muß gar niÄ i gelitten haben."

Jetzt kommt Leben in die zusammengeduckte Gest als ' dort in dem großen Himmelbett.

pAlter Mann? . . Von wem redest du?"

iVon dem alten Herenmeister da unten in feinet i Hcrenküche^

! (Fortsetzuua rolat >