Schlüchterner Zeitung
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Kreisblatt
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Amtliches Organ für Stadt und Kreis Schlüchtern
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Nr 42
Palmfsnntag.
Von einem König aus alter 3eit wird berichtet, daß sr, als Gesandte eines fremden Landes ihn aufsuchten, um ihn zu einem Bündnis aufzusordern, seine Zusage durch allerlei Ausflüchte hinauszuschieben suchte. Da trat der Führer der Gesandtschaft vor, beschrieb mit ei-, uem Stab im Sande einen Kreis um den König und sagte: Entscheide dich hier! Zu solcher Entscheidung ruft ■ auch der Tag der Konfirmation die jungen Christen auf, die der Vätersitte folgend vor Gottes Altar treten, um ein gutes Bekenntnis vor Gott und Menschen abzu- legen. Die Gegner der Konfirmation kommen wohl gern mit dem Einwand, daß Vierzehn- oder Fünfzehnjährige sich der Bedeutung eines solchen Bekenntnisses noch nicht bewußt sein könnten, ja, daß man von ihnen noch keine Entscheidung über die tiefsten, innerlichsten Augelegen- Hesten des Lebens verlangen dürfe. Aber wenn man be- denlt, daß viele von den jungen Leuten wenige Tage nach der Konfirmation das Elternhaus und die Heimat verlassen, um sich irgend einem Berufe zuzuwenden, und daß dann mannigfache Versuchungen sie umbranden, dann soll man sich dankbar freuen, daß in der Jugend- weihevolle Stunden, wie die der Konfirmation, unver- Wchliche Eindrücke hervorzurufen pflegen. soll man sich dankbar dessen freuen, daß der Fugend Gelegenheit ge- 1 boten wird. nicht nur angesichts ihrer Eltern und Erzieher', die bis zum Einsegnungstage Über sie gewacht haben, imitiern vor allem auch vor Gottes Angesicht es feierlich zu versprechen/ das Böse zu meiden, das Gute M lieben und dabei als Helfer- und Mitkämpfer den auf den Lebensweg mitzunehmen, der uns darin das un- toertrefflidie, reinste Vorbild gegeben hat Unsere ber- mlwnchsende Fugend ist es, von der nicht zuletzt die Zukunft unseres Volkes abhängen wird. Eine Fugend, die an Genußsucht und Verweichlichung und oberflächlicher Lebensauffassung Gefallen finde#. wird den großen An- ferderungeu. die zweifellos an sie üerautrcten werden, u:cht gewachsen sein. Nur Menschen von ernster, im Ewigen verankerter Lebensanschauung, nur Menschen voll opferwilliger Liebe zu ihren Mitnunrüben und voll heiliger Ehrfurcht vor Gott werden sich "übst und ihrer Volksgemeinschaft zum Segen leben. ’
filmet warn Lage/
^ Ministerialdirektor Heinrich wird sicherem Vernehmen nach anstelle des zum Regierungspräsidenten von Mittelfranken ausersehenen Staatssekretärs Dr. Hu- der Staatssekretär im Reichsernährungsministerium werden.
i^Jm Reichsernährungsministerinm beginnen am Montag die Beratungen mit den Erzeuger- und Verbraucherorganisationen über die Frage der Getreideumlage für das Fahr 1922.
Neuer Angriff auf Lloyd George.
Aus London wird gemeldet: Die „Unbeugsamen" werden im Unterhaus einen Antrag etrrbringen, worin erklärt wird, der Mangel an einem festen Grundsatz i« her Politik der gegenwärtigen KoMtionsregiernng könne Kur behoben werden durch die Schaffung eines Minr- Keriums, das aus Männern zusammengesetzt sei, die durch einen politischen Grundsatz vereinigt werden Der „Westminster Gazette" zufolge sind auch die unabhan- siöev Liberalen und die Arbeiterpartei bereit, für dre- fen Antrag der extremistischen Kmrservatwen zu stnn- «sn, da unter einem Mintsterimn wie dem in der bm,~
Samslay, 8 April 1922
ichltetzung geforderten auch eine Regierung der Lwera- len und Arbeiter verstanden werden könne. Die Regierung sehe den Antrag als ein Mißtrauensvotum an und werde dagegen Stellung nehmen
Gegen die Schuldlüge.
Francesco Nitti, der frühere italienische Ministerpräsident, der tu einer Reihe von mutigen Artikeln im „Paese" die Unhaltbarkeit des Vertrages von Versailles nachwies, hatte kürzlich eine Unterredung mit einem Vertreter des »Neuen Wiener Tagblatts" über das Problem „Europa", in der er sich über Deutschland wie folgt äußerte:
„Die Macht Deutschlands bestand weniger in seinem Heere und in seiner Kriegsflotte als vielryehr in der Vorherrschaft seines geistigen Aufschwungs. Fn den meisten wirtschaftlichen und kulturellen Dingen galt Deutschland als Vorbild für die ganze Welt, nur eines feylte Deutschland, ein tüchtiger Staatsmann. Wenn man einmal erst die Dokumente der Kriegsursachen prüfen wird, wird man sehen, daß der Hauptgrund der Katastrophe der Zentralmächte die Haltung Rußlands gewesen ist. Rußland war es, das die Slawen Oesterreichs aufhetzte und den Serben im Falle eines Konfliktes jede Unterstützung versprach. Für Deutschland war Rußland der einzige Feind. Nie hat es an eine ernstliche Bedrohung durch Frankreich geglaubt, das allein auch nie imstande sein konnte, Deutschland Widerstand zu leisten. Der Dreibund hatte Italien sehr große Vorteile gebracht und deutlich gezeigt, daß die einzig richtige Politik Ftaliens die Politik Crispis' war. Europa hat durch den Krieg den Geist der Gemeinsamkeit verloren. Es kann den Frieden nur wiederfinden, wenn es sich besinnt, daß der Krieg zu Ende ist. ,
Das System der Friedensverffäge, die eigentlich Kriegsverträge sind, gestattet nicht, von einem Kriegsende zu sprechen, sondern begründet eher einen dauernden Kriegszustand. Der Vertrag von Versailles spaltet Europa in zwei Teile. Einer seiner Hauptfehler war, den deutschen Kaiser vor ein Gericht bringen zu wollen. Es ist einfach absurd, ihn als den Alleinschuldigen hinzustellen. Wenn aber auch Deutschland die Hauptschuld an» KFeo verantworten soll, so gibt r dich keine« einzige« Staat der Entente, der nicht mitschülLla wäre. Deutschland/' dem größten und gebildetsten Volke der Welt, ist ein Gewälffrieden aufgedrängt worden. der arger ist als jeder Krieg. Viele Teile Deutschlands wurden unter die Gewalt geistig tiefer stehender Völker gestellt. Die Friedensverträge sind die Verneinung aller Prinzipien und Fdeale, die die Entente während des Krieges verkündet hatte. Europa kann nicht früher zur Rube kommen, ehe die bestehenden Verträge annn'rert und wesentlich gerechtere an ihre Stelle getreten sind."
Wiederum nachgeben!
Die Antwortnote der deutschen Regierung an die Militärkontrollkommission ist Mittwoch nachmittag dem General Rollet übergeben worden. Fn den Verhandlungen mit den Vertretern der Länder wurde eine Er- nigüng über den übrigens recht kurzen Text der Antwort erzielt. Die Antwortnote erkennt, rote verlautet, die Forderung der alliierten Militärkontrollkoirlmffstou grundsätzlich an und sucht tiett Weg zu neuen Verhand- tunaen offen zu halten.. ..
Infolge der von der Entente geforderten werteren Schwächung der Schutzpolizei werden in erster Linie dw- - :nett deutschen Ladestelle, in de-en Ne nicht
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bestehen darf, betroffen. Die Deutsche Volkspartei var in dieser Angelegenheit folgende Anfrage an die Reichsregierung gerichtet: Haben die'Okkupationsmächte in den besetzten Gebieten die Verantwortlichkeit für den Schutz der dortigen Bevölkerung übernommen? Welche Macht hat die Verantwortung für den Schutz der Bevölkerung in den neutralen Gebieten übernommen?
Die Vorkonferenz in Genua.
>» Aus Rom wird gemeldet, daß die Abhaltung einer Vorkon . enz in Genua amtlich bestätigt wird. In gewissen 5 essen wird sogar behauptet, auch deutsche und rukftsche Vertreter zu dieser Vorkonferenz hinzugezogen würden.
Festesse« zu Ehren des Reichskanzlers.
**3u Ehren des Reichskanzlers, der am Donnerstag seine Reise nach Frankfurt antritt und von dort nach Genua weiterreist, gab Hosrat Hugo Bryk am Mittwoch im Hotel „Bristol" ein kleines Festessen, an dem u. a. der frühere Reichskanzler Fehrenbach und der österreichische Gesandte Riedl teilnahmen und in dessen Verlauf nach einer Ansprache des Dr. Seelig vom preußischen Unterrichtsministerium Reichskanzler Dr. Wirth eine bedeutungsvolle Rede hielt.
Die Frage der Ausländsanleihe.
** Aus Paris wird gemeldet: Fn der Studienkommis- sion, die von der Reparattogskommission eingesetzt wurde, um die Frage der sogenannten Mobilisierung der deutschen Reparationsschulde« zu klären, d. h. Vorschläge für die Beschaffung einer Reparationsanleihe auszuarbeiten. wird bekanntlich auch ein deutscher Vertreter sitzen. Die Reparationskommission hat gewünscht,- baß als deutsches Mitglied dieser Studienkommission der frühere Staatssekretär und frühere Vorsitzende der« Kriegslastenkomnlission V-'-awanu bestimmt werde.
Die Antwort an die Reparattonsbommifsson.
»* Paris. (D. A. Z.) Nach den Morgenblättern vom Donnerstag soll die Antwort der Reichsregterung auf die Reparationsnote am Donnersiag in Berlin der Ga- rantiekommiision überreicht werden. Ueber den Fvlmlt der Now wird hier mitgereilt Denischland lehne die 60 Milliarden neuer Steuern und die Finanzkontrolle unbedingt ab, stimme aber den übrigen Punkten im allgemeinen zu. Was die intcrnaiionale Anleihe betreffe, so sollten ihr als Grundlage die 90 Milliarden Schatz, anweisnngen diene«, die sich bereits in Händen der Entente befinden. Um die Zinsen für diese Schuld zu zahlen, soll eine internationale Anleihe von einer Milliarde im erste« Jahre, 1f^ Milliarsen im zweiten, 2 Milliarden im dritten, bis z« 4 Milliarden im fünften Jahre ausgenommen werden. Hierzn werde aber Deutschland ein vollständiges Moratorium für die Reparationszahlungen verlange«. Als Garantie für die Anleihe sollten gewisse chemische Jndnstrie- «ud Kohlenwerte Deutschlands angeboren werde«.
Durch die angekünöigte Ueberreichuug der Antwort auf die Reparationsnote werden alle Meldungen von einem angeblichen Ultimatum der Reparattonskommif- ften an Deutschland hinfällig. Staatssekretär Bergmann weilt in Paris, um mit der Reparationskommission wegen einzelner Rückfragen zu »erhandeln. Wenn die Reparationskommission hierbei ihm aegenüber einmal den Wunsch ausgedrückt hat, eine Antwort auf ihre Note noch vor Genua zu erhalten. so konnte d'es frftm in Aussicht gesteNs »'?"->"" ;p Q?nvT”' <v s» r<',iri "rhprei^fttnts
Der Liebe ewiges Licht.
Roman von Erich Friese«.
M (Nachdruck verboten.)
Im Ru eNtledigt sie sich ihres weiten, dunklen Faltenmantels und wirst ihn der Breite »ach über die stille, lang ausgestreckte Gestalt, sodass er sie völlig umhüllt. Die drohende, nahe Gefahr hat Gbba ihre Energie und überlegene Ruhe wieoergegeben. Der Mut oer Löwin ist in ihr enoacht, die ihr Teuerstes zu verteidigen bereit ist — wenn nötig, mit ihrem eigenen Herzblut.
Es war höchste Zeit. Senn schon taucht draußen auf der Plattform Madame Karins schnrächtige Figur auf. Und hinter ihr eine Anzahl gaffender Gesichter.
Die Eindringlinge scheinen vorerst in dem Durckel der Nacht noch nichts zu erkennen. Dann gewahrt Karin die offene Tür, durch die ein matter Lichtschein dringt. Doch bevor sie die anderen heranwinken kann, steht Ebba auf der Schwelle — hochaufgerichtet, in stolzer Unnahbarkeit.
Fünf Allgenpaare starren sie an — spöttisch, brutal, voll grausamen Hohnes. Ebba hat die Empsurdung, üls woge ein ganzes Meer von Gesichtern vor ihren Blicken,
Doch nur einen Moment. Dann ebbt das Blut zurück von ihrem Hirn.
„Ich muß Sie bitten, die Sternwarte zu verlassen — im Namen des Schloßhernr von AsM" sagt sie mit ruhiger Würde.
Unwillkürlich weichen alle zurück.
Nur Kariil schlüpft mit der Geschmeidigkeit einer Katze, an Ebba vorbei, ins Zimmer. Was sie zu finden erwartete — sie weiß es selbst nicht. Aber der Anblick, der sich ihr hier bietet, läßt ihre hämische Anklage auf den Lippen erfrieren. Flfie unstet flackern, den Blicke irren von der langausgestreckten Gestalt
am Boden zu dem hohen, Hellen Frauenbild auf der Schwelle und wieder zurück auf die dunkle, wie von den Schauern des Todes umwallte Gestalt--
Und plötzlich verzerren sich ihre Züge. Ihr Mund öffnet sich in starrem Entsetzen, Ihre Augen scheinen aus den Höhle« z« treten und stieren — stieren--
Aus den Falten des Mantels, der den Körper verdeckt, guckt eine schmale, todesbleiche, bewegungslose J ! Hand hervor -r—-
Und an dem rechte« Zeigefinger funkett ein Diamantring mit dem Wappen der Helgelande--
Wie gebannt durch den Blick einer Schlange stiert Karin auf diese Hand, und ihr Körper schüttelt wie im i > Fieberfrost hin und her.
„Zwanzig Tropfen — Tod!" murmelt sie vor sich ' ' hin. Und starrt — und starrt--
! „Madame Karin von Solveg! Was suchen Sie hier
- in der selbstgewählten Einsamkeit Ihres Bruders?"
i fragt aufs neue die tiefe Frauenstimme von der Schwelle her. „Haben Sie nicht bereits genug Unheil
. gestiftet auf Schloß Askö? Wollen Sie es nicht endlich genug sein lassen?"
' Karin antwortet nicht. Sie starrt nur — und ; . starrt --
Da taucht hinter der dunklen Gestalt am Boden eine groteske kleine Gnomenfigur auf. Und aus dem haß- : liehen Zwergengesicht glühen sie zwei Augen an — in ■ stummer und doch so beredter Anklage.
; Wie von Furien gejagt stürzt Karin aus dem Zim- | . mer.
„Madame haben wohl genug gesehen," tönt draußen. Mamsell Tönnesens ölglatte Stimme an ihr Ohr.
„Darf ich Madame zurückgeleiten?"
Karin nickt wie geistesabwesend. Angstschweiß perlt von ihrer Stirn. Stützesnchend greift sie um sich. '
. Dann schwankt sie an Mamsell Tönnesens Arm z' r Wendeltreppe. ‘ »»i^
„Aeh, hm — in der Tat, teuerste Freundin, man hätte die pikante Schose nicht so ohne weiteres auf« geben sollen", näselt der Börsenmakler mißvergnügt, „Hätte zu gern gesehen, was da hinter der Tür ver, borgen war!"
„Ja, ich auch!" knurrt Madame Lind. „Was hatte den die ehrbare Frau Marquise da drinnen zu tun
„Seid ihr denn alle toll?" schreit Karin, ihrer selbst nicht mehr mächtig. „Geht schlafen! Morgen ist auch noch ein Tag!"
Und fast mit Gewalt drürrgt sie ihre Gäste öt« Treppe Hinab.
Mamsell Tönnesen, die Karin fast unausgesetzt be, obachtet, erbietet sich, Madame zu Bett zu bringen: „Jeanette schläft schon, da es zu spät geworden wäre." Völlig teilnahmslos läßt Karin sich entkleiden, wobef ihre Glieder wiederholt wie in Fieberschauern ert zittern.
„Madame scheinen nicht wohl," bemerk: Maraseh Tönnesen mit dem ihr erneuen, schiefen Seitenblick, „Madame haben doch nicht das neue Elixier des altetz verrückten Hexenmeisters da unten probiert? Fitz Dorf sind die Leute schon ganz wütend auf ihn. Ei« paar alte Männer, denen er die Tropfen gab, sind half verrückt davon geworden Einer liegt sogar fdroi iq Ster -"
„Schweig doch endlich mit deinem Geplapper!" fäho Karin auf. „Siehst du nicht, daß ich Kopfweh datier
„Kein Wunder nach solchem anstrengenden Tag!« lächelt Mamsell Zürnte seit devot. Und doch könnt« Karin sie ohrfeigen für die impertinente Miene, vo^ der die honigsüßen Worte begleitet sind. —
Endlich, endlich ist Karin allein! , '
Allein? . . . Ist sie wirklich allein?
Verstört blickt sie um sich.