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Wuchterner Zeitung

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; Erscheint 3mal wöchmtl. Drahtanschr.: Kreisblatt Schlüchtern. SSrud u. Berlag Fa. E Hohmeister, Schlüchtern. Berantwortl. tSchriftleit. H.-T. Hohmeister, Schlüchtern. Geschäftsstelle Drei» rbrüderstr. 9. Im Falle höherer Gewalt, Betriebsstörung ob. zStromsperre erlischt jede Verpflichtung auf Schadenersatz.

Amtliches Organ für Stadt und Kreis Schlüchtern

Rr. 41

Donnerst«« 6 April 1922

74 Jabrganq

tfMei vom Tage.

Der Letter -es deutsche» Kraukenhanses in Tiflis, Dr. Merzweiler, ist. an Flecktyphus gestorben. Die deut­le Hilfe für Rutzlan- hat dadurch abermals ein Opfer -u beklagen.

In Westpreußen droht ein Landarbeiterstreik aus- Mechen.

Die Uebergabe Wilnas an Polen erfolgt in diesen Tagen.

DieOftpreußische Zeitung" ist ohne Begründung M aus weiteres im Memelgebiet verboten worden.

Der Präsident des Deutschen Gastwirtschaftöverban- des, Adolf Kühn, ist im Alter von 68 Fahren in Berlin- ^riedenau an den Folgen eines Schlaganfalles gestor­ben. Kühn war Mitglied des vorläufigen Reichswirt-

MstSrates.

einer Melrung aus m, um an der Uni-

löste

it Tokio eine Anzahl Vorlesungen über seine Lehre

Der deutsche Außenhandel im Februar brächte einen jlusfuhrüberschutz von 2,5 Milliarden Mark infolge »eiterer Einschränkung der Einfuhr-.

In Moabit hat der große Falschmünzer-prozeß be- mrnen. Auf der Anklagebank Haberr 15 Personen Platz aelwmmen, die in den Jahren 192» und 1921 falsche Fünfmarkscheine in großen Massen in Umlauf gebracht

Bei Nr Breslauer Reichswirtschaftsstelle find große Schiebungen festgestellt worden. Es handelt sich um eine Summe von 65 Millionen Mark. Mehrere ange­sehene Breslauer Kaufleute sind verhaftet worden.

Die evangelische Elternschaft Span-aus ist in den Sets getreten. Die Veranlassung gab die Neu- 18 der Spandauer Schulbezirke.

Der Streik -er amerikanischen Kohlen arbeiten hat begonnen. 600 000 Arbeiter haben die Minen verlassen.

Die Aussichten in Genua.

B-es ihm soeben mit großer Mehrheit erteilten Nsootums wird sofort klar, wenn man des! einer anderen mit großen Hoffnungen begleit teten internationalen Konferenz denkt: an die von Can- M wo zwar der englische Premierminister keine der, utigen Schwierigkeiten bei seiner Rückkehr zu überwin, den hatte, wohl aber sein französischer Kollege Briand, tedie Kammeruiasorität mit solcher Wucht in den n fiel, daß seine Rückkehr an die Riviera unter­bleiben mußte und das ganze Konferenzwerk nicht zn Ende geführt werden konnte. In Cannes waren es, alles in allem, die Beziehungen Frankreichs zu Eng, land, die für den mißlichen Ausgang der Verhandlun­gen entscheidend waren; in Genua steht abseits von den eigentlichen Diskussionsproblemen Deutschland und Rußland wiederum deutlich genug vor den Augen

^enn der Kampf um eine Weltanschauung sein, an deren Polen Paris und London stehen.

Die beiden Hauptpunkte, die den im Unterhaufe ein- gebrachten Vertrauens- Sezw. Mitztrauensantrügen zu- mmde lagen, bezogen sich auf das Revarationsproblew

uno aus Die Anerkennung Sowjetrußlands. Alle Par­teien des englischen. Parlaments billigen das Zustande­kommen der Genueser Konferenz, deren gestaltender Ge­danke bekanntlich von Lloyd George selbst ausgegangen ist. Die Anschauungen zwischen links und rechts gingen nur hinsichtlich -es Programms der Genueser Tagung auseinander, und dabei ist es für uns wohl das Wich­tigste, daß es überhaupt in England Menschen gibt, die die französische Politik gegen Deutschland und ihre Un­terstützung durch die Londoner Regierung nicht billigen, die den aufrichtigen Wunsch haben, daß endlich mit der Gewalt in Europa Schluß gemacht und die Bahn frei gemacht werde für den allgemeinen Wiederaufbau und für die Völkerversöhnung. Dieser Standpunkt wird be­sonders geltend gemacht durch die unabhängigen Libe­ralen und die Arbeiterpartei. Er ist aber darüber hin­aus das Leitmotiv fast aller englischen Parlamentsgrup- pen, soweit sie nicht aus Gefüblsrücksichten französischen Sympathien zuneigen, etwa nach Art Lord Derbus, der erst kürzlich an das von einemklugen Franzosen" im ersten Kriegsjahre oernomniene Wort erinnerte, daß es keine zwei Völker auf Erden gebe, bis unentbehrlich für­einander wären wie Franzosen und Engländer, und keine, die so wenig wie diese beiden imstande wären, ein­ander ru versieben. ; ,

Dieses Wort mag in der Tat richtig fein, denn sonst wäre die ewige Wankelmütigkeit der englischen Politik, deren große Richtlinien letzten Endes historisch in einem Maße festgelegt sind, daß auch vorübergehende Irrungen und Wirrungen der leitenden Minister nichts daran zu ändern vermögen, nicht zu verstehen. Ja weiter, eben deswegen ist es für die anderen europäischen Mächte, nicht zuletzt für Deutschland, klug, mit den gegebenen Verhältnissen zu rechnen und nicht Illusionen in die Rechnung zu setzen, die früher oder später, genau wie noch stets bisher, enttäusch: werden müßten. Sehr rich­tig sagt denn auch ein englisches Blatt, der Premier­minister sei zum größter! Teile selbst für den herrschen­den Pessimismus (nicht nur in England) verantwort­lich- er habe Hoffnungen erregt, auf die Enttäuschungen gefolgt seien. Lloyd George stehe vor der härtesten Probe feines Lebens. Jetzt sei er frei, zum letzten Male vielleicht halte er die Führung Europas in Händen. Aber in diesem Punkte irrt das Blatt, und vielleicht irrt auch der englische Premier selber. wenn er wähnen sollte, oäß er noch frei sei. Diese Freiheit hat er längst ver­laust, nicht wie Las L^voner Blair granor, seit den Tagen von Versailles, schon viel früher. Die Kammer, : das Unterhaus hat Lloyd George das Vertrauen ausge­sprochen, Europa tut es nicht und kann es nicht, so lange England nicht gewillt ist, aus seiner klaren Erkenntnis dessen, was Europa not tut, die aufrichtigen und letzten Konsequenzen zu ziehen.

Und daß Lloyd George hierzu nicht die Kraft hat, zeigt auch feine Rede, mit der er sein Vertrauensvotum begründet hat. Wohl erkennt Lloyd George die Fehler der europäischen Politik, wohl weiß er, wo die Ursache -er gegenwärtigen politischen und wirtschaftlichen Ver­wirrung liegt, aber er Hat nicht den Mut, schonungslos hier einzugreifen. Es ist nur ein lahmer Versuch, den Lloyd George macht, um seine Ueberzeugmm, die, was nicht abzustreiten ist, zum Teil den realen Hintergrund erkennen läßt, vor aller Welt klarzulegen. Durch seine Rede hat er den Franzosen vielmehr von vornherein zu erkennen gegeben, da sie ihre Wünsche Ettglanö gegen­über durchsetzen können. In Genua soll der wirtschaft­liche Wiederaufbau Europas in die Wege geleitet wer­den, aber die Grundursachen, die die Wirtschaft zerstört ^>-»^^-»^, fnTYcvt ^s^pftkNT ^.scsl^^ ^^^ ^1'h ?'

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die sich diametral gegenüberstehen und ohne einander nicht lösen lassen.1 Irgend welchen Optimismus kann die Rede Lloyd Georges deshalb nicht erwecken.

Siresemann über Genua.

Auf dem Vertretertag der Deutschen Volkspartei int 18. Reichstagswahlkreis Hannover-Hildesheim-Bcaun- schweig, der in Hannover stattfand, hielt Reichstags- abgeordneter Dr. Streseman« eine Rede. Er zeigte u. a., wie wir autzenpolitifch einen einzigen Leidensweg von Versailles über Spaa nach London hätten gehen müssen. Er glaube nicht, daß dieser Weg idiun abge­schlossen sei; noch lange würden wir Objekt der Gesetz­gebung der anderen sein. Unsere ganze Außenpolitik werde unter dem Gedanken der politischen Ohnmacht Deutschlands stehen, (gegenwärtig standen wir vor ei­nem Kampf zwischen der politisch imperialistischen Ein­stellung der srauzösischen Politik und der weltwirtschaft­lichen Einstellung der anglo-amerikanischen Welt. Da wir uns nicht mehr wehren können, bleibt nur ein Weg, die Menschen darauf hiuzuweifen. daß sie mit uns zu­gleich Europa und die Weltwirtschaft zerstören. Das empfänden sie auch, das wüßten sie schon. In solchem Augenblick Deutschland vorzuschlagen, nicht nach Genua zu gehen, sei das törichste, was geschehen könne. Lloyd George scheinemit Worten" den Kampf zunächst noch einmal aufnehmen zu wollen. Zu diesem Zwecke habe er das Memorandum aus dem Jahre 1918/19 veröffentlicht.! Die englische Arbeiterpartei habe sich bereits in der hef- ngsten Weise dagegen gewandt, daß die Reparationsnote! Überhaupt an uns aeWter^ morden fei. _ f Dr. Stresemann erklärte, den praktischen Ergebnissen von Genua skeptisch gegenüberzustehen. Demuch glaube er, daß wir keinen anderen Weg gehen könnten, als den, den anderen Völkern Sie gemeinsamen Interessen zu zei­gen, soweit sie an einem gesunden Deutschland inter­essiert seien.

Uebergehen- aus die innere PolMk forderte Strefe- mann Volksgemeinschaft auf nationaler Grundlage. Er schloß seine Ausführungen mit folgenden Gedankengän­gen: Er habe große Sorge um die Reichsetnheü und stelle immer politische Streitigkeiten hintan, weil keiner wisse, ob uns das Reich gewahrt bleiben wird. Man wolle uns Ostpreußen von polnischer Seite nehmen, das sie jetzt r. n s .rMeichfel absHuitterr^ WerrnFre nun auch noch versuchtem das Rheinland und den Süden abzu- trennen, was bliebe uns dann? Preußen! Das müsse der Kern fein, um den sich das Reich wieder angliedern könne.

Lloyd Georges Ankerhavsrede.

»^ Lloyd George schlug folgenden Wortlaut des Ver­trauensvotums vor:

Das Unterhaus stimmt den vom Oberste« Entente, rat in Cannes angenommene« Entschlüsse« z«. Diefe Enticklüsse gelten als gr«u-iegevd für die Konferenz vo« Genna. Das Unterhaus unterstützt die englische Regie- r«ng in ihrem Besrrebe«, diesen Can«eser Beschlüsse« z«r Wirkung zu verhelfe«.

Welches find die, sagte Lloyd George, die Ziele der Konferenz? Warum hat man die Konferenz emberufeu? In Genua will man zmammentreten, um das Problem des rvirtschLftlichen Wiederaufbanes Enropas zu prü­fen. Die Konferenz von Genua ist einberufen worden, um tene Methoden herauszusinden, die am praktischsten sind, aus dem allgemeinen Chaos die Wege und Mittel ffrr d-' «''- v- > n'm dvS WvKü <r:tes derurrächen

Der Liebe ewiges Licht.

Roman von Erich Friese».

Sch (Nachdruck verböte». )

»V»! Daß gerade heute abend unser Poet and der ehrenwerte Oberst unsichtbar statt Eigentüm-

Woraufhin Madame Karin feine» ErM nimmt I m»d ihm mit boshaftem Lachen zurannt:

Einer von beiden kann es doch nur fetal Kom­men Sie! Sehen wir uns den liebeglüheuben Romeo etwas genauer an!"

Und lachend und sensationslüstern setzt sich die kleine Gesellschaft in Bewegung.

Als ste an der Tür von EbbaS Schlafgemach augs- langt sind, horcht Karin eine Well»

Alles still.

Sie klopft.

Keine Antwort.

Mit -er ihr eigenen tknverfchämtheit, die vor »ichis zurückschreckt, öffnet sie eine Spalte der Tür.

Da- Zimmer ist leer, -aSDett unberührt.

Der schöne Vogel ist ausgewogen k" spöttelt Ma- i fronte Karin.Was nun?*

Sollten wir nicht einmal bei unserem jungen Freund, dem Poeten, vorsprechen?" schlägt der Bör­senmakler mit listigem Augenzwinkern vor.

Oder bei dem guten Oberst?" spöttelt Madame Lind.

In diesem Augenblick durchgellt ein langgezogener Schrei die Luft so unheimlich, so markerschütternd, daß alle entsetzt zusammenfahren.

'Was war das?" flüstert die Sängerin der Mamsell Tönnesen zu, indem sie rasch dreimal hintereinander ausspuckt, umden bösen Geist zu bannen".

Der schwarze Kater von dem alten Hexenmeister d?

unten", erwidert Mamsell Tönnesen, selbst kreidebleich

vor Angst.ÄS muß irgend etwas passiert sein. Das Vieh heult nur -ei ganz besonderer Beranlasiung".

Karin, die heute überaus schreckhaft ist, zieht den Wollschal fester über ihrer schmalen Brust zusammen.

-Dumme- Geschwätz! Was soll hier BesonLereS passiere» in eurem alten Eulennest!"

Sie will spotten, will lache» oder sie fühlt, wie ihre Zähne klappern vor Furcht.

Jetzt wieder jener unheimliche, langgezogene Katzenschrei noch klagender, noch gellender, als zu­vor. Mit allen geht eine Wandlung vor sich. Das frivole Lachen, die brennende Sensationslüsternheit verstummen jäh vor diesem furchtbaren Schrei. Alle erbeben wie vor etwas Geheimnisvollem, Schauer- ftchem, Uebernatürlichem.

Mamsell Tönnesen öffnet ein Fenster und laufcht hinaus in die schweigende Nacht . ..

Und plötzlich tritt sie zurück und raunt Madame Karin etwas inS Ohr.

Diese scheint zuerst abzuwehren. Darin jedoch geht auch sie aus Fenster und lauscht . . .

Ganz deutlich oernimmi sie ein leises Weinen, das wie das Jammern einer armen, gemarterten Seele durch die stille Nacht klagt.

In diesem Augenblick hastige Schritte den Gang herauf. Oberst Lundstat ist es, der, in eilig überge- worfeuem Hausrock, eine brennende Kerze in der Hand, rasch auf die kleine Gruppe zugeht.

,,Höreu Sie nichts, meine Herrschaften. All die seltsamen Geräusche da draußen? Ich bin sicher, ir- ßenö etwas stimmt nicht. Von meinem Fenster aus kann man die Sternwarte sehen. Ganz deutlich ge= - ahrte ich auf der Plattform mehrere Schatten sich hin ud der bewege-:

, ' rcoe? '? träumen, alter Freund!" unter- Ci4t ihn Kariu.

Nein, ich träume nicht. Ich sah es mit meinen leibhaftigen Augen. Seit einigen Minuten sind die Schatten fort. Dafür aber weint und schluchzt es dort oben. Horchen Sie nur? Jetzt wieder! Wir müssen hinauf auf die Sternwarte. Da oben passiert etwas. Kommen Sie!"

Und schon eilte er davon, gefolgt von dem Börsen­makler, Madame Lind und Mamsell Tönnesen.

Karin fühlt, wie ihre Knie zittern. Sie will ihnen nach und will auch wieder nicht. Es hält sie zurück und treibt sie trotzdem vorwärts.

Und plötzlich gibt sie sich einen Ruck. Ja, sie will hinauf. Mit einem Schlage will sie all diesen Zwei­feln, dieser Angst, diesem brennenden Für und Wider ein Ende machen. Hinauf! Hinauf!

18.

To-esbange Minuten sind es, die Ebba, auf den Knieen liegend vor dem geliebten Manne verlebt. Sie fühlt, wie es ihr kalt das Mark durchschauert. Sie schließt die Augen und beißt die Zähne fest aufeinan­der, um nicht wild aufzuschreien. Ach, weinen, weinen! Sich frei weinen von all dem herben Weh, von der grenzenlosen Verzweiflung, die ihr ganzes Sein um­krallt hält!

Plötzlich, in die tiefe Stille hinein, draußen auf der Wendeltreppe schleichende Schritte.

Ebba fährt empor. Sie glaubt, in dem leisen Stim­mengewirr Karins schrille Stimme zu unterscheiden. Und Jonas Abramsens zynisches Lachen.

Nicht an sich denkt sie in diesem kritischen Singen- blick. Was liegt ihr an ihr selbst! Nur ihm gilt ihre Sorge, der dort bewußtlos am Boden liegt. Den Ge­liebten all den neugierigen Blicken ausletzeu? Ihn dem Spott, den zynischen Bemerkungen jener frivolen Gesellschaft preiSgebeu? Nein!