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Schlüchterner Zeitung

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Kreisblatt

: Erscheint 3mal wöchentl. Dradlanschr.: Kreisblatt Schlächtern. - D'.iM u. Verlag Fa. T Hohmeifler, Schlächtern. Berantwortl. ? LSchristleu. H.-T Hobmeiker, Schlächtern. Geschäftsstelle Drei- : J^räbpflr. 9. j3m Falle höherer Gewalt, Betriebsstörung cb. : ?Stromsperre erl-lcht jede Verpflichtung aus Schadenersatz -

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Nr 39

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moölllflßrung der dßflffdjen ZchMen.

^.Mch einer Meldung aus Paris hat die Reparatioils» konnnission dem vor einigen Wochen gemachten Vorschlag des englischen Vertreters Folge gegeben und grundsätz- sjck die Bestätigung des technischen Ausschusses beschlos»^ fett, der die Aufgabe haben soll, die Bedingungen zu prü­fen, unter denen die Emission einer oder mehrerer An­leihen an Deutschland erreicht werden könnte. Der @r* naa dieser Anleihe wird als Reparationskonto gebucht. Es handelt sich also um das Problem der sogenannter» Mobilikiernng der Ententeguthaben gegenüber Deutsche land. Der technische Ausschutz wird sehr Breti angelegt werden und besondere Spezi alisten in der Anleihe frag« heranziehen. Es sollen alle Ententeftaalen, die der Req Parationskommission angehören, und alle Staaten, dW früher neutral waren, im Ausschirtz vertreten sein. - - ,

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Die Vorbereitungen für Genua.

»-Errtgegen anders lautenden Meldtingen ist Neickskabinett am Mittwoch nicht zu einer Sitzung . iümlnengetretem Die Festsetzung des Programms und vermutlich auch die Ernennung der Delegation für Ge­nug soll am Donnerstag besprochen werden.

Wie ausparlamentarischen Kreisen ungeteilt wird, werden der deutschen Delegation für Genua voraussicht­lich augehören: Als Vertreter der Reichsregierung liieiLsminister Dr. Rathenau, Reschswirtschastsmiuister Schmidt. Reichsfinanzminister Dr. Hermes, ferner als Vertreter der Gewerkschaften voraussichtlich der demo­kratische Abgeordnete Erkelenz und der frühere meih hische Ministerpräsident Stegerwald sowie der frühere heutsche Reichsarbeitsminister Wisset.

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Der französische Beschluß.

HÜSie private Pariser Meldungen betonen, ist der Be- schlutz des französischen Ministerrais über die Zusam­mensetzung der Genueser Delegation absichtlich in einer Form abgesatzt, die es Poinearee jederzeit gestattet, den einen oder den anderen -der beiden französischen Haupt- MMetten selbst zu ersetzen.

Die Besprechungen Schanzers mit Lloyd George.

Der italienische Autzemnini'ter Schanzer äußerte sich gege über dem Londoner Vertreter desCoxrieie er mit diesem die Vorbereitungen für (Aenua unb das Verfahren der Diskussion sowie die Erttsendung von Bölkerbulldsmitgliedern als Sachveiksillndkge des>- kerbundes besprochen habe. Den Vorsitz werde de <?Wta führen.

Der Londoner Korrespondent derFranks. 3hi" fen* M seinem Blatte über die Beurteilung der tatsächlichen Lage in maßgebenden englischen Stellen folgende): Be­richt, von dem er hofft, daß er vielleicht zur Klärung bei- tragen werden;

Es kann dahin gestellt bleiben, ans welchen Grün­den die Reparationskommission eine nicht sehr schroffe, ionderrk mindestens zweideutige Formulierung wählte, obwohl es nahe lag, daß sich die Losung Poincarees von der Lösung Briands irgendwie unterscheiden mußte. Die Unklarheit führt soweit, daß in der ReparationskLUUnis- äon sogar zweifelhaft erscheint, ob die Okkupationskosten in die in Cannes festgesetzten Ziffern ringe fd)loneu sind, obwohl die alliierten Finanzminister kürzlich selbst end- nültig beschlossen haben, daß für 1922 die Okkupations- loiten in die deutschen Sachleistungen verrechnet werden. Dr erwähnten englischen Stellen sind der Pfeinnng. daü infolge einer nenniien Unklarheit in Den nv'-' ^> s - '-

SaMswa L April 1922

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mregenoe Mißverständnisse, besonders öezügtich oer 'Steuerlast und der Kontrolle entstanden sind. Wie frü­her berichtet, halten auch die Engländer angesichts Der Dentfdien Reparationsverpflichtung und des Exportge­winns den im deutschen Budget erreichten Ueberschutz von 16 Milliarden im ordentlichen Budget, der für Re­parationsleistungen verftigbar ist, zu gering. In dieser Hinsicht wird als Sinn der Reparationsnote betrachtet, daß jedenfalls im Reparationsbudget ein Fehlbetrag be­stehen bleibt, der durch innere und äußere Anleihell ge­deckt werden muß. Aber die Reparationskommission glaubt, daß dieser Fehlbetrag im Reparationsbudget durch Vernwhrung des ordentlichen Steuerertrages we­sentlich verkleinert werden könne. Die Reparationskom­mission verlangt deshalb 60 Milliarden bezw. bis zum Jahresende einen um 40 Milliarden höheren Steuerer- trag im ordentlichen Budget. Dies bedeutet jedoch, wie dem Korrespondenten derFranks. Ztg." auf das be­stimmteste versichert wird, keineswegs, daß auf die Ge- samtlast des Steuerkompromisses einschließlich der Zwangsanleihe neue 60 Milliarden getürmt werden sol­len. Die Londoner Interpretation ändere zwar wenig an der BeMrchtung, daß die Alliierten unsere Leistungs­fähigkeit weit überschätzen. Aber ein wesentlicher Un­terschied gegenüber der bisherigen Auslegung ist offen­sichtlich. Noch wichtiger ist ein Punkt: London sieht es als entscheidend an, daß die von den französischen Extre­misten geforderte sofortige Einmischung in die deutsche Verwaltung gerade nicht stattfinden werde, vielmehr soll Deutschland in den zwei kommenden Monaten, in die übrigens die Genueser Konferenz fällt, ohne derartige Einmischung selbst überlegen und vorschlagen, wenn es weiterhin Reformen ausbauen wolle. Dann erst würde 7 e Reparationskommission prüfen und den alliierten Regierungen berichten. Bis dahin komme lediglich eine Kenntnisnahme des Materials des Verfahrens und Mit- beratung in Betracht, was auch im deutschen Interesse ffege.

Uevrigens ist unbedingter Aufschub bewilligt, und Deutschland wird nicht ultimativ vor die Frageableh- tten oder annebmen* gestellt, sondern aufgefordert, in bestimmtem Sinne u überlegen und zu handeln, wofür ein Zeitraum bis Ende:W zur Verfügung stützt

Die Auspressung Deutschlands.

Havas meldet: Senat. Im weiteren Verlauft der Beratungen des Budgets der von Deutschland Hnrücksu urstattenden Ausgaben erklärte der ehemalige Finanz­minister Francois Marsal, der Vertrag von Versailles habe das finanzielle Problem nicht besser gestellt als das territoriale. Deutschland kann den Alliierten Rohstoffe, Kohlen, Metalle, Potasche usw. liefern, aber es kann sie in anderen Ländern zu Gunsterl der Alliierten verkau- fett Poinearee erklärte, man habe in Spaa Deutschland Bretts Borschüsie bewilligt (?), damit es Frankreich Sohlen liefern könne, welche es im Ueberfluß (?) besitzt, ttiarsal erklärte, es sei ihm nicht möglich, in öffentlicher Eiyung zu fügen, was sich in Spaa zugetragen habe und er forderte, daß der Senat zu einer Geheimsitzuilg zu- faminentreten solle. Er glaube, daß Frankreich die for- 'nelle Wiedergutmachung der Kriegsschäden durch deutsche Arbeit tttttebwtf ' ne, ~ ^ Stund» des Krieacs müsse durch Stunden der Arbeit des Deutschen Reiches bezahlt werden. Die ganze Nation stehe hinter der Regierung, um von Deutschland eine Abgabe von seiner Arbeit zu erlangen.

Ueber die Geheimsitzuua des Senats glaubt Harms solgeudes mitteilen zu können: Francois Marsal erm- tt'" i<' $itn. ??i*t-> S SWtfu eN ?><*n W

74. 1 hnmn^

hene Verhältnis bezüglich der Verteilung der deutschen Kohle. In Anbetracht der Nichtleistungen Deutschlands habe die französische Regierung die Eventualität einer Besetzung des Ruhrbeckens in Aussicht genommen, tue von den mutierten ausgeftihrt werdeir sollte. Diese sei zuerst auf die Gegnerschaft Lloyd Georges gestoßen, der erklärt habe, jedes Bündnis abzubrechen und den Kon­flikt sofort vor das Unterhaus zu bringen. Am nächsten Tage habe Milleraud erklärt, daß er seinen Standpunkt aufrechterhalten müsse und daß unter diesen Bedingun- gen Frankreich sich gezwungen sehe, allein das Ruhr­gebiet zu besetzen.

Dieser Haltung gegenüber habe Lloyd George ange-. geben, datz er die Besetzung mit Frankreich durchführen» würde, habe aber 7 Bedingungen gestellt, deren haupt­sächlichste die Bezahlung der Kohle zum britischen Welt­marktpreis gewesen sei. Die französische Regierung habe daraus bemerkt, daß sie bei diesem Tarif der französischen Verbraucher einen Teil der englischen Steuern bezahle« würde. Trotzdem habe Lloyd George seinen Standpunkt ansrechterhalten. Dann habe der italienische Delegierte in Spaa, Graf Sforza. eine Etnigungsformel vorge­schlagen. die darin besteht, die Barzahlung des Preises der deutschen Kohle. die sie an Frankreich geliefert habe, als einen an Deutschland gegebenen Vorschuß zu be­trachten. Dieser Vorschlag sei angenommen worden und diese Vorschüsse seien auf 380 Millionen angewachsen. Der Senat billigte oie Haltung, die b'e Regierung da­mals unter dem Zwang der Umstände einnehmen mußte.

Belgische»; Aeberfall auf Schupobeamten.

»^Aus Oberhansen wird gemeldet: Mittwoch mittag zwischen 12 und 1 Uhr wurde ein Wachauto der Schutz­polizei, das die Ablösung der Wache in Stärke von 23 Beamten nach dem Wachlokal in Oberhausen-Altstaden brächte, von be (gifdien Truppen angehalten. Die Beam­ten wurden sämtlich verkästet und mit dem Auto in das besetzte Gebiet verschleppt. Dem sofort vom Kommando der Schutzpolizei in Oberhausen nach dem Tatort ent­sandten d-uier, der Verhandlungen zur Freigabe mit p anknüpfen wollte, wurde von dem belgi- «^rwidert, daß er sich am feine Verbaud-

Vem^dv«fr. t« wtHÜiC au, 51«.: &t&SU»i>' mandailten des Brückenkopfes Duisburg. Irgend­welche Gründe, die die Verhaftung der Schupobeamten rechtfertigen, wurden seitens der Belgier nicht angegebe«.

Belagerungszustand in Duisburg.

Ueber Duisburg ist durck die Besatzungsbehörde oer Belagerungszustand verhängt worden. Sämtliche Lo­kale müssen um 9 Uhr abends geschlossen sein. Auch alle Zusammenkünfte und Veranstaltungen in Privathäusern müssen vorher durch die Besatzungsbehörde genehmigt werden. Eine in dieser Woche stattfindende Werbewoche für die Jugend mußte abgebrochen werden. Sämtliche belgischen Offiziere haben Telephonanschlutz bekommen, damit sie jederzeit zu erreichen sind. Folgender Vorfall kennzeichnet die Nervosität der Besatzungstruppen: Aus dem Friedrichsplatz in Ruhrort fand abends gegen 11 Uhr Paßkontrolle statt. Alle Ausweise waren in Ord­nung. Da steckte sich ein junger Mann, der in der Nähe des kontrollierenden belgischen Offiziers stand, eine Zr» garette an. Der Offizier stürzte auf den betreffenden Mann und schlug ihm die Zigarette aus der Hand. Dar­auf wurde der junge Mann verhaftet und von den Be- jsatzungstnrpperr abgeftthrt.

Der Liebe ewiges Licht.

Roman von Erich Friese«.

56) «Nachdruck verbotet^

Sie befrett sich aus seinen sie umschlingende« Ar- men und nimmt seine heißen Hände in die ihren, während sie ihnr leise beruhigende Worte zuflüstert.

Bald merkt sie, wie der Druck feiner Hände nach- läßt, wie leichte Blässe seine Züge überhaucht. Miene und Stimme nehmen etwas Visionäres, Schemen- liaftes an, das seltsam mit der soeben noch zutage ge­tretenen lauten Exaltation kontrastiert.

Ebba, mein Stern . . . entsinnst du dich noch der Nacht, als ich dich zum erstenmal anftauchen sah . . . dort oben im ItnenMi^feitSraum ? Damals schon wrach deine Seele zu der meinen . . . noch bevor wir einander körperlich begegneten. An deinen Augen erkannte ich dich... an deinen blauen, blauen Augen 77 bit mein blauer Stern! Ich sah dich und ich küßte dich . . . und meine Seele trank meine Seele wein blauer, blauer Stern --"

Seine Stimme wird immer matter und erstirbt in unverständlichem Gemurmel. Und sein Gesicht wird immer bleicher. Und der Ansdruck seiner Augen itarrer.

. In Todesangst gewahrt Ebba diesen jähen Wech- Was tun? Den Geliebten sich selbst überlassen? Die Dienerschaft rufen? Oder einen der Gäste?

Nein. Eine unüberwindliche Scheu hält sie baoon üö, den Geliebten in diesern unerklärlichen Zustand den spöttisch-frivolen Augen Fremder preiszugeben. «ie selbst wird bei ihm bleiben. Versuchen will sie, wlein mit der geheimnisvollen Gewalt, die von ihm besitz ergriffen, fertig zu werden.

.. Mit zärtlicher Sorgfalt, wie eine Mutter; schlingt he den Arm um seine schwanke Gestalt, um ibn au

| stütze«. Sie sieht, er kämpft mit einer Ohnmacht. Wenn er hier im Freien zusammenbräche! Die Nacht ist kühl. Rasch hinein in sein Studierzimmer!

Kaum haben sie die Schwelle überschritten da 1 gleitet er auch schon ans ihren ihn umschlungen hal- - tenden Armen zu Boden, lautlos, gleich einem ge- fällten Baum.

Wie ein Monrnnent der Barmherzigkeit und der - Menschenliebe, mit helfend ausgestreckten Händen, i steht sie einen Allgenblick fassungslos da. Dan» i beugt sie sich über ihn. Er ist nicht ohnmächtig. Seine umschleierten Augen blicken sie voll an. Seine blau- i lich-bleicheu Lippen formen lautlos den Wunsch eines Kusses.

Und sie versteht die stumme Bitte.

i Sanft legt sie ihre warmen Lippen auf die seinen.

Wie ein Hauch, kaum wahrnehmbar, huscht ein ; Lächeln über sein todesbleiches Gesicht. Die Lider i schließen sich. Ein tiefer Seufzer hebt seine Brust

Dann Stille. Furchtbare Stille.

Ebba zuckt empor und blickt sich wild um. Steht ' der Engel des Todes mit seinen dunklen Fit- tichen hinter ihr, um ihn, den sie so heiß liebt, mit sie ! zu nehmen in sein unbekanntes Reich? Schon ein- ; mal stand sie an einem Sterbelager vor einem I Jahr, als Reginald de Lavalliöre nach einem finn> losen Gelage ihr sterbend ins Hans gebracht wurde. Auch damals schon empfand sie voll Grauen die §e§n ; Majestät des Todes, dessen Gewalt jedes Geschöpf sich : unterwerfen muß gleichviel, ob Alt ob Jung, ob Arm ob Reich, ob Hoch ob Niedrig; gleichviel, ob ; Mensch ob Tier. Heute aber gesellt sieb zu diesen. Grauen die Verzweiflung,- denn sie wei -' iv.it bem. Leben dieses Mannes schwindet an V jh? L^ -u doln- wie eine Blume, der man plötzlich' den V <.....

men, in dem sie r r'1 ?'!e ur> meist -'wh tt4is?

Und sie kauert sich neben der langausgestreckten Gestalt auf den Boden nieder und wartet mit weit» ! auf gerissenen, tränenlosen Augen auf das Furchtbare wartet--wartet---

In Karin von Solvegs Boudoir brennen alle ! Lichter, trotz der vorgerückten Nachtstnnde, und be­leuchten grell vier abgespannte Gesichter und vier

Paar nervöser Hände, die eifrig die Karten mischen

ilnd austeilen.

Doch nur Jonas Abra^nson und Madame Lind sind ganz bei der Sache. Die dunkelumründerten Augen der kleine Owe blicken müde und gelangweilt. Und Karin macht Fehler über Fehler in dem sonst mit virtuoser Sicherheit von ihr beherrschten Whrst- spiel was der Sängerin einen verwunderten Aus­ruf nach dem andern entlockt, den Börsenmakler je» doch nur nach seiner Gewohnheit den rechten Mund­winkel spöttisch verziehen läßt.

Madame Karin kann heute nacht nicht allein sein. Zwar ist sie von einer ausgelassenen Lustigkeit; noch öfter als sonst schrillt ihr überlautes Lachen über den grünen Spieltisch. Aber bei jedem unerwarteten Ge­räusch schreckt sie zusammen, und alle paar Minuten irren ihre unruhig flackernden Blicke näch der Tür, als erwarte oder fürchte sie von dorther etwas ganz Besonderes. Und immer wieder lacht sie und schwatzt sie und animiert sie di - Anderen zum Reden. Nur

eine Stille! Keine Lautlosigkeit!! Farm? Lärm,

Mitten hinein in ein lebhaftes Wortgeplänkel zwischen Madame Lind und dem Börsenmakler, mit-» en hinein in Karins übril' > Lachen und Owes un« geniert lautes (' a l - Bötzlich tiefe

sich vor helles sonnen«

tille

^.tseSung folgt.)