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WWerner Zeitung

MÄB^prei^ sierteljährl. 15.Mk., einzelne Monate ö ; J 1 A i Erscheint 3wal wöchentl. Drahtanschr.: Krer-blaU Schlüchtern. $ Karl, durch Boten ins HauS 1.50 Mk. Trägerlohn. An-; wmI 4W^%tT iy M E ^^»4"4* i Druck u. Verlag Fa. E. Hohmeifter, Schlüchtern. Berantwortl. »laenpreiS jeurm einspaltig 1.Mk., Reklamen 3.MMi.: g E H I I I | rZchriftleit. H.-L Hohmeister, Schlüchtern. Aeschäftsstelle Drei. :

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Amtliches Organ für Stadt und Kreis Schlüchtern

M. 38

Donnerstag, 30 März 1922

74. Obmann

rldsnneinent»

auf die | Schlüchterner Zeitung

|U die Monate April, Mai ««d Juni nehmen Etliche Pokaustalten und Briefbott», sowie uniere ZeilungS- Hijtt entgegen.

An Bestellschein für Postbezieher befindet sich auf der Hm Seite dieses Blattes.

Schlüchterner Zeitung.

vom Tags.

»Jet französische Botschafter Charles LanrtMt hab Berlin verlassen. Während seiner Abwesenheit führt der «oischastsrat Comte Rene de Saint Quenttn die Ge.

-äste der Botschaft.

Das deutsch-lettische Wirtschaftsabkommen wird in

-m ersten Tagen der kommenden Woche unterzeichnet onden.

Die baltische Konferenz in Riga wird litauisch-pol- '«ischer Differenzen wegen nicht zustandekommen.

Die Eröffnung der nenen Orient-Lnftexpretz-Liuie I M am 1. April erfolgen.

Die Wiener Frühjahrsmesse ist geschloffen worden. »Ihr Ergebnis entspricht bei weitem nicht den Erwar- Singen

Die englische Regierung hat in amerikanischen Zei- »Mgen ein Zeppelinluftschiff zum Verkauf angeboten.

Anerfüllbar.

I veratnngen Wirths mit den Ministerpräsidenten.

[ n$u3 der Kanzlerbesprechung mit den Ministerpräsi- Wten der Länder verlautet, daß der Reichskanzler die Wrdcrnna von 60 Milliarde« neuer Steuer« und einer i isl«anzkontrotte als unerfüllbar abgelehnt hat. Gleich- fM« aber betonte er die Notwendigst, die Ausgaben k§ Reiches durch eine noch größere Sparsamkeit zu ver- iMeru. Im übrigen aber werden Möglichkeiten zu fßtthaadlungen mit der Reparationskommission geprüft werben. Nach dem Reichskanzler ergriff Dr. Ratheus« m Wort zu einer Rede.

Einigkeit mit be« Parteiführer«.

i* An die Besprechung mit den Ministerpräsidenten her Länder schloß sich ein Empfang der Führer der De- i Wkraten, des Zentrums. der Mehrheitösozialdemokra-, tot, der Deutschen VolkSpartei und der Bayerischen volköpartei durch den Reichskanzler an. Bei dieser Ge-! Wett gab Dr. Wirth u. a. Aufschlüsse über die Hal-, tote des Reichskabinetts. Nach seinen Mitteilungen über die Note legte der Kanzler öen Parteiführern nahe, - Meiner sofortigen Diskussion abzusehen und sich erst; m den Fraktionssitzungen mit seinen Darlegungen zu! «ichäftigen. Dementsprechenö wurde auch von einer Aussprache abgesehen. Es läßt sich indes schon heute Wen, daß sich die fünf an dem Steuerkompromitz betei- «Ren Parteien i« völliger UebereinstimMnng mit der Wsassung -er Reichsregierung über die Repurattous- M befinde«. Später empfing Dr. Wirth auch die Ber- Wer der Deutschnationalen und der UnahMngigen, de-

er die gleichen Mitteilungen mnrfüe.

Die Besprechung im Reichstag. <

**Sb auch Dr. Rathen«« schon am Dienstag im ReichS- tagsplenum oder erst im Lause der Debatte das Wort i ergreifen wird, ist im Augenblick noch zweifelhaft. Die Kompromitzparteien werden voraussichtlich keine ge­meinsame Erklärung zur Reparationsnote abgrben, son- - bern einzeln dazu Stellung nehmen.

Die Vertrauensfrage.

»»Die Frage, ob die Regierungsparteien ein Ver­trauensvotum einbringen werben, ist noch unbeantwor-i tet. Es sind hierüber noch keine Beschlüsse gefaßt wor­den, ebensowenig auch darüber, ob von links oder rechts, Mit einem Mißtrauensvotum vorgegangen werden soll. Oldjerung des europdildjen Friedens.

e* Der italienische Außenminister Schauzer ist von sei­ner Londoner Reise bereits wieder nach Paris zurück­gekehrt. Er hat mit Lloyd George eine Besprechung ge-; habt, in der nach englischer Quelle ausschließlich die $t»ufereitü von Genua behandelt wurde und in der^ Lloyd George nachdrücklich erklärt haben soll, daß es seine Absicht sei, sich bafür einzusetzen, daß in Genua von sämtlichen vertretene« Nationen der Grundsatz «n- geuomme« werde. daß die einzelnen L ndsr sich gegen­über ihren Nachbar» jeden Angriffs enthalten. Der englische Premierminister betrachte diese Verpflichtung als etwas unbedingt Gegebenes und rechnet darauf, Latz damit der Friede Europas gesichert werde.

*

Falls die vorstehende Meldung Absichten Lloyd - Georges richtig wiedergibt, so geht zweifellos daraus her­vor, daß sich ihre Spitze gegen Frcnck reich richtet, das soeben bei den Beratungen über die Moratoriumsfrage in der Reparationskommission eine neuen Sieg über die Politik Lloyd Georges errungen at Lloyd George bezweckt damit, dem poincaristischen Frankreich in seiner Machtpolitik gegenüber Deutschland Schranken «ufzu- legen. Wenn wir auch sonst von England kein Entge­genkommen zu erwarten haben, so hat sich doch rm Lause der Zeit in den maßgebenden Kreisen Englands die Er­kenntnis Bahn gebrochen, daß die inzösische Politik, deren Ziel die f^--«--^ öeaemw über Europa ist, große Gefahren für EnÄko^k« in sich birgt. Diese Gefah­ren sucht England zu bannen. Ob es ihm gelingen wird, ist eine andere Frage. Die Aeußerung Lloyd Georges ist, immer vorausgesetzt, daß sie zutrifft, auch noch inso­fern bemerkenswert, als nach den Vereinbarungen. zwi­schen Lloyd George und Poincaree in Genua politische Fragen nicht erörtert werden sollten. Ein Antrag Lloyd Georges in dem vorstehenden Sinne müßte aber auf je. ^en Fall eine politische Erörterung zur Folge haben, weil er eine Aenderung des VersaMer Vertrages oedeu- teu würde.

Sabotage der W-chsett«rse.

»»Im englischen Unterhause erklärte Chamberlat«, er Jet davon überzeugt, daß das .ganze Problem der Wech­selkurse in Genua zur Lösung kommen würde. Unter; Heiterkeit des Hauses fragte Lord Bentinck, welchen Zrveck es habe, daß Lloyd George nach Genua gehe, wenn die Reparationskommission iuzwischen an den Wechsel­kurse« Europas Sabotage verübe. Auf eine Anfrage- erklärte Cdamberlai«, es bestehe keinerlei Zusammen-- Hang zwischen der Veröffentlichung des Memorandums- von 1919 und der Konferenz von Genua. Der Geist,- von dem das Dokument ausgegangen sei, sei der Geist, «der die Regierung während der ganzen Verhandlung erfüllt Boüe.

(Bei dem Dokument handelt es sich um die Denk­schrift. die Lloyd George am 25. März 1919 der Frie­denskonferenz vorgelegt und in der er seine Aufsaffung über die Friedensbedingungen dargelegt hat.)

Bartho« Führer der französische« Delegation.

»»Die Pariser Morgenblätter lassen erkennen, daß hr der Kabinettsitzung am Dienstag, in der die französische Delegation für Genua bestimmt werden soll, mit Sicher­heit Barthou zum Präsidenten der Delegation ernannt werden wird. Als weitere Delegierte werden die be­reits genannten Namen Seydour und Sergent ange­geben, die beide als Finanzsachverständige auftreten werden. Ueber die beiden anderen Delegierten verlau- tet noch nichts Bestinrmtes. Dagegen foll Poincaree be­absichtigen, doch nach Genua zu gehen, wenn auch nur zu den letzten Sitzungen. Er habe sich bei der italie­nischen Regierung erkundigt, ob es gestattet sei, wäh-! ren- der Konferenz einen Delegierten durch einen an­deren zu ersetzen. Diese Anfrage fei bejaht wor-en.

Borbesprechung -er Neutraleu.

»»Der schweizerische Bundesrat hat beschlossen, die neu»; tralen Sachverständigen, die an der Konferenz von Ge­nua teilnehmen, auf den 5. April nach Bern zu einer weiteren Vorbesprechung einzuladen.

Sepp Oerter revanchiert sich.

Sepp Oerter richtet, wie mrs Braunschweig gemeldet wird, erneute Angriffe gegen die Mitglieder des braun- schweigischen Gesamtministeriums, denen er ähnliche Vergehen vorwirft, deren er geziehen wurde. Wie die Braunschw. Ldsztg." erfährt, hat das braunschweigische Staatsministerim die Einsetzung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses in dieser Angelegenheit bean-! tragt.

Wirtschaftliche Aundsamu

(Nach dem Staude vom 26. MS z i 922)

(Nachdruck verboten).

W.K S. Allgemeine Lage. Dmck die nrue R-psra« tionsnotr ist eine 6 'helft gefährliche Lag? in Deutschland geschaffen worden. Sie schließt die ernstesten Schwierigkeiten in sich, obere d-st ~ r ^ ren aus rtfltn'U Kräften H rr werden können, Die imn"L yersnoerev Pavie«, in der sich d'e all» g'Meine P ei b we;«'-« nach oken^z<eht, ze'pen, daß wir uns sehr schnell einem Punkte vcherv, an d-m der eanz« ungesund, Aufbau vnserer b flatorifchea Bo k-wirlfchast eine krittiche Wendung nehmen muß.

Geldmarkt. Die Forderungen der Reparation-kamission beichlenvigen -k» fort'chreit'ndeu Verfall der deutichen Wäh-ung in v-rhingustvoller W-ise. Die Devisenkurse zt-h n in r efigen Sp üngev an vnd übersteiaen bereits bei we teM b'e töchstkuri« der l tz ea Dev'^er.hm ffe im Nov. v. Js. Die Rückw rkuno auf die deutsche W rtichoftS- und E^vngs- loge läßt sich noch vichr '7m ffen, weshalb auch die Bölie ia diesen Tagen große Zu idkcltung keobachtet«.

Handel und Industrie Die deutsche Handelsbilanz ist in teu he ben letz en Monaten in steicendem Maße aktiv geworden. Der Umschwung ist aber auf G üude zurückm- führen, die nichts »rufe« all etfrevlittet Natur sind Er ist eine Fo'geerscheivung der neuen, mit unserer Wäh urge. »errütt^ng tm Pvfa^m?-^ara st h n^-n kx"N' k - j "stur

Der Liebe ewiges Licht.

Ro-mau non Erich Friese».

®I (Nachdruck verböte«^

3a, -aS wird es sein. Ganz gewiß.

Nicht -enkt Ebba in diesem Augenblick an <11 das döse, das Karin ihr zuaefügt; nur denNächsten" steht ste in ihr, dem sie helfen muß; und ohne Zau-eru ergreift sie die auf dem Tisch stehende Nachtlampe, faßt hjalmarS Hand und tritt hinaus auf den Gang entschlossen, sich von dem Taubstummen führen zu lassen.

Doch schlägt er zu ihrer Verwunderung nicht den Weg nach den Herrschaftsräumen ein, wo Karin und die übrigen Gäste wohnen. Auch nicht hinab nach dem Laboratorium. Sondern nach -er Wenöel- treppe hin, die hinaufführt zur Sternwarte.

Sollte Gunnar? Großer Gott!

. Ihr ist, als versagten ihr plötzlich ihre Füße den Dienst, als müsse sie zu Boden sinken. Mit Aufbieten all ihrer Energie rafft sie sich auf und tappt mit Hjal- mar die finstere Wendeltreppe hinan.

Schon von weitem vernimmt sie von -er Platt-- ' form her rasche, lebhafte Schritte. Und leises Singen. ' Und hastig herausstoßende, abgebrochene Worte, als ' sei jemand im Zwiegespräch mit sich selbst.

. Ihr Fuß stockt. Doch Hjalmar drückt leise ihre Vanö und deutet mit flehender Gebärde hinauf.

Und weiter hastet Ebba.

. Jetzt hat sie die oberste Stufe erreicht. Beim trü^ : den Schein ihrer Nachtlampe gewahrt sie Gunnar, der am Geländer der Plattform steht, mit emporgewand sem Antlitz und weit ausgebreiteten Armen.

Mein Stern! Mein Stern, wo bist du?" ruft er Mii klagendem Pathos hinein in die Stille der Nacht.

^Warum verhüllst du dein leuchtende» Auge? Willst o«, daß ich zu dir komme? Daß ich um deine Webe werbe, wie c» dem Freier geziemt? Ich komm» Mein Stern! Ich komme!"

TodeSschreck durchzuckt Ebba. Rasch «W sie M ihm hin.

Jetzt steigt « <«f die Brüstung mr- »»acht eine Bewegung, als wolle er hinetuspringe» in -e« vu- eu-lichkeitSraum

Da fühlt er sich von zwei kräftige» Arme» um­schlungen und zurückgehalten.

Er wendet den Kopf und blickt in EbbaS anest» bleiches Gesicht.

Ebba, mein Stern! Mein leuchtender Stern!*, ju­belt er in Ekstase auf. ,34) wußte eS ja, - bu kom­men würbest*

Sie läßt -ie Arme sinken un- tritt n starrem Er- staunen zurück. Der Unterschieb zwischen dem Gun- nar, -er vor wenig Stunden müöe und schlaff bab Laboratorium verließ und -iesem in strahlender Ju- gendkraft vor ihr stehenden Gunnar, mit den lebens­frohen Bewegungen und -em Feuerblick, ist zu groß, als - er ihr natürlich erscheinen sollte.

Gunnar! Lieber Gunnar!" flüstert sie in einer; ihr selbst unerklärlichen Erregung.Was hast bu? i Warum schläfst bu nicht?"

schlafen?" lacht er glückselig auf, indem er stür > misch ihre beiden Hände faßt und sie an seine Lippen preßt.Schlafen? ... Mir ist, als hätte ich bisher mein ganzes Dasein verträumt, als sei ich soeben ersi aus tiefem Winterschlaf erwacht, zu neuem, glückseli­gem Leben. Gesegnet sei -er Trunk, ben ich aus -ei­nen Hänöen empfing! Er hat meinen Körper von allen beengenderr Fesseln befreit. Zuerst rann er wie Feuer durch meine Adern. Dann war mir. als wüchsen meiner Seele Flügel. Zweifel, Haß, Herze­lei- alles, was mich mit ber -siliern Veraanaen-

hett verband wie mit einem Zauberschlage dahin» geschwnnde» ... Ich bin frei, Ebba! Frei wie ein Vogel, dem bte allzu lange beschnittenen Flügel wie. -er gewachsen sind un- -er sich jubilieren- in die Lüfte schwingt. Ich flog hin nach meiner Sternwarte. Dunkel war der Himmel. Aber ich fühlte die Sterne, die hinter den Wolken verborgen waren. Un- plötzs lich packte mich eine rasenöe Sehnsucht. Sehnsucht nach bir, Ebba! Wie ein Verschmachtenöer woüt< ich hinunterstürzen zu bir! In -einer Nähe wollte ich sein! Da stehst bu auch schon vor mir. Du selber kamst zu mir! Ich sehe dich, ich höre -ich, ich \ fühle -ich! O Ebba,Du weißt nicht, was in mir vorgeht. Ich liebe -ich! Liebe dich!! Liebe dich wie noch nie ein Mann ein Weib liebte! Liebe -ich mehr als mein Leben! Mehr alS meine Sterne dorr oben! Von nun an bist du mein Stern! Mein leuch­tender Lebensstern!!"

Wie eine Sturzwelle springen bte Worte von sei­nen Lippen ohne Pause, fast ohne Atemholen.

Und -och erwecken sie in -er erschrockenen Frau kein jubeln-es Echo. Sie weiß: Nicht Gunnar spricht zu ihr in dieser stillen Nacht nein, eine fremde Macht ist es, die sie mit Grauen erfüllt.

Beruhigend legt sie ihre kühle Harr- auf seine heiße Stirn. , ,

Und plötzlich fühlt sie, wie zwei Arme sich um ihren Nacken legen, wie zwei Lippen fi* auf die ihren pressen lange lange-- .

Qualvolle Angst öurchbevt sie. Soll sie den Ge- liebten in seiner krankhaften Exaltation belassen? Oder soll sie ihn zuröckstößen und damit vielleicht eine Katastrophe herbeiführen?

..Allmächtiger Gott, hi'i mir! Laß wich daß Rechte tun!" zittert es über ihre Lippen.

(Fortsetzung folgte ~