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Schlüchterner Zeitung

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! BezkS^'^ Vierteljährl. 15.Mk., einzclnc Monate 5.Mk. r J ;Erscheint 3mal wöchmtl. Drahtanschr.: KreiSblatt Schlüchtern. ;

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Amtliches Organ für Stadt und Kreis Schlüchtern

M 37

Dienstag, 28 März 1922

74. Jahrgang

IWennement»

auf die

Schlüchterner Zeitung { ßr die Monate April, Mai «ud Juui nehmen läuitliche Posiaufialtev und Briefboten, sowie unsere ZeitungS- iräg« entgegen.

Ein Bestellschein für Postbezieher befindet fich auf der Ichtrn Seite dieses Blattes.

Schlüchterner AeLLung.

NLsschB vom T«H2.

Der preußische Liaatsrat bat den ©efeßentwurf be­rstend die Maßnahmen zur gfeöfitHG uml) § 1 des MchssiedlnugSgesetzes nach den Ausschusianträgen «ii^ ätnumiHeit.

Auf der Werft von Blohm «. Boß wurde her mit einem Kostenaufwand von 60 Millionen Mark snr Ab- Wruttg hergerichtete RiefendanwferBismarck" fertigt Mellt Das Schiff, das als größtes der Welt in den Be-- iti bet Wbite Star Line über gebt, nürd voraussichtlich m Ä. März den Hamburger Hafen verlassen.

Der zur Nutersuchnug der gegen Dr. Hermes er- tobenen Anschnl-ignugen eingesetzte Re'chstagSansschuk «defitr den M März zu einer neuerlichen Litzmw ein» Muse«.

Präsident Mitterand hat den Besuch des Schahs von Italien empfangen, Leu er unmittelbar darauf erwiderte.

Der amerikanische Milliardär Swift, der gegeuwär- ii| in Paris weilt, erklärte, er habe 100 Millionen Dvl- ms zur Verfügung, die er in deutschem Grundbesitz an- *n gedenke.

Genua, Die einzige Hoffnung.

»Ata «»«»»« wird seureldet. tW George hat stch

M am L April eine politische Rede halten, von der man l»ti^

M die ganze Welt davon überzeugen, daß nunmehr Ä»s von Genua abhäugt.

*

Wn London scheint man den Gedanken zu verfolgen, ist ungünstigen Wirkungen der Reparationsnote an Drutschland durch die Konferenz von Genua paralyste- «n zu wollen. Man empfindet in London die schwere Niederlage, die die Politik Lloyd Georges durch den Sieg des französischen Standpunktes in der Nepar-rtionskom- S twermals erlitten hat. Daher ist es zu verstehen, t Lloyd George auf den ^lan treten will, um die eksamkeit der Welt auf die Bedeutung der Wirt- onferenz von Genua zu lenken und dadurch die läge seiner Politik abzuschwächen. Lloyd Georges diplomatisches Geschick reicht nicht aus, sich gegenüber enem so gewandten Politiker wie Poincaree durchzn- sche». Aus den englischen ^reffeftimmen über die Re- Matiousnvte geht hervor, wie unangenehm es in Eng- fftub empfunden wird, daß die Politik Lloud Georges in UriH einen neuen schweren Schlag erlitten hat. So

fmrewt pteWestmtMter (vazelte", die gegenwärtige bn= stische Regierung scheine den dringendsten Problemen blind gegenüberzustehen.Daily Heralb" schreibt, Eu- tropa brauche Frieden, Zusammenwirken und Wieder­aufbau. ES sei ein endgültiger Beweis der Torheit iLloyd Georges, daß im selben Augenblick, wo er beginne, das einzusehen und zu predigen und das Mandat dafür M erstreben, die Reparationskommission, die durch den Bersailler Vertrag geschaffen sei, für den er in erster )Linie verantwortlich sei, eine Politik verfolge, die Sne= iden, Wiederaufbau und Zusammenwirken völlig un­möglich mache.

Ob eS Lloyd George, der schon so oft vor Frankreich kapituliert hat, in Genua gelingen wirb, seinen Stand­punkt durchzusetzen und so die Hoffnungen zu rechtfer­tigen, die er an die Konferenz knüpft, bleibt abzuwarten. Es ist nach den bisherigen Erfahrungen nicht sehr wahr­scheinlich, daß er es durchsetzen wird, den Gedanken des Wiederaufbaues Europas der politischen Machtsphäre zu entstehen und die WiederaufbaufraM allein vorn wirtschaftlichen Standpunkt zu lösen.

Lloyd George geht auf jeden Fall nach Genna.

h* Nach Londoner Meldungen desPetit Journal" be­auftragte Lloyd George den Schatzkanzler Hörne, Cüam- .berlairr und die übrigen Minister davon zu unterrichten, iöae er um jeden Preis nach Genua gehen wolle. Ohne Zweifel werde Lloyd George bei der Abstimurnng über das bevorstehende Vertrauensvotum im Parlament öid notwendige Mehrheit erhalten, um als Übertreter Groß­britanniens in Genua aufzutreten.

Abreise der deutschen Delegation am 8. April.

»8». Die deutsche Delegation für die Konferenz von Genua wird nach den bisherigen Bestimmungen am 8. April in einem Sonderzuge nach Genua fahren.

Die rnsfische Delegation für Genua.

«^Die russische Delegation für Genua wird aus den VolkSkouttnissarrt, Tschitscherin, Joffe, tzitwtnow und Krassin bestehen. Sie wird sich auf der Durchrscfe nach Gsuua einige Tag« in Berlin aufhalten.

Der neue Eingriff In die Verwaltung.

In dem Schreiben der ReparatiouSkvmnüfslvn an den Reichskanzler sinS noch Vorschriften über die Herab­setzung der Ausgaben enthalten, Me von außembemltd), weittragender Bedeutung sind. Es werden darin fol­gende Maßnahmen verlangt:

Die deutsche Regierung wird eine Revision der dein von ihr als Anlage ihrer Note vom 28. Januar 1922 vor­gelegten Haushaltungsentwnrs ausgeführten Ausgaben, herbetfUSren und der Reparationskommission während des an die gegenwärtige Mitteilrmg folgenden Monate unterbreiten. Eine beträchtliche Anstrengung, welche m dem der Mitteilung vom 28. Januar beigefügten Ent- . würfe nur angedeutet ist, kann und muß im Sinne einer Sinschränkung der Ausgaben hiusichittch der Betriebs- Vrrwaltnngeu, der Beseitigung der Subventionen, der Snbsidien, der Ausgabe für öffetrtliche Einrichinugeu, welche keinem unmittelbar dringenden Bedürfnis dienen; der Lnxusausaaben, des Beitrages zu den Ausgaben verschiedener Verwaltungs- und anderer Orgautsattorien usw. durchgeführt werden. Die Ausgaben sollen in keinem Falle, weder insgesamt noch für,irgendein Ka­pitel des Haushalts, die in dem fo revidierten Haus-, halt für die Ausgabelr aufgestthrterl Ziffern außer w Ausnahmefällen und nicht ohne öav entsprechende Kredit- vorschüsse bewilligt worden und, «berschrerten, nnd es soll davon der Reparaliouskommrssto^ unverzilglicy.

Kenntnis gegeben werden. Die deutsche megterung wwo davon absehon. einen Dienstbetrieb oder eine Art von Ausgaben, welche zurzeit nach den Bestimmungen der; Note vom 28. Januar 1922 aus dem Reichshaushalt ge- itrichen sind, auf den Haushalt lokaler Stellen übergehen zu lasten. Die deutsche Regierung wird im Einverneh­men mit der Reparationskommisiwn ein Verjähren seft- stellen, um die Ueberwachnna der im Hausbau vorge­sehenen Ausgaben zu organisieren, um die Ueberschrei- tuna von Krediten zu vermeiden. Das Garanttekomitee wird sich von der Wirksamkeit dieser Ueberwachung ver­gewissern.

Die Haltung der Regierung festgelegt.

Im Kabirrettsrat, der am Freitag nachmittag unter dem Vorsitz des Reichspräsidenten stattfand, entwicfette der Reichskanzler in längeren Ausführungen im An­schluß an die Verhandlungen, die vormittags im Reichs-' kaStnett ftottgefunbeu hatten, die Richtlinien der von der ^Regierung einzuschlagenden Politik. Der Reichs­präsident stellte am Schluß der Beratungen fest, daß alle anwesenden Minister mit den vom Reichskanzler daräe- tegterr Richtlinien einverstanden find. Auf Grund bid= »et Aussprache und der in den einzelnen Ressorts der Retchsregiernng noch fortzusetzenden näheren Prüfung des Note der Reparationskommission wird der Reichs kanzler am Dienstag im Reichstag den S-anöpunkt der Meichsregierung darlegen»

Die Reise Haguenins nach Paris, ^ft*#»?«, ^^ Berliner Vertreter Frankreichs in ^^^^^^^ -»Mission und dem GarantieausWuß, in Paris einst troffen und hat erklärt, er sei nach Pa­ris gekommen, um von der Garantiekormnisston Weisun- gMeftrruholen, die im Zusammenhang stehen mit den Mtlvuäen der Revarationskommtsstou.

Bleibt die Regierung fest?

«^Berlin. (B. T.) Die Beratungen der Regierung über die Note der ReparattonSkommtsston sind ant Sonnabend den ganzen Vormittag über in den verschie­denen Ressorts fortgesetzt worden» Ueberhaupt dürfte der ganze Tag Restortbesprechungen gewidmet sein. Es ist, wie in paIür pntsttff<ften Kreisen verlautet, anzu- nehmen, daß die ReichSregierung sich auf den einmütigen Standpunkt fast aller Parteien stelle und sowohl die un- geheurs 60 Milliardenforöerung neuer Steuern als auch die beabsichtigte Finanz kontrolle von feiten der Entente ablehnen wird.

Die Mittisterpräsidenteuresprechu«« ht Berlin.

** Berlin. (B. Z.) Nach den bisherigen Dispositionen sollen die Minister der einzelnen Länder am Montag ! nachmittag um 3 Uhr die Erklärung des Reichskanzlers über die neuen Steuerlasten, die durch die Forderungen der Entente bedingt sind, entgegenehmen. Dabei sollen wie einzelnen Minister erklären, welche Lasten die eim zelnen Länder noch übernehmen zu können glauben.

Amerikanischer Vertreter für die Reparattouskommisston.

«erliu. lL. A.) Einer Reutermeldung aus Wa-

ou zufolge wird Präsident Hardina den Kongreß -ersucherr, ihm zur Ernennung eines amerikanischen Mit­gliedes für die Reparattonskomwisswn die Ermächtt- gung zu ereilen.

Die amerikanische Zahlungsforderung.

»^ Paris.Neuyvrk Herald" meldet aus Washington, öaß die anlerikarusche Regierung die Absicht habe, die Rückzahlung der Besatzungskosten für das Jahr 1620 von Deutschland in Warerr zu verlangen. In erster Linie sollen Farbstoffe gefordert werden.

Der Liebe ewiges

Mmw« von Erich Krhchm.

^ (Shxbbiwt ttifrbcrfrfinj)

Ernst und jchwetgfaur steht die Rächst Nnwr den fünftem von Schloß Askö, Sie unbarmherzige Nacht, lauernden Augen hereiuglotzend, einem Un M* gleich, jede Sekunde bereit, hervor-«stürzen » >>uhe und Frieden, Glück und Lebsn seiner Bewohi»er W verschlingen.

Wba hat sich nicht zur Ruhe begeben. I« einen lärmen Mantel gehüllt, sitzt sie am offenen Fenster »nd grübelt.

Eine seltsame, ihrer harmonische» Natur sonst WUig fremde Unruhe bat sie gepackt. Vor jedem noch i io leisen Geräusch erschrickt sie. Der Schrei eines. tzichtvogels läßt sie bis ins innerste Mark erbeben. ' deutlich hat sie das GeftM eines nahenden Un i hetlü.

. Tus Fenster von Ebbas Schlafgemach steht stets Men und niemals sind die Vorhänge zugezogen ^der bei Tag noch bei Nacht. Sie liebt es, abends j den, Einschlafen in die glitzernde Sternenprachi ! schauen und sich früh beim Erwacherc voui'leuch- Mden Morgenrot werfen zu lassen. Gleich einet «iMme verlangt ihre durch und durch gesunde Natur "ach Luft mrd Licht.

Heute freilich ist das ganze FirmaMeut von Minr «« Rolfen verhüllt. Auch nicht der kleinste Stern suchtet zu der einsamen Frau Hernieder, die dort, . " gesenkteui Haupt und über den Knieen gefalteten vMden, am offenen Fenster sitz! und trübe vor sich mnüarrt.

Da erregt plötzlich ein eigenartiger Don ihre Auf verksamkeit, der von unten aus dern Park herauf- ?"kommen scheint. Ist es ein Tier? Oder ein

>M»>WWWWW»»M»MWWW> >MH iiwfn i; MMMMMMWWMWMWi Mensch? OLer nur eine Hallv-wathm ihrer erreg- t« Nerven?

Sie beugt sich a^m Fenster hinan« und lauscht Alles still.

Nur ein langanhattender, kläglicher Katzeufchrsi -«rchgeüt die Luft. i

Doch nein. Jetzt wieder jener seltsame Ten. Der , tauschenden Ebba ist es, als vernähme ße nuten huschende Schritte. Und gleich darauf ein Gerältsch, als kratze jemand mit den Nägeln an der Mcmer.

Allmählich wird leises klopfen daraus. lknd e*i lmartiknlierteS Stöhnen, wie das Wimmern eines zn Tode getroffenen TiereS, das seine Schmerze« -um; Himmel emporklagt.

U«d wieder lauscht Ebba---

Diesmal meint sie, dort anien einen dunklen, un­förmigen Schatten wahrzunehme«.

Und dieser Schatten vergrößert sich . . klimmt an dem efeubewachsenen Staket empor . . . kommt näher und näher

Ein Dieb?

Ebbas Herz beginnt zu klopfen Rasch will sie das t Fenster schließen.

Da ist der Schatten auch schon oben bei ihr attge- j langt. Und

Hjalmar!" ruft sie in höchsteuc Erstaunen und : hilft rasch dem wie ein Akrobat draußen an dem Staket hängenden Taubstummen durchs Fenster tu ihr Zimmer hinein, wo er erschöpft vor ihr nieder sinkt, >nit beiden Händen nach dem Saume ihres Kleides greifend, als erwarte er von ihr Rettung, Hilfe.

Mitleidig beugt Ebba sich über die Keine Gnomen gestalt. Großer Gott, was kann es fein, das den treuen Burschen auf diesem seltsamen Wege 51t ihr führte? Hatte der Vater ihn nicht in die kleine Kau: urer neben dem Laboratorium ein gesperrt? Er muß

durch die Feusterluke gekrochen fein, um sich zu be- stete«. Aber weshalb kommt er gerade zu ihr? Und auf diesem eigenartigen Wege? War die Haustür verschloffe» und wußte er keinen andern Ausweg «m sich ihr bemerkbar zu machen?

Ersichtlich befindet er sich in einer wahnsinnigen Aufregung. Unter wildem Gestikulieren bewegt er die Lippen hin und her, die seltsamsten Töne auS- stoßend mit der Verzweiflung des denkenden Men­schen, der durch sein Gebrechen in seiner Ansörucks- weife noch weit mehr gehemmt ist als das Tier.

Taub und stumm! Und Mitwisser eines furcht­baren Verbrechens! Barmherzigkeit!

Vergebens müht Ebba sich ab, aus dem hastigen Gebärdeuspiel, auS den unartikulierten Lauten sich ein zusammenhängendes Bild zu machen. Immer wieder ahmt er das Gießen aus einer Flasche nach und das Trinken aus einem Glase oder einer Tafle.

Zuerst meint sie, er fei durstig und reicht ihm ein Glas Wasser.

Doch mit einer solch heftigen Bewegung wehrt er ab, daß das Glas fast ihren Fingern entgleitet.

Jetzt packt er mit beiden Händen ihren Arm, blickt sie flehend an und drängt nach de»Tür.

Ebba überlebt einen Moment. Was will er nur, der Arme? Hat sein Verstand gelitten? War viel» leicht auch er ein Versuchsobjekt für den Bater? Doch nein, keine krankhafte Exaltation spricht aus seinem erregten Gesicht, seinen hastigen Bewegungen. Nur Angst. Und stummes Flehen.

Und plötzlich fällt ihr Karin ein, die gestern abend mit ihrerWunderkur" beginnen wollte. Sollte das nnglückselige Elixier auf ihre ohnehin überreizten Nerven einen unheilvollen Einfluß ausgeübt haben? Hat sie vielleicht, der Weisung des Vaters entgegen, zuviel Tropfen genommen und ist erkrankt?

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