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Kreisblatt
; Erscheint 3mal wöchentl. Drahtanschr.: Kreisblatt Schlüchtern. ; ^Druck u. Verlag Fa. C Hobmeister, Schlüchtern. Berantwortl. • rSchriftleit. H.-T. Hohmeister, Schlüchtern. Geschäftsstelle Drei" : Ibrüberftr. 9. — Im Falle höherer Gewalt, Betriebsstörung ob. ; z Stromsperre erlischt jede Verpflichtung auf Schadenersatz. •
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Amtliches Organ für Stadt und Kreis Schlüchtern
Ar 36
Samstlia, 25 März 1922
74. Iubraanfl
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Schlüchterner Zeitung.
UAerlei vom Tage.
Ter angebliche Ueberfall auf den französischen Kotko Mssekretär Dubillon in Leipzig bat jetzt seine Auf- Dmg gefunden: allerdings nicht gerade zum Ruhme ^Die^-urch^die polnische« Aufstände in Oberschlesien erursachten Schäden belaufen sich auf drei Milliarden
polnischen Sejm stellte sich das neue Kabinett Aikowski vor. Der Regierungsstairdpunkt in der biluafraae fand nickst ungeteilten Beifall.
Der Streik in Posen hat eine weitere Verschärfung Mren.
Litauen hat die Aufnahme der diplomatischen Be- ichimgen zu Polen vorläufig abgelehnt.
Lloyd George will noch vor der Genueser Konferenz i
sie Vertrauensirnue n-n»«L ___ ...______
Die Lebeusmittelve rgung nn- der Geinuoyens- Ivstand in Moskau geben zu ernstesten Besorgnissen to& Sachverständigenkonferenz in London beschäf-. We sich mit den einzelnen Fragen des tranzösischenund, belgischen Exposees über den Wieöeraubau Rußlands-
Der italienische Außenminister Echanzer hat sich! fc den mutmaßlichen B'erlauf her bevorstehenden Olientkonserenz ziemlich optimistisch ausgesprochen.
Der größte Bahnhof der Welt In England ist der neue Waterloo-Bahnhos eröffnet worden. Es ist der größte Bahnhof der Welt. Täglich können 1^00 Züge mit 140 000 Passagieren befördert werden. Der Water- töo-Bahnhof verfügt über die modernsten technischen ’T® ist auf den chinesischen Gesandten ein Attentat verübt worden, wobei der Begleiter -es Gesandten durch einen Schutz in den Kopf leicht verletzt wurde. Der Wer, ein Chinese, wurde verhaftet.
In Hamburg ist unter großer Beteiligung die dritte nor-west-eutsche Frühjahrsmesse für den gesamten Hotel uns Gastwirtsbedarf eröffnet worden. , _..
Schutz in den Kopf leicht verletzt wurde. ^>er Lhinese, wurde verhaftet.
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Die Zugspitzeuflieger sind wohlbehalten und) Mün
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Das Reichsschulgesetz. Im ReichstagsauSschutz für; Aldungswesen wurde das Reichsschulgeietz weiterbeia- ten. Die deutschnationalen und volksparteilichen Abge- ordneten sprachen sich dafür aus, daß den drei Lchul- uten, der Bekenntnisschule, der Simultamchnlc und der Gemeinschaftsschule die aleicke Cntnnckelnugsnwglichkeit
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Der Liebe ewiges Licht.
Roman von Erich Friese».
SO) (Nachdruck verboten )
»Latz ihn los, Sbbal" gebietet der Alte. *
Nur eines leisen Druckes der matten Greisenhand bedarf es — und der Taubstumme läßt sich ohne einen Laut ins Nebenzimmer führen. Ein Deuten bes ausgestreckten Zeigefingers — und er hockt sich in title Ecke zusammen, wie ein geschlagener, kuschender stund.
Aber als Meister Wybrands die Tür hinter ihm "bschließt, da erhebt sich ein Geheul und Gewim- "ter hinter der verschlossenen Tür, das nichts mehr mit menschlichen Tönen gemein hat.
Einen Moment steht der Alte nachdenklich, wie unschlüssig, da. Hm — sollte das neue Elixier mit diesem eigenartigen Vorkommnis in Verbindung stehen? Sollte Hjalmar heimlich an die Tropfen gegangen sein? Doch sofort verwirft er den Gedanken wieder. Der Bursche ist treu wie Gold. Auch ist das »Euphrosynum" stets eingefchlossen.
Karin, die während der ganzen Zeit von einer lieb erbosten Unruhe gepeinigt war, wendet sich jetzt rasch der Ausgangstür zu. Noch bevor sie die Hand auf die Klinke legt, wird die Tür von außen geöffnet.
Gunnar tritt ein.
Ohne von seiner Schwester Notiz zu nehmen,
. schreitet er direkt auf Ebba zu.
' »Hast du meinen Tee fertig, liebe Ebba? Ich fühle mich sehr müde und möchte bald schlafen gehen."
»Ja, lieber Gunnar. Er steht dort auf dem Tischchen. Ich hol' ihn dir!"
^ Und schon reicht sie ihm eine der Lasten.
gegeven werden müsse. Von Zentrumssette wurde oar- aus hingewiesen, daß das Weimarer Schulkompromitz nicht den Zweck verfolgen sollte, die Gemeinschaftsschulen an die Stelle der Bekenntnisschulen zu setzen. Die Gemeinschaftsschule sollte überall dort errichtet werden, wo nicht der Wille der Erziehungsberechtigten eine andere Schule verlangt. Die Sozialdemokraten bezeichneten die Anträge auf Gleichberechtigung der Schulen als verfassungswidrig. Der Demokrat widerriet, die Simultanschule durch die Bekenntnisschule zu verdrängen. Bon Regierungsseite wurde zum Weimarer Schulkompromitz erläuternd erklärt, daß damals Zentrum und Sozialde- mokratie den Demokraten eine bevorzugte Stellung der Simultanschule zugestanden hätten, um die Demokraten für das Kompromiß zu gewinnen. Ein Unterschied zwischen der weltlichen und der Weltanschauungsschule sei in Weimar nach dem Willen der Parteien nicht beabsichtigt gewesen. Es bestehe deshalb kein Bedenken, wenn der im Gesetzentwurf aus juristischen Gründen gemachte Unterschied durch den Reichstag beseitigt werde.
Gegen die Erhöhung der Gütertarife. Die Dele- gtertenversammlung des bayerischen Handelskammer- tages nahm eine Entschließung an, die sich gegen die neuerlich bevorstehende Erhöhung der Güter- und Tiertarife auf der Reichseisenbahn wendet.
Ein Deutscher von einem Belgier erschaffe^ ^Brüssel. (L. A.) Zwei Polizeibeamten von Haff rm besetzten deutschen Gebiet beenden sich auf, einem Straßenbahnwagen, auf dem nch gleichfalls zwei Mitglieder der belgischen Militär-Sicherheitspolizei. befanden. Als diese von den Deutschen ihre - .
langten, entstand ein Wortwechsel. Einer der Deutschen stürzte einen der belgischen Beamten auf das Straßenbahngleis, verlor aber selbst das Gleichgewicht und stürzte gleichfalls vom Wagen. Der Deutsche hatte seinen Gegner an der Gurgel gepackt und hielt ihn unter sich. Der zweite belgische Sicherheitspolizist wollte den Angreifer veranlassen, seinen Gegner loszulassen. Er gab deshalb einen Schutz in die Lust ab. Als der Deutsche seinen Gegner trotzdem weiter festhielt, tötete er ihn durch eruen Schutz in den Nacken. -- Angesichts dieser tendenziös er« icheinenden Nachricht ist es geboten, zunächst einen Be- richt von deutscher Seite über. den. Boriall abzuwarten.
Eine neue Entdeckung Leronds in Oberichlesien.
x Heu-. (S. C.) Der „Ntatiu" meldet, daß General Lerond in feinem Bericht an die Botschafterkonferenz auf das Fortbestehen größerer deutscher Geheimverbm- dungen in Oberschlesien hingewiesen habe. Die Bot- schafterkonserenz sei bereits in eine Prüfung der Materie eingetreten. Eine endgültige Stellungnahme liegt jedoch bisher noch nicht vor.
ver-
Ein Wermntstropfen.
>-. Straßburg. (T. R.) Die „Straßburger Neuesten Nachrichten" schreiben: Der Sturz der Mark hat allen Anschein einer Katastrophe und eines großen Kraches. In Finanz- und Negierungskreisen verbirgt man nicht die Angst über die Folgen, die daraus nicht allein für Elsaß-Lothringen, sondern für ganz Frankreich entstehen können. Die Hauptschuld an dem Marksturz tragen Amerila und England, die nicht das geringste getan haben. um den deutschen Finanzen wieder auf die Beine zu helfen. Die Aufleguna der deutschen Obligationen in Amerika und England ist aus begreiflichen Gründen verweigert worden und trägt die Mitschuld an der rapiden Entwertung der Mark.
Die englische Delegation für Genua.
« Rotterdam. (S. C.) Die „Morninavost" meldet.
Mit angehaltenem Atem verfolgt Karin jede Bewegung der beiden. Sie weiß selbst nicht mehr, welche der Tassen die verhängnisvollen Tropfen birgt. Sie war vorhin halb besinnungslos vor Aufregung. Ihr Haß gilt eigentlich nur dem blonden i Weibe dort. Und nun —
< Einen Moment ist eS ihr, als müsse sie vorstürzen . und Gunnar die Tasse aus der Hand reißen. Aber ihre Füße sind wie gelähmt. Wie angewurzelt steht
1 sie da und starrt auf die verhängnisvolle Tasse--
Jetzt führt er sie zum Munde . . .jetzt nippt er . . . I jetzt trinkt er in einem Zuge ... jetzt stellt er sie wieder auf den Tisch...
„Ich danke dir, liebe Ebba! Es ist noch ein Rest ‘ Tee in der Tasse geblieben,' er schien mir heute stärker als sonst. Nun will ich mich zur Ruhe begeben. Ich ; hoffe, ich werde schlafen. Gute Nacht!"
„Gute Nacht, lieber Gunnar!"
Mit brennenden Augen hat Karin die kleine j Szene verfolgt.
Wenn sich eine Sekunde lang etwas wie Reue in , ihr regte — nun ist dies Gefühl vorbei. Haß, glühender Haß und nichts wie Haß erfüllt ihr Herz. Jede menschliche Regung daraus geschwunden. Der Vam- pyr in ihr ist erwacht. Welche Tasse Gunnar auch getrunken haben mag — gleichviel — die andere Tasse steht für das verhaßte Geschöpf dort bereit. Und eine von beiden wird ihre Schuldigkeit tun. M u ß ihre ; Schuldigkeit tun. Mag also das Schicksal seinen Weg ! gehen. E r oder f i e!
„Gute Nacht, hochweiser Herr Hexenmeister!"
Und sie will davon stürzen.
Doch seltsamerweise hält der Alte sie noch einmal auf.
Diebes Kind — ich habe es mir überleat. Ich
ono die cnnitiM Delegation für Genua nun endlich ausgestellt worden sei. Sie werde 83 Köpfe umfassen.. Die Führung der Delegation fei Lord Curzon und Balfour »vertragen worden. Ob auch der englische Premierminister nach Genua gehen werbe, Hänge von seinem Ge sundheitszustand ab.
Die Uuruheu i« IohauneSdurq.
•* Rotterdam. (S. C.) Die »Times" melden aus Johannesburg, daß dort 14 Personen durch Bombenwürfe getötet worden sind.
Unliebsame Gäste.
*♦ Rotterdam. (S. C.) »Daily Chronicle" meldet aus Stockholm, daß von der schwedischen Regierung Maßnahmen gegen das vermehrte Auftauchen von bolsche-' wistischeil '^ aitatoren in Schweden getroffen worden sind.
Neues Wer den Tod Naspullns.
Ueber die Persönlichkeit des ehemaligen einfiutzret- chen russischen Mönches Greaor Rasputin, sein Wirken und dessen unheilvolle Folgen für das Zarenpaar ist viel geschrieben worden. Steuerdings veröffentlicht der ehemalige französische Botschafter in Petersburg, Paleo- logue, einige interessante Einzelheiten über die Ermordung Rasputins in der »Revue des Deux Mondes"
Rasputin wurde zu einem Essen in später Abendstunde in das Palais Jussupow zum jungen Fürsten Jussupow, Graf Elston, eingeladen. Hier waren bereits bei Rasputins Eintreffen der Großfürst Dimitri (Vetter des Zaren), der Dumaabgeordnete Purischke- witsch, Hauptmann Lukotin und Dr. Lazovert versammelt. Drei Gläser Marsola, worin ein starkes Gift gemischt war, machten auf Rasputtn keine Wirkung. Fürst Inssopow Mbrte ihn heraus vor ein altes, kostbares Heiligenbild, um ihn auf dessen Schönheit aufmerksam zu machen. Während Rasputtn sich vor dem Heiligenbild verneigte, stellte sich Jussupow rechts von ihm und jagte, ihm zwei Kugeln in die Rippen.
Rasputin stieß einen Schrei aus und brach zusammen. Jussupow beugte sich über ihn fühlte seinen Puls und erkannte aus dem Blick, daß alles Leben entflohen war. Inzwischen öftren auch die anderen Verschwörer näHergetreten. Großfürst Dimttrt erklärte: »Jetzt muß man den Körper schleunigst ins Wasser werfen. Ich will mein Auto holen." Die übrigen folgten, um die Fortschaffung der Leiche zu bewerkstelligen. Ungefähr nach zwanzig Minuten trat Fürst Jussupow wieder in den Salon, um sein Opfer zu betrachten. Voll Entsetzen prallte er zurück Rasputin hatte sich halb erhoben. Mit! einem letzten Kraftaufwand fiel seine schwere Faust auf Iussupows Schulter. »Elender," rief er ihm zu, „morgen wirst du gehängt! Ich werde alles der Kaiserin erzählen!"
Jussupow konnte sich nur mit Mühe aus den Händen des Rasenden befreien und stürzte, von Blut besudelt, zu den übrigen Komplizew Dttt erstickter Stimme rief er: »Er lebt noch! Er hat zu mir gesprochen:" Dann warf er sich halb ohnmächttg auf ein Sofa. Pn- rischkewitsch ermunterte ihn, zog ihn mit sich und ergriff einen Revolver. Die ganze Gesellschaft kehrte zu Rasputtn zurück. Der befand sich aber nicht mehr im Zimmer. Er hatte noch so viel Kraft gehabt, um die Tür zu öffnen, -te zum Garten führte, und schleppte sich gerade auf dem Sujwei zur Straße bin. Darauf sandte ihm Purischke- witsch zwei todbringende Kugeln in Nacken und Nieren. Jussupow holte noch voller Wut einen schweren Bronze- leuchter. mit d n er Rasputtn den Schädel eu.schlug.
möchte Ihnen das Elixier doch nicht so ohne weiteres überlassen . . . ich muß erst seine Wirkung noch genau prüfen."
Ein wahnsinniger Schreck durchzuckt Karin. Wen« er auf seinem Wunsche bestände?
Obgleich sie an allen Gliedern zittert und sich kaum mehr aufrecht zu halten vermag, zwingt sie doch zu einem Lachen.
„Sind Sie jetzt der Hasenfuß? Schämen Sie sich, Sie großer Alchimist: Ich habe meine Tropfen — und damit basta!"
Und schon ist sie zur Tür hinaus.
Als Meister Wybrands und seine Tochter endlich allein sind, atmet Ebba wie befreit von einem bösen Alpdruck auf. Rasch leert sie ihre Tasse Tee und begibt sich zu Luzifer, der noch immer wimmernd, mit heißen Ohren und glühenden Augen, in seiner Ecke kauert.
' Der Alte aber schlurft unruhig im Zimmer hin und her. Der Paroxismus, in dem jener eine i Tropfen des neuen Etexiers ihn verfett und der sein ; klares Urteil umnebelt hatte, ist verflogen. Seine Gedanken beginnen, sich zu ordnen. Und her so plötz-
1 lieb erkrankte Kater, das seltsame Gebaren be3 Taub, stummen, ja, sogar Ebbas ernste Warnung - all dies ' regt sein an vollkommene Ruhe und gleichmäßiges ! Denken oewöhntes Hirn auf.
„Hast du noch etwas Tee übrig, Ebba?" fragt er kläalich. „Ich fühle mich ganz uhwach."
' ' Nein Vater Nur das Nestchen in Gunnar?
Taste. Soll ich dir frischen Tee bereiten?" ,
„Ist nicht nötig. Gib den Rest her! . .. So, danke!' ' Das'genügt!"
Und schon er die Anne an die Lippen.
(Fortsetzung folgt.)