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Nüchterner Zeitung

MaDM vierleljnhr!. 15. Mk, ringeln? Monate 5.Mk.: Sw »rei HM Ob. durch d. Post leinschl. Bestellgeld) ; «ä'tiqenpretS je ^ nnMtM. Ml., Rettämen 3.00 Mk.: nach S ans......1Mf<WTouto: Frankfurt a. ®L 11402.:

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Kreisblatt

; Erscheint 3mal wächentl. Drahtanschr.: Kreisblatt Schlüchtern. ! ^nrck u. Verlag Fa. T. Hohmeister, Schlüchtern. Berantwortl. xIHristleit. H.»T. Hohmeister, Schlüchtern. Geschäftsstelle Drei- : « nüderstr. 9. - Im Falle höberer Gewalt, Betriebsstörung ob. ; r Stromsperre erlischt jede Verpflichtung auf Schadenersatz.

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Amtliches Organ für Stadt und Kreis Schlüchtern

lSssustrierte Kacvmoküt«öetcqtztDas Wtatt d^er Moden.")

M 33

Samstaa, 18. März 1922

74. Iahraang

Absnnements auf die Schlüchterner Zeitung L He Monate April, Mai und J«ur nehmen bziMe Postaastalt-m und Briesbohrn, sowie innere Zeltungs- Ea entgegen.

giß BeiieWrin für Poßbezieher befindet fich auf der jka SeitepiefeS Blattes.

Schlüchterner Zeitung.

Die Neutralen rühren sich

Die Folge der einseitigen Einstellung der Veranstal- tttter Konferenz von Genua ist einmal das Ausbleiben. S tet wichtigsten WtrtschafiSfaktoren. nämlich Ame- '" - _._ ^«.ama» fck% OanSitHA nsiis^» K^rftAT^TtAVltnutest

5 zmn anderen die öilbuug neuer Staatengruppie^ 2e« zum Zwecke der Wahrnehmung ihrer besonderen, tntereflen So sehen wir, wie sich tue Kleine Entente. luKendem sie sick mrfer

rMhmng des tschechoslowakischen Außenministers Be- M tatsächlich zu einer Großmacht entwickelt, die ein: Meidendes Wort im Südosten Europas zu Seanspru-

hat, wir sehen den Zusammen,chlutz der östlichen^ Mitaaten, die ebenfalls in Anbetracht der kommenden rua-Konferenz gemeinsame Richtlinien suchen, und so rd das, was man gerade verhmdern wollte, zur Tat- je; keine bedingungslose Wahrnehmung der fe­inen Weltwirtschaftsinteressen, _ sondern egotMiches sspielen eigenstaatlicher Rücksichten, fobaß bis auf ?e«S nicht abzusehen ist, wie eine auf solcher Grund- e aufgebaute Konferenz wirkliche stuchtbare Arbeit : die Völker der Erde schaffen soll.

ES mußte auffallen, daß eine Gruppe von Staaten M an dieser systematischen RinKilduug bischer nicht Heiligte, nämlich die neutralen Staaten, die doch recht als die eigentlichen Leidtragenden der Gegenwartskriie Klten haben. Jetzt endlich gewinnt es doch den An-

, daß anch die Neutralen nicht länger Beiseite stehen wollen, sondern das Schwergewicht ihrer volitischen und tvirtschatlichen Bedeutung in die Genueser. Wagschale zu werfen beabsichtigen Der bekannte schwedische Pro­visor Dr Gustav Dassel, eine Besonnte internationale Moritat' in Balutafrageii, vom Völkerbund wiederholt als Gutachter zu Rate gezogen, veroyentlicht jetzt mlle einem schwedischen, norwegischen, dänischen, hunänLi- B unb schweizerischen Blatte einen außerordentlich

tlichen Aufsatz über die Stellung der neutralen Lan- wr Konferenz von Genna. Gagel tritt dafür ein, daß, wenn die neutralen Staaten Europas ain bei Genua-Konferenz sich überhaupt geltend machen woben, ße den Zusammenschluß wehen muffen, den andere Staaten bereits gefunden haben. Das Ziel^darei izt, bte gemeinsamen Kräfte für ein Festhaltet! an der urspr-mg- Neu Idee der Konferenz einzrnetzen, d. h. also an einer Mittven gemeinsamen Arbeit für den Wiederaufbau Welt. Die Neutralen verlang en keinen ftpara^n teil für sich selbst, aber sie müßten sich doch jeder Ä widersetzen, die in ihren Wirkungen thuen direkt ver­derblich ist. . v

Ein anderes wichtiges gemeinsames F ntereue wr ^- ame Welt ist das WiederberUellen der Freibeu uet-

Welthandels, der unter der Politik des Mißtrauens und des Machtgelüstes, die seit dem Waffenstillstand Europa beherrscht hat, schwer zu leiden hatte. Eine wertere For­derung der Neutralen ist die Vermeidung des Valuta­dumpings seitens Deutschlands, was wiederum eine Folge der Entschädigunasforderungen der Weltmächte ist.Solange die Entschädigung fordernden Länder sich weigern," sagt Cassel,in realen Nützlichkeiten die Ent­schädigung, die sie verlangen, selber zu empfangen, zwm- gen sie den deutschen Export auf eine vollkommene un­natürliche Weise hinaus über die neutralen Markte, wo­bei selbstverständlich die Nachbarländer Deutschlands, ine Schweiz, Holland und Skandinavien einen außerordent­lichen Schaden erleiden müssen. Ein solches Verfahren kann niemals vereinbar mit den natürlichen Gezetzen für einen guten Umgang unter den Völkern anerkannt werden.

Auch die Lösung der Valutafrage ist ein Punkt des Genueser Programms, bei dem die Mitwirkung der Neutralen besonders große Bedeutung hat. Caisel tritt für Wiederaufnahme der Goldwährung ein, die eine ^a- bilisierung des Wertes des Geldes bedeuten würde,- die alte Priorität müßte zwar aufgegeben werden, aber eine neue Parität würde auf Grund der gegebenen, relativ festen Lage der effeffinen Goldvaluten festgelegt.

Der neue Erdroffekingsplan.

^üge ln den nächsten Tagen Besprechungen mit der Deutschen Volkspartei von den Regierungsparteien auf- genonnnen werden sollen.

Flugzeugzusammenstotz bet Marseille.

»^ Parts. (L. VL) Auf einem Flugplatz bei Marseille sind zwei Flugzeuge in 300 Meter Höhe zusammenge­stoßen. Beide Führer wurden getötet.

Die UngliitfiliiOen von HDignon.

Der französische Universitätsprofessor Camille Sc* nereier setzte sich in einem ausführlichen Artikel in einer

rai en

zen Zeitschrift für die Freilassung der verurteil- eutfchen, die im Fort Lamalaue untergebracht Aus der Liste der Verurtei

aus untergebracht ind, ein. Aus der Liste 6 er Verurteuten gibt er aufs Geratewohl folgende Beispiele:

Sieben Jahre 3roam,2.:-L ------- fangene hatte keine Rockknöpfe mehr. Er schnitt sich dre, Knöpfe von einer abgelegten französischen Uniform au und machte sie sich an; militärischer Diebstahl.

Fünf Jahre Gefängnis für qualifizierten Drebstahl. Der Mann hatte im Verein mit seinen Kameraden eine Büchse Konserven und vier Büchsen Sardinen ent-

eispiele:

rasarbeit. Verbrech

knöpfe mehr. Er st

en: Der Ge-

M an dieser i Heiligte, näml

r den Wiederaufbau der ' c Vor-

Politik

Der Liebe ewiges Licht

Roman von Erich Friese».

47)

(Nachdruck verboten.) e er sich erhaben über t der kleinen Owe den

Mit einem Gesicht, als "ie ganze Welt, reicht der Arm und stolziert mit ihr davon aus dem Füße gefolgt von Madame Lind und Jonas Abramsen.

Die Reparationskommission, die mit ihren Beratun­gen wegen der Zahlungen Deutschlands im Jahre 1822 vor dem Abschluß steht, wird, nach einer Meldung aus Paris, nicht sehr weitgehende Beschlüsse fassen. Sie wird sich damit begnügen, die Vorbeschlüsse von Cannes im großen und ganzen zu ratifizieren, und wird es ver-

großen und ganzen zu ratifizieren, und wird es ver- meiden. ein weittragendes Reparationsprogramm aus- zustellen. Sie dürfte aussprechen, daß Deutschland tot Jahre 1922 720 Millionen Goldmark in Geld und s»r ungefähr 1450 000 600 Mark in Waren zn bezahlen habe. Der französische Vertreter in der Reparations- kommission wird diesem Beschluß nicht beitreten, dem aber eine Mehrheit oUvitmwH w^L. Die RepSLattous- komrntssion wird ferner folgende Garantien von Deutsch­land fordern:

Festsetzung der deutschen Zolltarife in Gold. Er­höhung der Eisenbahn- und Posttarife, sowie der Kos« lenpreife. Deutschlarrö wird ferner Maßnahmen zu treffen haben, um sein Budget ins Gleichgewicht zu bringen, der Kapitalflucht zu steuern und die Ba«k- noienausgabe eiuzuschränkeu.

Eine Reform der Reichsbank ist durchzuführen. Die Reparationskornnttssion wird ferner Bestimmungen treffen, damit einewirksame Kontrolle" der deutschen Finanzen stattfinde. Den Auftrag der alliierten Finanz-- minister, einen Plan vorzulegen, wie eine große Repa- ratiousanleihe begeben werden könnte, wird die Repa- rationskommission nicht vollziehen können, sondern sie wird sich auf die Erklärung beschränken, daß dies ein sehr schwierig zu lösendes Problem sei.

Besprechungen bei Dr. Wirth.

te# Der Reichskanzler Dr. Wirth hat Vertreter der Koa­litionsparteien und der Deutschen Volkspartei einzeln zu einer Aussprache über die Lage empfangen. In der Aussprache wurden erörtert das Sparproblem, die Frage der Ernennung eines Sparministes sowie eines neuen Ernühruugsmiuisters. Die Frage der Erweiterung der Regierungskoalition stand dabei nicht znr Debatte. Im parlamentarischen Kreisen verlautet, daß über diese

wendet.

15 Jahre Zwangsarbeit und fünf Jahre Gefängnis fürversuchten einfachen Diebstahl". Der Verurteilte hatte Ausweispapiere und Lebensmittel gestohlen, um ßu fliehen. Trotz teilweisen Straferlasses kann er erst 1936 entlassen werden.

10 Jahre Gefängnis für vorbedachte Gewalttat und Diebstahl zum Schaden des Staates. Um in einem Last­auto mehr Platz zu haben, hatte der Gefangene die Reste eines alten zerbrochenen Rades fortgeworsen.

Fünf Jahre Gefängnis fürversuchten Diebstahl .

Er wollte Komiak stehlen. , ,

Fünf Jahre Gefängnis für qualifizierten Diebstahl. Er hat einen sauren Hering nnd ein paar Kartoffeln ge­stohlen.

Fünf Jahre Gefängnis für einfachen Diebstahl. Er hat nach dem Abladen von Säcken mit Zucker auf öem Bahnhof Limoges in den Wagen drei Pfund Zucker au:= gelesen die sich sLste, in seiner^ebeK^mittelkiste fanden.

Die zwei schwersten Fälle sind: UM zu lebensläng­licher Zwangsarbeit Verurteilter. , m

Der erste war bei seiner Gefangennahme im Besitze einer Marschroute, in die er die Krtegseretgnisie, an de- nerr er teilgenommen, eingetragen hatte. Er wurde des­halb wegen gemeinschaftlichen Raubes, Erbrechen von Türen, Gewalttat gegen Personen und absichtlicher

Der zweite war im Besitze einer französischen Uhr. Beide beteuern ihre Unschuld, und ein Kamerad des Zweiten hat unter seinem Eibe ausgesagt, er habe ihm die Bet ihm gefundene Uhr gegeben.

Professor Lemercier führt dazu u. a. auS:Ich kenne wenige gleich grausame Dokumente unerbittlicher, maß­loser Härte des Militärstrafgesetzbnches und der Milk-

loser Sl______________________________

tärgerichte. Vergehen und Strafe stehen in schreiendem Mißverhältnis. Fünf bis zehn Jahre Zwangsarbeit für Ungehorsam, fünf Jahre Gefängnis fürversuchten" Diebstahl! Welches btirgerliche Gericht verführe wohl ebenso streng mit bernssmäßigen Dieben und Dieben im Rückfall, die kürzlich amnestiert worden sind, während andere Ehrenmänner in den Zentralgefängnn en blieben? Marr hat Dieben, Gaunern, ja bisweilell Ntor- dern bei guter Führung die Strafe erlassen. Wird man weniger Milde gegen Leute üben, die vor allem als Opfer dieses Krieges erfcheinen, der blindlings in allen Lagern feine^Bente suchte? Der letzte der deutschen Kriegsge- fangmen in Frankreich muß freiqelasien werden."

Karin, die bis dahin wuffchäumend an der Wand lehMe, wendet sich jetzt mit hochrotem Gesicht zu dem Oberst and zischt ihm zähneknirschend tas Ohr:

Das lassen Sie sich gefallen? Sie - ein ehemaliger Offizier?"

Der aber zuckt nur die Achsel und zieht sich eben­falls, wenn auch mit mehr weltmännischer Eleganz, als U'ine Vorgänger, zurück. Bei sich dentt er:

Recht hat ber Mann! Ich hätte es ebenso gemacht."

Als Gumrac einen seiner Gäste nach dem andern den Rückzug antreten sieht, atmet er tief auf. Rasch verab­schiedet er sich von Ebba und ihrem Vater, um nach leichtem Kopfneigen gegen seine Schwester hin> eben- ialls seines Weges zu gehen

Am Fuße der Freitreppe stößt er auf die Junge, träge vornüberhängende Gestalt des Börsenmaklers, der auf Madame Karin Wärter und dessen eigenartige Augen beim Anblick des Schloßherrn hastig umherspähen, ob er sich noch drücken könne.

Doch Gunnar tritt ihm direkt in ben Weg.

Ein letztes Wort, bevor Sie mein Haus verlassen, Vierter Herr! Ich möchte Sie daran ermfEn, daß nicht nur der Gastgeber Pflichten gegen seine Gäste hat

Nicht nur der Gastgeber Pflichten gegen ferne Gt Auch die Gäste pflegen für gewöhnlich wenigste. _ Änstandspflicht gegen ihren Gastgeber zu genügen. Sie Art und Weise, tote Sie sich den Schlüssel aneigneten rd dann von ihm V:?7.n:ch matten -"

Jonas Abramsen versucht seine Haltung M bewah-- ren. Ja, er spielt sogar den Empörten.

Wollen Sie mir eine Lektion in Anstands regeln er- teilew Herr von Helgeland?"

Sie können es nennen, wie Sie wollen. Guten Abend!"

Damit läßt er den verblüfften Börsenmakler stehen.

Mit fest zusammengepreßten Lippen hat Karin einen ihrer Getreuen nach dem andern sie verlassen sehen. Nur deralte Hanswurst" und seine verhaßte Tochter sirch noch da. Und zähneknirschend gesteht sie sich, daß es auch für sie Zeit ist, den Rückzug anzutreten.

Dock ehe sie geht, gilt es, den Alten zu bewegen, daß er ihr noch heute jenes Elixier einhändigt, das solch wunderbare Wirkung erzielt: Ein Tropfen Jugend. Zwei Tropfen Exaltation. Fünf Tropfen Nerven­erschlaffung. Zehn Tropfen Getstesgestörtheit. Zwan­zig Tropfen--

Nein, sie will vorläufig nicht weiter denken. Nur haben muß sie das Elixier haben um jeden Preis!

Forschend blickt sie sich nach Ebba um. Doch die hat sich nach dem andern Ende des Gewächshauses zurück­gezogen und ist außer Hörweite. Nur Luzifers grüne Augen glühen sie unverwandt an.

Infames Katzenvieh!" zischt sie erbost und gibt dem Kater einen Tritt, den er durch wütendes Fauchen be antwortet. Dann nähert sie sich mit der ihr eigenen gleitenden Bewegung wieder dem Alten, der noch im mer aufgeregt vor sich hin doziert.

Lieber Meister Sie versprachen mir vorhin, Ihre neueste Erfindung auch mir zugute kommen zu lasten."

ens der

Der Alte richtet seine fanatisch glänzenden Augen aüt die mit kindlich bittend emvorgehobenen Händen vor , ihm stehende, anffallend bleiche Frau. Er ist mit seinen i Gedanken noch ganz und gar bei seiner Rede unb be- 4

greift im ersten Augenblick gar nicht, was Karin von sihm will.

Ma-s? Wie -?"

Sie woMen mir Ihr neues Wunderelixier geben."

Ja, ja morgen."

Neirz^ heute schon. Sogleich" r.

Eh? Warum sogleich?"

Sehen Sie mich an! Meinen Sie nicht, daß mein armseliger Körper einer sofortigen Auffrischung drin gend beoarf?"

Der Alte fühlt sich ersichtlich geschmeichelt durch dieses felsenfeste Vertrauen zu seiner neuesten Erfin dung

Sie haben recht, Kind. Je eher, desto besser. Un­nötiges Zögern hat schon oft Unheil gestiftet. Kommen Sie mit in mein Laboratorium! Wir wollen sofort mit der Wunderkur beginnen!"

14.

Wie finster eS hier ist! Und wie das riecht! Puh, nach Giften!"

Karin ruft es zusamineilschauernd, als sie ein paar Minuten später an Mister Wybrands Seite das Labora­torium betritt.

Das Unbekannte als etwas Ungesundes zu behan­deln, ist tierischer Instinkt," wehrt der Alte in verwei­sendem Tone.Dem Intellekt ist es Vorbehalten, das Gute vom Schlechten zu sonder . Sehen Sie hier all die Retorten und Flaschen! In meiner Macht-liegt es

in der Macht des Erfinders ab bei Inhalt Dieser Retorten dem Menschen die Gesui > h nl t- Vergeben soll oder - ihn dem Tod weihen. Ist vas nie- grandios?"

rFortsetzung folgt.)