Wüchterner Zeitung
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Kreisblatt
: Erscheint 3mal wöchentl. Drahlanschr.: KreiSblatt Schlüchtern. • »Druck u. Verlag Fa. T. Hohmeister, Schlüchtern. Berantwortl. • ;Schriftleit. H..<L. Hohmesster, Schlüchtern. Geschäftsstelle Drei- 2 zbrüderstr. 9. — Im Falle höherer Gewalt, Betriebsstörung ob. ; ^Stromsperre erlischt jede Verpflichtung auf Schadenersatz. •
Amtlicher Organ für Stadt und Kreis Schlüchtern
(Issustrierte Katömonatsöeilatze „Aas Atatt her Moden.")
Nr. 32
Donners «-, 16 März 1932
74. Jahrgang
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Kchküchterver Zeitung.
NS Grotzherzogt« A«astafia von Meckleuvnra- ttmeri». die Mutter der Künigiu von Dänemark und igen Kronprinzessin Ceeilie, ist in Cannes " -o«merzte«rat Ludwig Gtollwerk, ber MitSegrün- (er bekamtte« Schokoladenfabrik Gebr. Bollwerk & ist im Alter von 65 Jahren in Köln gestorben.
g« einer Versammlung der christlichen Gewerkschaf- Mte Münche« Nelt Stegerwald eine Rede, m der er Morste, daß zur Genesung Deutschlarrds ein Urnden- MOVrozcf; erfolgen müsse, der auch eine Umgestaltung myolikischen Parteien zur Folge haben werde.
8« Parts sollen nach Pariser yiättermelöuneeu am « Mrz Beratungen der alliierten SlUBemmtmier über Widermtgen des Vertrages von Sevres ftattfinben.
I» Warschau wurde die Konferenz ber Autzrnmint- ft« der baltischen Staaten eröffnet.
- K« Sowjetrntzland belauft sich das Porto für einen Wes bis zu 20 Granivi uenerdings auf 15 000 Rubet.
Rußland soll nach einer Stockholmer Melbuna in Schweden große Waffeuankäuse vorbereiten. *
Tschitfcheri« hat an die voürische Regierung in der Angelegenheit der weißgardistischeu polnischen Orgmu- fattonen eine scharfe Note gerichtet.
Das polnische Defizit beträgt letzt 128 Milliarden.
Der 14. März wird als Tag der Srinnerung au den Mtimmmraserfolg in Flensburg festlich begangen werben
Das finanzielle Ergebnis der Frankfurter Goethe- «che belauft sich auf eine Million Mark.
Die ErOöOung der Seamlengshittler.
Die VerhandlUNgen mit Den Bevoüm» Ätigten der ««LrkschaftZorganisattouen über die Beaunenbesolhung ' “ na«zmi«isterium haben zu einer Einigung ie Berhaudluugeu bezüglich der Arbeiter W Ar werden fortgesetzt.
U ■ öen Gang der Verhandlungen wirb muge- tetü: der Spitzenorganisationen wurden Ivr-
Senmaeü aeffellt, die hauptsächlich um eine Erhöhung baÄnbgebälter und gleichere, sozialere Gestaltung Sersewen ersuchten. Dadurch wäre ein Iabresansivang ton 54 ütißtarben verursacht worden: tue m.eicbgrim^
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Der Liebe ewiges Licht»
Roman von Erich Friese«.
- (Nachdruck verboten).
Mt Wem Entschluß sucht der Oberst, ber Gemüts- aufregnugen nicht liebt, sein Gewissen zu beruhigen. Aber er kann nicht hindern, daß sein Blick immer roieöer zu Karin yinüberfliegt, aus deren fieberhaft geMetem Gesicht mit den vor Erregung zuckenden Zügen er eine ganze Tragödie liest.
Ebba hat augenbliMch keinen anderen Gedanken, als ben, ihren Vater aus der lachenden und im M- fen ihn verspottenden Gesellschaft sortznschaffen.
Der Alte scheint diese Bemühungen gar nicht zu werfen. Er fühlt sich überaus wohl zwischen diesen ihn mit ersichtlichem Interesse umringenden Menschen. Und als er gar von weitem Gunnar auf das Gewächshaus zuschreiten sieht, da ist sein Glück ooKfommen. Beinahe im Laufschritt eilt er ihm entgegen.
„Ah, Gunnar! Du kommst gerade recht! Heute ist der rot angestrichene Tag im Kalender meines Le- bens! Ich bin wieder jung geworden. Und mit mir wird es die ganze üienf^Oeit werben. Heureka!"
Beim Nahen des Schloßherrn sind alle unwillkür- &<t) etwas zurückgewichen. Nur Karin geht mit ironisch lächelnder Miene rasch auf N zu.
. „Ist es möglich? Du, mein Ärnder? Was führt ^-ich erhabenen Geist zu-solch ungewohllter Stunde hrrab zu uns armen Erdgeborenen? Huh, du stehst l'ns, als wolltest du uns all mit flaurmendet« SchwSDt aus den. Paradiese vertreibet!!"
»i' w HM S^Jä siLÄS6, ^^-
rung vezelwnete ihn als nickst tragbar. Von der megie- rung wurden bann Gegenvorschläge gemacht, die aber! von den Gewerkschaften als unannehmbar abgelehnt wurden. Die Regierung ließ sich zu einem zweite« Angebot bewegen, das folgendermaßen aussay: Das Grundgehalt soll betragen: Besoldungsgruppe 1 11000 bis 16 000 M., Gruppe 2 13 500—18 000 M., Grirppe 3 15 000—20 000 M., Gruppe 4 16 000—21500 M, Gruppe 5 17 000—23 000 M.. Gruppe 6 18 500— 25 000 M, Gruppe 7 20 000—27 000 M., Gruppe 8 22 000 bis 31 000 M., Gruppe 9 25 000—36 000 ÜL, Gruppe 10 28 000—42 000 M., Gruppe 11 32 000-48 000 ÜL, Gruppe 12 40 000—60 000 M., Gruppe 13 und die einzelnen Gehälter bleiben wie bisher.
Die Regierung ließ erkennen, datz das das letzte Angebot sei, das sie auf dem Gebiete ber Grundgehälter- verbesserungerr machen könne, und daß weiter eine Verbesserung, wenn sie erfo 'derlich sein sollte, auf anderen Gebieten, bei den prozer raten Teuerungszuschlagen ge= H nsichtlich der Wirkung dieses ül ersehen werden, daß außer den
sucht werden müßte. H nsichtlich ber Wirkung dieses Borschlages darf nicht ül ersehen werden, daß außer dea erhöhten Grundgehältern noch Teuerungszuschläge genährt werden, so daß die oben angegebenen Berbesse- rurrgsbetrüge noch nicht die volle Höhe der zugedachten Aufbesserung umfassen. „
Das Verhältnis zn -cheu Anfangs- und Endgehalt ist in den Gruopeik 2 bü 7 wie 3 zu 4, in den Gruppen 10 bis 18 wie 2 zu 3, w rend in den Gruppen 8 und 9 ein Uebergang stattsinSet. Die Spannung zwischen den Besoldungsgruppen 2 und 18 betrug am 1. Oktober 1921 100 zu 361, stieg nach Du' «führung des neuen Einkorn- mettstenergesetzes auf 10C zA 414, würde dagegen nach den neuen Vorschlägen fiv eu au 100 zu 332. Im Verhältnis der Gruppen 3 und 13 lauten die Zahlen 100 bis 325, 100 - 376, 100- Ach
Der Gesamtaufwand beträgt nach diesem Vorschlag 21 Milliarden jährlich.
Die weiteren Bemühungen der Gewerkschaften, das Grundgehalt noch höher zu bringen, blieben erfolglos, dagegen gelang es den Gewerkschaften, noch folgende Verbesserungen ME^"r-
L Die grüientnawn gi-ndmäßig vollen Teuern n zuschläge, die seither für alle Besoldungsm'uppeu 20 Prozent betrugen, werden auf 25 Prozent erhöht.
2 Der aus die ersten 10000 Mark Grundgehalt plus Ortszuschlag seither gewährte gleichmäßig hohe Teuerungszuschlag < Kopfs atz), der für alle Beamten 20 Prozent gleich 2000 Mark betrug, wird am 25 Prozent gleich 2500 Mark, erhöht. ■
3. Es wird eine Frauenzulage im Betrage von vorläufig 1000 Mark eingeführt.
4. In der Besoldungsgruppe 3 wird schon der ersten Besoldungsstufe die nächst höhere Ortszuschlagsgrenze Singeräumt, was insbesondere eine Verbesserung der Diätargehälter der Gruppe 3 bedeutet.
5. Die Frage, ob für die Besoldttnasgruppe 8 mi Endgebalt gleichfalls die nächst höhere Ortszuschlagsgrenze eingeführt werben kann, wird geprüft.
6. Alle diese Verbesserungen treten am 1 April 1922 in Kraft.
Der von einem Gewerkschaftsverkrecer vorgetragene Wunsch, schorr im März den Beamten Abschlagszahlun- aen zu machen, weil die Beamtenschaft in der zweiten Hälfte des März ohne Geldmittel sein werde, wird noch; im 28. Ausschutz des Reichstages geprüft werden. Im! NetchsfinanzunuisteriUM wird der Gejoaeutnnnn nunmehr mit größter Beschleunigung ausoearbeitet werden
Weltstadtkinder errötet angesichts des berechtigten Zornes, der anS feinen Augen flammt.
„Ich habe sie nicht hereingelasten, Gunnar!" raunt Ebba ihm leise zu. Sie sagten, sie hätten den Schlüffel von dir!"
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Eine»! Monrent sieht er sie groß an, als begreife er nicht recht — — Sann blitzt es in seinen Augen aus. Ja, er hat verstanden.
Und Hoch aufgerichtet, die Lippen fest zusammengepreßt, tritt er vor die Gäste seiner Schwester, die in .solch unwürdiger Weise seine Gastfreundschaft mißbrauchten, hin.
„Ich Ließ gestern den Schlüffel im Torschloß stecken und Sie machten Gebrauch von der günstigen Gelegenheit," sagte er, jeden einzelnen mit eisigem Blick meffenb. „Bitte, kein Wort ber Entschuldigung, Herr
Abramfen.' Es würde mir als Gastgeber und mei- nem alten guten Onkel hier schlecht anstehen, wenn ich meinen geehrten Gästen einen solch kleinenWunsch nicht erfüllen wollte, an dem ihnen — wie es scheint — so viel gelegen ist. Bleiben Sie also ruhig hier! Machen Sie es sich nach Herzenslust gemütlich — den heutigen Tag über. Ich bin ohnehin fest überzeugt, daß Sie, bevor die Abenddämmerung sich herabsenkt, den Aufenthalt gründlich satt haben werden. Zum Schluß möchte ich noch —" ein sarkastisches Lächeln umspielte für eine Sekunde feine Lippen — „meiner Freude Ausdruck geben, daß es mir vergönnt war, Ihnen am letzten Tage Ihres Aufenthaltes in meinem Hause einen besonderen Wunsch zu erfüllen*
m heutigen überzeugt, daß Sie, herabsenkt, den Auf-
Tiefe Stille.
Die Ueberraschung wirkt ein paar Augenblicke Whmend auf Me ganze Gesellschaft.
Der Börsenmakler ist es, der in gewohnter ®»M$8Mi Me schwüle Pause bricht.
uns ohne Verzug oer gesetzlichen Kör' rschaft zugehen. Im Reichstag besteht die Absicht. das G ey rasch zu ver- ctbschieden. Der Reichsrat wird vorn nchtlim auf die Einlatzfrist. die er beanspruchen kann, rrichten.
Das Plenum der Verhandlung^ mnmissirm dxr Svitzeuorganisatimcen der Beamten hat die Vereinbarungen einstimmig gutgeheißen. weil man allgemein da- von überzeugt war, daß beim augenblicklichen Stand der
ktnnW-liolnWes llejenf vMiMls.
Die „Kleine Entente" — Tschecho-Slowakei, Jugoslawien, Rumänien — bildete im Süden von Polen die Isolierungslinie Deutschlands von Rußland. Polen soll der „Kleinen Entente" beitreten nd ein polnisch- tschecho-slowakischer Vertrag in abse! wer Zeit ratifiziert werden. Im Norden Polens bern die Rand- staaten Lettland und Esthland nt gerade einer! deuttch-russiscken WirtschaftSverkehcr. Die bilden die Verlärrgerung der Kette, die, von der rumänischen Küste angefaugen, Deutschland von Rußland trennt. Nachdem die Kette also fast schon geschlossen war, scheint Finnland unmehr ihr letztes Glied werben zu sollen.
Ist ein poluisch-tschecho-slowakisches Bündnis vom Standpunkt der Verschiedenheit ber Völker und ihrer Wirtschaftsntterejsen schon eigenartig, so ist ein ftnnisch- polnisches Bündnis nicht nur vom völkischen Standpunkt aus geradezu paradox. Hier wollen zwei Staaten sich in die Abhängigkeit eines Bündnisses hegeben, zwei Staaten, die in ihrer Außenpolitik bisher wenig Pa- Eelen hatten, es sei denn die gemeinsame Feindschaft gegen Sowjetrutztand: Polen mit seiner ausgesprochen peutschseindlichen Politik und Finnland, dessen Loyalität, ja, dessen freundschaftliche Politik gegenüber Deutschland wir stets angenehm entpfunben haben.
fl^ Polen sind es sicherlich nicht. ine dazu veranlassen, das polnische Bündnisan- Dieten ernstlich in Erwägung zu ziehen, sondern es ist« nervöse Furcht vor einem erneuten Angriff der Rus- ^ dw auch ür ? sinnlichen Bevölkerungskreise für den Warschauer Vorschlag etuneomen, die ihm sonst zwestc.- los cwlehnend gegenüberständen. Wenn die Vorgänge in Karelien und die dadurch für Finnland Heraufbe- fchworeMk Schwierigkeiten unterblieben waren, so wäre Me Frage einer finnisch-polnischen Allianz wohl nie akut geworden. Soweit bisher etwas über den In- des Bündnisses bekannt geworden ist, soll es sich le-. WLW ety^DtsMwbündniS Sastdeln, das rmy^M Fall eines russischen Angriffes geschlossen werden
IL Polen übernimmt die Verpflichtung, in jedem alle eines russischen Slngrtffes auf die finnische Grenze I reifen, wogegen Finnland erst bann in den Krieg reten braucht, wenn die „dritte polnische Verteidi- gungszone" von ben Polen erreicht ist Einzelheiten über die Zmieueinteilung, insbesondere über diese dritte Zone, sind bisher jedoch nicht bekannt geworden.
Die finnische Regierung steht dem Gedanken dieses polnisch-Mmischen Desensivbünömsses nicht ablehnende gegenüber, obwohl der finnische Kriegsminister sich un- ametbeuttg bagegen ausgesprochen hat. Ob der Riksdag; sich in seiner Mehrheit mit dem Borschlag des Bündnisses einverstanden erklären wird, läßt sich heute noch Nicht überleben.
Der Muspruch AmerrÄss.
Die „TimeS" berichtet aus Washina-ou: Die B»»-
„Aeh, hm — sehr liebenswürdig! Wirklich äußerst liebenswürdig!" Und er verbeugt sich rasch hintereinander ein paar Mal nach der Richtung hin, wo Gunnar steht.
Der Poet aber flüstert der schmollenden Owe, die nach Art ungezogener Kinder die Unterlippe schief zieht, mit erzwungenem Humor zu:
„Ein wundervoll überzuckerter Rausschmth! Kom-
m^ ©ic!*
Das kleine hypermoderne Geschöpf, zu dessen pi-' kanteur, unregelmäßigen Gesicht die heutige Haarsri- sur „ä in Gassenjunge" besonders gut paßt, erscheint ihm in diesem Moment ein weit begehrenswerterer ^eelenflirt", als das hochgewachsene stolze Weib dort, das mit her erhabenen Mene einer Königin neben dem Schloßherrn steht. Und er nimmt sich fest vor, ihr seine neueste Ode zu widmerc.
„Meine Schwester ergreift Gunnar ben vorhin abgebrochenen Faden seiner kleinen Rede aufs neue mrr derselben höflichen Mitte wie zuvor - »meine Schwester hat mir in ihrer allbekannten Lrebenswurdigkett einen ganzen Monat ihrer heiteren Existenz aeopserü Ich würde undankbar sein, wenn ich dre gewahlte Ari nicht anerkennen wollte, in der fte Leben m mem stille Haus brächte, und zumal eine solch exkluftve kleine Schar von Gästen nur zuführte." Eine leichte Kopf- : höchst erstaunten Bersamm- lekten Worte noch besonders, a Ende - auch das Schönste
bewegung nach der ganzen lung hin, unterstreicht die i .
Aber alles hat einmal ein Ende auch das L-chonfte auf der Welt. Und so möchte ich hiermit, bevor mor* gen Schloß Askö wieder in seine gewohnte Stille versinkt, Ihnen allen danken für die Freundlichkeit, mit der Sie mir armem Einsiedler so lange Gesellschaft ge-.
leistet haben."
Und wieder blickt er leicht lächelnd Don dem einen
zum andern.
(Fortsetzung folgt.)