Wüchtemer Zeitung
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Kreisblatt
Erscheint 3mal wöchentl. Drahtanschr.: Kreisblatt Schlächtern. Druck u. Verlag Fa. T. Hohmeister, Schlüchtern. Verantwort!. Schriftleit. H.-T. Hohmeister, Schlächtern. Geschäftsstelle Drei- chrüderstr. 9. — Im Falle höherer Gewalt, Betriebsstörung ob. ^Stromsperre erlischt jede Verpflichtung auf Schadenersatz.
Amtliches Organ für Stadt und Kreis Schlüchtern
(Illustrierte Kalömonatsöeilage „Das Ilatt der Moden.")
Nr 30
Samstag. 11 März 1922
74. Jahrgang
Sie Stßuerößrntiifio ßggßMWßn,
^.Die Beratungen des Steuerausfchusies sind abge- ,Molsem und die interfraktionellert Besprechnnge« mit der Reichsregierung über ihr Ergebnis nehmen ihren Ä«saug. Die Behandlung des StenerkomPromisses im «lennm des Reichstages dürfte am Montag beginnen. «* einem Teil der parlamentarischen Kreise wird erstrebt, daß die Kompromitzparteien sich auf eine gemein- ame Erklärung einige«, die von einem Vertreter einer her vier Parteien in der Sitzung des Plenums des Reichstages verlese« werden soll. Dadurch würde eine unfruchtbare Generaldebatte über die Gründe, die die einzelnen Parteien zu ihrer Haltung bestimmt haben, sermiede« werden. Die voranssichtliche Ernennung Dr. Hermes zum Reichsfinanzminister dürfte erst erfolgen, nachdem das Steuerkompromiß endgültig unter Dach nnd Fach gebracht ist
Stresemauns drei Bedingungen.
Laut „Achtuhrabendblatt" hat 2lbg. Stresemaun in einer Rede drei Bedingungen der Deutschen Voltspar- iei für ihre Teilnahme am Stenerkompromitz und ihre fluMmmung zur Zwangsanleihe genannt. Die drei Bedingungen sind: 1. Richtverwendung der Eiuknnfte der Zwangsanleihe zur Deckung von Fehlbeträgen im Etat"sondern nur zur Finanzierung der Sachleistungen. » Sparsamkeit und Befragung des Parlaments bei dem ?ibschl«ß wichtiger Abkommen. 3. würde die definitive Ernennung Hermes zum Reichsfinanzminister von der Deutschen Volkspartei begrüßt werde«.
Die Zwangsanleihe.
Die Denkschrift des Reichsfinanzministeriums über die Zwangsanleihe macht bezüglich der Erhebungssätze folgende Vorschläge: Wenn die Zwangsanleihe eine Milliarde Goldmark, also ungefähr.50 Ptilliardeu Pa- v ermark erbringen soll, so würde bei der Annahme von 1900 Milliarden steuerbaren Vermögens Me Durch- schnKsbetastung erwa fünf Prozent ’xtu.iuii. W-ermo- gen bis zu 100 000 Mark würden frei bleiben, wobei hu öas reine Kapitalvermögen die Freigrenze etwa bis zu einer Million Mark erhöht würde. Um unter diese Be- gimstigung nicht auch solche Personen fallen zu laßen, sie Kapitalwerte besitzen, die der lyeldentwertung gefolgt sind und deshalb hohe Erträge abwerfen oder die lieben Erträgen aus Kapitalvermögen noch imutige Etn- konMen besitzen, soll die erhöhte Freigrenze nur denjenigen zugebilligt werden, deren für 1022 ^veranlagtes Einkommen 40 000 Mark nicht überschreitet. Zur Erörterung stellt die Denkschrift etwa folgende Tarife: für Sie ersten 250 000 Mark 2 Prozent, für die nächsten 050 000 Mark 4 Prozent, für die nächsten 250 000 Mark k Prozent, für die nächsten 250 000 Mark 8 Prozent und für die weiteren Beträge 10 Prozent.
Bei diesem Tarif würde sich die Belastung wie folgt
stellen:
vermögen
AnletHebetrag
250 QÜQ 500 000 '
5 000
15 000
750 000
30 000
1 000 000
50 000
2 000 000
150 000
3 000 000
250 000
5 000 000
450 000
10 000 000
950 000
20 000 000
1WU 000
Prozentsatz
2
3,3
4
5
7,5
8,3 9
9,5
% % % % % % %' %
Wenn der Vermögensstand vom 31. Dezember 1922 zugrunde gelegt wird, so kann die endgültige Umlegnug nicht vor Mitte 1923 erfolgen, weil früher die Veranlagung zur Vermögenssteuer nicht abgeschlossen werden kann. Die Denkschrift hält es aber für notwendig, daß der größte Teil der Beträge, die die Zwangsanleihe erbringen soll, schon im Jahre 1922 eingeht, und macht deshalb Vorschläge über die Vorauszahlungen der Zwangsanleihe im Jahre 1922. In den Vordergrund wird daher, wie schon bekannt, der Vorschlag der Selbst- einschätzung gerückt.
Endlich hält die Denkschrift Bestimmungen über die Lombardfähigkeit der Anleihe für notwendig, damit diejenigen Gewerbetreibenden, die aus Mangel mt liquiden Betriebsmitteln Schwierigkeiten mit der Beschaffung der Gelder haben, sich eine Erleichterung verfchaf- feit können. Um jedoch Die Ausgabe weiteren Papiergeldes und damit eine Steigerung der Inflation zu verhüten, soll die Beleihung aus den Darlehnskassen möglichst eingeschränkt werden. Die Borzugsbehaud- lung, die die Kriegsanleihen und die Sparprämienan- leihe hinsichtlich ihrer Beleihbarkeit bei den Darlehnskassen erfahren, soll deshalb der Zwangsanleihe versagt werden. Die Beleihungsquote der Zwangsanleihe soll nicht unter Zweidrittel des Börsenwertes betragen, aber noch hinter der der alten Reichs- und Schatzanleihen zurückbleiben. Auch der auf Kriegsanleihendarlehen von den Darlehnskassen gewährte Vorzugszinssatz von 5h Prozent soll für die Darlehen auf Zwangsanleihe nicht zugelassen werden, für sie soll nur der übliche Satz von 5% Proent in Frage kommen.
Regierungsumbildung in Bayern.
^-Aus München wird gemeUet: Der Fraktionsvor- sttzende der Bäuerischen Bolksvartei, Abgeordneter Held, teilte im Aufträge seiner Fraktion dem Fraktwnsvor- sitzenöen der Bayerischen Mittelpartei und der Deutschen Bolkspartei mit, daß die Verhandlungen über eine Erweiterung der bestehenden Koalition durch AufMhme der Fraktion der «owtfcfcR-^litt^^ ?-v®b scheu Volkspartei an dem Widerspruch der Demokraten gescheitert seien. Die Situation läßt sich kurz dalun zusammenfassen, daß die Demokraten im Fall eines Eintritts der Deutschnationalen von der Regierung znruck- treten, nicht aber dem Ministerium Lerchenfeld thr Ver^ trauen entziehen wollen. Die Demokraciiche Partei hat auch bereits eine parteiamtliche Erklärung Herausgege- berr, in der sie die Ablehnung der Zusammenarbeit mit der Deutschnationalen Mittelvartei des näheren begründet, gleichzeitig aber erklärt, daß für den Fall des Ausscheidens der Demokraten aus der Koalition ihr Vertrauen zu dem Kabinett Lerchenfeld nicht erschüttert werde.
Scharfe Kontrolle Deutschlands.
»^Dern „Echo de Paris" zufolge sprach sich Poi«caree ht 'einer Unterredung mit Marschall Foch und General »öevgand für die Erweiterung der interalliierte« Ko«- jrollkommissio« in Deutschland aus. Auf der Botschaf- ierkonferenz wird der französische Vertreter namens seu «er Regierung diese Forderung Nachdrücklich zur Ge,- teMiW».
Aus der Heimat
Vor«UsfichtI Mit^rnug Am 11 3. (©emstoo):
Abwechselnd heiter oder wolkig, eiwos Nirderschläae, etwas kälter. Nachtfrost.
Am 12. 3. (Sonntag): Teilweise heiter, ohne besondere Niederschläge. Nachtfrost, Lag ziemlich milde.
Am 13. 3. (Montag): Ziemlich heiter, trocken, Nachtfrost, Tag milder und zunehmend bewölkt.
Auflaufchute in Schtüchtern oder Iutda.
Unter dieser Aeberschrist lesen wir tu der Fuldaer Zeitung: Wie bereits in der Fuldaer Zeitung mitgeteilt wurde, besteht gewisse Aussicht auf Errichtung einer Aufbauschule in unserer Stadt. Es geht jedoch das unkoutrollierbare Gerücht um, daß Kräfte am Werke seien, die Einrichtung dieser Auf- bouschule in Fulda zu verhindern und die für die katholische Bevölkerung bestimmte Ausbauschnle nach. Schlüchtern zu verlegen.
Es ist zu bedruken, daß die Aufbauschule nicht einfach eine Wetterführung des konfessionellen Lebrers^mtuar«, sondern als neuer Typ einer höheren Schule paritätisch ist. Schlüchtern aber ist ein rein evangelisches Städtchen mit einem erheblichen Prozentsatz an jüdischer Bevölkerung. Die Katholiken sind dort in einer ber artigen Minderheit, daß für sie nicht einmal ein Ortsgeistlicher vorhanden ist. Pastoriert werden sie von dem ungefähr 17* Wegstunden entfernten Sanuerz aus. SonntagsgotteSdienst findet in einer kleinen Kapelle statt. Schlüchtern hat gar kein katholisches Hinterland, der Wohl- stand der vier vereinzelt liegenden benachbarten katholischen Dörfer ist so gering, daß für diese eine Beschickung bet Auf- bouschule kaum in Frage kommt. In der kat-olischen^Be- völkerung Heffens besteht st dienlich sehr wenig Neigung, ihre Kinder nach Schlüchtern zu schicken, so daß'praktisch' eine Aufbauschule/Mit überwiegend katholischer Schülerzahl 16er v««?« «ichi v^^vumv».» ^uti. Die Zahl d«r kall^ülifcherr Schüler, in) Schlüchtern wäre so gering, daß rufolgedeffen dort ein katholischer Religionslehrer bestimmt nicht augestelll- würde. Da nun im ganzen Fuldaer Laude nicht ein eiyzigerkathor lischer Ort vorhanden ist, der die nötigen Räumlichkeiten für ein. Aufbauschule beschaffe« kaun, so kann um Fnlda in Frage kommen Gerade im Jatereffe der Landbevölkerung, insbesondere der Landbeamten, die stch ohnehin wegen ihrer Subierenben Kinder in sehr schweren wirtschaftlichen Nöten befinden, darf nur ein zentral gelegener Ort gewählt werden, und dies umsomehr, als die Errichtung von Ausbanschule» zum Wähle des platten'Landes geschickt. Wir müssen darum dringend fordern, daß die uns Katholiken zugedachte Aufbauschule in dem einzigen zentral gelegenen katholischen Ort, der die nötigen Räume zur Verfügung hat, errichtet wird, unb das ist Fulda.
In Schlächtern ist schr^wohl eine Aufbauschule lebensfähig, der«; fein Jntereffenkreis reicht bis zur Mainebene beschickt wird sie aber nur von evangelischen Eltern, niemals, vom katholischen. Nebenbei möge noch bemerkt sein, daß das Schlüchterner Seminar wegen seiner völlig unzureichenden Räumlichkeiten — eS ist in einem alten Klostergebäude untergebracht — von jeher des Gchmerie»Skind der Schul- I^^^^^^^E^MM»«W»M»»UIIUI,W>I'I,»«W!WW
Der Liebe ewiges Licht.
Rvman von Erich Friese».
44) (Nachdruck verboten.)
Das Stimmengewirr kommt näher und näher.
Ebba springt vom Boden auf. Was kann daS zu bedeuten haben? Wie kam jemand in den fest verschlossenen Garten — —? Es existiert nur noch ein Lchlüfsel außer dem Ihren, nnd den hatGunnar,' sie selbst hat ihn ihm übergeben.
Noch unentschlossen, was tun, sieht sie auch schon die kleine Gesellschaft ins Gewächshaus eintreten. In das Heiligtum ihres Vaters! In ihr und Gunnars Heiligtum!!
Helle Röte der Empörung steigt ihr in die Waugeu. Hochaufgerichtet, mit abwehrend erhobener Hand, geht sie den Eindringlingen entgegen.
„Verzeihung!. Aber der Eintritt hier ist für jeder- mmrn streng verboten. Wenn das Tor aus Versehen offen stand —" .
„Beruhigen Sie sich, meine Liebe!" zischelt Karin mit boshaftem Lachen. „Das Tor war fest verschlossen. Aber da uns der Schlüssel zum beliebigen Eintritt zur i Verfügung steht —" s
„Schlüssel —? Zur Verfügung steht - ?" wieder- ' hott Ebba befremdet.
»Hier, schöne Vestalin der heiligen Flauime!" näselt der Börsenmakler und hält den kleinen Schlüssel hoch. ;
»Von — von wem--"
»Natürlich von Gunnar," fällt Karin brüsk ein. »Von wem denn sonst? Mein teurer Bruder scheint endlich eingesehen zu haben, daß —" und sie schnippt mit ben Fingern, als wolle sie eine lästige Kliere ver
scheuchen, um sich gleich darauf mit einer pathetischen Geste an ihr Gefolge zurückzuwenden: „Nun labt euch, meine Lieben, an der verbotenen Frucht! Aber nehmt euch — hahaha — vor der Schlange in Acht!^
Oberst Lundstat, der Ebbas tiefe Bläffe, den erschrockenen Blick ihrer großen Augen gewahrt, tritt rasch dazwischen.
„Selbst wenn wir den Schlüffel besitzen, so meine ich doch, es muß uns genügen, daß die Frau Marquist- unser Hiersein nicht wünscht —"
„O nein. Bleiben Sie, wenn es Ihnen Vergnügen macht!" fällt Ebba rasch ein. „Ich habe heute hier ohnehin nichts mehr zu tun.*
Und mit leichtem Kopfneigen will sie das Gewächshaus verlaffen.
Doch schon in der Tür bleibt sie wie festgewurzelt stehen;, denn durch das weit offene Tor des Kräutergartens kommt soeben ihr Vater geeilt — mit raschen, jugendlich elastischen Schritten. Seine weißen Haare flattern im Winde. Wie eine Fahne weht sein langes talarähnliches Gewand hinter ihm her.
Ein Blick in sein gerötetes Gesicht und in die lieber Haft glänzenden Augen — und Ebba weiß, er steht unter dem Einfluß eines seiner Elixiere.
„Ebba! Tochter!" ruft er in den höchsten Fistel- tönen, mit den Händen in der Luft herumfuchtelnd. „Mit dieser Stunde beginnt eine neue Aera in der Weltgeschichte! Sieh mich an! Das ,Enphrosynnm hat mir meine Jugend zurnckgegeben!"
Und um die phantastische Szene zu vervollkommnen, springt mit einem Satz Luziser ans dem Gebüsch — mit hoch erhobenem Schwanz.- jedes Haar seines schwarzen Feiles gesträubt, die Augen grün phos- phoreszierend und umkreist in tollen Sprüngen seinen Herrn.
Bei diesem Anblick bricht Meister Wybrands in ein schrilles Gelächter aus.
„Hahaha! Nicht wahr, mein Luzifer? Wir kennen jetzt das Geheimnis der ewigen Jugend? Du gutes Vieh hast auch schon davon profitiert —"
Ebba will den Vater zurück ins Haus geleiten. Der aber wehrt mit Feuereifer ab.
Bald hat sich die ganze, kleine Gesellschaft um die beiden versammelt. Und der Alte beginnt nun, mit einem Aufwand an Gesten einen Vortrag zn halten.
„Meine Damen und Herren! Daß gewisse Prapa rate der unterphosphorsauren Salze die 4.eiittrm des Menschen steigern und seine Bewegungen elasti scher machen, ist allbekannt, meinElixier aber bewirt' nun das zehn-, das zwanzigfache. Kein Staatsmann, kein Richter wird sich mehr irren — denn feine Ge danken werden derart konzentriert sein und alles Ae- Zensüchliche ausgeschaltet. Kein Arzt wird mehr eine falsche Diagnose stellen, kein Student mehr burd^ Examen fallen. Die Dichter werden so viele Bncher schreiben, baß man nicht weiß, wohin damit. Und trotzdem wird es feine Ueberprodnktwn geben — denn die Leser werben die Bücher in beschleunigtem Tempo verschlingen. Die Maler, die Architekten, die Handwerker — alle werden in ihrem Metier das Zehnfache, i das Hundertfache leisten. Der Schritt des Menfchen wird Eilzugsgeschwindigkeit annehmen, fern Blick wird dem eines Falken gleichen, sein Ohr wird jedes, auch das kleinste Geränsch, stundenweit vernehmen —-
- Sie lachen, meine Herren? Sie glauben mir nicht? ' Gibt es nicht bereits längst Medikamente^ die uns wie ein Wunder vorkomnien, die den PleNscheu reizen, ihn beruhigen, ihn kräftigen ober ihn hilflos wie einen Ktatf machen? Warum sollen all diese Wunder : nicht in Höchster Pol:uz — " , ,
(Zortfetznng folgt.)