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Schüchterner Zeitung

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Kreisblatt

: Erscheint 3mal wöchentl. Drahtauschr.: Kreisblatt Schlüchtern. ; »Druchu. Verlag Ja. T. Hohmeister, Schlüchtern. Berantmortl. !Schriftleit. H.-S. Hohmeister, Schlüchtern. Geschäftsstelle Drei» : ;ärüderstr, 9. Im Falle höherer Gewalt, Betriebsstörung od. ; ; Stromsperre erlischt jede Verpflichtung auf Schadenersatz.

Amtlicher Organ für Stadt und Kreis Schlüchtern

(Issustrierte KalömonatsöeilayeDas Mlatt der Moden.")

Nr 29

Donnerstag 9 März 1922

74. Jahrgang

MrtschaMche Mund schau

(Nach dem Stande vom 5. März 1922.)

sNachdruck verboten).

W.K S. Allgemeine Lage. Mit wenigen Strichen A stch die Lage zeichnen: starker wirtschaftlicher Druck, jeigenbe Teuerung und Verschuldung und damit ein weiteres Einsen der Mark, weitere Schwächung der inländischen Kaufs- Ich, steigende Verelendung weiter Volkskiassen. Als einziger IM bleibt nur noch die internasionale Verständigung. [ Geldmarkt. Die Verschiebung der Konferenz von WW zeitigte als erste Wirkung ein neues Hinaufschnellen ht! fremden Währungen. Der Dollar stieg seit Bekannt- I netto dieser Vertagung von 209 bis auf 247. Entsprechend m auch die übrigen Devisen sprunghaft gestiegen. Im Max find 128 Konkurse eröffnet worden gegen 129 im »War und 236 im Februar 1921.

I Handel und Industrie. Die deutsche Handelsbilanz Wt im Januar einen Ausfuhrüberschuß von 1,7 Milliarden Mark, der in erster Linie auf einen weiteren Rückgang des Mnsthrwertes zurückzuführen ist. Der deutsche Handel hlt Japan hat sich im letzten Jahre stark gehoben. Deutsch- |to fte$t jetzt mit 33 Mill. 3>e» (1920:12,7) unter ihn Hauptetufuhrländern an sechster Stelle. Im Seiden« IMkbe ist seit einiger Zeit eine spürbare Belebung einge- | toten-

I Kohlen. Die Zonenpreise haben vom 1. März ab gdeto eine wesentliche Erhöhung erfahren. Die Versorgung I bet Industrie liegt immer noch sehr darnieder. Besonders

I Ichlicht ist die Belieferung mit Schmiedekohle».

Warenmarkt. Vom Rauchwareumarkt wurden folgende DLarchschuiusnotlerungm bekannt: Füchse 7001000 Mk., I Marder 4000-5000 Mk., Iltisse 300-500 Mk., Dachse | löO300 Mk., Hafen bis 50 Mk., RHu 80 -1.20 Mk. I - Mit Wirkung vom 15. 3. ab wird die Steuer für IZigarellen im Kleinverkaufspreis von 25, 30, 40 und 50 »Pfennig p. St. um 20 Proz. ermäßigt. Preiserhöhungen I traten ein für Roheisen, Kupferrohre und Kupferbleche, ISiillststtiu, Feusterbeschläge, Briefumschläge und Briefordner, l Reißzeuge, Beleuchtungskörper, Drahtware«, Schuhnägel, | Zellstoff, Nähgarne, Margarine und Kali.

Produkteumarkt. Die Stimmung an den Märkten I ist fest geblieben. Die Aufwärtsbewegung der Devisenpreise I »irlte weiterhin preissteigend. Dem Umfange nach hat das I Wüst aber abgenommen, da man sich von allen Seiten I große Zurückhaltung auferlegte. Die Unternehmungslust I zeigte sich wesentlich vorsichtiger wie in der Vorwoche.

Viehverwertung. An verschiedenen Viehmärkleu konnte I man die letzte Woche eine gewisse Zurückhaltung im Einkauf I beobachten. Die Zufuhren waren normal. Aus dem I Hein-Main-Gebtet werden sogar Preisrückgänge für samt« I liches Vieh gemeldet. Es waren Einbußen bis zu 350 Mk I s. b. Ztr. Lebendgewicht zu verzeichnen. Am Häutemar?» I hat die Höherbewertung der Ware angehalten. Immerhin I ist die Kaufslust nicht mehr so groß wie im Vormonate.

Lebenshaltung Di' Raufstrafi bet Bevölkerung hat 'RSBSHSaKSBBMBHHaP^

durch die fortschreitende wahufinuige Teuerung aller zum bescheidenste» Leben notwendigen Artikel schon wesentlich nachgelassen. Es werden Einsparungen in jeder Form gemacht. Es ist nicht ausgeschlossen, daß dadurch ein Preis- druck für einzelne Waren eintreten könuie.

Holzmarkt. Durch die notwendigen RetchsholzlieferuLgen au die.Entmie hat sich die Stimmung weiter befestigt. Rundholz im Walde wirb zu steigende» Preis n abgenommen Auch am Markt l« Schnittware zeigte sich eine festere Ten­denz mit Preiserhöhunge» im Gefolze. Brennholz wird bet den Versteigerungen in bisher nicht gekannter Weise üb er­boten.

Verkehr. Die Verkehrslage der Eisenbahn beginnt sich langsam zu entspannen. Da der Wasserstand der Flüss- günstig ist, hat auch hier ein regerer Verkehr wieder einge­setzt. Jm Jarmar ist ein Zugang von 13664 neuen Postscheckkunden zu verzeichnen. Der Stand ist j^t 773494. Im Januar ergab sich ein Umsatz von 37 657 000 Bu­chungen über 156 473 000 000 Mark.

Ausland. »In Oesterreich ist die Verschuldung der Industrie so groß geworden, daß sie, auf den Kopf des einzelnen Arbeiters umgerechnet, 400000 bis 600000 Kr. beträgt. In Ungarn mußten die Lederfabriken wesen des übertriebenen Vieh- unb Rohleser-Exports den Betrieb um 3050 Proz. vermindern. Die Arbeitslosigkeit hat in der Schweiz einen erschreckend großen Umfang erreicht. In England wurden die jüngst herabgesetzten Brotpreise wieder erhöht. Die Preisstetgeru»g des^Mehlrs stst aus starke Aufkäufe Deutschlands zurückzuführen.

*-t-Der Generalstreik der Post- und TelegrapSeu-Au- gestellte« in Jrlaud wird, wie der LondonerObserr-er" mtiteilt, um Mitternacht in Jrmnö beginnen.

N# Einer Mersung am» wttfyir^v« v.»fe Nachricht von der Abberufung des Botschafters Harveh aus London offiziell dementiert.

Die Interalliierte Oberkommission in den Rhein- landen hat die Auflösung des Vereins ehemaliger öffU ziere in Aachen ungeordnet und den Verein im gesamten besetzten Gebiet verboten.

Exkaiser Karl soll die Erlaubnis der englischen Re-- aiermrg erhalten haben, nach der Insel Wight überzu- siedeln.

Der Hamburger Krimiualpolizei ist es gelungen, zwei berüchtigte D-Zugräuber zu verhaften. Beide hatten ungefähr 100 D-Zugkarten bei sich. Eine große Anzahl wertvoller Gegenstände wurde den Verhafteten abge- nontnten. __________ ____

. Deuffchlaud zählt

»^ Wte derT. U." auf Anfrage von zusiänrigex Stelle ß« Berlin umgeieilt wirb, sind die Zeituugsme? düngen, »eueu Mlge sich Sw Regierung entschlossen hatte, ein <te«es Gtuudungsgefuch an die Entente zu richten, nu- xichtrg. Dre Reichsregrerurrg wird die Termiue auch Mr^dre kommenden Dekadenzahlurrgen pünktlich inne-

Die Meldung desPetit Journal", daß Re-chs- ünanzminiAer Dr. Hermes bei der Jetten ^erabeiuhß»

rung oem Beruner Bercrerer der Reparationskommis­sion erklärt linde die L eichsregieruna werde bald außer­stande sein, die Ratenzahlungen fortzusetzen, und auf eine sofortige. Stnndung gedrängt habe, ist von der ' Reichsregierung prompt dementiert worden. Die Form, in der dies geschehen ist, kann allerdings dem Zweck, den dasPetit Journal" mit seiner Meldung verfolgt hat. sehr dienlich sein. Die Reichsrezierung hat erklärt, daß sie auch die künftigen Dekaöenzahlungen pünktlich er- stillen werde. Die chauvinistischen Kreise in Frankreich werden daraus zweifellos die Schlußfolgerung ziehen, daß Deutschland bezahlen könne, weil dies von zustän­diger Stelle in Berlin festgestellt worden sei. Bei allen Erklärungen muß der sranzösischen Mentalität Rech­nung getragen werden, weil man inFrankreich auch heute Noch der unverrückbaren Auffassung ist, daß Deutschland zahlen könne und daß alle degenteiligen Behauptungen nur ein Ausfluß des bösen Willeics Deutschlands wären, seine ihm diktierten Verpflichtungen nicht nachzukom- men. Aus diesem Grunde hätte die Regierung besser getan, das Dementi nicht so allgemein zu fassen, sondern in bestimmter Form zu erklären, ob und was Deutsch­land noch zu leisten vermag. Gewiß, es ist zu verstehen, daß die Regierung durch die Erklärung einen Einfluß auf die Gestaltung der Devisenkurse auszuüben hofft, aber bei dem gegenwärtigen tiefen Stand des Markkur­ses wäre es zweiscllos richtiger gewesen, wenn die Re­gierung bestimmte Angaben gemacht hatte, bis zn wel­chem Zeitpunkte die Ratenzahlungen noch geleistet wer­den können. Im übrigen sollen nach einer Meldung desEcho de Parts" ans Beschluß der Reparationskom­mission die Ratenzahlungen noch bis Erröe März fort­gesetzt werden, und bann soll eine zweimonatige Pause eintreten.

Die Verteilung der deutschen Zahluuge«.

b* Am Dienstag treffen in Parrs der englische, belgische und italienische Finanzminister ein. um mit dem fran­zösischen Finanzminister über die Aufteilung der deut­schen Reparationszahlungen zu verhandeln. Die Konfe­renz wird gebildet durch de Lasteyrie, Sir Robert Hörne, Theunis und Searw.

Aus Paris wird gemeldet: Die belgische Regierung 36t M Mf Äe. MWöftsche. TMe geeinigt und ofstäis!: der Reparationskömnnjinm geanrnwtei, dir wr ^as Memsraudum des deutschen Kanzlers übersandte. Die Antwort der englischen Regierung ist noch nicht singe- trofsen.

Vor der Erueuuuug Hermes. n* Wie dieZeit" hört, steht die Ernennung des NeichsernährungsMinisters Hermes zum Reichssmauz- Minister in den nächsten Tagen bevor.

Kabiuettsfitzung.

»-»Die Reichsregierung hielt ant Montag nachmittag eine Kabinettsitzung ab, in der sie sich eingehetw mit dem Eteuerproblem beschäftigte.

Beftreburkgeu gegen die Zwangsanleihe.

le* Wie demTag" von parlamentarischer Seite mit- geteilt wird, sind im finanzpolitischen Ausschuß des Reichswirtschaftsrats Bestrebungen im Gange, die auf eine Ablehnung der Zwangsanleihe teils aus wirtschafts- -polittschen Gründen, teils auch aus Gründen abzielen, die, da sie persönlicher Natur sind, zurzeit der össent- Lichen Beurteilung noch nicht unterstellt werden soll«:.

*

Rathenau über die Außenpolitik.

»«r-Der Hauptausschutz des Reichstages tritt Dienstag ipormittag um 11 Uhr zur Beratung des allgemeinen po- ftttscheu Teils des Etats des Zluswärttgen AmtS zu- itamett. i" dreier Ger menßeit wird Rcichsminister

Der Liebe ewiges Acht.

Roman w* Erich Friese«.

^ ' (Nachdruck verboten.)

Ein paar Tage später brächte man mich schwer- verwundet nach Schloß Askö. Eyolf von Solvegs Kugel hatte gut getroffen. Eines Strohhalms Breite weiter nach links und es war vorbei mit mir. Merne Schwester aber heiratete meinen idealen ^unö. Mas hat er schließlich Schlimmes getan?' Lernte sie lachend, als ich sie in heißer Empörung zur Rede gellte. ,Jm Grunde genommen, müssen wir ihm Ä dankbar sein; denn er hat verhütet, daß du eine Ucesallrance schloffest.' So sprach meine leibliche k^bster ... O ihr Frauen: Kaltes berechnendes, n I^eS ^schlecht ihr seid nicht wert, daß ein Mann "ucy nur einen Gedanken an euch verschwendet oder sein Herz an euch hängt! Selbst die Beste unter euch nicht!"

. ^b feine Augen flammen Ebba so drohend an, sie weiß, die letzten Worte sind an sie gerichtet und "Mt an einen Schemen aus der Vergangenheit.

Er ist eifersüchtig! Eifersüchtig!! Und wo das Un- ^aut^Eifersucht wuchert, da blüht auch die Himmels-

Und etwas wie ein Glücksgefühl durchwallt ihr wehes Herz.

,^ch baute dir für dein Vertrauen, Gunnar. Ich du wirst eines Tages anders über die Frauen denken. Leb

berührt er ihre Hand. Sein Gesicht f^rgt wieder tonen kalten, abweisenden Ausdruck, den U ^letzter Mit "» sehr an ihm fürchten lernte. ,. "^erzeih, i a dich mit meinem Jammer behel- ckgte! Ser; ^gjhft

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Allein tappt sie sich die dunkle Wendeltreppe hm- | unter. Er ist oben geblieben bei seinen Sternen.

Werden von nun an beide ihre einsamen Wege gehen? Jedes mit dem Bilde des Andern im Herzen und doch getrennt? " j

fit

Heda, Genossen meiner Langeweile! Wer von euch begleitet mich in das verbotene Paradies, in dem bisher die schöne Eva Mlleinherrscherin war?"

Karin von Solveg wirft es in leichtem Tone, mit begleitendem boshaften Blick hinein in die Runde ihrer Gäste, die gleich ihr der ewigen Bonmots und pikanten Anekdoten müde zigarettenpfafsend, ge­langweilt ins Blaue starren.

Die frühere Sängerin, die in der Nacht im Traum ein Käuzchen hat schreien hören und einen Zahn ver­lor, streckt rasch die Zunge heraus und macht mit der Hand ein beschwörendes Zeichen, das kommendes Un­heil verhüten soll.

Verbotenes Paradies? Schöne Eva? Aber teuerste Freundin, ich verstehe nicht"

Unschuldsengel!" lacht Karin frivol auf.Das ge­heimnisvolle Gewächshaus dahinten meine ich, mit seinem giftig-süße« Inhalt."

Es ist ja immer verschlossen für profane Augen," bemerkt der Oberst, indem er sich behaglich in seinen Stuhl zurücklehnt,die Beine weit von sich streckt und blaue Ringwölkchen durch die Nase bläst.

Bah, verschlossen! Ich habe das ,Sesam öffne dich'!" näselt der Börsenmakler und hält mit pfiffigem Lachen einen kleinen Schlüssel hoch.

Die Worte üben eine elektrisierende Wirkung aus. Sofort ist alles auf den Beinen.

Nur der Poel wagt noch in einem Anflug von rit­terlichem Zartgefühl einen Widerspruch vielleicht im Andenken an sein gestriges harmloses Zusammen- j sein mit Ebba in demverbotenen Paradiese", wor-

aufhtn Owe Lind mit unschuldigem Grübchenlächeln die Bemerkung einflicht:

Unser gefeierter Dichter zieht es vor, durch ,ver schloffene' Türen einzudringen, nicht wahr?"

Das gibt den Ausschlag. Mit einer graziös at wehrenden Hanöbewegung schließt Sigurd Ekdal fi den bereits rasch Voranschr^itenden an, während Ka­rin mit lautem Lachen ausruft:

Wie, Liebling der Musen, höre ich recht? Durch verschossene Türen eingedrungen? Ein neues Herz gebrochen? Ja ja, wenn solch eine blonde Sirene lockt, da müssen wir Beide einpacken du, kleine bescheiden,. Blume, genannt Owe Lind, und meine arme, wenig einladende Persönlichkeit!"

Karins Augen funkeln vor Erregung. Bereit übermorgen ist die Zeit um, die für ihren Besuch m Schloß Askö festgesetzt ist, und sie hat noch nichts n reicht rein gar nichts und dieses Bewußtsein tfn Fehlschlags übt eine solch aufreizende-Wirkung aus / aus, daß jeder Nerv in ihr vibriert.

Jetzt ist die kleine Gesellschaft, am Ziel angelane

Edler Ritter, reichen Sie mir Ihre Hand!" wendpk Karin sich mit einer tiefen parodierenden Verbeugum an den Oberst, um gleich darauf mit langen, graziös abgemessenen Gavotte-Schritten aus der Rokokozeit in den Kräutergarten einzutreten, dessen Tor -er Wr- . senMakler mit listigem Blinzeln weit offen hält.

Karin bat für ihren Ueberfall wohlbedacht die Stunde gewählt, die Ebba täglich im Gewächshause zu- zubringen pflegt.

So auch heute. E. va kniet vor einer Lavendel- , stände und ist gerade im Begriff, ein Büschel Blüten abzufchneiden, als lachendes Stimmengewirr an Ohr dringt. Erschrocken lauscht sie. Wäre es mög daß fremde Eindringlinge

Sie tastet nach ihrem Schlüssel. Er hängt wie an einer dünnen Schnur um^r Hals.

> ^Esung solgk.)