SchlSchterner Zeitung
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Kreisblatt
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Amtliches Organ für Stadt und Kreis Schlüchtern
(Issussrierte KarSmonatsbeilaye „Aas MtalL d^er Moden.")
Nr. 28
Dienstag, 7 März 1922
74. Jahrgang
Zum hundertjährigen Bestehen des Areises Schlüchtern.
Von Rektor G. Maldfeld zu Steinau.
III. Die Verhältnisse im Kreise zur Kuryesstschm Zeit bis zum Jahre 1866.
(Fortsetzung.)
5. Das Schulwesen
An Schulen bestanden im Kreise Schlüchtern bei besten Errichtung nur
1. das alte Gymnasium in der Kreisstadt,
2. die Stadtschulen zu Schlüchtern, Steinau, Salmünster und Soden und
3. die Dorfschulen auf den einzelnen Ortschaften.
Dazu traten dann im Laufe der Zeit
4 das Schullehreriemiuar zu Schlüchtern,
5. das Progymuasium dortselbst,
6. die Handwerkerschule zu Steinau mit ihren Abzweigungen zu Schlüchtern und Salmünster und
7. wahrscheinlich die israelitischen Schulen.
1. Das aus der Reformationszeit stammende Gymnasium zu Schlüchtern*) war bei der Errichtung des Kreises leider am Absterben. Außer 6 Stipendiaten wirkten an ihm nur noch 3 Lehrkräfte: der Rektor Peter Reinhard Haffelmann, der Kollaborator Friedrich Heinrich Creß und der Präzeptor und Kantor Joh. Jöckel. 1829 ging es ganz ein. Ereß und Jöckel traten an die städtische Knabenschule über, und zwar jener als Rektor, dieser als Kantor.
2. An der Stadtschule zu Schlüchterv finden sich 1823 nur drei Lehrer: Philipp Walther, Wilhelm Zinkhau und Z. W. Aschrnbach. An AschrubachS Stelle trat. 1826 N. Bretdenstetn.
1834 wird erwähnt, daß die Stadtschule in eine Knaben- und eine Mädchenschule gegliedert sei. An jener waren Rektor Creß, Georg Bernstein, Kantor Jöckel und Wilhelm Zinkhan, au dieser Kandidat Rullmann und Pankraz Walter tätig. 1836 erscheint für Kantor Jöckel Georg Hilbrrg.
Als Mitglieder des Schulvorstandes werden 1838 Metropolitan Baist, Pfarrer Stamm, Seminarlehrer Bang, Bürgermeister Rollmavu und Stadtrat Bey genannt.
Als Lehrer waren damals tätig: Georg Bernstein, Äilhrlm Zinkhan, Georg Hilberg, Pankraz Walter und als sogen. „Elementarlehrer" Kaspar Wagner.
1839 wurde der Schulvorstand, wie überall, so auch hier, durch den Landrat ergänzt.
1841 promovierte der Lehrer Georg Bernstein und-
■ ) Die Geschichte dieser Lehranstalt hat Pfarrer Rullmann geschrieben. Sie findet sich in der ,Zeitschrist des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde", neue Folge, Band IT, 1873, S. 28—93. Kürzere Darstellungen brachten s. Z. die Hessische Schulzeitung und der Schlüchterner Heimatbote.
Auch hier muß bemerkt werden, daß für unbedingte Zuverlässigkeit der in Nachstehendem mitgeteilten Zahlen keine Gewähr geleistet werden kann.
erhielt auf Grund seiner Dissertation über die Terrassen bildung der Erde die philosophische Doktorwürde. Ins Lehrerkollegium traten dann noch nach und nach ein: 1844 Karl Anacker, 1846 Magnus Will, 1850 Johannes Wichard,
1852 Pfarrer Karl August Dettmering und Karl Bretdenstein, 1853 Heinrich Leimbach und
1865 Peter Schwarzhaupt.
Als Hilfslehrer werden genannt:
1853 Konrad Schüßler,
1856 Lorenz Wagner,
1861 Schwarzhaupt und Schröder,
1862 Karl Eichenberg und Karl Romeiser und
1866 Joh. Fucker.
An der Stadtschule zu Steinau wirkten 1823 ebenfalls nur 3 Lehrer: Friedrich Breidenstein, Joh. Georg Zehner und Heinrich Gelhaar.
1830 trat als Rektor Pfarrer Vömel,
1834 als weiterer Lehrer Wollrad Rnpp und 1836 als Mädchenlehrer Karl Gelhaar hinzu.
Der 1838 zum ersten Male erwähnte Schulvorstand setzte sich aus den beiden Pfarrern Rauch und Vömel sowie dem Bürgermeister Hufnagel und ^em Stadtratsmitgliede März zusammen.
Später werden noch als Lehrer genannt:
1839 Phtlpp Lotz, Heinrich Quehl und Joh. Hufnagel: 1846 Friedrich Stawitz;-
1847 Peter Parandier;
1850 Rektor Pfarrer Horst, Philipp Engel, Justus Hopf, Pcter Eichenauer und Valentin See;
1852 Kar! Wörner und Karl Meyer;
l 858 Johann?s Pauli-
1865 Georg Linkersdörfer.
Eine Eigenart der Stadtschule zu Salmünster bestand darin, daß die erste Lehrerstelle bis in die dreißiger Jahre des vorige« Jahrhunderts von einem Pater des dortigen Franziskanerklosters verwaltet wurde. So werden als Lehrer 1823 Pater Leopold Knips, 1834 Pater Benedikt Endres und 1835 Pater Bonifatius Diebel genannt.
Außer diesen wirkten an der Schule:
1823 Rektor Christoph Zahn, Kantor Heinrich Wißler und als Gehilfe Felix Heumöller; dann seit
1829 Veit Jöckel;
1833 Kantor Dauz;
1843 Hilfslehrer Adam Joseph Pfoff;
1864 Kantor Joh. Joseph Scherer.
Der Schulvorstand wurde gleichfalls von dem Pfarrer, dem Bürgermeister und einem Stadtratsmitgliede gebildet.
1859 wurde auch eine für Salmünster, Soden und Ahl bestimmte evangelische Schule errichtet, an welcher als erster Lehrer bis in die preußische Zeit hinein Georg Gerlach tätig war
Die Stadtschule zu Soden war lange Zeit nur eirklassig und wurde bis über 1866 Hindus von dem Lehre: Johann
I Adam Pfaff versehen. Erst 1846 erscheint als zweiter Lehrer Wilhelm Rebmann. Ihm folgten 1850 Heinrich Weber;
1855 Frunz Hartmann und
1862 Joh. Jenior. —
3. Die Dorfschulen müssen aus Mangel an ausreichenden und zuverlässigen Unterlagen unberückstchtigt bleiben.
4. Im Jahre 1836 wurde in den alten Klosterräumen zu Schlüchtern, die man zu diesem Zwecke leider in ganz Pietät« loser Weise umbaute und dadurch verschandelte, ein zur Aus- bildung von evangelischen Schulamtskaudidaten für dieProvinz Hanau sowie die Kreise Fulda und Hünfeld bestimmteS.Schul. lehrerseminar errichtet. Da in demselben Jahre das von dem Kurfürsten Wilhelm I. im Jahre 1805 für das Oberfürstentum Hessen gestiftete Schullehrerseminar zuoMarburg aufgehoben wurde, so wies man der neuen. Gründung in Schlüchtern auch die Ausbildung der evangelischen Schulamtskaudidaten aus den Kreisen Marburg, Kirchhain und Frankenberg zu. Von eine». „Verlegung" des Marburger Seminars nach Schlüchtern kann also wohl kaum geredet werden. Keine einzige der in Marburg vorher wirkenden Lehrkräfte findet sich in Schlüchtern. Selbst der Pfarrer Bang, der 2. Lehrer am Marburger Seminar gewesen war, kommt zunächst nach Homberg und erst von dort nach Schlüchtern.
Die äußeren Verhältnisse des neuen Seminars verwaltete eine sogen. „Verwaltungskommision", die aus dem Kreis- bezw. Laudrate und dem Seminardirektor bestand.
Die Stelle des Direktors blieb zunächst unbesetzt. Erst 1839 wurde der zweite Pfarrer zu Schlüchtern Friedrich August Stamm mit dem Direktorate betraut, das er dann ein ganzes Menschenalter bis zum Jahre 1872 verwaltete.
Als Lehrer werdn genannt:
Pfarrer. ^^. g^an^- ..^ar-^-^^^-^ Heinrich Weber;
1838 Pfarrer Wilhelm Bang und Karl Willtch;
1842 Rektor Julius Wetzell;
1850 Heinrich Friedrich Mülot;
1852 Ludwig Kalbe und Heinrich Georg Davin;
1860 Heinrich Gabriel;
1861 Hilfslehrer Peter Schwarzhaupt;
1864 Pfarrer Ernst von Lorevtz;
1865 Hilfslehrer Eduard Dute und Wilhelm Leimbach.
Die Geschäfte des Rechnungsführers versah bis zum Jahre 1859 der Kreisamtserpedtent Ringler. 1860 übernahm sie der Stadtschullehrer Karl Anacker. —
5. Was das Prozymnasium anlangt, so tauchen besondere Protz ymuasialklasseu erst 1837 auf. Ihr Leiter war der bereits genannte Rektor Ereß. Neben ihm wirkte von Ende der vierziger Jahre ab W. Dietrich, der 1852 dann als Leiter des ProßymnafiLMs erscheint. Von 1853 an ist als zweiter Lehrer an der Anstalt der Pfarrer Albach tätig, der 1861 von dem Pfarrer Walter adgelösi wurde. 1863 wird als Rektor dcS Progymsasiums der Cand. theolog Wilhelm Krämer genannt. Von 1866 ab war neben diesem der Lehrer Kaspar Lotz tätig.
! Der Liebe ewiges Licht.
Roman von Erich Friese«.
4H (Nachdruck verboten.)
£ ihr törichten Meuschoukttcherl Hat keines von euch den Mut, die Kluft, die verletzter Stolz zwischen euch gerissen, z« überspringen, die Hände dös andern zu fassen, sich mit ungestümer Leidenschaft an Wl M flimmern und Klarheit zu verlangen? Bezwingt ihr mit fast übermenschlicher Kraft das wahnsinnige Klopsen eurer Herzen, um über eine Schuld zu verhandeln, die der Vergangenheit augehört und nur noch wie ein* grünes Gespenst in die sonnenüberstrahlte Gegenwart hereindüstert?
Und Guyrrar von Helgeland beginnt zu erzählen: Bon seiner heiteren Studienzeit und seinem Idealismus, mit dem er Menschen und Dinge ansah. Besonders seinen älteren Freund und Studiengenossen Eyokf von Solveg, den er mit der Gloriole eines Helden umgab und dessen brutale Kraft und leichte Lebeusauffas- iung auf den jüngeren, zarter besaiteten Freund eine faszinierende Wirkung ansübte — —
„Ich hielt es für eine ideale Freundschaft," fährt Gunnar mit gerunzelten Brauen fort. „Ich Tor! Die- - fer Glaube an Ideale ist mein Fluch. Selbst jetzt, in i reiferen Jahren, ist es mir iuxf) nicht möglich, die Welt : zu sehen, wiePe ist — niedrig, gemein, falsch und heuchlerisch; Ich war ein Idealist in der Freundschaft. Um wieviel mehr in der Liebes"
Still hat Ebba zugehört. Bei der Erwähnung seiner Liebe zuckt sie leicht zusammen und wirst einen säst scheuen Blick auf ihn.
Er «ch« starrt ius Wette — hinaus in die Nacht, als stihe er twt das Phantom fern er/verlorenen ersten Liebe.
Und al^ - den unterbrochenen Faden seiner Erzählung rm . ^immt, O es, als spräche er nicht zu {
dem lebenden Wesen dort neben ihm, sondern zu ihr, l dem Schemen aus der Bergangenheit — jener Unüe- * kannten, die nach kurze« Glück solch langwährendes ; Leid in sein Leben gebracht:
„Ein kleines braunes Geschöpf war es — munter wie eine Gazelle, mit feuriMw dunklen Augen und schwarzeur Kraushaar —"
Wie ein Schatten aus der Bergangerlheit steigt ihre Rivalin vor Ebbas geistigem Auge auf: Klein, dunkeläugig und schwarzhaarrg — also ümtz das Weib aussehen, das den Weg zu seinem Herzen findet! Und die ; hochgewachsene blonde Frau mit den hellen blauen Augen senkt traurig den Kopf. Ein Seufzer entringt ; sich ihre Brust, so kaut, so schmerzlich, daß sie ihn rasch . durch ein gezwirngenes Anflachen zu maskieren ver- ftrcht.
Er fährt herum und sieht sie durchdringend an. Und ■ der Blick feiner Augen wie der Ton seiner Stimme ; trifft sie wie ein Peitschenschlag.
„Du hast recht, mich auszulachen. Die Geschichte eut- | behrt nicht des Humors. Doch die Quintessenz der Tra gikomödie kommt noch. Paß auf!"
Und ohne von Hrenr leisen Widerspruch Notiz zu nehmen, fährt er mit bitterm Lachen fort:
„Mein Ideal von einem Freund, Eyolf von Solveg i und ich — wir gingen oft zusammen auf die Jagd. Ein- ; mal hatten wir uns bei einer solchen Gelegenheit im . Walde verlaufen und kehrten in einem nahen Forst- j Hause ein, um uns nach dem Wege zu erkirndigen. Nnd t Hiermit beginnt die Tragödie meines Lebens. Ich war ein flotter junger Student, sie ein frisches junges Mädel. Wir verliebten uns ineinander. Und meist Ideal von Freund wurde mein Vertrauter. Wir sahen uns oft — Thora und ich. Ihre schwarzen Augen blickten so treu, ihre roten Lippen küßten so warm —
Immerckiefer sinkt Ebbas Kopf auf ihre Brust herab. Ntit elementarer Gewalt drängt es sie, aufzuspringen, den Mantel abzuwerfen und »w ^en Mann da hinzu
treten in ihrer ganzen jugendfrischen Schöne und ihm zuzurufest:
„Laß die Vergangenheit! Was gehen dich dre grauen Schatten einer früheren Zeit an? Siehst du denn nicht, daß hier ein Herz für dich schlügt voll Liebe und Treue'. Ein Herz, das keine« anderen Wunsch kennt, als den. dich glücAich zu machen?"
Aber nein — jene unbekannten schwärzen Augen, jene roten Lippen haben noch immer Macht über ihn
Und — sie schweigt. r .
„Ich liebte Thora und sie liebte rmch. Sie wurde meine Braut," fährt Gunnar nach einer keinen Pau;e aufs neue fort. „Mein.Ideal von Freund verhöhnte mich ob meiner Liebe zu einer Försterstochter und wollte mich bestimmen, sie nicht zu heiraten. Wir zankten uns zum erstenmal. Doch ich blieb fest. Der Hochzeitstag wurde bestimmt. Irr zwei Morraterr wollte ich meine Thora heimführeu nach dem Schloß meiner Väter. Nicht mistete ich Eyolf von Solvegs zynischer Bemerkungen, er glaubte nicht an die Hochzett. Ich war ja verliebt und vertraute meiner Brank! llnd vertraute meinem Freunde-----*
„Da erfaßte mich eines Morgens zu ungewöhnlich früher Stunde eine brennende Sehnsucht nach Thora. Ich ließ mein Pferd satteln und ritt hin nach dem Forsthause--"
.„Schon von weitem hörte ich aus der rosenumrankten Laube — unserm kleinen Paradies, in dem wir so viele harmlos glückliche Stunden verlebt hatten — lustige Stimmen M’^ helles Lachen. Die Stimmen kannte ich: es war Thora und mein 'deal von Freund — Eyokf vor Solveg? Was fa; a ier zu suchen? Ich fühle wie mir das Blut zu Kopf steigt. Ich springe vorn Pferd, binde es an einen Baumstamm und schleiche behutsam näher und sehe — - e --- habaha, ein Ding, wie es alle Te-e vor'-'mms« soll — meine Braut in den Armen mernco
(SortieimiHT iDlaLi