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Wüchtemer Zeitung

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Amtliches Organ für Stadt und Kreis Schlüchtern (Illustrierte KalömonatsöeilaqeDas Mlatt der Moden.^

Kreisblatt

; Erscheint 3mal wöchentl. Drahtanschr.: KreiSblatt Schlüchtern. ; ;Druck u. Verlag Fa. T. Hohmeistei, Schlüchtern. Berantwortl. rSchriftleit. H.-E. Hohmeister, Schlüchtern. Geschäftsstelle Drei» : »brüderstr. 9. Im Falle höherer Gewalt, Betriebsstörung ob. ; «Stromsperref'.erlischt jede Verpflichtung aus Schadruersatz. :..........................*............ :

Nr. 25

Dienstag, 28 Februar 1922

74. Jahrgang

Allerlei vom Tage

ie

Reichsftua«zmi«ister Dr. Hermes hat dem Reichs- einen Entwurf zur Abänderung des Gesetzes gegen Kapitalflucht vorgelegt, der die Geltriugsdauer des chalflnchtgefetzes bis zum 31. März 1923 verlängert. Der Reichsfiuanzmiuister hat die Tabaksteuer für ^retten im Kleinverkaufspreise von 25, 30, 40 und Pfennig daS Stück mit Wirkung vom 15. März 6. J. um zwanzig Prozent ermäßigt.

Im EmgabeuauSschuß des bayerischen Landtages teilte die Regierung mit, daß es zurzeit in Bayern nicht remaer als 9716 Viehhändler gibt, während vor dem oTie& nur 6000 vorhanden waren. Am ganzen haben M weniger als 16 000 Gesuche vorgelegen.

Kommerzienrat Paul Colsmaun, der langjährige Mitarbeiter und Freund des Grafen Zeppelin, istim yter von 60 Jahren plötzlich infolge eines L-chlagfluves

verschieden.

Die Araktto« -er Bayerische« Mittelpartei hat be- mirach, daß der Landtag und die Staatsregierung bei der Reichsregierung dahin wirken möchten, daß die Ber- vrdmmg des Reichspräsidenten über das Tragen von llriisormen durch die ehemaligen Angehörigen der bc- Vassneten Macht alsbald aufgehoben werde.

Bo« rechtsstehenden Gruppen soll der ehemalige dtun'ische Ministerpräsident von Kahr als Kandidat für tat Posten des Reichspräsidenten in Anssicht genom­men worden sein.

Oeutschlands Verpflichtungen.

Deutschland hat Wechsel unterschrieben, die es nich »illlösen kann. Das sieht der Ausländer mehr ein, ah viele in Deutschland, die die Erfüllungspolitik preisen Die einzige Rettung sieht Radek nur für Europa unk vor allem für Deutschland und Frankreich darin, das Deutschland seine Verpflichtungen ohne Selbstmord- »pfer erfülle» kann, und das ist der wirtschaftliche Trust »wischm beiden Nachbarländern. Nach Nadel ist bis Ausführung der Verpflichtungen Deutschlands nur möglich, wenn deuttche Kohle und französisches Erz sich vereinigen. Doch das ist vorläufig noch Hypothese, bis vielleicht die bitterste Not beide Nachbarländer dazu Mngt. Anglo-Amerika hat klar sehen gelernt. Es sieht daß Europa von einem Chaos verschlungen wird uns M sich noch in letzter Stunde vom Sturz in den Ab­grund zurück. Es sieht in der Zerrüttung Deutschlands ane Weltgefahr. Auch von den deutschen Sachleistun- EWÜ es nichts. Sie sitkd nicht nur, Deutschland, fon- fi auch der Weltwirtschaft gefährlich Durch Erfiil- bmg der Sachleistungen wird zwar die deutsche Fudu- nrie stark beschäftigt, bleibt aber voll dem Wettbewerk in der Weltwirtschaft ausgeschlossen. Deutschland eröffn tot durch sie weder ttttändische Märkte, noch kann ei isländische beschicken. Es gilt bei seinem Beharren Mf der ErMllungspolitik in Frankreich immer noch süi reich, zumindestens für zahlungsfähig. Das ist es aber offensichtlich nicht. Es hat die Fehler gemacht, daß ee durch seinen guten Willen, der über seine Kraft geht leinen westlichen Nachbar unbewußt täuschte. Es hätte offen und frei erklären sollen:Non possumus!" Das hat neulich Herrn Stresemann, wie er in seiner letzten großen Rede erklärte einhervorragender Engländer" klivo und klar ins Gesicht gesagt. Wenn das geschehen tvöre, dann hätten die Angelsachsen Grund gehabt, sich für hie Abänderung der Verträge zugumten Dentich?

lands ins Mittel zu schlagen. Die Propaganda uno lauten Proteste von deutscher RegierunAsferte seien ganz verstummt. Daß Deutschland eine, wlche Hwbsrolle spielt, sei nach Ansicht dieses Engländers eine Gefahr für England und Amerika. Vom.Rhein ^s zum Ural liegt die Kaufkraft für die Weltmärkte öltrmeber.. In­sofern ist wenigstens der politische und wlrtschmtluhe Zusammenbruch Rußlands für Deutschlan^ noch ein Glück. Aus unserem Unglück aber kann uns nach' manns Ansicht nur das eine retten, daß nur offen vor aller Welt erklären, in Zukunft nicht mehrzahlungs- »ähia 'au sein. Die letzten Goldmilliarden lind dmcth Dnfer schlimmster Art zusammengescharrt worden, ^.w Wlickkei? der nächsten Zahlungen ist tut ooUtzck Klarblickende ein Rätsel. Etwas mehr angelwchnuhe ÖS^ »6 ««'«c' »-»tsch-r

Optimismus.

Die Minifterpräsidenlen-ZufammenÄunst.

ÄKetoe Aufhebung der Konferenz nicht ge-

Lloyd Georqe hofft öie Schwierigkette« auf der

c^»^i.«b Frankreich sich auf einen neuen. Vorschlag S®§^®^«Z Ng" -»« d",< »-r°»«°°-r«ra» --S-t-r« ««» -u» «°- fchlnß bringen wollen.

sammeaknnft ist immer noch nicht bekannt. Vielleicht n. er gar; cht endgültig festgesetzt.

Si«. w »omS-^W«# W ferenz in Genua an biS z > - , Nachtverkehr< Beendigung unbeichrankter luneistHeu wird Pressetelegramme nach Deutschland zugelass

Dar Steuerkompromitz. ässses®

^aae wieder dieselbe ist, wie vor der isrnemmng ^/> Rathenans und der Stellung der Vertrauenstrage. Die Parteien der Mitte einschließlich der L>ozialdemokrateu und der Deutschen B -lkspartei halten der Sache nach am Sreuerkompromitz fest. Allgemeine Berhanblunasgegen- ftände sind nur noch die sogenannten persünttche» ««d fachliche« Garantie« der Deutsche« Bolkspartei.

Bei den Besprechungen der Koalttionsparteie« er­gab sich, daß der vorliegende Entwurf des Mantelgesetzes sich aus zwei Hauptbestandteilen zusammensetzt, nämlich aus den Steuergesetze« und aus dem Teil, der sich auf die Zwangsauleihe bezieht. Hier ist besonders das so- genmutte Ermächtigungsgesetz hervorzuheben, durch das die Reichsregierung in die Lage versetzt wird, die An- Whe durchzuMhren. LautB. Z* hat nach dem Ent­wurf dieses Gesetz etwa folgende» Wortlaut: Die ReichSregierung wird die Mittel für die Kredite, die durch das Reichshaushaltsgesetz für daS Fahr 1922 be. «tt«stellt sind und nicht für die Verkehrsanstalten be- EU sind, im Wege einer in Reichsmark einzuzablen- und in den ersten drei Fahren mwer^nSlichen l^anleihe in Höhe des Gegemvertts von einer

W der drei Jahre in einer BeHmMma ter Parteien -Mesetzt werde».

Grupen wieder selbst gestellt.

9iad) einer Meldliug aus Hirschberg hat sich Grupen ton Freitag in den späten Abenostunoen selbst wieder im Gefängnis gestellt. Ueber die Flucht Grupens wird uns noch gemeldet, daß sie mit Hilfe von drei Personen erfolgte. Grnpen war in einer Zelle in der zweiten Etage des Gefüuguisfes untergebracht. Da man befürch­tete, daß er den Selbstmordversuch, den er schon einmal unternouune,» hatte, wiederholen werde, war er mit zwei änderen Gefangenen zusammen in eine Zelle gekommen. Nun ist die Flucht um Mitternacht erfolgt. Das Feu- stergittcr der Zelle ist mit seinen Sägen durchschauten und Grupen hat sich dann durch die Oeffuung an einem Strohseil ins Freie heruntergelassen, wo er zunächst auf einem Dache landete und von dort aus die Straße kam. Das Gefängnis Hirschberg liegt im Villenviertel. Es ist also wahrscheinlich, daß Grupen von hier aus deN nahen Wald erreichte. DerBote aus dem Riesenge­birge" meldet über die Ausfiihrung der Flucht Grupens «och folgende Einzelheiten: Grupen Mläfette einen seiner beiden Zellengenossen mit Schlafpulver ein und eignete sich dessen Zivilkleider tut. Aus der Zelle, in der Gruppen nntergebracht war, war bereits früher ein Gefangener ausgebrochen, nachdem er die Querstange des vergitterten Feltsters durchsägt hatte. Diese Quer- stanae wurde mit Hilfe zweier Laschen repariert. Die Köpfe der Nieten, womit diese Laschen an der Quer- Bonge angebracht waren, wurden von Grupen und seinen Mitgefangenen mit Hilfe eines zur Säge um- dewandelten Brotmessers auseinandergebogen. Daraus haben sie sich durch das Gitterrverk hindurch gezwängt und an einem Strick heruntergelafsen. Die beiden Ge­fangenen, die Grupen beim Ausbrechen behilflich waren Nnö sich bereit Freitag früb wieder stellten, erklären. Unter einem unbegreiflichen Zwange gehandelt zu haben, den Grnpen auf sie ausgeübt habe. Wie das zu ihrer Säge mnacwandelte Brotmesser und das Schlaf­pulver in den Besitz Gruperrs gelangt ist, ist bis jetzt «mgeklärt. , .

«SEL»-. «Iil >0 !II>»W»MW>»»»»»MWMWWWUWW«»WWW«W Der Liebe ewiges Licht.

" I (Machidenck Dectwtwi f

»Erhebe« Sie Ihre Gtäßer, weüee Cement Die ^««ai fetten leben! Was wütet wer Mürruer ohne 8toww? Was wüßte« wir Männer über uns über unsere freunde, über den Goldgrund, der ^^«Wlicheu Herze« ruht - ohne die Kraue«? Was putzte» wir Männer von Seele» reiuhett, von Ehre, von ohne die Frauen

»Eine« Momeut, bitte!" ftiM Ionas Nbrcnufeus »rrge gkrtte Stimme rasch ein. Unser werter junger hier erzeugte be« Gedanken unser hochverehr­ter Gastgeber adoptierte ih« und f^müdte thu herrlich glorreich ans. Ich aber möchte bitte«, den Begriff vukonzentrieren'', wir unser guter Meister Wybrands würde, wen« er anwesend wäre. Meine Herren . Dieses Glas hier weihe ich nicht bett Frauen, so»»

der Frau! Der Kran, dir durch ihre Anrnut, M BebeNswürdigkett, ihre Schönheit, uns allen hier ^Aufeuthatt zum Paradiese macht! Die Marquise «Wnßfew fbe lebe hochk hoch! und »ochurals

Sein boshafter Blick funkelt hinüber zu Guunar, oeffe« Augen es gewttterdrohenb aufblitzt, wäljrenb ^burh Eköal in feiner juge»tdlichen Uubefa»lge»»heit Mgefprunge« ist und sein Mas begeistert hochhält. " begreift gar nicht, weshalb eine feste Hand ihn rasch ^ver auf feinen Stuhl niederzieht und die behäbige !l>Hnie des Obersten ihm hastig zuraunt:

mach, gemach, jurrger Akann! Der allzu eifrige ' ^«nb der Frauen ist oft ihr schlimnrster Feind!"

-'>vch immer steht Gunuar, mit den« erhöbe neu Glase 1 Hand, hochaufgerichtet, unbeweglich. Er ist tv- seine Lippen sind ftft zusaimneugepreßt. n^ec glühende« Augen aber wand er« lauyaw

Sie ganze Tafel herum, vom Gesicht zu Gesicht und baun über Mete hinweg durchs oGeue Fenster, h«a«S iMS Freie.

Unb plötzlich nehme, atl diehe ihn mit £nu verschie­denste« Gefühle« beobachtende« Meuschen erneu jähen Web^el m seine» Auttitz wahr. Es ist, als ot» wie mit eine« Schlage eine Maske vo« ihm abfalle. Die starren ZÜM beleben sich: der Blick nimmt etwas ent­zückt Bfiionäres an; awf die fvebe« noch uurwölkte Stirn senkt sich Ruhe und Friede herab.

Nienrand von bat Gäste« ahnt die Ursache dieser merkwürdige« Keründerrcug.

Nur Ebba, bereit Blick während der «sanzeo Tisch reden in verzehrender Angst an des Geuebte» Zügen hing und seinen Augen folgte sie weiß, was es ist:

Vom dunklen Himinel draußen strahlt ei» Stern durchs offene Fenster herein. Der erste Stern nach wochenlanger sterneuloser Zettl! Der erste Ster« nach dem Scheiden der Mitternachts s o n ne!1!

Dtvs Was ist (Arnnars Hand entglitte«. Zersplit­tert kiekst es auf dem Teppich.

Er selbst aber schreitet, ohne ein Wort der Erklärung, ohne auch nur von feinen Gäste« weiter Notiz zu neh­men, znm Zimmer hinaus die Augen in blaue Ne­belferne« gerichtet, alle Sinne nur geöffnet für seinen Schönhettstraum.

Lebhaftes Stimrnengewirr, erregter Protest folge»! ihm. Und wieder ist es Oberst Lundstat, der die Ijodb gehenden Wogen der Eucpörnng besänftigt.

Laffon Sie ihn! Er ist nicht wie Andere. Er geht seinen eigenen Weg f*

Halwha ^ lackst der Börsenmakler knrz auf.Er ist nickst wie Andre? Stimmt! Verrückt ist er I . . . Auf Ihre Gesundheit, teure Madame Karin! Und auf gu­tes Gelingen Ihres Herzeuskvunsches!"

Grell schrillen die beide»« Gläser aneinander.

Als Karin von Solveg ihr Glas wieder hiustellt, hat es einen tiefen Sprung.

12.

Ebba begibt sich sofort nach Beendigung des Abend- eyens hinab ins Laboratorium. Es widerstrebt ihr, länger zwischen jenen Menschen zu weilen, die ihr ^- jeder in seiner Weise heute solch herbes Leid zuge- fügt.

Dort uute«, m der stillen Einfiedlerklause, bei dem stärrdig grübel»rde« und experimentierenden alten Ba ter dort ist sie Nicht haßerfüllten Blicken und ernie­drigenden Komplimenten ausgesetzt. Dort wird sie Ruhe finden für ihr qualvoll pochendes Herz.

Doch schon auf der Schwelle zögert sie, einzutreten Es hätte gar nicht der stummen Warnung Hjalmars bedurft, der zusammengeduckt, nie ein Wachthund, jen­seits der Tür hockt und bei ihrem Erscheinen unter Kopfschütteln den Zeigefinger seiner linken Hand aus den Mund legt, während die Rechte sie durch hastiges Greifen nach ihrem Kleide zurückzuhalten sucht.

Schon die ihr entgegenhanchenden Dünste hätten sie zurückgestoßen. . , . _ ,

Die ganze Atmosphäre erscheint voll gehermmsvoller Kraite, die wallen und weben und ins Freie drängen . . voll hin und her schwebender Gedanken, die Form und L^en angenommen haben . . . voll leise flüstern­der Stimmen i . .

Hub dazwischen, an seinem Erpenmentiertisch, als Mittelpunkt, die leitende Kraft ihr Barer, der aus dem dunklen Chaos all dieser Energien sich seine eigene Welt schasst.

Nur zögernd tritt Ebba näher.

Meister Wubrands' Unterlippe bewegte sich krampf- Haft hin und her; abgebrochene, unzusammenhäugende Worte fallen von Zeit zu Zeit dumpf hinein in das von all den Retorten ringsum ausgehende, fie(Kiwn;v= volle Geflüster - aleichn ie Steinwürke in e-ae t

plätschernde Fontäne.

(Forts.' /olcst.)