Schluchterner Zeitung
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Kreisblatt
; Erscheint 3mal wöchentl. Drahtanschr.: Kreisblatt Schlüchtern. • »Druck u. Verlag Fa. C. Hohmeister,Schlüchtem. Berantwortl. • :Schriftleit. H.-C. Hohmeister, Schlüchtern. Geschäftsstelle Drei» i »brüderstr. 9. — Im Falle höherer Gewalt, Betriebsstörung ob. ; «Stromsperre f'erlischt jede Verpflichtung auf Schadenersatz. •
Amtliches Organ für Stadt und Kreis Schlüchtern
(Illustriert- KawmonateS-ila,- „Jas Blatt der 3goben.“)
M- 24
Samstag, 25 Februar 1922
74. Jahrgang
I" Der Rekchrhaushaltsplan für 1922.
Devl Reichstag ist ein UeberMick über den Entwurf k -es Retchshaushaltsvlans für 1922 zugegangen, in dem IM die Veranschlagung der Summe zur Ausführung I ^ Friedensvertrages für dieses Rechnungsjahr enthal- I ist. Die Kosten, die wir zu erstatten haben, werden wt das Jahr 1922 auf 187 531 896 076 Mark veranschlagt I eaen 112 429185 779 Mark im Vorjahre. Hierbei sind beteiligt der ordentliche Haushalt mit 147 687168 000 M. [ M der außerordentliche Haushalt mit 39 844 528 076 M. t.m einzelnen entfallen auf: allgemeine Raparations- Ksgaben 135 000 000 000 Mark, Besatzungskosten 6 267 406 000 Mark, Ausgaben für interalliierte Kommissionen 1845 565 000 Mark, Leistungen aus dem ^rte« I-ensvettrag außerhalb der Reparation 20 723 700 000 Mark. Aufwendungen für das Ausgleichsverfahren 18 000 000 000 Mark, Innere Ausgaben aus Anlaß des iriedensvertrages 5 695 025 076 Mark. Von den Aus- qaben des ordentlichen Haushalts können 16,5 Milliar- bm Mark aus ordentlichen Reichseinnahmen gedeckt werden. Aus Anleihe müssen übernommen werden: von W ordentlichen Ausgaben der Rest mit 131187168 000 Mark, die außerordentlichen Ausgaben mit 39 844 528 076 Mark, zusammen 171031696 076 Mark.
Arbeiterentlassungen im Saargebiet.
»Infolge der verfehlten wirtschaftlichen Experimente im Saargebiet wird die Illingerhütte gezwungen, ihr Kfelwert zu schließen. Dadurch werden 80—100 Ar
brotlos. Außerdem sollen noch weitere 400 bis 500 Arbeiter aus anderen Werken entlasten werden. Da -ür die zur Entlassung kommenden Arbeiter keine Aussicht besteht, im Saargebiet Arbeit zu erhalten, ist die Erregung sehr groß. Der Christliche Metallarbeitewer- band hat die Regierungskommission auf die Folgen der Entlassung hingewiesen und die Weiterbeschästgung der Arbeiter verlangt.
Allerlei vom Tage.
Die allrussische zentrale HilfskomMission für die Mchernd^ beschloß, auch dt" KAm zum Hungergebiete M erklären.
Der schwedische Jndustrieverband hat einen neuen Kressefeldzug für Dumpingzolle begonnen. Diese sollen natürlich in erster Linie gegen deutsche Waren gerichtet seiy.
Der italienische Anteil an dem Oesterreich von den Verbündeten zugesprochenen Kredit beträgt 70 Millionen Are. Dieser wird zum 1. Juni flüssig gemacht werden.
Reinhard Manuesmann, der durch seine Erfindung bes nahtlosen Walzerverfahrens bekannte Industrielle, starb im Alter von 63 Jabren.
Der WWuö der Genueser Ronfereni »»Wie das »B. T." aus parlamentarischen Kreisen hört, dürfte die deutsche Regierung auf die französische Note, in der die französische Regierung die Verschiebung der Konferenz von Genua 5 «tragt hat, keine Antwort erteilen, sondern sie lediglich zur Kenntnis nehmen, da Deutschland als eingelaöener Staat auch heute auf das in der Einladung festgesetzte Datum des Konferenzbe- Sinns keinen Einfluß hat.
Weiter wird uns hierzu gemeldet:
»»Wie die „T. 1L„ hört, hat die Reichsregierung über die am Dienstag übergebene Note der französischen Ne-- 6leru«g betr. die Verschiebung der Konferenz von Genua «och keinen festen Beschluß gefaßt Die Veröffentlichung wird erfolgen, sobald ein solcher Beschluß vorliegt.
^ Die für Donnerstag anberaumN Sitzung des Re- paraLionsansschnsfes des Reichswirlschastsrates, in bei über die Richtlinien über die Konferenz von Genua be* - raten werden sollte, ist aus den 1. März verschoben worden.
Zwei Antworten Englands an Frankreich.
w Havas veröffentlicht eine Zuschrift des englischen Gesandten in Paris, in der dieser entgegen den Behauptungen der Pariser Presse feststellt, daß die englische Regierung die französische Note über die Verschiebung der . Genueser Konferenz bereits am 11. und 14. Februar beantwortet habe und zwar durch zwei in Paris überreichte Noten des englischen Außenministers.
Wie der „Temps" hierzu bemerkt, behandelt keine der beiden Mitteilungen die verschiedenen Punkte des französischen Memorandums. Nach Ansicht des Blattes hätten sie sich vielmehr aus die Frage des Verfahrens, auf die Rolle der Sachverständigen und auf die Gründe, die das „Foreign Office" an der Beantwortung des französischen Memorandums hinderten usw., aber nicht aus : die Sache selbst bezogen.
Die ZnsammenkKUft Lloyd Georges mit Poincarec. r>» Aus Paris wird gemeldet: Eine Reuternote erklärt, daß der englische Premierminister aus drirmenden geschäftlichen Gründen nicht nach Paris reist. Die ilnter= redung beider Premiers muß also in einer anderen französischen Stadt abgehalten werden.
Die Terminfestjetzung für Genua.
b* Die Pariser „Information" will wissen, daß für die Genueser Konferenz, die vertagt worden ist. die Lermin- versetzung der Außennnuister Konferenz überlassen sei.
Bonomis Stellung zu dem französischen Antrag.
e-^ Aus Rom wird gemeldet: Das Kabinett Bonomi wird die französische Forderung, die Konferenz von Genua drei Wochen aufzuschieben, nicht selbst beantworten, sondern die Entscheidung der neuen Regierung überlassen.
Der österreichische Vertreter für Genua.
^M^t-'rmeldüngen zufolge wird der österreichische Bundeskanzler Schober ms ^^ ^c.. LeM^HM an der Genueser Konferenz teilnehmen.
Ei« Sachlelstungsprogramm.
»?< Seit einiger- Zeit finden bekanntlich in Berlin mit Vertretern der Reparationskommission Verhanölnuge-r über ein deutsch-französisches Leistungsprogramm statt, bereu Einzelheiten nunmehr durch Nachrichten der französischen Presse auch der deutschen Oestentlichkeit bekannt werden. Nach dem Wenigen, was über die in engern Kreise geführten Verhandlungen bekannt geworden ist, ergeben sich folgende Grundzüge:
Es wird Deutschland vorgeschlagen, Sachleistung^« anstelle von Barzahlungen in allen Fällen, die im Ber teilungsschlüsiel der Note enthalten sind, zu liefern und zwar nicht auf Grund gebundener Listen wie beim Wiesbadener Abkommen, sondern auf dem Wege freier Bestellung unter Kreditierung der aus dem Auslande zu beziehenden Rohstoffe. Sicherung gegen eine über'den Zweck des Wiederaufbaues hinausgehende Verwendung, insbesondere gegen den Weiterexport auf den Wett- marft sind bisher nicht vorgesehen. Um einer Inflation in den Abnehmerländern entgegeuzuwirken, wird noch ein weitergehender Kreditplan erörtert, dessen Grund- / ae zurzeit offenbar in Paris Bearbeitet werden. ES ist amzunehmen, daß schon in den nächsten Dauert außer
oer vregierung Sie znstänöigen parlamentarischen Stellen sich ausführlich mit diesem neuen Plane befassen werden.
Sachlieferunge» für das Wiederaufbaugebiet.
►♦ Aus Paris wird gemeldet: Der französische Minister für öffentliche Zlrbeiten trifft Vorbereitungen, in Deutschland einen großen Auftrag zur Lieferung von Eisenbatzuschiene» «nd Streckenmaterial sowie Material ftir elektrische Leitungen, zu vergeben. Das Material ist besonders für das Rhonedepartement bestimmt. Der Antrag stützt sich auf den Friedensvertrag, der die Alliierten ermächtigt, von Deutschland Sachleistungen zu verlangen, die geeignet sind, den wirtschaftlichen Wiederaufbau der zerstörten Gebiete zu fördern. Die Lieferungen werden dem Reparationskonto gutgeschrieben.
Sie Neuwahl des Reichspräsidenten.
Im Anschluß an die Reichstagssitzung und die von der Regierung abgegebene Erklärung über die Wahl des Reichspräsidenten schreibt der volksvarteiliche „Deutsche Zeitungsdienst". es sei mit der baldige» Ansetzung des Wahltermins zu rechnen. Es lasse sich schon mit ziemlicher Sicherheit sagen, daß die Sozialdemokratin! Ebert wieder als Kandidaten aufstellen würden. Unter diesen Umständen gewinne die Präsidentenwahl für die anderen Parteien besondere Bedeutung. Es fei unbedingt notwendig, die Besetzung des Präsidentenpostens dem Parteizwang z« entziehen. Wenn die Sozialdemokraten an ber Kandidatur Ebert festhalten sollten, müßten sich die übrigen Parteien auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen, der der Forderung genüge: Kein Parteimann, sondern eine hervorragende politische Persönlichkeit!
D as Lermögekszuwachssteuersefetz.
Der Reichstagsansschutz für Steuerfragen, der den Entwurf eines Bermögenszuwachssteuergesetzes in z'.weiter Lesung beriet, nahm zu § 14 einen Antrag Lauge- Hegermann (Str.) an, wonach die Bestimmung erster Lesung zu streichen ist, die 100 000 Mark Bernuigetlszu- machs steuerfrei läßt und den Betrag des steuerpflichtigen Vermögenszuwachses für jede unterhaltnngs- pflichtige Person erhöht, wenn eine Familie mehr als zwei rnsprhattungspflichnge Personen zählt. Ferner beschloß der Stesieäar-.Snhnß genräß einem L^tinw Lauge- Hegermann folgende Staffelung der Steuern: Es urtot den steuerpflichtigen Vermögenszuwachs zu entrichten: für die ersten an gefangenen oder vollen 200 000 Mark 1 Prozent: für die nächsten angefangenen oder vollen 200 000 Mark 2 Prozent: für die nächsten angefangenen oder vollen 300 000 Mark 3 Prozent: für die nächsten augesangenerr oder vollen 300 000 Mark 4 Prozent: für die nächste angefangene oder volle Million 5 Prozent: für die nächste an gefangene oder volle Million 6 Prozent: für die nächste angefangene oder volle Million 7 Prozent: für die nächste angefangene oder volle Million 8 Prozent: für die nächste angefangene oder volle Million 9 Prozent: weitere Beträge 10 Prozent. Die iib- rigen Bestin.kmungen wurden nach den Befchlttsfen der ersten Lesung angenommen und damit das ganze Gesetz.
Waffenkontrolle in Schlesien.
»-^ Basel. lS. C.« Die „Basier Nachrichten" melden rms Paris, daß General Rollet vor dem Botschasterrat über die oberschlesische Frage berichtet hat. General S ollet ist von dem Botschaftrrat beauftragt worden, eine 611 gemeine Waffentvntrolle in der Provinz Schlesien durchzuführen und die Auflösung der noch in Deutschland bestehenden 0Jc ^ <" . >öe umgehend von ber
deutschen Regierung -u verlangen.
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Der Liebe ewiges Licht.
Roman von Erich Friese«.
(Nachdruck verboten.-
Und Gunnar? Er, für den Ebba sich schmückte? Der Einzige, an den sie denkt, als sie schweigend zwischen dem Oberst und Sigurd Ekdal Platz genommen?
In ihrer Befangenheit wagt sie zuerst gar nicht, nach ihm Hinzusehen. Endlich hebt sie schüchtern die Augen. Und ihr ist, als ob eine kalte Faust nach ihrem Herzen greife.
en? Ebba ist es, als
Sein Gesicht erscheint um Jahre gealtert. Und seine Augen blicken sie an mit einem Ausdruc, der sie erbeben läßt. Ist es Zorn? Oder namenloser Schmerz? Ober — Verachtung?
Großer Gott! Was ist geschehen? Ebba ist es, als versinke alles um sie her tu ein Nichts. Wie aus weiter Ferue summen die Stimmen der Tafelrunde an ihr Ohr. Und aus diesem ganzen verschwommenen Chaos heraus fühlt sie nur eins: ein tiefes, tiefes Weh —
chts. Wie aus weiter
Doch nur kurze Zeit dauert dieser seltsame Zustand. . Dann siegt ihre gesunde Natur. Ihre Energie, ihr freier Wille kehren zurück. Sie zwingt sich, auf die verschiedenen an sie gerichtete« Fragen zu antworten, nch an dem allgemeinen Gespräch zn beteilige«.
„Fehlt Ihnen etwas?" raunt Sigurd Ekdal ihr be sorgt zu. „Sie wurden soeben bleich wie der Tod."
„Ich? Bleich?" lachte Ebba nervös auf, und ihre Stimme Hingt lauter, schriller, als sonst, während das Blut ihr jäh in die Wangen schießt. „Im Gegenteil — 'ch glühe! Der Experimentierofen unten im Labora- koriurn und das Küchenfeuer tun ihre Schuldigkeit!"
„^stelleicht —" wirft Owe mit der unfdiulbifnteu Miene von der Welt hin, während ihre Augen einen zornigen Blick zu Sigurd hinüberschießen — „vielleicht bat such die Hitze im Gewächshaus dazu beigetragen.
Unser gefeierter Poet glüht ebenfalls wie Feuer! Merkwürdig!"
Von Karins fieberheißen Lippen kommt ein Lache« — grell und höhnisch.
„Die Marquise de Lavallisre hat stets eine ganze Masse Eisen im Feuer! Wer kann wissen, welches davon gerade heute glüht!"
Mehr denn je fühlt Ebba sich von all diesen nach ihr geschleuderten Pfeilen der Bosheit verletzt. Sie läßt ihre Augen im Kreise umherschweifeu. Aller Blicke sind auf sie gerichtet: die der Frauen in grausamem Spott, die der Männer in mehr oder minder dreister Bewunderung. Instinktiv, als erhoffe sie Rettung vor all diesen sie durchbohrenden Blicken, sucht sie Gunnars
im Gesicht trägt noch S carr, kalt, mit einem
Stunde! Die end- )aS Weineinschenken zen, Lachen und das nplimenten und das
chen und dreisten ihrem jungen Leben aber die heutige er-
Augen.
Doch er hat sie abgewandt, denselben Ausdruck wie vorhin: Altflug von Verachtung.
0 Qual der nun folgende lose Reihenfolge von Gerichten! und Gläseranstoßen! Das Sch Scherzen! Das Anhören von stumme Zurückweisen von hö Blicken! Wahrlich — Ebba hat viele trübe Stunden -urchgemai scheint ihr die schwerste von alle:
Niemand hat bemerkt, daß Gunnar dem Diener einen Wink gab. Erst, nachdem der Sektkübel herein- | getragen würbe und eine Anzahl schlanker Kristallkelche ! und nun die Pfropfen knallen, wird man anftnerkfam. !
„Bei Jupiter, ein guter Einfalls ruft Oberst Luud- stat, sich bequem in seinen Stuhl zurücklehueud, mit der . Miene eines gewiegten Gourmets. „Aber wir dürfen ; solchen Göttertropfen nicht so ohne weiteres die Kehle ' | hinuntergießen, wie die Idioten. Wir wollen ihn in ! würdiger Weise weihen durch eine Rede!"
„Ja, eine Rede! Eine Rede!" klatscht Lstadarne Li: ' Beifall. „Auf wen?"
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„Ich schage vor: Auf unseren genialen Gastgeber!" Doch schon ist Sigurd Ekdal aufgesprungen und ruft voll heroorspruöelnoem Enthusiasmus:
„Auf wen denn anders, als auf die Krone bei Schöpfung! Auf die Frauen, die unser Haupt mit Rosen bekränzen und unseren dürstenden Seelen den Nektar himmlischer Inspirationen darbieten!"
„Ja, auf unsere Schönen! Unsere Herzenskönigin» neu! Unsere Engel! Unsere Göttinnen!" ruft JonaS Abramsen malitiös, den exaltierten Ton des jungen Dichters persiflierend.
Auch Gunnar bat sich wie mcchanuch von seinem Stuhl erhoben und ergreift mit ei er langsamen Bewegung seinen ChamPaMerkelch.
„Sie haben recht, meine Herren! SKchts ist natür- I licher, als daß wir unsere Gläser erheben und auf das ! Wohl der Frauen trinken, auf dieses von der Natur so i bevorzugte Geschlecht, das auf die Handlungen der i Männer solch veredelnden Einfluß ausübt. Nicht wahr, ; mein werter Herr Irmas Abramsen? Das meinen
Sie doch auch?"
„Hört, hört!" ruft Sigurd Ekdal mit leuchtenden Angen dazwischen.
Gunnars Blick schweift zu dem in Heller Jugendbegeisterung glühenden Poeten hinüber, und einen Moment mildert ein leichter Hauch — ist es Mitleiden mit sich selbst oder mit dem Idealisten dort? — seine Härte. Ein seltsam ergreifend«' Blick, der etwas von einer armen Seele hat, die soeben dem nach schwerem Todeskampf erlogenen Körper entflieht und noch halb am Irdischen hängt, halb bereits dem Reich der ewigen Geister dort oben angehört. Dann aber greift öic schlanke Männerhand rasch nach dem Glas. Laut und mehr und mehr anschwellend, als ob unter der glatten Oberfläche der ^•'"tc dumpfe Donner grollten, hallt Gunnars St'' -st den Raum:
^Fortsetzung folgt.)