Schlüchtemer Zeitung
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Amtliches Organ für Stadt und Kreis Schlüchtern
(Illustrierte Kalömonatsveitage „Das Mkatt der Moden")
Nr. 23
A Keglet oom Tag?
Zusehen nvfschiff^
Die britische Admiralität beabsichtigt, die Zahl der «liräle ab August d. I. von 9? aus 77 Herabzusetzen. Der für die Hambnrg-Südamerikanische Dampfschiff- «ögesellschaft erbaute Dampfer „La Coruna" hat von «mbnrg mit einer Ladung Stückgütern und Passagieren Leerste Reise nach dem La Plata angetreten.
Die Nachricht, daß die Kriminaltzeamten, die in Un- MN Nachforschungen nach den Mördern Erzbergers an- Ätellt haben, aus Ungarn ausgewiesen worden seien, wie die „D. A. V." erfährt, nicht den Tatsachen.
Der Schutzverba«- für -e«ischen Grundbesitz hielt tu Berlin eine Protestversamlung gegen das kürzlich im Reichstag in zweiter Lesung verabschiedtete Reichs- Mtengesetz ab. ___________ ____
Ein «nöeimnnjse SjsmMck-Seigs
Bindungen mit der Preise, ausfälliger Weise meine Be
Hin Brief von großem geschichtlichem Wert, der zu- (Md) für Bismarcks Persönlichkeit sehr bezeichnend ist, Md im neuesten Heft der bei v. Oerthel n. Co. in nebenan erscheinenden „Autographen-Nundschau" aus in rammln na Oskar Ulex zun' ersten Mal veröffent- M Das Schreiben ist an den Regierungsrat Zitel- MW gerichtet, der Bismarck während seiner Frank für- in Zeit zur Seite gestanden hatte, und aus Petersburg «8. August 1860 datiert. Bismarck wendet sich gegen M heftigen Angriffe, die verschiedene Zeitungen des Monalvereins gegen ihn gerichtet hatten.
„Ich soll," schreibt er, „russisch-französtzche Bvr- tzläge wegen Abtretung »der Rheingrenze unter,rutzt ^ben und dergleichen Unsinn. Vorschläge der Art sind nie gemeint worden, wir sind im Gegenteil des rusyschen- Beistandes seit fast Jahr und Tag ziemlich sicher, wenn wir im Westen angegriffen werden sollten, da Rußland iiegtei^e französische Truppen in Posen nicht vertragen tat. Es kommt auf etwas mehr oder weniger Ver- iiMduug meiner Person auch nicht an. Ich möchte Sie nur bitten, wenn Ihnen dergleichen Blätter, die nch m Kanter Weise mit mir beschäftigen, vorkommen und entbehrlich sind, sie mir zu schicken. . . . Daß die Leute «ich mit allen Mitteln zu »erfolgen kortfahren, beweist zu meiner Genugtuung, daß sie glauben, un konnte ritt Preußen doch noch ein nützliches Rüstzeug sein, wenn
Ä auch weit vom Kampfplatz wohne."
Sodann bittet Bismarck Zitelmann. er möchte doch, wenn er nach Berlin komme, Herrn v. Unruh aufsuchen und ihn fragen, „weshalb der Nationalverein mich an- S nachdem ich seit neun Jahren, gegen Wind und
er, wenn auch mit konservativen Zielen und Grundlagen, doch einen parallelen Kurs steuere. Ich kenne die Artikel gegen mich nicht wörtlich: haben Sie noch Ber- ' ' ” " die Ihnen gestatten, in nn»; idigung dagegen zu sichren, hrige Anschauung meines » das Konzept des langen ers der letzte Teil Sans auf eigene Kraft stützen ährt Bismarck fort, daß ich
Memorrs, was Sie W^..
LNMM««« wenigstens nicht; dann aber werde ich mich treuen, sie 1 Berlin wiederzüsehen, wenn wir leben Mit der Gesundheit geht es wieder gut, Frau und Kindern Gott !Ü DM auch. Aber viel Arbeit, mehr als in Frank
W und Mutter bin, und was'für Preuften' Hub 'Chr mäßiste Hilfe." , , .
Sn einer Nachschrift heißt es dann zum <<hfiiB:_ „dm
»S«
Donnerstag, 23 Februar 1922
venuye mefen leeren Dogen, um ^yuen nocy zu „lagen, daß alle Gerüchte von russisch-sranzösifchem Bündnis Windbeuteleien sind. Seitdem Napoleon in Polen von sich hat merken lassen, ist man hier voller Mißtrauen, denkt auch nicht an Teilung der Türkei, sondern ist froh, wenn Frieden und wieder Frieden bleibt; Bauerneman- zipationen, Finanz, Eisenbahn, Geldmangel beherrschen die Geister. Geht der Tanz doch los, so wird man natürlich versuchen, nicht zu kurz zu kommen beim Ausschlachten der Türkei, aber man wird es, ehrlich aushalten, 10 lange man kann. Man fühlt sich jetzt nicht gesund genug, um fest zugreifen zu können und.der Katter liebt persönlich den Frieden. Wenige Dinge sind so sicher, wie dies: aber munbus vult decipi."
UliRßändß im EilenOoQngUtemerReQr.
Auf Anreauna des Zweckverbandes Nordwestdeutscher Wirtschaftsvertretungen mit Sitz in Essen fand in Hannover eine von führenden Persönlichkeiten der verschiedenen Wirtschaftsgebiete stark besuchte Zusammenkunft statt. Die Versammlung nahm folgende Entschließung an: „Die in Hannover versammelten Vertreter Hanseatischer, mitteldeutscher, niedersächsischer und rheinisch-westfälischer Wirtschaftskreise sehen mit großer Besorgnis auf die inzwischen unhaltbar gewordene» Verhältnisse im Eisenbahngüterverkehr. Seit Jahresfrist wird die deutsche Wirtschaft dauernd beunruhigt durch schwere Störunge« im Transportwesen, die sich besonders in andauerndem Wagenmangel und in kürzer oder länger daicernden Verkehrssperren, nicht nur Sperren bestimmter Linien und Bahnhöfe, sondern ganzer Verkehrsgebiete ausdrücken. Hierdurch tritt zu dem ohnehin schon stark zurückgegangenen Leistunaen bei der Eisenbahn eine Verlangsamultg des Verkehrs ein, die eine außerordentliche Erhöh»«« der Umlaufszeit der Güter- wage« und eine immer mangelhafter werdende Wageu- gestellung zur Folge hat. Die volkswirtschaftlichen Schäden, die durch diese Verhältnisse entstanden sind, berau- scn sich auf viele Milliarden Mark. Sie drücken innere ohnedies zu geringe Gütererzeugnis aus ein neu ■
hendes Maß herab, gefährden auf das Schwerste unseren 3 mit UngünMoen Verhältnissen kämpkenden Autzeunnu- öel. namentlich in den beuttoen Seebären, ü..»^ S->- und Binnenschiffahrt und damit zugleich die Siiiimbm n- quellen, aus denen wir unseren Importbedarf bestreuen. Die Versamuclung fordert auf das Entschiedenste, daß sofort eine durchgreifende Reform in Verwaltung und Betrieb der Eisenbahr, durchgeführt wird mit dem Ziele einer Erhöhung des Wirkungsgrades des gesamten Apparates, technischer Modernisierung der Bahnanlagen wie des Fuhrparkes, der Beschränkuua des Personals, der Fürsorge für das Personal, einer Besserung des Verhältnisses und des Handinhandarbeitens mit den Ver- kehrstreibenden, sowie eines einfachen klaren Tarif- systems." ' r , r
Abgesehen von dieser Entschließung Utu ion die Versammlung das umfangreiche zur Sprache gebrachte w- terial mit noch weiteren'Ergänzungen unter blonderer Hervorhebung der dabei gemachten positiven Verbeye- rungsvorschläge ungesäumt zusammen zu stelle» und es dnrch die zuständigen Svitzenorgamsatronen dem 6-ecchs- Verkehrsministerium zugänglich zu machen.
navmettsschmlg.
^ Die Reichsregierung hat eine Kabinettssitzung abge- halten, in der über den gesamten Fragen! Mu cker der Aul ringung der Sackleistunae» beraten wurde.
74. Iahrnana
Sachtiefernugeu im freien Verkehr.
Wie die „D. A. Z." zuverlässig erfährt, ist die deutsche Regierung mit Vertretern ftemder Regierungen in Verhandlungen wegen deren Forderung eines Abkommens, ähnlich dem Wiesbadener, Bretts eingetreten, es heißt sogar, daß der Abschluß eines derartigen Abkommens bevorsteht. Hiernach sollen die Angehörigen dieser Staaten das Recht haben, Warenkäufe und -bestellungqn, sofern sie im Einzelfalle den Betrag von 100 000 Franken bersteigen, in Deutschland zu tätigen. Die Bezahlung soll derart erfolgen, daß der Käufer nur den Wert der in Ware verkörperten ausländischen Rohstoffe tn Devisen entrichtet. Für die deutsche Arbeit soll der Lieferant vom Reich Bezahlung in Papiermark erhalten. Im Reich soll der in Papiermark gezahlte Betrag, in Gold umgerechnet, auf Reparationsrouto gutgeichrieben werden. Die „D. A. 3* protestiert gegen eine solche .Verschleuderung der deutschen Arbeit".
Ruf^uO der kenuejer Ronferer;. wäBie der „Tägl. Ruudsch." von nuterrichteter Seite mitgeteilt wird, ist bei der Berliner Regierung die offizielle Nachricht von dem Aufschub, der Genueser Kouse- renz eingetrofsen. Der Zeitpunkt, bis zu dem die Konferenz verschöbe« werden soll, ist nicht angegeben worden.
Teilnahme Deutschlands an den Borbesprechnugen.
»-«-Die italienischen Blätter melden ühereinsfimmenö, in bestunterrichteten Kreisen werde versichert, daß dtt deutsche Regierung werde augefordert werden, einen Vertreter zu den Präliminarbesprechungen über d-e Konferenz von Genua zu entsenden. Man sei durchaus der Ansicht, daß Deutschland auf -er Borkonferenz in gleicher Weise vertreten sein müsse, wie die anderen Mächte, und betone, daß die Präliminarbesprechungen -er übrigen Regierungen unter Ausschluß Deutschlands den Ersola der Konferenz schädigen, wenn nicht gar m Frage stellen könnten. Man erwartet daher. San die ' " ’ tß schon iu allernächster Zeit eine dies- Engung erhalten wird.
deutsche Regrerun bezügliche Benach
Die Abrüst««gsfraqe.
»»Der BvUeronnvsausschud mr bis ALMuLLSl-Me ist unter dem Vorsitz Viviams zu einer geheimen Beratung zusammengetreten. Der Hauptpunkt der Tages-, ordnung ist, einen Vergleich des gegenwärtigen Ttan- bes der Rüstungen mit den Rüstungen vom ^re 191:3 zu ziehen.
Französischer Kriegsrar. .
•* Aus Paris wird gemeldet: Unter, dem Besitz des Präsidenten der Republik hat der Oberste Krregsrat eme Sitzung abgehalten.
Die GrotzHambnrger Frage.
e» Wie die „D. A. Z." erfährt. beginnen in diesen Tagen unter dem Vorsitz des Ministers, a. D. Südekum zwischen Preußen und Hamburg Verhandlungen über Ue Lösung der Grotzhamburger Frage.
Kommunistisch-unabhängige Bereinigung?
e* Nach der „Freiheit" findet am Mittwoch eine Reichs- konferenz der U. S. P. D. statt. Die Reichskonferenz war seit langem geplant für den Augenblick, in vy durch das Anerbieten der Kommunifttfchen Arbei^ge- meinsckaft um Ausnahme in die U. S. P. D. enie Ent- fcheiduna der erweiterten Parteckorperschaft iwtwendig ist __________________________________ ■
37)
Der Liebe ewiges Licht.
Roman von Erich Friese«.
(Nachdruck verboten.)
Gunnar richtet seine ernsten Augen fest auf den 'Börsenmakler, der mit tückischen SeiteEicken den Erfolg seiner Worte beobachtet. Eine Sekunde hat m öle Empfindung, als müsse er dem heuchlerischen Menschen in das grinsende Mephistogesicht schlagen. Aber er be* zwingt diese Aufwallung als seiner unwürdig. In kühl höflichem Tone erklärt er, daß das Gewächshaus seinem Onkel, dem alten Meister Wybrands, gehöre, und daß dieser seiner Tochter, die mit all den Pflanzen Bescheid wisse, den Eintritt gestatte.
„So so! . . Und sonst niemand — außer Ihnen natürlich, dem Hausherrn?"
„Niemand." ,
Wieder verzieht jenes höhnische Lachen das Gesicht des Börsenmaklers.
„Hm, interessant! Daß man aus der Großstadt, der uian so oft Frivolität nachsagt, hierher in die Einsam- seit eine! alten Schlosses vom Meer kommen muß, um Attenstudien zu macheu — wer hätte das geglaubt? Ihnen, mein verehrter Freund, ist wohl nie der Gedanke gekommen — die Sterne weichen sicher niemals von den ihnen vorgeschrittenen Bahnen ab, während hübsche junge Witiven manchmal ihre eigenen Wege gehen — Ihnen ist wohl nie der Gedanke gekommen, daß das geheimnisvolle Gewächshaus, das für jedermann fest verschloffen ist, ein idealer Rendezvousplatz wäre?"
Aus Gutcnars Augen sprüht ein Blick zu dem elenden Verleumder hinüber, der nichts gemein hat mit I dem traumverlorenen, weltabgewandten Blick von , früher — ein stahlharter Blick, scharf wie die Schneide eines Messers, durchbohrend wie die Spitze eines '
Unwillkürlich tritt Jonas Abramsen einen Schritt I einzige unter ihren Kleidern gewählt, das Anspruch zurück und mustert blitzschnell die sehnige, aufrechte Ge- I auf Eleganz machen kann? . . . Wer vermag es, in die stalt vor ihm, mit deren gespannten Muskeln es seine | Mysterien des blinden Zufalls einzudrmgen? . . . Lurch das nahende Alter und reichlichen Lebensgenuß Als sie vorhin einen letzten Blick in den Spi schlapp gewordenen Glieder nicht aufnehmen könnten. wßrf und das Glas die herrliche Gestalt in dem sst
Für einen Moment messen die Blicke beider einander mernden blaßblauen Atlasgewande, mit dem tt
ner Heiö'.
in offener Feindseligkeit.--
Da tönt plötzlich aus dem Gewächshause eme sehr weiche, einschmeichelnde Tenorstimme zu ihnen heraus:
„Du rote Rose auf grüner Heiö'.
Wer hieß dich blüh'n?
Du heißes Herz in tiefem Leid.
Was will dein Glüh'n?"
Leises
Beide horchen auf.
Und jetzt bricht der Gesang plötzlich ab.
Frauenlachen ertönt, gefolgt von dem neckischen Ausruf: „Aber sehen Sie denn nicht, daß es hier keine Rosen gibt, Sie junger Stürmer? Nur greuliche giftige Pflanzen?"
Gunnar steht einige Augenblicke wie erstarrt. Der- Börsenmakler aber lächelt ironisch:
„Ich denke, das Paradies da drinnen ist für jedermann verschloffen?"
Gunnar antwvrttt nicht. Keilte Miene in fernem jäh erblichenen Gesicht verändert sich: aber ihm ist, als sei in diesem Moment in ihm etwas gestorben, das nie wieder zum Lebew erweckt werden könne.
. Noch einen Blick wirst er auf das Gewächshaus, in dem wieder alles still ist — dann macht er kurz kehrt
und geht davon.
Jonas Abramsen aber zieht rasch den Schlüssel aus dem Schloß und läßt ihn in seiner Tasche verschwinden.
Zum erstenmal verspätet sich Ebba bei der heutigen Abendtafel, so daß die ganze Runde bei ihrem Eintritt bereits versammelt ist.
Weshalb sie gerade heute sorgfältiger Toilette macht hat. als sonst? Weshalb sie gerade heute da->
den Spiegel t dem schim-
mernden blaßblauen Atlasgewande, mit dem tiefen Halsausschnitt und den weiten, offenen Aermeln, in ihrer ganzen Schönheit zurückstrahlte — da hatte ein liebliches Lächeln ihre Lippen umspielt. Vielleicht findet er sie heute auch schön, — er, der Geliebte! Vielleicht werden wieder einmal seine lieben Augen etwas länger auf ihr ruhen, als eine flüchtige Sekunde, wie sie es leider in letzter Zeit gewohnt war! Vielleicht werden wieder einmal seine Blicke die ihren suchen und dort verweilen, mit seiner ganzen Seele —- wie damals.
Erhöhte Röte färbt ihre Wangen, und ihre sprechenden Augen glänzen erwartungsvoll, als sie mit raschen Schritten den Speisesaal betritt. ,
Ihr Erscheinen übt eine gar verschiedenartige Wirkung auf die kleine Tafelrunde aus,
Karin hebt ihre Lorgnette an die Augen, mustert Ebba von oben bis unten und läßt dann mit spöttischem Verziehen der Mundwinkel das Glas wieder fallen. Madame Lund folgt ihrem Beispiel, während ihre Tochter, die heute w einer Clsü de Msrode-Fnsur brilliert — der Neuangekommenen ostentativ den Rücken zukehrt. .
Der Oberst dagegen begrüßt he mit feinem wohlwollendsten Lächeln und macht leise mit den Händen das Zeichen des Applauses. Und Sigurd Ekdal rückt ihr, tief errötend im Andenken an seine knabenhafte Kühnheit im Gewächshaus, eifrig einen Stuhl zurech».
Jonas Abramsen aber setzt seine sarkastische Miene auf und fixiert, .leise mit den Fingern auf dem Tisch hernintrourmolnö, den Hausherrn in fast beleidigender
Weisst
(Fortsetzung folgt.)