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Schlüchterner Zeitung

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Kreisblatt

; Erscheint 3mal wöchentl. Drahtanschr.: Kreisblatt Schlüchtern. t Druck u. Verlag Fa. C. Hohmeister, Schlüchtern. Berantwortl. tIchriftleit. H.-C. Hohmeister, Schlüchtern. Geschäftsstelle Drei- rbrüderstr. 9. Im Falle höherer Gewalt, Betriebsstörung ob. rStromsperre erlischt jede Verpflichtung auf Schadenersatz.

Amtliches Organ für Stadt und Kreis Schlüchtern

(Issustrierte KalömonalsöeitaqeDas Atatt der Moden.")

Nr. 20

Donnerstag, 16. Februar 1922

74. Jahrgang

Zum hundertjährigen Bestehen des Kreises Schlüchtern

Bon R ktor G Maldfeld zu Steinau.

III. Die Verhältnisse im Kreise zur Kurhesstschen Zeit bis zum Jahre 1866.

(Fortsetzung.)

4. DaS Kircheuwese».

Gemäß der t-rritorialen Entwickckung des Kreises und «ach btmSsunifa^eCujas regio, ejas religio, der «tust- M'lS auch hierMiaare, bn eoanz-ltschea wie kachol scheu Landesherren, maßgebend war, bestanden in den alten Aemtern und Gerichten verschiedene konfessionelle und kirchliche Ver- Hfltniffe. In den althananischen Gebieten herschte aus­schließlich die evangelische, in dm ehemals fuld schss die katholische Krche. Vorwiesend evangelisch waren somit die Aemter Stetaau-Schlücktern, Schwarzenfels, Bcandrasteis sowie Ultengronan unb Ramholz, vorwiegend ka höfisch da­gegen die Gerichte Salmünster, Romsthal, Ulmbach und Herolz, während in den Kondominationsorren, wie auch in Uttctchshaasen und Sanuerz eine in lotfefiloRillet Beziehrrug gemischte Bivö'kerung wohnte. Diese Vühältaiffe solen im Folgeudes »äh-r b «gelegt werden. AlerdiagZ ist hierbei ein weiteres Zirückzreifen in die Geschichte unserer Gegend sötig, als dies bislang geschehen ist, da nur aus der Ver­gangenheit heraus der darzustellsnde Zeitabschnitt und auch die Gegenwart zu verstehen sind.

a. Die kirchlichen Verhältnisse in den evangelischen Orten.

Wie bekannt, ist die Reformation in den althananischen Orten unserer Kreises nach dem J-hce 1542 von dem Abte des Schlüchterner Benedikcinerklosters Peter LotichiuS ringe fährt worden. Er war Sabri sehr behutsam um wüst rwr-«gtWgm und ^sitc sich AoktHH keiner der Herden evavaellschen Konfessionen angeschloffen, sondern sein Werk im G-iste Melanchthons und der Augustaua unternommen, wie dies überhaupt in der ganzen Grafschaft Hanau ge« schchrn war Noch 1577 lehme man die Konkordtrsformel und damit das strenge Luthertum ab. Doch neigte man seit 1593 allmählich der reformierten Lhre zu. In der Obergrafschaft Hma« erklärten sich sogar alle Prediger mit Ausnahme einer einzigen für diese, sodaß von 1595 ab dort das reformierte Bekenntnis das alleinherrschende wurde. Die Evangelischen des SinagrundeS waren allerdings schon von Anfang an lutherisch g-westn und bildete die lntherische Pfarrei Mittelsinn Auch daS Kirchspiel R iwholz war schon früher unter dem Patronate der Herren von Hütten auf Steckelberg lutherisch geworden.

Als dann 1642 die Grafen von Hanav-Münzenberg ausstarbe« und die Grafschaft der Linie Hasau Lichtenberg erblich zustck, suchten die Lichtenberger G äsen die streng lutherisch waren, überall in der Grafschaft Hanau das lutherisch« Bekenntnis zu fördern und planmäßig lutherische Kirchspiele in den Organismus der reformierten Landeskirche einzuschieben. So gründete G af Friedrich Kasimir auch in

der Obergrafschaft eine lutherische Pfarrei, die Steinau, Schlüchtern, Geidenroth, Hiniersteinau und Marjoß umfaßte. Doch wsr die Zahl der Lutheraner hier nicht groß. Nach einem Verzeichnisse vom Jahre 1663 betrug sie in Steinau 51, in Schlüchtern 26 >nb in den Dörfern 17. Trotzdem hatte diese lutherische Pfarrei .zwei'Pfarrer, von denen der eine zu Steinau, der andere seit 178 2 zu Schlüchtern wohnte. Ebenso ließen sich Lutheraner im Gerichte Echwarzrufels n'kdsr. 1776 e halten die lutherischen Einwohner von Weichersbach sogar die Erlaubnis, eine neue Kirche zu bauen, zu welchem Zwecke ihnen der Staat das h nschaft- liche Hofhaus überließ. In Steinau ha^en die Lutheraner schon früher die in den Jahren 17241729 errichtete und nach dem letzten lutherischen Grafen Reinhard U. von Hanau benannteReinhardskirche" erhalten.

Durch das Eindringen der Lutheraner entstand da, wo Angehörige beider Konfessionen wohnten, leider konftssioaeller Hader, dem aber im Jahre 1670 durch den zwischen dem lutherischen Grafen von Hanau und dem auf die Grafschaft $anGti krbberechtigtr« reformierten Landgrafen von Heffen- E fiel abgeschlossenen Vertrag ein Ende gemacht wurde, indem man den beiden Konfessionen gleich? R ckt- zuerkannte. Seitdem bestanden zwei evang'l'sche Konfessionsk rchen in unserer Heimat mit 3 lvtherischen nnbJO reformierten Pfarreien (die Pfarrei Wallroth wurde serst 1719^errichtet), sowie einer lutherischen und einer reformierten Kirchenordnung, unter etneml lutherischen und einem reformierten Konfistorinm zu Hanau und unter) einem lutherischen Superintendenten urd einem reformierte« Inspektor dortselbst. ~

Erst kurz vor Errichtung des Kreises fiel auf der Synode zu Hanau vom 27. Mai bis L Juni 1818 die Scheide­wand zw'schen Rrformierten und Luth ranern, u"d dir evange« fischen Gemeinden des Havarier Landes schloff n sich zu einer ^unierte»" Mrchen-.-mef.nsHM zLstmmen, bt» tratet einheitlicher Leitung stehen und deren B zirk eine Diözese mit einem Inspektor an der Spitze bilden sollte

In unserem Kreisg-bi-te Hgab es nunmehr folgende evangelisch-unierte" Pfarreien:

1. Steinau mit Scidenroth;

2. Schlüchtern mit Hohsnzell, Niederzell, Belling», AhlerS- bach und den,Klosterhöfen;

3. Marjoß;

4. Wallroth mit Kreffenbach und Breitendach;

5. Hintersteina» mit Rävhards;

6. Mottgers mitß Schwarzenfels, Oberzell, Weichersbach und Züntersbach;

7. Oberkalbach mit H-ubach und Uttrichshaufen;

8 Neuengronau mit Altengronau und Joffa;

9. Mittelst»« mit Oberfinn und Aura;

10. Gundhelm mit Hütten;

11. Elm;

12. Ramholz mit Vollmerz und Hinkelhof;

13. St^rbfritz mit Breunings.

Die Verordnung vom 29. Juni 1821, durch welche dir Kreise ins Lebe» gerufen warben. Sr-derte in unserem

heimischen Kirchenwesen fast nichts. § 68 sagte ausdrücklich daß die Superintendenten und Jnsvektoren sowie ... die Pfarrer vorerst i« ihren bisherigen Amtsoerhältniffen bleiben sollten. Zwar beantragte das Hsnauer Konfistorinm eine Teilung der Diözese in zwei Anffichtsorzirke; aber der damalige Jusvektor Eberhard stimmte diesem Anträge nicht zu, da er nur eine Diözese und nur eine Juspcktur für das B-ffere und der Einheit der Kirche Entsprechende hielt. D'e M aisterialvrrfügung vom 29. März 1834 entschied deshalb auch dahin, daß nur ein Inspektor sein solle, der dir AmtsbezeichnungSuperintendent" zu führen habe.

Doch wurde die Diözese Hanau in sozen.Klaffen" eingeteilt, an deren SpitzeOberpfarrer- oderMetropoli« tane" gestellt wurden. In unserem Kreise errichtete man zwei Klaffen:

1. Schlüchtern mit den Pfarreien Schlüchtern, Steinau, Oberkalbach, Wallroth, Hinterstriuau, Elm und Marjoß, und

2. Schwarzenstl» mit den Pfarreien Mottaere, Sterbfritz, Gundhelm, Neuengronau, Ramholz u. Mittelfinn.

Im Jahre 1836 fand auch eine Vermehrung der Pfarreien statt, indem man die O'te Oberzell mit der Zie­gelhütte, dem Ebertshofe, der Rains- und Schneidemühle sowie Züntersbach von der Pfarrei Mottgers abtrennte und zum Kirchspiel Ob-rzell erhob, das allerdings erst drei Jahre später einen eigenen Pfarrer erhielt.

1843 sodann' wurden die G meindea Hoheuzell mit Lindenberg, Bellings und AhlerSbach aus dem Kirchspiele Schlüchtern gelöst und zur Pfarrer Hohenzell vereinigt. Die Zahl der Pfarreien vermehrte sich somit auf 15. -

Im I hre 1863 jedoch, als die KondominatSdörfer M'tteifina, Oberst»» und Aura, welche die Pfarrei Mittel­st«» bildeten, wie schon wiederhott bemerkt, an Bayern fielen, sank die Zahl - wieder auf 1-4, Dafür kam das Li - kariat Salmünster hinzu. Am 26. Dezember 1852 legten nämlich die «vaugeltschea Einwohner von Salmünster, Soden und Ahl dem Pfarramt« zu Wächtersbach ein auf die Errichtung eines evangelischen Gottesdienstes gerichtetes Gesuch mit der Bitte vor, dieses an die kirch­lichen Oberbehördm zu befördern. Das Konststorlum zu Hanau pfarrte darauf hin die Bittsteller am 17. Dez. 1857 nach Wächtersbach ein. Da jedoch der Graf von A'ruburg- WäLterSbach als Kirchenpatron hiergegen fich verwahrte, wurde die Errichtung einer evangelischen VikariatS tu Salmüaster selbst genehmigt und mit deffen Versehung der zweite Pfarrer in Steinau beauftragt. Zur Errichtung einer eigenen Pfarrstelle kam es dagegen erst 1908.

Die Seelenzahl betrug 1835 in der Pfarrei

1.

Schlüchtern

3461,

8.

Mottgers

3918,

2.

Steinau

2697,

9.

Slerbfcktz

1419,'

3.

Oberkalbach

1714,

10.

GuuLhelm

1452,

4.

W allroth

1448,

11.

Nuengrouau

1502.

5

H nterltetuau

1015,

13.

Ramholz

770,

6.

E m

742,

13.

MittelsiM

7.

Marjoß

815,

Der Liebe ewiges Licht.

Roman von Erich Friesen.

84) l (Nachdruck verboten.)

Also ich spaziere mit Eilschritten dem Ende ent­gegen oder wenigstens dem, was wir hier auf Erden das Ende nennen. Für meine Person kann mir dies egal sein. Das bißchen Freude hier ist schließlich nichi der Rede wert. .Aber mein Kind.' Mein Kindll"

egal sein. Das bitzch> der Rede wert.. Abei

AufS neue macht sie eine Pause. Und da der Oberst den Takt der stillen Sympathie besitzt, so schweige»

beide eine Zeitlang.

Bis Karin plötzlich mit einem energischen Aufraft fen hervorstößt:

Sie haben mein Gespräch mit Ionas Abramsen belauscht?" '

Nicht belauscht, liebe Freundin."

Nun denn es gehört, wenn Ihrem Ohr das mehr gentleman like klingt. Im Grunde kommt es uns eins heraus."

Zustimmend nickt er.

Und verachten mich natürlich?"

Er schweigt.

Ich will Ihnen meine Beweggründe vritteilen, um Jllr zartbesaitetes Gewissen zu beruhigen," spöttelt sie. Hier herrschen nämlich vorjintflutliche Zustände. Je­nes blonde Geschöpf übrigens eine Witwe und nick etwa ein keüscheS Jungfrau kein ,wie Sie nach i hrer« gretchenhaften Getue vielleicht annehmen will mc: uen Bruder durchaus kapern. Und es wird ihr ge­lingen, wenn dem armen Betörten nicht beizeiten die Augen geöffnet werden. Stellen Sie sich nur vor: solch eine Person die Herrin von Schloß Askö und Be­sitzerin des ganzen dazu gehörigen BermögenS! Wäh- xend mein Sohn, mein Olaf, nach meinem Tode*

Sein Vater lebt ja mxV unterbricht der Oberst- sie sanft

Ein beängstigendes Lachen springt von ihren Lippen.

Bah, sein Vaters Sie kennen ihn ja. Der küm­mert sich jetzt schon nicht um ihn. Außerdem unser Vermögen ist fast hin. Nach meinem Tode ist mein Sohn ein Bettler, wenn Gunnar von Helgeland jene Person heiratet. Und das einzige Ziel meines arm­seligen Lebens ist, dies mit allen Mitteln zu verhin­dern. Hören Sie'? Mit allen!!"

Ihre Stimme klingt hart, kalt, mit absoluter Be- stimultheit, wie ein unumstößlicher Wille, dem jeder sich unterwerfen muß.

Mrt Aufbieten all ihrer Kräfte hat sie sich aufge­rafft. Und der Kontrast zwischen ihrer eisernen Energie und dem gebrechlichen, ersichtlich dem baldigen Tode geweihten Körper hat grauenvoll Unheimliches

Arme Freundin!" murmelt der Oberst vor sich hin, und aus seinen gutmütigen Augen leuchtet echtes Mitleidm.

Da faßt sie mit ihren beiden heißen Händen seine Hand und drückt sie an ihre schwer atmende Brust.

Lundstat, lieber Freund helfen Sie mir!"

P Unwillkürlich weicht er einen Schritt zurück.

Ich Ihnen helfen? Wieso? Was soll ich tun?" Nichts. Nur schweigen sollen Sie. Und die Dinge ihren Weg gehen lasten. Versprechen Sie es mir!"

Er kämpft mit sich. Sein Ehrgefühl verbietet ihui, -s verlangte Versprechen zu geben. Seine langjäh ige Freundschaft für die Frau da vor ihm hingegen -

Versprechen Sie es mir!!" drängt sie.Es nt - Bitte einer Sterbenden."

Noch immer zögert er.

Da ertönen von der Freitreppe her Stimmen an u» Ohr der beiden. Die näselnde, süßlich aufdrivg iiche des Börsenmaklers:

Sie sind reizend, meine G-lrädigste! Aeb, Ym wirklich lebensgefährlich reizend! Nie werde . y eo Ihn«» verzeihen, daß Sie mich dem Mörd^.'.ch -

Strahl Ihrer Sounenschönheit ausgesetzt haben. Nein, diese Augen! Dieser Mund! Der kützlrche Mund Evas, als sie in den Apfel biß!"

Und als Antwort die klare, herb-wohltönende Stimme Ebbas, in die sich leichter Spott mischt:

Verzeihung, mein Herr! Sie scheinen sich in der Adresse zu irren. Ich habe noch nicht das Vergnügen gehabt, Fhre Bekanntschaft zu machen."

Was war das?" raunt der Oberst feiner Beglel- i terin erstaunt zu.

Der Anfang des Spiels: Eva un Paradiese,

So so! Na, in den Apfel wird sie nicht beißen." Das kommt darauf an, wie er serviert wird: der springende Punkt bei jeder Eva!"

Aber dieser Orang-Utang von Abramsen nein, « ich kann es nicht glauben!"

Um so eher können Sie mir Ihr Versprechen ge­bet!, reinen Mund zu halten. Also"

Und sie streckt ihm die Hand hin.

Na, meinethalben," errvidert er, noch immer wider­strebend in die dargebotene Hand einschlagenb.

Ein triumphierender Blitz- zuckt in ihren Augen auf - wild, grausam. Und noch grausamer ist ihr Lachen.

Sie tvirö doch in den Apfel beißen! Sie ist ja eine Eva!"

Und mit einer leicht grüßenden Handbewegung ellt sie, so rasch es ihr. schwacher Körper gestattet, davon.

Kopfschüttelnd blickt der Oberst ihr nach.

Weib, Weib! Welche Untiefen birgt deine Seele!" Und W Blut der Beschämung steigt ihm in die Stirn, als bald darauf in der Ferne gleich einer Licht- erscheinung Ebbas hohe, weiße Gestalt anstaucht Beschämung über seine Schwäche, daß er sich zu dem Versprechen hat überreden lassen, jenem frivolen

Spiel ruhig Wzusehen.

Wie ein Mitschuldige wmun er sich vor an einem ...:ue» Lrorbreche«.

(Fortsetzung folgt )