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Kreisblatt
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; Erscheint 3mal wöchentl. Drahtanschr.: Kreisblatt Schlächtern. • »Druck u. Verlag Fa. C. Hohmeilter, Schlächtern. Verantwort!. • ;Schriftleit. H.«L. Hohmeister, Schlächtern. Geschäftsstelle Drei- : zbcüderstr. 9. — Im Falle höherer Gewalt, Betriebsstörung ob. : z Stromsperre ^erlischt jede Verpflichtung auf Schadenersatz. •
Amtliches Organ für Stadt und Kreis Schlüchtern
(Illustrierte KulömonatsSellage „Ja« Matt der Mode».")
Rr. 18
Samstag. 11 Februar 1922
74. Jahrgang
«! Wtedera«s»ah»e des Eisenbahnverkehrs.
-r»ße Schwierigkeiten. — Frostschäden a« den Lokomotive».
Berlin, 9. Febr. Die Reichsgewerkschaft deutscher Eisen- ühgbeamten und Anwärter hat in der Nacht zum Mittwoch ihr Ortsgruppen telephonisch angewiesen, den Streik abzu- Sitten und die Arbeit möglichst bald wieder aufzunehmen.
Da Aktionsausschuß hatte auch erklärt, er sei üb-rzeugt, daß feinet Aufforderung überall entsprochen würde und daß die eitlen fahrplanmäßigen Züge bereits Mittwoch nachmittag k Bewegung gesetzt werden könnten.
Diese Hoffnung hat stch nicht erfüllt. Die Beamten Khrtm auf einigen Stellen nur zögernd zurück, während sie ails^anderen so zahlreich zum Dienst kommen, daß es beinahe kjwtertgkeiten macht, alle unterzubringen. Von Berlin tauten beispielsweise gestern nur einige D Züge nach Köln, Lnrdeu und Mannheim abgefertigt werden. Personenzüge ßü auf den wichtigsten Strecken gefahren worden. Im Vnliaer Vorortverkehr fahren die Züge noch mit außeror-
Midien Verspätungen und in großen Abständen. Der Sisttbahnverkehr konnte gestern noch nicht ausgenommen »»den, trotzdem eine große Zahl von Beamten sich zum M gemeldet hat. Heute hofft man, ihn in Gang zu fotogen, und von morgen an dürfte er wieder regelmäßig sein.
Das Reichsverkehrsministerium selbst teilt mit: In den lchm Lagen gelang es, den Notbetrieb bedeutend ausmbme«, ha laß in vielen Eisenbahndirektionsbezirken über 25 Prozent ata Personenzüge bereits gefahren werden. Im Güterverkehr
!L fast durchweg ein Durchschnitt von 10 Prozent erreicht.
Ja einzelnen Bezirken konnten sogar über 30 Prozent der Süterzüge, dank dem tätigen Stugreifen der Technischen .Rühilfe und der Mitarbeit der verfügbaren Bürobeamten ijAiiw zMar. Es dürfte !a hr aL< A ^ .g.« germge», da PerlEn-rrkehr bedeutend zu verstärke«, während die Istzaugsrtzung des ordnungsmäßigen Güterverkehrs noch
? «IstdesteuS eine Woche beanspruchen wird. Infolge des Zu» ! hubt« der Eisenbahnanlagen und vor allem des Reparatur» ! hies der Lokomotiven wird auch dann noch nicht die vor dem Streik erreichte Betriebsleistung erzielt werden. Der । Ayaraturstaud der Lokomotiven ist deshalb so hoch, weil such das plötzliche Verlaffen der Lokomotiven bei Ausbruch ta Streiks durch Frost wesentliche Teile der Lokomotiven Mrt wurden. Der dadurch entstandene Schaden wird auf achrere hundert Millionen Mark zu bemeffin sein.
Nach einer Bekanntmachung der Eisenbahndirektion Berlin ß die Zeit für die Wiederaufnahm« des Dienstes bis zum Februar verlängert"worden.
Die Aufhetzung des StretterlasseS der Regierung.
Berlin, 9. Febr. Das Reichskabinett beschäftigte stch tn- !n«n gestrigen Sitzung mit der offiziellen Aufhebung der Ver- »ünuuz des Reichspräfideuten. Wie der „Vorwärts" erfährt, tftt die Regierung heute nochmals zu einer Beratung über
Aufhebung zusammen, die von dem Grad der Wieder- »«sstahme der Arbeit abhäng'g gemacht werde» wird.
Der Liebe ewiges Licht. Roman von Erich Friese«.
W (Nachdruck »erboten.)
„verfügen Sie über mich, meine Königink"
„Sie sollen einmal ihre berühmte „dämonische Un- Wichkeit" beiseite schieben und der da —* sie deutet wer ihre Schulter hinweg nach der Freitreppe, auf to Ebba steht, den Arm um Mein^vlaf geschlungen -^ da die Kur schneiden." _ ,
„Aeh, hm —! Hat sie denn was?" Und sem« dünnen Finger machen die Bewegung des Geldzählens.
Klnsinn! Arm wie eine Kirchenmaus."
„Und da soll ich —*
„Sind Sie schwer von Begriff, Sie alter Schwererer! Verstehen Sie denn nicht? Sie sollen Ihr nur - die Kur schneiden. Und zwar in nröglWst komprv- "üttierender Weise!"
Nichts weiter?"
»Nichts weiter."
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'^nittenen Gesicht hervor, das für gewöhnlich mit fei« rt<m pechschwarz gefärbten Haarwald und feinem auf- «»wichsten Schmn rbuvt «M dtM Eindruck eines Zyni. W macht.
"Also — t6W!f
App« zu, wo gerade die K-Mscholte«« Kammerzofe abmM Klein-Olaf, der sich krampfhaft an Ebba ^tzeklammert mit sich z» nehmen.
. „Bergeffen die neueste« Kursberichte
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Zur ^aQi Pur» XL
»^Aus Rom meldet das „Bert. Tageül.": Mit der Wahl des Kardinals Archilles Ratti ist man in italienischen Kreisen allgemein zufrieden. Sein Erscheinen kurz nach der Wahl auf der äußeren Loge der Peterskirche wird als Zeichen seines Versöhnnngswilleus gedeutet. — Kardinal Archilles Ratti, der den Namen Pius X1. angenommen hat, ist am 3. März 1857 geboren. Er war zuerst Präsekt in Mailand und wurde im Jahre 1921 unter Verleihung des Kardinäls-Titels zum Erzbischof von Mailand ernannt.
Berliner Pressestimmen.
>* Die Berliner Presse begrüßt die Wahl des Kardinals Archilles Ratti zum Papst im allgemeinen mit großer Zurückhaltung. Die Blätter sind der Ansicht, daß man erst die Wahl des neuen Kardinalstaatssekretärs ab- warten müsse und ferner, welche Rolle dieser Kardinal- staatssekretär bei den Verhandlungen spielen würde. Allgemein wird hervorgehoben, daß vor allem das Erscheinen des Papstes auf der äußeren Loge der Peterskirche als ein Zeichen seines großen Bersöhnungswillens gedeutet wird. — Das „B. T." meint, daß die htichrli- nien der vatikanischen Politik sich erst allmählich herausbilden werden. — Der „Tag" erklärt, oaß er keine Ber anlaffung habe, in dem neuen Papist einen Gegner des Deutschtums zu erblicken.
I« der Samsonschen Fabrik in Ostfeld bei Gotha sind Messingteile im Werte von 7 Millionen Mark üeMag- nahmt worden. Es soll sich angeblich um Metallfchiebun- gen von Reichsaut handeln. Eine umfassende Unterste chchung ist eingeleitet worden.
Lord Athlestone, der kürzlich bereits 100 000 Dollars für die Entdeckung eines Hilfsmittels gegen die Krebskrankheit ausgesetzt hat, wird ein weitere Summe von 100000 Dollars für die Zn,^ - <«.; -erebsforfchnng »pendeu.
Das Mundschwammchenfiever breitet sich in London schnell weiter aus. Man meldet amtlich 73 neue Infektionsherde. Sechs GraffchaftÄr sind als verseucht gemeldet.
Die Zahl der streikenden Bergarbeiter in derTschecko- Slowakei beträgt 135 000 Mann Durch den Streif erleidet der Staat einen täglichen Schaden von ungefähr 4 Millionen Kronen.
Die Zahl der Arbeitslosen Großbritanuteus betrug am 17. Januar 1925 936, am 10. Januar 1933 450, am 30. Dezember 1885 748. Die Höchst Ziffer war im Juni 1921 mit 2177 899 erreicht worden.
Der Kommissar für auswärtige Auge eqenheiten der Angoraregiernng Jnssnf Kemal, will d -nnächst nach Rom, Paris und London reisen, um mit den alliierten Regierungen in eine» Meinungsaustausch ei n zutreten.
Reichspräsident Ebert feierte Sonnabend seinen 51. Geburtstag. Aus diesem Anlaß fand beim Präsidenten in kleinem Kreise eine Feier statt.
Der englische Außenminister Lord Eurzou erklärte nach einer Meldung aus Warschau dem polnischen Gesandten in London auf das bestimmteste, England werde eine Annexion Wilnas durch Polen nicht zulassen.
Der König von Italien konferierte nacheinander mit Sonnino, Luzzatti, dem ehemaligen Mmisterprän-
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Die Finger der kleinen Owe aber, die so plötzlich »nd unzeremoniell von ihrem Poeten verlassen wurde, umkralle« in aufwallendem Zorn fest den japanischen Mcher, den sie in den Schoß hat sinken lasten, so daß die feinen Stäbchen krachen und knacken.
Oberst Lunöstat hat ein paar Worte des kurzen Gesprächs zwischen Karin und dem Börsenmakler,gehört, hat vor allem die begleitenden Blicke gesehen — und das übrige reimt sich seine Weltkenntnis zusammen.
Oberst Lunöstat ist ein Lebemann. Er hat fern Leben nach allen Richtungen hin genossen, ohne sich weiter Skrupeln darüber zu machen. Aber im Grunde seines Herzens ist er ein Gentlemen, der sich seine Leute genau ansieht, bevor er ein frivoles Spiel beginnt.
Und als er die Zittrige durchschaut, die diese unbarmherzige Frau soeben eingefädelt hat — da erfaßt ihn einiges Mitleiden mit dem armen unschuldigen Opfer. Und eine Lust überkommt ihn, zuzugreifen, seine Muskeln spielen zu lasten und die dünnen, nervös zuckenden Finger zu zermalmen, die nur dazu geschaffen erscheinen» Unheil zu säen.
Als ahne sie etwas von seinem Gedankengang, nähert Karin sich ihm mit müden Schritten.
„Führen Sie mich ins Haus, lieber Freund! Der verflixte Husten kommt schon wieder."
Und sie nirnmt seinen Arm, auf den sie sich schwer stützt und geht langsam mit ihm dem Schloß zu.
Plötzlich bleibt sie stehen. Ein Krampfhustert schüttelt ihren armen Körper ht» und her. Hastig hält sie das feine Spitzentaschenruch vor den Mund, während ihr flackernder Blick mit eine« fast irren Ausörnck umherjagt.
Oberst Lunöstat ist ein harter Mann, ohne Gefühlsduselei, ist ohne das, was man im allgemeinen Gemüt nennt Als er aber gewahrt, wie sich das durchsichtige
oeuren «aranoru uno oem ^uorer oer ^aznren »cuno- lini. Nach dem „Giornale d'Jtalia soll Giolitti dem König de Nicola als den Mann bezeichne! haben, der geeignet sei, das neue Ministerium zu bilden.
Der chinesisch-japanische Vertrag über die Regeln«« der Schantungfrage ist unterzeichnet worden.
Der Wiederbeginn der dentsch-polnischen Berhand- vmgen, die am 6. Februar unter dem Vorsitz des Bun desrats Calonder in Genf hatten stattfinden sollen, ist auf den 10. Februar verschoben woröem
A»s dem Thüringer Walt wird Neuschnee bis zu 60 Zentimeter Höhe gemeldet. v
Die Wirtschaftskonferenz von Gen»a.
«-«-London. „Daily News" meldet, in den Pariser pffiziösen Kreisen herrsche die Auffassung vor, daß die »wischen England und Frankreich noch bestehende» Meu- «nngsverschwde«heite» über die schwebenden triststen tatsächlich zu einem Anfschub der internationalen Wirt- fchaftskonferenz von Gen»« führen könnte«. Dagegen wird in offiziösen englischen Kreisen mit aller Bestimmtheit geleugnet, daß eine Verschiebung der Konferenz von Genua geplant sei. Die Konferenz werde vielmehr am 8. März ihren Anfang nehmen. Voraussichtlich würde sie zwei bis drei Wochen dauern. Etwa 2000 Delegierte ans alle» Läuderu sollen i» Gen»a z«sa«mte»- komme«. 35 Länder sind im Aufträge des Obersten Rates ' " offiziell eingeladen wor- Staaten mit Ausnahme
von der italienischen Regierung o
den, und zwar alle europäischen C-™— ----------„ . k
der Türkei, ferner die Vereinigten, Staaten von Nordamerika, Japan und sämtliche britischen Dominwns. Mit Ausnahme der Bereinigten Staaten von Nordamerika haben diese Länder die Einladung bereits angenommen. In unterrichteten Kreisen alanbt man, wie der „Daily C^roniele" zu melden weiß, daß die Antwort der Vereinigten Staate» von Nordamerika befnvmtt adv- lehne«- ausfallen wird, and zwar wegen der Haltung, die Frankreich in letzter Zeit an den Tag gelegt hat.
Eruver»«»s x^e Oberste« Rates.
w London. Aus den diplomatischen Kreisen verlautet, daß eine Einberufung des Obersten Rates noch vor dem Zusammentritt der internationalen Wirtichmtskonferenz von Genua beabsichtigt ist. Die Einberufung wll unmittelbar bevorstehen. Die Sitzung des Ober?te» Rate» soll sich ausschliemich mit dem Zahlnugsplan der deutschen Regierung «ud mit der darin enthaltene» Anre- gttita beschäftigen. Die Zusammenkunft wird in London stattftnoen. Als Zeitpunkt wir- der Zeitraum vom 7. bis 15. Februar genannt. Die englische Regierung ist mit der Zustimmung zu der Eritberufung des Obersten Rates -en Wünschen des franzostichen Mlmsterpra- sidenten Poincaree entgegengekomvien, der ”m auf -en Standpunkt gestellt hat, daß über den dein, wen Zah- bangsplan nicht die Reparationskommission, sondern der Oberste Rat entscheiden müsse Auf keinen ,-all wll die Reparationsfrage auf der Konferenz .von Genua erörterr werden London ist nur aus Höflichkeitsgründen als Tagungsort des Obersten Rates gewählt woröem weck der frcnizösische Ministerpräsiöent iowieso Lloyd Georg» in der englischen Hauptstadt seinen Gegenbesuch av- statten wollte.
Der internationale sozialistische K^ngrek.
w Paris. tF. <) Der internationale sozialistische Kongreß der die Frage des weltwirtschaftlichen Wiederaufbaus und der Abrüstung auf die Tag^vednung gestA hatte, ist durch den Streik der dentfchen Eisen-ich»^ »um Mitzerkoka rei n "'eilt morde». Nockidem ant Rontso
Gewebe, das seine Begleiterin rwch immer an die Lip pen drückt, an einigen Stellen rot färbt — da rieselt ihm doch etwas wie ein kalter Schauer über den Rücken.
„Wie lange glauben Sie, daß es iwch dauert, bis ich urich zu Tode gebellt habe?" fragt sie mit bitterem Auflachen, und ihr leichter, frivoler Ton sticht unheimlich ab von dem hohlen Husten. „Wie lange geben Sie mir noch?"
Sein gutmütiges, rotes Gesicht wird um einen Schatten bleicher.
„Ich bip kein Doktor, liebe Freundin —"
„Pah! Leere Ausflüchte! Sehen Sie mich an! Und diese Blutspuren hier! Wie lange geben Sie mir noch. Ich frage Sie auf Ihr Ehrerrwort!" ,
• Ihre Augen bohren sich in die seinen, und ihm. wird unbehaglich bei dieser direkten Frage. Widerstrebend wandert sein Blick über ihr fieberhaft gerötetes Gesicht, die schmale, eingefallene Brust und den ganzen, zum zerbrechen zarten Körper.
Auf Ehrenwort!"
„Wenn Sie sich schonen, noch etliche Jahre." „Und wenn ich mich nicht schone?"
„Hm! Dann — ein paar Monate."
Sie zuckt empor. Ihre Finger krallen sich über dem blutbefleckten Taschentuch zusammert. Eine grenzenlose Furcht vor dem nahetl Tode befällt sie plötzlich und laßt ihr Herz noch unruhiger schlagen, als sonst.
„Dank für Ihre Offenchnt! 9tad) aussen hin find Sie zwar um keinen Pfifferling besser, als wir an deren, aber im Herzelt sind Sie ein Ehpenmann."
Sie macht eine kleine Pause und lehnt sich, nach Atem ringend, an einen Baumstamm, die Hilfe ihres Begleiters matt ablehnend. Dann fährt sie fast ton
los fort:
IvrtseKung io^t)