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ichlSchterner Zeitung

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Amtliches Organ für Stadt und Kreis Schlücht ren lKttustrierte KalSmonatsbeilageJas Blatt der Moden?')

Die Papstwahl.

K«s Rom, 3. Febr., wird berichtet: Unmittelbar vor M Beginn des Konklaves ergibt sich folgende Situation: $|e Kruppe Gasparri, welche die gemäßigte Tendenz Bene- W XV. fortsetzt, verfügt über eine leichte Majorität, aber D über die nötige Zweidrittel-Mehrheit. Gasparri selbst «sirrbt, wie angenommen wird, die Tiara nicht. Vielmehr gieren in seiner Gruppe Raiti-Matland und Maffi Pisa. Aperer ist ein persönlicher Freund des Königshauses und jarer der Versöhnuvgstevdeuz zwischen Vatikan und £M< that Die Freunde RattiS umwerben eifrig die deutschen jaktinäle und bemühen sich, dir Avffrffung zu zerstören, Salti sei Poleufreund. Er sei vielmehr als ehemaliger Kuschauer Nuntius eher deutsch freundlich gesonnen. Das Musstchtliche Eintreten der Polen für Ratti macht jedoch Mae Werbung bei den deutschen Kardinälen erfolglos. Natürlich begünstigt auch Frankreich diesen Polenfreund. Bei )tt llavahrscheinltchkeil, eine Zweidrittel Mehrheit auf einen blefen politisch prononzierten Kandidaten zu vereinigen, wächst ile Aussicht deS venettanischen Patriarchen Lafonteine. Er zehört der von Merep del Val geführten minder zahlreichen l-oservativen Gruppe an, die R'chtung Vius X. vertritt, tiliue Mäßigkeit und tiefe R ligtasität lassen ihn als am wlfleu geeigneten- Kandidaten auf den Papststuhl zwischen Selben Richtungen erscheinen.

Ein unmöglicher Kandidat.

Kom, 4. Febr. Nachmittags 5'/» Uhr stieg die zweite Nr«4«olke auf. Sie zeigte durch die Schwäne die E folg- lockest des Wahlganges an. Unmittelbar vor dem Beginn di Konklaves machte Kardinal Ratti, der frühere Nuntius li Warschau, anfechtbare E klärunge« über die polnisch- »'«tschen Beziehungen, die angesichts der Wahlbestrebungen Haitis wichtig sind. Er sagte u. a., die Deutichm begannen nst kurz vor Ende des Krieges die Bergwerke Oberschlesiens Mtzubkule«. Da sie ihren gesamten Kohlenbedarf aus der Hubt und dem Saarbecken ausführten, ss ist der Verlust LstlschlestenS kein wirklicher Schaden für Deutschland. Der haß der Polen gegen Deutschland ist durch jahrhundertelange Brutalität und inhumane Unterdrückung begründet.

Zum Streik der Eiseudahllbcamtell.

Berlin, 5. F-br. Die Reichsgewerkschaft verhandelt seit iO UHr mit der Regierung unter-Vorsitz des Reichspräsidenten Wert.

Berlin, 5. Febr. Der Reichspräsident hat bestimm», daß m allen Gtreikorten die technische Rothilfe eintritt Abgethen »du D- und Personenzüge« sollen lebenswichtige Züge eingelegt vadm.

Berlin, 6. Febr. In der Reichskanzlei fanden am gestrigen Sonntag unter dem Vorsitz des Reichskanzlers Besprechungen über die durch den Streik der Eisenbahner geschaffte Lage fall, an denen die Mitglieder her Regierung und die Führer Ul »ertreteueu Parteien teilnahmen. E^ wnrde feftae'letlt,

Der Liebe ewiges Licht.

Roman von

riefe«.

82) (Nachdruck verboten.)

And Jonas Abramsen biegt sich etwas vor und fi­xiert mit einer scharfen Drehung des Kopses durch sein Monokel das liebliche Wesen, das in vollster Un­befangenheit mitten hinein tritt in diese hypermo­derne, frivole Großstadtgesellschaft frisch und schön wie der junge Tag. '

Da die Gaste erst heute angekommen sind zu einer Zeit, da Ebba im Haushalt beschäftigt war, ist sie allen noch vollständig unbekannt.

Der galante Oberst beeilt sich sofort, ihr das Ta­blett aus der Hand zu nehmen, während seine Lippen ihr zuflüstern:

Hebe, den Nektar kredenzend!"

Olaf, mein Liebling! Komm her!" schrillt Karins erregte Stimme zu dem Kinde hinüber, das sich aufs neue hinter Ebba versteckt hat.Willst du wohl ge­horchen? Her sollst du kommen zu deiner Mammi! Sofort!!"

Doch der Kleine birgt sein Köpfchen nur umso tiefer in den Falten von Ebbas Kleid und gibt durch Schreien und Strampeln seine Unlust kund, dem müt­terlichen Befehl zu gehorchen.

Es kostet Ebba ferne geringe Mühe, das aufgeregte, eigenwillige Kind zu beruhigen. Erst nach längerer Zeit gelingt es ihr, den noch leise schluchzenden Klei­nen der Mutter zu übergeben.

Mit ruhiger Ueberlegenheit blickt sie in Madame Karins wutverzerrtes Gesicht.

Ich bringe Ihnen Ihre Milch, Cousine Karin: Und mein Vater schickt Ihnen außerdem ein Pulver für Ihren $nr

Karin

ndert kein Wort. Mit finster zusaanülen anen stürzt sie hastig die Milch hinunter, He» liegende Pulver ostentativ ignorie-

Kreisblatt

Donnerstag, 9. Februar 1922

F/y.iiBgWKMW!gigpma^wMiiw««»pm^

daß der Notverkehr nach einemj>om VerkehrsNiMer aus- gearbeiteten Plan ausgeführt wird. Es herrschte Einmütigkeit darüber, daß die Laze nach wie vor von den Gesichtspunkte« der gesamten Polit-k, von der Gesamtnation Deutschlands und vou dem Standpunkte der allgemeinen weltwirtschaftlichen Verhältniffe aus beurteilt werden müsse.

Die Regierung wird weiter in anderer Stellungnahme mit den politischen $ mieten und den Spleen Organisationen bleiben. Die im Gange befindlichen Verhandlungen über die Beendigungsfraze der Arbeiter, Angestellten und Beam­ten werden heute vormittag 10 Uhr sortges tzt werden.

Berlin, 6. Febr. Die Reichsgewerks Haft hat zu den heute begianenden V -rhandlungen ihr V-rhan>lungsmmdat an die R-ichspostzemerkschaften übertragen. Die stättischen Betriebe find unter polizeilichen Schutz gestellt. Die T?ch- »Me Rothilfe ist eingesetzr. Die Versorgung mit Waffer ist sicher gestellt. 8/10 der Berliner Versorgung wurden am gestrigen Sonntag wieder mit Waffer versorgt.

Berlin, 6. Febr. Aus einer M ttriiung ^eS Rstchsvrr- kehrSministeriumt gebt hervor, daß sich auch M dlenburg dem Streik angeschlossen hat. Der Süden ist, wie auch Baden zum Teil noch streikfcei. Der Aufruf der Gewerkschaften hat auf die Beamten der streikenden Rüchsgewerkschaft keinen E.nfluß ausgeübt. Der Nülbetrieb ist weiter gegangen. Auch der Kraftwagenbetrieb wird weiter ausgebaut In Bezirke Erfurt befürchtet man Feierschichten im Braunkohlenrevirr, da mehr Wagen n'cht hsranzuschafföN find.

Karlsruhe, 6. Fchr. In der Nacht zum Sonntag ist auch in Basel der Eisenbahnerstreik ausgebrochen. Um Mitternacht stellten die Lokomotivführer den Dienst ein und die Weichensteller schloffen sich ihnen an. Das übrige personal bewahrt eine ruhige Haltung.

Breslau, 4. Febr. Die Nachricht, daß sämtliche Beamte der Retchsgewerkichast ürelten, ist unrichtig. Außer dem größten Teil der Lokomotlvfühtt r und einem erheblichen Teil des ZuHdrglckiperfvuals ^^4^; L.nlgc BerNLe anderer Klaffen den Dienst. Bon vorgestern «achmittag 4 Uhr bis gestern vormittag 8 Uhr gingen aus Breslau 28 P'-rfonevzüg« ab und kamen 29 Perfonenzügr an. Die Direktion Kartowitz wird Kohlenzüge absenden.

Am Montag, den 6. d. Mls. ist der V-Zug 41 fahrplanmäßig um 7.40 U?r vormittags vom Frankfurter Hwptbahnhof «ach Berlin gefaßten. Zugelaffen zur Be­förderung waren nur Reichs- und LandtagSabgeordnete für die am Dienstag begonnenen Parlamentsoechandlunge«.

Ei« Erlatz des BerkehrsMiuisterS.

Berlin, 5. F br. Der Reichsoerk-Hrsminister hat i'bte Regierunge« angewiesen, sofort ».tuen Anschlag zu veröffent­lichen, wodurch die Arbeiter und Angestellten binnen kürzester Frist aufgefordert werden, den Dienst w'rder anzutrete«. Wer dieser Aufforderung nicht nachkomnt, hat das Dienst­verhältnis selbst beendet »nd sich als entlassen zn betrachten.

Zur Lagr.

Das Ausbleiben der Kohle-'zäre hat bereits ;n Aebeüs-

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rend, und gibt das Tablett Ebba zurück schweigend, mit kurzem Kopfnicken, als habe sie einen Dienstboten vor sich.

Ebba blickt von einem der beiden neben ihr stehen­den Herren auf den anderen. Dann reicht sie mit lei­sem Lächeln dem jüngeren das Tablett und schreitet hochaufgerichtet, mit der ihr eigenen klassischen Ruhe, davon.

Verwundert sieht der Poet ihr nach, um dann mit einer grandiosen Geste die unerwartete Bürde dem Oberst zu übergeben, der sie seinerseits sofort lachend an den noch immer durch sein Monokel äugelnden Börsenmakler weiterreicht.

Donnerwetter, kapitales Mädel!" säuselt dieser, rasch das Tablett auf den Boden setzend.Gretchen- typus! Veilchenaugen! Genre Sonnenjungfrau!"

Allgemeines Gelächter.

Nur Karin nimmt an dieser Ausgelassenheit nicht teil; sie bemüht sich vergebens, ihren Herrn Sohn zu beruhigen, der wütend um sich schlägt, und immer aufs neue mit aufgeregt hervorsprudelnden Worten beteu­ert, daß erdie schöne Tante Ebba liebe" undseine garstige Mammi hasie".

" Endlich wird es ihr doch zu bunt. Mit einem hef­tigen Griff reißt sie das Kind hoch, während ihre wnt- bebenden Lippen es anherrschen:

Ich will doch einmal sehen, wer zu befehlen hat, du oder deine Mutter!"

Ich!" schreit Olaf mit einem energischen Hinten­überwerfen seines feinen Köpfchens.Ich bin der junge Herr. Auch hier im Schloß, wenn der Onkel Gnnnar da oben tot ist!"

Schwüle Pause.

Karin aber hat das Kind losgelassen und starrt es mit flackerndem Blick an.

Wer sagt das?" , -

Dte Mamsell Tönnesen."

Erscheint 3mal wöchcntl. Drahtanschr.: Kreisblatt Schlüchtern.

- Druck u. Verlag Fa. C. Hohmeister,Sch!üchlcrn. Verantwortl. j :Schriftleit. H.-C. HohmMer, Schlüchtern. Geschäftsstelle Drei- : -brüderstr. 9. Im Falle höherer, Gewalt. Betriebsstörung ob. ;

; Stromsperre s erlischt jede Be. i chtung auf Schadenersatz. ; ?*#* i. ««««». : r

!. 74. Jahrgang

-------1BnoHaaHBiti einflellungen geführt. So mr a u. a. die Kmppwrrke in Magdeburg ihren Betrieb st en Die Straßenbahn in Erfurt mußie ihren Zerkehe . stelle«. Die Haushaltungen, die auf einen so strengen Wi c nicht gerüstet waren, sehen ihr F-uerunzSmaterial zur 3P .« gehen Die Arbeiter der Adlerwerke in Frankfurt sind e' nfa^s in den Streik getreten.

Eise«dah«rrftre! auch in Baden.

Freiburg. 5. Febr. Heu acht um 12 Uhr ist auch in Baden der E senbahnerstreik Zgebrochen. Der Eisenbahn­verkehr in Ober- und Mitte? W rubt vollkommen. Die technische Nothilfe ist ausgerr « worden, um den in Aus- ficht genommenen Notverkehr durchzusühre«.

Die Reichsregt U «g bleibt fest.

Berlin, 6. Febr. Bei eine. B.'spreHrmg in der Reichs­kanzlei unter dem Vorsitz des Reichskanzlers zwischen den Mitglieder« des Kabinett und den Führern der Regierungs­parteien wurde fsstgeftellt, daß der Elfe «bahnnotverkehr jetzt nach einem bestimmten Fahrplan ausgenommen werden soll.

Ja Berlin ist die Lage für die Bevölkerung durch da« Zasamumtreffea drS Eisenbahnerstreiks mit dem Streik der städtischen Arbeiter und Angestellten besonders schwierig. In den städtischen Betrieben ist die Technische Nothilfe eingesetzt worden.

I« der Besprechung i» der Reichskanzlei herrschte Einstimmigkeit darüber, daß der Streik von dem großen Gesichtspunkte der Gesamtpolitik, insbesondere unserer Ge- samtlaae dem Aaslande gegenüber verurteilt werden müsse. Der Standpunkt der Regierung gegenüber den Streikenden ist unverändert. Die Regierung wird weiterhin die engste Fühlungnahme mit den Parteien und Spitzenorganisationen aafrechterhalten. In den Verhandlungen über die Besoldungr- fragen, die mit den Spitzenorganisartoueu geführt werden, wird Leute fortgefahren.

Das Mswerü der KlMäwlrWafl.

Die Lagnngt der vsurfHen äxrttwiiift^i«, oi^ sseh« in Dresden stattfand, ist von großer, grundlegender Bedeutung. Das von ihr unternommene Hilfswerk hak zum Zweck, durch Steigerung der eigenen landwirt­schaftlichen Produktion jede Einfuhr von Lebensrnitteln unnötig zu machen. Die Ausgaben für diese betrugen 1920 über 2 Milliarden Goldmark und werden 1921 nich" geringer gewesen sein. Durch das Hilfswerk wird diese Ausgabe erspart und der Unterhalt des deutschen Volkes von der Einfuhr aus fremden Ländern unab­hängig gemacht werden.

Die gegenwärtige Betriebslage der Landwirtschaft im großen und ganzen zeigt 20 v. H. aller landwirt­schaftlichen Betriebe in Großgrundbesitz, 80 v. H. in Mittel- und Kleinbesitz. Von jenen 20 v. H. werden etwa neun Zehntel, d. h. 18 v. H. aller Betriebe, von diesen 80 v. H. werden fast keine auf das intensivste be­wirtschaftet, so daß auf das intensivste mit den besten neuzeitlichen Mitteln und Kenntnissen nur 18 v. H. al­ler Betriebe überhaupt bewirtschanet werden, 82 v. H. dagegen nicht. Diese nun auch auf die mögliche höchste Intensivierung zu bringen, ist die Absicht.

Nach dem Plane des Hilfswerkes sollen dazu durch Winterkurse und Ausstellungen sowie Musterrot^-

Ah! Recht hat sie, mein Golöengel! Tu bist der einstige Erbe von Schloß Askö! Du allein! Nie­mand anders!"

Und die seltsam unkonsequente Mutter reißt das noch immer trotzig daherblickende Kind an ihre Brust und will es schier erdrücken mit Liebkosungen eine Prozedur, die Klein-Olaf sich nur nach vielem Sträu­ben und mit gräulichen Grimassen gefallen läßt.

In diesem Augenblick kommt ganz atemlos Jea­nette herbeigelaufen. Und nun ergießt sich die Schale des Zornes auf die Kammerjungfer weshalb sie nicht auf ihren Schützling aufpasse, weshalb sie ihn mit jeoermann" laufen ließe, weshalb sie ihre, Maöames, Befehle nicht befolge und sie sei nicht wert, daß man ihr noch ein Stück Brot reiche.

Während Madame Karin auf diese Weise der in ihr kochenden Wut Lust macht, zieht sich der junge Poet mit bewunderungswürdiger Unhörbarkeit nach jener Richtung hin zurück, wo das schöne blonde Frauenbild

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soeben verschwand.

Der Börsenmakler will ihm folgen. Doch Karin winkt ihn mit einer herrischen Gebärde zu sich heran.

Jonas Abramsen! Kommen Sie mal her!... Ganz nahe, damit ich mir nicht das letzte bißchen meiner armseligen Lunge zürn Hals heraus zu schreien brauche!... So! ... Sie wissen, ich bin es, der Sie die Stellung verdanken, die Sie gegenwärtig in der Ge­sellschaft einnehmen"

Schroeigend verbeugt er sich. Aus seinen kleinen, stechenden' Augen schießt ein verwunderter Blick zu ! ihr hin.

Sie haben mich schon Ihrer Dankbarkeit ver*

sichert

Erneute abwart u. _' ^beugung.

Jetzt bietet sich A anen Gelegenheit, sie zu be­weisen." t

Mit einer theatralischen Gebärde legt er tue van® aufs Herz. . (Fortsetzung folgt.) .