Schluchterner Zeitun
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Kreisblatt
Erscheint 3mal wöchentl. Drahtanschr.: Kreisblatt Schlüchtern. ; Druck u. Verlag Fa. C. Hohmeister, Schlüchtern. Berantwortl. • Schriftleit. H.-T. Hohmeister, Schlüchtern. Geschäftsstelle Drei» : ibrüderstr. 9. — Im Falle höherer Gewalt, Betriebsstörung ob. ; !Stromsperre erlischt jede Verpflichtung auf Schadenersatz. • ......................................................................:
Amtliches Organ für Stadt und Kreis Schlüchtern
(Illustrierte KatSmonatsöeitaye „Pas Matt der Moden")
Nr. 16
74. Jahrgang
zm Streik der Eiseubahnbeamten.
Frankfurt a. M., 5. Febr. Die Forderungen der streb toben Eisenbahubeamten umfassen diese drei Punkte: 1. Ge- haliSerhöhung, 2. Aenderung des Eisenbahndienstgesetzes, 3. Personaländerung im Reichseisenbahnministerium.
Frankfurt a. M. 5. Febr. Die Streikenden habe« den Haaptbahuhof besetzt. Doch sind etwa 160 Mann der^Tech- Den Nothilfe eingesprungen, die Lebensmittelzüge besonders zaischtn Frankfurt und Darmstadt fahren. Im übrigen ist in Frankfurt alles ruhig.
Berlin, 4. Febr. Die städtischen Arbeiter an den Elek- chitüts-, Gas- und Wasserwerke« find in einen Sympathie» M getreten. Es fährt infolgedessen keine Straßenbahn nah keine Untergrundbahn mehr.
Berlin, 4. Febr. In den Verhandlungen zwischen der Mchsgewerkschaft der Eisenbahubeamten und dem Reichs- beamtenbund einerseits und der RsichSreqierung andererseits ist es bisher noch zu keinem positiven Ergebnis gekommen. Die Verhandlungen wurden vielmehr aufgeschoben. Eine Merausnahme derselben macht die Regierung davon ab- )L»zig, daß die Streikenden anerkennen, der Streik sei nicht »«gebracht gewesen. Die Steikenden wiederum fordern zu- M die Versicherung, daß nach Beilegung des Streiks feine Beamten gemaßregelt werden solle«.
München, 4. Febr. In Bayern, wo bisher die Eisenbahn in vollem Betrieb gehalten wurde, hat sich ein großer Stil der Eisenbahnbeamten und -Arbeiter für den Streik ausgesprochen. Bis heute jedoch wurde der Betrieb aufrecht' erhalten. — In Bade« und Württemberg ist noch alles ruhig.
Leipzig, 4. Febr. Die Eisenbahubeamten und -Arbeiter
Ankündigung am Dienstag atzend hier spielen will, muß e Ausländer wurde« an
den Spielabend verlegen. — Eh einem der letzten Tage von eir-s
von Fulda nach Frankfurt gefr Mark bezahlen. Eigentlich niedrig.
Schlüchter«, 6. Februar in den letzten Tagen größere den, die nicht nach Frankfurt kann auch nicht verbuttert wer fehlen und neue nicht hereinko haben auch andere hiesige G Streik nicht bald beigelegt wir an Lebensmitteln und mit gro
er hiesigen Molkerei sind n Milch abgeliefert wor- ert werden kann. Sie da die nötigen Kohlen
Unter der Kohlennot
ie zu leiden. Wenn der uß man mit'einem Mangel Arbeitslosigkeit rechnen, da
Deutschen in dessen Auto r. Ein jeder mußte 2800 eser Preis noch viel zu
die Geschäfte und besonders industrielle Unternehmungen am ehesten die Folgen des Streifs zu spüren bekommen. Dieser Streik ist der geradeste Weg zur Privatisierung der Eisenbahn, gegen die vor nicht langer Zeit die Eisenbahner selbst so entschiedene Stellung nahmen. Wenn die Regierung nicht die Gewalt Hot, solche Streiks zu verhindern oder sie niederzuschlagen, wird mit der Urbergabe der Eisenbahnen Privatgesellschaften und mit dem Abbau des Reichsbeamteatums sehr zu rechnen sein. Dana aber sind die Eisenbahner die ersten, welche die Folgen tragen müsse«.
haben sich in gang Sachsen voll und ganz auf die Seite her Streikenden gestellt. Der Betrieb der
Sachsen ruht vollständig. *
Eisesbahuen t«
*
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Schlüchter«, 6; Febr. Wir wir hören, mag den streikenden Eisenbahnbeamten die
fall die Regie Gehaltszahlung
her Klasse 7 bewilligt, diese aber von der vorhergehend,« Ablrguug einer weiteren Prüfung abhängig gemacht h^ben - Da die Streikenden damit nicht einverstanden sind stieren sie den Streik weiter. (Wir veröffentlichen diese Meldung unter allem Vorbehalt unsererseits. D. R.)
Schlüchtern, 6. Febr. Die Werkmeister, die bisher noch einige Züge nach Bayern führten, haben jetzt ebenfalls die Atreikparole ausgegeden. Es ist bet dieser Verschärfung heg Streiks wohl kaum mit einem baldigen Ende desselben in rechne«.
Schlüchter«, 6. Februar. In der Nacht von Samstag M Sonntag haben mehrere französische TranSvortzüge den Bahnhof Schlüchter« passiert. Die Entente scheint mehr Macht in Deutschland zu haben — als die deutsche Regierung Im Wartesaal des Bahnhofes sitze« Reisende fest. Einige, hie nach Frankfurt wollten, wurden mit einem Ausnahme- Verzug, der mit Vieh besitzt war, befördert. — Das Fraub sMer Künstlertheater für Rhein und Main, das nach seiner
Die Tagung des Berketzrsbetrats im Reichspostwi- «isterium eröffnete der Reichspostminister mit einer Rede, M her er die zur Vereinfachung und Kerbültgung der Verwaltung des Betriebes in Durchführung begriffenen ^l^^babi^ und Kultusminister
Hummel erklärte im badischen Landtage, daß in Baoen kein Bedürfnis für das Sie^touiCvmonni^ etiW, da Baden bereits bieientge Schulart (obsigawr-sche.Ge- meinschastsschule) besitze, die dem Land am besten zusage
Dtt deutsche und der polnische Bevollmacht-gte für die oberfchlestsche« Verhandlungen, Reichsnnnnter a. D. Schiffer und Minister Olczowski, sind nach Berlm bezw. Warschau zurückgekehrt. Die Verhandlungen in Gens beginnen voraussichtlich am 18. oder 11. Februar.
Die Zenirumsfrecktto« hat im Reichstag einen Gesetz- attwurf zun: Schutze jugendlicher Personen gegen dre
Neformpläne in der En1sch8digung»frage?
^ ^^^'^ ^' jP r^K die E. E.-Korresvondenz meb det, soll sich die französische Regierung in der Frage, oll die deutsche Note in der Reparationsfrage durch die ab liierten Regierungen oder durch die Reparationskom, Mission selbst erledigt werden soll, auf den Standpunkt stellen, daß die Reparatiouskommissto« entscheiden soll weil die Tagungen des Obersten Rates in der Reparationsfrage wenig befriedigende Ergebnisse gezeitigt W< ten. Aber die tibrigen Regierungen, die belgische Regierung vielleicht ausgenommen, nehmen den entgegengesetzte« Standpunkt ein. Die englische Regierung soll dem „Matin" zufolge bereits über eine grundlegende Reform der Reparationsfrage beraten haben. Danach hätten tVwifrcbb und c? 'aland netbrne r ‘
gen. 2)ocy wurden die Ovier Frankreichs durch eine billige Lösung der Frage der alliierten Schulden ersetzt werden, und diese Angelegenheit würde sogar ohne Bit Mithilfe Amerikas zu lösen sein.
»»Paris. (L. A.) Der französische Ministerrat wird sich am Dienstag mit der deutschen Denkschrift über die Entschädigungsfrage beschäftigen.
Einzelheiten über die Zwangsanleihe.
»»Berlin. (F. G. A.) Ueber die bevorstehende Zwangsanleihe verlautet, daß das Vermögen bis Zu 100 000 Mark wahrscheinlich ganz von der Anleihe befreit werden soll. Es ist sogar wahrscheinlich, daß diese Grenze noch überschritten wird. Die Anleihe soll nickn auf einmal einaesoaen werden, sondern ratenweise Jeder Einzahlellde wird eine Art Schatzwechsel, gewissermaßen als Quittung über den eingezahlten Betrag, erhalten. Die Alsteibe soll bekanntlich in den ersten drei Jahren unverzinslich sein.' Die Arbeiterl für die Anleihe sollen so beschleunigt werden, daß schon in der nächsten Woche der Gesetzentwurf endgültig ferttaacsteUt sein dürfte. Trotz der Zwangsanleihe dürfte immer noch ein Defizit von ungefähr 70 bis 80 Milliarden Mark im außerordentlichen Haushaltsetat übrigbleiben. Diefer Betrag müßte durch eine internationale Anleihe gedeckt werde'«. Die Besprechungen und Verhandlungen mit ausländischen Banken zur Erlangung eines Kredits ruhen gegenwärtig. Ferner steht noch die Frage offen, ob anch die Berharidlungen mit der deutschen Industrie und Landwirtschaft über ehre innere Anleihe für das Reich weitergeführt werden sollen.
Die deutsche Autwort«ote.
»»Genf. Der „Matin" meldet: In der Garantiekommission ist man der Ausfassung, daß die Borschläge der deutschen Regierung in Bezug auf die für das Jahr 1932 angebotenen Zahlungen hinter den Beschlüssen des Obersten Rates in Cannes zurückbleiben. In der Ga- ranttetornmiffion herrscht fast Einstimmigkeit darüber, daß die Festlegung der deutschen Zahlungen nir da- Jahr 1922 vor fr ' ^ufsrruZ von Genua durch einen Beschluß der alliierten Regierungen zu erfolgen hat. - Der „Temvs" meldet: Das Erfreuliche an der Note der deutschen Regierung sei, daß der ReichskaMler Dr. Wirth endlich aufgehört habe, die militärische Besetzung der Rheinlande mit der Reparation in, Berbin dune zu bringen. Die fransöfifeßen Truppen blieben am Rhein, bis der Versailler Vertrag erfüllt sei.
Die deutschen Farbstofflieferunge« au Amerika.
»-»Paris. (L. A.) Die Reparationsko- ^sion hat der amerikallischen Regieruna eine Note m rianbt. in der sie Ausschluß über die rechtliche Lage der amerikanischen Textilallianz erbittet. Diese ist eine Organisation amerikanischer Textilfabriken, die vor zwei Jahren unter der Regierung Wilson gebildet mürbe, um den Anteil der Vereinigten Staaten an be i deutschen Farbstofflieferungen zu übernehmen, die Deutschland nach dem VersaMer Vertrag zu liefern hat. Die amerikanische Regierung hat nunmehr dieser Bereinigung den offiziellen Charakter vor einigen Monate - in einem an die Reparationskommission gerichteten Brief entzogen. Die Kommission wünscht nun Klarheit und eine endgültige Antwort, ob diese TexMallianz noch immer als das Abnahmeinstitut für die an Amerika zu liefernden deutschen Farbstoffe gilt.
Doch eine Verschiebung der Wirtfchaftskonfereuz?
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**• Paris.
Der „Petit Parisieu" schreibt:
M)
Der Liebe ewiges Licht.
Roman von
i Friese«.
(Nachdruck verboten»)
Schnur zusammengehaltenes Bündel Photographien zutage. „Seht! Dies hier bi« ich als aufblühende Knospe! Dies —*
»Frauerr unb Aestheten sind stets so alt, wie sie sich Wlen!" zieht sich Ionas Abramsen mit einem koket- M Seitenblick auf Madame Karin aus der Affäre. »Was mich betrifft — ich fühle mich kaum zwanzig."
„Da nehmen Sie sich nur in Acht, daß Sie nicht ttvchmal an die Mirtterbrust zurückrutschen!" glossiert der Oberst, gemächlich den Rauch seiner Havanna durch die Nase blasend. „Neulich fühlten Sie sich dreißig —"
„Glücklicher Mensch!" seufzt Karin ironisch auf. „Ich Wie mich mit jedem Tage um ein paar Jahre älter. ?ald werde ich ein verwittertes altes Wackelweib fein _*
-O meine Herzenskönigin, hör auf!" parodiert Jo- nas Abramsen, indem er die nervös bewegliche Frau vor ihm durch sein Monokel beäugelt. „Welche Pro- !a«ie! Unsere Saisonschönheit ein — Wackelweib!"
Von der Steinbank nebenan her kommt ein tiefer Seufzer. Dort sitzt Estella Lind, der frühere Operet- teuftern, deren derb aus der Fasson gequollene Figur prall in ein grellrotes Seidenkleid eingezwängt ist.
„Ach Kinder! Ihr wißt ja alle nicht, was es heißt, einen lachenden, gefeierten Frühling, einen glühenden, angebeteten Sommer hinter sich zu haben und dann nichts mehr zu sein, w,ie ein welkes Blatt! Noch vrcht lange ist es her — da gehörte ich zu den schönsten galten der Welt. Man nannte mich das „Ebenbild der Madame Recamier". Alles lag zu meinen Füßen: Grafen, Prinzen, ja ein indischer Rajah, der '.neinet- Mben sein Land für immer verlassen wollte.....
lächelt? Wenn ihr an meinen Worten zwei-el: seht eych meine Bilder an! Ich führe sie immer mir." Sie greift in ihren Pompadour und fordert mit einte grandiose« Geste ein durch eine rosaseidene
BMMMTOBMMMBMBBBaaMljlMiHi ■■ ■ .»«-»»«!-«-«»
Vermögen, glänzend lebt, im Winter täglich zu Diner» und Soupers geladen ist und den Sommer auf Landgütern, Villen und Lustjachten zubringt — wie ein
kleiner Fürst.
Die sezessionistisch angehauchte Owe mit ihren spöttischen Augen und ihren naseweis-boshaften Bemerkungen, die sie stets mit der unschuldigsten Miene ver- Ich sag's ja immer: ihr Künstler seid eine ganz ae- i zapft, ist gegenwärtig Sigurds „Leeleilflirt". Und sie, ------ ~ ~ die voll Begeisterung der okkulten Wlpenichast ergeben ist, die von dem Merkwürdigen, Wmlderbaren, Nebersinnlichen unwiderstehlich angezogen wird — sie schwärmt in allen Tonarten für den lilienfingrigen, auf Müdigkeit nnd Moll gestimmten Poeten.
Eine Weile bewegt das Gesoräch sich in dem einschlägigen Fahrwasser, wobei Ionas Abramsrn besonders durch dreiste, oft bis an die Grenzen des Erlaubten gehende Schlagfertigkeit glänzt und der Oberst zumeist schmunzelnd allerhand Operettenmelodien vor
„Ja ja, Mama, wir wissen schon! Laß nur!" fällt ihre Tochter Owe ihr ungeduldig ins Wort, während ihre blanken braune« Augen gleich Feuerrädern um-
herfahren und alles ringsum anzuzünden drohen
jährliche Sorte. Zum Beispiel die Poeten!
liebe die Poeten! Sie sind so originell) sie lassen Steine reden und den Mond sich schneuzen!"
Und mit affektierter Grazie bewegt sie den bunten Fächer vor ihrem pikanten Spitzbubengesicht hin und her.
Sigurd Ekdal verbeugt sich, den blonden Kopf mit der genial in die Stirn fallenden Künstlerlocke leicht zur Seite geneigt, vor dem jungen Mädchen, um dessen sezessionistisch schlanke Formen ein buntgestickter Ki mono hangt, der Ovi wie ein Flügelpaar hinter ihr, das üppige kastanienbranne Haar nach japanischer Art breit frisiert und von zwei silbernen Pfeilen durch stochen. Ihm schmeichelt die Verehrung des originellen jungen Mädchens, das sich „mit ihrem Nhrarm- band zur Ruhe begibt, « mpünktlich aufzuwachen"; dessen höchster Wunsch ist, „Architekt zu werden", damit sie sich „einen großen runden Turm bauen könne, um einst darin zu sterben") das weder Klavier spielen noch kochen kann, weil „das zu stumpfsinnig ist", das sich dafür aber die seltsamsten, raffiniertesten Haar- srisureu anddenkt, die sie tagtäglich.ihren Bekannten
vor führ Im
Sigurd We. lr^rn ' und na
sich hinsummt.
Bis plötzlich mitten hinein ist das Schäkern und Lachen eine feine, helle Kinderstimme ruft:
„Kuckuck, Mammi! Kuckuck!"
Karin, die sich gerade von dem Börsenmakler eine gewagte Anekdote erzählen ließ, reckt ihren zusam- mengesunkenen Körper in die Höhe. Ihre frivole Misne macht im Nu dem verklärten Ausdruck Platz, den ihres Kindes Nähe stets auf das Gesicht der leicht- herzigen Weltdame zaubert.
Doch ihre Stirn verfinstert sich sofort wieder, als sie Ebba erblickt, die mit raschen, elastischen Schritten näher kommt, in der Hand ein Tablett mit einem Glas frischgemolkener Milch, während hinter den Falten ihres' weißen Mullgewandes Klein-Olafs Rotkopf neckisch hervorgnckt.
Im Nu springt Sigurd Ekdal empor.
Der Oberst folgt seinem Beispiel.
(Fortsetzung folgt.)
An schlauchten Warfen spiel und Seelenflirt ist Ekdal Zuhause, Er braucht sie für seine Ge- -'war bat matt noch nicht viel von ibm ge- , - ß^ü fräst sich für «inen großen Poeten, | : neckt er ander« mit diesem Selbst- ;
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