Schlüchtemer Zeitung
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Kreisblatt
»Erscheint 3malwöchentl. Drahianschr.: Kreisblatt schlüchteru. ; »Druck u. Verlag Fa. C. Hohmeister, Schlächtern. Verantwortl. • rSchriftleit. H.-C. Hohmeister, Schlächtern. Geschäftsstelle Drei- : »brüderstr. 9. — Im Falle höherer Gewalt, Betriebsstörung ob. ; «Stromsperre erlischt jede Verpflichtung auf Schadenersatz. •
Amtlicher Organ für Stadt und Kreis Schlüchtern
(Illustrierte AalbmanaLsöeilatze „Das Matt der Moden")
Nr 14
DonuerMM. 2 Februar 1922
74. Iaürqang
miedet von» Tage*
Konferenz der Außenmiuister Englands. Frankreichs und Italiens, die am i. Februar in Paris intimen sollte, ist mm einige Lage verschoben worden.
Kiste mit 100 Parabettnurpt stolsn im Wertr dd« 170000 Mark, die zur Ausfuhr nach Neuyork be stimmt war, wurde in Hamburg von unbekannten Die Sen auS dem Hofe eines Warenhauses entwendet.
der Berliner Metallindustrie droht ein allaemei- ^ Wie^-te^Eisenbahndirektion Köln mitteilt, ist bt< ^^sS«^°°W^
eine Urabstimmung über den Eintritt in der - ett vorzunehmen, weil die Forderungen vv. vöerschiedSLertckt abgelehnt wurden.
Hermes Eiatsreds.
163. Sitzung des Reichstages.
Finanzminister Dr. Hermes leitete die erste Lesung des Haushalts für 1922 ein mit dem Hinweis daß die rechtzeitige Verabschiedung des Etats das größte Erfordernis für eine sparsame und zweckmäßige Finanz- wirtschaft des Reiches fei und bittet die Arbeiten möglichst zu beschleunigen, um aller Welt zur Kenntnis zu dringen, daß daS deutsche Volk gewillt ist, mit aller Kraft einer geordneten Finanzwirtschast zuzustreben. Der Haushaltsplan für 1022 steht ganz unter dem Zeichen der zur Erfüllung des Friedensvertrages auferlegten ungeheuren Lasten. Während der Haushalt der inneren Verwaltung sogar einen Ueberschuß von 16,5 Milliarden ergibt und die Betriebsverwaltungen in Einnahme und Ausgabe ausgeglichen sind, erfordert der Haushalt für die Ausführung des Friedensvertrages einen
Anleihebedarf von 171 Milliarden
Mark. Der Versuch, die ungeheuren Lasten des Friedensvertrages zu erfüllen, hat am Zerrüttung des Markkurses beigetragen und völlige int^ctbeit geschaffen. Bevor nicht das AMw-Wons ' Liner unserer Leistungsfähigkeit angepanten Weise geregelt nt, könne von einem Gesundwerden des Etats nicht gesprochen werden. Der Haushaltsplan ist zum ersten Mal gegliedert in Allgemeine Reichsverwaltung und die Be- tttebsverwaltungen und in einen besonderen Abschnitt, der die Ausführung des Friedensvertrages behandelt. Fast 100 Milliarden Mark sollen im Rechnungsjahr 1922 mit Steuern aus der deutschen Volkswirtschaft herausgeholt werden. Der Finanzmmister streifte sodann das
Steuerkowpromitz
und sprach die Hoffnung aus, daß nun auch die Entente sich nicht der Erkenntnis verschließen werde, daß Deutschland alle denkbaren Anstrengungen macht, um das Höchstmaß an Steuern aus seiner Wirtschaft herauszu- zuziehen. Die Behauptung, daß Engländer und Franzosen mehr Steuern als die Deutschen zu zahlen hätten, beruht auf einer völligen Vergleichsmerhode. Die Kopf- Mote an Steuern kann für einen Vergleich nur dann verwertet werden, wenn man den Betrag in ein Verhältnis zum Durchschnittseinkommen zu setzen vermag. Was die
Verbrauchssteneru aplangt. so ist in den vwaeleaten Steuercutwürfen die
grovre Anurengung gen er., worden, vis zur Grenze der äußersten Belastung» vivglichkett zu gehen, wobei der Steuerpflichtige in Deutschland noch ganz aöaemem durch die Kohlen- und die Umsatzsteuer auf das stärkste vorbelastet ist. Mit der gesetzmäßigen Sicherstellung der Steuereinnahme« aber 'st das Ziel noch nicht erreicht: die Steuern müssen aucSMürkliH veranlagt und bezahlt werden. Hier werden E größten Schwierigkeiten jetzt überwunden sein. Bon^Zen zwei wichtigsten raitfenf»Äix Steuern ist die Umfang mer auch bisher schon ständig veranlagt worden. Di-x Einkommensteuer für 1920 ist fast durchweg fertig ve jmfagt. Die Veranlagung für 1921 soll unmittelbar so.gen und so können wir hoffen, daß auch die Einkommetssieuer von jetzt ab jedes Jahr zur rechten Zeit fertig wird. Eine wichtige Aufgabe ist die, der Steuerhinterziehung und dem Steuerbetrug ent- gegenzutreten. Ein besonders schwieriges Kapitel ist das der Bekämpfung der Kapitalflucht. Es besteht kein Zweifel, daß die Einnahmen an Steuern nicht Hinrei- chen werden, um für die immer steigenden Ausgaben Deckung zu gewähren. Bei den Verhandlungen über das Steuerkompromiß hat das Problem eine besondere Rolle gespielt, das Anschwellen der jetzt auf über
250 Milliarde« ««gewachsenen schwebende« Schuld etwas hintanzuhalten. Der Gedanke einer Zwangsau- leihe hat sich zu dem Entschluß verdichtet, eine- solche in Höhe von einer Milliarde Goldmark aufzulegen. Ausgabe der nächsten Zeit wird es bleiben, in welcher Form diese Zwangsanleihe ausgeschrieben werden soll. Schon jetzt wird das in Aussicht genommene Mantelgesetz bestimmen, daß die Anleihe mindestens drei Jahre lang unverzinslich bleibt. Aber dadurch ist es nicht möglich, den Haushalt zu balancieren. Die Reichsregierung will deshalb im Jahre 1922 auch das Mittel einer inneren freien Anleihe versuchen. Die Möglichkeit dazu ist aber rrst gegeben, wenn das Vertrauen in die Wiederaufrich- ung Deutschlands miederbergesfeHt ist und feststeht, da' die Bestimmungen des FriedensvertragS den Diem- ttner sMdierüär RKicksanleibe nicht v/r^t^umv: . können. Bei der atz r aeir m .llehchsoerwaltung, Dabe;i lasten. Wir haben die bestimmte Avm m den völligen Abbau der Lebensmittelzuschüsse bis Ende UD2 durch - zuführen. Die Reichsregierung ist bestrebt, die Iaht der Beamten nach und nach auf 75 Prozent zu verr-n- zern. Die wirtschaftliche Lage der Beamten, Llngesteü- len und Arbeiter des Reiches wird fortlaufend und mit größter Aufmerksamkeit verfolgt und geprüft, inwieweit eine weitere Erhöhung ihrer Bezüge notwendig wird. Es befindet sich ein großer Teil dieser Beamten und Arbeiter in schwieriger wirtschaftlicher Lage und andererseits sind die Kosten für die Lebensführung in verschiedenen Teilen des Reiches sehr verschieden. Es wird daher eingehend geprüft, wie den berechtigten Forderungen in Orten mit besonders schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen Rechnung getragen werden kann. Es ist in Aussicht genommen, den Reich sarbettern durch Ue- berteuerungszuschüsie in Orten, in denen ihre Bezüge hinter denen der Privatwirtschaft wesentlich zurückbler-
einen Ausgleich zu schaffen.
teilte Streikwarnung.
Unverantwortlich ist es, wenn gewisse Kreise der Beamtenschaft in einem Zeitpunkt, wo.alle diese gründ-
legenden Fragen von alten berufenen Faktoren erörtert verben, wo Aussicht auf befriedigende Lösung besteht, um Streik aussordern und dadurch namenlosen Schaden für unser Wirtschaftsleben heraufbeschwören. (Unruhe links.) Ich kann namens der Reichsregieruns alle Beamten nur dringend warnen, dieser Aufforderung zu folgen. Die Reichsregierung wird mit allen ihr M Gebote stehenden Mitteln nachdrücklich diesem eni> gegentreten. (Große Unruhe auf der äußersten Linken.) Der Minister beschäftigt sich, nachdem er die gesetzliche Arbeitslosenversicherung erwähnt hat, dann mit bei Notwendigkeit und Möglichkeit von Erspanrisieu. Auch die Länder und Gemeinden müßten sparsam wirtschaften, man beabsichtige aber nicht von Recchs wegen in deren Fi«a«zhoheit einzugreifen. Die Kriegsaesellschafteq werden weiter abgebaut. In das Gebiet der unwirt- fchaftlichen Ausgaben, die uns durch die interalliierten Kommisfiotten auferlegt werden, gehört die wieder eint gerichtete Heeresbauverwaltung und die Neuanschaffung für Heereszwecke, da das alte Material zerstört werden muß, wodurch für 1922 mindestens
50 Millionen unwirtschaftliche Mehrausgabe« entstehen. Die Bilanzierung des Etats der Verkehrs^ Verwaltungen darf nicht nur auf dem Wege einer sehet matifchen Tariferhöhung erreicht werden, sondern vor allem durch innere Sanierung der Betriebe. Es ist gelungen, eine Grurrölage für die Wegräumung der ins^ besondere durch Par. 12 der Demobilmachungsvorfchrif-, ten gegebenen Hindernisse zur Durchführung der anst gestellten Reformpläne zu erzielen.
Die Reparatlonsfrage.
Zur Ausführung des Friedensvertrages erfordert der Haushalt als laufende Ausgabe rund 148 Milliarden und für außerordentliche Ausgaben rund 40 Milliarden. Der Minister ging sodann auf die Einzelheiten der bet reits bekannten Antwortnote Deutschlands ein und erklärte, daß die von der Reparationskommifsion für 1921 ins Auge gefaßten 720 Millionen Golümark, die ein« Aufbringung von 97% Millionen Papierwerte erforderlich machen würden, unmöglich aus laufenden Ein- nahmen oder aus Anleihen gedeckt werden kömktstk, Anders als mit einem großen Kredit können wir öi« B-^ür^uu. der Alliierten auf Zahlung von Devise»? nicht behiccmt MZals ov biete Ertem
weiter auf dem Marsche ist wenigstens in den weltwirtschaftlichen Arenen des Auslandes. Die Bestreituuq unseres ernsten ErsiMungswillens zwingt uns dazu, laut vor aller Welt auf unsere
gewaltige« Leistvvge«
zur Durchführuug des Friedensvertrages und zur Heilung der Kriegswnuden hinzuweisen. Die Welt muS nicht nur vom deutschen Erfüllnugswillen, sondern auch von unserer Erfüllungstatigkeit hören. Angesichts unserer Not sollten wir unseren häuslichen Streit begrabe« und uns erinnern, daß wir alle wieder eine Volksgemeinschaft find und wünschen, daß unser Volk in großer nationalen Fragen einig zusammensteht. (Beifall.)
Abg. Scheideman« (Soz.s: Während wir Frankreich und Belgien wieder aufbauen, werden wir zu eine« Volk von Sklaven. Wir müssen wenigstens wissen, warum wir hungern und frieren. Wir müssen ein Lies haben, die Ausgestaltung unserer Republik zu de^ Ideal einer solchen. Die Justiz der Republik kann kety Vertrauen genießen. Der Reichsjustizminister soll« seine Absicht der allgemeinen Amnestie im Kabine« frbseuntgft durchsetzen. Das Beamtenreckt bedarf ei«®
Der Liebe ewiges Licht.
Roman von Erich Friese«.
LSs (Nachdruck verboten.s i
In Karins schwarzen Augen funkelt es unheil- drohend: doch beherrscht sie sich, weil sie es für vorteilhaft hält. Gunnar von unten herauf neckisch anblin- , selnd, ruft sie mit gut gespielter Jovialität:
„Böser Bruder! NÄchtest mich wohl gern bald wieder los sein? . . . Aber daraus wird nichts. Die > vier Wochen mußt du schon aushalten! Nur hoffe ich
mit einer bittenden Gebärde legt sie die beringte, durchsichtig bleiche Hand auf seinen Arm — „nur hoffe ; 'ch, du wirst mir gestatten, ein paar Gäste —"
„Gäste?"
„Sie sollen mir die Zeit vertreiben."
Ebba, deren Augen erwartungsvoll an Gunnars Zügen hängen, sieht, wie er zurückbebt bei dem Ge- ! danken, die stille Einsamkeit seines Schlosses einer lustigen Gesellschaft erschließen zu sollen. Was wird er sagen?
„Während deines kurzen Besuchs bei mir soll alles geschehen, was zu deinem Behagen beitragen kann, Schwester."
Kühl höflich kommt es von seinen Lippen.
Karin aber lächelt graziös nd steht rasch auf.
„Danke, lieber Bruder! Ich werde sogleich von j deiner Erlaubnis Gebrauch machen." • !
Doch er hält sie zurück.
„Darf ich die Namen derer wissen, die ich unter i meinem Dach —"
Sie lacht laut auf — ein grausames, brutales Lachen.
„Du htest doch nicht, daß ich ihn Eljvls von ^olveg , Nein, mein Freund Ich bin froh
^mi ich einmal auf ein paar Wochen los in
nd ihm , es wohl ebenso ergehen Damit du
aber ganz ruhig bist, will ich dir gehorsam die Namen aufzählen: Madame Lind, der frühere gefeierte Stern am Operettenhimmel, mit ihrer Tochter: ich brauche die alte Dame zum Whistspiel, und die junge läuft so nebenher. . . . Dann der gute Oberst Lundstat, den du noch aus deinen Studienjahren kennst; damals war er Major, weißt du, und machte allen Damen den Hof... Ferner die neueste Berühmtheit Christianias, ein junger Dichter, in den die kleine Owe Lind verschossen ist. . .. Und —" nachdenklich blickt sie zur Zimmerdecke empor — „damit das humoristische Element nicht fehlt — Jonas Abramsen —"
„Der Börsenmakler?"
„Ja, der Börsenmakler. Uebrigens ein ganz harmloser Mensch. Weil er dafür sorgt, daß meine Papiere stets die höheren Zinsen tragen, möchte ich ihm diese kleine Aufmerksamkeit —"
„Schon gut", unterbricht Gunnar sie mit einer stolz abwehrenden Geste. „Die ältere Generation kenne ich: die abgedankte Schönheit, den Allerweltscour macher, den orientalisch angehauchten Börsenjobber. Die jüngere, deren Bekanntschaft zu machen ich noch nicht die Ehre hatte, wird sich sicher ihrer würdig erweisen. Also — tu', was dir beliebt!"
Schon wiederholt während der kleinen Unterhaltung hatte Karin kurz aufgehüstelt. Jetzt schüttelt ein hohler, krampfartiger Husten den ganzen, schwachen Körper. Doch wehrt sie mit beiden Händen Ebba ab, die aufgesprungen ist, um ihr zu helfen.
„Laßt mich ... es geht schon wieder vorbei —" keucht sie. nach Luft ringend — „verflixter Husten! Das macht euer ekelhafter Nebel!" Und sich zu Meister Wybrands wendend, stößt sie, noch ganz außer Atem, hervor: , Haben Sie — in Ihrer Hexenküche nicht ir mti> ein.. nt für " und sie deutet auf ihre schmale tz'l'st
„E . liebes Kind. Ebba soll Ihnen gleich be
ruhigende Tropfen bringen," erwidert der Alte mitleidig, um geheimnisvoll, in gedämpftem Flüsterton, hinzuzufügen: „Und später — wenn es erst so weit ist — da müssen Sie mein neues Elixier probieren ... es wird Ihre zerrütteten Nerven beruhigen —"
„Nein, nein! Für solche Quacksalberei dank' ich!" unterbricht sie ihn brutal. „Ich bin nun einmal so — und damit fertig! Ich glaube, wenn man mich in Stücke schnitte — ich würde doch noch krabbeln, wie der Regenwurm."
Und laut auflachend, über ihre univeibliche Sprache, schwankt sie, noch immer mit dem Hnstenanfall kämpfend, aus dem Zimmer.
Kopfschüttelnd blickt Meister Wobrands ihr nach.
„Mein Junge, deine Schwester ist wirklich krank. Sehr krank sogar. Wenn sie nickt ihr ruheloses Leben, den Gesellschaftstrubel und alles, was drum und dran hängt, auf gibt ich stehe für nichts."
„So sag ibr's dock!" erwidert Gunnar achselzuckend. „Du siehst ja — sie kann nicht ohne eine Masse Menschen um sich herum eriskieren."
„Sie ist schwer frans — amu gewiß. Und nicht nur körperlich —" brummt der Alte in sich hinein. Seine weiteren Gedanken verlieren sich in unverständlichem Gemurmel.
Auch Meister Wvbrands und Guunar haben den Speisesaal verlassen. Ebba ist allein zurückgeblieben in dem großen, weiten Raum.
Sie fröstelt bis ins Herz hinein. Ihr ist, als schauten die Ahnenbilder höhnisch auf sie herab, als wollten
,^,Was hast du hier zu suchen in den Gesellschafts- räumen der Helgelands? Wer bist du denn? Hat Gunnar ein Recht an dich, daß er dir die Gesellschaft feiner Schwester ansdrän-L. die dich mit iedcr Wort, mit jedem Blick ihre Geringschätzung fühl- läßt?" (Fortsetzuno gt)