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Wüchterner Zeitung

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Kreisblatt

; Erscheint Änal wüchmtl. Drahtanschr.: Kreisblatt Schlüchtern. ; »Druck u. Verlag Fa. C Hohmeisler, Schlüchtern. Verantwort!. :Schrifllcit. H.-C. Hohmesster, Schlüchtern. Geschäftsstelle Drei- : brübcrftr. 9. Im Falle höberer Gewalt, Betriebsstörung ob. ; «Stromsperre erlischt jede Verpflichtung aus Schadenersatz. :......................................................................:

______Amtlicher Organ für Stadt und Kreis Schlüchtern__

Nr. 6 Samstaa, 14 Januar 1922 74. Jahrgang

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«Beriet vom Tage.

Der Reichskanzler Dr. Wirth empfing den früheren Generalgouverneur von Ostafrika, von Rechenberg.

Der bayerische Landtag nahm nach mehrwöchiger Weihnachtspause seine Arbeiten wieder auf. Zunächst wird mit der Etatsberatung fortgefahren.

r^Der Völkerbundsrat hat den Protest der deutschen Regierung gegen die Schaffung einer besonderen Saar- Nationalität durch die Negierungskommission des Saar­gebiets abgelehnt.

Infolge der Lawinenstürze ist der Eisenbahnverkehr im Arlberg unterbrochen. Die Unterbrechung dürfte einige Tage andauern.

-»Eine versunkene Stadt. Das Städtchen Sanfratello bei Messina (Italien) ist infolge Unterspülung durch Regen ganz vom Erdboden verschwunden. Die Kathe­drale sowie alle Häuser sind verschwunden. Die Zahl der Opfer ist bekannt.

Der Refetenteueutwurf zum Reichsbahnfinanzgeseh ist von einer größeren Anzahl hervorragender Sachver­ständiger eingehend erörtert worden. Der Entwurf wurde einem kleineren Ausschutz überwiesen.

Die Verhandlungen über die Frage der Besoldung der Reichsbeamte« werden fortgesetzt. Zunächst wurde die Frage der Entlohnung der Arbeiter erörtert. In der allgemeinen Aussprache wurden Vergleiche gezogen zwischen den Löhnen der Industrie und der Eisenbahn- verwaltung.

Umfangreichen Lebensmittelkartenschiebungen ist man beim Schöneberger Magistrat auf die Spur gekom­men. Die jahrelangen Schiebungen brachten den Schul­digen Millionenbeträge ein.

Rolßenaus Erklärungen In Cannes.

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tionskommission, die fast vier Stunden darrte, empfing Dr. Raihenm» den Korrespondenten desB. L A, omn er sagte, er habe tu der Sitzung erklärt, saß die deutsche Regierung bereit wäre, die Sanierung des deutschen Budgets so schnell als möglich in die Wege z« leiten, «nd daher die staatlichen Zuschüsse zur Verbilligung wichtiger Lebensmittel, besonders des Brotpreises, ein» stellen werde." Um eine unnötige Ve.wendung fremder Devisen für den Einkauf von Luruswaren zu verhin­dern, wäre Deutschland bereit, seine Grenze» gegen die Luxuswareneinfuhr zu sperren glaube aber,»datz die Durchttihrnng einer solchen Maßnahme deutscher,eits auf den starken Widerstand der ausländische» Erport- industrie stoßen werde. Auf die Frage der Nepa^twns- kommisston, ob Deutschland die von ,hm geforderte Summe, die nach dem Londoner Protokoll letzt 8« leisten wäre, zahlen könne, erwiderte Dr. Rathenau, daß die deutsche Regierung vielleicht in der Lage sei, diese Summe aufzubringen. Jedoch würde ^ürch die Heran­ziehung der letzten Hilfsquellen das deutsche Wirtschafts­leben vollkommen aus dem Gleichgewicht geworfen wer­den. Dr. Rathenau betonte znm Schluß, daß die deut­sche Oeffentlichkeit gut daran tue, die vielen aus Cannes verbreiteten unkontrollierten Nachrichten mit größter Zurückhaltung aufzunehmen und die weitere Entwicke­lung der Dinge in Ruhe abzuwarte«.

Weiter wird uns hierzu gemeldet:

-»Ca«nes. (F. G. A.) Die Reparationskommission hatte sich am Mittwoch nachmittag um 5 Uhr in Cannes

unter dem Vorsitz ihres Präsidenten Doumer veriam. Melt, um die Ausführungen Dr. Rathermus über die ge­genwärtige finanzielle Lage Deutschlands anzuhören. Die Ausführungen Dr. Ratheimus waren sehr lang. Die Sitzung war erst um 9 Uhr abends zu Ende. Der Korrespondent desPetit Parisien" teilt mit, Dr. Ra- thenau habe erklärt, Deutschland könne nicht mehr als 200 Millionen Goldmark im Jahre 1922 zahlen, und zwar davon 80 Millionen Goldmark am 15. Januar und 90 Millionen Goldmark am 15. Februar. Der Rest von 30 Millionen Goldmark soll später bezahlt werden Außerdem verlangte Dr. Rathenau, vom Obersten Rat gehört zu werden. Diesem Gesuch soll stattgegeben werden.

Keine Diskussion.

»^ Basel. (S. C.) DieBasier Nachrichten" melden aus Cannes: Der englische Premierminister erklärte sich damit einverstanden, daß eine, Diskussion mit den deut­schen Vertretern über die ihnen vorgelegten Fragen nicht stattfinden soll. Der französische Ministerpräsident er­klärte, die Haltung der französischen Kammer lasse es sticht zu, Deutschland über den 1. Mai hinaus Zahlungs- erleichterungen zu bewilligen. Die Pariser Presse er­örtert die Möglichkeit eines Sturzes Briands, falls er auf der Konferenz in Cannes keine weiteren ZugestLnd- nise erhalte.

Offenheit desMaiin".

^ Paris. (B. T.) DerMatin" glaubt, daß noch nie­mals und in keinem Lande der Welt, der Leiter einer Regierung gezwungen wurde, Verhandlungen von größ­ter Wichtigkeit im Stich zu lassen, um vor dem Parla­ment Erklärungen abzugebem Die Engländer, Ameri­kaner und Italiener in Cannes hätten den Vorgang ein­fach nicht verstanden. Es sei bereits erzählt worden, daß die Regierung in der Kammer in der Minderheit geblieben sei und deshalb Briand zurückbernse« habe, um das Kabinett z« verteidigen. Auf der Konferenz herrsche starke Sorge. Wenn die Autorität eines Staats­mannes, wie Briand, plötzlich so bedroht werde, flirte sie selbst Bedenken haben, ob mit Frankreich überhaupt Nützlich verhandelt werden könne.

England gegen weitere Zugeständnisse.

»Basel. (S. C.) Der Vasler Anzeiger" meldet aus Cannes: In den Kreisen orr ^englischen Deiegurrou herrscht Opposition gegen irgendwelche weiteren Zuge­ständnisse an Deutschland. Curzon und Hörne haben sich für die Ausdehuuug der Kontrolle durch die Alliierten auch auf die deutsche« Berkehrsei«nahme«, wie Eiss«- bah« «nd Post ausgesprochen.

Die Kammer a« Briand.

»Parts. (S. G. A.) Der Vorsitzende der interfrat* tionellen Gruppe der republikanischen Linken der fran­zösischen Kammer telegraphierte in: Namen der 240 Mit­glieder der Gruppe an den französischen Ministerpräsi­denten in Cannes, daß die französische Regierung obus jede Schwäche der französischen Fordernngen an Dentscy» rand eintreiben müsse. Der Ausschutz könne versichern, datz die französische Kammer niemals einen neuen Plan ratifizieren werde, der Frankreich und Belgien zum. Nachteil gereiche, auch nickt in der Form eines Mora­toriums. Außerdem dürfe der Plan eines englisch-fran­zösischen Bündnisses niemals zur Bedingung haben, datz Frankreich irgendeine Wiedergutmachungsforderung aufgeben solle, auf die es durch Verträge ein Recht habe. Insbesondere gelte das für territoriale Pfänder.

Die Forderungen des Senats.

»Paris. (F. G. A.) Der Senatsausschuß für aus­wärtige Angelegenheiten hat unter dem Vorsitz Poin- carees eine Sitzung abgehalten. Nach eingehender Prü­fung der Lage, wie sie durch die Konferenz des Obersten Rates in Cannes geschaffen wurde, hat sich der Ausschuß entschlossen, und zwar mit Einmütigkeit aller 25 Sena­toren, folgendes Telegramm an den französischen Mini­sterpräsidenten zu senden: Der Senatsansschutz ist der Ansicht, datz der wirtschaftliche und slnauzielle Wieder­aufbau Frankreichs eine der wesentlichsten Bedingungen für den Wiederaufbau Rußlands ist, 2. daß die Repara­tionen, auf die Frankreich Anspruch hat, unangetastet bleiben müssen, daß weder eine Reöukiion noch eine Ab­änderung des Zahlungssystems vom 5. Mai angenom­men werden darf, 3. daß das belgische Prioritätsrecht nicht erschüttert werden darf, 4. Frankreich wird nur au der europäischen Wirtschaftskonferenz teilnehmen, wenn es die Voraussetzungen für die Sicherheit erhält, datz alle seine Rechte respektiert werden, ö. der zwischen Frankreich und England diskutierte Vertrag muß »ine? Garantie für Frankreichs Sicherheit bieten.

Amerika «W die Wirtsckaftskonferenz.

»Paris. Nach einer Meldung desNeuyork Herald" scheinen die amerikanischen Vertreter in Cannes über eine Beteiligung der Vereinigten Staaten von Nord­amerika an der europäischen Wictschastskonferenz jetzt doch Bedenken zu haben, nachdem bekannt geworden ist, daß eine unmittelbare Beteiligung von RegierungSka- vital vorgesehen ist. Da der Plan der Gesellschaft für den Wiederaufbau Rutzlands auch das gesamte russische Transportwesen umfaßt, muß erst eine Verständigung mit den zuständigen Stellen in Amerika Herbeigeführt werben.

Politische Nachrichten.

» Die neuen Steuern. Wie derVorwärts" hört, hat der Vorstand des Allgemeinen DeunKen Gewerkschafts- Hundes sich erneut mit dem Erstürm u den Reichs- sondier eine Entscheid« ng in Zonbere über die Erfassung der Sachwerte bald herbeizusübren. Die Erklärung des Ministers Dr. Hermes im Steueraus­schutz, eine Erweiterung des bisher vorliegenden Regie- rungsprogramms sei nicht wünschenswert, ist lautVor­wärts" nur als eine persönliche Auffassung zu betrach­ten. Eine Festlegung des Reichskabinetts in die,em Sinne besteht nicht.

»^Schluß des Parteitages der Unabhängigen. Die U. S. P. Leipzigs verunstaltete am Mittwoch abend eine Schlutzkundgebung für die Einigung des internationalen Proletariats. Alle Redner forderten znr Einigung des internationalen Proletariats und zum Kampfe gegen die kapitalistische Gesellschaft auf. Stürmischen Bestall ern­teten insbesondere die französischen Dele« ' ' mal als Grumbach den AbgeordnetenAuf eben zurief.

Währe«- die Koste« des Reichstages 29 Mut, Mark Betragen, belaufen sich die Ausgaben für den Preußischen Landtag auf 24 Millioien Mark. Hiervon entfallen 12 Millionen auf Aufwandsentschädigungen der Abgeordneten, 6 Millionen auf Beamtengehälter, 5 848 00 aus sachliche Ausgaben, der Rest auf einmalige Ausgaben..

Der Liebe ewiges Licht.

Roman von Erich Friese«.

2K ^Nachdruck verboten^

^Holls der Kurkuck, ja du hast recht!" schreit der A-lte, mit der geballten Faust auf den Tisch schlagend, io daß diePrachttropseu" erschrocken über den Rand des Glases laufen. »HE der Kuckuck, wo ist die Feder? Gib her! Und nun diktiere! Los!"

Der schwere Wein und Mamsell Töuuesens wohl- bere^rete Worte sind ihm zu Kopf gestiegen. Blau­rot im Gesicht vor Aufregung beugt er sich über den Bogen, die eingetunkte Feder zwischeu den dicken Fingern.

Nnd Mamsell Tönnefen diktiert: Madame!

Entschuldigen Madame die Freiheit, mit der ich an Sie schreibe. Meine Anhänglichkeit an die Familie Helgeländ, der ich seit vierzig Jahren treu diene, (treibt mich zu diesen Zeilen, Die Madame hoffentlich bei bester Gesundheit ant reffen. Als alter Diener auf Schloß Askö bin ich nichj in Unkenntnis über das Zer­würfnis geblieben, das zwischen Madame und meinen Herrn gekommen ist. Aber ich müßte kein Gewissen im Leibe haben, wenn ich länger schweigen wollte. Und so ergreife ich denn die Feder, um Madame un­tertänigst etwas mitzuteilen.

Meister Wybrands Tochter, die Marquise de La- vallisre, ist vor etwa acht Monaten hierher zurückge­kommen. Und sie und ihr alter Hexenmeister von Vater spielen jetzt auf Schloß AÄkö die Herren. Unser guter Herr Gunnar Madame wissen ja, wie er ist ist diesen Höllenkünsten natürlich nicht gewachsen

Wie die Geschichte enden wird, kann niemand i issen. Aber was alles hier passiert und worüber wir ?che» D^nftbojcu Sie ^rfe schütteln» davon darf

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ich nichts schreiben, weil es für ihre Ohre« wohl nicht paßt."

Mt seiner derben, eckigen Schrift Hot Klaotzen statt drauflosgeschriebe«. Jetzt blickt er enttäuscht auf.

Nichts von dem Kellerschlüssel, Stine? Das ist doch die Hauptsache."

Blödsinn!" wehrt dieser brüsk ab.Nun unter schreib!"

Und nach unterdrücktem Murren bequemt der Alte sich dazu, den Brief als bereits beendet anzusehen und i ihm mit genialem Schnörkel seinen Namenszug an : zufügen. i

Halt, noch eins!" ruft Alainfell Tönnefen, als er I tief aufatmend und schweißtriefend die Feder hinlegt.

Noch ein Postskriptum!"

Und sie diktiert aufs neue:

,^ch hoffe aller untertänigst, daß Madam es Sohn wohlauf ist. Wir hatten alle große Freude, als wir ! Von der Geburt des jungen gnädigen Herrn hörten.

Bis vor kurzem iwch hatten wir gehofft, ihn später einmal als Schloßherrn hier zu sehen. Jetzt freilich müssen ivir unsere Hoffnung wohl begraben"

Mamsell Tönnefen überlegt, ob sie sich noch weiter über den Gegenstand auslassen soll.' Ihr Instinkt sagt | ihr jedoch, daß kurze Andeutungen wirkungsvoller sind, : als lange Erklärungen.

Sie läßt deshalb den Alten nur noch einen langen Gedankenstrich machen, faltet den Bogen zusammen und holt ein unförmig großes Kuvert hervor.

Nachdem auch die Adresse geschrieben und der Brief wohlverschlossen und mit einer Marke versehen ist, steckt ' sie ihn eigenhändig in den Postbeutel, den Jan jeden ; Abend zum Postamt im nächsten kleinen Ort schaf j fen muß i

Der alte Sven Maaßen aber stürzt hastig den Rest ; Burgunder die Kehle birmb. Er ist sich nich-t ganz klar . ; darüber, ob er wiMtzh soeben ein gutes. Werk getan ' hat ober nicht, *

7.

In voller Pracht erstrahlt die duickelglühevde, tief- hängende Mitternachtssonne über Schloß Askö. Am Horizont orangefarbene Wolken. Das Meer ein geister-- haftes Gewoge von bleicher Schieferfarbe. Wie matter Perlenglanz liegt es. über den Felsen.

An ihrem Erkerfenster steht Ebba und schaut mit glänzenden Augen hinaus in diesen nächtigen gelb- sisbern-fchillernden Mürchenzauber.

Sie ist ein echtes Kind des Nordens. Sobald die abendlichen Nebelschleier sich von den Felsgipfeln ge­trennt haben und aus safrangelber Beleuchtung die nordische Königin der Nacht in ihrer ganzen Majestät emporsteigt, senkt sich eine weihevolle Stimmung a sie herab. Dann ist ihr, als ob in ihrem J. mi he>. liche Quellen springen, als ob leise Lieder klingen und jauchzen als ob ihre Seele tiefe Wunder birgt, die der Erlösung harren . . .

Auf Schloß Askö verschieben sich gewissermaßen die Zeiten von Tag zu Tag. Zumeist in der Nacht ist es, da die beiden Einsiedler, der alte wie der junge, neu aufzuleben beginnen der Alte hinter seinen Retor­ten und Phiolen, der Junge hinter seinen Teleskopen.

So hat auch Ebba sich daran gewohnt, wenigstens einen Teil der Nacht zum Tag zu machen und ent nieder dem Vater unten in seinem Laboratorium ober Gunnar oben auf seiner Sternwarte Gesellschaft zu leisten.

Auch heute, in einer herrlichen Julinacht, denkt sie noch m$t daran, sich zur Ruhe zu begeben Ihr Tage­werk in Küche und Keller ist vollbracht, da? Dienst­personal für heute entlassen. Jetzt hinab zum Labora­torium.

Beim Eintritt sieht sie sofort, daß Meister Wybrands nicht anwesend ist. Nur Luzifer kauert schnarchestd in seinem Winkel, und diegegangenen Seelen" in den Retorten summen i r ? , Zmni.wollen Monologe.

(Fortsetzung folgt.)