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Schlüchterne

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Kreisblatt

: Erscheint 3mal wöchentl. Drahtanschr.: Kreisblatt Tchlüchtern. »Druck u. Verlag Fa. C. Hohmeister, Schlächtern. Berantwortl. ;Schriftleit. H.-C. Hohmeister, Schlächtern. Geschäftsstelle Drei- »brüderstr. 9. Im Falle höherer Gewalt, Betriebsstörung ob. z Stromsperre erlischt jede Verpflichtung aus Schadenersatz.

Amtliches Organ für Stadt und Kreis Schlüchtern

AUerkei vom Tage.

Die Fi«a»zmi«ister der Länder traten im ReichS- kinüiizniinisterium zusamnien, um über die Forderungen L Ramien zu verhandeln.

8 Av dem Arbeitsplan des Reichstages hat sich bis- ber nichts geändert. Wahrscheinlich wird das Plenum nickt vor dem 19. Januar zusammentreten.

Das Reichsschiedsgericht hat den Einspruch des Rtichsfnanzministers gegen die Eingruppierung der Gewerbe- und Handelslehrer, sowie der Handelslehre- ^""^e^leiten^n^iedakteure der größte« Blätter Ober­schlesiens sind zu einer Besprechung mit Calouder nach Beuthen eingeladen worden.

Landrat Graf Abelma«« von Adelmannfelden ist MW Regierungspräsidenten in Köln ernannt worden. 6 Die Zahl der Arbeitslosen i« Großbritannien be- mtö am. Dezeu'ber 1 882 000, das sind 71590 mehr als am 23. Dezember.

Eavves.

Die deutsche Aborlumsg begibt sich «ach Ca««eS.

*»Mr aus Paris gemeldet wird, ist die deutsche Abord- mmg aufgefordvet worden, sich am Dienstag nach Can­nes zu begehen.

700 Mtlltoue« Goldmark bis z«m 1. Mai.

.»Der Pariser ^Jntrausigeaut" gibt Einzelheiten über dir Wiederherstellmmssrage. Bis zum 1. Mai 1922 toste Deutschland TOT Mmivue« Goldmark au zahlen, wodurch sich seine im laufenden Reparationsjahr gelei­steten Zahlungen auf 1700 Millionen Goldviark belau­fn würden.

Das Garantieabkomme«.

»»Aus Ca««es wird gemeldet: Bei dem Frühstück am ' Momag wurde neuerdings der fra«züstsch-e«s!ische Ga- . rantievertrag erörtert. Es ist bezeichnend, daß die <yran«= zpsen in ihrer Abfassung statt das Wort Biindncs (HUi- anz) das Wort paete de garantie benutzen. Die Teil- i nähme Italiens an dem Garantiepakt kann als gesichert t gelten.

EinsiMünknng des Wiesbadener All- BMS«S.

: »* England hat dem Wiesbadener Abkommen unter sol- : genden Bedingungen zugestimust: 1. Die Endsumme der ' unter dieses Abkommen fallenden Leistungen von sieben - Milliarden wird gestrichen. 2. Das Abkommen erhalt eine Gültigkeit von drei Jahren. 3. Im ersten Jahr : darf Deutschland an Frmrkretch Lieferung von nicht mehr als 1250 Millionen machen, im zweiten und dritten Jahr von nicht mehr als je 1500 Millionen. Frankreich nimmt diese Bedingungen am

Verleg««« des Garantiekomitees nach Sei Hu.

^ Telegrammen aus Canucs zufolge stimmten die Fi- uanzrninister der Verlegung des GarantiekouifteeS nach Berlin zu.

Rußland nimmt die Einladung am

»»Aus Cannes wird telegraphisch gemeldet. daß die. russische Sowjeiregierung die Eiuladuna der Mächte zur Teilnahme an der cuternationale« Wirtschaftskonferenz tu Genua angenommen hat.

Die Neutralisierung des RheinlandeS.

»»Der Garantievertrag zwischen Frankreich, und Eug- lsnd würde auch, wie aus ffamieß <ymu*lhin wn h nie.

3«am!msaMMBMmKMMtiS£äMgMiM^^

Donnerstag, 12. Januar 1922

Neutralisiern«« des Rhetnprovinz bedeuien, wonach mi- litärische Maßnahmen in den Rheinlanden als Casu» PeKt betrachtet werden sollen. Weiterhin macht Frank­reich mit dem Abkommen zweifellos Zugeständnisse hin­sichtlich der Einschränkung seiner Landarmee «nd in der jcknterseevootfrage.

* Zur Ernennung der dentschen Delegatiom »»LautSägt Runösch." haben der Generaldirektor von Krupp, Wiedfeld und der Generaldirektor der Ham- burg-Amerika-Linie, Cuno, die Einladung zum Emtritt in die deutsche Delegation nach Paris abgelehnt.

Amerikas Stellung zur Wirtschaftskonferenz.

Nach einer Meldung derChicigo Tribune" aus Washington, ist offiziell mitgeteilt worden, daß die Ein­ladung der Vereinigten Staaten zur Konferenz oon Genua durch Vermittelung des BoMasters Harveo ein­gegangen sei. Präsident Hardinä und Staatssekretär Hughes dürften in den nächsten Tagen die Einladung beraten und in Kürze werde auch das Kabinett mit der Angelegenheit beschäftigt werden. Eine m Wachmgwn verbreitete Ansicht geht dahin, daß die amerrkamiche Ha - tung gegenüber der geplanten Konferenz von Genua be­reits auseinandergesetzt worden sei m der letzten Bot­schaft des Präsidenten an den Kongreß. Die Rede de» Ministerpräsidenten Briand auf der Abrüstungskon­ferenz über die Notwendigkeit, daß Frankreich eine große stehende Armee unterhalte, habe die allmahllche Heraus­bildung der Pläne der arnerikanismen Regierung, Eu­ropa zu unterstützen, merklich verlmrgtsamt.^ Für die Vereinigten Staaten fei es nach dieser Anstcht nutzlos, mit den verschiedenen künstlichen Hilfsmitteln, die nn die Besserung der europäischen Verhältniße vorgefchla­gen wurden, weitere Versuche zu machen, falls nickst die ' Ursache« des Darniederliegens des europäischen Wirt­schaftslebens beseitigt würden. Der wirtschaftliche Wiederaufbau Europas würde sich nach Ansicht von Per­sönlichkeiten, die augenscheinlich für die Regierung spra­chen, rasch wieder einstellen, wenn Frankreich und andere Nationen ihre militärischen Sireitkrafte abdante« und wenn die Reparationsiorderungen der Alliierten abgebaut würden. Nachdem nunmehr die offizielle Ein­ladung nach Genua eingegangen ,et, würden wahr- s^etrilitb Anweisungen dieser Art an den Botfchaiter

läduna nach Genua eingegangen scheinlich Anweisungen dieser Art

VUiU<V getzLA.

Der Kamps um die neuen Steuern, e* DieD. A. « " teilt mit: Am Dienstag finden die für das eveutl. Zustandekommen eines Steuerkompro-- Misses ausschlaggebenden Besprechungen zwischen dem Reichsfinanzminister Dr. Hermes und den Partecfuh- rern statt. Die Reichsregiecnng vertritt den Standpunkt, ihre Austimmung 5« dem Ergebnis der ersten Lesung der neuen Steuergesetze versagen zu müssen. Innerhalb der Koalition gipfeln die Hanptgegensatze Mischen Zen­trum und Sozialdeuwkratie vornehmlich in der Erfas- sung ^r Sachwerte «nd der Bestenerung der Grund­stücke nach dem gemeinen Wert oder dem Ertragsmert-

Nochmals ei« Rotopfer?

»»LautB. T." hat Reichskanzler Dr. Wirth Montag abend die Parteiführer zu sich geladen, um die Steuer- frage mit ihnen erneut zu besprechen. Bei den Verhand­lungen über das Steuerkompromitz spielt^ die Erfassung eines weiteren Teiles des Reichsnotopfers eine wesent- liM Rolle. Der Prozentsatz und die weiteren Modali­täten sind dabei noch eine offene Frage. Der Gedanke

74. Jahrgang

r-------l.J-lll.BBBBaüBi»»!- eines große« Blockes von der Deutschen Voltspartei ms zu den Mehrheitssozialdemokrate« ist vom Kanzler noch nUA ausgegeben worden.

Der Vertrag von Lava.

Erst jetzt ist das zwischen Oesterreich und Tschechien zustaudegekourmene Abkommen von Lana tu seiner gan­zen Ausdehnung bekannt geworden, und schon ertönen von der Donau Entrüstungsrufe schärfster Art, die in dem scheinbar aus parteipolitischen Gründen und aus Angst vor der habssburgtschen Restauration heroorge- gangenen Vertrag eine Hintergehung aller großdeutschen Bestrebungen erblicken. Oesterreich ist damit wenn auch nicht formell, sodoch tatsächlich ein Mitglied der kleinen Entente geworden, die namentlich durch Tschechien und Rumänien einen nicht gerade deutschfreundlichen Cha- rakter trägt. Zudem ist zu bedeuten, daß der Nationali­tätenstaat der Tschechv-Slowakei, der das. unglückselige Erbe der habsburgischen Monarchie angetreten hat. seine künftige Politik auf rein imperialistischen Grundlagen aufbauen wird. Tschechien ist und bleibt ein Herd ewi- aer Unruhen in Mitteleuropa, und wird daher nach alt bewahrtem Muster stets den Versuch machen, durch Ercp Kheluiig von Kriegen die ausetnanderstrebenden Kräitz m seinem Innern mit Gewalt zusannnenzrchalten. Jr diesen Kurs muß nun Oesterreich nach dem Vertrag voy Lärm wohl oder übel hineintreten, wir^ die deutschfeind. liche Politik von Prag mitmachen, und u.st seinem uugcv rischen Nachbarstaate in steter Feindsä>u leben müssen, Daß hinter der ganzen Aktion französisches Kapital steckt, das läßt sich nicht länger verheimlichen. Das Abkommen das Oesterreich mit Tschechien abgeschlossen hat, bestes fast im gleichen Wortlaut zwischen Tschechien und Poletz auf der einen und Polen und Oesterreich auf der ande­ren Seite. Es wäre Sache der deutschen Politik gewesen, vier Schritte einzuleiten, um einen Akt zu verhindern, der gegen den ausdrücklichen Willen der Mehrheit des deutsch-österreichischen Volkes in Szene gesetzt wurde, gegen den Willen von mindestens 6 Millionen Deutsch- Oesterreichern, die augenblicklich gegen die Geheimdiplo- matie des Staatsministers Dr. Renner Sturm laufen. Es handelt sich ja im Grunde um ein cheimabkommen. denn die politischen Parteien.auf die fim die a^aenwä^ tige österreichische Regieruns. stützt, hatten von der itü^ weite des Abkommens, das rein wirtschaftlicher Natur sein sollte, nicht die leiseste Ahnung. Das ist wahrlich kein demokratisches Vorgehen, das darf in einer demo­kratischen Republik, wie sich Oesterreich durch den Mund einiger offizieller Vertreter so gern nennen läßt, nicht vorkommen. Das Abkommen ist aus 5 Jahre geschlossen worden und kann nach drei Jahren gekündigt werden. Wie stellt sich Deutschland zu dieser für uns uns für Oesterreich gleich unliebsam, ja gefährliche Entwicklmm? Hat man es bis jetzt nicht verstanden, das Wiener A? - wärtige Amt vor einem unverantwortlichen ~britt zu- rückzuhalten, so muß es i;'ht wenigstens ' abe sein, den ehrlichen Bersury zu machen, Vers iuuue» wie­der nachzuholen.

Neuer Kurs in Ungarn.

In einer Parteikonferenz der christlich-nationalen Bereinigung hielt Graf Avdrassy eine Rede, tu der er seine Rolle während der zweiten Rückkehr Karls zu er- klären suchte. Er behauptete, daß, wenn das Land einig Gewesen wäre, hätte die Et:. e der.Nation nicht mit- MWMMMMMMMBMMe»^^

Der Liebe ewiges Acht.

Nv-mau von Erich Friese«.

M jNachdrnck verböte«.

,3a fa der stammt noch von dem alte« ErÄ von Helgelarrd, Herrn GunnarS Großvater ... er hat ch» selber abgezogen . . War ein flotter Stert, der Herr Erik hihihi! Der verstand $n lebe«, wie er fung war.....Der hatte doch wenigstens Bl«t tm KSrper j während unser jetziger Herr brrr!"

Und er stürzt de» Rest des Glases hrnuntcr.

Mamsell Tönese« beobachtet den Alte« scharf unter s halbgeschkoffene« Lidern hervor. Sie weiß, daß der schwere Wein durch seine morschen Ader« wie Feuer : rinnt und ;en alten ©Hebern für kurze Zeit eine Art ' von Spannkraft vortänscht.

Darauf baut sie ihren Plan.

9hm bist du wieder dn selbst, mein guter Maaße»,flötet sie, ihn zärtlich anblickend. Noch ew paar Wochen mit dem essen Gesöff dort" verächtlich deutet sie auf die leere Bierkanneund d« wärst nn# mugefallen wiene matte Fliege. Und z« wissen, daß der ganze Keller voll von de« guten Tropfen ist »ich nichts mehr davo« für dich alles nur für den alten Schmarotzer da unten in seiner Hexenküche und seine kluge Frau Tochter"

St der Kuckuck'."

,3a. Hof sie der Kucknck?"

Nach diesem drastische» Ausdrnck ihrer Gefühle für Ebba und ihren Kater verschwindet Mamsell Tönne- im aufs neue fiir ein paar Augenblicke, um mit einem dashzerbrochene» Dinierffaß, einem Federhalter und einem großen Krieffwgfn zurückzukeyren.

Das alles baut sie sorgsam vor dem Alte« auf.

Daiin raunt sie ihm lotse, geheimnisvoll, mit wich­tig emporgezogenen Augenbraue«, ins Obr:

»Möchtest d» die Kellerfthksissel zurück hab«, Maaße»? "

Mtt oflesem Munde starrt er sie a«.

^Ww? Was?"

.Ich meine, ob d« dte Koude He« da unten weg habe« möchtest, die des ganzen Burgunder für ihre» alten Vater aufbewahrt?"

.DaS schon. Aber*

^Gut. Dann schreib, wcrs ich Mr diktiettff'

^ch versteh' Nicht"

.Ist anch nicht nötig. Schreib nur! Und danach trinW du den Rest dort a«s. Vorwärts!"

Mit einem zärtlich verlangenden Blick auf die Flasche fetzt der Alte sich zurecht. Schrverfällig taucht er die Feder ein «nd legt feine fette Linke auf den Briefbogen.

.Na ? An wen soll ich schreiben?"

An" Mamsell Tönnesen blickt sich vorfichtia nach allen Seite» umtm Madame Karin von Solvegk"

.An Madame Karin? . . . Die Schwester von unserm gnädigen"

Die Feder ist seinen Finger» entglitten und hat auf dem Roge» einen dicken Tintenklecks gemacht, den Mamsell Tönnesen rasch mtt der Zunge anffangt. Sein rotes Geficht zeigt einen konsternierten, fast hilf­lose» Ausdruck. Es ist wahr: seit vielen Jahren hat Sve» Klaaße« seine» Herr» bestohlen, wo es nur ir­gend anging7 trotzdem t» einem verborgenen Win­kel seines fkrnpeAose« Herzens glimmt noch ein Funke von EhrgcffM »Nd Anüänglichkeft an den jun­gen Schloßhemm, den er vom Tage seiner Geburt an kennt und der stet- höflich und frenndlich zu ihm war. Auch er hatte dam«M etwas munkeln hören von einer tödlichen Bekeidig««g, die Eyoff von Solveg, der da­malige intim« Frean-b S^rnuar von Helgelands, die­sem angetan^ . . M auch ^hört, daß dessen Schwe­ster, Mt st« EyWff ww Sov-e« geheiratet, nicht

- mehr das Schloß betrete» durfte; . . . hat mimte in höre«, daß Herr» Gunnar die Nachricht mm der Ge­burt eines Kindes, dir fein früherer Freund und fanget Schwager ihm zukommen ließ, mtt eiftgejr; Schweigen ausgenommen und den Brief gleich daraus zerrisse» hatte----

And unter dem Einfluß dieser Erinnerunge« blickt! er unwillig auf Mamsell Tönnesen, die mit undurch­dringlicher Miene, hinter der sich brennende Erwar­tung verbirgt, neben ihm steht.

An Karin von Helgeland ich meine an Madarue i Solveg schreiben? Stein nein, Stine! Das m^ i ich nicht."

Ein häßliches Lachen verzieht Mar ell Tönnele.

: schmale Lippen, und in ihren Augen funkelt es l. .- haft auf. Doch rasch steckt fte wieder die T^ ske gleich mütiger Uederlegenheit vor.

Na, den« nicht! Sieh meivethalken ruhig zu, w.e der Hexenmeister mit seiner sauberen Doch er da nn^ ten nicht nur all unferu schönen Wein au- trinkt, fvi^ dem auch unsern armen Herrn Gunnar umgarnt, der in seiner Gutmütigkeit natürlich nichts davon merkt, bis es zu spät ist!"

Mamsell Tönnesen hat ihre Worte gut gewählt Das rote, feiste (Hesichi da vor ihr zeigt bereits mehz Verständnis für ihre« Plan. Jetzt gilt es^de« Trumoi ausznftiielen.

Es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann r»A alten treuen Diener alle fortgejagt werden, wie ivM Hunde! Und wer sorgt dann für unfern armer trw geleiteten Herrn dort oben? Unbarmherzig R H dem Hexenmeister nnd seinen todbringenden sie-« ausgettefert. Wer weiß, was da alles noch m. /rtd

I (Fortsetzung folgt)