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Schlucht

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Nr. 4

Kreisblatt

erscheint 3mal wöchentl. Drahtanschr.: Kreisblatt Schlächtern )rud u. Verlag Fa. C. Hobmeister, Schlächtern. Verantwort! Schriftlcit. H.-C. Hohmeister, Schlächtern. Geschäftsstelle Drei ^rüderstr. 9. Im Falle höherer Gewalt, Betriebsstörung ob Stromsperre erlischt jede Verpflichtung aus Schadenersatz

Amtliches Organ für Stadt und Kreis Schlüchtern

Januar 1922

Mlevßer von» Xoge.

^Der zu fünf Jahren Festung verurteilte Herr von

Jagow hat einen 14tägigen Urlaub beantragt imt der Begriwkulng, daß er dringende wirtschaftliche Angele­genheiten zu ordnen habe. !

Das Hauptorgan der Demokratischen Partei Pommern, dieStettiner Cftfeeseitung", ist nach Blat- termelöungen an ein Konsortium der Deutschen Vvil»- partei verkauft worden.

Das Anftreten der Sowjetregiernnagegenüber Finnland nimmt verletzende Formen an. Mosiciu for­dert in schroffem Ton die Abreise der mimichen ,Jucht- lingskommission aus Petersburg innerhalb 24 Stunden.,

Die Kohlenförderung im Ruhrgeblei hat im Ver­gleich zum letzten Jahre zugenommen. Sie betrug vom 1. Januar 1921 bis Ende Dezember 19Ä ungefähr 94 Millionen Tonnen gegen W,26 Millionen im Bvriah^e.

Erster Tag in Cannes.

Lloyd Georges Vorschläge für den europäische« Wiederanfba».

** Ueber den Verlauf der ersten Sitzung der Konferenz in Cannes wird gemeldet: Die Konferenz trat vormit- rags 11 Uhr unter dem Vorsitz Briands zusammem Nachdem der Borsttzende die Delegierten begrüßt hatte, begründete Lloyd George in einer großen Rede, den Vorschlag für Den wirtschaftliche» Wiederanfba« Euro­pas. Er sagte, daß das Schicksal aller Nationen Europas eng miteinander verknüpft sei. Besonders die Lage Ruß­lands übe ihre Rückwirkung auf die ganze Welt aus. Lloyd George schlug vor, eine internationale Konferenz mit Etttschlnß Dentschlands »nd Rußlands zusammen- treten zu lassen. Die Sowietregierung müßte allerdings Garantie» bieten. Vor allem müsse man die Auerkeu- »uag der Schulde» der früheren russischen Regierung verlangen. Der italienische Ministerpräsident Bonomi erklärte im Prinzip sein Einverständnis. Auch der bel­gische Delegierte Theunis gab eine Erklärung ab, die dem englischen Vorschlag durchaus günstig ist. Der fa« panische Delegierte erklärte, er nehme die Stele zur Kenntnis. Briand, der sodann das Wort ergriff, drückte seine grundsätzliche Zustimmung aus und legte besonde­ren Itachdruck auf die von Rußland zu erlangenden Ga­rantien.

Am Nachmittag wurde der Entwurf des Planes in -e» Einzelheiten besprochen. Der Plan sieht die Einbe­rufung einer internationalen Stonferetu in aller Kürze vor. Die hauptsächlich interessierten Mächte mit Ein­schluß Deutschlands imd Rußlands sollen eingeladen werden. In Konferenzkreiseu wird als Verhandlungs­ort Prag genannt. Der Seitnunft steht noch nicht fest; jedoch nimmt man an, daß die Konferenz fchon im Fe­bruar zusammentreten dürfte.

Die Richtlinien der Borschläge.

- Noy- George hat im Anschluß an seine Rede eine Zusammenfassung seiner Borschläge in Form einer Re- wlntio» vorgelegt. Die Borschläge enthalten folgende Richtlinien: Alle Stationen sollen durch ihre Minister­präsidenten vertreten sein. Dann führt Lloyd George in seiner Resolutton weiter aus, daß es notwendig sei, die Hilfsmittel eines jeden Landes auf das größtmög­liche Maß z« entwickeln. Deshalb fei es notwendig, Die Hm-errttsse, die den internationale» Handel einschrän- keu. au vekeitiaen. Es seien jedoch aeruisse GarMitrcrr nn-

Der Liebe ewiges Licht.

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Edda aber ist es, als sei mit dem heutigen Tage die Morgenröte eines neuen Lebens für sie «nd Garn- nar aufgegangen.....

Da draußen vor dem GewächsHa Rascheln von Frauenkleideru. Und hastW

Edda öffnet die Tür zum Kräutergarten.

rier einem dichten Gebüsch jenseits des Zaunes, Mamsell Tönnesen hervor, die ersichtlich nicht anfällig in der Nähe war, sondern geläufig hatte. Mit gemachter Geflissentlichkett Ebbas Erröten igno­rierend, knixt sie unterwürfig vor Gunnar und ist gleich darauf, ohne noch einen Blick rückwärts zu wer­fen, im Schloß verschwunden.

Leises Frösteln befchleicht Ebbg. Das ausjubelnde Giücksgesichl, das noch soeben ihr ganzes Sein er­füllte, ist wie mit einem Schlage einer beängstigende» Empfindung gewichen, über die sie sich keine Rechen­schaft abzutegen vermag.

Rasch verabschiedet sie sich von Gunnar und eilt mit ihrem kostbaren Schatz, den Blättern und Blüten desEuphrosynum", nach dem Laboratorium.

6.

Der alte Sven Klaaßen, seit Jahre» Kellermeister auf Schloß ASkö, hockt auf einem Stuhl in der Ecke der großen GesindezirnmerL. Sein fettes Doppelkinn hängt auf die Brust herab, und die flehten, trüben Augen schielen mißvergnügt nach einer Kanne auf dem Tisch vor ihm.

Der Anblick eines unförmig dicken Menschen mit weitroter Nase unb Schmerbauch ist allenfalls zu er­tragen, wenn diese Ueberfülle an Fett und Gesichts- sarbe von Jovialität .und auter Lauru» begleitet ist.

entbehrlich. die aber keineswegs die Souveränität oe«

beteMgten Staaten berühren werden. Es solle keine Einmischung in ihre nationale Wirtschaft stattsinden. ES solle Freiheit bestehe» bezüglich des Grundeigentums und des Aufbaues der großen Unternehmungen öffent­lichen Charakters. Wo Ausländer dem Lande zu Hilfe kommen, müsse dieses alle Garantien dafür geben, daß das Eigentum der Ausländer respektiert werde und daß gerechte Gläubigeransprüche befriedigt würden. Die Re­gierungen, die auf der Konferenz verschieden vertreten fein würden, müßten sich verpflichten, ihre Schulden an-

sein würden, müßten sich verpflichten, H zuerkeune» und die Gläubiger für Schi

äden, die durch

eventl. Konfiskattonen Sequestrationen entstanden sind, schadlos z» halte«. Die Regierungen müßten weiterhin eine Gesetzgebung ausarbeiten, hie die Handelsbeziehun­gen sowie andere Kontrakte sicherstelle. Lloyd Georges Projekt verlangt dann eine vernünftige Basis für die Wechselkurse. Ferner hätten sich alle Beteiligten der »Mstürzlenschen Propaganda in den anderen Ländern «nd jeder aggressiven Handlung gegen ihre Nachbarn zu enthalten. Der letzte Paragraph des Dokuments be­sagt, daß die Mächte bereit sind, die Sowjettegierung auf ein eventl. Verlangen hin anzuerkenne», falls sie die vsr- stehenden Bedingungen annimmt.

Unverwüstlicher Optimismus.

»-«-Der Korrespondent desBert. Tagebl." erklärt: Was neben den Berichten über den Verlauf der Eröff­nungssitzung an Meldungen aus Cannes vorliegt, sind meist unfontrollierbare Gerüchte. Die einzige Tatsache ist daß seit Donnerstag von neuem über die Zahlungs- verpflichtnnge« Deutschlands verhandelt wurde und daß ein neues Arrangement, das den Versailler Vertrag und das Londoner Abkommen revidiert, in Aussicht zu stehen scheint.

Warum «ach Prag?

»»Bon Soir" teilt unter Vorbehalt aus Gerüchten aus Cannes mit, daß Lloyd Georges Gedanke, die große Finanzkonferenz nach Prag einzuberufen, sichern wolle, nicht mit russischen Delegierten zweiten Rartges, sondern mit Leni« und Trotzki selbst zu verhandeln.

An Präger unterrichteter Stelle wird zu der Mel­dung, daß Lloyd George Übrgeschlagen hnve, Prag ata Sitz der europäischen Wirtschafts- und FinmczkonferenÄ in Aussicht zu nehmen, erklärt, daß keine offizielle Mit­teilung darüber in Prag eingetroffen sei.

Lloyd Georges E«tschädig«ugsvorschlag.

»»Aus Cannes wird gemeldet: Die Entschädigungs­frage ist in der ersten Sitzung der Konferenz noch nicht besprochen worden. Dagegen wird von den unverbind^- lichen Bm'besprechungen bekannt, daß Lloyd George vor- geschlagen habe, Deutschland solle im Laufe des Jahres 1922nur" eine Gesamtsumme von 500 Millionen, zahl­bar in Monatsraten von 125 Millionen von jetzt an bis zum 15. April, bezahlen.

Ratheuau doch auf der Reise nach Cannes ?

»»Am Freitag nachmittag verbreitete sich in Cannes das Gerücht, daß Dr. Rathenau, von Sachverständigen begleitet, in Mentone eingetroffen sei. Eine Bestätigung dieser Nachricht ist von Berliner amtlicher Seite noch nicht zu erlangen gewesen.

Eine neue Ohrfeige.

»-»Die Reparattonskommifsion hat auf die von der Kriegslastenkommission am 3. Januar überarbeite Note folgende Antwort erteilt: Die Reparationskommisston beehrt sich der Krieaslastenkonnnission den (fmn^e -h-

a Küche nebenan steht Mamsell

Tönnesen. Sie hat soeben den beiden Küchenm in schrill«» Tmve, der auch nicht gerade für Laune spricht, allerhand Anweisungen gegeben.

so traurig ist/

Der Alte rollt seine trüben Augäpfel von der hald- aefüllten Kanne Bier vor ihm nach dem teilnehmen­den Gesicht neben ihm.

»Ja* erwidert er, und feine hängende Unter­lippe beginnt, bedenklich zu zittern »ja, soll ich etwa vergnügt sein mit dem Suff da? Jahrelang hab' ich den Keller allein unter mir gehabt. Jetzt auf Eine alten Tage muß ich den Schlüsse! abgeben und Lager- i vier saufen anstatt Porter und Sekt und schwedischen : Punsch! Hvl's der"

! Eine einsame Träne kollert die feiste Blicke herun­ter und bleibt in dem grauen Stoppelbart hängen. Die

; Mundwinkel verziehen sich zu einer Grimasse, ähnlich, als ob ein ungezogenes Kind z« heulen anfangen will.

Hast recht, mein guter Alter," stimmt Mamsell Tönnesen bei in Haltung und Miene die personi- fixierte Empörung. »Weg mit dem Suff!"

Sie nimmt die Kanne vom Tisch und gießt den In- ! halt ostentativ in einen Spüleimer. Dann verschüttn-- bet sie in der Speisekaumrer «nd kehrt mir einer ver­staubten Flasche zurück.

In den flehten Beugtem -es Ke 1 tet es gut.

res Schreibens vom 8. Januar zu bestätigen, worin mtz- getMt wird, daß die deutsche Regierung esür angezeigt erachtet, im gegenwärtigen Augenblick fi der Aeutze- runa auf die in dem Schreiben der Kommission vom 16. Dezember genannten Fragen zu enthalten. Drmgeaen- über kann die Kommission nur die Er-, nma wieder­

holen, die sie den Vertretern der de es 27. Dezember mündlich afgegebe hat, Regierung allein berufen ist, die Zr? m Antwort ober die Unterlassung ein um Schreiben vom 16. Dezember zu beurtc immerhin das in dem Schreiben der den ... vom 14. Dezember vorgebrachte Stundu rsei ach? der Kommission erst nach Empfang der im ben vom 16. Dezember bezeich? würde geprüft werden. Die f weist die deutsche Regierung dar

Abgabe der hierdurch wiederholten Erklär mg ihr die volle Verantwortung für ihre Entscheidung überlasten habe. _

Rücktrftt de «akera».

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»»Im irischen Parlament ist von -er provisorische« Regierung besannt gegeben worden, daß de Valero von dem Posten eines Präsidenten der irischen Republik zu- rückgetreten ist. Mit ihm zusammen ist die gesamte pro­visorische Regierung zurückgetreten.

Die neue Grippe-Epidemie.

Die Grippe hat mit anderen Epidemien die Merk­würdigkeit gemein, daß sie bei ihren Wiederholungen in verschiedener Form auftritt. Zum Teil mag das auf der allgemeinen Veränderung der Lebensverhälmisse beru­hen, der die Menschheit unterworfen ist es sei hier nur an die in den letzten Jahren durch den Krieg ver­ursachte Unterernährung und allgemeine Schwächung des körperlichen Organismus erinnert zum Teil aber ist auch nicht unwahrscheinlich, daß der Krankheits­erreger im Laicke der Zeit bestimmte Veränderungen durchwacht, über deren Art wir umso weniger unterrich­tet find, als der eiaentliebe Artypeerreger sich 5 ' h^nce der wissenschaftlichen Erkenntnis zu entziehen vermocht hat. Daß aber derartige Umwandlungen kleinster Or­ganismen tatsächlich möglich sind, ist von der Wisseuschaft erwiesen, und zwar in dem Sinne, daß schon verhältnis­mäßig kurze Zeitspannen für eine derartige Verände­rung genügen, während nichtmikroskopische Lebewesen der organischen Welt gemeinhin bei weitem größerer Pe­rioden bedürfen, um Artumwandlungen durchzumachen.

Die erste geschichtlich nachweisbare Grippe-Epi­demie herrschte im Jahre 1387, spätere große Epidemien' dieser Art werden aus den Jahren 1510, 1557, 1580 und

1593 gemeldet. Auch aus den späteren Jahrhunderten liegen zahlreiche Berichte über Grippe-Epidemien vor. Interessant ist nun die Beobachtung, daß sich die Krank­heit nicht jedes Mal in derselben Richtung ausbreitet. Während sich vom 14. Jahrhundert bis zum Ende des 16. Jahrhunderts die Krankheit ausnahmslos von We­sten nach Osten bewegte, nahmen vom Ende des 16. Jahrhunderts ab diese Epidemien die umgekehrte Rich­tung, also von Osten nach Westen. Ob gegenwärtig diese Richtung von Osten nach Westen mtrifft, läßt sich vor­läufig nicht genau sesistellen, innerhalb Deutschlands je­denfalls scheint es, daß die Krankheit zuerst im Südwe­sten ausgebrochen ist, und von dort ihre Verbreitung nach dem östlichen Gebiete des Landes gefunden hat.

mtristt, läßt sich vor- -halb Deutschlands je-

Wrbme betrifft, so pflegt Re

»Was? Alter Burgunder? .. . Hmu Kuckuck, Wo­her hast du den Suff, Stine?"

».Egal!" macht diese mit pfiffigom Lachen, das ihre sämtlichen Zähne aufblitzen läßt.Er ist da und damit hast«! Wann tranken wir doch die letzte Flasche Burunder miteinander, Freund Klaaßen?"

»Ich glaub', 's ist schon über ein halbes Jahr her. Damals war die blonde Hexe noch »ich: da, die uns alles vor der Nase zusperrt . . . Halt, nistst schütteln: Ein Prachttropfen! Muß mindestens dreißig Jahre alt fein. Ke«»' ihn genau. Hab' viele DuMrö davon die Kehle hinuntergespült."

Und in Erinnerung an denPrachttropf«»" schnalzt er laut mit der Zunge.

Schmunzelnd laugt Mamsell Tönnesen ein fein- geschliffeneS Glas unter der weißen Schürze hervor und stellt ss vor den Alte» auf den Tisch. Dann öffnet sie die Flasche mit dem möglichsten Aufwand an Gesten und gießt den rot funkelnden Wein in das Kristallglas.

Gluck gluck ^- glncE! Nein, das Arowa! ....... Nun trinkt Klaaßen! Prost!"

Prost!"

Der alte Schlemmer leert das Glas f schnell. Sein fetsteS Gesicht verklärt sich. Dann stretchr er sich mit bethen Rauben über den Magen.

Nah!"

Rasch gießt Mamsell Tönnesen anfS neue ein. I

galant überläßt der Alte ihr diesmal daS 1

Nach dir, Stins! Nach dir!"

Gehorsam nippt sie mit gesp reicht sie ihm das noch fast i Und wieder