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Schlöchterner Zeitung

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Kreisblatt

; Erscheint 3mal wöchentl. Drahtanschr.: KreiSblatt Schlüchtern. ; «Druck u. Verlag Fa. L. Hohmeistei,Schlüchtern. Berantwortl. t Schriftleit. H.-C. Hohmeister, Schlüchtern. BeschästSstcllc Drei- 1 «brüderstr. 9. Im Falle höherer Gewalt, Betriebsstörung ob. ; «Stromsperre erlischt jede Verpflichtung auf Schadenersatz. -

Amtlicher Organ für Stadt und Kreis Schlüchtern

Nr. 368

Donnerstag. 29 Dezember 1921

73. JavraMg

-nneMenLs

auf dre Schlüchterner Zeitung

für die Monate Januar, Kebruar, März nehmen sämtliche Postanstalten und Brteshotm, sowie unferesZeirungs- NSgtt evtgegeu.

Ein Bestellschein für Postbezieher hestndet sich auf der letzten Seite dieses Blattes.

SchMchterncr Zeitung.

"flulgeSong der fluslugraSgaflel

^DieSttformation" teilt aus Berlin mit, daß ei« Abkommen zwischen der Reichsregierung und der Ga« rantiekommission abgeschlossen worden sei, nach dem bet missrril sie verlange. Dieses Abkommen nud seine Ver- pslichtmigen sollen gesetzlich sestgelegt werden Auch von einer amerikanischen Anleihe ,ei wieder tue Rede.

Lloyd Georges Abreise nach Cannes.

»»Lloyd George, der am zweiten Weihnachtsiag früh von Lötidon aus die Fahrt nach Cannes angetreten hat, ist auf der Durchreise in Paris angekommen. Er wurde aus Seift Bahnhof von Briand, Staatssekretär Tussien und Herrn de Soutieres begrüßt.

Blankovollmacht für Briand.

^ Nach der Besprechung der Interpellation Klotz über die Londoner Besprechungen und über die bevorstehende Konferenz von Cannes erteilte die französische Knnnner ain heiligen Abend dem Ministerpräsidenten Briand Blankovollmacht für die Konferenz von Cannes. Daraus begann die Jnterpellationsdebatte über den Krach der Cdlnadauk. Sie wird wahrscheinlich er - Dienstag abge- f-hlolsen werden. Nm-Montag hat Zv^rr i«<» Ertola oehovi. daß Äerteloth, der bekannte Generaldirek­tor des Auswärtigen Amtes, von seinem Amte znrückge- iretst! ist.

Italienisches Programm für Cannes.

»Italien wird auf der Konferenz in Cannes durch den Ministerpräsidenten Bonomi vertreten sein. Er wird am Mittwoch, den 4. Januar, nach Cannes abreisen. Da­zu erklärt dieTribuna", es bestehe die Hoffnung, baß Italien diesmal wenigstens ein eigenes wohlanogearoer- totes Programm zur Konferenz mitnehmen werde.

Gezahlt muß werden.

»In Pariser politischen Kreisen wird erklärt, daß Hrmtkreick und Belgien unter allen Umständen die Sum- Mn erhalten würden, die die Länder im Jahre 1922 er­warteten, auch wenn in Cannes beschlossen werden sollte, datz Deutschland für das Jahr 1922 ErlrichMtWen er­halte.

Was für England auf dem Spiel- steht.

»*9|p(t) einer Meldung aus London ßehavteft der ,,O' - sfrvsr" in (enteis Werhuachtsausgabe die Londoner Kon- fWUi und Betont, daß die Aesprechünaen zn keiner »tauua geführt hätten. Das Blatt sag!, da» Briand

selbst wohl nicht abgeneigt wäre, DeutschlandKonzessto- nen zu machen, daß er aber das nicht könne mit Rücklicht auf seine Kammermehrheit. England aber müsse auf der Durchführnug seiner Politik bestehen, da Leben und To­des englischen Wirtschaftslebens davon abhärrgen.

Briand vor dem Kammeransschntz.

»Der französische Ministerpräsident Briand hat am Montag nachmittag vor der Kanrmerkommission des Ai.ts- wärtigen Erklärungen über die Washingtoner Konferenz und über seine Londoner Besprechungen mit Lloyd George abgegeben.

Briands Kammerrede.

In Beantwortung der Anfrage des Abg. Klotz nach stanzösischen Regrerung gegen- Briand: Die Entente zwischen

den neuen Plänen der 1

über Deutschland sagte k v - -^

Grotzbritmuciev und Frankreich ist so gefestigt nud voll- kommen wir nur irgend möglich. Es ist keine Rede da- von, daß Frankreich in Cannes auf Teile "

tien verzichten soll. In keinem Augen!

ist keine Rede da- Teile seiner Garan­tien verzichten soll. In keinem Augenblick hat Lloyd George die besondere Situation Fratlkretchs nicht zu würdigen geiontzt und den Gedanken ausgesprochen, dan von Frankreich bei einer der Kmrserenzen Opfer ver­langt werderc sollen. Loncheur hat die besten Mittel überlegt, wie von Deutschland Geld zu erhalten ist, und nicht etwa daran gedacht, den Vertrag von Versailles von Grund aus sbznändern und durchgreifende Aenderungen der Zahlnngsbeötngnngeu einzustihren. DerMattdpuükd Frankreichs ist sicher und auch unser Entschluß, an die­sem Stanüpunkl festzuhalten. Frankreich wird nichts aufgeben von dem, was es zu verlangen hat. Was asto soll Sann in Cannes gekcheheii? Wir werden andere, größere Fragen zn prüfen und nach Jntereisen zu suchen haben, die den Völkern als gemeinsamer Boden dienen sönnen. Der direkte Meinmigsaustansch der Völker, ist eine Neuerung in Ser Weltgeschichte. Ich halte eine solche offene Aussprache für ein unschätzbares Mittel, um Schwierigkeiten zu lösen. In dieser Hinsicht hat uns die Konserenz von Washington ein großes Beispiel ge- geberr. Die Möglichkeit einer solchen Zusammenkmist der Völker haben wir in Londvir geprüft. Wir wollen Si^'GGw^veig^i^n erl^tert und der Sett cmi Nutzen

sein samt

Die Nbsotfrsge.

»^ Reuter meldet aus Washington: Der Flottenaus- M)ub hat den amerikanischen Plan W Einschränkung der UMerseeboottormage vorgelegt. Danach sollen Ame­rika und England je 60 000 Tonnen bekommen und Frankreich und Japan ihre gegenwärtige Tonnage be­halten.

Scharfe Gegensätze.

^ HavaS meldet aus Paris: Baftonr erklärte in seiner Antwort auf die amerikanischen Bor schlage, daß Groß- britannien die Tonnenzahl der Uboote annehme. Äld- miral Le Bo« sagte, daß Frankreich die vorgeschlagenen 31000 Tv. nicht annehmen könne. Schanzer erinnerte daran, daß Italien den Grundsatz der Gleichheit für alle Mittelureermächte erwarte. Hara betonte, daß 94000 Tonnen Unterseeboote znr Verteidigung des javanischen Archipels erforderlich seien. Er könne deshalb den ame­rikanischen Vorschlag von 81000 Tonnen nicht annehmen.

Ei« französischer Borschlag.

^ Der Korrespondent derChicago Tribune" in Paris will erfaw-» Nnbpv. daß Frankreich, dazu bereit, wäre/

dem amei ucm-m ca Plan zur Be,cyranrurrq der umrer- seeboottonuage seine Lustimmnug zu geben, falls für deu Atlantischen. Ozean, und die europäischen Meers ein Wnf-Mächteavkouunen nach dem Muster des Pazifik- .«bkommetts abgeschlossen wurde.

Die Welt bereut. Frankreich geholfen zu haben.

Die Madrider ZeitungA. B. C." meist in einem Leitartikel auf den in Washington zutage getretenen französischen Militarismus hin und schreibt zum Schluß; Für Frankreich hat dies die schwerwiegende Folge, daß We Welt anfäugt zu bereuen ihm im Kriege Hilf« gel Währt zu habe«.

Der DJMgrauWu Rafttonds.

Amerikanischer Riesenkredit für dentsche Privatfirmen.

Aus Berlin wird gemeldet: Die in Berlin gegrün­dete Wirtschaftsstelle für Verkehr «nd Handel mit dem Osten eine Zusammenfassung von Industriellen und Arbeitnehmern, ist mit einer der größten amerikanischen Bankgruppe« in Verbindung getreten zur Hergabe ei­nes Betrages von 256 Millionen Dollars an dentsche Banken zum wirtschaftlichen Wiederaufbau Rußlands. Die Vorverhandlungen find bereits zn einem gewissen Abschluß gelangt.

*

Der Leiter der Wirtschaftsstelle, Staatseisenbahnin- genieur Müller, gab hierzu folgende Erklärungen: Es handelt sich nicht etwa um Erlangung eines Kredites zur Abtragung der deutschen Reparattouszahlunegn, sondern um die ersten Mittel für den praktischen Beginn eines wirtschaftlichen Wiederaufbaues in Europa, der naturge­mäß auch eine Lösung des Neparattonsproblems in sich schließen mlitzte. Eine Angelegenheit, an der nicht nur Deutschland allein, sondern die ganze Welt ein dringen­des Interesse hat. Auf dem Wege der diplomatischen Konferenzen, wie wir sie nun schon seit drei Jahren er­leben, und der immer weiter gehenden wirtschaftlichen Erdrosselung Deutschlands wird Europa nie gesundem Die Gewährung eines Moratoriums oder einer m<VK JchLM-AvIeiha n.. DnUMunoNMnnrlMD. Es bleibt nur der Weg, den die deutschen Wirtschaftsstellen jetzt einge­schlagen haben. Unser Arbeiistrust wird demnächst Sach­verständige nach Rußland entsenden, um mit der Sowjet- Regierung einen bereits erörterten wirtschaftspoli:ischen Sondervertrag abzuschließen. Hiernach werden in den einzelnen russischen Wirtschaftsbetrieben kombinierte Handels- und Gewerbekammern errichtet, die mit einer in Moskau zu bildenden deutsch-russischen Zentralbank verbunden sind und deren Filialen über ganz Nntzland verbreitet werden. Der Geldumlauf erfolgt ausschließ­lich von den Kammern über die Bankfilialen. Es wird vertraglich die völlige Selbständigkeit gewährleistet und in den Kammern werden Vertreter der deutschen Indu­strie und Gewerkschaften Sitz und Stimine haben. Der jetzt nachgesuchte amerikanische Kredit wird ausschließlich zcnn Zwecke des Ausbanes des russischen Verkehrsnetzes und der Inbetriebsetzung der Grnberl verwendet. Die Garantie übernehmen die mit der Wirtschaftsstelle zu- smnmenarbeitenden deutschen Jnöustriekouzeine unter Gegenzeichnung der Sowjet-Regierung. Ein Fanstpfand für die deutsche Eisenbahn kommt nicht in Frage. Der Vorteil, den dieser Vertrag bietet, ist, daß De»' -: < werbendes Kapital erfüllt und durch gesteigerte Per - ^ tion leistungsfähig und zahlungsfähig wird. Die deutsche Valuta würde sich heben und dadurch allein schon die

Der Liebe ewiges Licht. I

Roman von Erich Friese«.

^ , (Nachdruck verboten.) |

Dieletchte Röte in Ebbas Wangen weicht der Blüsie ^»L"«^°"° ^° GW-m-M a«"*; «^Mt^ und doch ntü tiefer Ehrerbietung reicht wmar seiner Cousine die Hand. Dann weuSet er sich ; 5 Acansiell Tönnesen, wobei seine Stniime einen : hochmütigen Klang annimmt.

r^ie Frau Marquise wird dem Haufe die Ehre er- ' V^'.Engere Zett fein Gast zu sein. Ich wünsche,

! S® HMe Dienerschaft sich in allem nach ihren Befeh- x" f^tet Höre» SieS In allem! Melden Sie das

Hbrtßwt Dienerschaft, Mamsell!" ;

bwtt ^ kleinen grauen Augen der Wirtschafterin > ^ ^Unheilverkündend auf. Doch rasch senkt sie Jr'^e Lider, während sie aufs neue knixt, diesmal ^ Dichter Wybrands' Tochter.

^x wohl." breiff? ?°^ einem nochmalige«, halb neugierig fckm!^' ^ boshaft funkelnden Blick auf die hohe ^^^ekleKet« Frauen gestalt zieht sie sich ra sch

d,

«mi t wluwr halten Gunuars Muger die tomal beu li^üHÖanb umspannt. Erst, als die schleiche: gibt ^^ick der Mamsell Tönnesen verklungen sin iprÄ^'^^Svhen beide, Seite an Seite, in leisem Ge- ü^. BkwegNsio Ebbas ist von vornehmer, buvch. Un»>n Mwüts alles, was sie sagt, hat etwas heiter w>,. ^Wenes und gehört zu ihrer edlen Erscheinung, *%Ä

id gehört zu ihrer edlen ®»tajLcmu»Hi> Rose. Ihre Nähe beginnt, anregend ruhigend auf Gunnar zu wirken. .

Plötzlich bleibt sie, eurem Jmpnls folgend, siehe«. ? Sie weiß, daß der Vater ihr sein ganzes kleines Ber- 5 mögen mit in die Ehe gegeben; weiß, daß er seitdem | gewissermaßen von der Gnade feines Neffen lebt. ! Aber darf nun auch sie von dieser Güte Gebrauch machen? Nein, das würde ihrem weibliche« Stolz, ' ihrem ganzen Naturell zuwiderlaufen.

Gunuar! Lab alles klar zwischen uns feint* sagt sie, ihn fest anblickend.Du weißt noch nicht, daß ich ; als Bettlerin nach Schloß Askö zurückgekehrt bin, daß i ich -"

Er unterbricht sie mit einer stolzen Bewegung.

Nicht weiter, Ebba! Du erniedrigst dich und mich . durch irgendwelche Anseinandersetzuilgen. Was djch | zurück zu uns führte, kommt jetzt nicht M Betrachts |

Nicht für dich, aber für mich, Gnnnar! Ich bitte - dich, mein llnabhängigkeitsgefühl zu respektieren. Der ; Mann, dessen Namen ich trage, ist tot. Ich bin jetzt auf mich selbst angewiesen Und nun möchte ich btr einen Vorschlag machen: was ich seit gestern abend hier im Hause gesehen und gehört habe, läßt mich vermuten, daß nicht alles so ist, wie es sein sollte. Darf ich mich Seines - ich meine, des Haushalts auf Schloß Askö, ein wenig annehmerr? Nicht als Gast möchte ich hier bleiben, sondern als als eine Art von HauS-

öame."

Rasch fam nud ging die Farbe auf ihren Wangen, - während sie die Worte zuerst befangen herausstieß, | dann aber immer ruhiger und bestimmter wurde. ,

Er antwortet nicht gleich. Bis es langsam, in sra- gendem Erstaunen, über seine Lippen kommt:

Das wolltest du» mich tu«, .Ebba?"

Ja, Gunnar. Es würde mich glücklich machen."

Frei und offen steht sie ihm ins Gesicht. Und wie- ; der muß er beim Anblick dieser großen strahlenden Augen an seinen Stern dort oben" am Firmament 8

denken. Seinen Stern! Und aufs neue huscht jenes seltene Lächeln, das seine ernsten Züge so wünderfam verklärt, um seine Lippen.

Als ahne sie feinen Sebanfengang,. wird sie plötzlich befangen. Und um diese Besangenheit rasch abzu- schütteln, flüchtet sie zu einem Scherz:

^Wtrd Mamsell Tönnesen auch meine Autorität an* erkennen, Gunnar?"

Doch er geht nicht auf ihren neckischen Ton ein. Im GegenteU seine Stimme nimmt wieSsr jenen Har-, ten, schroffen Klang an, wie Ebba ihn zu ihre»: VerZi umnderung bereits vorhin vernommen, als er Niam- feK Tönnesen »«recht wies:

Sie hat zu tun, was ich ihr befehle. Im übrigen du wirst es schwer haben, mit ihr auszukonmwn, Ebba. Ich kenne ihre Fehler nur zu gut; aber ich mag sie nicht fortschicken. Ihr Vater verunglücke in meinem Dienst, und ich gab ihm auf dem Sterbebett das Versprechen, [eine Tochter auf Schloß Slskö zu be­halten! Sie weiß, daß ich nicht der Mann bin, ein ein­mal gegebenes Wort zu brechen, und daraufhin er­laubt sie sich manches, was sie sonst nicht wagen dürfte."

Ebba nickt. Sie kennt das dreiste, heuchlerische Wesen des Mädchens von früher her; nie begriff sie, daß die hochmütige Karin von Helgoland bei ihren ge­legentlichen Besuchen auf Schloß Askö ersichtliches Wohlgefallen an Stina Tönnesen, der Gärtners- tochter, fand nnd sie mit ihrem besonderen Vertrauen beehrte.

Da Gunnar und Ebba jetzt an Meister Wybrands' Laboratorinm augelangt sind, verabschiedet der Schloß- herr sich von seiner Cousine mit stummem Händedruck. Lange aber noch verharrt er auf deuftelben Fleck und blickt traumverloren auf die Tür, hinter der die hohe Frauengestalt verschwand. .

(Fortsetzung folgt.)