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! Schlutztenrer Zeitung

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Kreisblatt

$ Erscheint 6mal wöchentl. Drahtanschr.: Kreisblatt Tchlüchtern. ; » Druck u. Verlag Fa. C. Hohmeister, Schlüchtcrn. Verantwortl. ; Schriftleit. H.-C. Hohmeister, Schlächtern. Geschäftsstelle Drei- : »brüderftr. 9.Jin Falle höherer Gewalt, Betriebsstörung ob. $ -Stromsperre erlischt jede Verpflichtung auf Schadenersatz.

Amtliches Organ für Stadt und Kreis Schlüchtern

Nr 266

$^na$ten im IföMhause

eh §im&Mm 1633. 'XS

Eine Erzählung von Emil Hoffmann.

Langsam leerte sich das Kirchlein. Bedachtsam gingen die Mütter heraus, die Kleinsten auf den Armen, während die Kleiaea sich am Rocke hielten. Lag der Schnee auch hoch und schneite ob stürmte es auch heftig, auf allen Gesichtern spiegelte sich doch Freude und WeihnachtSglanz. Es war eine erhebende Ehristoesver, die die Gemeinde erlebt hatte. Nur die ganz Alten sonnten sich solcher schöner Ab-ndgorteMeusts entsinnen. In der rauhen Kriegeszeit waren Kirche und Dorf verwaist. Von den 70 Famflira, die zu KriegSanfang das stille Gebirgsdörfchen bewohnt hatten, bestanden nur noch 25. So hatten Hanger, Seuche und Schwert gewütet. Aber heute abend war all das Schwere vergesse«. Dir Männer warteten vor dem großen Kichentors und stampfte« im Shnee bis die Frauen kam n. Und Hans Lang, der Müller und Schultheiß, war nicht der einzige, der seinen 2jährigen Klaus Huckepack nach Hause trug, der immer wieder sagte: Kerche schän, schän suagm." Der Pfarrer, Henrik»- Lpveltus, und die beiden Kirchenmänner Selten Wolf und Selten Lamb verließen als letzte die Stätte der Ar.dacht. Ganz ergriffen war der alte Wolf von bet erhebenden Feier, «ab feine Hände hielten zitternd die Opferteller, die er bei einem Ealer (Töpfer) in der Joss' bestellt hatte.Hochwürden, man ist doch ein ganz anderer Mensch, wenn man mal wieder gehört hat: Christ der Retter ist da. Er wird auch unsere Heimat retten. Uebkigens, was ich sagen wollte und er gab seinem Kollegen Lamb ein Zeichen ich und der Lamb haben noch etwas aus dem Herzen, davon wir schon lange die Red' hatten, heute am ersten Weihnachtsabend seit 1618 wollten wir es dem hochwürdige« Herrn Pfarrer funbtun". Feeu«blich unb mild neigte sich Henrikus Appeltus den beiden zu.Sagt an, was es ist". Nun nahm Lamb das Wort.Jetzt, wo

wir wieder eine.. Pfarrherr» hab-n^jnb ^.! zu leben brauchen wie die Heiden, sonseru Gotteswon wieder vernehmen dürfen, wollen wir auch des Hei­lands Nachtmal wieder einführen. Da haben wir beiden Kirchenschöpfen, ich vnd der Wirt hier, beschlossen, weil unsere Söhne wieder glücklich daheim sind und die Bauerei wieder treiben können, aus Dankbarkeit für solche Gnade der Gemeinde eine Nachtmahlskanne zu widmen. Aa Heilig drei«ig ist Schein, da wollen wir auf Gelnhausen machen und bei dem Zina- gieser Spielmann eine Kanne bestellen".Gott segne euch euer Vorhaben und lasse es gelingen", erwiderte der Pfarrherr. Unter diesen Worten waren sie in den Pfarrhof eingetreten und die hohe Steintreppe hinaufgegangen. Valentin Wolf stellte die Teller in dem weiten Hausehrn auf den fchwarzen Eichentisch neben dem Küchencingang hin und warf einen erfreu­ten Blick auf die reiche Sammlung, die viele Muffe auswies. Mit herzlichemGute Nacht, Hochwürbrn" verabschiedeten sich die beiden Alten von ihrem ge­liebten Seelsorger, der seine Studierstube aufsuchte.

Wie die Zeit vergeht", sagte Wolf zu Lamb, ich weiß noch ganz gut, wir unser Hochwürdiger hier jung wurde".Ja", erwiderte Lamb,er ist ein echt Gundhelmer Kind. Er gehört zu und es ist gut, daß wir ihn haben, hier oben muß es doch schöner sein als unten im Büchertal".

Auch des Pfarrers Gedanken weilten in der Ver- gaugenheit. Ueber 50 Jahre waren vergangen, daß er oben in der großen Stube das Licht der Welt erblickt hatte. Sein Vater Johannes Appelius hatte

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getauft, das Taufgerät war nicht mehr da, das Kirchenbuch verschwunden und von der Mutter Grab nichts mehr zu sehen. Nach des Vaters frühem Tode wurden die Kinder verteilt, Heinrich kam zu Verwandten nach Kesselstadt, von wo aus er die hohe Landesschule in Hana« besuchte. In ^m nahen Mittelbucher Pfarrhaus lernte er seine Braut, Maria BussiuS, kennen, und als würdiger Pfarrherr von Roßdorf gründete er einen eigenen Hausstand. Lang war ihr Bleiben nicht Unter dem Druck der sich je länger je mehr um Hanau zusammenztehende» kaiserlichen Truppen vnür Samboy war das junge Paar, wie viele aus den ödfsbaftcn rings um Hana«, in die Stadt geflüchtet. Im Palmbaum, bet seinem ehemaligen Mitschüler, dem Oberst ®' Burgsdorf, fand er im Hintergebäude ein Asyl. Des wufs in bet eigenen Gemeinde beraubt ging er mit seinem Schwiegervater, der auch hatte flüchten müssen Mtttel- Men wurde fast gänzlich eingeäschert - täglich hin zu den vielen, vielen Pestkranke» in Alt- und Neustadt, ste iw,!e«d und innerlich aufrichtend. Ansteckungsgefahr kannte nicht.Du bist in Gottes Händea", sagte ihm täglich ?n Glaube. Als es aber Frühling wurde, mußte er die Hausbesuche sehr einschränken. Sein Weib bedurfte der 'WW und Wartung. Die schlechte Ernährung und die

Samstag, 24 Dezember 1931

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vielen Aufregungen hatten ihr gewaltig zugesetzt, die Beine zarte FrühlingS-

versagten oft den Dienst. Wenn es der sonnenschein erlaubte, trug er ste behutsam unter, damit sie Kräfte sammle für Leib

in den Hof hin- und Gemüt auf

dem Dreieinigen

die kommende» Woche». . . .

Ein Mäzdisiu war es,, auf den Namen Karoliae wurde es getauft, aber kaum hatte es der Vater dem Dreieinigen darzebracht, da schlief es ein und tags darauf übergab es der Großvater im Garten der edlen Frau Cray am Mühl»

tor der Allmutter Erde, wo so viel- zarte Kindlei» ihre Ruh-starte fanden. An der Mutter Aufkommen hatte jedes gezweifelt. Drei Tage später die Entsetzung der Stadt durch Landgraf W lhelm V. und Maria wäre ihrem Kind- lein gefolgt Einen Fehler behielt sie allerdings, und ihr sehnlicher Wunsch, noch einmal ein Kindleiu an die Mutter- brust legen zu können, blieb ihr unerfüllt. Lange, bange Jahre zogen ins Land und se» Pfarrerslenten predigte jeder Tag: Ihr seid Fremdlinge zier auf Erden. End­lich, endlich am 6. Sonntag nach Tnnitaüs, «M 27. Juli 1651, tat sich ihnen in des Pfarrherr« alter Heimat ein neues W'rkanzSfeld auf. Belebte« auch keine Blond- und KcanSköpfi das Pfarrhaus, eine Stätte der Liebe nach der langen 3di des Haffes sollte ei dennoch werden, ein stiller Hafen bei Fr'.sdms nach so vielen, vielen Stürmen des Krieges.

All diese Erinnerungen waren wieder

lebendig geworden in des Pfarrers Brust. Ganz still laß er auf der Ofenbank gegenüber seinem Schreibtisch. Viel, viel hatten die Ehe- leute zusaAm-u erlebt und das gemeinsame Kreuz hatte fi- um so fester mit einander verbunden. Die Bilder des Schreckens hatten sich tief der Seele eingeprägt, nun ginz es wieder einer besseren Zukunft entgegen. Gott walt'S.

Doch was pachte da? Nein, das war nicht das Ge­räusch von Scheitern, die in d-r Küche in den das Amts­zimmer mith-tzende» K min gelegt wurden.Ist jemaib an der Tür«?" Nnd schon trat, fröhliches Lachen auf dem Gesicht, die Pfarrsran in des Gatt.» Allerheiligstes. Aber warum hält sie denn die Hand unter der Schürze? Das machen die Bauersfrauen und -iöcht-c immer so/ wenn sie etwas zu tragen haben.Lieber Heinrich", so tritt ste freundlich an ihn heran und streicht ihm mit linder Hand über das stark ergraute Haar,ich wollte Dir z«m Weih- nachtSfeste eine Freude machen. Da habe ich diese Deckchen gestickt Jetzt, wo wir wieder-eine Stelle habe», soll der Dank der Pfarrfrau nicht ausbleiben." Voll Freude ent­faltete sie der Pfarrherr und las:Auno 1653, Bello confeeto pax iu terris". Und darunter stand ebenfalls schön gestickt:Pro coena domini".Nun wird es mir klar, warum Du mich so oft zum Spazierengehen auffordertest und

73. Jahrgang

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warum Du so oft mit unserem alten Lieschen vorne in Deiner Stube saßest! Da hast Du gestickt. Und wie schön sind die Bördchen ausgefallen i Solch einen Altarschmuck hat selbst Schlüchter» nicht. Gib die Bibel her, ich will Dir vorlesen, wie Salomon das Preislied der tugendsamen Hausfrau fingt, unb Du bist mehr. Maria Du bist meine Kaiserin". Und ein inniger Kuß bestegelte des Pfarrherrn DankJa, lieber Heinrich, Du predigst die Liebe, ich habe fie ein wenig wirken lassen, uns unser Vater im Him­mel beschert ste uns aufs neue und schenkt uns seinen Sohn". So saßen fie traulich zusammen in der behaglich erwärmten Stube, während Lieschen die Abendmahlzeit rüstete und draußen dicke Flocken zur Erde niederfiele».Herr, Herr", kommt diese plötzlich zur Stube hereingerannt,ein Fremder ist da, ist in den Hof geritten und bindet sein Pferd eben vorne an bem großen Birnbaum fest".Nur Ruhe, Lies­chen, wird schon kein Kroat sein". Und schon ruft eine kräftige MäRnerstimme:Guten Abend, Hochwürden!" wo­rauf des Pfarrers Antwort:Tret' er ein, wo ist er her, was führt ihn zu mir?"Mit Verlaub, Hochwürden ich will erzählen. Ich komme von Zell herüber, den grünen Balz nennen fie mich, weil ich bei den Reitern im grünen Leibregiment viele Jahre den Krieg midmachte. Eben bin ich durch den N'ckus geritten, oben an der Weinstraße ge­

riet ich in die Irre, die Schneewehen waren so stark. Aber bald sah ich die Grenzsteine, die unser edler Herr Graf hat setze» lasse», da konnte ich mich bald zurecht finden und ibt über die Kaups hierher. Den Anblick werde ich im Leben nicht vergessen: das Dörflein zu meinen Füßen, die in Fackeljlanz er­strahlende Kirche und darüber der Himmel mit seinen glänzenden Sternen, das war erhebend. So muß es einst den Hirten in heiliger Nacht zu Mute gewesen sein; ganz weich wurde ich rauher, langgedienter Kriegsmann. Und wenn Hochwürden mir meines Gevattersmanns Wunsch nicht erfüllen können, so reut mich ob dieses Augenblickes der befchwenichc Ritt

nicht."Sag er, was er vor hat".Ins achtzigste Lebensjahr rot mein Gevattersmann, nun fühlt er sein Ende kommen. Schwach ist W Stuft, schwel geht der Atem Noch heute Nacht, glaubt er, gcht es zu Ende mit ihm. Da verlanget ihn herzlich nach der Gnade seines Gottes und ihn hungert nach dem Brote des Lebens. Seit vielen, vielen Jahren ist er nicht mehr zum heiligen Nachtmahl gegangen, jetzt lechzt er nach dem Tränke des Lebens. S' ist nicht seine Schuld. Hochwürden wissen selbst, wie es den Gemeinden erging. Auch in Mottgers ist noch lange nicht alles in Ordnung. Wir wollten morgen alle dorthin zur Kirche gehen, aber es wird der Pfarrherr nicht kommen können, muß in Steinan und Ramholz predigen. Gar flehentlich läßt euch mein Gevatters- man» Sitte», ihr möchtet mit Hivüberkommr», ihm die Zehrung zum letzten Stücklein Weg hinieden reichen". ..".,. und deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Wohlan, es sei. Hannjörg soll die Stute satteln, Balz, lasse er sich in der Küche warme Suppe reichen, und Lieschen soll mir auch eine bringen. Maria, Hole bitte das warme Wams, die hohe Krempstiefel und den Mantel »nd richte Brot und Wein". Sofort geschah, was der Pfarrherr wünschte. Hanu- jörg murmelte ja, aber er sattelte die Schwarze um so lieber, als er zu Hause bleiben durfte. Gerne warf er auch dem Zeller Gaul einen Arm voll Heu hin.Heinrich, soll Pluto mit?"Er mag hier bleiben und euch bewachen".Herr", rief Haunjörg, nehmen doch lieber die Büchse mit. Gar schlimm find noch die Wölfe, Ihr wißt, wie st« diesen Herbst Mertens Hannes Mägdlein holten".Nun denn in Gstles Namen". So ritten kurz vor 7 Uhr die beide« Männer zum Hofe hinaus in die dunkle Nacht hinein.

Still und ruhig stampften die beiden Gäule in d >^ hoh-n Schnee, und auch die Männer waren schweigsam. Der steil ansteigende Weg war recht beschwerlich, nur gut, daß sein Glatteis war. Eine gute halbe Stunde mochten sie geritten sein, da war droben an der breiten First die Hochebene er­reicht und ein hochrazcndrr Äuchrnwrlo nahm die beiden Reiter auf.Hochwürden, Trab" -fragte karz der Zeller Mann seinen Begleiter, undJa" war die noch kürzere Anjwvrt. Sie gaben ihre« Röffern die Sporen uu» kreuzten bald dir Weinstraße, den Verbindungsweg der Klöster Julia nn> Würzönrg. Wo der Weg zum Buchhof abzweigs und das Gefälle beginnt, mäßigten sie das Tempo. Kei» Lüftchen regle sich, ab und zu schrie ein Nachtvogel oder es hrulte ein Fuchs.Hollah, Fanny" rief der grüne Balz au der letzten und gefährlichsten WezkrÜmmung seinem Pferde zu, und so nahm auch der Pfarrherr seine Alexa fester in Zügel. Er hatte sich ein wenig vergessen und seine Auge« suchten den Stoppelsberg. Beim Ueberschreiten der Sinnbrücke deutete der Zeller mit der Hand nach einem Häuschen oben am Berg links seitlich der Kirche, wo noch Licht brannte und sagte: Dort ist es." Nach «inigeuMinate» war es erreicht. Gleich,