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Schlüchteenev Zeitung

Schlüchterner Krelsvlatt

Verantwortlich für den gesamten Inhalt: H.-K.

cn« Qel Hohmeister, Schlächtern. Druck u. Verlag »ul Hohmeister in Schlächtern. Fernspr. Nr. 8

der Fa L.

Hohmeister in Schlächtern. Fernspr. Nr. 65. Telegr. Schlüchterner Ztg. Postscheck!.: Frankfurt M. Nr. 11402.

Samstag, 19. November 1921

BezugSpreis: Vierteljährlich Mk. 10,. Am PreiS: DieKleinzeile M 1,50. die ReNamezel

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Statt, sämtlich " ohne besonderen Zuschiäfl Bei ^ «> Jahrg Wiederholung Rabatt. Erscheint 3 mal wöchentlich

Zum Totensonntag.

Zeigt sich der Tob einst mit Verlaub Und zupft mich: Brüderl kumm, Da stell' ich mich im Anfang taub. Und schau mich gar nicht um.

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Darm leg' ich meinen Hobel hin, Und sag' der West Adler

So singt Valentin imVerschwender". Wunderba­rer Wandel der Zeiten! In Berlin, wo jetzt die Sexua- lMt auf den Bühnen tanzt und über die Szene das graue soziale Elend zieht, koumrt jetzt plötzlich wieder der große Phantasieherrscher und Menschenkenner Ferdi­nand Raimund zu Ehren. Vielleicht nennt man das auch Reaktion. Es werden jetzt in der Reichshauptstadt wiederDie gefesselte Phantasie" undDer Verschwen­der" gegeben. Die alte Märchenwelt, mit dem wandel­baren Menschenleben vermischt, ist jetzt wieder erstan­den. Das Publikum ist des grauen Daseins überdrüs­sig und fMchtet sich in ferne Zonen. Das goldene Alt- Wien drängt sich jetzt plötzlich in das kahle moderne Berlin.

So war es immer in Zeiten des Versalls und der Zerrüttung. Die menschliche Seele suchte sehnend die Vergangenheit, die ihr wie ein Märchentraunr vorkam.

Ferdinand Raimunö hat, wenn auch nicht in so furchtbar erschütternder Weise solchen Wandel der Zeit initerlebt. Er schuf seine phantastisch-realistischen Dich­tungen zu einer Zeit, wo Wien wirklich noch das Capua der Geister und die Heimat der Phäaken war. Da kam aber plötzlich der scharfe Revolutionswind, der an der blauen Donau wild die Wogen aufwirbelte, und Ferdi­nand Raimund sah ein neues Geschlecht aufsteigen, das seine Freude an Spott und Kampf hatte, hart und ungemütlich. Nestroy wurde über Nacht der Mann des Tages und verdrängte den yhantastischen Träumer Raimund von der Bühne. Als Raimund NestroyS Lumpazivagabundus" sah, griff er sich nach der Stirn und sagte zu seiner Toni:Das kann i uit! Aber i siech, das gfäKL i hab' selber lachen müssen no, so is 's halt mit mir und meine Stuck gar! Alles umsonst!" Und dann sprach er kurz darauf zu einem anderen:Ne­ben n Nestroy bin i nix mehr: no, machen m'r halt Platz!" Und er machte auch wirklich Platz, beim er paßte nicht in diese graue Zeit des revoliierenden Wiens. Er wurde schwermütig und endete durch Selbstmord, weil er sich in seinem düsteren Grübeln einbildete, daß ihn ein toller Hund gebissen WO.

Und jetzt ist er wieder nuf^rfinsben .w den Toten. Die Menschen sehnen sich nach einer Pbanianemelt und nach guten, braven Menschen. Ein Glück aber, daß er nur in seinen Werken auferstanden ist, denn er selbst würde sich, würde er wieder leibhaftig in seinem lieben Wien leben müssen, schon nach einem Tag wieder erschie­ßen. Er würde seine alte Kaiserstadt gar nicht wieder­erkennen. Mein Gott, wenn er für ein Brörcherr sechs Kronen zahlen sollte, wo er zu seiner Zeit für dasselbe Geld hätte ein gutes Diner mit einer Flasche Wein eirr- nehmen können, er wäre rappelköpfiger als seinRap- pelkopf" geworden. Ein Glück für ihn, daß er tot ist, ein Glück aber für uns, daß seine Schöpfungen noch weiter leben, ja, wieder aufleben.

Von Weihnachten trennen uns nur noch rvenige Wo­chen. Das Kirchenjahr geht mit dem Torenfest zu Ende, Noch einmal grüßen wir die, die da vor uns lebten und von denen die meisten glücklich sind, zwar nicht in die Phantasiewelt des Märchens geflüchtet zu sein, sondern in die große unbekannte, die kein menschlicher Geist er= münden kann; noch einmal grüßen wir sie und legen Kränze auf ihre Gräber, und mancher beweint sie nicht, sondern beneidet sie.

Und wenn dann die dumpfen Glocken des Toten­sonntags verhallt sind, dann erklingen vor: weiter Ferne erst leise ud dann immer lauter und lauter die hellen Adventsglocken, die uns das Fest des Friedens ver­künden.

Das Fest des Friedens? Wie oft schon haben wir bei seinem Nahen auf den wirklichen Frieden gehofft und geharrt, und als mir ihn enonw zu haben glaubten, da mußten wir mit bitterer Enttäuschung sehen, daß die Drachensaat des Ilmneben» noch viel mehr und gifti­ger aufschoß, als vorher.

Wann werden wir Frieden haben? Mancher fragt es beim Klang der Advents- und Weihnachtsglocken mit schwerem Bangen. Frieden? Den kannst du zu jeder Zeit haben, auch in den größten Stürmen des Schicksals und der Not. Schaffe dir nur ein kindlich Herz an, das frei ist von Neid und Haß und das noch Glauben hat an etwas Höheren und nicht mit hast- unb rastlosem Schla­gen nach flüchtigen Genüssen sagt. Halte Einkehr in dich 'elbst und dann ftihlst du das Glück, daß die Seligprei- lWn jenes Göttlichen, dessen Erscheinungstag wir bald feiern werden, verheißen. E. M.

AAerlei vom Tage.

»»Der englische KreuzerCardifs" mit Exkaiser Kark und Zita an Bord ist in Funchal auf Madeira eilige» troffen. Die Botschaftertoufereuz hat bestimm welche Summen für den Unterhalt Karls unb seiner Familie angewiesen werden sollen.

Die Koste« der tschechische« Mobilisierung werden mit 900 Millionen tschechischer Kronen angegeben.

Der ehemalige österreichische .Abgeordnete und Arzt Dr. Graf Szoptiski ist in Lemberg unter der Beschuldi­gung der Teilnahme an konunuGstischen Treibereien ge­gen den polnischen Staat verhaftet worden.

Die österreichische Regierung wird im Nationalrat eine neue Kreditermächtigung einbringen, da sie öt0 Ende dieses Jahres noch zirka 50 Milliarden Kronen benötigt.

o* Wegen des schlechte« Gesundheitszustandes des Mi­kado hat nach einer Meldung aus Tokio der Kronprinz« Hirohito die Regentschaft übernommen. ,

Die KreSitvertzanblnugen.

»-»-Berlin. (T- U.) Die bisherigen Gerhanölungen deS Reichswirtschaftsrates in der Frage der Kreditak- tion deS Reichsverbandes der deutschen Jndustrir ' bisher als Ergebnis folgende Einzelvorschläge tigt: 1) Minderung der Spannung zwischen £___________ und Debetzins, 2) Berücksichtigung des Bereitstellunas- kredits, 3) Förderung des Barwechsels, 4) Förderung des Akzeptkredits, 5) Ausgestaltung des Mobilarkrediis, 6) Ausgestaltung des Sparkassenkredits für industrielle Zwecke, 7) Ausnahme des Genossenschaftswesens, 8) Wiedereinführung des Bankgeheimnisses, 9) Förderung des Instituts der Privatbaukiers, 10) Förderung der Ausgabe von Obligationen durch die mittlere Judustris unter Absatz im engeren Kreise ohne Jnanspriichnahrnö der Börse.

Industrie haben

läge gezsi- dem Kredit

In Darmstadt verstarb an den Folgen einer Lrtngen- errtzündung der bekannte Landschaftsmaler Geh. Hofrak Prof. Eugen Bracht im 80. Lebensjahr.

In einer Versammlung des GewerkverSauSeS der christlichen Bergarbeiter in Wanne wies der Abgeordnete Jmbusch auf den großen Wagenmaugel hin, der die Ein- legung von Feierschichten im Bergbau irr großem Um­fange zur Folge haben müsse.

Neun Millionen Mark als Zulagen zur Grwerbs- lvseunnterfiütznng will die Stadt Berlin bewilligen.

Ueber die Notlage der Kriegsovfer haben in Berlin unter dem Vorsitz des Reichspräsidenten Verhandlungen stattgefunden. Es wurden Maßnahmen zur ichnellen Linderung der Not besprochen. Die Verhandlungen wer­den fortgesetzt.

»achzvweisen. Diese Mitteilung erfolgt zugleich als Aniwsrt avf die von Verrine» usw. und einzelnen Steuerpflichtigen hierüber gestellten Anfrage».

TsleNsknntag.

Du stehst Und sinnst. Die Seele träumt Von deinen Lieben, die gegangen. Du schaust zur Wolke goldrimsaumt Dich überkommt ein Heimverlangem

Und wie ein hilflos einsam Kind Ersehnst du Trost aus liebem Munde, On heißer Qual die Träne rinnt

n dieser Trauerfeierstunde.

Doch dann ist öir's, wie wenn der Geist Der Seligen, die von dir schieden Dir neue Hoffnung mild verheißt,

Die Trost dir bringt und Kraft und Frieden.

Käthe Kreienberg-Pätzold.

*

Die letzten Blätter sind von den Bäumen gefallrr wie Natur geht ihrem Winterschlaf entgegen, bald wird [sie bedeckt vom schneeigen Kleide alles ist tot. Da sgedenkt auch der Mensch des Todes, der ihm sein Lieb­stes geraubt, geraubt zum ewigen Schlummer. Wie sie -so sanft ruhen, alle die Toten! Ihnen ist der letzte Svn.-- jtag des Kirchenjahres geweiht, der Totensonntag. All­überall zieht man hinaus zum Friedhof, um die Gräber zu schmücken mit weiterharten Blumen und Blattern, [mit Kränzen und Zweigen. Traieergewänder legt man ian zum stillen Gang in den Garten Gottes, dumpf schal­len die Glocken. Und das zweifelnde Herz fragt: Gibt es ein Wiedersehen? Wir wissen es nicht, aber wir glauben es! So hat das arme Menschenherz einen Trost, denn wahrlich, das Auseinandergehen für immer und ewig wäre das größte Leid. Ueberwälligend ist der Ge­danke des Todes. Sieh, o Mensch, hier unter dem- fiel liegt, was lieb dir war! O, kömrte der Tote zurück-« kehren, wie sehr gewaltig wäre dein Glück! Nun aber

spricht: Z« spät, M f

Sei« Inneres, und der reuige Sinn l Aber tröste -ich, die einen

tttitrott 6 er _________;

Erbe. Noch immer hast du Geliebte um

g, die anderen gibt er zur

_____,_________ . I ..... dich raffe dich gib ihnen, was du am Toten versäumt hast! Auch

Aus der Heimat«

VoreMDsichO. WittsEug. Am 19. 11. (Samstag): Wechselnde Bewölkung, ziemlich mild, etwas Nirderschläge, neblig.

du gehst einstens von Sannen, vielleicht schon in kurzer Bett. Lasse darum die Stebc herrschen, die alles vermag, M es abermalszu spä'" :wo«ea.-LU___________

* (Wichtig für Handwerker, denen wegen »hrer Werk­stätten von den Wohnungsämtern Schwierigkeiten gemacht werden.) Die Handwerkskammer Düsseldorf hatte sich zur

Nirderschläge.

Am 21. 11. (Montag): Ziemlich trüb, leichter Frost, etwas Schnee.

* Der Landw. Kreisverein hat noch eine kleine Menge Kartoffeln zu einem ermäßigten Betrage an Bedürftige des Kreises zur Abgabe bereit. Minderbemittelte, die bis heute nicht i» der Lage gewesen find, ihren Winterbedarf an- kartoffeln zu decken, wollen sich umgehend melden. Bedacht können ober nur solche Hiifs-edürftige werden, die nicht in der Lage find, ihre Einnahmen an Arbeitseinkommen und dergleichen auch nur annähernd mit den eingetretenen Teuer- nngsverhältnissen in Einklang zu bringen, die selbst nicht unb auch nicht durch Familieuaogehörige im Stande find, einem Erwerb nachzugehen und damit die beschränke» Ein­nahmen zu erhöhen. Ihre Zahl ist sicher nicht gering im Kreise, daher Landwirte nochmals an euch die Mahnung: habt ein Herz für die Not unserer armen Volksgenossen, gedenkt bet dem Gebrauch des Erntesegens, der euch auch in diesem Jahre erneut geworden ist, dankbar dessen, der euch wiederum ein Erntejahr bescheerte, das sicher in vieler Hin­sicht als ein reich gesegnetes bezeichnet werden muß, dadurch daß ihr an die Bedürftigten und Armen, an die Wohl- tätigkeitS Anstalten und Krankenhäuser zunächst doch in unserem Kreise abgebt, was nur möglich ist, was in euren Kräften steht. Die Not ist groß, der Winter mit seinen Entbehrungen und Kraukheitsfolgen hat früh den Einzug gehalten, Eile ist daher geboten. Wer schnell gibt, gibt doppelt!

* Wie wir vom Finanzamt erfahren, wird für die Veranlagung für 1920 bei sämtlich?» mittelbaren und un­mittelbaren Reichs- und Staatsbeamten, Angestellte» und Arbeiter» ein Werbungskoftenabmg von 1000 Mark, für die Veranlagung für 1921 ein solcher von 1800 Mk. festgesetzt. Hierin sind die gesamten Werbungskosten des § 13 Absatz 1 Ziffer 1 Einkommensteuergesetz insbesondere also neben Kleiderausgabe» auch Ausgaben für Bücher unb Zeitschriften, für Fahrkosten zwischen Arbeitsstätte und Wohnung usw. einbegriffen. Falls ein höherer Abzug beantragt werden sollte, muß es dem Steuerpflichtigen überlassen bleiben, die tatsächlichen Werbungskosten im Einzelnen anrugeben und

Wobrnehmung der Jnteressm einiger geschädigter Hand­werker-an See-!..: ruliMP-Äff-kSter. g-mrnrrü. ÄrsrrLlilO,

darauf folgendes mit

Bei der Rationierung von Woh»-

räumen muß infolge der immer drückender werdenden Wohnungsnot von den Kommunalbehörden scharf zugefaßt werden, wobei sich Härten und vielleicht auch Ungleichheiten nicht immer vermeiden lassen. Da jeder Stand und Beruf unter der gleichen Not zu leiden hat, darf es nicht wur-der nehmen, wenn auch dem Handwerker Opfer bezüglich seiner Arbeitsräume zuzemutet werden. Wenn aber dem einzelnen das von ihm verlangte Opfer zu unerträglich erscheint, steht es ihm frei, Beschwerde im Kommnnalaufstchtswege eimulegert, ich werde dann, soweit die Sache mit der Entscheidung vor- liegt, nach Anhörung der Parteien und des zuüändiaen GewerbeaufstchtSbeamten meine Entscheidungen treffen. Ich muß es einzelnen Beschwerdeführer überlassen, etvl. ein Gut­achten der Handwerkskammer beizufügen, wie es bereits in einzelnen Fällen geschehen ist."

* Vom Finanzamt wird uns geschrieben:

Die Tarifstelle 4a des ReichiUmpslguetzts vom 3. Juli 1913 in der Fassung deS GesetzeS vom 26. Juli 1918. die über die Verstempelung von Kauf- und sonstigen An- schaffunzsgeschaften über Wertpavi^r, ausländische Bank­noten, ausländisches Papiergeld oder ausländische Geldso^ten handelt, hat durch das Gesetz über die Erhöhung der Börfeu- «mfatzßeuer vom 7. November 1921 (veröffm licht in der am 8. November 1921 ausgegebenen Nummer lOo des Reichs« gesetzblattes, Seite 1331) und die Verordnung über Erhöhung der Börsenumsatzsteuer und E nführuna ein : Deoiseuumsatz- steuer vom 9. Novembc 1921 (veröffentlicht in der am 9. November 1921 ausgegebenen Nummer 107 des Reichsgesetz- blattes Seite 1333) eine beträchtliche Aend-rnng erfahren. In der Hauptsache ist a) der Börseaumsatzstempe! für Aktien, Kuxe usw. auf 1 vom Tausend, bei Kundengeschästru aus 1 vom Hundert, H der-senumsatzstempel für ausländische Banknoten, ausländisches Papiergeld oder ausländische Geld- sorte» auf */I0 b-zw. 3 vom Tausend, c) die Deviseuumsatz« fieser auf V». bezw 1 vom Tausend festgesetzt ws:dea. Der Dcvisenumsatzüeuer, die neu eingesührt ist, u: erfa m An« schaffungsgeschäfte über auf ausländische Währung last^be Zahlungsmittel. Es sind dies tusbesondsre Geschär-r, durch die sich der eine Teil verpflichtet, dem anderem Teile einen

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