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► Die unter dem Vorsitz des Reichskanzlers geführten Ver- jyanblungen der Reichsregierung mit den Vertretern der SoitzenorMnisationen der Beamten, Angestellten und Sn beiter baben zu einer Einigung geführt. Das Reichskabineti wird mit größter Beschleunigung zu dieser Vereinbarung Stellung nehmen. Mit ihrer Annahme darf heute gerechnet werden. Nach Verabredung mit den Führern der ReichS- tagsfraktionen sollen die erhöhten Bezüge alsbald nach öeü ^Zustimmung des Reichsrats angewiesen werden. Die Zi^ siimmung des Reichstags wird nachträglich eingeholt werden, "Die Bedingungen lauten wie folgt:
1- Der Teuerungszuschlag zum Grundgehalt und der jOrtszuichlag für die planmäßigen Reichsbeamten wird für die Orte der Ortsklasse A auf 93 Prozent, für die Orte der Ortsklasse B auf 91, für die Orte der Ortsklasse C auf 89, der Ortsklasse D aus 87 und der Ortsklasse E auf 85 Proz. festgesetzt. De>'e Erhöhung entspricht einer Aufbesserung der Gesamtbezüge um isy2 bis 20 Prozent in den Ortsklassen A bis E.
2. Die männlichen außerplanmäßigen Reichsbeamten er« bairon 'it den bisherigen Diensteinkommen neben Tene- krimgSzu'chlag einen weiteren TeuerungSzuschlag in einer -Höhe, daß deren Dienfteinkommen nebst TeuerungSzuschlag das Diensseinkommen nebst Tenerungszuschlag eines planmäßigen Beamten der ersten Besoldungsstufe ihrer Eini- igungsgrnppe erreicht.
L 3. Die weiblichen außerplanmäßigen Reichsbeamteu er« palten zu dem bisherigen Djensteinkomuren nebst Teue- wnngszuschlag einen weiteren Teuerüngszuschlaa bis zur Erreichung eines Gesamtertrages, wie er sich ergeben wurde, wenn unter Zugrundelegung des Teuernngszu- Ichlages für die planmäßigen Beamten, sowie des Ortszu- Kchlags für die erste Besoldungestuse ihrer Eingangsgruppe Die Diätensätze betragen würden vom Beginn des ersten Diensttahres an 75 vom Hundert, ab Beginn des zweiten Dssnstmbres 75, des dritten Tieustiahres SO. des vierten Dienstiabres 80, des fünften TienstiahrcS 85, des sechsten »L.ien!nabreK 90, des siebenten Dienstjahres 95, des achten Dienst'abres 100 vom Hundert.
4. Die Teuerungszusch'Lge -u den Kinderzuschläaen Herden in den Orten der Ortsklasse A auf 200 Prozent, der Ortsklassen B und 0 aus 175 Prozent, der Ortsklassen D und E aus 150 Prozent festgesetzt.
. 5. Die vorgenannten TeuerungSzuschläge iverdeu ab l. August 1921 gewährt.
■ 6. Die Unterbaltszuschüsse im Vorbereitungsdienst wer« den^ erhöht.
7, Die Einbehaltung der vorstehend bewilligten Erhahuu- ?^.f„'^ddeckung noch nicht getilgter, seinerzeit gewährter Vorschüsse wird nicht stattsinden.
8. Für die Beamten, die vor dem 1. August 1921 aus dem Arbeiterstand in das Beamtenverhältnis übernommen worden sind, sinöet eine Anrechnung der aus Ziffer 1 sich ergebenden Erhöhung des TenerungszuschlaacS auf die Aus- gleiKSzulage nicht statt Dagegen wird angerechnet: 1 die Erhöhung des Grundgehalts bei der Ankrückung in eine höhere Dienstaltersstufe und bei der Beförderung, die Erhöbung des Ortszm'chlags we^en Uebertritts tu eine höhere Ortszuschlagsgruppe. 8. die Erhöhung der Diä- ^mätze und die Erhöhung des Teuerunaszuichlags, soweit die auf die oben genannten Erhöhungen des Grundgehalts, des Ort'-'N, lügs und der Diätensätze zurückzuführen sind
9. ^ Kür SfngefteHte finden die Ziffern 1. 4, 5 und 7 sinn« gemäne Einwendung. Gemäß Ziffer 2 werden die Bezüa« der männlichen volljährigen Angestellten entsprechend den ersten Sätzen der Ziffer 3, die Bezüge der weiblichen inaujdüriaen Angestellten in den fünf Berqütungsstufen er«
Grundsätze unter Ziffer 8 finden sinngemäße Am , Wendung auch für die per'önlichen Anlagen der Angestp^ reu der Reichsverwaltung aemäß S 19 des TchEarikvrr-
^^w ^- ^nnt 1920 mit der Maßgabe, daß die Er- bömmg der Bezüge infolge Verletzung des dienstl^'v i Wohnsitzes in eine höhere Ortsklasse mit Wirkung von duri ny öre Berechnung der versönstchen Zulaae maßgeblich-' Stichtag auf die persönliche Zulage in Anrechnung zu Lnngeu iß.
~ Der bisherige TeuerungSzuschlag für männliche Aroei-er über 21 Jahre wird ab 1. August pro Stiride um eine Mark erhöht werden. Hierbei sind die den Beamie'- ^kwabrten Erhöbnuaen b^r Kinderzuschsä-m bereits mitz ioeruch-chtigt, so daß der bisherige Spezialloku der Arbeite,
’lfnäeruna sstEt erfährt Eine Anrechnung auf die !Durch die Tarlkverträge oder sonstige VreeinS^runaeu be, rLinaten persönlichen und tz-tiu^erru Bnrno«" n-«-^« v;,r,<
statt. Die Festsetzung des Teuerungszuschlaacs für Arbeitsrinnen und Arbeiter vom 18. biS 21, Jahre und für jugendliche Arbeiter und Lehrlinge bleibt noch besonderer Vereinbarung Vorbehalten.
ll. Kür Pensionäre und Hinterliebene werden die aus der Erhöhung deS TeuernngsznschlageS nach dem Pension?- eraänznnasgcsetz sich ergebenden Folgerungen gezogen. Die zur Durchführung der Maßnahmen erforderlichen Mittel werden bereitgestellt.
Von der Front in Kleingsien.
An einen deutschen Studenten ist dieser Tage eil 6nbe Juli datierter Feldpostbrief von der griechische, Kampffront in Kleinasien gelangt. In dem Brief der dem „Lokalanzeiger" zur' Verfügung qeitelli wurde. Heztzt es:
Sie fragen, ob wir Bewegungskampf führen? Jawohl und zwar haben wir in zwölf Tagen 260 Kilometer, einet ^age-- sogar 38 Kilometer zurückaelegt. Das Gelände iü lchwwrrg. Hochebenen von 1000 bis 1500 Meter über den Rceere, von hohen Bergen umgeben, auf welchen der Fein: erüge graben war und den Vormarsch mit schweren Geschützt! Iran 15,5 und 24 Zentimeter wehrte. Der türkische Fana- ^^ ^ Mittel erregt, machte aus den feindliche!! Machten einen schrecklichen Gegner, der vor keiner Grausain- keit zuruckickreckte, sein Ziel zu erreichen. Kemalistische tangene erzählten, daß hinter ihnen Mitrailleusen die Ausreißer niederschossen. Meine Division, deren Stab ick als ^nfanteriel-utnant d. Res. angehöre, hatte in drei Schichten au kampfen, eroberte in technisch großartig verschanzten St-l- Geschütze, siegte in kleineren Gefechten uns «baä. ^uck, zu ruhen Unser Heer hat biei große etabte, Kutaia. Afion-Karahiffar und Eski-Schehir erobert toar "" Wettlauf. Wir hatten leider große
„.^f“ Soldat ist bewundernswert. Er läuft seine 25 Leichtigkeit und kann tagelang nur oon ®rot und Ka,e leben. Um das tätliche F-uer d^k Schützengraben etwas zu vermeiden, mußten wir große rm Hochgebirge durchlaufen: dies verhinderte etwas .^rmarsch, da alles Material auf Maulestlz ^.S^pF.^" geschleppt^ werden mußte. " Die Tages- temperatur betraat in der Sonne bis ßü ®rah KniGua«
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Nachts yttrschk sehr etnpfinMche Ra!ß, ' M Täffn sSM Kälte, da ich unterm Zelt, angezogen, mit vier Decken bedeckt, schlief. Wunderschöne Flora in der Gegend, entzückende, prachtvolle Alpenblumen, schöne, an die Voralpen der Schweiz erinnernde Landschaften.
Wir befinden uns in der Gegend der Angoraziege, deren es Tausende hier gibt. Auch eine, wie es mir schemt, sehr edle und reine Rasse Windhunde, schwarze und weiße, findet man hier, abgesehen von den Anaorakotz°" ' -freunb'
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hatte ich gerne von all diesen Steten esn8 inltgKoWM, doch sind wir so weit im Innern Kleinasiens eingedrungen/ daß die Sache unmöglich ist. Unser Heer muß beweglich sein, um bei erster Gelegenheit bis Angara vorzudringen, was nicht mehr sehr schwierig scheint, da wir die drei wichtigsten Verkehrsknoten der feindlichen Armee erobert haben; die zwei Offensivlinien sind durchbrochen und der Weg zur Äemalistenhauptstadt steht jetzt frei.
Die erste Phase des Krieges ist nun glücklich beendet und ich genieße die relative Ruhe mit Entzücken. Ich denke, daß jetzt die Diploinatie das Wort hat, und hoffe, daß unsere Opfer nicht verloren sind, daß dieser gerechte Krieg das erwünschte Resultat endlich bringen wird; unsere un« S'icklichen Stammesbrüder, diejenigen, sage ich, die dem esser der Feinde unb den Entbehrungen der Deportation entgangen sind und ihr kümerliches Dasein unter dem schrecklichen Sklavenjoche noch führten, endlich zu befreien. Um dieses idealen Zieles willen darf Griechenland vor keinem Opfer zurückscheuen.
Wir haben sehr viele Griechen von Kleinasien bei uns. Es sind Soldaten, die mit Wut kämpfen, denn jedem blutet noch das Herz von dem Erlebten. Da wird SchrecklickeL vorgetragen. Der eine ist der letzte Ueberlcbende einer zahlreichen Familie, alle seine Angehörigen wurden vor seinen Augen niedergeschlachtet; des anderen Frau und Schwester wurden vor feinen Augen entehrt und dann ins Innere Anatoliens geschleppt. Andere mußten ihr Grab mit eigenen Händen graben, um dann niedergemetzelt zu werben. Die Fälle sind unzählbar. Europa kennt noch nicht die sckrecklichen Greuel, die verübt wurden gegen unsere unglück- licken Stammesbrüder. Der Strieg ist etwas Schreckliches! Alan kann tapfer sein oder aus Ehrgefühl seine innere Bewegung nicht zeigen wollen, aber im Getöse der Schlacht, wenn das feindlich? Feuer der Geschütze ringsum die Erde aufwühlt, und man die armen kleinen Soldaten nur so fallen sieht, ja, dann muß man kein Gefühl haben, um nicht bis ins Innerste erschüttert zu fein. . . . Ich plaudere aber ein wenig in viel, und die Feldpost wartet nicht. Bon hier aus wird sie mit Kamelen fortgetragen, um weiter mit Kraftwagen bis zur nächsten Station befördert zu werden.
10 Gebote für den Güterverkehrsdienft-
Die gesteigerten Anforderungen des HerbstverkebrL an die Eisenbahnnerwaltung machen sich bereits geltend. Der durch die Erfüllung des KriedeuSvertrages aufs äußerste geschwächte Wagenpark reicht im Herbst nicht auS. um allen Anforderungen sofort entsprechen zu können. Bedeckte Wage» müssen an andere, stärker notleidende Bezirke zum Versand von Getreide, MÄl, Kartoffeln, Obst, Rüben unb sonstigen Lebensrnitteln abgegeben werden. Dies führt zu Ausfälle!! im eigenen Bezirk. Gleiche Verhältnisse bei offenen Wagen durch Teildeckungen infolge Abgabe der leeren Wagen nach dem Ruhrbezirk. Deshalb die Eisenbahnver- waltung nicht sofort mit telegraphischen und schriftlichen Beschwerden überschwemmen. Die Eisenbahndirektion kennt die Anforderungen und die Not aller Betriebe aus jahrelanger Erfahrung, muß aber allen Ansprüchen durch mög- lichsi gerechten Ausgleich zu genügen suchen, Folgendes be- achten:
1. Schnelle und fristgemäße Be- und Entladung der Eisenbahnwagen. Ladekolonnen verstärken. Doppelschichten, einlegen. Größere Mengen von Massengütern wie Kohlen, Koks, Erze usw. in ?lnsch!ußwerken auch nachts ent- •----labwu Waaenstanägeld unMLagergebühren, können zu Zeiten der Verkehrs- und Wagennot grundsätzW nicht erstattet werden!
9, Stückgüter den Transportanforderungen entsprechend, ausreichend und gut verpacken und deutlich, zweifelSfreij und in Uebereinstimmung mit den Angaben tm Frachtbries bezeichnen, alte Anschriften vorher entfernen. Bei, Säcken, Körben und ähnlichen Verpackungen Signier- sahnen mit Metallösen verwenden und mit geglühtem Draht befestigen. Abschrift der Bezetteinng auch unter die Verpackung einlegen iNotadressei.
8 Bezetteinng muß enthalten: Absender (erwünscht und, sehr zweckdienlich ist auch die Angabe des Empfängers), Zeichen oder Buchstaben und Nummer, Versandstation, Ausgabetag und — äußerst wichtig — tarifmäßige Bezeichnung der Empfangsstation, bei Plätzen mit mehreren Bahnbösen auch Emviangsbahnhos. Alle? In genauer, ITeberrfA^^vittnö w-H ^n Hs,^ ^^ irrt ^rArftfBrief.
In den Stürmen des Lebens.
Roman von E. Sierra.
9] (Nachdruck verboten.)
„Es ist ein guter Mensch," entgegnete Wilm sehr bestimmt. „Nur zu gut und zu nachsichtig gegen den leichtsinnigen Fritz Ferdinand."
„Allzu gut ist liederlich! pflegte meine selige Mut. ter immer zu sagen. Na, und was an dem Fritz Ferdinand dran ist, kann er ja jetzt zeigen, wo er nicht mehr den gefüllten Geldbeutel als bequeme Sauvegarde zur Seite hat. Das Geld stellt sich oft recht feindlich zur Entwicklung des Menschen. Bei dem einen, wenn er'S hat, bei dem anderen, wenn er'S nicht hat — je nach Charakter und Veranlagung."
„Und wie stebts denn in dieser Hinsicht mit dir?" fragte Ihre Exzellenz und konnte ein süffisantes Lächeln nutzt ganz verbergen, als sie von ihrer Höhe zu der kleinen, rundlichen Schwester hinuntersah.
„Mit mir . . .? Ach, du mein Gott . . •" Tante Josefines Augen sahen mit einem Male seltsam traurig aus. „3$ denke, das solltest du am besten wissen."
Tiefe Wendung des Gesprächs schien Ihrer Exzel- lenz nicht zu behagen. Mit einem Achselzucken wandte sie sich Wilma zu. «Liebes Kind, ich vergaß bisher ganz, zu fragen, Wie steht es denn mit eurer Bedienung aus? Kommt eins eurer Mädchen mit? Oder willst du dir hier etwas Passendes mieten?"
„Wir gedachten ohne Mädchen auszukommen."
„Wie--was?"
Anet Paar Hände ließen vor Schreck Mester und Gabel sinken Unb die lange, blonde Annemarie von Holstenbrugk blieb mit offenem Munde sitzen.
„Frau Wiebke, die Povtierfrau, eine freundliche Frau, erbot sich für monatlich 20 M. die Zimmer zu reinigen."
Ihre Exzellenz verschluckte in schier unwürdiger Hast eine Gabel voll Bratkartoffeln. Es sah aus, als stopfe sie hiermit eine ganze Flut von Worten hinunter. die ihr auf der Zunge lagen. Einen ängstlichen Blick warf sie nach dem Büffet hinüber, um zu er« forschen, ob M«na, das aufwostrnoe Mädchen, es auch
nicht gehört hatte, daß khr Neffe und ihre Nichte.. .3 Unerhört!
In das Schweigen, das hierauf eintrat, warf Tante Josefine in etwas ungeschickter Gutmütigkeit einen altbackenen Witz hinein. Aber sie erntete nur ein etwas verlegenes Lachen von Seiner Exzellenz als Lohn für ihre Bemühung.
Es war, als ob Wilmas Worte eine Wand errichtet hatten, an der sich der Schall der Stimmen verfing, um erst in einer seltsam veränderten Klangfärbung das Ohr der Trübenstehenden zu erreichen.
Wilmas Ohr war geschärft für solche Nücmcierun- gen und sie dankte Gott, als sie den gastlichen Räumen von Tante Exzellenz den Rücken kehren konnte.
Trotzdem sich die neue Wohnung im Verhältnis zu der Fülle und Wucht der antiken Möbel als reichlich eng erwies, machte das Ganze doch einen eleganten und behaglichen Eindruck.
Als unumschränkte Herrscherin in diesem kleinen Reich fühlte sich Wilma glücklicher, als sie es für möglich erachtet. Die ungewohnten Arbeiten für den Haushalt und die täglichen, durch ihre Unerfahrenheit noch verstärkten Sorgen desselben, brachten sie über die erste Zeit schnell fort. Ohne sich dessen bewußt zu werden, sah sie den jetzigen Zustand als ein Uebergangs- stadium an. Und ob sie der unbefangen fröhlichen Miene, mit der Wilm all die ungewohnten Beschränkungen hinnahm, hätte Glauben schenken dürfen.--
Aber die Geschwister hatten schon tiefer in die Kasse gegriffen, als für ihre Verhältnisse gut war.
Am 1. Januar stellte sich ein erschreckendes Defizit heraus. Man glaubte bescheiden gelebt zu haben und mußte doch zu der Erkenntnis kommen, daß man viel zu üppig gewesen war. Wie ein paar verschüchterte Vögel saßen die Geschwister nach Feststellung dieser Tatsache über dem Ausgabenbuch, rechneten, teilten ein, strichen hier und da, rechneten wieder — das Resultat blieb: Es galt, sich viel mehr einzurichten, wenn man mit dem Gegebenen auskommen wollte.
Frau Wiebke, die in den Stunden ihrer Tätigkeit, ihre Neinen Schlitzäuglein in der Wohnung umhersandte. hatt« es bald heraus, daß irgendeine ungünstige Ver
schiebung eingetreten war und machte sich ihre Gedanken darüber. ,
Und sie war nicht die einzige, die das tat.
Auch die alte Frau Zillmann, die Mutter deS Schreibers aus dem Erdgeschoß, die das Gehen und Kommen des Geschwisterpaares stets mit reger Teilnahme verfolgt hatte, schüttelte immer wieder sorgenvoll den Kops, wenn sie der beiden ansichtig wurde. Sie war durch eine Verstauchung des Hüftgelenks seit Jahren an die Wohnung gefesselt und mußte sich begnügen, die Welt von ihrem Korbstuhl am Fenster aus zu be- trachten. Dieser kleine Kreis war dafür aber auch ihres grüßten Interesses sicher.
„Da stimmt etwas nicht," sagte sie zu ihrem Adolf und deutete mit der Stricknadel auf den Hof, den das junge Paar müden Schrittes überquerte.
Adolf Zillmann stand hinter der Mutter, reckte seinen langen Hals aus und preßte seine große Nase so fest als möglich an die kleinen Gardinen, die die Fenster verhüllten, um nur ja keinen Zug dieses feinen, lockenumrahmten Gesichts zu verlieren. Wie ein Stern aus einer anderen Welt war ihm die junge Baronin hier in dem engumgrenzten Hof erschienen.
im Leben glaubte er solch einen alabaster- weißen Teint gesehen zu haben, solch wunderbares Gold der Haare, solch eine zierliche Grazie in den Bewegungen. Und zu all dieser jugendlichenn Lieblichkeit diese fest geschlossenen Lippen, diese ernsten Augen.
Auch die junge Lehrerin aus dem Hochparterre wunderte sich, daß die beiden, die früher so oft mit jugendlichem Ungestüm an ihr Dorübergeftürmt waren, um die vier Treppen mit wahren Siegerschritten zu erobern, heute, wie zwei alte Leute, in schwerer Müdigkeit hinter ihr her schlickten
Und als am nächsten Morgen Wilmas Schritt wieder hinter sich auf der Treppe hörte, zögerte sie absichtlich und stocherte mit dem Schlüssel am Schlüsselloch herum. Sie erschrak, als sie die Veränderung in dem jungen Gesicht sah. Und der Wunsch nach Teik nähme war so übernrächtig, daß sie plötzlich mit ettvaS heiserer Stimme hervorstieß: „Ich weiß — Sie sind fremd in Berlin--wenn Sie mal Rat und Hilfe brauch«, — ich bin seborent Berlinerin."
(Fortseyunfl folgt.)