Schlüchlerner Bettung
Schlüchterner Kreisblatt - Schlüchterner Tageblatt
Nr. 185
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Mittwoch, 10. August 1921
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Hum hun^rijähmgEN J^ste^n ^s ^veis^s HchlüchtEM.
Der Kreis Schlüchtern hat vom Mittelalttr b s in die Neuzeit hinein weder zu einem einheitlichen Staatsgebiete gehört, noch einen geschlossene» Verwaltungsbezirk gebildet. In ihm geboten vielmehr verschiedene Landesherren, wie die Grafen von Hanau, der Abt von Fulda, die Herren von Hütten u. a. m.; auch zerfiel er in eine ganze Anzahl Gerichte: Steinau und Schlüchtern, Brandenstein, Ramholz, Schwarzenfels, Gonau, Salmünster u. a. m.
Erst als das Kurfürstentum Reffen das gesamte Gebiet des jetzigen Kreises in seiner Hand vereinigt hatte und an die Neuordnung seiner Länder hinsichtlich Verwaltung und Rechtspflege herautrat, wurde auch unser Kreis als politisches Zw-ckgebilde ins Leben gerufen.
Es geschah dies durch die kurhesstsche Verordnung vom 29. Juni 1821, welche die Umbildung der Ht h rieen Staatsverwaltung herbelführte, >te Einteilung des ganzen Staatsgebietes in vier Provinzen: Niederheffen, Overhtffm, Fulda und Hanau, und die Errichtung der Kreise bewukte sowie die Trennung der Justiz von der Verwaltung aus sprach.
In der Prov'uz Hanau waren vier Kreise vorgrsehrn: Hanau, Gelnhausen, Salmünster und Schlüchtern. Durch die Verordnung vom 30. August 1821 wurden dann die Gebiete der Kreise und die Gerichtsbezirke näher abzegrenzt.
Dem Kreise Schlüchtern wurden zugeteilt:
I. das Amt Steinau, bestehend aus
1. dem bisherigen Amte Steinau und
Schlücht-ra mit 6818 Einwohner,
2. dem Gerichte Brandenstein und Ramholz mit 2868
3. den seitherigen Fuldische» Orten Herolz, Saunerz und Wsiprrz mit 1089 „
H. das Amt Schwarzenfels, bestehend aus
1. dem bisherigen Amte Schwarzenfels mit 6475 „
2, dem bisherigen Amte Alt ngronau mit 1397
Der Kreis zählte mithin überhaupt 1864 i Emwohaer.
Der Kreis Salmünster erhielt zugew'esen:
1. das Amt Salmünster (ohne Herolz,
Sannerz und Welpe rz) mit 6047 Einwohner,
2. das Gericht Wächtersbach mit 5104 „
3. das Gericht Birstein mit 4371
Seine Einwohnerzahl betrug somit
überhaupt 15522 Einwohner.
Der Kreis Schlüchtern kann demnach mit Recht in diesem Jahre das Jubiläum seines hundertjährigen Bestehens feiern.
Justizämter bestanden damals nur in Steinau, Ramholz und Schwarzenfels. Durch Bekanntmachung des Jaftiz- Ministeriums vom 28. Dezember 1821 aber erhielt Schlüch- tern einen sogen. JusttzamtS-Assistenten, dem die Stadt Schlüchtern, das Amt Brandenstein und die Orte Herolz, Sannerz und Weiperz unierstslit wurden. Diese Justizamtö Assistenten hatten nach dem Ausschreiben des Justiz Ministeriums vom 22. November 1821 „neben den Aciuaeiatsge- schäften alle Verrichtungen, welche den Justizbeamten oblagen, unter bestimmten Ausnahmen" wahrzunehmen.
Durch das Ausschreiben des kurhesstsche» Staatsminis- tertums vom 23. November 1829 wurde dann der Kreis Salmünster mit dem 1. Januar 1830 wieder aufgelöst und die Gerichte Wächtersbach und Bierstein dem Stelle Gelnhausen zugeteilt, das übrige aber mit dem Kreise Schlüchtern verbunden. Dessen Einwohnerzahl, die 1827 schon 22175 betragen hatte, stieg dadurch auf 31915. Die VerwaltungS- Me des Kreises führte damals die Bezeichnung „Kreisamt" und deren Inhaber den Titel „Kreisrak."
Durch Verordnung vom 21. Dezember 1831 wurde das Justtzasfisteuzamt Schlüchtern endlich zu einem selbständigen Justizamte erhoben und vom Amte Steinau getrennt.
Auf das Ausschretben des karhessischen Ministeriums des Innern vom 29 Januar 1849 wurden vom 1. Februar desselben Jahres ab anstelle der „Kreikämter" sogenannte »VerwaltungSämtsr" gebildet und auch der Kreis Schlüchtern in ein solches verwandelt. Doch hob die Verordnung vom 7. Juli 1851 diese E neichtung wieder auf und stellte die alten Kretsämter w eder her, führte aber für diese die Br- iüchnung „Landratsämter" und für den Kreisrot den Titel »Landrat" ein.
Das Jahr 1849 brächte auch eine A-nderung einiger Amtsbezirke. So wurden durch Verordnung vom 20. De- Umber d. Js. mit dem 1. Januar 1850 dem Jastizamte Schlüchtern die Gemeinden Breitenbach, KlosteihSie (Drastn b«rg, Gomfritz, Reith und Röhrigs) Wallroth, Hintersteinau «»d Reinhards, die bislang zum Jastizamte Steinau gehört hatten, zugeteilt. Auch erfolgte buch die gleiche Verordnung auf Grund des Gesetzes vom 13. November 1849 die Aufhebung der bisherigen Patrimonial Gerichtsbezirke Ram« Holz und RomSthal. Jene wurde dem Justizamte Schlüch- t«v, dieses mit Ansnahme des Dorfes Marborn, das man i»m Justizamte Steinau schlug, mit dem Jastizamte Sal- vtünstkr verbunden. Seitdetst bestehen im Kreise Schlüchtern
nur noch vier J estizämter oder Amtsgericht«: Schlüchtern, Stein«», Salmüaster ua^ Schwarzeafels.
Die letzte Aenderung im Keetsgebiete trat ein, als auf Grund des Staaisvsrtraas zwischen Karh-sssen und Bayern vom 18/22, Oktober 1861 durch das Gesetz nott 5. Aug. 1863 daS bis dahin von beiden Staaten gemeinschaftlich
besessene (Kondominats-) Mengedors ZüiiierS'each mit einem Teile des Vierherrenwaldes vostüändig an Karheffen über- ;i g, dagegen die KondominaiSdSisrr Ober- und Mittel sinn nebst Aura an Bay:r» fielen. Seitdem ist das Kreisgebiet, das damals einen Klächengeh-stt von 9,297 Qnadratmrilen hatte, unverändert geblieben.
Im Jahre 1866 ging der Kreis bekanntlich an Preussen über) blieb aber durch die Königliche Verordnung vom 22. Februar 1867 euch unter preußischer Verwaltung in seinem alten Umfange bestehe«. Ebensowenig änderte die Kreis- o.daurrg für die Provinz Hessen-Nassau vom 7. Juni 1885 etwas an seinem Bestände. Nur seine Einwohnerzahl unter
lag wesentlichen Schwankungen. Sie betrug
1837:32162 1852; 33116 1840:32455 1855:31890
1843: 33372 1858: 31651
1846: 33221 1861: 30337
•1849: 34034 1864: 29664
1867 erreichte sie wieder 31774, Bei der letzten Volkszählung 1919 betrug sie 31124.
A Malfeld, Steinau.
Aus der Heimat.
BottarrsfichLl Witterg Am 11. 8. (Donnerstag:) Wechselnd bewölkt, etwas Ngen, etwas kühler, Abend trocken.
O p f e r t a g zum Beste« der Anstalten und Werke evangelischer Liebestatigkeir.
Die nun schon seit Jahr-u anhaltende und ständig sich steigende Teurung hat dir Anstalten und Werke der evzl. Liedestäcigkeit in unserem Regierungsbezirk in schwere finanzielle Verlegenheiten gebracht. Jrfolgedeffen wurde schon im nötigen Jahre ein Ovfertag Veranstalter zum Besten der Anstalten der Juveren Miss ou. Dessen Ectrag ein so erfreulicher war, daß sie -Mrattea für ein» geraume Zeit vor der größten Not bewahrt werden konnten.
I tzt aber droht den Anstalten voa neuem das Gespenst der finanziellen Krisis, wenn ihnen nicht abermals barmherzige Liebe zu Hilfe kommt. Brot, Kohlen und vieles andere sind ja inzwischen erheblich von neuem im Preise gestiegen. In den großen Anstalten, wie in H^pharg bei Trcysa, wo täglich 850 Menschen der Tisch gedeckt werden muß, wie im Diakoniffenhaus in Kassel ober im Siechenhaus zu Hofgeismar spührt man begreiflicherweise die LeLenSmittel- Verteuerung u. a. m. »och in viel größer»» Umfanz und in viel schmerzlicher Weise als in jedem Privath mshüt.
Um aus dieser abermaligen und größeren Not unfe e: Anstalten und sonstigen Werken der inneren Mission, deren Arbeit in dieser Zeit am ailerwcniMea ernährt w<rdm kann, von neuem zu helfen, soll mit Genehmigung des Herrn Obecp'äsiventen, der den Notstand als in vollem Umfange vorhanden anerkannt hat, in der Zeit vom 18. bis 20. Scpcember d. Js. wiederum ein Opfertag adgehalten werde». Wir ma ^en unsere Leser schon heute darauf aufmerksam und werden demnächst »och einige näh re Angabe» folgen lassen.
—* Die Besoldung der.Lehrer in ui$t freien Stellen während der Bichinderung des Stelleninhabers liegt den Schulverbänden allein ob. Die Berufung eines Stellvertreters kann sonach erst ei folgen, wenn die State! für ihn vom Schulverdano bewilligt sind.
—* (Dce Umzugsto ten bei den Lehrern.) Bewirbt sich ein Lehrer um eine fiele Stelle, für die der Schulverband das W.^hi-, Berufvnzs oder Vorschlagsrecht ausübt, so ist der Schuiv rbanö für die Erstattung der Umzugskosten verpflichtet. Wird eine vom Staat zu besetzende Stelle ausge- schrteden und die Gemeinde gibt ohne behördliche Anregung ihren Willen zu erkennen, schlägt vielleicht selbst einen Lehrer vor oder gibt kaud, daß ihr der derzeitige St-llenvsrwaltrr nicht genehm ist, entweder in Form eines offiziellen Antrages ober aber bei gelegentlicher Aeußerung, so ist sie in jedem Falle zur Zahlung der Umz-rgskosten verpflichtet.
* Büdlugen (Obech.) E ne seltene Anhänglichkeit an ihre ehemaligen Bildungs ättr bekunden die frie ren Büdinger Gymnasiasten. In dem alten, ehrwürdigen Städtchen mit seinen wohleihaleenen Fellungömauern, T rmen und Eckern, seinen romt ltsen Gaff.» und Gäßchen treffe- sich die K asfiker, wie der Büdinrer seine Gymvastasten zu neunen pflegt, alle 10 Jahre zur Sommerzeit. So hattm's einst die alten und jungen Pennäler ausgemacht, als sie die Feier des 330 jährigen Bestehens chres Gymnasiums, des ältesten voa H.ssm, beg «gen. Unb getreu diesem Beschlusse werden sie sich auch dieses Jahc wieder in Büdingeu ein Stelldichein geben, um Erinnerungen an die schönen Tag« einer frohen, sorgenfreien Jugend au^usauf^en. Das gastliche Büdlnzen wird sie am 13. und 14. August frendig aufmhmen und ihnen in feinen allen Mauern und seiner herrlichen, waldreichen Umgebung einige Stufen der E holuog zu bereiten suchen, Argabm von Anschriften ehemaliger Gymnasiasten bsttet man an Herrn Dr. Becker, Büdingen zu richten.
Kleine volilffche Rachnchle«.
Eine englische Flokkille in Wien.
Infolge der Jüternationalisierung der Donau ist eine englische Flottille den Fluß hinaufgefahren und hat in Wien Anker geworfen. Es fand eine Begrüßung durch den englischen Gesandten und einen Vertreter der österreichischen Regierung statt. 1
Rußland kaust in Deutschland Zndvfiriewaren.
Nach dem ,®. T." hat der Chef der sowjetrussischen Han- Lesvertretung in Berlin von der Sowjetregierung den Auftrag erhalten, im Auslande Jndustriewaren im Betrage von , etwa 1 Milliarde Mark sofort einzukaufe». Die Sowjetregierung will durch Austausch dieser Waren in den getreide- reichen Gouvernements eine größere Menge Getreide für die Hungernden aufbringen. AlS EinkaufSland sei »unächst, Deutschland in Aussicht genommen.
Errichtung deutsch-russischer Konsulate.
! Wie verlautet, schweben gegenwärtig zwischen der deutschen und der russischen Regierung Verhandlungen über die Errichtung eines Sowjetrussischen Kousulates in Stettin. Die Sowjetruffische Vertretung in Berlin hat bereits vor einiger Zeit bei der Reichsregierung zu diesem Zwecke bie; Genehmigung erbeten; von deutscher Sete wird diesem Anträge stattgegebe» werden, wenn die Sowjetregierung al^ Gegeuleistung die Errichtung eines reichsdeutschen Kousu-' lates in Petersburg zugestehen wird; die dieSbettiglichen stlnterhandlungen dauern fort. i
HUfe des Rote« Kreuzes für Rußland.
Unter dem Vorsitz des Präsidenten vom Reichsgesund- Heitsamt, Geheimrat Bumm, fand eine Beratung von Aerzte« in den Räumen des Landesvereins des deutschen .Roten Kreuzes statt. Ein SanitätSschiff soll mit A-rzten, Pflegepersonal, Medikamenten und chemischen Präparaten .ausgerüstet werden, zur Bekämpfung der in Rußland ausgebrochenen Seuchen, hierfür ist nicht nur die grundsätzliche Hilfsbereitschaft maßgebend, sondern auch die den deutschen Grenzen drohende Gefahr. — Gegen die Verschleppung ber Cholera auf deutsches Reichsgebiet sind zum Schutze Deutschlands vorbeugende Maßnahmen ergriffen worden. Daber! wird allerdings als möglich hingestellt, daß bereits im oä-^ l-chen Grenzgebiet cholcraverdächtige Fälle vorgekommen sein können^ Grund '>" ^»nvruHigung liegt vor der Hand Noch nicht vor.
Die Griechen dürfen Kssstaukinopel «icht besetze«.
Der Minister ChanEerlain erklärte im Unterhaus aus eine Anfrage, daß der griechisch-türkische Konflikt wahrschem- lich auf der Pariser Konferenz zur Verhandlung stehen werde. Die Griechen seien keineswegs ermächtigt worder^ Konstantinopel zu besetzen und sie hätten auch um eine lows Ermächtigung nicht uachgesucht. -
Die Pest in den ostrussischen ZZrrngrrgshiekea.
Sowjetblättern zufolge ist 1» den ostrussischen Hunger- gebieten die Pest ausgebrochen. Wie der „Dally Telegraph berichtet, ist ez möglich, daß von England der Beriuch gemacht werden wird, das russische Hilfswerk zu beginnen, indem die Bolschewisten aufgefordert werden, oem System des freien Verkehrs zuzustimmen. Dieses würde danu em« Grundlage für die Unterstützungsaktion bilden. Krasttu wird bald mit der Sondermission zurückerwartet, die Sie Verhavv. langen zu Gunsten politischer Anerkennung der Sowjet regierung führen wird. Die Leitung »er Handelsöelegattonj in Lp.ntzM übernimmt LlchM». "'^ 1
Gkurz der Sowsekreglerimg «oP M diesem ssahre.
Das russische Blatt „Sloboda- äußert die Ansicht, daß der Sturz der Sowjetregierung noch in diesem Jahre erfolgen müsse, da die Räterepublik dem Ansturm der rechtssoz'allstt^ scheu und Kadettenkreise nicht werde widerstehen können, «M mal die Lebensmittelkrise ihre Lage erschüttert hab«.
Amgrvpprerunq ikalienischer Truppen.
Innerhalb der italienischen Truppen findet eine Um-' gruppierung statt. Das gesamte.Infanterie-Regiment wird mit vpei Batterien Artillerie unb allen Kolonnen m der Gegend von Ratibor zusammengezogen, wo sie ßw^ Her beziehen Nur schwächere Maschlnengewehritation-n bleiben an den Hauptorten des übrigen Gev«teS.
Aufruhr in einem ^nierniernngSlager?
Am Samstag abend neuen 9U Uhr versuchten polnllch« Julaffe« des JnternicrtenlaaerS einen aewaktlamen A«s- b,»ck an« dem BarackenbauS. Die Posten gaben sesort Feuer und der arSß-e Teil der Ansbreche" nmrde mieder in den Barackenhas ,nr>-ckaesggt. Etwa 30 Man« neun« e«? tu den anarenzenden Wald zu entfliehen. Die ^er e una wurde sofort anlaenommen, blieb aber infolge der nnr i« best erfolglos. Die S^sttonHiei nnd Gendarmerie morden zur weiteren Beriolgnno ansgeboten. Von den AnSbremer« bO-c-en drei Mann durch Schüsse »er Paste« immer «erlestt. größtenteils durch Veinschüsse, liege». Weitere vier oder fünf Verletzte wnrden von den Entflohenen mitge«omme«.
Me Rmsterdamer Jnieruakionale in Berlin.
Die Amsterdamer Jnternattsnake bat beschlösse«^, eine internationale Konferenz nach Berlin ei«znber«^n. '!r ™ mi' her durch Mc Hungersnot i« Nnsilanb geschafiene« Lage ^Wie wk anS gut unterrichteter Quelle erfahre«, trifft Hefe Nachricht -n. Die Setrefkende Koniere«z ivird voraus- sichtlich am nächsten Samstag in den Räumen des Rua<mre ", nen Deutschen GewerkschgstsbundcS Rattfinben-