SMüchteene« Rettung
Gchlüchtemer Kreisblatt — Schlüchtemer Tageblatt
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Donnerstag, 7. Juli 1921
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Deutscher Reichstag.
Berlin, 5. Juli.
Auf eine Anftage des Abg. Graf (Dnat.) wegen der schweren Gefährdung des Ansehens der deutschen Gericht, durch widersetzliches Verhalten der Angeklagten, wre z. $ im Prozeß Holz, wird regierungsseitig erwidert daß dies, Frage bei der allgemeinen Reform des Strafrechtes zu prm ^" Nach einigen weiteren Anfragen folgt die zweite Beratuni des Entwurfes über die Gewährung von Beihilfen an dü Rentenempfänger aus der
Angestelltenversicherung
Hierzu liegen eine Reihe von Abänderungsanträgen bei Koalitionsparteien vor. Die Versicherungsgrenze soll vo< 15 000 auf 30 000 Mark festgesetzt werden. Es sollen brd neue Klassen im Versicherungsgesetze für Angestellte geschah fen werden. Klaffe K mit einem Einkommen von 5000 bU 10 000 Mark und 33 Mark Beitrag, Klaffe L mit einest Einkommen bis 15 000 Mark und 40 Mark Beitrag un! Klaffe M mit einem Einkommen über 15 000 Mark und 41 Mark Beitrag. Das Gesetz soll zum Teil auf den 1. Jan 1921 zurückdatiert werden.
Artikel 1 des Gesetzes wird einstimmig angenommen.
Die Erhöhung des Gehaltsatzes auf 30 000 Mark wir! einstimmig angenommen. Darauf wird der Rest der Vor läge mit großer Mehrheit angenommen, ebenso die rückwiv kende Kraft bis zum 1. Januar 1921. - Die dritte Lesun, des Gesetzes erfolgt morgen.
Das Wehrmachtversorgungsgesetz zur Versorgung bei Angehörigen des Reichsheeres und der Reichsmarine, fotoii ihrer Hinterbliebenen, wird in dritter Lesung angenommen Nunmehr folgen die vorher zurückgestellten beiden
Interpellationen zum Fall Jagow.
Abg. Dr Spähn (Ztr.) begründet die Jnterpellätioi der Koalitionsparteien, Abg. Dr. Rosenfeld (U. S.)' be, gründet die Interpellation seiner Partei. Warum sei nich wenigstens die Untersuchungshaft über Herrn von Jagon verhängt worden? Diejenigen, die als Revolutionäre mf dem Staate in Konflikt kämen, würden von der Justiz mit großer Schnelligkeit gefaßt und gegen die Arbeiter kenne bti Klassenjustiz keine Milde. Herr von Jagow sei ein ganze« Jahr lang unbehelligt gewesen. Noch heute schwanke du Regierung, ob sie gegen ihn vorgehen solle. Aber die Ohr, feige, die der Minister von Jagow erhalten habe, sei verdien gewesen. Niemand werde es in Deutschland geben, der fiel sines Falles erinnern könne, wo gegen einen Hochverrätei nicht vorgegangen worden sei. Das Attest eines Hausar üst habe doch keinen Wert, selbst der ärmste Arbeiter in Deutsch land müsse in einem solchen Falle das Attest eines Kreis- argteS beschaffen. Die Justiz habe Herrn von Jagow ein, geredet, daß er krank sei. Herr Eulenburg habe wenig n! so getan, als ob er krank sei, aber Herr von Jagow über, treffe ihn noch, er simuliere Gesundheit (stürmische Heiserkeit). In Frankfurt a. M. ist der Arbeiter Lehmann in Gefängnis erblindet und lahm geworden und ein ärztn : Entlassungsantrag sei unberücksichtigt geblieben. . Warun sasse die Regierung denn nicht zu. Warum habe die Äteg.e, rung nicht wenigstens die Kaution beschlagnahmt?
dessen reise Herr von Jagow im Lande herum und für” i Streitkräfte gegen die Republik Wie siebe es denn nv >
anderen 40 Kavpistenprozesien? Ob die Herren woll . tu so trank seien, wie Herr von Jagow? Helfershelfer do« Hochverrätern gehörten ebenfalls in das Zuchthaus.
Reichsjustizminister Schiffer: Ich erkenne ohne wei, teres an, daß die Oeffentlichkeit ein Recht auf Auklürnn-j hat. Es bedarf nicht seiner freundlichen Warnung an mich mich vor dem Zuchthause vorzusehen. Ich könnte divselbt freundliche Warnung an ihn richten, denn er hat einen straft baren Appell an die Gewalt gerichtet. (Lebh. Zustimmung rechts.) Ich habe im Falle Jagow Zurückhaltung üben müssen, weil es sich um ein schwebendes Verfahren handelte, Wenn man die Erklärung des Herrn v. Jagow in bei „Kreuzzeitung" in gutes Deutsch übersetzt, daß er seit März 1920 nicht krank gewesen sei, so heißt das: „Ich bin ein vollständig gesunder Mann und d«r Minister hob meinen leidenden Zustand nur hervor, „um die Untätigkeit und die Um fähigtejt der Justiz zu verdecken." Darin liegt ein? grob« Verhöhnung der Justiz. Aber wenn er sich jetzt auch als einen kerngesunden Mann hinstellt, so hat doch sein Verteidiger ihn als einen schwer leidenden Mann hinstellen lassen, Aus den Akten geht hervor, daß Jagow in der Jugend eins schwere Tuberkulose überwunden hat, die leicht jeder Seil wieder akut werden kann. Dazu kommt noch eine Lebers anschwellung, ferner ein akutes Gallenblasenleiden und am deres. Während seiner Untersuchungshaft hat Jagow selbst an seine Verteidiger geschrieben: Die Untersuchung ist für mich mit der Ermordung gleichbedeutend. Ich muß kalti Abreibungen machen, und seit der Pferdeabschaffung laufe teil täglich eine Stunde Trab. (Stürmische Heiterkeit.) Es ist nicht aus der Welt zu schaffen, daß Jagow sich auf der einen Seite als kerngesunder Mann vorstellt, und auf der anderen Seite, wenn es sich um Untersuchungshaft handelt, wehleidig wird. Dieses Bild des Herrn v. Jagow wird romantische Nautren etwas enttäuschen, die von Herrn v. Jagow als von einem starken Manne geträumt haben. (Surm Adolj Hoffmanns: Na ja! Und wann wird er verhaftet?) Seien Sie doch nicht so blutdürstig! (Zuruf Ad. Hoffmanns: Ich möchte ja blos, daß Sie es noch erlebten (Heiterkeit!) und daß nicht er Sie verhaftet! (Große Heiterkeit!) Die S:ät« ter, von denen ich spreche, meinen allerdings, daß Herr v. Jagow nur der gegenwärtigen Regierung ein Schnippchen get schlagen habe. Das ist ein gewaltiger Irrtum. Es handelt sich um einen Vorstoß gegen den Staatsgebarften und den Staat überhaupt. Herr Jagow stürmt gerade so gegen den Staat wie die Herren von der äußersten Linken. Der Mi^ nister geht dann auf Einzelheiten des Verfahrens gegen Jagow ein und erklärt, daß am 22. März 1920 das Verfahren gegen Jagow eröffnet worden ist. Auch die Beschlagnahme des Vermögens des Herrn v. Jagow sei beschlossen worden Herr v. Jagow selbst sei aber damals nicht auffindbar gewesen. Inzwischen hab? der Verteidiger des Herrn v. Jagow, Justizrat Gordon, den Antrag gestellt, auf Grund des Amnestiegesetzes das Verfahren gegen Herrn v. Jagow ein- zustellen, was aber abgelehnt worden sei. Schließlich sei dann gegen die Stellung einer Kaution in Höhe von 500 000 Mk, von einer Untersuchungshaft Abstand genommen, aber einS erneute Aufhebung des Verfahrens abgelehnt worden. Die Staatsanwaltschaft sei zu dem Entschluß gekommen, weil ein Fluchtverdacht nicht Vorgelegen habe. Herr v. Jagow wurde darauf im Mai d. J. vor den Untersuchungsrichter geladen und er ist dieser Aviwrdcrung auch nachgekommen. Hier glaube ich, daß ein Mangel an dem Verfahren liegt und zwar darin, daß der Oeffentlichkeit von dieser Vernehmung des Herrn v.. Jagow keine Mitteilung gemacht wurde. Noch in den letzten Wochen gingen Anfragen des Untersuchungsrichters ein. Die Justizverwaltung wird alles tun, um das Verfahren so bald wi? möglich zum Abschluß zu bringen. (Beifall bei den Bürgerlichen, Lärm bei der Linken.)
Inzwischen ist von den Kommunisten ein MiNtrauens- vatulU aegen den Iiistizmin'sier einaebrackt worden. — ^u-
Abstimmung über dieses Mißtrauensvotum wird morgen erfolgen.
Darauf vertagt sich das Haus auf morgen vormittag
11 Uhr. Schluß der Sitzung 7% Uhr. u
Der Leipziger Prozeß.
Kein Skrafantrag gegen Slenger. — 2y2 Jahre Gefängnis für Crusius beantragt.
Nach Schluß der Beweisaufnahme ergriff der Oberreichs- anwalt das Wort zur Anklagerede: Am 21. August soll General Stenger Befehl gegeben haben, alle auf dem Schlacht- felde liegenden Verwundeten zu erschießen. Der Oberreichs- anwalt ist fest davon überzeugt, daß der Angeklagte Stenger einen solchen Befehl nicht gegeben hat. Gestützt Mrd die Behauptung der Entente auf die Aussagen des Crusius, während eine ganz? Reihe einwandfreier Zeugen bekundet hat, daß Stenger den Befehl nicht erteilt hat. Der Oberreichsanwalt ist der Ueberzeugung, daß Stenger den Mut haben würde, zu bekennen, wenn er in Wahrheit den Befehl gegeben hätte. Dem Angeklagten Crusius will der Eber» reichsanwalt nicht den Vorwurf der subjektiven Umvahr- Haftigkeit machen, denn er kann sich nicht denken, daß em höherer deutscher Offizier das Reichsgericht anlügen wurde. Die Behauptung des Angeklagten Crusius ist aber als ob- jektib falsch anzusehen. Ausgeschlossen ist, daß Stenger sich etwa nicht mehr erinnert, was er damals getan hat. Irgend eine Zeugenaussage läßt sich gegen Stenger nicht verwenden. Der Angeklagte Crusius hat am 21. August den angeblichen Befehl weitergegeben und hat bei seiner Ausführung mitgewirkt. Er war nach der Auffassung des Oberreicho- anwalts tatsächlich der Meinung, einen solchen Befehl von Stenger erhalten zu haben. Infolgedessen sind tatsächlich auch eine Anzahl Verwundeter erschossen worden. Es ist auch durchaus glaubhaft, wenn Crusius selbst geschossen hat. Der Angeklagte Crusius hat sich der Anstiftung zur Tötung und der versuchten Tötung schuldig gemacht, zum mindesten hat er sich eine große Fahrlässigkeit zuschulden kommen lassen, indem er den Befehl nicht auf seine Rechtmäurgkert nachprüfte. Hinsichtlich dez 26. August ist General Stenger gleichfalls zu glauben, daß er einen Be-sehl, daß Gefangene nicht gemacht werden dürfen, nicht erteilt hat. Was die dem Angeklagten Crunus für den 26. August vorgeworrenen Handlungen betrifft, so kann der Oberreichsanwalt gegenüber den ärztlichen Gutachten nicht annehmen, daß Grumt» an diesem Tage zurechnungsfähig war. Er war damals tatsächlich seiner Sinne nicht mächtig, Daher sei er nur mr Handlungen am 21. August zu verurteilen. Mildernde Umstände können ihm nicht versagt werden. Andererseits sind die Folgen so schwer gewesen, daß «in«
Gesamtstrafe von 2% Fahren Gefängnis beantragt
werden muß.
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Die ärztlichen Gutachten.
Der Sachverständige Dr. Sernau, der den Geifteszu» stand des Angeklagten Crusius geprüft hat, gibt seiner Ansicht dahin Ausdruck, daß der Angeklagte eine psychisch abnorme Persönlichkeit ist, die durch besondere Ereignisse aus dem seelischen Gleichgewicht kommt und sich dann vorwiegend nun Affektregungen leiten läßt und verstandesgemäßen Erwägungen keinen Raum gibt. Auch bei der Ausführung de» angeblichen Befehls trifft Crusius nach der Bteiuung Dr. Sernaus keine Schuld, da er automatisch handelte. WaS den 26. August anbetrifft, so schließt sich Dr. Sernau dem Gutachten Professor Antons an, wonach die freie Willensbeitim- mung bei Crusius ausgeschlossen war. ch
Das große Los.
CrMvtNL von HM WieiSstsg.
27] (Nachdruck verboten.)
der Vater über das ge-
„Ist das wahr?" fragte der Vater über das gesenkte Blatt hin nach Lieschen.
„Es ist wahr!" lispelte sie leise und sah herauf mit den großen, unschuldigen, blauen Augen.
„Und den Bries", fuhr der Vater fort, „kannst du einen Hiobsbrief nennen, Mutter? — Aber weiter!"
„Darum mußte ich denn auf andere Art ihr Herz erforschen, darum ihr zuletzt auch scheinen, was ick nicht war. Und es gelang! Ich überzeugte mich, daß sie mich liebe und gern Schicksal und Leben mit mir teilen werde —"
„Ist das auch wahr?" fragte der Vater ^nieder, und Lieschen, nicht vermögend, die brennende: und den Blick heraufzuheben, wie vorhin, „Ach ja!"
e brennenden Wangen
seufzte:
„Wie? — Was?" herrschte die Mutter, „und das konntest du mir verhehlen?"
„Ach!" bat Lieschen, „ich wußte ja selber nicht, daß ich so verliebt bin!"
„Es kommt immer schöner!" lachte Wolfgang.
„Schweige", gebot die Mutter, „du böses Kind. Die Strafe wartet auf dich, und es fehlt mir nicht viel, ich sperre dich in die Kammer! Doch lies nur weiter, Wolfgang!"
Und er las kopfschüttelnd:
„Darum bitte ich nun Sie — hochverehrter Vater, und Sie, würdige Mutter, um die letzte Vollendung meines Glückes — um die Hand Ihrer Tochter. Sie hatten mir in wohlwollender Seele das große Los ge- wünscht. Was das Glücksrad mir versagt hat, das können Sie mir geben — das schönste, große Los, welches ein Sterblicher zu ziehen vermag. Der, bur& dessen Güte Sie diesen Brief erhalten, wird sein Wort mit meinen Bitten vereinigen. Schriftliche Antwort kann mich in der Residenz nicht mehr treffen, denn ich eile, die Entscheidung meines Schicksals persönlich zu holen, und verharre, mit respektvollem Gruße an die gute Mutter, in Hochachtung und Ehrfurcht, Ihr ganz ergebener Diener Örlebri® Meier.
Alles schwieg, die höchste Ueberraschung malte sich , auf dem Angesichts des Kantors. Er wußte kaum den inneren Sturm feiner Gefühle zurückzuhalten. Doch bezwäng er sich, legte den Brief auf den Tisch und schritt, verlegen über das, was nun kommen dürfte, mit gesenktem Blicke im Zimmer herum. Endlich unterbrach er die drückende Stille und sprach: „Du bist mir unbegreiflich und unklar — Martha! Ich weiß nicht, was ich aus dir machen soll! Mer dennoch bist du die Mutter, also die erste Person, und hast bei der Sache das erste Wort! Darum sollst du nun deine Ehre behaupten, von Rechts wegen! Rede und sage deine Meinung!"
„Meine Meinung?" entgegnete Martha, „Gift und Galle über die heimlichen Praktiken. Nicht wahr? — O du Muster von Klugheit und Scharfsinn! Habe ich dich? — Mann, bist du denn wirklich blind, daß du es nicht lange gemerkt, wie abhold ich dem Freier bin und wie ich dem Hiobsbriefe sein. Recht antue mit Spitzenhaube und Festtuch? — Meine Meinung^ fuhr sie nun mit zitternder Stimme fort und wankte nach der Kammer, die sie mit den Worten aufriß: „Hier hast du fiel Hier hast auch du — böses Kind, deine Strafe!"
Heraus stürzte mit Jubelrufe Meier in seiner glänzenden Uniform, ihm folgte der redliche Pastor.
„Fritz! Fritz!" schrie Lieschen und flog ihm entgegen, und niemand wehrte ihr. „Herr Meier! Herr Meier!" jauchzten die Buben und sprangen nach ihm und standen in starrer Verwunderung vor dem silbernen Hirsche der glänzenden Kuppel. „Herr Forstmeister!" rief der ganz verdutzte Kantor, „Mutter! Was ist daS^
„Das ist's," antwortete Martha aus den Tränen heraus, „was ich wußte! Still, Kinder! Ruhig! Nur eine Minute! Ich bin dem Vater Rechenschaft schuldig. Denn lange genug habe ich es ihm verheimlicht — aus Eitelkeit und Schälkelei, um ihn etwas zu ärgern, damit er mir nicht hoffärtig werde, aber auch — aus Liebe, um euch allen eine recht unvermutete Herzens- reude zu machen. Denkt ihr denn wirklich, daß mir der chäbige Krämer nicht eben so ein Greuel gewesen, eit der große Gewinn seine Schlechttgkeit ans Licht gebracht? Denkt ihr denn nicht, daß ich auch lange schon den Herrn Forstmeister schätze und ihm gewogen hin.
besonders seitdem er Forstmeister geworden ist mit tausend Talern Gehalt und in das schöne Waldschloß zieht? Denn hat er mir das alles nicht zuerst gemeldet durch den Herrn Pastor? Ja, mir, mir zuerst hat der Herr Forstmeister die Ehre angetan und mich zu seiner Vertrauten gemacht, und ich habe mich des schätzbaren Vertrauens würdig bewiesen. Ich habe viel getan!
— Ach Gott! Ich habe — geschwiegen!"
„Viel! Bei meiner Seele, viel!" lachte Wolfgang
unter verhaltenen Tränen.
„Und wer hat mir noch größere Ehre angetan? Wer hat an mich geschrieben, mich „werte Freundin" genannt und mich um meine Einwilligung für den Herrn Forstmeister gebeten? Und wer hat versprochen bei der Hochzeit zu sein mit dem Herrn Gemahl?-- Sie, sie selber, Gräfin Seraphinchen, sie selber! — Hier ist der Brief mit goldenem Schnitt auf rosa Papier. Ja, Vater! Du hast recht! Wir sind nicht verachtet, wir sind hochgeehrt, das sehe ich nun deutlich, und es wurde mir gar sauer, die Freude bei deinem Vorlesen hinunterzuschlucken und bärbeißig zu scheinen. Vor einer Stunde erst erhielt ich den Brief vom Herrn Pastor, der lächelnd dabei meinte, der Schreiber dürfe wohl bald selber nachfolgen, ich solle es aber ja niemandem sagen, auch dir den Briej nicht eher geben, als nach der Schule, bis dahin könne noch manches passieren. O, Herr Jerum, wie erschrak ich! Ich hatte ja nichts gebacken. Die paar Flaschen Würzburger im Keller sind auch so sauer, daß man sie ohne Schande vornehmen Gästen nicht vorsetzen kann, und vom Schinken hat die Katze genascht. O, mein Himmel. Was sollte ich tun? Ich setzte mir nur gute Haube auf und warf das Tuch ja keine Minute sicher und das Mäd
.. ^ geschwind die um, denn ich war
ja keine Minute sicher und das Mädel bei Hofgärtners. Du, in deiner Schule, du wußtest freilich nichts von dem und von meiner Sorge, Freude und Angst! Es litt mich nicht in der Stube, es litt mich nicht draußen! Wie Feuer brannte mir der Brief unter dem Halstuchs. Unruhig lief ich hierhin und dorthin und endlich in den Garten. Da raschelte etwas hinter der Geisblattlaube, und als ich hinsehe — was erblicken meine Augen?
- (Schluß folgt.)