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Schlüchterner Zeitung
Schlüchterner Kreisblatt — Schlüchterner Tageblatt
Verantwortlich für den gesamten Inhalt: H.-K.
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A .Q Hohmeister, Schlüchtern. Druck u. Verlag der Fa. $. 148 Hohmeister in Schlüchtern. Fernspr. Nr. 65. Telegr. Schlüchterner Zig. Poftscheckk.: Frankfurt M. Nr.11402.
eidistag und Sanktionen
Dienstag, 28. Juni 1921
Bezugspreis: Vierteljährlich in Schlüchtern M.11,-
durch sie Post M. 12,—. Anzeigenpreis : Die Klein- wo C*rt(iM zeile Dt. 1,—, die Reklamezeile M. 3,—, sämtlich • O» ^UyTfl
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ohne besonderen Zuschlag. Bei Wiederholung Rabatt
Orgesch und General Höfer entssshe. Alle Reichsoraanffa- tionen seien in den Händen der Reaktion und eine Wwder- lwlnng des Baltikum-Abenteuers sei leider auch in Ober- ischlessen zu befürchten. Der Brief schließt mit dem Hinweis ' darauf, daß es im Interesse Europas liege, daß die Allffer- ten keinesfalls mit der Politik der Gewalt und der Reaktion ~ “ solidarisieren.
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Die Bekanntmachung«« des Reichskanzlers über die Anst lösung derS«lbstschutzorga«isati»««« habe« fvlgexde« Wort, la«t:
1. Avf ®rttnb des 8 1 des Gesetzes am Durchführung der Artikel 177 u«d 178 des Friede«8vertra«es vom 82. März 1921 werden im Berf^g des Ultünatums der alliierte« Regierungen vom 5. Mai 1921 die i« der Provinz Ostpreußen »och bestehe«de« Orts- und Grenzwehren fit ansgelSst er* klärt. Alle Personen, die sich a« einer bet aufgelösten Or- «anisatione« als Mitglieder beteilige«, werde« mit Geldstrafe bis zu 50 000 Mark oder mit Gefängnis bis z« drei Monate« oder mit Festung bis zur gleiche« Satter bestraft.
2. Aus Grund des 8 1 des Gesetzes zur Durchführung her Artikel 177 und 178 des Friehe«A«ertrageS vom 22. März 1921 werden im Verfolg des Ultimatums der alliierten Regierungen vom 5. Mai 1921 hiermit die Organisationen Efcherich innerhalb des deutsch«« Reiches für ausgelöst erklärt. Personen, die sich an einer der aufgelöste« Organisationen als Mitglieder beteilige«, weiche« mit Geldstras« bis 50 000 Mark oder mit GcsSug«is bis an drei Motten oder mit Fest««g bis am gleiche« Setter bestraft.
3. Ans Grnnd des 8 1 des Gesetzes am DnrLfüdrvng der Artikel 177 «nb 178 des FriedenSvertrages vom 22. März 1921 werde« im Verfolg des IHtimettrmS der alliierten Regierungen vom 5. Mai 1921 die Einwohnerwehren des NeichZstattes Bayern für aufgelöst erklärt. Personen, di« stch a« einer der aufgelösten Organisationen als Mitglieder beteiligen, werde« mit Geldstrase bis an 50 000 Mark oder mit Gefängnis bis zu drei Morlaten oder mit Fest»»« bis zu gleicher Setter bestraft. -
Ar oermonente eiolilfie SeriütieiterML
«.SwSrtige Ansschuß des Reichstages wird für ^^«-aa a« einer Sitzung zusammengerufen. Der eigent- ^iweck dieser Sitzung ist eine Aussprache über die Sa«k- Me« deren Anshebung der sranzöstsch« Ministerpräsident vi««d in seiner letzten Rede vor dem Kammerausschnß für Ana-nblick abgelehnt hat. Dem Reichstag liegt hierz« Futerpevation vor, die bisher noch nicht aus d.e Tag-s-l ^««na aes«tzt wnr-e. Der auswärtige Ausschuß durste urüber verhandeln, ob es zweckmäßig sei« wirb, diese K,«« --r den S°mm-rs-rie« im Reichstag- Breche«. Die R-ichsregierung wünscht, daß diese Be
rg anS antzervolitischen Gründe«, ebenso wie die- ßbet die Interpellation in Oberschlesie«. «ich: m-hr die Tag«Svrdnn«g gesetzt wird. Einen größere« Wider- findet die Reichsregiernng hinsichtlich der Sankt,onew Halt««« des Ausschusf-s zu dieser Frage w'rd lediglich der Erklär««« abhä«ge«, die der Reichskanzler oder Außenminister am Dienstag in der Sitz««« des auswar-
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A«Sfch«sieS mache« werde«.
in Zugunglück in Rordsrantteich.
23 Tote — 30 Verwundete.
Die Norbbahn-Gesellschaft meldet: Am Samstag nachmittag entgleiste nördlich der Station Beaumont-Hamel «Mischen Arras und Albert) der Schnellzug Nr. 328. Die vier letzten Wagen, drei Personen- und der Geväckwagen. strängen aus dem Gleis: dabei stürzte einer der Wagen um und die anderen rannten auf ihn auf. Aus den Trümmern wurden 28 Tote und M Verwundete geborgen. fc ^
Ein Franzose über Obers Wien.
Der gerv^rkschaitttche Mitarbeiter Fouhoux d-s »Le veupie" veröffentlicht einen vom 16. Juni datierten Brief aus dem oberschlesischen Abftimmunasaebiet. welchen dieser als Mitglied der dortviu entsandten alliierten Unter- htdnm08fommtffion der Gewerkschaften geschrieben hat. ,J« etal dem Briefe beißt es: Oft genug sei von den Gewerkschaften auf den wirtschaftlichen Charakter der oberschlesischen Frage und auf den Irrtum hingewiesen worden, das oberschlesssche Problem wie eine politische Angelegenheit regeln zu wollen. An Ort und Stelle könne man sich davon überzeugen, daß der Starrb^nkt der Gewerkschaften der einzig richtige sei. IM'AÄtrriqvTvtzgSgMet, k»aKe,.im Sans-' her Geschichte Ober- schlesiens die Bevölkerung Throtfibeär Stammesverwandtschaft mit den Polen die Overband ga-
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wonnen. Aber eine Tatsache müsse man im Auge behalten, daß nämlich Deutschland und Pblen, wie die Abstimmung auch ausfallen möge, gezwungen sein würden, zusammen- zuleven und Seite an Seite zu arbeiten. Die Lösung, die getroffen werde, mM« sich daher auf diese Solidarität und die Interesse« eines nfittfrifielt Fortbestehens der gemeinsamen Tätigkeit stützen. Nur dann könne der bestehende baß verschwinden, btzr von gewisser Seite künstlich geschürt werde. Diese Politik sei unzulässig. Fn deutschen socialdemokratischen Kreisen verurteile man diese Politik und verkenne keinesweas die Gekabr. Me Oberschlessen durch die
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Das große Los
(Nachdruck verboten.)
„Schimpfe mir den Menschen nicht" eiferte der Kantor, „den du nicht kennest. Was kann er für seinen Vater? — Darbt er sich's nicht vom Munde ab, dessen Schulden zu bezahlen? ^at er nicht das Seine brav gelernt und studiert, und —"
r Und was hat er gelernt?" fiel Martha ein, ,was hat er studiert? Kann er predigen? — Nein! — Ast er ein Jurist? - Nein! - Ein Mediziner? - Nein! — Was ist er? — Gar nichts! Ein wilder Jäger, em Gänseblumen- und Käfermaler! Was kann aus dem werden?"
„Und ist das nichts?" fragte Wolfgang heftig. ,Jst das nichts, daß er aufs Haar weiß, wann jegliches Würmchen auf Erden auskriecht und was es frißt und wie man Birken und Eichen pflanzt? Und ist das nichts, daß er Lateinisch, Englisch und Französisch spricht, und in Kupfer sticht, und das schöne Werk über das Forstungeziefer gemacht hat, in Quarto mit den herrliche,« Bildern, und daß sogar der Grobschmied hat weinen müssen bei seiner Arie: „Ihr weichge- schaff'nen Seelen?" — Tausendsapperment!"
„Und welchen Hund hat lockt?" entgegnete Martha, , dom Ofen locken?"
. „Ach weiß es nicht!" antwortete Wolfgang grim- mrg, „aber er ist ein brauchbarer Mensch, brauchbarer als ein trockener Advokat und Pillenkönig, und mit lhm, gerade mit ihm teile ich meine Schätze, möchte
er damit vom Ofen ge°
wtha, „welchen kann er damit
lhm, gerade mit ihm teile ich meine Sch< er doch sein und werden, was er woNte, der treue, ehrliche, freundliche Bursche! und gern gäbe ich' ihm das Mädel, wenn er es «nöchte, wovon ich Übrigens «vch nichts weiß, mich auch nicht darum kürnmere. Sie würde wohl aufgehoben sein bei ihm, und in Gottes Xanten möchtest du zu deinem Komn«erzienrat ziehen, noch lieber dahin, wo der Pfeffer wächst, am allerliebsten aber —"
»Ins Reich der Toten!" schluchzte Martha.
"Besser da al» in einer Mille aus Erdens folterte
wie fit gewisse deutsche Kreise wollen,
Ein dem Finanzminister Doumer ker kalte eine Unterredung mit einem
nabesteßender Politt- amerikanischen Four- Veröffentlichung deS
nalisten, wobei er diesen bat, bei der .
Gesprächs in der Kammer seinen Namen bis zur Klärung der Lage in Oberschlesien zu verschweigen. Frankreich habe wiederholt erklärt, daß bei den Deutschland auferlegten günsffgen Zahlungsbedingungen, die für Deutschland eint rasche und günstige Lösung in Oberschlessen im Auge haben, nunmehr ein großer Teil des Gebietes den Polen zuge- sprochen werden soll. An dieser Tatsache scheint das Problem zu scheitern. Er «vies daraus hin, daß die Pariser Be. schlösse wesentlich höhere Verpflichtungen im Auge hätten, als die von London. Denffchland könne diese günstige Lage als ein grrtes Ornen annehmen. Es sei richtig, daß Franke reich ei« Interesse an dem neuen deutschen Kabinett Wirth habe und daß Wirth twe^r Sympathien besitze als seine Vorgänger, Allein Frankreich werde sich hüten sich ein Kabinett Wirth auf seine eigenen Kosten zu halten. Desgleichen sein« polnische Freunde. Die Frage, ob Deutschland zahlen wolle- sei heute keine mehr. Nun trete eine andere Frage in de« Nordergrrrnd, nämlich die, ob Deutschland auch zahleyj könne. Im Finanzausschuß habe man davon gesprochevj Man könne die Reichsgebleie nicht dauernd besetzt halten. Und selbst eine weitere Besetzung sei nur eine Sanktion^ aber kein Dauerzuftand- Frankreich siehe vor der Lage, öi«
Polen daran erinnern zu müssen, daß das oberschsessschg Geviet nicht den Deutschen, sondern Frankreich weggenom^ men wird. Man möge verstehen, daß sich innerhalb gewisser französischer Kreise Bedenken gegen die allzu hoch gespannte« Forderunaen der Polen aeltend machen.
Gefahr gänzlicher Arbeitseinstellung.
Die Gleiwt^er Stadtverordnetenversammlung faßte eins Entschließung, in der es heißt: Noch immer sind die ober-; schlesischen Städte von allem Personen- und Güterverkehr abgeschnitten. Schon jetzt sind tausende von Arbeitern bei schästigungsloS. Die Gefahr der gänzlichen Arbeitsein- stellnng Mckt in bie nächste Nähe. Erneut fordert daher die Stadtverordneterwersammlung dringend von allen Regierungsstelle«, »o« bett interalliierten Mächten mit allem Nachdruck zu verlangen, die Säuberung des oberschlesischen SenbeS durchzussshre«.
Die englische Reichskonferenz.
Gefter« fand keine Sitzung der englischen ReichSkonse- renn statt. Borgestern wurde« Fragen der aus-wärtigem PokiNk hesvroche« Feder der vier Minister legte seinen **«*b»u»li~£I&*—Siü-iBr^yt me^<!. vorerst nicht veröffentlicht werden. Lord Curzons Rede ü • nb tm Mittetp«E deS VNterejses. Sie hat einen größere Eindruck gemacht, nicht Mein wegen deS Inhaltes, fonbet auch wegen her Art «vö W^e, wie ^e vorgebracht wurde. . ^....^^..^-^^_____;
Ein skandinavischer Kredit für Oesterreich.
ES wird gemeldet, daß Dänemark. Schweden und Nor- «W ^ ?Ee Aufforderung des Völkerbundes Oesterreich Kredit von je einer Million Dollar gegen Verpfändung von Staatseigentum einräumen.
.gönnen. Nach einer Erklärung Sir Robert Hornes im englische« Unterhaus ist in den Berhandlmme« eine Krise ein- getreten. Am Montag werden die Bergmerksbesitzer mit den Bergarbeitern ««d bett Regiernnqsvertretern zn einer gemeinsamen Konserenz zusammentreten. Es ist kein Ge, heimnis mehr, daß die UnterstütiungKassen der Bergar- Mter erschöpft sind. Die anderen Gewerkschaften habe« i« de« reifen Wochen eine sehr große Zurückhaltung gezeigt. Eine Wendung des Konflikts schewt dringend notwendig.
Verweis an den General Sims. ^
Der amerikanische Admiral Sims hat vor aller Oersent- lichkeit von seinem Vorgesetzte« einen Rüffel bekommen. -Der Minister sagte: Ich bdauere, daß es möglich ist, einem Offizier eine öffentliche Rüge zu erteile«. Durch Ihre Stel. lungnabme in Ihrer letzten öffentlichen Rede ist die? aber rmvermeidlich geworden. Da§ Marineministerium gibt seiner ersten Unzufriedenheit Wer 9$r Betragen Aus- jdruck, daß Sie aufs neue eine Rede itt einem fremden Lande hielten Sie werden deswegen vor aller Oeffentlichkeit zur Ordnung geritten. — Der also gerügte und gemaßregelt« Admiral hat aus diesen Rüffel folgendermaßen geantwor-' tet: Ich muß dies wohl ertragen. 3» bedauere, wenn ich der Regierung UnanuehmliKkette« bereitet habe.
Reiseabfichken Milleronds «ach Amerika.
Nach einer Melung des „Newyorl-Herald" hat der fram zösische Präsident Millerand die Absicht, anfang nächste» Jahres eine Reise nach Amerika zu unternehmen. ;
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der Kantor und entsprang im Sturm« seine- Innern der schwülen Stube, hinaus in den Garten.
,^6He auf Erden?" stammelte sie ihm ei nach „Er hat recht! — Aber aus dieser $ lösen dre Gesetze — die Scheidung! Ja! - d dung!" rief sie. überlaut, daß er es noch im hören mußte.
Und so war die eherne Wand, die zwei Herzen und Leben auf ewig trennen sollte, zwischen ihn und sie gefallen. Ein tückisches Gespenst wich; ihn hierhin, und sie dorthin, und einsam wandelten die Armen un^r den reich und üppig blühenden Blumen der Wirrlichkeit.
Die munteren Jungen hielten sich für die drückende Befangenhett daheim schadlos in allerlei Unfug, und Exkursionen in Felder und Wälder. Wer Lieschens Augen weinten in dem stillen häuslichen Unfrieden, den sie mitallem holden Schmeicheln 'und Kosen unschuldiger Liebe nicht zu beschwichtigen vermochte. Ach! noch ein andere- schneidendes Schwert war in ihre Seele gedrungen.
"Leb' wohl, Lieschen!" hatte gestern Fritz Meier im GchgttM der Erlen ihres Gartenbaches zu ihr gesa^:
Wohl heute noch und moraett
Kann bleiben ich allhier;
Wenn aber kommt der dritte Tag, da bin ich fern von dir!
Fern, Lie-chen! Und das auf Nimmerwiedersehen!" "Fern von hier?" hatte sie erschrocken erwidert, "^e sollen fort, Herr Meier? auf Nimmerwieder- sehen?" und dabei war ihr der Strickstrumpf entfallen aus den zitternden Händen. Mit der so urplötzlich hereinbrechenden Trennung stand es ja auf einmal vor ihr, wie gut sie ihm war. Wohl mochte er sonst ^ge-, wochenlang wegbleiben im unruhigen, unstäten Treiben seines Lebens; immer wußte sie es gewiß, er werde wiederkommen. Und nun plötzlich auf Nimmer- toieberMenl -- DaS war zu hart. Die lieben freund- lichen Eltern hatte sie verloren, den heiteren, häuslichen Frieden, nun sollte sie auch noch ihn verlieren, an den ein Etwas sie fesselte, über das sie bisher noch gar nicht nachgedacht. Konnte man ihr den Schreck 66a vi« unerwartete Veränderung verdenken? Wie ein
Donner aus heiterem Elmmel schlug das grausame Wetter vor ihr nieder. „Fort wolk« Sie?" fragte sie noch einmal mit leiser Stimme, „auf immer?"
„ga, Lieschen!" antwortete er. „Fort, ins Weite, fort in die Fremde! Doch — kann ich wohl sagen: in die Fremde? Wo ist denn meine Heimat? Wo dämmert ein Hüttchen, wo grünt mir ein Plätzchen! Wo klopft mir ein Herz, wo lacht mir ein Schatzchen, DaS mein auf Erden ich nennen darf?"
„Und warum denn das und wohin?" stammelte
sie mit niedergeschlagenen Blicken.
,Marum^ entgegnete er. „Nun darum, weil ich mir eben das Hüttchen, das Plätzchen suchen will, und weil hier doch kein Herz und kein Schätzchen für mich ist. — Wohin? — In die neue Welt, nach Brasilien, mit dem jungen Grafen."
„Nach Brasilien?" wiederholte sie langsam, und der Ozean und die entsetzliche Weite dehnte sich aus zur Unmöglichkeit des Wiedersehens. Ihre Tränen perlten herab auf den Rasen, in Trauer und Kränkung darüber, daß sie nun wohl fühlte, ein Herz habe doch für ihn geüopft, daß sie das aber ihm nicht sagen könne, daß er sie darum auch nicht einmal frage.
„Dir geht mein Scheiden nahe, lieb' Lieschen?" unterbrach er die bange Stille. „Nun, sei ruhig. Ich schicke dir Silber aus der schönen neuen Welt. Da sind Schmetterlinge, so groß wie meine Hand, schillernd wie Wändeltaffet. Die rarsten sollst du haben
und einen Laternenträger zum Andenken."
„Behatten Sie Ihre Schmetterlinge und Ihren Laternenträger!" lispelte sie abgewandt uttb wehmütig, „und schenken Sie sie einer hübschen Amerikanerin?'
„Und warum denn nicht dir?" lächelte er. „Ist dir's nicht recht, wem« ich ein holdes Brärttchen mein nenne in Rio de Janeiro?"
„Eine Braut?" rief sie erblassend, „eine Braut in Amerika? O Sie abscheulicher Men ch!« Hub ber Aufttchr ihres empörten Gefühls jagte sie fort in fliegender, stürmischer Hast aus der Nähe des kalten höhnenden Bösewichts, der mit Lacher: ihr die Worte nach- rief: „Dir zuliebe gebe ich noch acht Tage zu und nehme vorher Abschied von den Eltern, ehe ich reife zur Braut nach Brasilien."
(Borheeuna folgt.)