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Schlüchteene« Zeitung

Gchlüchtemer Kreisblatt Schlüchiemer Tageblatt

Verantwortlich für den gesamten Inhalt: H.-K. Hohmeister, Schlächtern. Druck u. Verlag der Fa C Hoymeister in Schlüchtern. Fernspr. Str. 65. Telegr. SchlüchterncrZtg. Pouscheckt.: Frankfurt M. 9ir.ll402.

Mittwoch, 22. Juni 1921

Bezugspreis: Vierteljährlich in Scklüchteru M.11,- durch die Post M. 13,-. AnzeigenorerS : Die Klcin- zette M. 1,-, die Reklamezeil« M. 3,-, sämtlich ohne besonderen Zuschlag. Bei Wiederstolung Rabatt

sämtlich 73. Jahrg.

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Bor dem Berliner GewerkschaftshauS »m Eng»l«f«r hat- ien sich gestern mehr als 5000 Arbeitslose zu einer Demon­stration versammelt. Die Demonstrant«« drangen in das GewerkWaftshaus ei» und nahmen gegenüber dem dort tagenden Betriesrätekongreß eine drohende Haltung an. Der Vorsitzende des GewerkschaftsSnndes wurde von den Ardeits- losen schwer mißhandelt. Bevor eS noch zwischen ihm und Ken Führern der Demonstranten zu Verhandlungen kam, stürzten sich die Arbeitslose« auf ihn und schlugen mit Gnmmikntttteln und Stuhlbeine« auf ihn ein, so daß er z« hinten begann. Die Verletznugen sind erhe-lich, aber nicht lebensgefährlich. Es gelang bet von der Verwaltung des Gewerkschafthanses alarmierte» Schutzpolizei, die De«ron- stranten auS dem Hanse zu entserne«. Die meisten von ihnen blieben aber auf dem Hofe und hielte« «ach wie vor be« großen Gewerkschastssaal besetzt. Da sich die Abteilung der Schutzpolizei als zu schwach erwies, um die Sänberung vollends dnrchznsiihren, wurde eine weitere Hundertschaft -erbeigernfen, der es dann gelang, die Straße wenigstens so weit zu säubern, daß der Verkehr aufrecht erhalten werde« fennte. Die Demonstranten stellten sich dann i« einer end, loS langen Linie gegenüber dem Gewerkschaftshause auf, wo fie auf das Ergebnis der Verhandlungen warteten, die die Führer der Arb-'iiSlosen mit dem Betriebrätekongretz führten. Sie forderten, daß bei Einstellung von Arbeitslose«, bie Organisierte« gegenüber den nicht Organisierte» vorgezoge« werden solle«. Die BetriebSräteversammlvng brach wegen der Gewalttaten ihre Sitzung ab. Die Fensterscheiben des KewcrkschastslmnseS sind von den Arbeitslosen eingeschlagen

inorde» und in die Fensterrahmen wurden von Suhlten gesteckt

rot«

In den Waudelg,innen des Reichstags wurde gestern das falsche Gerücht verbreitet. daß bei den Arbeitslosen, krawaken der Vorsitzende des Gewerkschaftsbundes so schwel

verletzt erlege«

Der

worden sei, daß ex an den Folgen seiner Berletzuns sei. - >

Der Hölr-Pr-zetz.

Arlellsverkündigung am Donnerstag.

Prozeß gegen den Blindenführer Hölz näher! W keinem Ende. Schon in der gestrigen Sitzung waren «ich! mehr viel Zeugen zu vernehmen. Jedoch konnte die BeweiS-

ausnahmr noch nicht abgeschlossen werden, da die Berneh- mnnq noch zweier Siponnachtmeisier auS Magdeburg bearr- traqt, die seiner Zeit bei einem Gesecht von Sölzbanden ge- ianaen genommen worden ware».^ Da ottt Mittwoch nich, "i^A viele Zeuaen gehört werden am DienStag wirt keine Sitzung ftaftHnBen, werden die Verhandlungen nicht mehr lange dauern. Falls der Angeklagte nicht im ätzten Moment noch Schwierigkeiten macht, dürfte die Be- wiSaufnafime am Mittwoch vormittag geschlossen werden zaran werden sich aleich die PlaidonerS anschließen, die setz- umfangreich sein werden. Das Urteil ist voraussichtlich 6h yr.nnerStaa zu erwarten. Bekanntlich wurden die zwe aefangenen Sipowachtmeister, die von den Rotgardisten stän­dig bedroht wurden, von Hölz,'um ihnen das Leben zu retten mit einer Art Ultimatum nach Eisleben geschickt, dahin- autend. die Sipoleute sollten die Waffen strecken und dann freien, ?(6sm haben. Der Major Frolte wurde auf Anira^ der Staatsanwaltschaft noch darüber vernommen, ob sick ho ihm Leute gemeldet hätten, die sich erboteir hätten, der ^ngeklagien zu ermorde«. Dieser sagte, davon könne seine gehe fein. Lediglich der Zigarrenhändler Bayer sei eine! .mchtS zu ihm gekommen und habe Beamte in Zivil ge ^bl?u. rm ^fir» m*ß fPtMAm 5Rpyifflt-? AuftaiiBgBCTt-

Völz: Wegen K-LteletS und Bratkartofteln gibt es Leute die auf Menschenfang anSgehen.

Vorsitzender: Ich verbitte mir zum letzten Male dies jedes Maß übersteigende Redensarten.

Es wurden dann noch eine Anzahl Lengen vernommen welche Bet der Ermordung des Gutsbesitzers Heß zuaeaer waren. Das Dienstmädchen Olga Richter berichtet, daß eh Mann durch das Haus gegangen sei. der geschoben habe.

Iustizrat Broh: Die Zeugin erzählt sa da ganz inten effante Dinge.

Hölz: Erzählt Me Zeugin vielleicht auch, daß zur Fror Heß nach dem Morde ein Mann gekommen sei, her erzählte Hsisz hätte nicht geschossen.

Staatsauwalt: Auf eine solche Anfrage brauche ich «ich! zu antworten.

Hölz: Sie sind ein unverschämter Lügner. Die Haupt­sache ist auch für Sie, daß der Laden klappt-

^ Vorsitzender: Wenn das so weiter geht, werde ich gegei Sie andere Maßnahmen ergreifen.

Der nächste Zeuge, der Arbeiter Schuhmann gab an, das er Schüsse in der Wohnung gehört habe. Der erste Schu« den er vernommen habe, habe leiser geklungen als du übrigen, also offenbar ein Pistolenschuß.

Der folgende Zeuge berichtet, daß sich Hölz als der Schul fiel, gar nicht im Hause und im Hofe ausashalten habe, son­dern am Auto gestanden fef. ^er Waksensgchverständictt Büchsenmacher Bock erklärt, daß zwei Schüsse im Körvei zweifellos von Milikärgewestren herrühren. Dagegen seien sie anderen Einschüsse durch Dumdum-Geschosie entstanden was auf Revolverschüsse schließen lasse. Die Einschüsse an1 Best Mklitärgewehren seien BIS 2 Zentimeter lana. mn^rer! oi« drei Revolverschüsse einen Schußkanal von 7 bis 8 Zenit- m^ern hervorgerufen hätten.

wird dann nach Kriminalwachtmeister Eifer aus Dort, mund über die Gsaubivürdigkeit des Zeugen Koenicke ver­nommen, der diesem es» glänzendes Zeugnis ausstellt.

Daraus Mird die Berhandlung auf morgen. Mittwoch vertagt.

Um Oberschlefiens Schicksal.

haben Curzon und Briand au Zustimmung des Grafen Sforza be< uf die oberschlesische Frage die intet.

Wie HavaS meldet, Sonntag unter der ...........

j^foffen, in bezug auf die oberschlesische Frage die inten sinterte Kommission in Oppeln aufzufordern, einen einheit- hepen Plan über die Aufteilung Oberschlesiens auszuarbei en sollte die Kommission dazu nicht in der Lage fein, si werden ihr noch besondere Sachverständige zugeteilt werden Die endgültige Entscheidung wird jedoch dir Oberste Ra! sällesc^ ferner wurde beschlossen, wie an die Deutschen und Polen hinausgegebenen Instruktionen durch einen gemein­samen Schritt der französischen englischen und italienischen sandten in Berlin und Warschau zu unterstützen. Du Polnische Frage wurde nur gestreift.

Die interalliierte Kommission im besetzten rheinische« «-- »«ei hat den Aufrns wir Ob«"-^chleflentzilfe verboten.

r« Bleiwitz «nrd« der Redakteur Novowiak auS Ober, Sspnau v«rhast«L der, wie derSokalauzeiger« berichtet, mit Grafen OwrSborf hochverräterische Nerhaudlnugen «ü V»l-« gepflogen Wu so«.

Das SM der tta!!en!schen Zeppeline.

Aus Rom wird gemeldet: Bor einigen Tagen hat auch der zweite von Deutschland an Italien abgelieferte Zeppe­lin ein unrühmliches Ende gefunden. Kurz zuvor hatte er als erstes italienisches Luftschiff einen in der Presse viel be« schrieben?« S(itj RomEaaliari lSardiniens aeinacht. Der

Ey^ der gesamten itMenischen Mugzerrgwesenr, General tK hebert, beitritt daß die beiden Zuveline infolge der U«. geschlcklrchkect des Personals zugrunde gegangen seien. Der ' erste Zeppelin sei abgechaut worden, weil er infolge seiner Größe in der Lufthülle von Ctampino bei Rom keine Unter- kunft finden konnte, und weil er den italienischen Technikern zum Studium des starren Systems dienen sollte. Die Zeppe­line seien wegen ihrer hohen Kosten, der Schwierigkeit ihrer Unterhaltung und Unterbringung für HandelSzwecke nicht zu brauchen. Allein die Füllung habe täglich 2000 Lire gekostet. Man hätte deshalb von vornherein die Absicht ge­habt, die von Deutschland an Italien abzuliefereide» Zeppeline abzubauen: hätte man dies in Deutschland vor- geuommen, so hätte der Verkauf des Materials nur 18 ». H. des Wertes ergeben, während man in Italien die dreifache Summe herausgeschlagen habe. Der zweite Zeppelin, der den NamenAusonia" erhalten hatte, sei nach seiner sardi- Nischen Fahrt in die Luftschiffhart zur Abrüstung an antet Ringen aufgehängt gewesen: von diesen sei einer gebrochen und das Luftschiff sei in Stücke gegangen, weil es sich um durch die Kriegsjahre abgenutztesmüdes Material" gehan- delt habe. Genauere Tatsachen Wer den Unfall werde in- deffen erst der von der Regierung eingesetzte Untersuchunss- ausschuh feftstellen-

Sapas und Sowjetrußland.

Bor einigen Tagen tauchte in ausländischen Blättern die Meldung auf. daß die Hapag tHamburg-Amertka-DampfschiK- fahrts-Gesellschafts zufolge eines mit der Sowjetregierung getroffenen Abkommens eine Gesellschaft gegründet habe mit der Aufgabe, die Seetransporte auf d « r Ostsee durchzuführen und der $apa^ einen hervorragenden Anteil an dem Handelsverkehr mit Rußland zu sichern. Ueber die Gründung der neuen Gesellschaft ist nach AeutzerungeN der Hamburg-Amerika-Ltnie folgendes mitzuteilen:

Das unter dem Namen Deutsch-Russische Transport­gesellschaft errichtete Unternehmen wird sich dem Waren- transport von Deutschland nach den russischen und baltischen Häfen widmen. Die russische Regierung wird sich für die Warenzufuhr zu Wasser und zu Lande in erster Reihe dieser Transportgesellschaft bedienen, natürlich unter der Voraus­setzung, daß die Gesellschaft dem Wettbewerb anderer Trans- portunternehmungen sich gewachsen zeigt. Zur leichteren und schnelleren Abwicklung des Verkehrs will die Teutsch-Russische Transportgesellschaft eine Niederlassung in St. Petersbarg errichten. Die russische Regterullg sichert den Schiften an den Kais im Hafen von St. Petersburg, an dem Dampfer von 80004000 Tonnen festlegen können, alle Erleichterungen zu iwMHW«9t"4«> Dchr^ von Schissen. Murrn,Haft?,. nutz Ladung. Die HamSnog-Amerika-Linie verspricht sich von bar neuen Verbindung eine mrtzbringende Tätig fett, die best der wirtschaftlichen Annäherung Rußlands an Deutschland dem -Handelsverkehr beider Länder zustatterl kommen wird. An den Erträgniffen der Transportgesellschaft, deren Kapital zunächst auf 100 000 Mk. bemessen ist, aber bald eine Erwerte- nntg erfahren wird, ist die Hamburg-Amerika-Linie jur Hälfte beteiligt. Die Geringfügigkeit des Kapitals erklärt sich dadurch, daß die deutsch-russische Gesellschaft nur den Organi- sationsrahmen für die Transporte selbst bUdet. Die eigens lichen Kosten der Transporte gehen zu Lasten der Sowjet- Regierung, die sich verpflichtet hat, all« Transporte nur durch die neue Gesellschaft ausführen zu lassen. Die Leitung des Unternehmens ist paritätisch aufgebaut, zu Direktoren sind ein Beamter der Hapag und ein Russe ernannt worden.

Das große Los.

Erzählung von «arl ÄeiSflog.

l4l Machdruck verboten.)

»on Gottlieb fünfzig Talern zi fangen hatte, war der Schloss«

Ussd so zog der Schneider von. bannen. Schwer- sah ihm mit sehnenden Blicken nach.

Aber du bleibst doch bei mir, Mannhc Gottlteb.Sieh', die ganze bedeutende E unserer Tischlerei fällt dir zu, und bis ME. ' du bei mir feine Not haben."

Die hatte er auch wahrlich nicht, sondern sogar, was billig die Kehle fordern konnte, stand vorrätig rm geheimen Schränkchen seines niedlichen Zimmers. Rur schade, daß dies Zimmer zu ebener Erde war. Denn eines Morgens früh, nachdem er abends vorher von Gottlieb fünfzig Talern zu neuen Kleidern emp­fangen hatte, war der Schlosser zum Fenster hinaus entsprungen. Auch er hatte die guten und soliden ^age der Ruhe nicht ertragen können und war zu naturhistorisch-philosophischen Versuchen in der freien lustigen Welt zurückgekehrt.

.Fahrt hin, ihr Unverbesserlichen!" rief nun der N Wehmütig den Brüdern nach,ihr sonn» .n^?M^ich sein, aber ihr habt nicht gewollt, und n^ Begriffe von Lobenswert und Lebenszweck sind

die meinen. Ich will auch darüber nicht streb /"' ^r das bessere Teil erwählet; aber mir sagt h, K^rz: euer Sehnen und euer Streben gibt nicht ! J>rStw der mir blüht im Himmel nützlicher Häus- Woeit und am Busen der treuen Liebe.

letmer!" fragte Ächlosserarbeit

tn sollst

auf St^ :T der Erzähler - am 7. guliuS 1816 y^*?e 'c nach Dresden Nachtquartier im Dorfe ftUh USte, fand ich den Schlosser unten in der Wirts­stein h; und allein hinter dem Tische sitzen, in ern- S,s'',,.^^n Nachdenken, vor seinem halbgeleerten ÄÄ Er hatte seine Kunde weiter von Zickel schübw "m^ und war aufs Aeusierste abgerissen und ärmeiÖLr^6 ^ Oeffentlichkeit der Weste und Stock Lunche» ^" "'" ttllbem, schmutzige,« Blicke grauweisie hina?f"tn^m»k» N^b ich, bezahlte seine Zeche, ging in mein Zimmer, nahn; an« dem Koffer ein

gutes, reinliches Uemde und schenkte es ihm, der mir mit tränenden Augen dankte.

Am andern Morgen, als ich aufstand und weiter reisen sollte, war Sans Schwerlich schon aufgebro­chen und hatte den Wänderstab weiter gesetzt. Aber das Lemde war im Besitze des Wirtes, denn der Wür­dige hatte es bie Nacht hindurch in MgaM ver­trunken.

8Wette giftorte.

,hunderttausend Taler? So ist es denn wirk­lich wahr? So habe ich denn wirklich das große Los gewonnen? Wirklich? Wirklich-? WirNich?" rief der Dorfkantor Wolsgang Haberkorn.O jubelt laut mit mir, alt und jung, freue dich heut, werteste Christenhett! Mein erst Gefühl sei Preis und Dank! Erhebe Gott, o Seele!" Und mit drei entsetzlichen Sprüngen war er zur Kamnier heraus in der Stube, am Posittve, wo er mit allen Registern und der gan­zen erschütternden Kraft seines SingorganS daS:®err Gott, dich loben wir" anstimmte. Erschrocken über das urplötzliche, nächtliche Getöse, fuhr Weib und Kind in der Kammer schreiend aus dem süßen Schlafe, und draußen aus seiner Hütte in rasendem Bellen und Heulen der Hofhund, der nichts Geringeres vermu­tete als Raub, Mord und Totschlag drinnen im hailse.

Wolfgang! Wolsgang!" rief und rüttelte ihn Martha,was ist dir? Mann, bist du denn mond­süchtig? Oder hat dich die Tarantel gestochen? Oder ; träumst du? Tue die Augen auf, Wolsgang! Wir : sind ja gar nicht in der Kirche! Es ist ia Nacht! ; Ermuntere dich!" i

Nacht? Nacht? Traum?" stammelte i der Kantor und seine @anb glitt bom Manuale, sein I Fuß auS der Schleife des Balgzugriemens. Er öffnete ' die Augen. Da sah er, wie der Vollmond der stillen Mitternacht herein durchs Fenster tn die Stube schien. ! Da merkte er, dah er geträumt. D'a lallte er kraft- ' los, mit zitternder Stimme:Und es ist also doch ; nichts? Und ich habe also doch das! große Los nicht gewonnen? Und du hast inid) also hoch belogen, schel- : Mischer Mauschel, ob ich dir schon, ein Douceur zu­

gedacht, wie es dir Tausende nicht gegeben haben würden?"

Armer Mann!" lachte Martha,das große LoS also hat dich aus dem Bette gesagt zu bem grausamen Spektakel? Wenn das deine Jungen wüßten!"

Und so gar umsonst und um nichts!" fuhr der Getäuschte fort,soll ich mein dankbares, frommes Gemüt gezeigt haben mit Psalter und Sobgefang, Mit Stirnbein und Orgelklang? Und es erbarmt drch nicht selber, lieber Herrgott? Und es ist dennoch alles vor­bei und das whivere Geld weggsworfen?"

Beruhige dich, Wolfgang!" besänftigte Martha, es ist nichts vorbei. Die Ziehung fängt ja lange noch nicht an, und du und ich, wir können beide noch glücklich sein. Denn haben wir nicht beide Lose? Du eins und ich eins? Und brauchen mit es denn auch so nötig? Sind wir nicht glücklich auch ohne das? Darum, Vater, lege dich wieder in Gottes Na­

men und schlafet

Sa," entgegnete der zur kühleren Besinnung Er­wachte,du hast recht, Martha!" und ließ sich zurück­führen in die Kammer, versenkte sich wieder in den Wellen des freundlichen Bettes und tolles bald wie­der sanft, wie das gute Gewissen. Denn daS hatte der ehrliche Kantor. Arbeitete er nicht schon seine fünfunddreißig Jahre rüstig im Weinberge des Herrn in der Schlafstube? Blühte und prangte nicht rings, um ihn, was er gesäet und gepflanzt in frobem Ge­deihen und labender Frricht? Waren nicht die wil­desten, verworfensten Rangen unter seiner Zucht gute, nützliche Menschen geworden? herrschte er nicht mit Kraft über seine Orgel und Genreind«? Liebte diese ihn nicht mit fast scheuer Ehrfurcht? Hatten nicht die beiden Hornbläser, die sich aus niemandei« etwas machten, vor ihm heiligen Respekt und pausierten richtig bei seinen Kirchenmusiken, ob sie schon in bett Lieb- Haberkonzerten des nachbarlichen Krähwinkels m bet Regel alles verpfuschten und zuzeiten daselbst aus ihren Snftrumenten anstatt der rechten Töne nur höchst ver­dächtige und unziemliche von sich gaben? Unb diese Kirchenmusiken, waren sie nicht wett und breit be­rühmt?

(Fortsetzung folgt)