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Montag, den 13. Juni 1921
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I
Zeitung für eilige Leser.
k Reichskanzler Wirth äußerte sich dem Vertreter einer inifdjett Zeitung über allgemeine politische Fragen und erste n.va. „Wenn die jetzige Politik von irgendeiner sabotiert werden sollte, so wird selbstverständlich da^ wüsche Volk über sein Schicksal selbst entscheiden müßen/
Die BetriebSratswahle« im Ruhrgebiet sind eschloffe«. Das Ergebnis zeigt, daß die gemäßigt- Rich- g wohl ein starkes Uebergemicht in der Vertretung hat, och sind die radikalen Richt«»ge« a«ch jetzt noch nicht z« erschätze«.
Der amerikanische Staatssekretär für Krieg erklärte bei rechnng des Armeegesetzes im Repräsentantenhans, es ehe nicht die Absicht, die in Deutschland besindlichen ame- anischen Truppen abznbernfen.
II i
Der Gesandtenrat hat beschloßen, sich ant Auflösung der ischen Einwohnerwehren und der Ablieferung der Waf- fea nicht an die vorgeschriebene« Termine zn binden. I D soll der bayerischen Regierung Gelegenheit gegeben wer« lm, ihre Polizeiorganisation an verstärken.
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! Die englische Regierung hat verlangt, daß die B-rbi-n- Een unverzüglich strenge Maßnahmen ergreifen, nm dem lnischen Ansstand ein Ende zu bereiten und daß die Av- isnngen an General Le Rond eine ständige Zusamme«- deit zwischen ihm und seinem englischen Kollegen sichern »Ite.
sDer „Matin„ berichtet, daß die englische Antwort aus die tzvzösische Protestnote, die d-n englisch-volschewistischen Bertton betrifft, in Paris eingetroffen ist. England würde ' M weigern, der französischen Hypothek aus Rußland Rcch- img an tragen.
i||i| jF« der Antwort ans dle letzte englische Rote schließt sich iR iftL-tretch der englischen Ansichi an, vaß »nrerMglich Be« — H gegeben werden müsse, gegen die polnischen Ausrührer i!« i marschieren. General Lerond hat entsprechende Mit- ' “ effunge« ant Zusammenarbeit mit den Italiener und Eng- teere erhalten.
-Der Generalstreik in München trat Samstag in die Er» cwung. Die Zeitungen erschienen nicht. Der Streik um- » ^t auch die christlichen Gewerkschasten. Eine Genehmignng et össentliche» Versammlung im AusstellimgSpark ist nicht it*1 »Int.
N Tie am Freitag abgelausene Frist zur Ablieferung der yn wer«n Waffe» ist eingehakten worden.
Der dentsche Botschafter hatte eine längere Besprechung t Lonchenr »her hie Wiederansbansrage. Frankreich ji* >«icht Geld und Naturallieferungen, aber keine Fertig- 2 F” der deutschen Fnhnstrie.
Die Generalversaurmlung der deutschen Reeder in Lübeck m einstimmig eine Entschließung an, in der die Reichs- pervng ersucht wird, sich baldigst für die Beibebaltung allen Handelsflagge Schwarz-Weiß-Rot zu entscheide«.
</ Der Generalstreik in Norwegen ist beendigt und die Ur- t wieder ansgenommen worden.
Gegründet im Jahre W4V unter bem Titel
Die aus Oberschlesien der Eutentezensur unterliegenden klachrichten über die dort herrschenden Zustände lassen das furchtbare Elend, das jetzt durch die Wirtschaft der pol- irischen Aufrührer hervorgerufen ist, schon genugsam er« kennen. Solche Privatbriefe werden jetzt in der deutschen Presse veröffentlicht. Aus ihnen allen tönt ein Schrei der Entrüstung und Verzweiflung. Wir geben hier den Brief
ünes Kattowitzer Bürgers wiehernder in schlichter Form sie trostlose Lage der urdeutschen Stadt an der Ostgrenz« p-üerschlesiMs schildert. Er lautet:
Wir leben in einer belagerten Stadt in der strengsten
klbschlietzung, keine Straßenbahn fährt herein oder heraus,
He Bahnen gehen seit drei Wochen nicht mehr, mit Aus- aahme eines Militärzuges der Interalliierten an jedem tag, der aber keinen Mitreisenden und wahrscheinlich keine Post mitnimmt. Die Stadtgrenzen sind so bewacht, daß keine Maus hindurchschlüpfen kann. Keine Zeitung kommt herein, vir haben nur die hiesigen Zeitungen, die unter solcher Kontrolle stehen, daß sie zur Hälfte verloscht sind. Die febenSnrittslzufuhr stockt vollständig, seit li Tage» bekommen die Kinder keinen Tropfen frische-Milch und der gelinge Bestand an kondensierter Milch wird wohl auch bald in Ende sein. Seit 2 Tagen ist das Wasser gesperrt und seit heute das Gas. Das elektrische Licht setzte auch schon litten Tag aus. In der Nacht dauert das wahnsinnige Ge
schieße vom Abend bis zum Morgen, wbaß mir trotz längerer Gewöhnung noch oft vor Schrecken in die Häuser flüch- te». Alles ist darauf berechnet unsere Nerven zu zerreißen, somit wir zur Uöbergabe reif werden. Die Stadt soll nicht hüt Gewalt genommen werden, sondern sie soll die Belagerer selbst Hereinrufen, damit sie vor der Welt sagen können, wir wollten polnisch werden. Wir würden lieber verhungern und verdursten, ehe wir uns den Polen aus- iefern, aber was wollen die Mutter anfangen, die ihre Rinher langsam zugrunde gehen sehen? Und was die Frauen, die jetzt ein Kind zur Welt bringen sollen? Wenn Küche Familie» weich werden, dann kann man ihnen keinen ßorwurf oarmrs mache» Aber die Welt soll willen, oatz Pix Deutschen hier keine Verräter, sondern nur durch die, Unerhörtesten, grausamsten Maßregeln überwältigt werden. Vielleicht kommt uns noch eine Hilfe, ehe es an spät ist. scher wenn es nicht der Fall, dann weißt Du wenigstens He Wahrheit und wirst sie weiter verbreiten. Die Belagerer ßaben einen engen Ring um die Stadt gezogen und halten Sch am Tage an den Grenzen, aber in der Nacht kommen ^e in die Straßen, schießen und plündern oder erpressen Geld und Genußmittel von den Bewohnern. Die Stadt ist
hott von ^Flüchtlingen, die von einem Asyl ins kratzte», weil sie überall beschossen wurden, jetzt, Nahrungsmittel knapp werden, können sie schwer bethen und fangen schon an zu betteln.
andere wo die ernährt m.
Die verzweifelte Lage in Kaflowisi.
Die Insurgenten haben Sie Stadt ringförmig
einge-
schloffen. Die polnischen Vorposten reiche» bis an die Stadt heran, ja sie sind bis in die Stadt vorgezogen. Drahtverhaue und Schützengräben steht man an allen StadtauS- nängen. Der Südpark ist in ein Kampfkager verwandelt. Es befindet sich dort in der Sängerballe das Quartier des dvlnischen Sokolregiments. Dieses Neaimcnt tif nur nrHr«
N«zeige«: N- Zelle nies deren Raum 1 Mk , Reklame- «tie 3 Mk. sSmil. ' ' ' ' Z , Betriebsstörungen kein Schadenersatz oder Mördergebühr «tusch!. BetugS. Keine «rwähr für Platz, Aufnahmezeit vnd Beltglieftwne. Kein Nachlatz bei gerichtlichen Zwisches- Wtw. sahll-^i- Fransturi o M. Nummer 1.-401.
ua?”etne besteht^edöch das gange Gerippe aus regulärem polnischem Militär in Zivil. Die Unteroffiziere sind dnrchrveg richtige polnische Soldaten. Minenwerfer, Maschinengewehre u»d Revolverkanonen erschrecken jede Nacht die Bewohner durch eine sinnlos« Schießerei mit Mnnitionvergeudung. Der Bahnhof ist an Hc Aufständische übergeben worden. Die Lebensnnttclnot in Kattowitz beginnt katastrophal zu werde». Die vorhandenen Bestände, die lediglich auf Schinuggelwege» ergänzt werden können, reichen nur noch 14 Tage an. Vollkommen fehlen bereits Kartoffeln, Rindfleisch, Fette und viele Artikel des täglichen Bedarfs. Ein Mittageffen, das dieser Tage noch Hit 7.50 Mk. zu haben war, ist jetzt nicht mehr unter 18 Mk. zu bekommen. Die Milchznftchr wird von den Insurgenten unwillkürlich zurückgehalten und »«kerbunden. Die Waffer- leitungen tröpfeln nur noch. Das mühsam gesammelte Waffer reicht aber nicht entfernt auS, um den Tagesbedarf »u decke«.
Aus Denkhen und Tariwwfls.
Die Insurgenten sind schon wieder weiter in die Stahl vorgedrungen und haben das Eisenbahn-Maschinenamt und das Betriebsamt in der Gartenstraße besetzt, die Beamte« verjagt und teilweise verschleppt. — Tarnowitz wurde von den bewaffneten Polenbanden geräumt. Der in der Stahl durch die Insurgenten onzerichteie Schaden ist groß. I» Norden der polnischen Front, wo die Engländer vorgeganger smd, ziehen sich die Insurgenten unter Mitnahme ihrer Artillerie und ihrer Trains langsam zurück. — Dir Blättej Melden, daß in den Städten des Jndustr^gebiets infolge hei tori herrschenden Notlage Massenerkrankunge« an Ruhr mit Grippe,, vorgekommen sind. Besonders das KinderÄrsd ist infolge des Milch- und Lebeusmit^lmaMgeks beispiellos. Jr Benthen wurden das Eisenbahn-Maschinenami mw das Be> iriebsamt von den Insurgenten gestürmt. Der Obersekretä, Krämer wurde in Gegenwart von ftwyWche» Post« »es
die Drosselung unserer ffriedens-Lustschissahrt.
Der „Chicago Tribune" zufolge, beschäftigte süh die Botschafterkonferenz mit der deutschen Zivilluftschiffahrt. Die Botschasterkonferenz hätte die Frage der Kontrolle dieser Luftschiffahrt aufgeworfen und es sei zu erwarten, daß darüber auf der nächsten Konferenz von Boulogne gesprochen würde. Die militärischen Sachverständigen erklären, daß folgende Anträge gestellt werden sollen:
1. Eine interalliierte Luftfahrtkontrollkommission soll regelmäßig die deutschen Luftfahrzeugfabriken besichtigen. Sie soll die Zahl der anzufertigenden Luftschiffe und deren Größe festsetzen.
2. Die deutschen Zivilluftfahrzeuge sollen eine derartig beschränkte Größe haben, daß sie nur mit einer solchen Last befahren werden könnten, daß es unmöglich wäre, sie in Kriegsluftfahrzeuge umzuwandeln, die ein großes Gewicht von Bomben tragen könnten.
3. Die deutschen Luftfahrzeuge sollen bezüglich ihren Bferdekräfte soweit reduziert werden, daß sie nur ein bestimmtes Gewicht tragen könnten.
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Das große Los.
Erzählung von Karl Weisflog.
(Nachdruck verboten.)
Da
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So tummelte sich alles in Lust und Freude. Ehe aber Hesperus heraufzog am heitern Himmel, hatte jeder Mitgeselle von den drei Festgebern schon still und heimlich seinen Dukaten in die Hand gedrückt und jeder Oberälteste der drei Zünfte tausend Taler zur lmterstützung notleidender Mitbrüder erhalten. Da schlug das segnende, tausendfache Lebehoch der auf- jauchzenden Menge zusammen über den Linden- und Enhenwipfeln und übertäubte die Tusche der schmetternden Trompeten und den Donner der Pauken. Aber als nun die feinen Meistertöchter mit den schmucken ^jeHen in den Buden draußen auf dem Rasenplatz« unter den tausend Lampen, die an den Bäumen hingen, dahin rauschten im Reihentanze, als Bruder Zickel, bre Seele des Festes, sich selbst übertraf an unendlichem und an Possen, als Bruder Schwerlich in cly- » Träumen neben einem Fasse lag, und hier uno da die ehrbaren Meister in Gruppen bei der nmulidjen Pfeife beisammen saßen; da — wandelte
, ,u,e Seele von Zwickau einsam unter den Linden.
sein Herz war nicht bei jenem Jubel. Seine ^“i flogen dahin, wo der Vollmond stand, der
1mit magischem Schimmer beleuchtete, fern die Gegenden, wo seine Marie lebt«. — „O, nun ich ja reich," rief er, „nun könnte ich ja vor zp-ik» ,ten als Batzenmann, du harter, hoffärtiger j^Eister! Aber nun ist ja alles vorbei nun sitzt sie schon in der verruchten Weintraube, und °"es ist umsonst!"
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So klagte der Treue, und wohl hätte manche feine ^Ü^dem blühenden, dreißigjährigon Gesellen den f-örentanz nicht verweigert, und gern wohl auch den ^Zfn.Kotiuvn durchs Leben mit ihm gewagt, aber «u>Nltw verschmähte die rauschende Lust und war wohl unter den vielen .Hunderten der einzige, der spät nach ÄS HÄtt”»* u ”“
Wie am anderen Tage die Brüder zusammen- re'chneten, verblieb einem [eaa^en noch die reine Summe von dreißigtausend vierhundert fünfundsechzig Talern in klingendem Kurantgelde.
„Das ist viel!" riefen alle. „Was machjen wir mit dem Gottessegen?"'
„Ich meines Teils," sprach Gottkisch, „mein Entschluß ist gefaßt. Ich pilgere nach Z—, dahin zieht mich unwiderstehlich mein Herz. Ist Marie noch frei, wäre eS möglich, daß sie den armen Handwerksburschen — nicht den reichen Dukatenmann — lieben könnte; nun, dann trete ich als Krösus mit meinen Schätzen vor den Vater, und Juchhei! Ihr Brüder, dann geht die Sonne meines Lebens wieder auf, und nicht mehr unter. Sitzt aber die Geliebte als ehrbare Wirtin in der Weintraube im ehelichen Zwinger bei Schwappe! — ach! nicht umsonst zagt meine treue SBrnft, und mein Unglück ist wahrlich schyn lange ent- fchreden — dann wandere ich traurig nach Zwickau, in meine liebe Vaterstadt, tue Gutes den Armen, legiere den schnöden Mammon dem Spittel und sterbe, wo ich geboren bin."
„Da wäre ich ein rechter Narr," antwortete Bru- der Zickel, „mich totaliter einzuphllistern ins eheliche, bürgerliche Haarzopfleben. Mit irichten! Nach höherem strebt mein Sinn. Geld gibt Ehre, und Ehre nur Brüder, ist des Lebens Seele P ' 9
„Du willst wohl gar als Kriegsheld dir einen Namen machen, Bruder Zickels fragte der Schlosser.
„Bleibe mir mit dem elenden Soldatenleben vom Halse," erwiderte der Schneider. „Kommißbrot und Kanonenkugeln sind überaus schlechte Späße, und Or- den und Zeitungslob erziele ich, ohne mir den Magen vor schiiöden Laufgräben und Schanzen zu erkälten, nad/st^ anne^men. Nach Italien ziehe ich,
„Du nach Italiens riefen die anderen. „O du armseliger Schneider! Was willst du in dem vornehmen Lande?"
,^ '.dveigt.- entgegnete Zickel, „davon versteht Ihr nichts. So, nach Italien ziehe ich. Kennt ihr das «and. wo die Zitronen blühn, ihr---- - . .
ton tot traten tos Benies ihr
sei? — Da tret«
QDlbenen Tarm-
zapfen, da wachsen die Glückspilze, da kann man noch etwas werden mit Geld und Courage, und nicht umsonst will ich in den drei Jahren, wo ich in Trieft bei Meister Vunto arbeitete, mein Italienisch gelernt haben. Brüder! die Zeitungen sollen vom Ulmer schreiben, und Nasen und Mäuler werdet ihr aufsperren."
„Du bist ein Narr!" riefen die anderen, „und beizeiten wirst du das deinige verjubelt haben."
„Und du das deinige versoffen, Bruder Sonst" entgegnete der Schneider.
„Sei ruhig, Zickel!" versetzte der Schlosser, „drei« tzigtausend Taler vertrinken sich nicht so schnell, wenn man solide zu Werke geht und einen vernünftigen Plan formiert, gört, wie ich mir's vorgenommen:
Ich könnte ins Ungarland, wo der Tokaier Aus- bruch wächst, ich könnte nach Frankreich, wo man die Pferde mit Wein und Kognak tränkt, ich könnte nach Spanten, wo der Malaga und die Sekte zu Hause sind, aber Brüder, ich bin ein redlicher Deutscher und bleibe im lieben Paterlandc. — Daß ich jetzt — ein Vierziger — nicht erst anfangen werde, um das Weibervolk zu schwänzeln und zu kratzfüßeln, daS werdet ihr mir wohl nicht verdenken. Auch das, was ihr etwa: sich zu Ruhe setzen, nennt, ist nicht meine Passion. Ich will keine Ruhe, ich will Unruhe, Leben und Genuß und Abwechselung. Darum — ihr Brüder — ich will Deutschland ourchziehen mit meiner freien, lustigen Seele — als Naturforscher, als Philosoph, ich will kritische Versuche anstellen über die in Deutschland vorhandenen Biere, Doppelbiere, Weinkeller und Branntweinbrennereien, und diese Versuch« sollen nicht etwa — wie in einer trüglichen Enztz- klopüdie für Künstler, aus falschen Rezepten zusam- mengeschrieben sein, so daß kein Mensch daraus klug wird — nein! — selber will ich sie machen, so da§ es einem jeden anderen ganz leicht sein soll —"
am-
„Das ©einige zu vertrinken, wie du," unterbrach ihn der Zwickauer. „Mensch, werde doch einmal der-, nünftig!" _
(Fortsetzung folgt.)