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6 ch s e r n s r T a g e ö l st 11.

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____^stru. staMarir Frankfurt s. M. Nummer 11408.

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I Aus der Heimat.

Boransfichtl Witterung. Am 12. 6. (Sonntag): g Ziemlich warm, abwechselnd heiter und wollig, ©mitte« Regenschauer, nachher etwas kühler.

Am 13. 6. (Montag): Etwas kühler, teilweise heiter, I Meist trocken.

* Wie wir soeben hören, sind bei der am 1. d. Mis. veränderten Arzneitaxe wieder die Preise einer Reihe von M Arzneimitteln sowie von Gefäßen gefallen.

Ein gutes Hasenjahr werden wir, wie in Jäger- ' M kreise« verlautet, bekommen. Die Hasen zeigen sich in großer I Zahl und sind sehr gut entwickelt, was vorwiegend seinen U Grund in dem günstigen Vorfrühlingswetter hat. Und die ( Preise?---werden steigen! Wie das nun mal so I üblich!

11 (Ausländerbeschäftigung in der Landwirtschaft.) Das lW Landesamt für Arbeitsnachweis in Frankfurt a. M. schreibt | unS: Die allgemeinen Verhältnisse auf dem Arbeitsmarkt ! K machen es im Jntereffe des Volksganzen unbedingt notwendig, ji daß die AuSländerbeschäftigung auf das geringste Maß ein- geschränkt wird, um die vorhandene Arbeitsgelegenheit, soweit irgend möglich, den deutschen Arbeitern zu erhalten. Dem- M gemäß bestimmt der Erlaß des Herrn ReichSarbeitSministers vom 24. Juli 1920, daß eine Beschäftigung von Ausländern nur mit Genehmigung der Landesarbeitsämter erfolgen darf. M Trotzdem haben verschteoentlich Arbeitgeber unseres Bezirks I ausländische Landarbeiter ohne Genehmigung weiter le schäftigt oder neu eingestellt. Namentlich wird aus Arbeit- I geberkreisen lebhafte Klage geführt, daß Betriebe polnische I Arbeiter einstellen, die ihre Arbeitsstelle^digungslos ver- dl- lassen haben. Nach der im amtlichen Teil veröffentlichten U Polizeiverordnung des Herrn Oberpräsidenten und der Be- ^-ianntmachnng des Herrn Regierunaspräsid-^ten müssen alle | ohne die Genehmigung beschäftiaten Ausländer als nicht im M Besitze ausreichender Legitimation angesehen werden und j sind ohne weiteres zur Entlassung zu bringen. Es liegt I daher im dringenden Interesse der Arbeitgeber, die solche W Arbeiter beschäftigen, daß sie umgehend nachträglich die Ge- I oehmtgung zur Weiterbeschästigung nachsuchen, damit eine U sachgemäße Nachprüfung unter Berücksichtigung des Arbeits- i markteS und der Erfordernisse der Produktion erfolgen kann. D Nach dem 15, Juni eingehende Anträge auf WeiterLeschäslig- 4 ung vorhandener ausländischer Arbeiter könne» unter keinen N Umständen Berücksichtigung finden.

* Schlüchtern. (Beamtenpersonalnachrichten.) Am hiesigen E Postamt wurden Herr Postmeister Hinkel zum Oberpostmeister i und die Herren Postsekretärs Gundlach und Scholly zu Oberpostsekretären ernannt.

* Schlüchtern. (Finanzamtliches.) Zur Vermeidung W vergeblicher Wege machen wir das Publikum wiederholt N daraus aufmerksam, daß das Finanzamt für den Verkehr

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Das große Los.

(Nachdruck verboten.)

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Ja, gewiß!" seufzte Gottlieb.Komnlt Zeit, kommt Rat. Wenn nur der Ziehtag schon da wäre."

Der Ziehtag schlich für die ungeduldigen Seelen viel zu langsam herbei, indes endlich kam er doch. Die Herren mit und ohne Perrücken und Brillen saßen im großen Saale auf ihren Plätzen, die Räder rausch­ten und die Waisenknaben begannen ihre ominösen Verkündigungen. Schacherjuden, Neugierige und Kol- lekteure drängten sich in reger Erwartung, aber der Tag verging und nur ganz kleine Brocken hatte die Glücksgöttin über das Land geworfen, die großen Bis­sen aber noch im Rade behalten. So vergingen mehrere Tage; Tausende, Zehntausende, Zwanzigtausende ka­men heraus, aber fest und zähe blieb der Hunderttau- send-Taler-Gewinn zurück.

Endlich, am Abend des sechsten Tages, was rennen die Leute? was lärmt in den Straßen? was sammelt sich der jauchzende Pöbel vor Meiste Hobels Hause, wo der Zwickauer arbeitet? Ist es den wirklich wahr, ist es denn kein Traum, hat denn wirkst Gottliebs Nummer das große LoS gewonnen? Ja es ist wirklich, es ist wahrhaftig! MU großen Schweiß tropfen auf der Stirne, mit verschobener Perücke stürz: Schmuel Nathan, der Kostekteur, herein in die Wer. statt und krächzt atemlos:Hunderttausend Taler! Sol. mer Gott helfen! Wo ist der Herr, der gewunne: hat's grauße Los!" Und Gottlieb trat hervor. Wi er die Nummer verglichen und die Sache richtig bc lunden hatte, hob er die Hände und mit Tränenbli vas Auge zum Himmel.Ach, Marie!" seufzte dic treue Seele, und das Wort erstarb ihm vor Freude um» Wehmut. Schreiend und jauchzend drängte!: alle an ihn, aber er entsprang im Kamisol unt Es zu Bruder Zickel.Heraus!" schrie er unter dem weitster,heraus, du glücklicher Schneider! Heraus, Felder Zickel! Wir haben das große Los gewonnen!" ^elchtfuß wie ein Zitteraal, und tanzte nun vereint ur seligem Jubel mit dem Zwickauer nach der fernen Straße, wo der Schlosser wohnte. Dem aber hatte vie telegraphische Fama die Sache schon früher ver­kündet ,unb er sqß bereit» sest im gpldenen Anker.

Samstag, den 11. Juni 1921

um Dienstags und Freitags von 912 Uhr vormittags und von 24 Uhr nachmittags geöffnet ist. Die Kaffen- stunden der Finanzkasse sind werktäglich von 812ya Uhr. Am letzten Werktage eines jeden Monats bleibt die Kasse geschlossen. Siehe auch Bekanntmachung im amtlichen Teil der vorliegenden Zeitung.

* Elm. (Sportfest.) Der SportvereinViktoria" Elm hält am 3. Juli 1921 sein 10 jährigesStiftungsfest" ver­bunden mit leichtaihletischen Wettkämpfen ab.. U. a. gelangen SeHserspielr, Fußballweitstoß, Weitsprung und 100 :m Stafette zum Austrag. Es ist mit einer regen Beteiligung an den Festspielen zu rechnen. Ein genußreicher Tag steht allen Sportfreunden bevor. Dem rührigen Verein aber wünschen wir schönes Wetter und bestes Gelingens seines Festes.

* Frankfurt a. M Um ; der schwierigen finanziellen Lage, in der sich die Frankfurter Theater befinden, etwas aufzuhelfen, hat man während der Ferien das Schauspiel- Haus auf 14 Tage an das Frankfurter Künstlertheater für Rhein und Main verpachtet, welches neben denDeutschen Schwänken aus 3 Jahrhunderten" als Sondervorstellung für den Bühnenvolksbuud als Erstaufführung Leo Weismantels Der Wächter unter dem Galgen" sowieFreiheit" von Herbert Kranz inszenieren wird.

* Frankfurt a. M. (Ein glattes - Zigarrengeschäft.) Ein Kaufmann wollte in Frankfurt-West ein Zigarrengeschäft eröffnen und bekam eine Sendung Zigarren tm Werte von 20000 Mark von auswärts. Er r-tste selbst von der Ab­sendestelle mit, doch ehe die Kiste in seinen Besitz gelangte, war sie s^on verschoben und nach Oberursel geleitet. Die­jenigen/ die das Kunststück fertigbrachten, eigneten sich zum Teil auch Stoffe aus einer Gütersendung an. Die Straf­kammer verurteilte die Beteiligten, den Streckenarbeiter Wil­helm Bolauz zu neun, den Auk« saaior Hans Döring zu sechs Msna'-n «ys» den Schuhmsch^ Jean Hügel in Ober- ursel, zu einem Jahr Gefängnis!

Kleine politische Aachrichten.

Rußland als Weizenkäufer.

Die Nachricht, daß Rußland durch Liverpool Weizen- ladungen von etwa 220 000 Bushels gekauft hat, und die Ankündigung, daß die Sowjetregierung noch weitere Mengen zu kaufen beabsichtige, bewirkte am amerikanischen Weizenmarkt zeitweise ein Anziehen der Presse um über 4 Cent. Dieser Kauf seitens Rußlands war der erste seit dem ersten Kriegsjahre und man rechnet damU, baß ab näch­ster Ernte Rußland ernstlich als Käufer für amerikanischen Weizen mit in Frage kommt.

Rücktritt des französischen Finanzministers?

Aus Blättermeldungen geht hervor, daß man doch nod mit einem Rücktritt des Finanzministers Dounar rechnet der angeblich Generalgouverneur von Algerien werden soll Als sein Nachfolger soll Loucheur ausersehen sein'.

Wie die anderen hinkamen, war er schon tot aller« obersten ritten Freudenhimmel.O herein, ihr Gebe­nedeiten!" rief er zum Fenster heraus den überflie- ßenden Humpen hoch empor gehoben,wa?»m wollt ihr draußen stehn! Herein zu mir ins Meer der Wonne! Alle lustigen Brüder herein! Die ganze Welt soll herein kommen und auch die Friedrichstraße! Herein, du lumpige Schneiderseele, herein in den Weinkrug, du erbärmlicher Gottlieb! Ihr seid avanciert und aus schlechten Schildkröten Geldvögel geworden! O wie tan zen die lieben Englein mit mir den Geschwindwalzer/

Haltes Maul, du Saufaus!" riefen die anderen und konim heraus, wir müssen zum Kollekteur."

Ei was!" krähte der Schlosser,was Kollekteur Hrer ist die wahre Kollekte, und die Lotterie so!! zu mir kommen, ich, ihr lieben Seelen, bin heut In valide. Der Kopf läuft mit Kurierpferden, darum können die Beine nicht nach."

Und so war denn fteilich das Mitgehen unm&j ftch. doch nicht das Mitkommen. Der selige Harr- wurde aus eine Trage gesetzt, neben her zogen 'bL Brüder, und rund herum und hinterdrein der stuf liche Troß, der sich mehrte und wälzte wie ein Wack­ernder Schneeball. Musik fand sich wie von selbst und schon von ferne jauchzten die Straßenbuben:Si .ommen, sie kommen, die drei Handwerksburschen, di. 'as große Los gewonnen!"

So allmächtig aber ist der Zauber des Goldes laß nun die Glücklichen, die sonst immer die Lieder :$cn hießen, in jedermanns Augen wie Wesen Höhe er Art erschienen. Niemand lachte nun mehr über . schäbige Röcklein des ZwickauerS, niemanv mehr Wer dre Fußtriller deS Schneiders, und selbst die Ko inetennase des Schlossers hörte auf, das feuerspeiende Vorgebirge eines unverbesserlichen Säusergesichts zu sein, und wurde, wie ein Fetisch in Afrika, ein Ge­genstand hochachtungsvollen Staunens.

Wie nun aber die Glücklichen in dem Geldmeere wählten und sich überzeugt hatten, daß kein Traum sie äffe, unb das, was sie kaum für möglich gehalten hatten» nun wirklich sei, da fragte Bruder Gottlieb im Ernste:Was fangen wir an mit dem Mammon? 869 meines Teiles dächte vor allen Dingen, wie ließen . ein ErkleckllitzeU unseren Mitgesellen zuteil werden."

73. Iavrg.

ytmerauttion.

, Die Zwangswirtschaft für Butter war am 1. Juni zu ®nöe. In Berlin fand am gleichen Tage die erste Butter- nktion statt. Der Deutsche Butteranktionverdand hat im Haus Oldenburg" einen Butterauktionssaal mit einem elektrisch-automatischen Bersteigerungsapparat, wie er schon seit Jahren in Holland für Lebensmittelversteigerungen ver­wandt wird, eingerichtet.

Schon lange vor Beginn der Auktion hatten sich die Käu­fer eingesunden, die sich in einem benachbarten Lagerraum durch die zahlreichenPartien" kosteten. Mit langen Stechern ließen sie sich Proben heraufholen, die sie mit nach­denklichen Mienen kosteten, um sich zu jeder einzelnen Par­tie Bemerkungen zu notieren.

Dann ging es hinüber in den Auktionssaal, der eigent­lich ein hübsches kleines Theater darstellt. Die 200 amphi- theatralisch angeordneten Klappsitze sind an die Buttergroß­handlungen für 200400 Mark im Jahr verpachtet. Der Apparat selbst ist eine große, fast die ganze Breite der gegen­überliegenden Wand einnehmende Scheibe, die zunächst die Zahlen von 1001 in kreisrunder Anordnung trägt. Das Innere des Ziksernblattes enthält ferner die Nummern der einzelnen Sitzplätze, die mit dem Apparat elektrisch ver­bunden sind- Die Versteigerung vollzieht sich nicht von unten nach oben, wie bei Antiquitäten, die mit der Zeit bester werden. Da man dies von der Butter nicht sagen kann wird von oben nach unten gesteigert. Der große Zeiger nimmt von 80 Mark seinen Ausgang.

In der Versteigerung waren etwa 1400 Faß (zu einem Zentners, zumeist von der Oldenburgischen Molkerei-Zen- tral-Genostenschaft, zur Stelle. Die einzelnen Partien schwankten zwischen ein und zehn Faß. Die Qualität war im großen und ganzen dieselbe. Die Partien unterschieden sich durch den Grad der Frische. Denn die Molkereien haben in den letzten Wochen Waren aufgespeichert, um sich des freien Handels nun um so lebhafter zu erfreuen.

Die erste Partie wird aufgerufen 5 Faß, bei 20 Mk- meldet sich der erste Käufer. Der zweite hat Angst er kauft für 90.10 Mk. Der dritte Mit sich noch aus 19,00, der vierte fällt schon auf l8,M Mr. dann geht es in rascher Folge auf 16,70 Mk., und die sechste Partie beibt bei 17 Mk. unver­kauft. Die Oldenburger brauchen ja nichts zu verkaufen, wenn sie nicht wollen. Ein paar weitere Partien gehen zu 17,20 bis 17,60 Mk. weg: dann stockt die Teilnahme. Immer bei 17 leuchtet das FeldUnverkauft". Die Oldenburger Ärgern sich und erklären, daß sie nun unter 18 Mk. nichts mehr verkaufen wollen. Einer aus dem Händlerkreise ruft khnen zu: ,Lihre Butter wird schlecht" und Oldenburg er­widert prompt: ,Das ist unsere Sache."

Der Zeiger läuft. Nur ab und zu geht noch eine Partie zu 18,10 oder 18,20 Mk. fort: im übrigen folgen sich dieUn- ßoerkauft". Langsam lichten sich die Reihen der Käufer. Ich frage einen. Er antwortete:Die Maschine ist ausgezeichnet, aber die Butter wird billiger. Sie fällt auf 16 Mk." Er geht weg.

600 Zentner wurden verkauft, 880 Zentner wurden nicht verftiuft und rund 340 Zentner wurden vom Verkäufe zu- rückgezogen. Man rechnet infolge der Ergebnisse dieser ersten Butterauktion in Berlin mit einem Kleinhandelspreis für Frischbutter von 21 bis 22 Mark.

Da hast du reiht, Brüder^ riefen die anderen. Sie Tischler, die Schneider und die Schlosser sollen einen fröhlichen Tag haben, und allen Preßhasten der drei edlen Zünfte soll geholfen sein."

Auf nächsten Montag wurden deshalb die drei Gesellschaften nach den Waldbuden entböten.

Der schöne August lächelte, und früh schon riefen die Trommeln die Gewerke zusammen. Die sammel­ten sich in ihren Herbergen und zogen dann zu dem gemeinschaftlichen Bereinigungspunkte, in den golde­nen Anker. Bon hier aus, nachmittags um vier Uhr, ging'- im langen Zuge hinaus vor die Stadt. Erst kamen die Schneider, maßen Bruder Zickel sich durch­aus den Vorrang nicht nehmen lassen, mit ihren Fah­nen und Trompeten und Pauken, alle stattlich geputzt and mit enblößten Degen, auf deren Spitzen Zitro­nen prangten. Hinter ihnen die Schreiner, auch mit Musik, nicht minder im Festanzuge/ mit Fahnen und Degen wie die Schneider, und zuletzt als schwere Ar- inerte die Schlosser. Denn die führten hinter ihrer Fahne und hinter der rauschenden Janitscharenmusik einen mit vier Pferden bespannten Lastwagen, auf welchem ein stattlich mit Eichenlaub bekränztes, zwei- fuderiges Faß Wein lag. Dann schlössen die Meister den Zug, in ihrer Mitte die drei Glücklichen, ge« schmückt mit Blumen und 5tränzen, und nun kam als Bagage und HeereStroß die lange Reihe der Wagen mit den Biertonnen, mit den unzähligen Schinken, Braten, Semmeln und Kuchen, die in reinlich bedeckten Körben steundlich geputzte Mädchen hüteten.

Draußen aber in den Waldbuden unter den dich­ten schattigen Bäumen war's Jahrmarkt rrud wimmelte es von Leben, wie an einem Wattfahrtsorte. Hier wurde Kaffee gekocht, dort lagerten im Grünen ganze Familien mit ihren Flaschen, Kannen, Tassen und Kuchen auf den weißen, über den Rasen gebreiteten Tüchern. Hier wimmelte es um die aufgeschlagenen Zelte, da jubelte aus den Buden die lärmende Musik, dort knaftten den Abhang herab die Feuerschlünde. Unter der majestätischen Linde aber lag auf unge- heurein Bocke das unerm-eßliche Weinfaß, und ohne AuWren floß der edle Rebensaft in die Krüge.