ZchlüchttrnerMung
'«I-nasvretS vorauszahlbar Viertels durch die Post Mk. t2 , ^«Msere Träger Mk, 10.80, bei unS abqeholt Mk. 10 -, LW an Wochentagen nachmittags Druck u. «erlag eeSfirt, veranttvnrtlich H.«. Hahmeister, Schlüchtern. 5L2^r «5. GrfüllungSvrt rar den gesamten Äleichsst».
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Zeitrmg für eilige Leser.
Das Unterhaus hat mit 184 gegen 55 Stimmen die Frist für die Gültigkeit des Ausnahmezusttsdes, der bei«, A»s- -ruch des Bergarbeiterstreiks erklärt wurde, verlängert.
Das portugiesische Parlament wurde aufgelöst. Die Wah> len zu den gesetzgebenden Körperschakte« wurden auf den 20. statt festgesetzt.
Am Kreise iflatibor stieße« bei Kalinow die Pole« mit starken Kräfte« vor, wurden jedoch im Gegenangriff zurück« «schlagen. Das Dorf Kalinow ist i« deutsche« fänden.
Die sozialdemokratische Reichstagssraktion hat beschlösse«, folgende« Autrag z« stelle«: Der Reichstag wolle beschließe«, den Reichskanzler z« ersnchen, die Urteile der Sondergerichte
ir
tspir«kte möglichster Begnadig««!, «achprii-
seit zu lassen und dem Reichspräsidenten bloße Mitläufer der A«frnhrdemeg»«g im weitesten Umfange zur Beguadi« gong z« empfehlen.
Merwirruns über Verwirrung in OberschlMen
Trotz der immer stärker werbenden interalliierten Streit- kräfte denken die Aufständischen durchaus nicht daran, die Waffen niederzulegen. So wird aus Kreuzburg berichtet, daß im Abschnitt Landsberg es den Polen gelungen ist, ein Waldstück bei Wienskowitzsch vorübergehend zu besetzen, wo- »ei sogar von jenseits der Grenze reguläre polnische Jnfan- sterietrupps mit Maschinengewehrfeuer in den Kampf ein- kgegriffen habe. Im Abschnitt Rosenberg lebte erneut das Mrtilleriefeuer auf, allein der kleine Ort Albrechtsdorf wurde Imit 20 Schuß belegt. Gerüchtweise soll im Südosten des Mdustriebezirks reger Zugverkehr von Polen her eingesetzt lhaben.
In den deutschen Selhitschutzkreisen ist man der Ueber- UeuguM, daß die Kampfmüdigkeit der polnischen Aufrührer Mündlich wächst; in den Kämpfen bei Gogolin ergaben sich |m Dienstag 300 Polen, bei Annaberg weitere 200. Allgemein spricht man davon, daß die Engländer gewillt sind, so k-stch als möglich mit der Säuberungsaktion zu beginnen. Pin Bataillon' der Engländer, das bereits in Oppeln liegt, Elf berKE dieser Tage den Auftrag erhalten, Groß- p^M'Iit) "im Sturm zu nehmen. Mimischen ist ^.i& Mrehlitz von den Engländern genommen worden.)
Nie Eualander in Ober ^k^n
Wenn auch die Ereignisse der letzten Stunden durchaus mich: dazu an getan erscheinen, die Hoffnung auf eine baldige k ruHgung in Oberschlesien zu beleben, insbesondere wie gerade der 1. Juni wieder eklatante Beweise für das Zu« Mmmenarbeiten der französischen Truppen mit den Jnsur- • men erbracht hat, so kann doch nicht geleugnet werden, daß ich der oberschlesischen Bevölkerung eine offensichtliche Hosf- m.ungsfreudigkeit bemächtigt hat, seitdem die englischen Trup- Wn unter dem General H e n n e ck e r eingetroffen sind. Teinem Kommando stehen bis zur Stunde 6000 Mann zur • msiigung, mit denen er gewillt zu sein scheint, ernstlich das st'usstcMsMket von seinen polnischen Bedrückern zu befreien. Man will von ganz zuverlässiger Seite erfahren haben, daß per englische Kommandierende den Leuten Korfantys ein Mitündsges Ultimatum stellen wird, in dem Einstellung der ^e'' dseligkeiten, Wiederoufnabme der Arbeit und vorbehalt-
Gegründet im Jahre 1849 unter dem Titel
Samstag, d-» 4. Auni 1921
wie Cntwasnung verlangt werdm. Bei einer Nichtbeachtung dieses Ultimatums beabsichtigt General Hemneler Die euer» Hscbften Maßnahmen gegen die Aufrührer zu unternehmen, Der Personen- und Güterbahnhof von Beuthen wurde von toln'schen Insurgenten besetzt. Ebenso das Telegravhenamt, testen französische Besatzung sich widerstandslos zurückzog. Mit dein Industriegebiet besteht nach wie vor weder telephonisch noch telegraphisch Verbindung.
poliiMes 3taffenach-edoi
Aus der Gegend Tichau, Nikolai, Bogutschütz, Schoppi nitz, Eichenru und Zalenze sind sämtliche ausgebildetr Mann, schasren an die polnische Front abgegangen. Zurückgeblieben sind nur alte Männer und unausgebildete Leute. Die Aus. bildung geschieht durch reguläre Haller-Jnstrukteure in Zivil
Eine vernünftige Stimme aus Frankreich.
Die in Oberschlesien tätigen Berichterstatter bet sranz»- fischen Regierungspresse scheinen Sie Anweisung erhalten zu haben nicht mehr mit Enthusiasmus sür Korsantp emzu- treten. Einen aus diese gemäßigte Tendenz hinseutenden Artikel bringt Pas Regierungsblatt „Information". Der in Beuthen sich befindende Vertreter des genannten Blattes schreibt folgendes Gewiß wäre eine Teilung Oberschlesiens, entsprechend dem Wunsche der Bevölkerung, die Lösung, Der man den Vorzug geben sollte, denn eine andere Lösung mürbi zweifellos den Keim künftiger Kriege in sich tragen. Doch Die Industrie Oberschlesiens bildet einen schier unteilbaren Block. Es müßte deshalb zu einer Verständigung in dem Sinne kommen, daß die von den Deutschen aufgebaute sberschlesischs Industrie in den Händen der Deutschen bleibt, wogegen Polen bezüglich der' Kohlenversorgung entsprechende Vorzugsrechte erhalten sollte. Polen könnte als Gegenleistung das nötige Holz für die Kohlenbergwerke liefern. Die Deutschen haben recht, wenn sie erklären, haß Oberschlesien dem "Lande erhalten bleiben müsse, wenn die in dem Londoner Abkommen festgelegte Entschädigung aufgebracht werden soll Tatsächlich ist Oberschlesien ein Zentrum der deutschen Industrie, uns wenn wir darauf achten, daß Diese Kräfte nich in den Dienst des Veraeltunaskrieaes gestellt werden, so reim jedenfalls eine Beriiäuo^uug zwischen und
Polen sehr anzuraten."
VeuMlands Bemühungen anerkannt.
Die Reparattouskommifsion veröffentlicht folgende State Die Bestimmungen des Artikels 5 des Bezahlungsetals vom 5. Mai 1921, die die Zahlung einer Milliarde Goldmar. innerhalb 25 Tagen vorsehen, sind in normaler Weise aus. geführt worden. Die Reparationskommission stellt fest, das die Deutsche Regierung sich ihrer Verpflichtung in diese, Hinsicht entledigt hat, und drückt ihr ihre Befriedigung S» rüber aus, daß sie schon i«§t Maßnahme« für Mt Rückkach der Wechsel ergreift.
General Nollel meldet die vollzogene Entroassnung.
„Daily News" melden «w Paris, daß Genial Rolle dem Botschasterrat angezeigt habe, daß bis W. Mai die wafsnung der deutschen Einwohnerwehren als durchgefuhr von ihm kontrolliert worden sei mit Ausnahme der baue rischen Einwohnerwehren, deren Entwaffnung bis 28. v»l amtlich zugesichert worden sei.
-ieb»stSrungev sein Schadenersatz oder Mtt 61. Bezug» Reine GrAäür für Ma» Wa «eleslirstrung. Sein Rabatz bei geri^U^er teften Zahlkarr« Frankfurt a R. Nummer
73. AaSrg.
Keine Umbiibnng per ^etchsregierung.
Gegenüber Gerüchten, die im Umlauf find und gegenüber einigen Pressemeldungen, die wissen wollen, daß die Deutsch Bollsparrei zu praktischer Mitarbeit am Wiederaufbau, Programm entschlossen sei unter der Bedingung einer Umge, staltung der Reichsregierung, wobei Reichskanzler Dr. Wirth durch den preußischen Ministerpräsidenten Stegerwald ersetz, werden solle, hören die „P. P. N.", daß von einer Aende, -ung in der Zusammensetzung der Reichsregierung kein, Rede sein kann.
Auch die durch die neue Koalition im Reich bedingte ihm bildung der preußischen Regierung dürfte noch auf sich warten lassen, da alle beteiligten Personen zunächst das Ergebnis der Aussprache des Reichstages über das Programm bei neuen Regierung und die endgültige Stellungnahme bei Parteien zu diesem Programm abwarten wollen. Bon Be« aeuiung ä. diese Entscheidung der Annahme »der Ablehnun; der einzubrn . enden Tagesordnung ist vor allem die Stellung der Deutschen Bolkspartei und der Unabhängigen. Bei bet Deurschen Bolkspartei scheint ein endgültiger Beschluß i, einer vertraulichen Aussprache noch nicht gefaßt worden zu sein. Die verhältnismäßig günstige Aufnahme, die die Programmrede WirtHs bei den Unabhängigen gefunoen hat. deutet darauf bin, daß sie die Regierung in ihrem Bestrebe» das Ultimatum durchzuführen, unterstützen wird, womit bn erforderliche Mherheit für die Reichsregierung schon gegeben ist. Damit sielen auch alle Kombinationen über einen Wechsel in den Reichsministerien zusammen.
Die Kattuns der Varleien.
Im Anschluß an die vorgestrige RejchstagKfitz««g habe» noch am Abend Mehrheitssozialisten, Zentrum und Demo; kraten Fraktioassitzungen abgehalten. Die Koalitionsparteie« werden keine gemeinsame Erklärung im Reichstag abgeben, dagegen für eine Tagesordnung stimmen, wonach der Reichstag damit einverstanden ist, dass die Regierung alles daran setze, um die übernommenen Verpflichtungen zu erfüllen.
Die Bolschewisten suchen sich zu halten.
Die MoSkauet „Prawda" meldet: Die Sowjetregierung ^tütt^-RWLstbsrLiltUche.WKOonen nach Sibirien entsandt, -m den Feldzug gegen die GegenreWMMAM'MkrWts aui^u* nehmen. Ein Teil der Moskauer Garnison ist nach dem Westen von Jekaterinburg abgeruckt, wo die Lage für die rote Armee besonders kritisch ist.
Dittalorische Vollmachten für Rachenalt.
Wie wir erfahre«, fi«d dem neuen Wiedorausbauminister Herru Rathen«« voa dem Reichskabinett eine Anzahl diktatorische Vollmachten für die Zentralifiermrg der deutsche» Lei, ftuugcn an die Entente erteilt worden. Die znr A»sführ»an des Ultimatum notwendig gewordenen neuen ®teuern Reiches wurden in den FrakticnSsttzunge« am Dienstag allgemein mit 1 bis 1,5 Milliarde» Mark Höhe angegeben.
AmeMas «KriegÄsKtL".
Der Staatssekretär teilt mit, bah die Ernennung tyS M den Botschaftorposten in Berlin vorgesehene« Dr. -iS noch nicht vollzogen werden könne, da die Aufnahme diplommi tif^r B«üiehrmg«r wir Deutschland «och nicht möglich ich
Dämon des Lebens.
Krmuuaie-zahiuug von A. Oft land.
321 tStachdruck verboten.)
,,O — ich habe gehört, was Ihr gesprochen habt, am erlieft Tage, als du tarnst. Immer verwiesest du Vater wieder auf Die Nummer 666 — und du sagtest. Ramm In ite Geld, er müsse Dir wenigstens einen Teil vererben, o, ich hörte das alles! Und auch, wie Vater sich wehrte, wie er dich gebeten hat und beschworen. Und jetzt begreife ich es auch, was bann geschah: Vater, du hast den Brief gesunden?"
Mit zitternden Händen griff Willstadt in die Brusttasche.
,,3a. Hier ist die Anzeige, daß Wilhelm von Ramm vierhertomnien wolle!" sagte er, die wenigen Zeilen über» fliegend.
„Also du hast den Bries gefunden, nicht wahr?" fuhr Eöily rascher fort, „und du wolltest dich noch einmal mit ihm aussprechen — nicht wahr? Aber ich sollte es nicht •»Öfen, ich sollte glauben, du seist daheim. Deshalb bist 'du liier von der Berauda hinab in den Garten gesprungen und Pluto dir nach. Und dann hast du ihn getroffen — draußen am Feld — neben dem Tümpel!"
1 Durch des alten Mannes Glieder ging ein Schauer. Das ßieber schüttelte ihn. Fast verständnislos sah er das Mädchen an.
„Ja," sagte Willstadt dann mit leiser Stimme, „aber woher weißt du das, Kind? Weißt du denn auch, was ich gelitten habe, in all den Jahren, immer, immer in der Angst vor ihm? Denn ich fürchtete mich so, Edith, ich knechtete mitb, daß du auch noch von mir gehen würdest. Und nun war er da — in meiner Nähe — bei feiner L au, die einst meine Frau gewesen. Nein! Ich konnte nicht anders! Ich konnte den Gedanken nicht ertragen! Kv habe ich ihm aufgelauert. Ja, aufgelauertl Denn tiles war wieder lebendig in mir, und die alten Ge- penfter sind auferftanben von den Toten. Und da ist
er wirklich gekommen. Ale er mich sah, hat er mich nicht erkannt. Aber dann, ganz plötzlich hat er gerufen: .Otto!' Ich habe kaum mehr gehört. Alles hab' ich ihm ins Gesicht geschrien, noch einmal alle» — und den Zettel hab' ich verlangt, Abrechnung hab' ich gehalten — endlich Abrechnung!^
Er atmete schwer. Und' dann ging sein Blick langsam von einem zum andern.
„Abrechnung", sagte er noch einmal, als könne er sich nicht satt hören an dem Wort. „Wißt ihr denn, was da» heißt, ihr Jungen, die ihr noch glaubt an das Glück? Da draußen sind wir gestanden, Mann gegen Mann. Aber er ist auch ausgefallen Sein alter Trotz war noch in ihm j stark, und er hat den Zettel der Gefängnisdirektiou heraus- gerissen aus feiner Rocktasche und hat ihn mir gezeigt - und hat gesagt: „Nie bekommst du ihn, nie!" Ich hab" ; nicht mehr gewußt, was ich tue, habe mich wollen auf thu stürzen — der Zettel ist auseinandergerissen — aber da bin ich zurückgestürzt, denn du, Litton, du warst Da ganz plötzlich zwischen uns, und Pluto sprang wütend los gegen Ramin —"
„Pluto?" schrie Edith auf.
Willstadt blickte starr vor sich hin.
„Ich weiß nichts mehr", sagte er mühsam. „Nichts, Nur daß Ramin ausschrie und Lilian den Hund zurückriß — und dann — ja — ein Aufklatschen des Wassers — ein Gurgeln —"
Doktor Heffelbach stand auf.
„Ich fahre nach der Stadt, Ramin," sagte er herzlich, .und verhöre den ,roten Hannes'. Sie bleiben hier. Wenn wir dann die beiden Aussagen gegeneinander haben, so werden wir volle Klarheit gewinnen. Anscheinend ist hier viel Unglück, viel menschliche Leidenschaft, aberSchuid?" Er zuckte leicht die Achseln. „Wo fängt die Schuld an. wo hört das Unglück auf ? Die Grenzen sind so enge ge zogen; Sie selbst, Herr Hauptmann, werden sie ih diesem Falle zu finden wissen. Ich klage nicht an, wo das Schicksal so ehern seine Stimme erhebt."
Otto Willstadt hob matt die Hand.
,34) danke Ihnen", sagte er Duuu laut und feierlich.
„Sie haben recht. Was gestern geschehen in, ba? war nicht meine Schuld. Ich selbst kann mich freisprechen, du Lilian, du ...."
Doktor Hesselbach war ein wenig zurückgerreten. Herbert stand neben Edith in einer Der Fensternischen. Die Lösung des Geheimniffes hakte beide erschüttert. Sie sahen zum erstenmal dem Schicksal ins Auge; das über» wältigte sie beinahe.
So saß Willstadt allein, und Lilian stand ihm nun gegenüber. Sie war nähergekommen, als ziehe eine starke Macht sie vorwärts. Jetzt, ganz plötzlich, warf sie sich nieder vor ihin.
„Laß mich bei dir, laß mich!" schrie sie auf. „Du weiht es doch, daß ich dich liebe trog alledem."
„Nein," sagte er tonlos, „nein ! Du und ich — und dazwischen er, Wilhelm — nein, Lilian! Sühne muß fein... Und dann die Jahre, in denen ich immer auf der Flucht war vor dir — nein!"
Die Frau lag auf den Knien vor ihm. Flehend hob sie die Hände:
„Otto, ich habe dich geliebt", sagte sie noch einmal.
„Und ich liebe dick noch," sagte er undeutlich, „und doch: Geh! Gehl"
Mit einem gurgelnden Laut sank er zurück. Herden und Edith eilten herbei. Doktor Hesselbach führte Frau Lilian fast mit Gewalt hinaus.
Drunten in dem kleinen Gartenhaus, in welchem Wilhelm o. Ramin ihr feinen legten Besuch gemacht, hatte Hesselbach noch eine längere Unterredung mit ihr.
Er sprach von Der Anzeige, welche gegen sie nöthig.
Daß sie falsch gespielt habe, beftritt sie krittlig. Aber daß in ihrem Sai- stark hazardiert worden,war, gab ue ruhig zu.
'Schluß folg*.) .