ZchlüchttmerZeitung
Kchlüchlerner Arei -
Gegründet im Jchre 1849
unter dem Titel
8chlüchternrr Tageblatt.
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F 123
Wsntag, dm 30. Mai 1821
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7S. IaHrg.
Zeitung für eilige Leser.
Berichte aus Belfast melde« über die Wahlen für daS Parlament iu Ulster, daß bisher 88 Ergebnisse bekannt sind, wsLnrch 30 Unionisten, 4 Nationalisten und 4 Sinnseiner gewählt worden sind.
Die „Oberschlestsche Grenz zeit« ng", das Organ Korfantys ist bis ans weiteres vom der interalliierte« Kommission verboten worden.
Die Agence Havas meldet: Der Führer der polnischen ynsnrgente», Korfanty, hat mitgeteilt, daß er die Waffen niederlege und die Amtsgewalt der interalliierten Kommis- sto« anerkennt.
Die Eiseilbahntransporte der englischen Truppen haben begonnen. Sie -««er« bis 1. Juni.
In Konstantinopel treffen Flüchtlinge ans Südrntzland ei«, die berichten, daß die Anfstandsbewegnng dort noch immer andauert.
Der Dornenweg der Erfüllung.
Bauer über das deutsche Programm.
Dem „Vorwärts" zufolge hatte Vizekanzler Bauer eim Unterredung mit dem Mitarbeiter einer Schweizer Presse, agentur. Der Berichterstatter stellte folgende Frage: „Glauben Sie, Herr Vizekanzler, daß die 221 Abgeordneten, die sich für die Annahme des Ultimatums der Alliierten ausgesprochen haben, dies mit der Gewißheit getan haben, daß Deutschland alle von der Entente gestellten Bedingungen erfüllen kann?"
Antwort: „Die Mehrheit des Reichstages hat sicherlich gewisse Zweifel, ob Deutschland alle Forderungen der Alliierten buchstäblich erfüllen kann. Wer könnte sich auch dafür derbürgen, daß unsere Mittel hinreichen, um bis zum letzten pranlen den Forderungen der Entente Genüge zu tun? Aber ich versichere und erkläre es der ganzen Welt, daß die deutsche Regierung und die Mehrheit des Reichstages die Konsequenzen des Krieges begreifen und alles tun wird, um den in dem Ultimatum gestellten Bedingungen, v« h angenommen bat, Respekt zu verschaffen. Binnen kurzer Frist wird die Regierung vollzählig sein und ihr Programm über die Reparationen vorlegen, deren Notwendigkeit w' für Frankreich »rkennen und die wir Deutschen für unsere Pflicht halten und erfüllen wollen. In seinen großen Linie ■ wird dieses Programm eine Reihe wirtschaftlicher Maßnc men enthalten, die es ermöglichen, den Alliierten alles zu geben, was Deutschland zur Abtragung seiner Schuld geben kann. Die fetzigen Steuern werden nicht genügen, sie werden deshalb erhöht werden müssen. Es müssen ober noch andere Wege gefunden werden, um die erforderlichen Mittel aufzubringen.
Das Nasionalvermögen wird sicherlich herangezogen werden müssen.
Im übrigen erwarten wir, daß die Alliierten, besonders Frankreich, der jetzigen Regierung keine unnötigen Schtme- rigkeiten machen werden, sondern durch eine gerechte Einschätzung der Mittel Deutschlands zur Erfüllung unserer Verpflichtungen unsere Aufgabe erleichtern werden. Eine iebr große Wichtigkeit lege ick der Garantiekommission bei
Dämon -es Lebens.
Kriminalerzählung von A. Ostland.
^l Nachdruck verboten.)
Herbert von Ramin hatte sich, während der Chef sprach, straffer emporgerichtet. Er sah es ein: nun galt es seine Ehre. Er hatte sie stets fleckenrein erhalten und war stolz daraus. Auch wenn es sein und Ediths Lebens- flliuf galt, auch dann durste er nicht das Höchste, was ein Mann besitzt, opfern. Es war nur so furchtbar schwer, zu sprechen, denn jedes Wort, das er sprach, mußte Edith, seine geliebte Edith, bis ins Tieffte treffen.
Heffelbach ließ ihm Zeit. Er sah den starken, inneren Kampf, den dieser Mann kämpfte, und er wartete. Ihn selbst traf der Gedanke hart, daß Ramin in irgendeiner Weise in die düsteren Vorfälle, welche sich "ermutlich in der letzten Nacht hier an dieser Stelle ab- ipielten, verwickelt gewesen sei. Und er hoffte noch immer "uf eine bessere, versöhnlichere Lösung, als die es war, welche sich ihm aufdrängte. Vor allem mußte er warten, mit Geduld warten, das sah er.
Unwillkürlich betrachtete er, während er. nachdenklich wenig auf und abging, die Umgebung noch einmal !'-^.^Enau und rief sich alle Einzelheiten der Schilderung ^>uers ins Gedächtnis zurück. Was hatte die Leute !'"Erhaupt aufmerksam gemacht? Zuerst der Schrei. ' »«'-.-^Enn aber ein Mensch, vom Herzschlag getroffen, plötzlich zusammenbricht, so schreit er nur in ganz seltenen auf. Meist ist das Ende ein jähes und lautloses, wtlhelm von Ramin mußte also den Schrei bereits früher nusgestoßen haben. Jedenfalls infolge eines großen schrecken». Dann vernahmen aber doch Stricker und der lLachmann, während sie in der Nacht gegen den Tümpel ru lief»*, noch zweierlei: erstens da» schrille Läuten »iner Hausklingat, dann da» dumpfe Gebell eines Hundes. SSL*-* vermeinten ein helle» Meid im Buschwerk luffchlmmem a-se-en zu haben.
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die sich bei uns niederlassen und Gelegenheit haben wird, an Ort und Stelle die Leistungsfähigkeit Deutschlands richtig einzufchätzen."
Frage: „Wünscht Deutschland zugleich in den Völkerbund einzutreien?" Antwort: „Im Augenblick ist der Völkerbund nur eine Verbindung gewisser Länder. Wenn er eine wirkliche Gesellschaft der Nationen sein wird, wird Deutschland mit Vergnügen eintreten, um am Weltfrieden mitzuarbeiten."
Frage: „Gibt es in Deutschland einen Revanchegedan- ken?" Antwort: „Nein. Deutschland kann keinen Krieg suchen und das Volk will keinen. Nur gewisse chauvinistischj Nationalisten und ein Teil der Kommunisten sprechen von Revanche,"
Englands polilMe Wandlung.
lieber die Auffassung der Lage in den unterrichtete» eug- tischen Kreisen verbreitet die schweizerische Depeschenagentur folgendes Bild aus London:
Die meisten Blätter geben der Ansicht Ausdruck, daß die kürzliche Rede Lloyd Georges ein nundsätzliche Neuorientierung der englischen Politik Hede- und der Anfang eines öffentlichen Machtkampfes zwischen en beiden Westmächten sei. Daß dem so ist, wird von etwa . Prozent der Politiker gesagt. Die ganze offiziöse Presse tt ohne Vorbehalt geschrieben, Llond Georges Rehe be nie einen Wendepunkt in der englischen Politik, und dasselbe tagt die „Morning- post", das einzigste Blatt, welches Frankreich gegen Lloyd George verteidigt.
Wenn sich die offiziöse Presse der Hoffnung hingibt, die Entente werde auch schließlich diese Probe bestehen, so geschieht es doch immer mit dem Vorbehalt, daß Frankreich seine bisherige Politik ändere. Man wurde wohl annehmen dürfen, daß die englische Regierung ihre bisberige Politk der Unterdrückung der eigenen Gefühle im Interesse der Entente aufgeben und sich gleichzeitig dahin entscheiden werde, dem französischen Militarismus, in welchem sie eine Gefahr für England und Europa erblickt, künftig offen ent- gagenzuwirke». Der einftimnnge und stürmische Beisall, den Llond George überall fand, wird die Regierun" überzeugt haben, daß die östeMUchc Mciumig nur du. ein- solche Polü tif bereit ist. ~ '
SeuMlands Anspruch auf Schadenersatz
Die „Deutsche Allg. Sta" schreibt: Der in Oberichlesie« durch den polnischen Aufstand angerichtete Schaden, der bereits mehrere hundert Millionen Mark beträgt, erhöht sich nach Schätzungen von Sachverständigen durch den Ausfall des reichen Industriegebietes für das übrige Deutschland aus täglich 25 bis 30 Millionen Mark. Es kann keinem Anwisel unterliegen, daß die Entente für diesen Gesamtschaden Deutschland Verantwortlich ist, denn die inter- plliier-te Kommission hat im Februar 1920 als Treuhänder Oberschlesien von der deutschen Regierung übergeben erhalten. Da nun General Lerond als Vorsitzender des Ausschusses nicht nur keinen Finger zur Verhütung des Aufstandes gerührt, sondern im Gegenteil noch Truppen aus Oberschlesien entfernt hat, ist die Kommission und damit di« Entente Deutschland für jeden Schaden regreßpflichtig, der im Gefolge dieser Aufständ entstanden ist und noch entsteht. St&ten die alliierten Regierungen, wie sie das ja auch in lä^sr am 11. Mai in Warschau überreichten Note getan haben
kein anderes Haus, als das des „verrückten Hauptmannes", welches dort so halb verborgen zwischen dem hochstehenden Nadelgebüsch lag. Unweit der Stelle, wo Heffelbach stand, zog sich die hohe Umftiedungsmauer dahin. Ah s Und dort war ein großes Tor, durch welches gewiß früher einmal die Ernte- und Heuwagen aus» und eingefahren waren. Daneben lief der starke Eisen- draht der Klingel hin und endete unten in einem mächtigen, verrosteten Griff.
Wenn heute nacht wirNich irgendwo geläutet worden war, dann war dies hier gewesen.
Herbert von Ramin stand noch immer vollständig versunken in seine Gedanken, ringend um einen Entschluß. Heffelbach warf einen forschenden Blick nach ihn: hin. Dann schritt er, ohne ein Wort zu verlieren, auf dem schmalen Wiesellweg ein wenig weiter. Als er dicht vor dem Tore stand, bückte er sich. Hier waren breite Risse im Holz, und von drinnen, vom Garten her, vernahm er deutlich eine Stimme, wahrscheinlich die eines Mädchens.
„Komm, Pluto," sagte die Stimme, „komml Laß dir zureden, Pluto! Friß ein wenig! Dein Herr wird ja wieder gesund werden, ja, ja! Da — hier hast du auch frisches Wasser! So! Braver Hund! Sehr braver Hund!"
Doktor Heffelbach hatte sein Auge dickt an den Holzspalt gelegt. Er übersah nun ein ziemlich großes Stück des Gartens. Mitten auf der noch frischgrünen Rasenfläche stand ein schlankes junges Mädchen; neben ihr ein riesiger weißlicher Neufundländer. Das Mädchen wendete dem Späher den Rücken zu; er sah nur die feinen Umrisse des Kopses, den Kranz glänzender brauner Haare, die zierliche Gestalt. Vor dem Hund stand eine gefüllte Schüssel; er schien aber keinen Appetit zu haben. Oder witterte er schon die Nähe eines Fremden? Mit einem leisen, dumpfen Knurren hob er plötzlich den schönen, klugen Kopf in der Richtung nach dem Tore.
„Der Hund l" dachte Heffelbach, unwMkürllch ein wenig zurückweichend, „da — da ist er ja I Da» sind die» selben hellgelben Haare, die an Wilhelm Ramin» Man» schettenknops hingen . .
Ohne weiter zu überlegen, streckte « die -and. au*
M ihrerseits an Polen halten, Deutschland hat einen un- .rnscchebaren Anspruch an die Entente auf Ersatz der seiner schon i» schwer ringenden Wirtschaft zug-füg^« Schade«.
Das Urteil gegen die SSchAer Mörder.
Rai«z, 27. «at.
®te heutige Berhaudl««g vor dem frau- sösifchen Kriegsgericht gege« die beiden marokkanischen Sol- »attt, wegen Raubmords an dem Kaufmann Bnrgman« von Höchst dauerte bis abends 6 Uhr. Die Angeklagte« wäre« der Tat geständig, erklärte« aber, infolge des Genusses »an alkoholischen Getränke« derart betrunken gewesen z« sei«, daß sie sich des Vorgangs «icht mehr eriwuer« sonnten. Der Vertreter des Militärstaatsanwaltes, General Raffel, beantragte gegen beide Angeklagte »gen Raubmords die Todesstrafe. Der Verteidiger Leelercg-Rancn plädierte bezüglich des Angeklagten Muhamet ben Achmed ans Totschlag mit mildernden Umständen, da er st«alos betrunken gewesen sei, für den Angeklagte« MAmid ben M«hamet beantragte er Freisprechung mangels hinreichender Beweise. Das Urteil lautete gegen den ersteren ans Todesstrafe n«d Degradation, gegen den «weiten ans lebenslängliche Zwangsarbeit n«d Degradation.
Amerika verkündet Sandelsfreihett mit den früher feindlichen Staaten.
Das amerikanische Staatsdepartement teilt mit, daß alle Einschränkungen des Handels mit den früheren Feinden für sämtliche Bürger der Vereinigten Staaten aufgehoben sind. 9hti dürfe sich der Handel nicht auf jene Besitzungen erstrecken, die im Lanfe des Krieges sequestriert worden wären.
Sarding konferiert mit amerikanischen Bankiers
Zum ersten Male seit der Präsidentschaft von Rovscvelt hat Präsidenr Harding jetzt eine Gruppe amerikanischer Bankiers in das Weiße Haus gelade«. Der Schatzsekreiär Melone und der Handelsminister Hoover wohuten der Besprechung bei. Sie drehte sich hauptsächlich um die Zeichnung auSlänbrfcher ««rothe». Pr< ^ > t Hurding irHarte den BankierS, daß er prinzipiell keinen Widerspruch erheben wiirde, wenn solche Anleihe» gezeichnet werden, daß aber alles geschehen müsse, damit der amerikanische Handel geschützt werde. Präsident Harding ließ den Bankiers keinen Zweifel, daß er auf der Durchführrmg der genannten beiden Programmpunkte bestehen müßte. Die BankierS drückten ihre Bereitwilligkeit aus, mit der Regierung in diesem Sinne znsammenzuarveiten. Ein endgültges Projekt wurde noch nicht aufgestellt. Doch solle» derartige Konferenzen in rascher Folge stattfinden, wobei alles geschehe» soll, um di« Interesse» der Handels und der Industrie mit denen der Banken in Einklang zu bringen. Die Bankiers gaben dem Präsidenten unzweideutig zu verstehen, daß es für die Finanzlage von besonderer Bedeutung sei, daß Europas Ortschaft wieder aufgeholfen wird. Die finanzielle Not Europas sei außerordentlich akrit und eine Ausdehnung bes amerikanischen Exportes auf die europäische» Städte werde zur Ausbesserung der Finanzlage von besonderer Wichtigkeit sein.
und im nächsten Augenblick durchzitlerte das gellende Klingeln wieder die Luft.
Der Hund war mit zwei Sprüngen bei dem Tore. Sein dumpfes Gebell Hang drohend.
„Pluto!" rief die Mädchenstimme, „Pluto, herein!
Und ruhig!"
Der Hund gehorchte knurrend: Heffelbach hörte, rote das Tier sich etwas zurückzog. Im selben Moment, während von drinnen schon leichte Schritte gegen die Türe zu kamen, legte sich eine Hand auf Heffelbachs Arm. Sich rasch umwendend, sah er Ramins iotenblasses Gesicht.
„Herr Doktor," sagte der junge Beamte, „ich beschwöre Sie, haben Sie Mitleid mit dem Mädchen! Sie zum mindesten ist unschuldig und — sie ist meine Braut!"
„Ihre Braut?"
Dr. Heffelbach erhielt keine Antwort mehr auf feine höchst erstaunte Frage. Drinnen wurde der Riegel zurückgeschoben, schon bewegte sich der schwere Torflügel ein wenig. , „ „ ...
„Oeffnen Sie, Fräulein!" rief Heffelbach energisch, „hier ist Dr. Herbert von Ramin t" „.-,h«„
Das Tor flog auf. Bleich, überwacht, mit müden Augen stand Edith Willstadt auf der Schwelle. Hinter ,hr aber tauchte nun, wahrscheinlich herbeigelockt durch das Klingeln, noch eine zweite Gestalt auf. Seltsam schon in seiner mattgelben Farblosigkeir hob ilch das Antl^ Lilians ab gegen den grauen Himmel. Doktor Heffelbach fuhr fast zurück. Er war ein feiner Kenner weibliche Schönheit. Diese hier aber überraschte auch ihn. tfaft unwillkürlich fiel sein Gruß refpettnoßer aus, ab e« sonst vielleicht der Fall gewesen. n„„..»,n,„ finftne
„Darf ich bitten," sagte er, „mich oorzustellen Dorwr Ramin! Ich sehe es Ihnen zwar an, daß.Sie e^für höchst überflüssig hielten, daß ich hier klingelte. Aber ich fand es ^ notwendig."
Gortjetzung fötal)