78. Ia-rg.
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Zeitung für eilige Leser?
Ein chinestsch-devtsches Uebereinkommen wurde in Peking ««terzeichnet. Es soll als Grundlage für einen Separatfrieden zwischen diesen beiden Ländern dienen, da China den Wertrag von Versailles nicht ««terzeichnet hat.
Uns Berti« wird gemeldet: Der Reichspräsident hat den -««tschen Gesandten im Haag, Dr. Rose« z«m Minister des ftnswärtigen ernannt
Nach einer Havasmeldung ließ Briand Akonta abend den -entschen Botschafterr Mayer nach dem Onal d'Orsay rufen. Die Unterreb«ng des Ministerpräsidenten mit dem Botschafter zog sich bis 7.50 Uhr hi«. Sie dauerte ungefähr ,wa«zig Minute«.
$er Finanzausschuß des Völkerbundes tritt voraussichtlich dieser Tage in London zusammen, «m den Bericht des Unter- suchnngSansschnfies bezüglich der finanziellen Wiederanfrich- jung Oesterreichs z« prüfe«.
Dr. Rosen Außenminister.
Der Reichspräsident hat Seit bisherigen Gesandten im Haag Dr. Rose« zum Reichsminister des Aeußern ernannt und den Reichskanzler von der Wahrehmnng der Geschäfte - dieses Mi«istcri«m8 entbimden.
Dr. Rosen entstammt der Konsulatslaufbahn. Er sieht seit 1889 im Dienst deS Auswärttgen Amtes und war Ver- ueter des Deutsche« Reiches in Beirut, Teherau und Jerusalem. Seit 1901 Vortragender Rat in der politischen Abteilung des Auswärtigen Amtes, wurde er 1905 mit einer Sondermission nach Abessinien betraut. Nach seiner Rückkehr Wurde er Gesandter in Tanger, auf der Konferenz in Algeciras vertrat er die Interessen des Deutschen Reiches in ber marokkanischen Frage. 1910 wurde er Gesandter in Kufareft, 1912 ging in gleicher Eigenschaft nach Lissabon, wo Nr bis zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen im März 1916 verblieb. Seitdem wirkte er als deutscher Gesandter im Haag. Er gilt als ein Vertreter der modernen, Demokratischen Richtung in der deutschen Diplomatie.
Abbau der ZWansismaßnahmen im beWen Gebiet.
Die e n g l i s ch e n Vertreter in der Interalliierten Commission in Deutschland sind aufgefordert worden, Berichte zu erstatten, in welcher Form die gegen Deutschland angewandten Zwangsmaßnahmen setzt wieder abgebaui werten sönnen. Damit sollen in erster Linie solche Maßnahmen in Fortfall kommen, die dem internationalen Handel önd Verkehr Schwierigkeiten bereiten. Gleichzeitig sollen die Mglischen Militärsachverständigen darüber berichten, in wek- Wm Umfang eine Herabsetzung der Besatzungsarmee im Mhemland möglich ist. Der Umfang der besetzten Zone soll Mächst nicht verringert werden; doch erachtet . man die Marke her Truppen für zu hoch angesichts der Tatsache, daß Deutschland das Ultimatum unterzeichnet hat und Berwick- Mngen nicht mehr zu erwarten sind. Da die Errichtung der Mllschranlen am Rhein bisher nicht einmal die Kosten Der Weamtengehälter eingebracht hat, ist man in England auf Beibehaltung dieser Maßnahme nicht gut zu sprechen.
Gegründet im Jahre 1849
unter dem Titel
Mittwoch, den 25. Mai 1921
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Verzögerung der Entscheidung Wer Oderschlesien.
Auf schnellstem Wege eine Beschlußfassung über Ober- ichlesie« durchzuführen, scheint nach einer Haager Meldung »es „B. T." in London noch nicht entschieden. Nichts weist darauf hin. daß der englische Vorschlag, der durch eine Indiskretion französifcherieits bekannt wurde, noch immer als möglicher Ausweg gilt, falls die endgültige Entscheidung einen englisch-französischen Konflkt bedingen würde. Darnach wurden gewisse Gebiete Oberschlesiens teils Deutschland, teils Polen endgültig zugesprochen und die zweifelhaften Gebiete, insbesondere das Judustriedreieck bis zur weiteren Entscheidung unter interalliierter, wahrscheinlich von Zivilbeamten zu leitender Verwaltung bleiben. Besonders Lloydi George aber scheint ein Definitivum zu wünschen seitdem sich gezeigt hat, was für ein Wetterwinkel Oberschlesien ist. Ein anderer Plan behauptet sich hartnäckig in der Diskussion, ohne daß man feine Aussichten beurteilen kann. Darnach sollen die zwischen England und Frankreich strittigen Artikel des Vermiller Vertrages, insbesondere der Art. 88, durch ein amerikanisches Schiedsrichterkollegium eine entscheidende Interpretation erfahren, unter Umständen unter gleichzeitiger praktischer Anwendung auf Oberichlesien. Augenscheinlich wünscht man so Amerika doch in die ober- schlesische Angelegenheit hineinzuziehen.
Zusammenstoß zwischen Vehörden und Freiwilligen.
Nach einer Meldung der Breslauer „Volksmacht" ist es leider in dem unbesetzten Gebiete Schlesiens zu einem Zusammenstoß zwischen Freiwilligen und den Behörden gekommen. In Namslau besetzten Freiwillige das Rathaus «nd verschafften sich mit Gewalt Waffen. Vor der anrücken- hen Schutzpolizei gingen sie dann zurück. Eine« weiteren Zusammenstoß gab e§ mit dem in Neiße «»gekommenen bayerischen Korps Oberland, das sich aus Mitgliedern der seinerzeit gegründeten Thule - Gesellschaft, die während der Räteregierung als Abwehrverein gebildet wurde, zusammen- febt. Sie gingen gegen das sozialdemolratische Parteisekretariat in Neiße vor und bedrohten die Gewerkschaftsfunktionäre mit Erschießen. Sie Schutzzone.'- stellte «ach^einer Stunde die Ruhe wieder her.
Erinnerungen aus dem Kriege.
Aus Wien wird gemeldet: Der ehemalige Staats- fekretär Franz v. B o l g a r veröffentlicht im „Pester Lloyd" mehrere an ihn gerichtete Briefe des verstobenen Feldmar- e B o r o e v i c, in denen ein geradezu ungeheuerlicher mn und Mangel an Vorsorge beim österrreichischeu Armeeoberkommando bezeugt wird. Das Hauptstück bezieh! sich auf die mißlungene Piave-Offensive vom Juni 1918, über deren klägliche und verworrene Vorbereitung durch das damals von Kaiser Karl persönlich geleitete Oberkommandc der Feldmarschall bitter klagt. Am Schluß des Briefe; heißt es:
„Also nicht der Piave ist an den Ereignissen schuld, sonder« der Leichtsinn und die Oberflächlichkeit beim Armeeoberkommando. Seine Majestät hat keinen Mann '« feinet Umgebung. Da ihm niemandes Erfahrung zur Seite steht
Anzeige« r kl. Zeile oder deren N«« 1 Nk.. Reklame- »eile 3 Mk. sämtl. ohne besonderen Zuschlax. Bei Betriebsstörungen kein Schadenersatz oder Mjuberaebübr rinschU Be»ugS Reine Gewähr für Platz, «ufnahmezrtt u«d Brlegliefernng. Reht Nachlaß bei gerichtlichen Zwischen, ketten. ZahSartr Franksurt a M. Nummer 11-w».
geben wir einer sehr traurigen ^ntunft entgegen. Windtsch. gratz und Radtovszky wissen das alles. Ich mische mich nicht mehr hinein; ich habe die Sache bis zur Kehle satt*
Nie außerordentliche Rentenbeihilfe.
Die Kritik an dem Gesetz über eine außerordetliche Bet. Hilfe für Empfänger von Renten aus der Jnvalidenoer- sicherung vom 26. Dezember 1920 hat einen Erfolg gehabt, der aber in der Hauptsache eine sehr fragwürdige Verbesserung ist. Durch ein Gesetz vom 7. April 1921 ist eine Aenderung (im Titel heißt es: Ergänzung) des genannten Gesetzes dahin erfolgt, daß es nunmehr heißt: „Die Beihilfe steht Personen, die auf Grund des Reichsverforgungsgesetzes vom 12. Mai 1920 oder andere MNitärversorgungsgesetze eine Versorgung erhalten, nur in' seit zu, als die zu gewäh. rende Beihilfe die gewährte Versorgung überstetgt." Damit soll anscheinend die Härte beseitigt werden, die darin lag, daß manche Bersorgungsberechtigt«, die nebenbei auch Invalidenrenten beziehen, weniger erhielten als solche Jnva- lidenrentner, die keine Versorgung nebenbei hatten, weil erstere Zulage und Beihilfe auf ihre Invalidenrenten nicht erhielten. Die Art, wie dieser Zweck erreicht werden soll, ist wieder ein typisches Beispiel dafür, wie heute Gesetze gemacht werden.
Nach dem unklaren Wortlaut der neuen Raffung kann angenommen werden, daß Bezieher einer Versorgung, die niedriger ist als 40 Mk. bezw. 20 Mk. monatlich, den Differenz- betrag erhalten sollen. Das kann aber nur für ganz wenige Versorgungsberechtigte in Frage kommen und behebt nicht die gerügten Mängel. Aber auch daS Wenige erscheint noch als Illusion, wenn man den jetzigen § 1 des Gesetzes betrachtet. Der erste Absatz desselben, besagt wie bisher, daß Anspruch auf die Beihilfe nur solche Rentenempfänger haben, denen auf Grund des Gesetzes vom 20. Mai 1920 eine Zu- lgge gewährt wird. Auf diese Zulage haben aber keinen Anspruch alle Personen, die auf Grund des Gesetzes über die Versorgung der Militärpersonen und ihrer Hinterbliebenen bei Dienstbeschädigung eine Rente für Minderung ihrer Erwerbsfähigkeit um mehr als zwei Drittel oder eine Hinterbliebenenrente beziehen. Für diese Rentenbezieher, unter denen aber gerade die Geschädigten sind, bleibt eS beim alten Zustande, wenn es nicht gelingt, dem Grundsätze Geltung zu verschaffen, daß solchen, die lediglich auf Grund eigener Beitragsleistungen und ohne das Vorliegen einer dabei mit- bestimmenden Dienstbeschädigung in den Bezug einer Rente aus i.j. sikwu»-^en« ersiche-'n - rv . Arrest aus gleiche Rechte haben, namliü den Bezug Sei Zulage u>-U Beihilfe. Bei dem jetzigen Zustande muß z. B. die nicht i . valide Kriegerwitwe, wenn sie versicherungspflichtige Besän ckmnng bat, die erhöhten Beiträge zur Invalidenversicherung zahlen ohne Anrecht auf die erhöhten Leistungen,
Wieder FeriensonderzSge.
Wie ein Berliner Blatt mitteilt, steht nunmehr fest, baß die Eisenbahnverwaltung in diesem Fahre ähnlich wie vor dem Kriege wieder Feriensonderzüge fahren läßt. Der Preis für die Benützung der Züge wird für die Hinfahrt kP Prozet betragen, sodaß sich die G-^mtpreis« der Hin- und Rückfahrt um 25 Prozent verbilligen wird. Die Eisenbahn- verwaltung prüft aber weiter die Frage, ob sich auch für die Rückfahrt eine Ermäßigung von 50 Prozent ermöglichen läßt, sodaß man dann die Ferienpreise für die Hälfte des tarifmäßigen Fahrgeldes zurücklegen könnte. Außerdem ordnete die Eisenhahnverwaltung die Einführung der Sonntags- fahrkarten an.
Dämon des Lebens.
Kriminalerzählung von A. O st l a n d.
(Nachdruck verboten)
»Mein Onkel ist noch nicht daheim?" fragte Herbert ablegend.
„Nein, Herr Dottor. Der gnädige Herr hat gesagt, .er Sehe nur für ein paar Stunden fort. Das war so nach sieben Uhr. Und jetzt ist'» schon so spät."
„Legen Sie sich zu Bett, Andreas!" sagte Herbert, »uch werde meinem Onkel selbst öffnen. Ich habe noch s S» arbeiten.*
Der Diener war froh, von seinem Posten erlöst zu lein. Herbert drehte im gemeinsamen Wohnzimmer da» elekttische Licht auf und horchte angestrengt, ob er nicht oen schweren Tritt des alten Herrn schon vernehme. Aber nichts rührte sich.
Seltsam! So lange war der Onkel doch selten aus. war es beinahe zwei Uhr.
Wieder kam die Unruhe über den jungen Mann. Konnte, mußte da nicht ein Zusammenhang sein zwischen vcm Unfall, welcher den Hauptmann Willstadt betroffen yutte, und dem Ausbleiben des alten Ramin? Er, Her- °ert, hatte doch jenen Bruchteil eines Gespräches zwischen «em Hauptmann und Frau Lilian erlauscht. Sie hatte »kjagt: „Ramin wird kommen" — und er hatte sich da- «egen gesträubt . . .
l Und heute lag der Hauptmann halb bewußtlos auf oem Fesdweg hinter feinem Garten. Weshalb war er über* Daupt hinausgegangen? Hatte er am Ende Ramin dort getroffen? Aber ■— wenn der Onkel den Gegner wirklich i utedergestreckt hätte — wo war er dann selbst?
Wieder säh Herbert von Ramin die Szenerie deutlich vor sich. Da lief der schmale Feldweg dahin zwischen dem ^ucdgras und dem niedrigen Buschwerk. Und gleich da» "eben lag der bunte Wassertümpel. Wer sich da nicht gut ourkannte, wer einen Fehltritt tat...
. ^n Schauder überraun den jungen Man».
das z«r-
Aber nein! Um diese späte Nachtstunde wäre sein Onkel doch nicht erst hingegangen zu Frau Lilian! Und sie sowie Edith hatten doch nichts gewußt von Wilhelm von Ramin. Also — war er nicht dort gewesen.
Aber Ediths ganz seltsames Benehmen! Derbarg sie ihm nicht doch etwas?
Er bückte sich rasch, denn er schien ihm, als sei ihm eben etwas entfallen. Richtig! Da lag ein Fetzchen Papier auf dem Teppich. Das war wohl dasselbe, das er neben dem Bett des Hauptmanne» gefunden hatte.
Fast ohne etwas dabei zu denken, rollt« er das zerknitterte Fetzchen auseinander. Es standen da, mit Schreibmaschine geschrieben, ein paar Zeilen:
„Wir teile» Ihnen auf Ihre Anfrage mit, daß Nummer 666 (Otto Willstadt) feit L August d. J. seine Haft hier —*
Bei dem Worte „hier" war das Papier auseinander* gerissen. Der Schluß des Satzes fehlte.
Herbert von Ramin war neben dem Tische auf einen Stuhl gesunken.
„Edith l" dachte er, in einer wirren Angst, in einem Schrecken, der ihn fast lahmte, „Edith! Sie darf dar nicht erfahren."
Also Nummer 666 . . .
Dieselbe Nummer hatte Lilian damals auf der Triester- sttaße genannt. Und hier — hier war eine Aufklärung — vielleicht auch eine Erklärung für manches andere . . . Aber woher hatte Otto Willstadt diesen Papierfetzen? Und was für eine Schuld hatte der einstige Offizier als Nummer 666 verbüßt?
Sein Onkel hätte ihm wahrscheinlich auch darüber Auskunft geben können! Wenn er doch heimkäme l endlich heimkäme . . .
Aber Wilhelm von Ramin kam in dieser Nacht überhaupt nicht mehr. Als der Morgen graute, stand Herbert auf und ging nach des Onkels Privaträumen. Er durch- : suchte die ganzen Zimmer. Fand sich da nirgends ein Anhaltspunkt, irgendein Fingerzeig, wo der alte Mann geblieben war? Kein Brief? Gar nichts?
Alles Suchen und Forsche« war erfolglos. Der alte
Ramin war kein schreibseliger Mann. Gefühle spielten in seinem Leben überhaupt keine große Rolle. Also hatte er auch keine Erinnerungen, keine Anöerrrungern nichts...
Als es Tag ward, sandte Herbert den Diener nach dem Klub. Dort war Ramin am letzten Abend nicht ge- sehen worden. Er selbst ging zu den wenigen Freunden, mit denen der alte Herr verkehrt hatte.
Aber niemand wußte auch nur die leiseste Auskunft zu geben über bin Verbleib des Baumeisters.
Wieder ging Herbert nach Hause. Vielleicht war der Onkel inzwischen gekommen?
Der alte Andreas kam ihm schon auf der Treppe aufgeregt entgegen.
Nein. Der Herr war noch immer nicht da — ein Unglück muß geschehen fein — ganz gewiß. Ma» mußte es auf der Polizei melden.
,3«, man muß es melden," sagte Herbert wie nach einem Entschlüsse ringend, „ich — ich gehe jetzt gleich selbst fort. Es ist ja schon zehn Uhr."
Mit schweren Schritten ging er Die Treppe hmad. Melden? Was sollte er melden? Daß er den ganz be* stimmten Verdacht hegten Lilian Wilstead und Edith sagten wissentlich eine Unwahrheit aus, daß er es fast für sicher annahm, der Hauptmann Willstadr habe keinen Schlaganfall erlitten, daß er bestimmt al-'note, die Geschicke dieser beiden Männer seien in dieser Nacht auf irgendeine noch
* unaufgeklärte Art miteinander verknüpft worden?
Sollte, sonnte er alles das sagen? Er, der Edith Willstadt liebte mit der ganze» tiefen Liebe eines Mannesherzens der hoffte, einst der Schwiegersohn des alten Mannes zu werden, den er letzt selbst anttagen s"ll^Nein — dar konnte er gar nicht! Sein ganzes Zu- ^ kunftsglück konnte dabei in die Brüche gehen . .
Also sollte er nur sagen, daß sein Onkel abgangig fei? Aber er mußte doch daraus verwe-sen, daß man den Vermißren vielleicht in jener Gegend suchen solle! Und dann würde ein findiger Polizenuanu schon ds» Weitere herausbekommen.
(Fortsetzung folgt) ;