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Zeitung für eilige Leser.

Wie die Blätter melden, wird die interalliierte Zu­sammenkunft in Boulogne Mitte nächster Woche stattfinden. Italien, Japan und Amerika werden ebenfalls auf der Kon­ferenz vertrete« sein.

Nach einer Havasmeldnn» aus Athen wird mitgeteilt, daß die griechisch-albanische Grenze auf Befehl der Athener Re­gierung wegen der jüngst in Koritza erfolgte» Zwischenfälle geschlossen wurde.

Krassiin erklärte aus dem Moskauer Gewerkschaftskon­gresse, daß er den englischen Handelsminister um die Er- Sfsnung eines Kredites von 1 Milliarde Goldrnbel ersucht habe, das Ersuchen sei noch nicht erledigt.

Nach einer Havasmeldung aus Konstantinopel liegen dort Berichte vor, wonach die griechische Niederlage an der klein- asiatischen Front bestätigt wird. Eine türkische fliegende Kolonne soll bis auf 30 Kilometer von Smyrna vorgc- drnngen sein.

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General Dual über SindenbArg.

In derRevue Politique et Parlamentaire" vom 10. April wird das Buch des Generals Buat über Hindenburg ange- zeigi und gleichzeitig besprochen. General Buat, der ehe­malige französische Generalstabschef, ist bereits durch sein Buch über Ludendorff bekannt. Ferdinand Faure urteilt fol­gendermaßen über sein neuestes Werk:

Mit größter Unparteilichkeit, mit unbedingter Sicherheit in der Beweisführung und mit einer tiefen Feinheit, Schlüsse zu ziehen, fällt General Buat ein Urteil über den ehemaligen höchsten Führer Deutschlands, welches aller Wahrscheinlich­keit nach demjenigen gleich ist, welches die Geschichte einst über diesenKriegsmann" fällen wird.

Während wir in diesem Buche blättern, kommen wir zu der Ueberzeugung, daß wir in Hindenburg einen Gegner von achtbaren Charaktereigenschaften und unleugbarem militäri­schem Können haben. Da ist es nicht weiter erstaunlich, daß Der Mann, dessen Charaktereigenschaften wir selbst anerkennen, sich in seinem Vaterland einer ungeheuren Beliebtheit erfreut. Es ist aus diesem Grunde leicht möglich, daß Hindenburg *meg Tages, getragen von der öffentlichen Meinung, an die Spitze der Bewegung zur Wiederaufrichtung Deutschlands treten wird. Es mag daher von Nutzen sein, daß wir den Menschen genau und gut kennen, der dazu berufen sein kann, drübenjenseits, des Rheins" von neuem eine einflußreiche Rolle zu spielen.

Im März hat General Buat unter dem TitelLes Prin­cipes de guerre du marchal Hindenburg" einen Auffatz in der Revue universelle veröffentlicht in dem er Hindenburgs Buch: Aus meinem Leben" bespricht. Von dem Zeitwort Hinden- burgs:Man solle den Krieß nicht um seiner selbst willen lieben" ausgehend, fragte der ehemalige Generalstabschef der französischen Armee, was denn dann der Krieg von dem Feld­herrn verlange. Der Krieg, sagt Buat, verlangte willenskräf- üge, energische Männer, zu diesem Schluß kommt Hinden­burg, der von Jugend auf von seinen Eltern zu einer starken Persönlichkeit erzogen wurde, und er pflichtet ihm darin un­bedingt bei. Buat zeigt in seinem Aufsätze mit welch abge-f klärter Seelenruhe Generalfeldmarschall v. Hindenburg kriti- ick» Tage überwindet, indem er einige Beispiele dafür an-

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Montag, dm 23- Mai 1821

tuyrr. Dann törm... auf Die Aeranrwortungrsreurügten ves Feldmarschalls zu sprechen. Wörtlich schreibt er darüber:

Die Charakterfestigkeit Hindenburgs schließt Verantwor­tungsfreudigkeit in sich ein. Hier ist es der Geist Jorks, der ihn "anhaucht, dieser Geist, der ohne Zweifel eine starte Festig­keit dem eigenen Ich und anderen gegenüber voraussetzt, der aber trotzdem auch den Untergebenen das Recht und sogar die Pflicht läßt, unabhängig und mit eigener Initiative zu handeln. Das ist der Geist, den Hindenburg schon als Oberst jedem Untergebenen in seinem Regiment einzurmpfen sich be­mühte, und den er von diesen stets in die Tat umgesetzt sehen will."

Führwahr, ein hohes Lob!

Und am Ende des ersten Abschnittes dieses Aufsatzes sagt Buat, als er auf den 9. Januar 1917, den Tag der Erklä­rung des uneingeschränkten U-Bootkrieges zu sprechen kommt: Nichts ist bewunderswerter als der General, der um den Sieg zu erringen, seine letzten Reserven in die Schlacht wirst. Napoleon war weniger groß als er bei Waterloo zögerte, seine Garde ins Feuer zu werfen. Führwahr unrühmlich wäre das Schicksal eines Führeres, hinge der Erfolg nur von siche­ren Erwägungen und nicht auch von der Berantwortungsfreu- digkeit ab."

Im zweiten Kapitel seines Aufsatzes führt Buat aus: Hindenburgs erster Grundsatz der taktischen Führung sei ge­wesen:Derjenige der angreift, hat alle Ersolgsmöglichkeiten- auf seiner Seite, derjenige der nicht handelt, oder der ge­zwungen ist, dies zu tun, ist verloren!" Damit kleidet Hin­denburg eine alte militärische Lehre in Worte, denn die nur passive Verteidigung führt früher oder später zu einer voll­kommenen Niederlage. Hindenburg hat also stets, wenn er eS vermochte, angegriffen, doch war diesesängreifen können" Kiemals ein Entschluß, geboren aus dem Gefühl der Stärke, sondern stets eine Frage der Zeit."

Auch bei dem Bestreben nach Vergeltung läßt sich Hin­denburg" so fährt das Buch fort,nie zu Offensiven hin­reißen, die geeignet sein konnten, feine Kräfte zu zersplittern." Er führt ein Beispiel dafür an:Im Laufe des Winters 1916/17 unterbreiteten die Oesterreichs dem Generalfeld. Marschall gute Angriffspläne für den italienischen und maze­donischen Kriegschauplatz. Hindenburg findet sie theoretisch ausgezeichnet, doch kommt er zu der Einsicht, daß er in einem Augenblick, wo er schwere Angriffe der Alliierten in Frank­reich und mutmaßlich auch in Rußland aushalten muß, es sichnicht leisten kann", am Wardar und in Venetien sich billige Lorbeeren zu pflücken., um dafür womöglich die West­front nachher zertrümmert zu sehen."

Es sind hier nur einige besonders beachtenswerte Stellen aus dem Aufsätze des Generals Buat herausgegriffen, doch schon hieraus kann man ersehen, daß er sich bemüht, objektiv ,und unparteiisch zu urteilen. M.

Rückgabe erbeuteter Eisenbahnwagen.

Von dem während des Krieges von .Deutschland in den alliierten Ländern erbeuteten Eisenbahmnaterial hatte die Reparationskommission als erste Abschlagszahlung die Ueber- gabe von 5000 Wagen bis 1. Mai gefordert. Bis 14. Mai wurden einschließlich der an Belgien abgelieferten 3419 Staatsbahnwagen und 61 Privatwagen an Frankreich' 1492 Staatsbahnwagen und 113 Privatwagen, zusammen also 5085 Fahrzeuge zurückgegeben.

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78, Aaörg.

»ie srwllung »es Mmawms.

ImSvenska Dagblad" befaßt sich Professor Gustav C a s s e l mit der Frage der Nnterbringungsmöglichkeit für die von Deutschland auszustellenden KriegsentschädigungS- oblrgationen. Cassel meint, daß dte neutralen Länder, die bei der Aufstellung der Finanzpläne nicht gefragt worden feien und zunächst nur sähen, wie Frankreich mit aller Macht das deutsche Wirtschaftsleben schwächen und die festesten Stücke von den Anleihepfändern in seine Hand bringen will, offen« bar kein Interesse daran hätten, diese Obligation«» zu er­werben Das wäre feiner Meinung nach auch nicht günstig» da die Neutrale« dadurch in die militärische Finanzpolitik der Entente verstrickt würden. Es fei des weiteren zweifel­haft, ob sich Amerika in stärkerem Maße für die Obligationen interessieren würde. Wäre dies aber doch der Fall, so würd« es das Gute mit sich bringen, daß sich Amerika dann auch für Die wirtschaftliche Wtedergesunduvg Deutschlands einsetzen müßte. In der Hauptsache würden wohl die Ententeländer aus den deutschen Obligationen sitzen bleiben. Ihre Mobili­sierung sei dann nur möglich, wenn die Ententevölker selbst aus ihren Ersparnissen solche Obligation«» erwürben. Eine derartige Entwicklung könne sicherlich von Nutzen fein, vor allem in Frankreich. Es werde sich dann wohl die Lust. Deutschland wirtschaftlich zn vernichten, legen, womit eins der wichtigsten Hindernisse für die Wiederherstellung des europäischen Wirtschaftslebens beseitigt wäre.

Sie zweischneidige Waffe.

DieWestminster Gazette" schreibt: Infolge der Erhebung der Mprozentigen Ausfuhrtaxe auf deutsche Waren ist die Ansammlung dieser Güter bei den Zolläuftern so groß, daß die englische Industrie großen Mangel an Rohstoffen hat und viele ihrr Arbeiter bereits entlassen «rußten. Ein« Zigarettenfabrik z. B., die zur Herstellung der Zigaretten- mundstücke deutsches Blattgold benötigt, hat infolge des Ausbleibens der deutschen Lieferungen ihre 300 Arbeiter entlassen müssen.

Enthüllungen eines dänischen Professors.

In derGermania" und in derKreuzeitung" werben heute Mittettsuge« des dänischen Geschikhisvroseffors Friis aus der ZeitschriftTilskueren" wiedergegeben, worin Der dänische Gelehrte mit allen Einzelheiten die Berhandlungen schildert, die er durch Vermittlung von Breits^id, Haase Scheidemann im November 1918 mit Dr. David und dem damaligen deutschen Außenminister und jetzigen Botschafter in Tokio, Solf, führte, um die Wiedervereinigung Nord- schlewigs mit Dänemark zu erzielen. Er stellt sie darin so dar, als sei es ihm mit Leichtigkeit gelungen, Solf und David zu einer Abstimmung auf der Grundlinie der Klausenlinie zu überredeu.

Die Anregung zu seinem Schritt wäre von Dem deutschen Abgeordneten und Danenführer Hanffen ausgegangen. Die Kreuzztg." wünscht eine Nachprüfung der Vorgänge durch die Regierung und Bestrafung der eventl. Schuldigen. Die Germania" meint, daß die Darstellung wenig glaubwürdig klinge nud erwartet eine Aeußerung Dr. Davids zu der dänischen Mittellunm

'-Verurteilte Bomdenattentäler.

Den Blättern zufolge wurden die Arbeiter Franz Goß- ler, Otto Schwenke und Ferdinand Goßler, die am öfter* samstag einen Bomenanschlag auf dieSaalezeitung" ver­übten, _ vom Sondergericht zu Zuchthausstrafen von andert­halb bis vi:r Jahren verurteilt.

Dämon öbs Lebens.

Krimmaierzähiung von SL Ostland.

**1 (Nachdruck »erboten.)

o »Sie sehen, gnädige Frau, ich spreche über unsere L-iebe ganz offen, und ich hoffe, Sie werden uns vielletcht doch wirklich helfen können. Denn da Sie Herrn Haupt- mann Willstadts erste Frau sind, bürsten Sie immerhin noch einigen Einfluß auf ihn besitzen. Und überdies kennen «le ja auch meinen Onkel, Wilhelm von Ramin?"

Er hatte die letzten Worte laut und sehr deutlich ge­sprochen. Was würde diese Frau, deren Augen jetzt wieder seltsam starr an ihm »orüverblüften, nun sagen ?

Einen Moment schwieg sie noch, wie unschlüssig. Dann hob den schönen Kopf.

» »^ie haben sich genau erkundigt", sagte ste tonlos.

~ Ste haben recht. Ich kenne auch Ihren Onkel, kannte ihn sogar dereinst recht gut."

.Schon", entgegnete Herbert aufatmend.

. . ^'Ese Frau machte ihm ja sein unangenehme« Amt ry '"cht Nun wollte er alles Weitere feinen Onkel selbst » 6'Eich mo gen, beim Frühstück. Es widerstrebte ihm b°a ?' '^* hinter dem Rücken der allen Mannes, egen Pr»r^tang«>«genheiten und Frau Lilians Lebens- gewohnheit^n, ihre Spielleidenschaft usw., zu erörtern

dünkt« ihm offener, wenn er sich mitalldem zuerst h«H anB wandte, der Vaterstelle an ihm vertreten

~ wer weiß? Vielleicht hatte sich Frau B anane ©loget doch gelauscht in ihrer Behauptung, Lilian «ldermore heiße eigentUai Lilian von Ramin. Z___

T die erste Ehe war ja getrennt, und "°hl Wülgao» als auch ich Onkel waren Protestanten.

»raut frug u nur.

» »Haben Sie, yn olg» Frau, vielleicht in Hefen letzten

len Mit SMhMns: Onkel gesprochen

^"1SL? LL ^ «"sichtbar«». Macht «.

war

tunft der Beherrschung noch nicht besonders gut. Auch Ramin sah die Qual in ihrem Gesicht deutlich, und wieder stutzte er. Da war ein Verdacht, den er mit Gewalt unter­drückte, der aber immer und immer wiederkam.

Aber Frau Lilian sah ihn fest und ruhig an. Mit diesem Blick zwang sie auch das Mädchen, welches schwer­fällig wieder zurücksank in den Sessel.

Ich habe Herrn von Ramin feit- einigen Tagen nicht mehr gesehen," sagte Lilian fest, ,er versprach sogar, mich zu besuchen, aber er kam nicht."

Edith fuhr sich mit der Hand über He Stirne. Hatte sie recht gehört?

Herbert von Ramin jedoch schien nichts Besonderes an ihrer Rede zu finden. Der Verdacht, welcher manchmal in ihm aufzuckte, schlief wieder ein ihrer Sicherhell gegen­über.

Ruhig fuhr er fort:

«Also ich war diensllich in Inzersdorf. Meine Leute gingen über dte Straße heim. Ich aber hatte einen der Burschen, welche im Gasthalt» gewesen, in einem peziellen Verdachte und wollte sehen, wohin er ging. Er chiug den Weg ein über die Wiesen, und unbemerkt trennte ch mich von den anderen und folgte ihm in einiger Ent- ernung. Allerdings verlor ick ihn bei der herrschenden Dunkelheit bald aus den Augen, und das Brausen des Sturmes verschlang den Klang seiner Schritte. Trotzdem verfolgte ich den Wiesenpfad. Vielleicht auch deshalb, weil er hie»> an diesem Hause vorüberführt, das mein Liebstes birgt. Plötzlich ich war schon hier in der Nähe vernahm ick ein Geräusch. Ich glaube, es waren Männer stimmen. Dazwischen klang deutlich das dumpfe Bellen eine« Hundes. Und dann tönte durch Nacht und Sturm ein einziger Schrei. Edith Kind um Gotteswillen du zitterst ja furchtbar!"

Lilian stand schon neben dem Mädchen.

»Edith ist überreizt," sagte sie,ergähfen Sie ruhig weites Herr von Ramini Solche Schu eonfälle sind nach all den Aufregungen je fete er Variiern Also, Sie oesnabmen einen Schrei

mb einen tMOieii m i

bestimmte Ueberzeugung, daß da vor mir ein Unglück ge­schehen sei. Ich sprang in großen Sätzen vorwärts. Alles ringsum war vollkommen still. Als ich zu dem kleinen Tümpel kam, unweit dieses Hauses hier, fab ich quer über den Weg eine Gestalt hingestreckt. Neben dem Liegenden oder Gestürzten stand winselnd Pluto, den ich sofort erkannte. Er bat ja Edith oft genug begleitet. Also war der Schluß nicht schwer, daß der Verunglückte wohl Ediths Vater sei. Ich schleppte ihn bis zu dem Tore und das übrige wissen Sie."

Nur.eines", sagte Herbert,habe ich noch zu er­wähnen vergessen: Während ich langsam mit meiner Last gegen das Tor zuging, schien es mir plötzlich, als hörte ich das Geräusch enteilender Schritte. Ich konnte mich bloß flüchttg umsehen. Und da war es mir, als gleite eine lichte Gestatt durch das Buschwerk."

Wieder fiel sein Blick auf Lilians Rocksaum. Sie aber sagte lebhaft:

Ja, den Schrei hörte ich auch. Ganz bestimmt. Nur muß ich mich insofern getäuscht habe», als ich glaubt^ er käme von der Straßenseite. Ich überlegte nicht lange und lief quer durch den vorderen Garten über die feuchten Wiesenflächen nach dem Tore. Aber dort war nicht». Da vernahm ich da« schrille Klingeln von rückwärde. Sofort wandte ich mich um. Aber ich kenne mich in diesem großen verwilderten Garten noch nicht gut aus und verlor die Richtung in der Dunkelheit. Endlich traf ich da bei der Haustüre gerade mit Ihnen zusammen."

Ein Ausstöhnen aus dem Nebenzimmer ließ sie nicht weitersprechen. Sie eilten alle drei hinein.

Der Leidende lag ziemlich ruhig, aber da« Fieber schien gestiegen zu sein. Sein sonst so blasses Gesicht brannte, dann schüttelte er sich wieder wie im Frost.

Edith l" stöhnte er auf --Liebling"

Sie kniete schon neben dem Lager und strich mit ihren kühlen Fingern über seine zuckenden Hände. Der eine Arni hing schlaff herunter, die Finger, welche früher fest verkrampft gewesen waren, öffneten sich Ato S»Mch«» Papier ß«l zu Boden.

(gortjetunt feW