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mr Viertels, durch die Post Mk. 12, 10.80, bei uns abgeholt Mk. 10.. ien nachmittags, Drucks. Verlag

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Zeitung für eilige Leser, i

»Kaiser Karl hat dem Schweizerischen Bundesrat mit- geteilt, daß er die Schweiz im August endgültig verlasse« werde.

A»s Warschau wird gemeldet: Nach Informationen aus politische« Kreisen hat Fürst Sapieha demissioniert.

Die Vereinigten Staaten mahnten Warschau zur Mäßi- «m° und zur Folgsamkeit gegenüber der zu erwartende« Eutfcheid««g der Entente.

Botschafter Mayer hatte mit Briand eine längere Unter­redung, i« deren Verlauf alle aktuellen Fragen besprochen wnrden.

Zwei Gruppen englischer Beamter und Zeugen reisen mit dem Generalstaatsanwalt a« der Spitze am 20. und 28. Mai in der Angelegenheit des Verfahren gegen bie deut­schen Kriegsbeschuldigten nach Leipzig.

Die dayrtWe Einwohnerwehr.

Die Annahme des Ultimatums der Entente, so schreibt Man aus München derDeutschen Allgemeinen Zeitung", hat Bayern in eine besonders schwierige Lage gebracht; es hat dicht nur seinen redlichen Teil an den wirtschaftlichen Lasten 'zu tragen, die uns aufgebürdet worden sind; Bayern ist hin­sichtlich des Entwaffnungsproblems noch eine besonders schwere Verantwortung zugesallen. Man erkennt diese Ver­antwortung gegenüber dem deutschen Schicksal in allen Krei- fen der Bevölkerung wie auch in der Regierung und will sich ihr nicht entziehen. Das bedeutet zweifellos einen erfreulichen Fortschritt gegenüber dem in der bekanntenNote bom 8. Fe­bruar dargestellten, bisherigen bayerischen Standpunkt. Was man fordert, ist lediglich, daß bei der Regelung der Angelegen­heit nicht nur diktiert, sondern daß Bayern auch gehört wird, und daß die gegebenen Verhältnisse berücksichtigt werden, vor allem, daß endlich die besonders von sozialistischer Seite geübte hetze gegen Bayern aushört. Man begegnet noch oft der Aus- fcssung, daß Bayern mit seiner Einwohnerwehr gewisser« «uh^.MM. .y» .ollen ..Sanktionen" -uld wäre. Das ist natürlich fälsch. Daß die 6Stool?nettMi^ «uz lüw ig« hin unseren Widersachern als Vorwand für neue Peinigungen Deutschland dienen kann, verkennt man auch im bayerischen Kabinett keineswegs.

Man sollte auch Bayern nicht immer den Vorwurf mangelnder Reichstreue machen und zu diesem Zweck das Geschwätz einiger bayerischer Wirrköpfe und Außenseiter als die Stimme des bayerischen Volkes ansprechen. Man sollte dies umso weniger in dem Augenblick, da Bayern seine Treue zum Reich durch Maßnahmen erweisen will, die ihm gewiß nicht leicht werden. In der großen Mehrheit des bayerischen Volkes wurzelt nun einmal der Gedanke der Einwohner­wehr so tief, daß es den Bayern tief schmerzlich sein muß, ihre Einwohnerwehr preiszugeben. Man ist dazu bereit, weil man letzten Endes das Interesse Deutschlands vor das Interesse der engeren Heimat stellt. Man will an den Abbau ver Ein­wohnerwehr herangehen, weil er durch das brutale Diktat der Entente gefordert wird, und weil Deutschlands Schicksal von der Erfüllung dieser Forderung abhängig gemacht wird. Der

Gegründet im Jahre 1849

unter beut Titel

Samstag, hm 21. Mai 1»21

unvoreingenommene «eurreiier wird zugeven, daß das schon im Hinblick auf die Popularität der Einwohnerwehr kein

leichtes Stück Arbeit ist.

Die Schwierigkeit der Durchführung verlangt nach einer Autorität, deren "Anordnungen die Massen wirklich folgen. Neben Escherich ist nun heute der bayerische Ministerpräsident von Kahr der Mann der Einwohnerwehr. Kahr hat den Wehrmännern vor Jahresfrist nach dem Kapp-Putsch die Mehrzahl der Waffen gegeben. Das ist ausschlaggebend. Nur wer die Waffen gab, ^ann sie den Einwohnerwehren auch ohne Schwierigkeiten wieder nehmen. Eine dementsprechende Anordnung Kahrs wird befolgt werden, weil man in der Ein­wohnerwehr das Bewußtsein hat, Kahr verfangt nichts, wofür ...... " Es wäre verhängnisvoll,

er keine triftigen Gründe habe.

wenn Herr von Kahr jetzt den an sich bestimmt bequemeren Weg des Rücktritts wählte. Das ist heute in Bayern all­gemeine^ Ansicht bis weit in die sozialistischen Kreise hinein; darum wird auf

Präsidenten, die'

:d) der grundsätzliche Entschluß des Minister- ese Aufgabe auf sich zu nehmen, selbst von

seinen politischen Gegnern rückhaltlos anerkannt.

Törichte Hoffnnsen.

m.

Die Reichsregierung hat in der Entwaffnungsfrage keine Kssondcre Note nach München gerichtet, sondern eine gleich­zeitige Mitteilung an alle Landesregierungen ergehen lassen. Die Sachlage ist ohnedies angesichts der Nolletschen Note, pach der alle Selbstschutz-Organisationen entwaffnet und auf­gelöst werden müssen, völlig klar Keine Regierung in Bayern könnte die Verantwortung für die Folgen über­nehmen, die mit einem Widerstand gegen dieses Diktat ver-> knüpft wären. Die Korrespondenz der Bayerischen Bolts- partai (Zentrum) schreibt hierzu, es lasse sich nicht verhehlen, daß die bayerische Einwohnerwehrfrage sich nunmehr einem Stadium nähere, in dem jeden Augenblick die schwerst- wiegende» und entscheidendsten Besch - e sich als notwendig erweisen könnten. Die ganze Einwohn oehrpolitik war bis jetzt darauf eingestellt, die Gegner bir r Einrichtung über ihre Notwendigkeit für die Aufrechter.ntung eines geord­neten Staatswesens auf dem Wege des Verhandelns und Ausklärens aufzuklären. Auch jetzt noch scheinen diese Mög- lichkeiten nicht bis zum letzten erschöpft zu sei». Solange dies der Fall ist, scheine ein endgültiger Entschluß weder notwendig noch gevote«. Aug t^, zierten scheint aber­mals die trügerische Hoffnung zu sprechen, daß die Entente" eine kontingentierte Einwohnerwehr dulden werde. In Wahrheit gibt es aber nunmehr nur noch einen Entschluß, der, mag er auch noch so schwer fallen, je ehen. desto besser gefaßt wird.

Minister zum baldigen Eintritt gesucht.

Wie aus Berlin gemeldet wird, haben die Verhandlungen des Reichskanzlers Dr. Wirth mit der Deutsche« Volkspartei über den Eintritt in die Regierung unb Uebernahme der »och unbesetzten drei Ministerposten bis Freitag fortgedauert, Obwohl die mehrheitssozialistische» Minister sich eines Ein­spruches gegen die Verhandlungen mit der Volkspartei ent­halten haben, beharrt die Deutsche Volkspartei auf ihrer Weigerung, der jetzigen Regierungskoalition beizutreten. Nach einer Meldung derPassauer Douauzeitung" hat auch die Bayerische Volkspartei gestern endgültig einen Beitritt zu der jetzige» Regierungskoalition abgelehnt.

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78. Zayrg.

Die Ernährungslage.

Dar Reichsernährungsmintstex Dr. Hermes hatt« i« Köln eine Besprechung mit Vertretern der rheinischen Land­wirtschaft und der christlichen Gewerkschaften, in der die Er­nährungslage vor allem behandelt wurde. Minister Hermes stellte zunächst allgemein fest, daß die Ernährungslage im Vergleich zum Vorjahr sich gebessert habe. Die Brotver­sorgung für das gegenwärtig Wirtschaftsjahr fei' gesichert. So erwünscht der Abbau der Zwangswirtschaft beim Getreide sei, so müsse doch für die Uebergangszett ein Umlageversah- ren vorbereitet werden. Ueber 8 Millionen Tonnen Ge­treide müssen durch die Reichsgetreidestelle oder die selbst, bewirtschaftenden KommunaloerbLnde erfaßt werden. Für die Brotverbilligung seien in diesem Jahre durch das Reich 10 Milliarden angefordert worden. Im nächsten Jahre

müsse dieser Betrag sehr viel geringer

Gewerkschaftssekretär Hansen der schaften erklärte sich als Gegner der höhere Preise für landwirtschaftliche

sein.

christlichen Gewerk« Anreizpolitik, immer Produkte zu zahlen

und war ersüüung, vermisse, der freien weil die

für den Standpunkt vorauSsetzungsloser Pflichi- die er bei einem großen Teil der Landwirtschaft Grundsätzlich sei die Arbeiterschaft kein Gegner Wirtschaft. Die Zwangswirtschaft habe versagt, Autorität versagt habe. Der LaudwirtichastS-

minister treibe Produktionspolitik. Die Arbeiterschaft wolle aber auch gesunde Preispolitik. Die LeHeuj^nittelpreist seien den Arbeitslöhnene und den ProiUAzUKkoKtU Her ZfM dustrie weit voraus.

Einlösung brfchtMgtr« -«Pin^eve».

Ueber die Einlösung zerrissene« Pa besteht diet- fach Unklarheit. Zerrissenes Papiergeld, n einzestre Stücke einen vollständige« Schein oder eine " Rote er­

geben, wird von den Ausgabestellen und Banken ein gelöst Ist ein eingeliefertes Teilstück größer als die Hälfte des ganzen Scheines oder der ganzen Note, so werden Reichsbanknoten muL-LLlchskassetzstheine eingelöst, wenn der Nummernaufdruck noch zu ersehen ist. Darlehenskafienscherne zu T unh ri-Mark werden in diesem Falle auch dann eingelost, wenn sie keine Nummer tragen. In allen anderen FAlc«, also wenn das eingelieferte Teilstück genau die Hälfte eines ganze« Scheines oder einer ganzen Note beträgt, oder kleiner ist als die Hälfte, wird in der Regel kein Ersatz geleistet. Ausnahmen werden nur in Einzelfällen gemacht, so z. B. dann, wenn beschädigte Darlehenskassenscheine zu 1 und 2 Mark, die aus Teilen ver­schiedener, nicht zusammengehöriger Scheine bestehen, einge- liefert werden. Hier wird Ersatz gewährt, wenn der die Num- mrn tragende Teil wenigstens genau die Hälfte eines ganzen Scheines beträgt oder wenn bei 5-, 20- und 50 Mark-Dar- lebenskassenscheinen der eingelieferte Schein weniger als die Hälfte des ganzen ausmacht, wird ausnahmsweise" Ersatz ge­leistet, sofern glaubwürdig nachgewiesen wird, daß die schp lenden Teile vernichtet wurde«.

Dämon -es Lebens.

Zkriminalerzählung von A. Ost land.

80) (Nachdruck verboten.)

Sie vollendete nicht. Mit einem seltsam traurigen Blick sah sie vor sich hin. Edith antwortete nicht. Wie zerbrochen lag sie in den Armen des Mannes, den sie liebte, unfähig, einen klaren Gedanken zu fassen. Eine Weile sprach niemand. Deutlich vernahm man Dom an­deren Zimmer manchmal das Äusstöhnen des Leidenden. Von draußen tönte das Brausen des Sturmes herein, Pluto heulte am Gange dumpf auf. Er hatte sich vor die Türe gelegt, und sein Winseln, Stöhnen und klagendes Bellen wollte nicht verstummen.

Die drei Ateujchen, welche der halbdunkle Raum um­faßte, sprachen eine Weite überhaupt nicht. Lilian hatte zuerst, wie wartend, neben den jungen Leuten gestanden. Ueber ihrem sonst so kalt beherrschlen Antlitz lag es wie ein Schimmer von Weichheit. Mit fast bittenden Augen fah sie von Edith zu dem Manne, der das junge Mädchen fo fest hielt, als müsse er sie auch jetzt noch schützen vor einer Gefahr. Aber wenn Lilian irgendeine Annäherung Ediths erwartet hatte, dann wurde sie enttäuscht. Die Mitteilung, daß diese Frau die Gattin ihres Vaters fei, baß sie also immerhin Rechte an ihn gehabt hatte, viel­leicht, trotz allem, noch jetzt hatte, brach den letzten Rest von Fassung, den dieses junge Geschöpf sich noch mühsam bewahrt hatte.

Haltlos weinend klammerte sich Fräulein Edith noch fester an Herbert, als fei er ihre einzige, letzte Zuflucht, letzt, nachdem der Vater ihr wie es ihr erschien nicht mehr allein gehörte. Und auch von diesem Orte würde sie bald das Geheimnis vertreiben, welches sie vor dem Geliebten verbarg. Sie kannte Herbert und seine eiserne Pflichttreue.

Nie durste Herbert auch nur ahnen, daß sein Onkel heute abend hier gewesen bei Lilian, daß ihr Vater den Briei. weich«» Vifen verloren, ausgehoben hatte, daß er

heimlich und auf dem Wege über die versperrte Veranda das Haus verlassen hatte zur selben Stunde, da Herr von Ramin fortging. Dunkel und dennoch ganz klar fühlte Edith es: Hier war etwas geschehen, etwas, das sie kaum zu ahnen wagte. Und Herbert war Polizeibeamter; wenn er aufmerksam wurde, wenn er zu fragen begann ...

Ihre Knie zitterten; ein Wanken ging durch ihre Ge­stalt. Lilian wußte mehr als sie selbst, das hatte ihr der zwingende Blick, welchen sie ihr zugeworfen, deutlich genug gesagt. Dieser Blick hatte eine nicht mißzuverstehende Spracke Serebet Er sagte:Sei vorsichtig, verrate nichts, schweige r

sie hatte verstanden l

So war sie also jetzt die Sunbesgenoffin dieser Frau T Edith preßte die Hände vor das Gesicht. Sie wollte nicht immer LUians Augen sehen, die mit einem so sonderbar leidvollen Ausdruck nach ihr hinsaheu!

Und dann: da war ja noch so viele» Dunkle. Hatten die beiden Männer sich überhaupt getroffen, ihr Vater und Herr v. Ramin? Oder war der letztere vielleicht schon zu weit voraus gewesen ? Aber Lilian war bestimmt draußen. Auch Edith hatte den breiten schwärzlich nassen Saum ihres hellen Kleides bemerkt. Die Gartenwege waren doch alle trocken. Auch die Fahrstraße, die vorüberführte. Aus dieser Richtung war Lilian gekommen. Aber die Feldwegs ja die waren feucht. Besonders in der Ruhe der kleinen Wassertümpel, dort, wo das lange Riedgras wuchs in dichten Büscheln. Und Lilian war ja so atemlos ge­wesen, als sie zurückkam. Sie mußte sehr schnell gelaufen sein. Ja der Weg war ja auch weit von den Feldern zurück, um die Längsseite des Gartens herum bis zum vorderen Tore. Daß Lilian den zweiten L-chlüffel zu diesem letzteren seit gestern besaß, das wußte Edith. Also konnte sie dort herein . . .

Herbert von Ramin sah in dieses ihm so vertraute Gesicht mit einer Wehmutz die beinahe alle andereic Ge­fühle in ihm übertönte. Er sah den wechselnden Aus­druck, der über die lieben Züge glitt, und er empfand es beinahe körperlich, wie wirr und unstet die Gedanken kreisten hinter dieser klaren Mädchenstirne. Gedanken, welche nicht ihm galten, die sie ihm sorgsam verbarg. Was sollte er

tun, um da zur Klarheit zu gelangen? Wie sollte er es anfangen, um dieses Kind auf den richtigen Weg zu führen, um sie zu Offenheit und Vertrauen zu bringen ?

Lilian fand zu allererst ihre Ruhe und Fassung wieder. Sie trat aus dem Lichtkreis der Lampe, so daß ihr schönes Gesicht unieriauchte in das Dämmerlicht, und dann begann sie zu sprechen, ruhig und sachlich, als Hütte sie jedes Wort schon längst überlegt, eie berührte die Ver­gangenheit mit keinem Worte mehr. ,Nur einmal, als Edith sie unterbrach mit der Frage:Und und willst du nun wirklich hierbleiben ? bei uns ? bei bei Papa ?" da ging es wieder wie ein Zucken über das Gesicht der grau.

Das das weiß ich nicht," enigegnete sie unsicher, das kann ich allein nicht bestimmen. Aber du, Edith, du wirst bald fortziehen, wirst eine glückliche junge Frau fein. Vielleicht, daß dein Vater dann doch meine Nähe wieder ertragen lernt Wir haben uns ja dereinst so so sehr geliebt Und es gibt Stunden, die binden fest für die Ewigkeit. Jetzt wird er mich bierbehalten jetzt schon."

Edith dachte: Rein, das wird er nicht! Er hat dich seinen Dämon" genannt Er hat dein Bild zererrissen.

Freilich, er hatte dieses Bild dann wieder geküßt.

Und wie geküßt! m

Herbert von Ramin drängte das junge Mädchen sanft in einen Sessel. Jetzt stand er ruhig der Frau gegenüber, welche ein wenig vor ihm zurückwich. Er war sich klar geworden, was er tun wollte. Während der letzten langen Gesprächspause hatte er alle Willenskraft aufgeboten, um seine Gedanken ein wenig zu sammeln. Nun sagte er:

Du, Edith, und auch Sie, gnädige Frau, haben mich schon gefragt, wie ich eigentlich Herrn Haupmiann Wiilftaüt auffand. Die Sache iji sehr einfach. Ich muffte, einer Weisung meines Chefs Folge leistend, heute abend eine Razzia in einem berüchtigten Wirtshaus in Inzersdorf verunstalten. Ich nahm vier tüchtige Leute mit und begab mich nach dem bezeichneten Orte. Dies der Grund, wes­halb ich nicht ,$rrSpinnerin am Kreuz" komme» konnte,

Edith

(Fortsetzung folgt)