Zchiüchterner Zeitung
5chlüch!erner Kreis
k«EaSt»reiS vorauSzahlbar vierteil, durch die Post Mk. 13.—, unsere Träger Mk, 10.80, bei uns abgehott Mk. 10.—. «rfaeint an Wochentagen nachmittags. Druck u. Verlag
oerkrhr mit der Firma Schlüchtern.
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Zeitung für eilige Leser.
Die Besprechungen zwischen den Vertretern der englischen Regiernng und einigen Leitern der Bergarbeiter dauern an Es'herrscht der Eindruck, daß die Unterhandlungen bald wieder ausgenommen und zu einer Lösung des Konfliktes führen werde«.
I« den Kreisen Pleß und Rybnik sind die Bahnlinien von Ansurgente« besetzt. Auf den Bahnhöfen weht die yol- «ssche Flagge. Die Eisenbahnbeamten müssen den polnischen ler an der Mütze trage«.
Dem ^>aily Chronicle" zufolge scheint es so gut wie be- ioflen z« sein, daß etwa am nächste« Sonntag eine Voll- ««g des Oberste« Rates z«r Erörterung oder obcrschlefi- m Frage in Bonlogne oder Paris stattfinden soll.
Nach Meldungen aus Tokio haben die beide» politischen Gmppen im japanische« Oberhaus getrennte Bcratrmgen über die Insel Aap abgehalten, um Mittel und Wege zu finde«, Japans „bereits erwobrenes Recht" auf der Insel zu verteidigen.
Re«ter meldet, daß die Ränmung Nordwest-Persiens durch die britischen Truppen ihren Fortgang nimmt. Diese Truppen find in Kermanscha, in der Nähe der Grenze von Mesopotamien, angekommen.
Die polnische errettenden Wt
Der Journalist gibt folgenden Bericht:
Ein neutraler Berichterstatter gibt über die polnische Schreckensherrschaft eine grauenhaft? Schilderung, die schon deshalb nicht angefochten werden kann, weil es sich eben um einen Neutralen handelt, der seine Studienreise in Oberschlesien dazu benutzt hat, um den Amerikanern einwandsfreies Material über die Verhältnisse in Oberschlesten zu liefern Ich bin persönlich an zwei Grenzübergängen gewesen, von denen der eine das wichtigste Tor von Oberschlesien nach i Polen bildet. Das, war bei Myslowitz. Hier hielten sechs | Franzosen und zwei Apo-Leute die Wacht. An einem anderen Uebergang bildeten die gesamte Streitmacht zwei Italiener jmb zwei Abstftnmunospoli^sien. Ich bin^väbrend d's Wahl« >as?s in Distrikte gekommen, wo eine pölnrjchc Volksmengr
Por den Wahllokalen gemütlich mit den Apo-Beamt-r. plau- ' leite. Ein Teil dieser Leute, die auch im Bilde fest gehalten
| Korden sind, trugen Sokolmützen. Alle aber trugen das Pol: * bische Wahlabzeichen mit dem weißen Adler.
Ich habe mit meinen eigenen Augen gesehen, wie deutsche Wahlberechtigte in Automobilen unter dem Schutz Der Polizei in ihren Wahllokalen gebracht werden mußten. Ich konnte in | Hefen Distrikten, trotzdem ich mich als neutraler Korrespondent kenntlich gemacht hatte, keinen Schritt und Tritt tun, »hne daß meine Bewegungen verfolgt, meine Gespräche belauscht wurden. Ich habe in dem rein deutschen Dorfe Anhalt mich davon überzeugt, daß der polnische Wahlbeamte im Wahllokal das Kommando hatte. Am Abend des Wahltages bin ich in der Nacht im Auto von Kattowitz nach Tarnowitz gefahren. Hier traf ich im Hospital eine 58jährige Frau, die von drei Polen um 10 Uhr nachts aus dem Bett geholt worden war, weil sie deutsch gestimmt hat. Ich habe in meiner Laufbahn als Journalist vieles gesehen — aber einen derartig eamen Anblick, wie diese mit Eisenstangen mißhandelte habe ich bisher noch nicht gesehen. Die Nase war voll-
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Dämon -es Lebens.
Krmrmalerzählung von A. Ost land.
(Nachdruck verboten.)
Der Mann, der halb bewußtlos auf die Arme der beiden jungen Menschen gestützt vorwärtstaumelte hob den Kopf ein ganz klein wenig. Er hatte kaum die Kraft, die Worte hervorzustoßen. Doch Edith verstand ihn.
„Vater!" schluchzte sie auf.
Aber Her bett winkte ihr mit der freien Hand, ganz ruhig zu sein,
„Es ist eine Wunde da, am Hinterkopf," sagte er leise, »ich verstehe mich auch ein wenig darauf, da ich den Kurs für erste Hilfe gemacht habe. Ich werde also in Gottes Namen selbst nachsehen. Jetzt nur Ruhe — nur Ruhe!"
Ihm schien allerdings diese Ruhe stark zu fehlen. Als der Sturm für einen Augenblick die Wolken zerriß und der Mond hervorbrach, sah Edith deutlich, daß Herberts Lippen zitterten und daß sein hübsches offen« Gesicht den Ausdruck eines großen Schreckens trug.
„Was ist denn eigentlich geschehend fragte Edith in einer Erregung, die sie kaum mehr bemustern konnte. Da hob Otto Willstadt wieder den Kopf.
„Ein Ohnmachtsanfall," stieß er fast lallend hervor, „nichts weiter." Ich meinte — ja — ein Geräusch — ich weiß nicht mehr — was — da ging ich mit Pluto hinaus ~ auf die Felder — ja — und dann kam der Schwindel-
— ja — und da stürzte ich hin — auf einen *
Er konnte nicht wettersprechen. Immer wieder über- wannte ihn die Schwäche. Und auch die beiden Jungen schwiegen nun. Sie hatten alle Mühe, den schweren Körper über die Stufen zu ziehen, welche zu dem Haustor emporführten.
„Um Gottes willen I* sagte da eine Stimme dicht neben chnen. „Was ist denn? Was geht hier vor?"
Lilian Aldermor» stand vor ihnen.
Gegründet im Jahre 1849
unter dem Titel
Donnerstag, den 19. Mai 1921
fränotg zertrümmert, das Gesicht eine Bkukmasse! Die Arme picht etwa blau, sondern schwarz, dick geschwollen 'ind der ganze Körper blau von Fußtritten. Die Frau ist sieben Kilometer weit durch den Wald erlaufen, bevor sie Hilf? fand. Der Anblick empörte mich dermaßen, daß ich noch in Derselben Nacht einen britischen Offizier aus dem Bette trommelte, wr- mell bei ihm die Meldung von dem grausigen Vorfall wachte, und ihn bat, wenigstens zum Schutz für das Eigentum der schwergeprüften Frau zu sorgen.
Ich habe in Hicolai, in Tarnowitz, in Karf, und wie die Orte alle heißen, die bedrohlichen Massen der Polen auf den Straßen versammelt gesehen. Während des Ruhraufstaaves war ich bei der roten Armee. Lieber würde ich einem der dortigen Häuptlinge im Schützengraben mein Haupt in den
als auch nur einen
Schoß gelegt, friedlich geschlafen haben, als auch nur einen Augenblick am Hellen Tage. selbst als ntrafer Korrespondent in den Straßen der bedrohten Dörfer chen geblieben zu sein, ohne meinen Rücken mit einer Wand r decken. Ich habe Leute gesehen, die durch die Terrorwirtschaft der Verzweiflung in nie Arme getrieben waren. Ich habe Frauen gesehen, die jeder Beschreibung spotten.
Dem ber 2$iMrMe.
Auf der Oder hat sich zwischen Oppeln und Kofel eine Motorbootsflottille mit einer Besatzung von Freiwilligen gebildet, um die Oderstraße für den Transport von Lebensmitteln und Kohlen freizuhalteu. Ueverhaupt macht sich ein starker- Abwehrwille bemerkbar und es ist fraglich, ob sich der Selbstschutz zurückhalten läßt, bis sich Lloyd George und Briarrd über die Zulässigkeit der deutschen Selbstverteidigung geeinigt haben. Da die Franzosen die erbetene Unterstützung abgeschlagen haben, iggen die Italiener sich weiter über Gleiwitz nach Oppeln zurück. Die Stadt Nikolai ist jetzt von Franzosen besetzt. Korfanty fehlt es an Geld, so doch man befürchten muß, daß er sich zu Verzweiflungstaten verleiten läßt. Aus den im Osten Oberschlesiens gelegenen Gruben des Plesser Bezirks und um Myslowitz herum wird
die Kohl« nach Polen gebracht, ohne Wallungen auch mir die Namen der sind. Auch die zum Transport der Eiseubuhnwögey kommen. 1'chst z-arück Wagen werden also glatt gestohlen.
daß den Grubenver- Empfänger bekannt Kohle verwendeten D'e Kohlen und Sie
Das Eingreifen der Rerchsregierung beschränkt sich aus diplomatische Schritte.
Die Berliner Blätter teilen mit: Das Eingreifen der Reichsregierung in die vverschlesischen Angelegenheiten be» schränkte sich bisher auf diplomatische Schritte, die in London, Patts und Rom unternommen worden sind, in welchem Me alliierten Regierungen ersucht werden, mit ausreichem den Machtmitteln für die Wiederherstellung des rechtmäßigen Zustandes im Abstimmungsgebiet zu sorgen.
Polnische Frechheit in Kattowitz.
Pie polnischen Mitglieder des Kattowitzer Stadtverord- netenkollegiums waren an den Magistrat herangetreten mit dem Ersuchen, die Stadt Kattowitz den Polen zu übergeben, Der Magistrat wandte sich an die deutschen Mitglieder des Kollegiums, die dem „Berl. Lok.-Anz." zufolge beschossen, den Magistrat aufzufordern, den polnischen Wunsch untei keinen Umständen zu erfüllen.
schien sehr gelaufen zu sein, denn ihre Brust flog. Aus dem totenblassen Gesicht sahen die herrlichen, dunlken Augen in einem furchtbaren Entsetzen.
„Was ist?" stieß sie noch einmal hervor. „Otto —"
Das war kein Ruf der Besorgnis, das war ein Schrei, wie ihn die höchste Qual ausstößt.
Und Otto Willstadt hörte den Schrei. Seine zitternden Hände langten in die Luft.
„Lilian —"
Er wollte wohl etwas sagen. Aber er schwieg wieder, und nur ihre Hand ließ er nicht mehr los.
„Lassen Sie losl" sagte Lilian fast gebieterisch- zu Herbert. „Ich führe ihn allein. Laß auch du los, Edith — du kannst kaum mehr!"
Sie hatte den Mann gefaßt und die beiden andern mit einer Kraft weggedrängt, welche man dieser schlanken Frau kaum zugetraut hätte.
Und so, gestützt auf Lilian Aldermore, überschritt Hauptmann Otto Willstadt die Schwelle seines Hauses.
In feinem Zimmer angelangt, fand er kaum noch die Kraft, sich bis zu seinem Bette zu schleppen. Dort brach er zusammen.
Edith war davongelaufen, um die alte Magd zu wecken und ihr irgendeine, möglichst wahrscheinliche Erklärung des rätselhaften Vorganges zu geben. Währenddes nahm Lilian schon aus dem Büfett im Speisezimmer Essig und Wasser. Sie kehrte mit beidem eben nach Will- stadts Schlafzimmer zurück^ als Herbert sich aus der ge« bückten Stellung erhob, welche er eingenommen hatte, um die Wunde des Hauptmanns zu untersuchen.
„Ein seltsamer Fall", sagte er, Lilian scharf fixierend. „Der Herr Hauptmann behauptet, er hätte einen Schwindelanfall erlitten und fei gestürzt. Das letztere ist auch wahr; die Wunde am Hinterkopf rührt bestimmt von dem Auffallen auf einen Stein her. Aber hier an den Händen sind ein paar ganz frische, blutige Kratzmunden Es sieht also fast so aus, als hätte da vor dem Falle ein- Ringen stattgefunden."
Lilian Aldermore sah geradeaus vor sich hin ins Leere.
»Ein 8U»6hiF miefierholte sie fast gedankenlos.
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73. Aaörg.
Ein rvMer 66ettngenftür in Serllit
Vor einigen Tagen ist in Berlin der stellvertretende Vorsitzende des russischen Bergrats, Bergingenieur Sujew angekommen. Sujew ist von der Bergbauabteilung des russischen obersten Boltswirtichastsrats nach Berlin abkomman- diert worden mit dem Ziele, der Organisation und> Vertretung einer Bergbauunterabteilung des Volkskommissariats für Außenhandel, die alle Bestellungen und Käufe für die Bergindustrie der russischen Sowjetregierung zu erledigen hat. Seine Aufgabe ist es ferner, sich mit der Entwickelung des Bergbaues und der Bergbautechnik in Deutschland bekannt zu machen, und zwar im Zusammenhang mit der Frage nach der Möglichkeit der Anwendung dieser neuen Methoden bei Wiederaufrichtung der Bergwerksindustrie in Sowjetrußlanö. Ingenieur Sujew wird zur Ausführung der gesamten Ausnahmen einen entsprechenden technischen Apparat in " " " "
Berlin schaffen und eine Reihe von Besichti- in die Hauptborgwerksbezirke Deutschlands vor-
Amerika hätt kch zurück.
gungsreiien nehmen.
Der „Chicago Tribune" wird von ihrem Sonderberichterstatter aus Washington gemeldet, daß gewisse Anzeichen dafür vorlägen, daß die amtlichen Kreise mit den Aeuße- rnngen Lloyd Georges im englischen Unterhause am Freitag sympathisieren. Es sei jedoch unrecht, daß er sich so heftig ausgedrückt habe, weil 6i^t Uneinigkeit zwischen Frankreich und England hervorrnfe. In Washington werde es für wichtiger gehalten daß die Einigkeit zwischen England und Frankreich wiederhergestellt, als daß die oberschlesische Frage geregelt werde. Die Stellungnahme der Washingtoner Regierung werde wahrscheinlich eine formelle bleiben und mittels moralischer Unterstützung die Lage beeinflussen.
Die Amwahlen in 3talien.
Verluste der Sozialisten. — Zusammenstöße.
Am Sonntag haben in ganz Italien, auch in den neuen Gebieten in Südtirol, die Wahlen zur neuen Kammer statt- gefunden. Die Beteiligung war überall größer als im vergangenen Fähre. Im Durchschnitt sind 00 Prozent der Stimmen abgegeben worden. Nach den bisherigen Meldungen scheinen die Sozialdemokraten etwa 80 Sitze eingebüßt zu haben. Auch die Populari haben einen Verlust erlitten. Der Gewinn geht zugunsten der vereinigten liberalen nationalistischen Liste. In Bozen haben 80 Prozent der Berechtigten abgestimmt. Die deutsche Liste scheint widerspruchslos durchgegangen zu sein.
In Norditalien war die Wahlbeteiligung von nie erreichter Höhe, vor allem dank -des regen Andranges der bürgerlichen Wähler. Im Wahlkreise Mailand stimmte« 78 Prozent, im Wahlkreis Mantua 80, im Etsch-Gebiet sogar 90 Prozent. Geringer war die Teilnahme in Turin, wo 50 Prozent stimmten, in Venedig 60, in Rom nur 42, in Süditalien und Sizilien erreichte sie kaum 30 Prozent, was als ein Protest gegen das Verhältniswahlsystem zu heuten ist.
In Vercelli erwürgten einige Sozialisten einen siebzigjährigen Fascisten. In der Nähe von Pisa überfiel ein Sozialist einen fascistischen Arbeiter, spaltete ihm mit einem Beil den Kopf und verbarg die Leiche mit Hilfe anderer sozialistischer Arbeiter in einem Wagen voll glühendem Borax. Aus vielen Orten werden Tote und Verwundete der drei miteinander kämpfenden Parteien gemeldet.
„Ach, mit wem sollte Hauptmann Willstadt gerungen haben ? Uebrigens — ich glaube, er hat sich diese kleinen Wunden wohl schon heute nachmittags zugezogen."
Sie begann zu stottern. Es machte sie verwirrt, daß Herbert sie unverwandt ansah. Jetzt ging sein Blick scharf forschend an ihrer ganzen Gestalt herab. An dem Saum ihres lichten Gewandes blieb er hängen.
„Waren auch Sie draußen auf den Feldern, gnädige Frau?" fragte er dann. „Sie verzeihen, ich vergaß, daß Sie mich noch gar nicht kennen. Herbert von Ramm, Polizeibeamter."
Er verbeugte sich mit vollendeter Artigkeit. Aber noch immer ließ sein Blick sie nicht. Wie hatte Marianne Gloger gestern gesagt: „Weiß der Himmel, wie diese Frau zu den Papieren koinmt, welche auf den Namen Wilstead lauten! In Wahrheit heißt sie von Ramin und ist die Frau Ihres Onkels." .
Wenn das wahr war, dann mußte Frau Lilian sich jetzt, bei Nennung des Namens, verraten. Wenigstens
Aber die schöne Frau hatte ihre Nerven in ihrer Gewalt. Einen Augenblick schien es beut scharfen Beobauzter zwar, als würde dieses weiße Antlitz noch um wen Schatten weißer. Dann aber richtete sie sich ruhig auf und jagten ^ e|n Polizeibeamter? Und darf ich fragen:
Wie fanden Sie eigentlich Herrn Willstadt?"
Sie hatte sich schon wieder dem Kranken zugewendet. Er ruhte, nodj angekleidet, lang ausgestreckt auf einem Bett«. Seine Augen waren geichlosien; ein Ausdruck tiefster Ermattung lag auf dem Gejichle, dem man es erst jetzt so recht ansah, wie schön es dereinst gewesen sein mußte, ehe das harte Leben seine Furchen und Linien unerbittlich hineingrub. Lilian wechselte rasch die Kam. presse, welche sie ihm um den Kopf gewunden hatt«. Dabei neigte sie sich so tief als nur möglich nieder zu dem
Sekundenlang hob er die schweren Lid«r, sein Auge uaf
das ihrige.
(Fortsetzung folgt.)