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Zchiüchterner Zeitung

Schlüchterner 3t r e i 5 H n 11, - Schlüchlerner KageBlatt

Gegründet im Jahre 1849 unter dem Titel

«eina»»rekS voranSzaülbar vierte»;, durch die Post Mk. 19., durch stnlere TrSaer Mk. 10.80, bei unS abgeholt Mk. 10.-. Wuschet«» an Wochentagen nachmittags. «ruck n. Berlag 6 Ahmeister, verantwortlich H.-L. Hohmeister, Gcklüchtern. Wernruf 65. «rfüllungSort für den gesamten «eschSstS- verkebr der Kirma Bcklüchtern.

Auzeige«: st Zelle oder dere« Kam« 1 Mk , Rcklame- reile 3 Mi fSm«. ohne besonderen Zuschlag Bei Betriebsftörungep kein Schadeners-tt» oder Mindergebühr eins»!. Be,«a». Keine SemShr fffr Matz, Aufnahme,ell «th Neleglieserrmg. Kein Nachlaß bei gerichtlichen Zw-schen- ?«^en .R^dirrt« Franllnrt a. M. Nummer 11409.

M 107

Dienstag, den 10. Mai 1921

73. AaSrg.

Aus der Heimat.

* Bom Finanzamt wird uns aefstieben: Auf die Bekanntmachung in Nr. 98 bet SNüchterner Zeitung 28. April 1921 betreffend:Vorläufige Zahlungen auf die Körperschaftssteuer" werden die der Körperschaftssteuer unterliegenden ErwerSsqesellsHaften erneut Kingewkesen. Die Zahlungen haben an die Finanzkaffe S4lü Hier« (Post- scheckkonto 80627, Reichsbankgiro Fulda) alsbald zu erfolgen.

* Von sehr geschätzter Seite schreibt man uns: (Um­tausch der Einkommensteuermarke«.) Unter Aufhebung der bisher für den Umtausch von Einkommenffeuermarken nnd den Ersatz für verdorbene Steuermarken gültigen Vorschriften (AmtSbl. Vf. Nr. 68 v., 8. Juni 1929, S. 153 und Nach- richtenblatt Vf. Nr. 686 von 1920 S. 421 wird im Ein­vernehmen mit dem Reichfinauzmlnisterium angeordnet: I. Umtausch durch die Postverwaltung. 1. Unbeschädigte Einkommeusteuermarken können gegen Steuermarke« anderer Werte umgetauscht werden. Liege» erhebliche Billigkeits­gründe vor, so kann die Erstattung in bar zugelassen werden.

2. Für verdorbene Einkommensteuermarken kann die Er statttmg im Wege des Umtausches, erfolge«, wenn der Schaden mindestens eine Mark beträgt und wenn von den Marken noch kein oder kein solcher Gebrauch gemacht worden ist, demgegenüber durch die Erstattung das Steuerintereffe gefährdet erscheint. Irrtümlich oder zu Unrecht entwertete Steuermark«« fallen nicht unter diese Bestimmung; fie werden nicht umgetauscht. Dasselbe gilt für entwertete oder nicht entwertete Steuermarken, die von Steuerkarten abgelöst oder aus Vordrucken ausgeschnitten find. 8. Die Anträge auf Umtausch oder bare Herauszahlung find au die Bestell-Postanstalt des Antragstellers zu richten. Postagen» tme» haben die Anträge dem Abrechnnngspostamt vorzulegen. Ueber die Anträge auf Umtausch entscheidet der Amtsvor­steher, in zweifelhaften Fällen die Oberpostdirektion. Wird ein Antrag auf bare Herauszahlung gestellt, so prüft das zuständige Postamt den Sachverhalt und legt den Antrag mit Bericht der Oberpostdirektion vor. Vor dem Umtausch «sw. find die Marken auf ihre Echtheit sorgfältig zu prüfen. H. Ersatz durch die Finauzverwaltung. In allen Fällen, wo die Postverwaltung nach vorstehendem den Umtausch oder Ersatz von Steuermarken nicht vornimmt, find die Finanzbehörden zuständig.

* Die Frage, ob mau zusammengeklebteS Papiergeld in Zahlung nehme»muß", ist nicht ohne weiteres zu be­antworten. Gesetzliche Bestimmungen darüber bestehen nicht. Also find die Grundsätze über Treu und Glauben entscheidend. Danach kann man Papiergeld nicht deshalb zurückweisru, weil es beschädigt oder ausgebessert ist, wohl aber dann, wenn die Beschädigung oder Ausbesserung die Prüfung aus die Echtheit erschwert oder gar unmöglich macht oder auch, wenn die Prüfung allzuviel Mühe und Zeitverlust verursacht.

* Hohenzell. Eigenartiges Pech hatte am Sonntag auf

dem Kriegervereinsball ein hiesiger Knecht, welcher einem | Kranke« im Krankenhause zu Schlächtern ein paar braune Schnürstiefel entwendet hatte. Durch Landjäger Kielhor« wurden sie ihm wieder ausaezoge«, sodass K. das Vergnügen in Strümpfe« verlassen wusste.

* Züntersbach. Am Pfingstmontag soll i« hiesiger Gemeinde nachmittags 2 Nhr das Denkmal für die gefallenen Krieger eingeweiht werden. Die Feier wird verherrlicht werden durch Gelangvorträge und Musik der Kurkapelle Brückenau. Auf Veranlassung des Kriegervereins wurden die Kosten für das von Herrn Kutz-Sinntalhof hergestellte Denkmal durch freiwillige Gaben aufgebracht.

* Fulda. Eine Jnvalidenkarte gefälscht hatte ein 21 jäh­riger von hier gebürtiger Schlosser dadurch, dass er sein auf der Karte vermerktes Geburtsjahr 1901 in 1900 abänderte und die Karte seinen Arbeitgebern aushändigte. Auf Grund dieser gefälschten Karte, die ihn ein Jahr älter machte, bezog der Angeklagte einen höheren Arbeitsverdienst als ihm zustand und zwar bei der Stadt Fulda, die ihn längere Zelt be­schäftigte. Mk. 52,80 und bei der Firma Gebauer u. Möller Mk. 165,80. Die Strafkammer verurteilte den Angeklagten zu 4 Monaten Gefängnis.

* Oeyntzanfin. Ein lustiges Geschichtchen erzählt man fich von einem unserer Mitbürger. Dem hatte das Finanzamt die Einkommensteuererklärung, an die «r so viel Zeit und Mühe und Kopfzerbrechen gewandt hatte, mit dem Vermerk zurückgeschickt:Ihr Einkommen erscheint uns zu niedrig." Flugs setzte fich der Mann an seinen Schreibtisch, steckte die Erklärung unverändert in einen Umschlag und schrieb nur ein-kräftiges:Mir auch!" dazu.

Wirtschaftliche Wundschau

(Nach dem Stande vom 7. Mai 1921.)

(Nachdruck verboten.)

W.K S. Allgemeine Lage. Die ungern«!« zuge- spitzte politische Lage lastet fast erdrückend auf dem deutsche« Wirtschaftsleben. Der Konsum geht nur zögernd an «eue Unternehmungen. Eine starke Zurückhaltung aller Wirt- schastskreise ist die Signatur des heutigen Tages. Noch ungünstiger liegen die Verhältnisse für die Zukunft, für die infolge der überaus hohen Verpflichtungen Deutschlands nur sehr trübe Ausfichten vorhanden find.

Geldmarkt. In der an der Börse zurzeit herrschenden Geschäftsunlust ist keine Aenderung eingetreten. Das Ulti­matum der Entente und die Kabinettkrise mahnen zur Zu­rückhaltung. Der Druck der Politik und die Meldungen über die politischen Vorgänge, welche trauriger als je lauten, hemmen jede Anregungslust. Die Zahl der Konkurse im April betrug 267 gegen 308 im März, 236 im Februar und 192 im Januar.

Handel und Industrie. In fast allen Betrieben wird über Zurückhaltung der Käufer, hinschwindende Auftragsbe­stände und über ein Nachlasse« der Beschäftigung geklagt. Aus her Maschinenind»si''i-' wird eine völlige Stockung b1

Nachfrage gemeldet. Am Eisenmarkt bleibt bei schwierigen Absatzverhältnissen und starker Stagnation der Ausfuhr die Preisgestaltung weiterhin sehr unstcher. Für dir nächste Zeit ist die Errichtung eines deutschen Glassyndikates geplant. Damit dürfte es mit einem nach den Gesetzen von Angebot und Nachfrage korrigierten GlaSpreis auch eht Ende haben. Der Reichswirtichaftsminister hat einer Preiser­höhung von 50 bis 55 Prozent der bisherigen Kalipreise zugestimmt.

Kohlen. Die deutschen Kohlenlieferungeu an Frankreich gingen nach fräst. Angaben im März auf 583 850 T. zurück gegen 705 359 T. im Februar.

Warenmarkt. Ueber Verkehr und Absatz gilt hier das bereits'oben Gesagte. Auf der Mailänder Messe war Deutschland mit etwa 600700 Ausstellern vertreten, Eng­land mit 50, Frankreich mit 60. Sämtliche Textilien mit Ausnahme von Garnen und Geweben find für ausfuhr­frei erklärt worden.

Produktenmarkt. In den Preisen wenig Beräuder- ung. Da wegen des gehemmten Wachstums Futtermangel droht, war Heu gefragter und mußten auch höhere Preise genehmigt werden. Bezahlt wurden 2530 Mk. per 50 K ab südd. Stat.

Viehverwertung. Die 25 aus den einzelnen deutschen Gebieten vorliegenden Liehmarktergebnisse ergeben etwa fol­gende DurchschnittSerlöse: Ochsen 58000 Mk., Kühe 35006000 Mk., Ferkel 200-400 Mk. Bei Großvieh war der Handel teilweise nicht mehr so lebhaft. Bei der letzten mitteldeutschen Häuteauktion in Leipzig kosteten bei anziehende« Preisen: Rinderhäute 11.6517 Mk, Ochsen- Häute 8.20-11.95 Mk., Bullen 7.50-13.80 Mk., Kühe 8.60-15.50 Mk., Kalbfelle 14-18.70 Mk., Fresser 10.40 bis 12 Mk. p. Pfd., Roßhäute 101 bis 258 Mk., Schaf­felle 5.10-6 Mk., Blössen 4.50-4 80 Mk.

Holzmarkt. Die überaus ungünstige Lage hält unver­mindert an. Dis fich sshäLssnden Vorräte wir?««. »?y#r drückend auf die Preise.

Baumarkt. Die neuerliche Erhöhung der Kohlenpreise nnd der Eisenbahufrachten haben auf die Erzeugung der Ziegeleien wieder verteuernd eingewirkt.

Verkehr. Das Geschäft mit dem Auslande ist stark ins Stocken geraten, wozu auch die Verschlechterung des Markkurses im Auslande beitmg. Die Reichsregierung will den Export dadurch erleichtern, daß fie die Ausfuhrabgabeu herabgesetzt und die Ausfuhrkontroll« für viele Artikel aufhebt.

Arbeitsmarkt. Die Zahl der offenen Stellen hat fich bei Bekleidungsgewerbe, bei sonstiger Lohnarbeit nud Haus- lichen Diensten und bei den freien Berufsarten etwas ver­mehrt. In der Landwirtschaft ist fie zurückgegangen.

Ausland. Berichte aus England bezeichnen den Rück­gang der Ausfuhr von Baumwollwaren als geradezu kata­strophal. Die amerik. Ausfuhr im März ist um 105 Mill. Dollar gegen den Februar gefallen.

Dämon des Lebens.

LriminolerzShlung von A. Ostland.

Dieser konnt« jeder Wort hören. Und des­halb jedenfalls wies fie den andern rundweaab*

Kannten Sie den Herrn, welcher dn Nebenzimmer wertete ? sagte Herbert von Ramin rasch.

Sie senkte den Blick und antwortete nicht.

Ist er vielleicht mein Onkel, Wilhelm von Ramin, gnödige Frau?"

L Sie wissen das?-

Ich weiß, daß er hier verkehrt. Und ich bin da, um vielleicht auch ihn vor Schaden zu bewahren.-

Frau Marianne Gloger erhob sich rasch.

Ihn wollen Sie vor Schaden bewahren ? fragte sie mit einem leichten Lächeln.Und dabei droht doch Ihnen selbst die Gefahr. Ich habe die ganze Zeit überlegt, ob ich Sie warnen soll oder nicht. Eigentlich bin ich gebunden, denn ich habe Frau Lilian versprochen, gegen niemand die Namen ihrer Besucher je zu erwähnen. Über da» geht Sie an*

Sie betonte basSie* stark, «in seltsamer Blick flog dabei zu dem jungen Mann hinüber. Und in diesem Momente wußte er es: hier war er nicht vergessen wor­den. Diese Frau hatte ihn noch immer lieb. Sie war aber oberflächlich, leicktsinnig, vielleicht hatte sie nicht ganz klare Moralbegriffe. Aber diese Liebe, welche sie ihm dereinst so offen gezeigt hatt«, und die er so ruhig von sich gewiesen diese Liebe war echt. Und wieder über­kam ihn drückend das Gefühl einer Art von Verantwor­tung ihr gegenüber.

Dies geht Sie an," wiederholte die Frau weicher, und S i e sind eben für mich noch immer eine Aus­nahme. Bitte, erschrecken Sie nicht, Herr von Ramin! Ich will nichts von Ihnen. Nach dem Leben, das ich jetzt führe," sie lächelte bitter,würde ich selbst Sie kaum mehr in meine Kreist ziehe»«. Unsere Wege haben sich

geschieden, und ich gehe nun den meinen allein. Sehen Sie, ich habe nicht viel Glück gehabt! Nicht einmal damit, daß ich den Heiratsantrag Martin Glogers annahm. Die Rechnung stimmte auch da nicht. Und nun sümpfe ich wieder gegen diese« abscheuliche hart« Lebe» ganz wie einst. Nur vielleicht mit anderen Waffen. Mein Himm«h man hilft sich, wie man kann! Frau Lllian Wtlsteaü hat mich hoch bezahlt. (But.*

Ich hab« geschwiegen, habe nicht» gehört und nicht» gesehen*, suhr Frau Marianne fort -über Ihnen ge­genüber und jetzt, da es sich vielleicht um Ihre Zukunft Ihr Erd« handett breche ich eben mein Ver­sprechen. Sie sehen: ein Charakter bin ich noch immer nicht. Und so sage ich Ihnen denn ganz aufrichtig, was ich weiß. Frau Lilian Wilstead heißt gar nicht so, wie sie angibt. Weiß der Himmel, woher sie die Papiere hat!"

In Amerika hat man wohl in bezug auf solche Kleinigkeiten nachsichtige«^ Sie heißt in Wahrheit Lilian von Ramin und tst eigentlich Ihre Ihre Tante, und sie will Ihres Onkels Geld'

Der junge Polizeibeamte war aufgesprungen. Eine große, ehrliche Bestürzung lag auf seinem blassen Gesicht. Sie ist sie ist die Frau meines Onkel» ?' stieß er heftig heror.

Frau Marianne nickte.

Besttmmt. Ich hörte durch dir Dandschalung hier*, sie schob einen gestickten Behang zur Seite,deutlich jedes Wort, da» sie heute vormittag zu Ihrem Onkel sprach. Sie erinnerte ihn an die Zeit, da er sie liebte, da er sie zu einem Schritt verleitet«, den sie später be­reute ; sie sprach von ihrer Hochzeit ich habe den fremd- ländischen Namen der Stadt vergessen, wo diese Hoch­zeit stattgefunden haben soll. Sie war so liebreich und zärtlich mit ihm, und zuletzt kam sie immer wieder dar­auf zu sprechen, daß es eine ungeheure Ungerechtigkeit von Ihrem Onkel sei, sie, seine rechtmäßige Gattin, so ganz zu enterben.*

Frau Marianne schwieg. Herbert von Ramin ging aufgeregt im Zimmer hin und her.

»Über nach ihm» papieren heißt sie doch Wilstead,

Gattin des Otto Wilstead in Mexiko', sagte er endlich grübelnd.

Ja. Aber was da für ein Zusammenhang besteht, das weiß ich nicht. Ich weiß nur nock daß in den letzten Wochen manchmal ein großer älterer Herr hierherkam. Er nannte feinen Namen, aber die Frau war jedesmal furchtbar aufgeregt, wenn er sortging. Was sie sprachen, konnte ich nicht verstehen, sie flüsterten meist nur. Heut« nachmittag aber kam er wieder, sie hatte ihm wahr­scheinlich geschrieben, denn er erwähnte schon im Bor»; -immer etwas von dem letzten Brief. Und nachdem sie im Zimmer drinnen eine Weile aufgeregt, aber sehr leise gesprochen hatten, kam er mit der Dame heran». Sie . hatte nur ihr kleines Handkofferchen, hatte rotgeweinte' Augen und sah erregt aus. Sie teilte mir mit, daß sie für ein paar Tage verreisen müsse. Ob sie wiederkornm«, das wisse fie nicht bestimmt Wenn nicht, so werde sie ihre übrigen Sachen durch einen Menstmann abholen lassen. Der Herr stand unruhig dabei. Er war sehr nervö», schrak bei jedem Schritt, der draußen auf dem Gange erklang, zusammen und mahnte die Frau immer wieder zur Eile. Zuletzt bezahlte er noch alles, was Frau Wilstead, oder besser Frau von Ramin mir schuldig war. Und dann gingen sie*

Und es sind noch allerlei Sachen der Same hi«?* fragte Herbert rasch.

Frau Marianne erhob sich. Sie schritt auf eine Türe zu und öffnete sie. Der junge Mann, welcher ihr gefolgt war, trat hinter ihr in ein großes, jetzt dunkler Schlasziininer. Die Frau entzündete rasch die kleine Lampe, welche auf dem Nachtkästchen neben dem Bette stand, und wandte sich dann zur Türe.

Sie erlauben, daß ich mich einstweilen zurück- ziehe,* sagte sie,es ist mir doch unangenehm, daß ich mein Wort, noch dazu mein bezahltes Wort, brechen mußte. Dabei sein möchte ich nicht, wenn Sie hier nach­forschen, Herr von Ramin. Sie finden müh später drü­ben, in meinem eigenen Zimmer.*

(Fortjetzung folgt)