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Aus der Heimat.
—* Der Himmelfahrtstag präsentierte sich in diesem Jahre, wie in letzter Zeit leider schon so oft, mit nicht ftuderlich ansprechendem Wetter. Zwar haben sich viele Ausflügler trotzdem nicht von dem einmal vorgeuommsum Programm abhalte« lassen, aber im Interesse der auf diesen Tag gesetzte» Hoffnungen und Erwartungen hätten wir doch ein schöneres, sonnigeres Wetter für wünschenswerter gehalten.
—* (Kriegsbeschädigtev-Fürsorge.) Die Frist, innerhalb bet einem Schwerbeschädigten nur gekündigt werde« kann, wenn die Hauptfürsorgestelle zustimmt, wurde vom Reichs- arbeitSminister durch Verordnung vom 18. April bis zum 1. April 1922 verlängert. Die Verordnung tritt mit Wirkung ab 1. Mai 1921 in Kraft.
—* (Riesenfehlbetrag bei der Brotgetreideablieftruag.) Die „Leipziger Neuesten Nachrichten" bringe« unter Nr. 100, vom 12. v. M., unter dieser Ueberschrift eine Drshtmeldung ihrer Berliner Schriftleitung, nach der der Fehlbetrag der Brotgetreideablieferung im Monat März nach Feststellung des preußischen Landwirtschaftsministeriums in Preuße« rund 920 00q Zentner betragen habe. Bei der RG ist von einer Fehlmenge in dieser ungeheuren Höhe nichts bekannt.
—* (Kosteaerstattung für de« Lohnabzug.) Um die Erstattung der durch den Lohnabzug verursachte« Kosten für den Arbeitgeber zu erreichen, hat der Hansa-Bund eine Eingabe an den Reichstag gerichtet, in der verschiede«« Vorschläge zur Lösung dieser schwierigen Frage gemacht werde«. Mit Rücksicht darauf, daß auch den Gemeinde» und Gememdever- Länden für die Uebernahme der Geschäfts der Veranlagung und Erhebung der Umsatz- und Gewerbesteuer eine Entschädigung von 4 Prozent des äbgelteferte« Betrages und die Erhebung einer ReichSabgabe von achtzehnte! Prozent garantiert ist, bittet der Hansa-Bund den Reichstag um eine grundsätzliche bejahende Stellungnahme und die Festlegung der MWMguNg in gesetzlicher Form.
—* (Postkraftwagenverbindung nach dem Kyffßäuser). Um den Besuch des Kyffhäuserdenkmals zu erleichtern, richtet die Postverwaltung vom 1. Mai ab für die Sommermonate eine mehrmalige tägliche Postkrastwagenverbtnduug von Roßla über das Kyffhäufergrbirge «ach Frankenhausen und umgekehrt ein. Es werden bequeme l8-fitzige Kraftomnibusse bester Bauart im Anschluß an die Hauptzüge verkehren. Leider sonnte aus zwingenden Gründen vorläufig nicht der genze Weg bis zum Denkmal für den Kraftwageuverkehr freigegeben werden, doch führt von den Haltestelle« auf dem Kamme des Gebirges ein sehr bequemer Weg ohne Steigungen durch schattige« Buchenwald in kurzer Zeit zum Denkmal. Der Besuch dieser uralten sagenumwobenen deutsche!! Erinnerungsstätte wird dadurch zu mäßigem Preise a-rch alleu denen ermöglicht, die sich den Besuch des Denkmals wegen des damit verbundenen Bergsteigeus aus irgend eiuem Grunde versagen mußten. Gerade in diesem Jahre wird das Verkehrsmittel vielen sehr willkommen sein, da
Areitag« dm 6. Mai 1921
zahlreiche Festlichkeiten von Vereisen usw. am Kyffhäuser- denkmal geplant sind.
Hk. (Zolldeklarationen für das französische Zollgebiet). Diese müssen in deutscher ode- französischer Sprache mit Tinte oder Tintenstift ausgefüllt werden, und wenn sie in deutlicher Sprache ausgefüllt sind, durch genügend Angaben in französischer Sprache vervollständigt werden. Es wird aufgefordert, dies gewissenhaft zu tun, damit Ver- zögerungernuge« durch Rücksendung der unvollständigen Zolldeklarationen an die Absender vermieden werde«.
Hk. (Ausfuhr-Freiliste.) Ein Verzeichnis der neuerdings ohne Ausfuhrbewilligung auszuführeude« Wagen liegt auf der Handelskammer zu Hanau zur Einsichtnahme aus.
Hk. (Orient sWarenmuster^ Messe in Budapest.) Ueber diese vom 14,-27. Mai stattfindende Messe erteilen die ungarischen Konsulate Auskunft und beschaffen auch Einreise, genehmigungen.
Hk. (Landwirtschaftliche Wanderausstellung^ Leipzig.) Ueber diese von der deutschen landwirtschaftlichen Gesellschaft veranstaltete und vom 16.—21. Juni stattfindende Ausstellung liegen Drucksachen auf der Handelskammer zu Hanau aus.
Hk. (50-prozeuttge Wertangabe von deutschen Waren.) Auf der Handelskammer liegen znr Einsichtnahme nunmehr auch die jugoslavischen Verordnungen, das rumänische Gesetz, die einzelnen Verordnungen des englischen Handelsamtes zu« Einsichtnahme aus.
Hk. (Güterverkehr vom unbesetzten nach dem unbesetzten Deutschland.) Nach neuester Verordnung der Eiseubahn- verwaltung werden Stückgüter, welche vom unbesetzten Deutschland z. B. Hanau nach anderen Teile» des unbesetzten Deutschlands z. B Baden versandt werden, nicht mehr durch das besetzt« Gebiet, Ändern um dieses herum geleitet, sodaß ei« Passieren bet Rheiuzollivie vermieden wkd. Mchr ■ äwä an Fracht . stehen den Versendern nicht. Wagenladungen laufen wie bisher durch das besetzte Gebiet.
* Schlächter«. (Bellachini!) Der große Zauberkünstler wird am Sonntag Abe«d im Saale der Turnhalle ein ehemaliges Gastspiel geben. Ueber die Persönlichkeit des große« Meisters der Zauberkunst wird uns mitgeteilt: Seit Generatkonen elektrisiert der Name „Bellachini" diejenigen Theaterbesucher, deren Natur noch in etwas dem Mystizis- mus anhängt und das dürfte die Mehrzahl aller Menschen sein. Bellachinis Vater war einst der berühmteste Zauber künstle« seiner Zeit und manches Mänslein und Weiblein, das sein Treiben auf der Bühne mit vor atemraubendem Interesse und weit aufgerissene« Augen angstvoll verfolgte, schüttelte das Haupt und meinte, daß doch nicht alles mit rechten Dinge» zuginge, daß der leibhaftige Gottseibeiuns doch wohl mit seine Ha«d dabei im Spiäe hätte. Man erzählte sich ungeheuerliche Geschichten von Bellachini. Und der Aberglaube half ihm bei seinen Kunststücken, weil man
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von vornhtrein viklfach a» übernatürliche Kräfte glaubte. — Bellachinis Sohn hat es nicht so leicht. Heute steht man den ZauberZrü u. Hkxrnmeistrrn kritischer entgezenüber. Heute spähen viele aus,wo sie eiwas a«skpio«teren können,was den Hergang erklärt. Und wenn Bellachini H ben Ruhm des Vorgängers gar noch überstrahlt, bann will es etwas heißen. Als bezeichnend für die Leistungen des Künstlers sei erwähnt, daß fast in allen Städten die Vorstellung des Herru Bellachini lange vor Beginn des Theaters ausverkauft war.
* Schlüchtern. (Rund um Spessart—Rhön.) Die be- lannte Fernfahrt vom Gau X des B. D. R., welcher unter Leitung des früheren Radfahrer-Vereins Schweiufnrt am Sonntag, dem 8. Mai oeranSaltei wird, wird sich zu einer wahren Sensation stempeln unb auf der 318,6 km langen zu durchfahrenden Strecke: Schweinfurt—Maibach (Start) Neustadt (4 Uhr) Schönau, Bischofshrim, Gersfeld, Löfcheu- rod (5.45) Schlächtern (6.50) Salmüüster Höchst, Gela- Haufen, Hanau (815) Aschaffeuburg, Marktheidenfeld (10.50) Würzburg (11.55) Bergtheim, Schweinfurt—Maibach (1.45) die Aufmerksamkeit des gesamten Publikums auf sich leukeu. Die Meldnugen' der Amateure sind zahlreicher angelaufen, als wie die der Berufsfahrer. Die Schweiufurter hab«« auch' ihre bekannte Mannschaft Pfister, Sachs, Zeisner und Schneiderwind, welche die 4 ersten Plätze in der „Bayers« scheu Rundfahrt" belegt haben, gemeldet und unter diesen ist auch sicher der Sieger zu finden. Es ist kaum auzu- «ehm««, daß auswärtige Amateure ben Schweinfurtern den Sieg streitig ' machen können, da diese gut vorbereitet "ins Reimes gehen. Bei den Berufsstraßenfahrern ist es schwieriger ben Sieger zu bestimmen, weil der Leistungsdurchschnitt qualitativ wefentltdj höher zu bewerte» ist. Wenn wir in Geisdorf, Siewert oder Paul Kohl ben Sieger erblicken, so geschieh! es nicht, um etwa'dadurch die Form Aberger ober Gebr. Huschke zurückzusetzen, sondern weil dirs« in ben letzte« Rennen eine sehr leichte Fahrweise unter ständiger Verheerung ihrer $>«f q«zeigt habe». Aberger hat bereits 7 Rennen ohne -Hz^ra Reisevschade« beendet und er muß damit regnen, daß auch ihm das Schicksal mal ereilt, morunter auch die von uns getippten Fahrer bisher zu leiden hatten, während Gebr. Huschke noch etwas unter der erlittenen Erkältung zu' letden^habsn. Der kleine Zander (Berlin) der neben Oskar Michael (Berlin) unb Straßer (Schweinfurt) im Bergrennen eine große Rolle spielt, darf nicht außer Acht gelassen werden. Auch Schenckel, Leipzig und die beiden Kölner Steingaß und Fifcher muß besondere Achtung geschenkt werben. Es werden sich auf der ganzen Strecke spannende Kämpfe abspielen, unb das schwere Berg- rennen wird nicht nur gegen die Fahrer hohe Anforderungen stellen, sondern auch gegen die zu benutzenden Fabrikate. Der Start der Amateure erfolgt in Schweinfurt—Maibach früh 2.30, für Berufsfahrer um 3 Uhr. In der Hauptkontrollstelle Hasau ist eine Zwangspause von 20 Minute» errichtet. Die in () hinter einzelnen Ortschaften angegebene» Zahlen sind die "mutmaßlichen DurchfahrtSzertru.
Dämon öes Lebens.
Krimmaterzählung von A. Ostland.
(Nachdruck verboten.)
Der junge Mann sah verwirrt die helle Erscheinung an. Und dann, einer plötzlichen Eingebung folgend, streckte er rasch die Hand aus:
„Maria Anna — wirklich?"
Er stieß den Namen aufgeregt hervor. Und nun wußte er es plötzlich, was ihn so beängstigt hatte, weshalb er mit eine n io sonderbaren Druck hierhergegangen war! Ihm war eben schon damals, als er hier nach dem Spanier forschte, ohne daß er sich der Sache recht klar wurde, die große Aehnlichkeit ausgefallen zwischen der Inhaberin dieser Wohnung und seiner einstigen Bekannten, der Generalstocht« Maria Anna von Linsmann. Die Erinnerung an oas eigenartig schöne Mädchen, welches er durch einen Zufall kennengelernt hatte, war sofort in ihm wach geworden, trotjbem er sie bei jenem ersten Zusammentreffen bloß flüchttg sah. Und diese Erinnerung war ihm peinlich und traurig zugleich. Er hatte einst angenehm und ft-undiich mit dem Mädchen verkehrt Gute Freunde sagten ihm, daß sie wahrscheinlich weit alter sei, als er selbst. Das hatte tyn nicht gehindert, oe,m er liebte sie nicht. Sie gefiel ihm nur in ihrer Rotten Art, und er unterhielt sich gerne mit ihr. Bis er eines Tages merken mußte, daß er ihr mehr geworden war, daß sie ihn liebte.
Er war nie einem heiteren Abenteuer geradezu aus« gewichen. Hier aber tat er es. Denn das ganz verwaiste Mädchen tat ihm leid. Und er wußte es doch genau, daß er niemals mehr für sie empfinden konnte, als eine auf- Wige, freundschaftliche Zuneigung. So zog er sich rasch zurück. Ein paar Jahre später hörte er von ihrer Ver- lobung mit einem alten Privatier einem sehr unsympa- MMwi Menschen von zweifelhaftem Rufe. Und wieder '« paar Lahn danach 1a» «t in her Zeitung, daß Meier
Mann gestorben war; der Name war ihm dings total entfallen.
Also war Maria Anna Witwe . . .
Sie schien seine Gedanken zu erraten, ihm voranschritt nach dem kleinen, hübschen
seither aller
Während sie salon, plau-
einem Jahre.
derte sie schon weiter:
„Ja, ich bin Witwe. Seit mehr als einem Jahre. Und noch dazu eine Witwe, die sich selber weiterhelfen muß. Ich vermiete hier die beiden Zimmer an distin guierte Fremde. Frau Lilian Wilstead wohnte gleichfalls hier. Was wollen Sie von ihr? Kennen Sie sie?"
Er hatte sich nunmehr von seinem Erstaunen erhol! Für den kühl reservierten Ton war er ihr dankbar. Mi einigen flüchtigen Worten sprach er seine Freude au? überde Zufall, der ihn neuerlich mit ihr zusammenführte. Dan kam er sofort auf Frau Lilian Wilstead zu sprechen.
„Haben Sie die Papiere dieser Dame gesehen?"
fragte er artig.
Frau Marianna nickte.
„Gewiß. Sie sind in Ordnung. Frau Lilian Wilstead, Gattin des Herrn Otto Wilstead in Mexiko ..."
„Otto Wilstead ..." Er stieß den Namen hastig hervor. Wilstead ... konnte dies nicht ganz gut Willstadt heißen? War der deutsche Name nicht einfach ins Englische übersetzt worden? Dann wäre die Frau am Ende die Gattin des Hauptmanns Otto Willstadt, des Vaters seiner Edith? Und Ediths Mutter?
Die Gedanken Herberts verwirrten sich. Aber Frau Marianne sprach anscheinend ruhig weiter.
„Also: die Dame stammt aus Mexiko. Sie heißt mit : dem Familiennamen Aldermore. Und sie hat auch hier ! eine Reihe recht einflußreicher Bekannter, welche sie nie anders nennen."
„Ja, ich weiß", stieß Herbert hervor. „Und mit diesen Bekannten macht sie häufig ein kleines Spiel. Leider wird etwas hoch gespielt, gnädig« Frau. Sollten Sie davon unterrichtet sein?"
Frau Mariannens Gesicht wurde noch um einen Schein blässer.
e6te wollen doch damit nicht sagen, daß es mit dem I
Spiel irgendeine Bewandtnis hat?" sagte sie aufgeregt. ,3$ — ich — weiß von nichts — von gar nichts. Aber ich möchte alles vermeiden, was einen falschen Schein auf mich werken könnte. Ich hatte schon einmal Unannehm- lichkeiten mit der Polizei. ANerdmgs bloß indirekr. Sie wissen, Herr von Ramin, jener Spanier war nicht einwandfrei. Ich wurde gewarnt, in Hinkunft sorgsamer in der Aufnahme meiner Mieter zu sein. Mein Gott! Was oll man tun, wenn man angewiesen ist auf Verdienst?"
Sie sah den jungen Mann kläglich an. Er fühlte es enau heraus, daß sie Komödie spielte, und doch tat sie nn leid. Man hatte damals schon, als er sie kennen- ernte, viel über ihrenVater und ihrVacerhans gesprochen. Es gab da allerhand dunkle Punkte. Dann halte sie ihn, Herbert o. Ramm, liebgewonnen. In jener Zeit war sie ernster, besser gewesen, als jemals früher, das sagten alle die sie kannten. Vielleicht hätte er die Macht gehabt, sie auf den rechten Weg zu leiten. Aber er hatte sich kühl zurückgezogen. Unb nun glitt pe, wie es ihm schien, schon mit ziemlicher Geschwindigkeit bergab ...
„Gnädige Frau," sagte er entschlossen, „spielen wir nicht Versteck voreinander! Das führt zu nichts. Ihre Mieterin ist der Polizei sehr verdächtig. Hier itt meine Vollmacht. Und nun sagen Sie mir, bitte, alles, was Sie über die Dame wissen! Wenn Sie aufrichtig sind, so soll Ihnen selbst gar nichts geschehen."
Aufrichtig?" wiederholte Marianne Gloger mit unsicherer Stimme. „Ja, was kaun ich da sagen? Ich weiß nur; daß gespielt wird —"
„Hoch?"
nieste
„Ziemlich.' Ich hörte durch die Tür von Verlusten, die immerhin mehrere hundert Kronen Decken, -knd gestern früh war ein Herr da, ich kenne ihn n» yt bei Gott — der schrie furchtbar mit Frau Wüste d und beklag.« gern Geld und sagte, wenn sie seinen Her «am rag nicht an- nehme, so zeige er ihr Vorgehen an. Sre hat,h» aber abgewiesen, denn im N.benzu . er war ein anderer Herr, mit dem hatte jie gerade früher sehr zärtlich und liebreich gesprochen." (Fortsetzung folgt^