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Schlüchierller Krets*( alt

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Aus der Heimat.

31* (Himmelfahrt.) Als Vorläufer des PfingsifssteS ist I der Himmelfahrtstag herangenaht. Wie alle auf einen Wochentag fallende» Feste erfreut sich auch dieses schon des­halb ganz besonderer Wertschätzung, reißt es uns doch ganz unvermutet für einen volle» Tag aus dem ewige» Einerlei des Alltags heraus. Und von jeher ist $ erabe der Hirnmel- fahrtstag für Ausflüge und Wanderfahrten ein ganz beson­ders beliebter Tag gewesen, wobei viel die Tatsache beiträgt, daß die noch nicht allzu sommerliche Witterung ohne vor­zeitige Ermüdung und Erschlaffung selbst weite Ausflüge * gestattet. Auch etwas unzuverlässiges Wetter pflegt au diesem Tage kein ernsthaftes Hindernis zu sein, denn der Drang »ach draußen ist »ach der langen Winterzeit ein allzu großer. Hoffen wir deshalb, daß Petrus ein Einsehen ? haben und uns mit erstklassigem Frühjahrswetter aufwärts«

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R Hüterin des Hauses hat trotz meistens doch an diesem Tage und sobald sie erst gesprochen

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:^ töie dumm!" w § Beruhigung zu lügen MirtlBV_ »to^^* «mI«

: wird, damit wir alle etwas davon haben. In dieser Hoff- L rang rufen wir allen Wanderfreundt» zu: Glück auf den | Weg!

* Zeitbilder. (Eine Herrenpartie am Himmelfahrts-

: tage.) Himmelfahrt ins Freie wandern (nur des schönen Wetters wegen!) ist ein Brauch, den schon seit langem : stets die Herr'n der Schöpfung pflegen, denn die trotz schönstem Frühjahrshut ,- ~«Uv A die Großreinemachewut, sobald sie erst gesprochen:Geh doch lieber mal : allein!", pflegt der Mann mit solcher Lösung ganz zufrieden meist zu sein. Früh um sieben an der Ecke M trifft sich die fidele Schar, jco-r ganz so ausgelassen, wie er in der Jugend war, und mit raschen Schritten wandert man hinaus zur grünen Flur, denn erst draußen vor dem Städtchen fühlt man sich ganz sicher nur. Florbestrümpften Mädchenbeinen schaut man nach mit Kennerblicken, warum soll sich nicht das Auge auf an sowas mal erquicke»? - J°'' fssche, flotte Kleine -- wird verulkt und angelacht, nein, was ohne Muttees so ein Weg Vergnügen macht! Draußen in des Waldes Schänke trinkt man Kognak möglichst fleißig - und poussiert die dralle Hebe, die noch jung ist - Mae dreißig, mit gewagten Scherzen fühlt man ihrer Tugend auf den Zahn, manchmal pflegt sie dann zu lachen, manchmal schnauzt sie einen an. So in lang' Ehrten Freude» - geht im Nu der Tag herum, W «a» abends spät nach Hause, - sagt ein jeder:Ach, " und zu Hause pflegt dann jeder zur Ut^»:Wenn du nicht dabei bist, Mutter, macht es wirklich kein Vergnügen.

- . _ Walter-Walter.

M ._ (Neuer Titel.) Nach einer Verordnung führen die Vorsteher der Landesbauämter nicht mehr den Titel Landes - vamat, sondern Provinzialbaurat.

» Fbie spare ich Postgebühren.) Nach den Leipziger «euest. Nachrichten tut man das, wenn man sich folgendes

Mittwoch, d«t4. Mai 1921

merkt: 1. Wähle stattder teueren Briefe die billigeren Karte». Unsere Zeit bräü nach Kürze. 2. Verzichte auch auf diese, weun du glyzeitig Geld zu übermitteln hast. Was läßt sich auf dem Achnitte einer Post- ober Zahlungs­anweisung, eines Schecks w alles niederschreiben! 3. Wähle fortan für deine Reklame im. die Kartenform. Du ersparst bet jedem Stück 5 Pfg. dennoffene Drucksachenkarten', kosten jetzt nur 10 Pfg »lässig bis zur Größe der Post­karten. Absendungsort unltag, Name, Stand und Wohnung des Absenders können hrdschriftlich nachgetraaen werden, aber »ichts anderes. 4. K du jemand Grüße, Glückwünsche oder andere Höflichkeiten mdzutu», so greife zur Austchts- karte. Fünf Worte auf er Vorderseite niedergeschrieben, dazu noch Absendungsort und -tag, Namen, Stand und Wohnung des Absenders kosten ganze 15 Pfg. Ob ein, oder mehrer Absender, der rost ist's gleich (also auch Paul Müller und Frau, Robit Schulze und Familie). Me deine Waudergenoffen, unb )ären es hundert, können auf der Vorderseite unterzchuen. Höflichkeitsformeln sind auchGruß und Kuß",tasend Küsse" und berät 5. Noch wirtschaftlicher ist's, eine Anchtskarte mit gedruckter Gruß- oder GlückwunsHiuschrift ub. zu wählen. Sie kostet als offene Drucksachenkarte" (Bedingungen unter 3) 10 Pfg. Die närrische Gewohnheit, dem gedruckten Gruße hand­schriftlich das Wortsendt" hinzuzufügen, trägt dem Empfänger aber Nachschußgdühr ein. 6. Liebesleute und alle, die viel Worte machen, »erden gut tun, Ansichtskarten wie Postkarten freizumachen, er allem dann stets, wenn sie den Grüßen, Glückwünschen nd sonstige» Höflichkeite» noch Fragen über das Wohibrfind« u. a. m. hinzufügen wollen. 7. Bist du im Zweifel, ob kline W-lreumengen zweckmäßiger alsWareuproben" oderPckchen" zu versenden seien, so bedenke, daß nur letztere» Biese beigegeben werden dürfe». 8. Verschaffe dir ein Verzeichiis aller Postorte der Nahzone für Pakete; es erspart bb gewaltige Gebührenverluste.

9. Bsdenks weiter: der ßostscheckoerkehr ist die billigste GetvüöerülttLluug. S^-^x»

* (Aussetzung und Erlaß der StrafooLMnnä). Nach einem Erlaß des Rrichspräsidsttza kann der Reichsminister der Justiz die außerordentlich!» Gerichte ermächtigen, die Vollstreckung der gerichtlich fftgesetzten Freiheitsstrafen von nicht mehr als sechs Moufien unter Bestimmung einer Bewährungsfrist auszusetze», Ite bewilligte bedingte Straf­aussetzung zuwiderrufen und Freiheitsstrafen von nicht mehr als sechs Monaten sowie Gedstrafeu, zu deren Ersatz solche Freiheitsstrafen festgesetz find nach Ablauf der Bewährungs­frist zu erlassen.

* Schlächtern. (Frankfurter Künstlertheater für Rhein und Main.Der zerbrochene Krug".) Leo Deliau spielte den Dorfrichter seh: natürlich. Er wußte mit Ge schicklichkeit den unverschämtin, verschlagenen und verlogenen Menschen wiederzugeben, bet sich schließlich im Kampfe nach zwei Seiten in der Schlirge verfängt. Den scheinheiligen GerichtSschreiber traf Marin Gleilner ansc-ezeichnet. Wi^ly

78. Iahrg.

UmmingerS Gerichtsrat spann mit überlegener Sicherheit seine FädeZ. Als Frau Marthe zeigte Gertrud Bergmann eine «uumstößliche Ueberzeugungskraft. Deu Ruprecht bracht« Haus Otto gut. Herta Genzner hat als Frau Brigitte be­friedigt. Das Publikum spendete lebhaften Beifall.

* Salmüafier. Als Ergänzung zum Artikel über den noch glückliche» AuSgang des Mißgeschicks unseres neuen Jagdpächters, Dr. Küster, imEngel" hier sei noch berichtet: Es war nicht der in weiten Kreisen der Jägerwelt bekannt«, allseitig beliebte, in Ausübung des edlen WeidwerkS alt ge­wordene Jagdaufseher Ludwig Autoni, in beffen Händen das Gewehr sich entlud. Als erfahrener Jäger mit dem nötigen kalten Blut hätte er auch hier absolute Vorsicht ge­braucht. Herr Küster hat noch einen weiteren Jagdaufseher, dem Genanntes passierte, der aber im Glauben, die Waffe sei entladen, gehandelt hat. Herrn Mayer trifft deshalb keine Schuld.

* Flieden. Nach langem schweren Leiden verschied der 52jährige Eisenbahaassistent Ferdinand Henkel. Der Ver­storbene hinterläßt 6 unuerforgte Kinder. Assistent Siegel- mann ist vom 1. Mai ab in gleicher Eigenschaft nach Frankfurt a. M. versetzt.

* Flieden. Das 6 jährige Töchterchen des BahuarbeiterS Aagust Möller dahier wollte einem vorbeifahreuden Holz- wagen (in Stückchen Holz entnehmen. Das Kind geriet unter die Räder, welche über die Beine fuhren. Das bedauernswerte Kind wurde sofort nach dem Landkranken- Hause in Fulda verbracht, wo es schwer daruiederlirgt. An seinem Aufkommen wird gezweifelt.

* Fulda. Herr Studiemat Professor Dr. Schmitt- Henne am hiesigen Gymnasium, der fich einer Operation im Krankenhause unterziehen mußte, ist bis zum 1. Juli b. Jz. beurlaubt.

* Fulda. Der Mindesteinkommeusteuer, die von den städtischen Körperschaften für das Jahr 1921/22 beschlossen worden war und etwa 450 000 Mark erbringen sollte, ist die staatliche Genehmigung versagt worden.

M>i2»®t Auf >M GMbe eines kürzlich verstorbenen Buchbindermeisters in HflderS ist folgende eigenartige Inschrift zu lesen:Der Bücher gut und schlecht gebunden, Hat hier seinen Herrn gefunden. Er ruht brochiert in feinen Sünden, Bis Gott ihn einst wird Halbfraaz binden" (Halbfranz ist bekavnUich ein besserer Einband mit Goldschnitt.)

Eine Konferenz über die Aiederlage der bolschewistischen Propaganda in Westeuropa.

DieMvruiugpoft" meldet über Helsingfors aus Moskau: Hier hat eine wichtige Konferenz aller Bolkskommifiare Sowjetrußlands stattgefunden, in der die Maßnahmen be­sprochen wurden, um den anti-bolschewistii^v Feldzug in West- und Mitteleuropa zu betämpfen und um für die bolschewistische Sache zu werben. Trotzki erklärt, daß der Kommunismus infolge des Scheiterns des großen Streikes in England und des ZnsammenbrucheZ der Osterrevolution in Deutschland einen folgenschweren Schlug erlitten habe.

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Dämon öes Lebens.

Kriminaierzählung von A. Ostland.

^ Machdruck verboten)

Lieber Raniin," sagte er herzlicher, als es sonst feine Art war,es ist mir äußerst angenehm, daß Sie heute noch so spät ins Bureau kommen. Ich habe da eine Anzeige erhalten anonym natürlich, deren Klarlegung viel Takt und Feingefühl verlangt. Es han- . scheint es, um eine Dame der besseren Kreise, eine Amerikanerin oder Engländerin, welche seit einigen Wochen hier in Wien wohnt. Hier ist die Adresse: 1. Bezirk, Mariengasse 2, 4. Stock, Lilian Wilstead. Nach diesem Briefe hier lebt die Dame sehr zurückgezogen. Nur Herrenbesuche empfängt sie dann und wann, meist ziemlich spät abends. Dann arrangiert sie regelmäßig ein Spielchen. Und dabei gewinnt sie ebenso regelmäßig sehr hoch, denn die Einsätze sind beträchtlich. Hier der unge­nannte Briefschreiber will vor einigen Tagen mehrere hun- uert Kronen in diesem .Salon' verloren haben. Und er behauptet, daß die schöne Wirtin nicht einwandfrei spiele. Eine heikle Geschichte. Jedenfalls sehr verdächtig. Ich mochte Sie nun bitten, sich im Hause und bei den Woh- "ungsgebern ein wenig nach dieser Dame zu erkundigen; vielleicht könnten wir unter einem Borwande auch ihre eigene Bekanntschaft niachen, ihre Papiere zur Prüfung vegehren usw. Es sind da sehr hervorragende Namen auf der Liste, welche dieser anonyme Briefschreiber mir landte. Unter anderen auch ein Herr v. Raniin

Herbert sah verwundert auf.

Ramin?" ,

fi.k."® «®iB- D"b Sie es nicht sind, ist klar, denn hier

An alter Herr von Ramin'. Also wahrscheinlich Ihr Onkel. Die Sache könnte für alle Beteiligten sehr peinlich werden. Ich sprach bereits deswegen an oberster «teile vor. Man wünscht absolut keinen Skandal, kein -oeuungsgewüsch. Beruhen die Angaben hier auf Rich- »»Breit, so werden wir die betreffende Dame vorladen

und zu sofortiger Abreise zwingen. Damit ist die Sache wohl beendet. Aber not handelt es sich darum, das Not­wendige herauszubekommen.

Man ist bei der Direktion sehr gespannt, was man er­fahren wird. Iedenfald ist der Auftrag ein ehrenvoller für Sie, Herr von Ranin. Sie können sich auszeichnen, vorwärtskommen. Und überdies: Sie können Ihrem alten Onkel einen Sienft erweisen, ohne daß er eine Ahnung davon hat, und können ihn warnen. Hier ist Ihre Vollmacht für den Notfall. Und morgen früh ersuche ich, mir mitzuteilen, was Sie erreichten."

Eine halbe Stunde später schritt Herbert von Ramin durch die hellerleuchteien Straßen der Innern Stadt. Es war schon ziemlich spät; eben schlug die Turmuhr von St. Stephan neun Uhr, als er in die sehr enge, kleine Nebengasse einbog, welche mit ihren hohen, schmalbrüsti­gen, uralten Häusem mehr einem Schlauch als einer Gasse ähnelte. Ein feiner Nebel verschleierte die Gegen- , stände ringsum und ließ die ohnehin düstere Umgebung

noch düsterer erscheinen.

Herbert von Ramin betrachtete aufmerksam die Fron ten der Häuser. Hier dieses hohe, sehr alte Gebäude, dies war das richtige. Fast zögernd öffnete er das schmal Haustor. Wie schon so oft, befiel ihn auch heute wiedri eine starke Abneigung gegen die Anforderungen, welche sein Beruf an ihn stellte. .Dieses Nachforschen und Ein bringen in die GeheimAsse anderer Menschen erschien ihm häßlich und unanaenebm. Andererseits reizte ihn geradi

häßlich und unangenehm. Andererseits reizte ihn geradi diesmal die Sache sehr, denn der Name seines Onkel war ja damit verknüpft.

Und es ging ihm seltsam: er mußte immer wieder a- dunkle Frauenerscheinung denken, welche er heul, nachmittag neben Ediths Vater gesehen hatte. Auch dies. Frau hatte den Namen seines Onkels genannt; sie hatti ihn einladen wollen.

die

Während er die ausgetretenen Stufen bis zum dritten Stockwerke emporstieg, dachte er plötzlich daran, daß er ja schon einmal in diesem Hause gewesen sei. Da- war un­gefähr ein Jahr her. Damals hatte hier auch im dritten Stock« ein spanischer Offizier gewohnt. Auch keine j

ganz lautere Persönlichkeit

Ob das wohl in der

gleichen Wohnung war? Er betrat den schmalen Gang und orientierte sich rasch. Dort ja, das war die Türe!

Frau Marianne Gloger" las er auf dem blantpoiierien Schildchen. Gewiß: Jener Spanier hatte gleichfalls bei dieser Frau Gloger gewohnt.

Er klingelte, beinahe ein wenig zögernd. Wre eine plötzliche Angst überkam es ihn. Aber er wußte selbst nicht, wovor er sich fürchtete.

Von drinnen klang ein leichter Schritt. Gleich darauf stand eine zierliche, lichtgekleidete Franengesto.lt in der offenen Türe. Als die Dame Ramin erblickte, glitt ein leichtes Rot - über ihr zartes, feingeschnittenes Gesicht. Es schien, als rkannte sie ihn sofort. Trotzdem fragte sie förmlich nach einen Wünschen. Als er den Namen Lilian Wilstead nannte, schüttelte sie den wohlsrisierten Kopf.

Die Dame ist leider verreist. Sjeute nachmittags. Ganz plötzlich."

Herbert von Ramin trat dessenungeachtet über die Schwelle. In dem kleinen Vorraum stellte er «ut und 5toct weg.

Verreist?" entgegnete er,o, das tut mir leid. Ich ätte ein paar Fragen an die Dame zu richten gehabt, aebrigens, vielleicht könnten Sie mir dieselben beantworten; gnädige graul"

Marianne Gloger sah ihn mit unichuldigen ver­fugen an. Sie verstand es voxtrefflich, durch allerle' Toilettenkünste und besonders durch den eigentümlich lind« Üchen Ausdruck ihres Gesichtchens ihr wahres Alter weg.» -utäufchen. Niemand hatte gedacht, daß diese zierliche, ellblonde Frau die Mitte der Dreißig schon stark über- chritten hatte. Und als sie jetzt so im kalben Licht dieser Vorzimmerbeleuchtung vor Ramin stand, sah sie langer, bischer, unerfahrener aus, als manches Mädchen von zwanzig Jahren. Nur ihr Benehmen war weit sicherer

Statt eine Antwort auf seine Frage zu geben, stellte sie eine Gegenfrage.

<ien- von Ramin Sie erkennen nud; wirklich nicht

mehr?

(Fortsetzung folgt.)