Anzeige«: It Zeile oder deren Raum 1 Mk., Reklame- zeile 3 Mk. sämtl. ohne besonderen Zuschlag. Bei Betriebsstörungen kein Schadenersatz oder Mindergebühr einschl. BezugS. Seine »«währ für Platz, Aufnahmezei» und Belrglieferung. Kein Nachlaß bei gerichtlichen Zwischen- kesten. Zählkarte Frankfurt a. M. Nummer 1U03.
»^«gSpreiS »orauSzahlbar nrerteli. durch die Post Mk. 12—, durch unsere Träger Mr. 10,80, bei uns abgeholt Mk. 10.—. «rfchrtnt an Wochentagen nachmittags. Druck u. Verlag k Hochmeister, verantwortlich H.-E. Hohmeister, Schlüchtern. Fernruf 65. Erfüllungsort für den gesamten TeschSftS- verkehr mtt der Firma Schlüchtern.
Schlüchlerner KreisMatt. - - — Fchlüchterner Tageblatt. GegrZndet im Jahre 1849 unter dem Titel DeV ^si^'f^etg.
4? 99 Ireitag, den 29. April 1921 ™ 73. ^avrg.
Die neuen Kinkommengenersätze.
Es beträgt die Steuer:
© §
Mark
für einen alleinstehenden Tteuervflich-
. tigen
für einen Steuer- psüchtigen mit
1 Hinzurechnungr- pflichtigen Person
für einen Steuerpflichtigen mit
3 Hinzurechnungs- pflichtigen Personen
für einen Steuerpflichtigen mit
5 Hinzurechnungs- pfltchttgen Personen
nach dem bisher!,en Sesetz
Mark
nach den neuen Beschlüssen
Mark
nach dem bib- berigen
Gese, Mark
nach den neuen Beschlüssen
Mark
nach dem bisherigen Besetz
Mark
nach den neuen Beschlüssen Mark
nach dem bisherigen Gesetz
Mark
nach den neuen
Be-
schlüssen
Mark-
4000
270
280
210
160
60
—-
—
6000
530
480
460
360
282
120
122
—
8000
830
680
750
550
544
320
356
80
10000
1170
880
1080
760
846
520
630
280
12000
1550
1080
1450
960
1260
720
1080
480
14000
1970
1280
1860
1260
1650
920
1450
680
16000
2430
148(
2310
1360
2080
1120
1860
880
18000
2925
1680
2800
1560
2550
1320
2310
1080
20 000
3440
1880
3310
1760
3050
1520
2800
1280
22000
3975
2081
3840
1960
3570
1720
3310
1480
24000
4530
2280
4390
2160
4110
1920
3840
1680
25000
4815
2480
4670
2360
4390
2120
4110
1880
30000
6305
3480
6150
3360
5850
3120
5550
2880
35000
7880
4730
7720
4610
7400
4370
7080
4130
40000
9540
6231
9370
6110
903g
5870
8700
5630
45000
11275
7980
11100
786C
10750
7620
10409
7380
50000
13060
9980
12880
9860
15520
9620
12160
, 9320
Aus der Heimat
—* Wir hören: „Im Steuerausschuß des Reichstages gab Reichsfinanzminister Dr. Wirth die Erklärung ab, daß die Frist zur Abgabe der Steuererklärung, die am 30. April abläuft, bis zum 15. Mai verlängert werden wird. Auf eine weitere Fristverlängerung solle aber dann niemand Anspruch erheben können." — Dem Fruauz- amt in Schlüchtern ist bis zur Stunde von einer Fristverlängerung nichts bekannt. Die Steuerpflichtigen haben demnach den 30. April als Endtermin zu betrachten.
—* Pfingstferien. Der Herr Oberpräfident hat die Pfingstferien für alle höheren, mittleren und Volksschule im Regierungsbezirk Kassel wie folgt festgesetzt: Schluß des Schulunterrichts: Freitag, den 13. Mai, Wiederbeginn des Schulunterrichts: Freitag, den 20. Mai. — An den israelitischen Volksschulen beginnen die Pfingstferien Samstag, den 11. Juni und dauern bis einschließlich Donnerstag, den 16. Juni. Die gegenwärtigen Paffah-Ferien haben Montag, den 3. Mal ihr Ende.
—* Die bekannte Rindviehzuchtgenossenschaft tu Gers- seld (Rhön) für Simmentaler Hochzucht hält ihre« diesjährigen Zuchtviehmarkt am 18. Mai d. Js. in Gersfeld ab. Auf die Bekanntmachung im Anzeigenteil machen wir be- , sonders aufmerksam.
—* (Reine Zwanasvenfionrertma bei den Gemeinden.)
| Der Deutsche Städtetag hat durch seinen Personalausschuß zu den Vorschriften des Gesetzes über die Einführung der Altersgrenze von 65 Jahren für die KommunalLeamten Stellung genommen. Bekanntlich können die Gemeinden durch ein Ortsstatut eine gleiche Regelung wie der Staat zu jener Frage trcffen. Einstweilen hält man den Erlaß eines solche« Ortsstaiuts für entbehrlich, da auf Grund des Paragr. 12 Absatz 3 des Kommunalbeamtengesetzes die Zwangspenstonierung von Gemeindeheamtsn, die für den Dienst nicht mehr geeignet find, schon jetzt erreicht werden kann. Darüber hinaus auch die dienstfähigen Beamten über 65 Jahre ohne weiteres zu pensionieren, wird vom Personal ausschuß, zumal bei der Finanzlage der Gemeinden, als nicht im Jutereffe der Verwaltung liegend, nicht empfohlen. Will man erreichen, daß jüngere Kräfte nicht zu laufe auf Anstellung oder Aufrückung zu warten haben, so kann durch Schaffung neuer Beamtenstellen oder Umwandlung in höher eingestufte Stellen Abhilfe geschaff-s werden.
—* (Warnung vor dem juristischen Studium.) Die Tatsache, daß zur Zeit ein großer Mangel an Aff-fforcn besteht, hat vielfach den irrigen Glauben erweckt, daß die Aussichten für die juristische Laufbahn besser geworden seien als früher. Das preußische Staatsministerium weist dagegen darauf hin, daß dieser Mangel nur vorübergehend sei und warnt aufs allernachdrücklichste vor dem juristischem Studium; es rät sogar denjenigen, die das Studium begonnen haben, zu einer nochmaligen Selbstprüfung, ob sie es durchführen wollen. Es wird darauf hiu^ewieseu, daß nach § 13 des Beamtendiensteinkommengesetze - in Zukunft nur noch so viel Gerichtsassefforeu als Anwärter für Richter- und Staatsanwalt' stellen eingestellt werden, wie der Bedarf es erfordert. Ueber diese Zahl hinaus besteht auf eine Anstellung im Justizdienst keine Aussicht. Zugleich wird darauf aufmerksam gema-Lt, daß die Ausfichten tm Rrchtsanwaltsberuf sich erheblich verschlechtert haben. Die vom Justizministerium veröffentlichten Zahlen oeweifen, wk LZtig dies^ Warnung ist.
—* Zum 6 Uhr-Ladenschluß wird aus Frankfurt a- M. geschrieben: Wir berichteten kürzlich, daß zufolge richtlicher Entscheidung eine Ministerialverfügung ergangen, welche den sogen. 6 Uhr-Ladenschluß aufhebt. Eine gesetzliche Ver- pflichtung, offene Verkaufsstellen, Läden usw. um 6 Uhr zu schließen, besteht überhaupt nicht. Auf eine Anfrage des Bürger-AusschusseS in Frankfurt haben Polizeipräsident und Handelskammer Klarheit darüber geschaffen, daß der 6 Uhr- Ladenschluß ausschließlich durch Rücksichten der Beleuchtungs- ersparuiS bedingt war und in der gegenwärtige« Jahreszeit, in der die Tage länger, nicht mehr obligatorisch ist. Obligatorisch ist nur auf Grund der Verordnung über die Regelung der Arbeitszeit der Angestellten vom 18. März 1919, daß von 7 Uhr abends bis 7 Uhr morgens die Geschäfts geschloffen find. Also es gibt keinen 6 Uhr- sondern nur einen gesetzlichen 7 Uhr-Ladenschluß.
* Schlüchtern. Am Montag, den 2. Mai 1921 abends 8 M?- fvbet eine öff-ntliSe Sitzung der Stadtverordneten-
Versammlung mit nachstehender Tagesordnung statt. 1 Verhandlungen mit dem Finanzamt betreffend Mietung des Köhler'schen Anwesens. 2. Bewilligung eines Beitrages für den deutschen Schulverein Tuchel (Westpreußen). 3. Einsetzung einer Kommission zur Verteilung des Brennholzes im Stadtwald. 4, Wahlen zu dem ueugebildeten Woh- nungsausschuß. 5. N-ubeschaffung eines Herdes für das Schlößchen. 6. Spende des Schlüchterner Freuudschafts- bundes in Newyork betr.
* Schlüchtern. Das Lustspiel „Der zerbrochene Krug" von Heinrich von Kleist, das das Frankfurter Künstlerthsater für Rhein und Mais am Dienstag, den 3. Mai, abends 8 Ubr in der Turnhalle zur Aufführung bringt, hat eine auektotenhafte interessante Entstehungsgeschichte. Während seines Aufenthaltes in Bern war Kleist häufig mit dem bekannten Novellisten Zschokke und einem Sohne WiekavdS zusammen. In dem Zusammeukunftszimmer hing ein Stich, der die uns nun aus dem Werke vertraute Scene „vor Gericht" darstellt. Man kam überrin, daß jeder der drei Freunde den Stoff is seiner Weise behandeln solle. AschokkeS und Wielands Arbeiten sind längst verschollen. In unvergänglicher Meisterschaft leuchtet „Der zerbrochene Krug" Heinrich von Kleists.
* Schlüchtern. (Berichtigung.) Unter den bei Herrn Justizrats Henrichs gestohlenen Lebensmitteln hat sich, wie wir soeben erfahren, kein Bohnensalat befunden.
* Sterbfritz. Der Sterbfritz er Konsumverein G. m. b. H. ist laut Beschluß des Amtsgerichts Schwarzenfels unter Geschästsaufficht zur Abwendung des Konkursverfahrens gestellt worden. Als Aufsichtsperson ist der Kaufmann Max Deffauer, Sterbfritz, bestimmt. Gläubigerversammlung ist auf den 11. Mai anberaumt. Wie man hört, soll der Konsumverein stark überschuldet sein und es wird wohl mit größeren Verlusten gerechnet werden müssen.
* Salmüsßer. (Katholische Kirche. — Kreuzfest in Alsberg). Am ersten Sonniag im Mai, diesmal zufällig 1. Mai, wird hier, wie seither, das Fest der Aufstusung des hl. Kreuzes gefeiert. Am Tage vorher usd am Sonntag früh von 6 Uhr ab ist Beichtgelegesheit. Sonntags um 6 und 7 Uhr sind hl. Messen mit Spendung der hl. Kommunion. Um V*10 Uhr, nach Ankunft der Prozession von Orb, Mernes und aus der Umgegend, ist feierliches Levitenami mit Festpredigt, das Herr Stadtpfarrer Dehler von Bad Orb halten wird. Nachmittags 2 Uhr, nach Ankunft der Prozession des dritten Ordens des Bezirks Salmünster ist Prozession durchs Dorf, dann Eröffnung der Maiandacht, danach 3. Ordensversammlung. Der Kirchenchor von Bad- Orb unter Leitung des Herrn Lehrer Reuter hat es in liebenswürdiger Weise übernommen, das Hochamt durch eine vierstimmige Messe von Singenberger zu verherrlichen; die Maiandacht wird durch die Gesangsabteilung der Marianische« Jungfraueu-Kongregatio« zu Meines unter Leitung der Herrn Lehrers Becker verschönert werden.
Dämon des Lebens.
Kriminalerzählung von A. Ostland.
R (Nachdruck verboten.)
„Jetzt nicht, wo ich am Ziele bin. Es hat Mühe genug gekostet, diesen alten Eisenkopf davon zu überzeugen, daß es ganz unnötig ist, seinem Neffen das ganze, schöne Geld zu überlassen. Ich bin auch noch da. Ich habe An- spräche an ihn. Ich will jetzt nicht verzichten, wo ich beinahe gesiegt habe."
„Lilian!" schrie Otto Willstadt wild auf. Aber unbeirrt fuhr er fort:
„Ich werde älter, und das Nomadenleben habe ich satt. Wilhelm ist reich. In letzterer Zeit hatte er viel ge- kränkelt. Sein altes Herzübel — du weißt ja. Ich habe hinter seinem Rücken mit seinem Hausarzt gesprochen. Er sagte mir, länger als drei Monate kann es nicht mehr dauern. Bedenke doch, Otto, drei Monate! Eine so kurze Zeit! Wenn ich ihn dazu bringe, wenn er da» Testament umstößt und mich zur Erbin «insetzt —"
„Sei still! Sei still!" schrie Otto Willstadt jäh auf „Ich kann nicht! Ich kann nicht!" —
Aber auch jetzt sprach sie weiter:
„Was kannst du nicht? Hier ruhig bleiben, während er drüben bei mir ist? Bedenke doch: er weiß ja nicht, daß der Hauptmann Willstadt, dessen Gartenhaus ich jetzt bewohne, identisch ist mit jenem Wylstead, der einst da drüben in jener anderen Welt sein — sein bester Freund gewesen ist!"
„Mein Freund? Mein Freund?"
„Fast lallend wiederholte der Hauptmann das eine ) Wort mehrmals.
„Jawohl, dein Freund, Otto. Soll ich dich daran erinnern, daß er damals geschwiegen hat, als du Ediths Mutter heiratetest? Muß ich dir immer und immer wieder die Nummer 666 ins Gedächtnis zurückrufen?"
„Schweig — Edtthl" stöhnte der Mann.
„Eben um deiner Tochter willen sollst du dich fügen".
sagte Lilian Aldermore überredend. „Und — und auch meinetwegen, Otto. Wenn er tot ist, und er kann nicht mehr lange leben, ich weiß es genau, wenn er tot ist, dann bleibe ich bei dir. Jetzt könnte ich es nicht. Du weißt, ich bin nicht geschaffen für kleine Verhältnisse. Aber dann — dann bin ich reich, bin ich frei —"
„Schweige! Schweige!"
Der Hauptmann mußte aufgesprungen sein, denn drinnen hörte man ein heftiges Geräusch, als wenn ein Stuhl umfiele. Dann wurde die Tür hastig aufgerissen. Lilian Aldermore lief durch das dunkle Zimmer. Ihr Kleid streifte beinahe das junge Mädchen, welches sich noch tiefer in den Schatten drückte. Auf der Schwelle stand Otto Willstadt.
„Fort — geh fort!" schrie er in böchster Erregung. Er hätte es ihr gar nicht zuzurufen brauchen. Sie schmetterte schon die Türe hinter sich ins Schloß . . .
Draußen auf dem Gange verhallten ihre eiligen Schritte. : Dann hörte man noch in der tiefen Stille, wie sie unten das Tor öffnete und wieder schloß.
Otto Willstadt seufzte tief auf. Edith, welche sich aus • ihrem Versteck nicht heroorwagte, konnte von ihrem Standpunkt aus ganz deutlich im Mondenschein sein tiefblasses, vergrämtes Gesicht sehen, das haltlose Beben, welches seine Gestalt schüttelte. Jetzt wandte er sich langsam und schrit! zurück. Die Verbindungstüre ließ er offen stehen.
Eine lange Weile blieb alles drinnen ruhig. Nu. dann und wann drang ein Laut an Ediths Ohr. Dcu war ein gewaltsam unterdrücktes Schluchzen.
Nie in ihrem Leben hatte Edith Willstadt ihren Datei weinen sehen. Nichts hätte sie tiefer erschüttern können als dieser Ton. Von Mitleid übermannt, trat sie, noä immer sehr vorsichtig, aus ihrem Versteck. Da sah sie, da der Hauptmann vor seinem Schreibtisch auf den Knie! lag. Den Kopf hatte er auf die beiden Arme gelegt.
Vor ihm stand ein großes Bild, eine sehr schöne Photographie. Hell fiel das Licht der Lampe darauf. Wie lebendig, so sprechend und leidenschaftlich sahen die großen dunklen Augen Lilian Aldermores aus dem Bild herab । auf den knienden Mann. Er mußte das Blatt wohl schon j
im Laufe des Tages aus seinem Schreibtisch genommen haben. Die eine der Laden stand jetzt noch halb offen.
Unter Ediths Fuß krachte eins Diele. Der Hauptmann fuhr empor. Aber er sah nicht nach, woher das Geräusch kam. Seine Gedanken schienen in weite Fernen zu schweifen. Wie verwirrt blickte er um sich und dann wieder herab auf das Bild.
Lilian Aldermore lächelte ihm entgegen, lockend, verführerisch.
Da ergriff er mit einer plötzlichen ungestümen Bewegung das Bild und riß es in der Mitte entzwei. Und dann warf er sich nieder aür den alten Diwan und preßte seinen Mund auf die mißhandelte Photographie mit einer wilden, ungeheuren Leidenschaft.
„Lilian! — Lilian! —"
Es war ein Ton voll von einer so unendlichen Qual, erfüllt von einem so tiefen Schmerz, daß_ Edith, ohne ihre Gegenwart zu verraten, daoonschllcy. 1 wie war wohl noch jung, aber sie empfand es doch schon deutlich, daß es Minuten gibt in jedem Mensmendasein, wo man es nicht erträgt, Zeugen zil haben, daß es Lasten gibt welche man allein tragen muß.
Als Edith Willstadt am nächsten Morgen aus ihrem Zimmer trat, sah sie blaß und überwacht aus. Sie hatte nur wenig und unruhig geschlafen. Immer von neuem grübelte sie in diesen endlos langen.Nachtuunden nach über das, was sie vernommen und erlebt Es Dlieb ihr da vieles dunkel, trotz allen Nachsinnens. An mancher Erkenntnis, welche sich ihr unwillkürlich wceder und wieder aufdrängen wollte, glitten ihre Gedanken beinahe scheu vorüber. Anderes, das ihr gestern noch wirr nnb unverständlich gewesen, war ihr nun klar geworden. So wußte sie es jetzt, nachdem sie alles immer von neuem überdacht hatte, bestimmt, daß sie jenes Bild Lili- ans Aldermores, welches sie auf dem Arbeitstisch ihres Vaters gesehen, schon langst kannte. Sie erinnerte sich genau. Als sie noch ein kleines Mädchen war, hatte sie dieses selbe Bild einmal in der -r-chreibtischlade entdeckt und war damit jubelno zu dem Vater hingesxrungen.
(Fortsetzung folgt.)