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«einaSvreiS voranSzahlbar viertel! durch die Post Mk. 12., durch unsere XrägerMk, 10.80, bei uns abgeholt Mk. to.-. «richeini an Wochentagen nachmittags. Druck u. Verb Hohmeister, serantwottlich H.-E. Hohmeister, Schlüch-ern. Gernrus 85. GrMungSort für den gesamten «eschSstS. " . «erkehr mit der Firunr SchlÜchtern.

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unter dem Titel

Anzeige« r v. Zeile oder deren Raum 1 Mk.. Rrklamr- zeilr 3 Mk. sämtl. ohne besondere» Zulmla-r. Art Betriebsstörungen kein Schadenersatz oder Mindergebühr einschl. BezugS. Seine Gewähr für Platz, «usnadmezrtt

«inschr. Keznxs. xeme Gewähr für P-crtz, AufNLyme^eit I und Beleglieferung. Hebt Nachlaß bei gerichtlicher: Zwilchim-

kestrn. Zählkarte Frrmkftrri a. M. Nummer liEi. ,

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Donnerstag, den 28. Kpril 1921

73. Iaörg.

Aus der Heimat.

* Die Erneuemna der Lose zur 5. Haupt- «üd Echlußklaffe der Pr. Klassenlotterle muß bei Verlust des Anrechts bis zum Montag, den 2. Mai abends 6 Uhr erfolgt fei«.

* Im amtlichen Teil der heutigen Nummer veröffentlicht das Finanzamt eine Bekanntmachung betr. das Gesetz über vorläufige Zahlung auf die Körperschaftssteuer. Danach sind Aktiengesellschaften, Kommanditgesellschaften auf Aktien, Koloulalgesellschaften, bergbautreibende rechtsfähige Vereini­gungen, nicht rechtsfähig« Berggemerkschaften, Gesellschaften mit beschränkter Haftung sowie sonstige Psrsonenvereinigungen mit wirtschaftlichem Geschäftsbetrieb, deren Zweck die Erzlel- ung wirtschaftlicher Vorteile für sich oder ihre Mitglieder ist, verpflichtet, 10 v. H des erzielten Reingewinnes ohne besondere Aufforderung bis zum 1. Mai d. Js. an die Finanzkaffe abzuführen.

* (Starker Preisrückgang für Seefische.) Auf dem Serfischmarkt hat eine katastrophale Senkung der Preise alle VorauSsagungen über den Haufen geworfen. Fische, die vor wenigen Wochen noch enorme Preise erzielten, find heute kaum noch los zu werden. Hering« besonders norwe­gische, will niemand mehr kaufen. Noch vor einigen Monaten v«rlaugten Firmen in Shrkstiania für eine Tonne Heringe je nach Qualität 600 bis 800 Mark, heute kann man dort schon eine Tonne für 200 Mark und weniger angeboten erhalten, Kabeljau, der noch vor kurzem 3 Mark das Pfund kostete, wurde in Berlin für 50 und 60 Pfennige angeboten.

* (Heimkehr der Schwalben.) Die Schwalben, unsere alten treuen Hausgenossen, find in den letzten Tagen zurück­gekehrt und habenihr vorjähriges Heim, soweit letzteres nicht über Winter der Zerstörung auheimgefallen ist, wieder bezogen. Mit der Heimkehr dieser als äußerst vorsichtig und »wäe&S^A^Ä M^' man wevu ihrer vorgenannten Eigenschaft auf beständige Frühlingswitterung I« rechne» und Rückschläge als wenig wahrscheinlich zu bezeichne«. Run trifft zwar auch dies nicht in allen Fällen zu und die Schwalbe ist trotz des ihr innewohnenden Witte- rungsiustinkts ebenso wie jedes andere Tier Irrtümern zugänglich. Im allgemeinen kann man aber gleichwohl solche Irrtümer als seltene Ausnahmen ansprechen, die lediglich die Regel bestätigen.--Im Volksmuude wird von der Schwalbe erzählt, daß Glück und Segen mit ihr weile« in jenem Hause, das sie zum Nisten auserkor, und daß mit dem Fernbleiben der Schwalbe vom altgewohnte« Ristort, ««weigerlich Unheil und Unglück für das betreffende Haus verbunden sei. Kein rechter Landmann wird deshalb jemals die Hand an ein Schwalbennest legen, mag es auch an noch so unbequemer Stelle zufällig angelegt fein. Und «er in ländlicher Umgebung ein Schwalbenpärchen bei sich einkehren sehen möchte, dem sei geraten, den Tierchen das Anlegen einer Niststätte zu erleichtern. Es genügt, an irgend einem abgelegenen, aber frei von außen zugänglichem. Balken­

stücke im schrägen Winkel ein kleines Stückchen Holzbrett oder dgl. anzubringen und in der Nähe allerlei Nestmaterial (Wollfäden, Strohhalme, Papierschsitzel und dgl.) herum- liegen zu lassen. Meistens wird irgend ein juagvermähltes und einstweilen noch wohnungsloses Schwalbenvärchen diese Gelegenheit zumMisten" nicht voübergehen lassen.

* (250 Jahre Kaffee.) 1671 hat ein Armenier namens Pascal in Marseille das erste Kaffeehaus errichtet. Zwar war der Mokka, den er seinen Gäste vorsetzte, nicht der erste Kaffee, der in Europa getrunken wurde im Jahre 1624 gabs in Europa Kaffee als Arzneimittel, und 1658 ließ der französische Gelehrte Thevenot seinen Freunden Kaffee als Getränk vorsetzen aber von der Verwendung des Kaffees als Genußmittel kann erst von PaScals Versuch an gesprochen werden. Pascal hatte Er­folg und schon ein Jahr darauf verlegte er sein Caffee nach Paris. Siebzehn Jahre war er ohne Konkurrenz, dann wuchsen die Kaffeehäuser aus der Erde. Im letzten Jahr­zehnt des 17. Jahrhunderts hatte Paris bereits 200 Kaffees. Von Paris verbreitete sich das Caff e zuerst über Oesterreich Wien hatte bereits im Jahre 1683 seinen ersten Kaffresieder und kam dann nach Deutschland. Das erste deutsche Kaffeehaus entstand im Jahre 1636 in Rrqensburq, das nächste in M-mb-rg im Jahre 1687. Noch im Jahre 1817 war der Kaffee in manchen deutschen Gegenden aller­dings noch so gut wie unbekannt, dann aber wurde das braune Getränk Arabiens schnell zu einem Volktgetränk, das erst durch Krieg und Teuerung wieder aus mancher Küche verbannt wurde.

* SchlÜchtern. (Berichtigung) In dem in der gestrigen Nummer unserer Zeitung veröffentlichten Artikel betr. Ab­gabe von Mehl an Mühlenarbe; er darf es nicht 25 Ztr., sondern muß 2,5 Ztr. heißen.

* SchlÜchtern. Die Ab'ab- der Einkommen- und Ka- vitalertragssteuererklärung hat bis zum 30 d. Mts. zu erfolgen. Eins Keiftvertemgen-ug"üi nicht ein Wer die Frist versäumt, Hai mit einem Zuschlag von 10'/, zu rechnen.

* SchlÜchtern. (Maifeier.) Man schreibt uns:Der sozialdemokratische Verein SchlÜchtern hat für kommenden Sonntag eine Maifeier größten Stils arrangiert, an der sich auch die Ortsgruppen der nahe liegenden Gemeinden beteiligen werden. Es ist dabei vom Maikomitee des Ver- eins besonders Bedacht darauf gelegt worden, den Besuchern etwas Gediegenes und Interessantes zu bieten. Gewähr hierfür leisten ein Weckruf, ein erstklassiges Frühkonzert der Artillerie-Kapelle Fulsa und ein Feftzug. Das künstlerische Festprogramm wird keinen der Besucher enttäuschen. Die Jugend wird durch fröhliche Tänze in den Sälen der Turnhalle und des Hessischen Hofes auf ihre Rechnung kommen. (Alles Nähere im Anzeigenteil der vorliegende» Zeitung)."

* SchlÜchtern. (Theater.) Das Frankfurter Künstler­theater für Rhein und Main beschließt seine Spielzeit mit zwei heiteren Abenden. Der erste davon bringt Kleists

| Meisterwerk, das LustspielDer zerbrochen« Krug". Karten verkauf zu der am Dienstag, den 3. Mai stattfindeude« Aufführung wird in der nächst«« Nummer bekannt gegeben*

* SchlÜchtern. In der vergangenen Nacht wnrden aus der Wohnung des Justizrats Henrichs, Fuldaerstraße Wurst und Bohnensalat gestohlen. Von einet Ergreifung der Täter ist noch nichts bekannt.

* Sängershause«. (Wie man leicht Geld verdienen kann.) I, einer Zeitungsanzeige waren alle diejenigen, die sich auf leichte Art 100 090 Mark ohne jede Kapitalanlage verdienen wollten, aufgefordert worden, an eine bestimmte Adresse 2 Mark und Rückporto eiazusenden. Auch ans San» gershause« fanden sich einige, w-ichr die Gelegenheit znm Reichwerden ergreifen wollten. Als Antwort erhielten sie einen hektozraphierten Zettel mit dem Rate:Sucht und fangt Max Hölz!" Da sich Taufende auf die Anzeige gemeldet haben, hat der Erfinder diesesguten* Einfalles ein glänzendes Geschäft gemacht.

jnouiiveMiWiW«

Nach dem Gesetz vom 28. Dezember 1820 fiel bei öem Be- !KUS von irgend einer Militärversorgung die Beihilfe für i Empfänger von Renten auS der JnvaliLenversiclMuuü fort. ^Das führte in Fällen, in denen sie höher war als die Miti- : tärversorgnng, zu einer unbittigen Härte. Das neue Gesetz vom 7. AprU 1921 beseitigt diese Härten, indem es bestimmt, daß der Unterschied zwischen Militärversorgung und der höheren Beihilfe auszuzahlen ist.

Das Gesetz vom 26. Dezember 1920 hatte die Bestimmung, 'datz die Jnvalidenmarken zum doppelten Geldwerte berech­net werden sollten. Diese Bestimmung hat für die Zeit vor dem 20. Dezember 1920, an welchem Tage die Post den i Markenverkauf plötzlich.sperrte, große Änsreguvg verursacht,' ;Weil alle diejenigen, die bis dahin die Beiträge nicht ent­richtet hatten, nunmehr den doppelten Wert für die starken bezahlen mußten. Die Folgen waren vielfache Weigerungen, weil aus dew Gesetz nicht klar hervorginge, ob nicht der Arbettgeoer, wenn ihn kein Berschulden an cM .-Uchttteoen der Marken träfe, für die Zeit vor dem 20. Dezember 1920 snoch Marken zum alten Werte kleben dürfte. Vielfach sind daraufhin auch Anträge an die Landesoer fi^e rungsanslalt szur Lieferung von Marken zum alten Wert gestellt worden, welchem Verlangen sie gesetzlich nicht Nachkommen konnte; auch find Streitverfahren deswegen eingeleitet worden. Das neue Gesetz stellt nun fest, daß auch für alle in der Zeit vom U August bis 19. Dezember 1920 zu verwendenden oder bis dahin noch nicht verwendeten Betträge gleichgültig ob Verschulden oder Nichtverschulden des Arbeitgebers an der unterlassene» BeitragSleistung vorlag nur Bettragsmar-! Leu zum doppelten Geldwert verwendet werden können. Daurit erledigen sich alle an die LauoesversicherungöLnslalt gestellten Anträge auf Lieferung von Marken für die bezeich- .'nete Zeit zum einfachen Geldwert, sowie die bei den Ber» sicherungsämter« gestellten Anträge auf Entscheidung. DaS vo» manchen An^itgeber« angewendete Verfahren, die ziu» doppelten Preise erworbene» Einwocheumarke» als für zwei rückliegende Woche» verwendbar einzukleben, ist hiernach durchaus unzulässig.

Dämon -es Lebens.

Arimmalerzähluag von A. D ft f a n b.

<3 Nachdruck Vetvok««.)

LMan Aldermore schien sich hier bereits vollkommen «»hl zu fühlen. Sie beherrschte vom ersten Augenblicke an die Situation. Ohne jede Verlegenheit trat sie Edith entgegen und begrüßte sie. Und als das junge Mäd­chen auf die sehr freundlichen, artigen Worte horchte, welche diese Fremde zu ihr sprach, da mußte sie es sich selbst eingestehen, daß Lilian Aldermore es verstand, Üebenswürdig zu fein. Diese Frau, deren Jugend längst vorüber war, hatte etwas Bestrickendes. Sie beherrschte auch die Kunst, hübsch und anregend zu plaudern, und ihr leises Lachen klang fast sonderbar nach in diesem Raume, wo es sonst so ganz still war. Und trotz alledem konnte Edith ihre Scheu.vor dieser Fremden nicht überwinden.. Immer wieder gingen ihre Blicke von ihr zu ihrem Vaters der so stümm und gebeugt zwischen ihnen saß. Meist schwieg er ganz. Ein scharfer Leidenszug lag um seinen Mund, eine tiefe Falte stand auf seiner Stirn. Einmal aber, als Frau Lilian lebhaft sprach von dem fernen Mexiko, das ihre wirkliche Heimat war, einmal hob er den Blick. Ein paar Sekunden lang schien dieser wort­karge, 'gealterte Mann ganz seine Umgebung vergessen zu haben. Wie gebannt hingen seine Augen an dem Ge- sichte dieser Frau, welche zu Edith sprach. Und in diesem einen kurzen Moment sah das junge Mädchen in seinen Augen den Sttahl einer unverhüllten Leidenschaft ausflammen. War das Haß? War das Liebe? Aber schon in der nächsten Sekunde lagen die Lider wieder über seinen Augen.

Schwerfällig erhob sich der Hauptmann und schob feinen Stuhl zurück.

Edith, geh auf dem Zimmert Du entschuldigst wohl auch mich, Lilian. Ich ziehe mich zurück.-

Es klang eisig, aber die Frau schien da» nicht zu merken. Sie stand ruhig auf.

Ich habe mir mein Nest bereits eingerichtet,- sagte sie,und ich will dich nicht stören in deinen Gewohnheiten. Gute Nacht t"

Edith war schon bei der Türe. Als sie von da zu- rücksah, erblickte sie ihren Vater, welcher noch, wie mit sich kämpsend, neben dem Tische stand.

Auch Lilian Aldermore ging trotz ihres Abschieds- grußes nicht.

Wünschest du noch etwas, Otto ? fragte sie endlich.

Nein*, entgegnete er hart und schritt zur Türe seines eigenen Zimmers. Im nächsten Augenblick fiel diese schwer hinter ihm ins Schloß.

Edith lief rasch hinaus. Sie scheute sich, mit dieser Frau auch nur eine Minute allein zu bleiben. Als sie hastig ihre Türe hinter sich abgeschlossen hatte, blieb sie lauschend einen Augenblick lang stehen. Wenn Frau Lilian zur Treppe ging, mußte sie hier, bei ihr vorüberkommen. Ob sie am Ende klopfen würde?

Ediths Herz schlug heftig, das Blut brauste ihr in den Ohren. Sie war, ohne recht zu wissen weshalb, sehr er­regt, und dies steigerte sich noch, als sie nun ganz v^r- geblich auf den leichten Schritt der fremden Frau, auf das Rauschen ihrer Kleider am Gange horchte. Da draußen rührte sich nichts. Und doch gab es keinen andern Weg nach der Stiege, als diesen langen, dunklen Korridor.

Eine ganze Weile stand das Mädchen so regungslos. Ihr wurde immer banger, je stiller ihr das Haus erschien. Wie hatte ihr Vater gesagt:Laß mich nicht allein mit ihr, Kind!*

Das hatte so eigentümlich hilflos geklungen, so bittend.

Laß mich nicht allein!*

Und jetzt war die fremde Frau vielleicht doch bei ihm.

Rasch entschlossen drehte Edith den Schlüssel nochmals im Schlosse um; mit leisem Knacken sprang er zurück. Vorsichtig drückte das junge Mädchen die Stinte nieder und schlüpfte hinaus.

Dunkel und scheinbar vollständig leer lag der Gang vor ihr, Auch im Speisezimmer hatte man die Lampe

schon gelöscht. Wenigsten» drang sein Lichtstrahl mehr durch die Türspalte.

Auf den Zehenspitzen schNch Edith weiter. Und eine Minute später stand sie in dem Eßraum.

Die Lampe hatte man in der Tat gelöscht. Ab« die Wolken draußen hatten sich zertellt, und nun stand der Mond hoch am Himmel und warf sein bläuliches Licht durch die gardinenlosen Fenster. Edith sah sich um. Hier war niemand.

Aber von dort, von des Vaters Wohnraum her, klangen nun Stimmen. Nie hatte Edith es gewagt, dem strengen Verbot des Vaters zu trotzen und ihn unaufgefordert hier zu stören. Ihr hatte er nur sehr selten den Eingang gestattet. Und diese Frau, welche heute zum ersten Wale ihr Heim teilte, diese Frau sprach jetzt dort mit ihm.

Scheu drückte sich Edith in einen Winkel. Der tiefe Schatten, welcher hier lag, verschlang ihre zarte Gestalt in dem dunklen Kleid vollständig. Zitternd lehnte das Mädchen den heißen Kopf gegen die Wand.

Lilian,* hörte sie drinnen ihren Vater sagen,Lilian," ich beschwöre dich, das tu mir nicht! Nicht diesen Mann in meiner Nähe! Ich kann es noch immer nicht criragen i*

Weil du es nicht erträgst, daß er daß er mich liebt", entgegnete die Stimme der Frau.

Nein,* sagte Otto Willstadt schwer,nein. Ich will es auch nicht ertragen! Ich will nicht! Hörst du mich? So feige und so klein bin ich doch noch nicht geworden, wie du meinst. Und wenn er dennoch kommt, Lilian

Die weiteren Worte verstand Edith nicht. Der Vater sprach in einem so leisen, heiseren Ton, daß es kaum mehr war, als ein Flüstern. Aber klar und deutlich ver­nahm sie jetzt die Antwort der Frau:

Du wirst gar nichts tun, Otto. Du wirst dich fügen. Er betritt deine Schwelle nicht. Mehr zu tun steht nicht in meiner Macht. Auch kann ich das Spiel nicht oerloren geben.*

(Fortsetzung folgt.)

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