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iretä vorauSzahlbar viertelst durch die Post Mk. 13., durchunsere Träger Mk. 10.80, bei uns abgeholt Mk. 10. «rfÄietnt an Wochentagen nachmittags Druck u, Verlag x Hohmeister, verantwortlich H.-E Hohmeister, Schlüchtern. ««ruraf SS- MrfüllungSort für den gesamten AeschSstS- verkehr mit der Firma Schlüchtern.

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Gegründet im Jahre 1849 unter dem Titel

Anzeige«: Vj Zeile oder beten SRaitüt 1^47 R-klame. zeit- 3 M! sämt!. ohne besonderen Zuschlaz. Bei BetriessSstörungen kein Schadenersatz oder Msirderaebühr einsch' Berugs. Keine Äewähr Hr Platz, Anlnsün^zeit unb «rlegUef-rung. Kein Nachintz bet gerichtlichen £ osschea- *3^en Zahlkarte Frankfurt a. M Nummer 1'492.

Mittwoch, dm 27 April 1921

73. Aahrg

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Aus der Heimat

.1* Für Petroleum werden vom 1. Mai an Einheit^

-reise nicht mehr festgesetzt. Am gleiche« Tage tritt die " " ' " L' " i der Petroleumbeständs

k preis« nicht mehr festgesetzt. Am U Berordumrg über die Verteilung 1 - außer Kraft.

* Die RetchSgetreidestell« hat sich dazu entschlösse«, den

IL Mühlen wegen der zunehmenden Diebstähle zu gestatten,

I daß sie bis zu 5 Pfd. Mehl wöchentlich, also über 23 Zentner I " pro Jahr und Kopf, unentgeltlich an Mühlenarbeiter ab- 11 geben können.

* (Erhöhung der Fernsprechgebühren?) Die Postver- I ; Baitang plant eine allgemeine Erhöhn»^ des Tarifs für

i AbonnementS-Ferngefpräche. Ferner soll beabsichtigt sein,

" die Vergünstigungen, die bisher im Frühverkehr eingeräumt

; wurden, fortfallen zu lassen, da dir Voraussetzungen unter I ' denen sie seinerzeit zugestanden wurden, nicht mehr^zutreffen.

* (Postwertzeichen ) Infolge der am 1. April in

I | Kraft getretenen neuen Postgebührevsätze müssen einige neue I L Ikarkemverte, und zwar solche zu 15, 25 Pfg, 1, 160, 3, I 10 und 20 Mk eingeführt werden. Bei den vorhandenen Rarkensorte« find fast durchweg Verschiebungen im Bedarf I eingetreten. Die Postverwaltung wird die Herausgabe der I . erforderlichen neue« Marken tunlichst beschleunigen. Es müssen aber die vorhandenen Vorräte an Postwertzeichen I der anderen Werte schon aus wirtschaftlichen Gründen, auf« H gebraucht werden, bis die neuen Marken nach den Mustern des Freimarkenwettbewerbs erschienen find.

"il* (Dom Kuckuck.) Weitab von menschlicher Behau-

| sung, niemals aus unmittelbarer Nähe, saubern stets aus | verwunschener Ferne antwortend, gibt jetzt der Kuckuck | mied« st ille Lebknsdauer Ptt ab/die auf mindestens | ^ensoviel Zuverlässigkeit Anspruch machen könne» wie die | Weissagungen schwarzbekaterter Wahrsagerinnen. Vo» den I «tbenSgewohnheiten des Kuckucks, feine eigenen Nachkommen

I Ech andete Vogelarten ernähren zu lassen, weiß heutzutage I l^mlich jedes Schulkind. Weniger bekannt dürfte dagegen I schon sein, daß es fünfmal mehr Männchen als Weibchen I 8® soll, wie die Kenner unserer einheimischen Vogelwelt | ftstsestellt haben wollen. Auch daß der Kuckuck durch seinen | Auf ein herannahendes Gewitter ankündet, wird vielerorts ! von der ländischen Bevölkerung behauptet.

» a * Marborn. Am vergangenen Sonntag hielt hier Herr | HandwirtschaftSschuldirektor Müller aus Schlüchtern einen Vortrag über landwirtschaftliche Frage». Die Zuhörer I ^8<e» mit größter Aufmerksamkeit feinen Ausführungen k Bejo»deres Interesse schien ein neueres DüngungSverfahren I8i iu haben, denn zwei Landwirte erboten sich sofort, I N'rmit einen Versuch zu machen. - Mögen die Worte des | ^dners tausendfältige Frucht bringe» zum Wohle unseres k »olleS.

* Gel-Hause». Die Termoflaschenfabrik von Zipf ist vermutlich irrsotge Brandstiftung vollsiäudia niedergebrannt

| Die fertige« Waren sowie der größte Teil der Rohstoffe | Betruges in wiederholtem Rückfalle schuldig gemacht. Unter fiel der Vernichtung anheim- ' '

* Frankfurt. Die Frankfurter und die Hanauer Krimi- nalpoltzet verhafteten in Kleiu-Auheim bei Hanau eine I2köpsige Eisenbahnräuberbande, die seit Jahresfrist Eil- güterzüge zwischen Hanau und Aschaffenburg und Hanau- Eberbach nachts spstematisK beraubt hatten. Der Wert der geraubten Sachen beläuft sich auf mehrere Millionen Mark. Bei Haussuchungeu im Dorfe Kleinauheim wurden am Sonnabend ganze Wagenladungen gestohlener Eisenbahngüter zutage gefördert. In die Angelegenheit sind zahlreiche Ein­wohner von Klein-Auheim und Umgebung verwickelt.

* Frankfurt a. M. (Mann oder Weib?) I« Aerzte- kreiseu interessiert man sich gegenwärtig lebhaft für eine

wissenschaftlich bedeutsame Abnormität. Vor einiger Zeit wurde ein sechzehnjähriges Mädchen in ein Strafverfahren verwickelt. Dabei fiel das sonderbare Wesen des Mädchens auf und es wurde der hiesigen Universitätsklinik zur Unter­suchung zugeführt, dir zu einem merkwürdigen Resultat führte. Man weiß nämlich nicht, ob die Person weiblichen oder männlichen Geschlechts ist. Der Körperbau hält genau die Mitte zwischen Mann und Frau und, wie ein Arzt sagt, empfehle es sich, das Mädchen zukünftig als Mann zu rubrizieren. Das Mädchen hat einen Anflug von Schnurr- hart. Es äußerte selbst, daß es mit Leib und Seele Auto­schlosser werden möchte. Die Jatellizenz des Mädchens ist gut entwickelt, nur scheint ihm ein gewisser Grad von Unerfahrenheit eigen zu sein.

* Fulda. Die Lustbarkeitssteuer hat sich für unsere Stadt als eine recht dankbare erwiesen, da ihr Ertrag nicht hoch genug veranschlagt werden konnte. Für 1920 war im Etat eine Einnahme von 80 000 Mark aus dieser Steuer -öOtyep^eu^ ^ yN St bWL-Lck 1£3-SGC 4Shrtfr

* Fulda. Wegen Fahnenflucht, Unterschlagung mili­tärischer Bekleidungsstücke, fünf Betrugs-und Diebstahlsfällen in Gundhelm Speichrrz, Wernshausen u. a- O stand der z- St 6 Jahre Zuchthaus wegen Sittlichkeitsverbrechen, Körperverletzung sie. in Ziezenhain verbüßende Schuhmacher Karl Sowada aus dem Kreis Tangermünde vor der Strafkammer Fulda Er erhielt zuzüglich einer noch zu verbüßenden früheren GefängaiZsträfe von 7 Monaten eine Zuchthaus-Zusatzstrafe von 1 Jahr 3 Monaten.

* Fulda. Wegen Erpressung stand der 24.jährige wiederholt vorbestrafte Kaufmann Karl Peter von Gilbers- ^aufen bei Rotenburg a. Fulda vor Gericht. Er hatte an einem Einwohner von Rothenkirchen (Krs. Hüafeld) zwecks Erlangung größerer Geldbeträge geschrieben, andernfalls dessen Anwesen in Schutt und Asche verwandelt würde. Hierfür wurde der Angeklagte, der infolge einer Beinwunde nicht gehen kann und auf dem Bette liegend in den Sitzungs­saal transportiert werden mußte, von bet Strafkammer Fulda zu einem Jahre Zuchthaus und 3 Jahren Ehrverlust verurteilt.Äußer.em hatte er sich durch einen Brief mit der gefälschten Unterschrift eines Arztes des

Einrechnung einer anderen Strafe erhielt er für diese» Betrug noch eine Gesamt tefäugvisArafe von 2 Jahren 3

Monaten.

* -auterbach. Die Dürbecksche Papierfabrik wurde durch ei» Großfeuer vollständig eingeäschert. Der Schaden ist sehr bedeutend.

* Sangerhausen. Der unabhängige Landrat, Kasparek, hat einen längeren Urlaub von unbestimmter Dauer ange­treten. Gegen ihn schwebt ein von der Staatsanwaltschaft eingeleitetes Verfahren wegen Hochverrat.

* Tann. Anläßlich der Bestimmungen zur Auflösung der Fideikommiffe hat die Verwaltung des Freiherr!. Fideikommiffes dahier durch den derzeitige« fretherrl. Admi­nistrator und einen Obersekretär aus Kassel das Archiv des Freiherr» von der Tann einer gründlichen Durchsicht und erstmaligen Registrierung aller wichtigen Urkunden sorge« nommen. Hierbei sind mistete Hundert nicht nur für die Familien-, sondern auch für dir Allgemeingeschichte wichtige und interessante Urkunden gefunden worden. Mehrere Sammelbände harren »och der Durchsicht. U. a. finden sich eigenhändige Unterschriften mittelalterlicher Kaiser, Könige und Bischöfe, Gerichtsordnungen, Prozeßakten usw. vor. Auch zur Kulturgeschichte der Rhöaer dürfte das Material manchen schätzenswerten Beitrag bieten.

Vlnslyranlung des Wahlrechtes in Angara.

Wie aus Budapest derNeuen Freien Presse" gedrahtet wird, hat der neue Ministerpräsident Graf Bethle « den Parteien sein Programm entwickelt unb eine Einschränkung des gegenwärtige Wahlrechts angeküuRgt, also eine Abkehr ^oit ücu ttuuc ^ritten n«-tt^err unm xl^yeiinr» Waprrecht. Be­kanntlich hatten sich bei den legten Wahlen, die trotz deS weitgehenden Wahlrechts keine Wahlfreibett sicherten, die Sozialdemokraten der Stimme etnaKen. Man will offenbar durch eine Umgestaltung des Wahlgest-^etz ihre Rückkehr im Parlament möglichst einschräflkeu. Eine Art Ausgleich ver- spricht Gras Bethlen in einer Reform des Magnatenhruses, das, wenn überhaupt von Demvkrettke in Ungarn die Rede sein kann, nicht wieder zusammentreten dürfte. Bethlen er­klärte, er sei mit Leib und Seele Agrarier und werde sich die Mitwirkung der Partei der kleinen Landwirte sichern. Auch mit der Börse sucht er sich zu versöhnen, denn er sagte, der christliche Gedanke sei mit den wilden Schlagworten des Antisemitismus nicht zu vereinbare«. Die Ernennung des Abg. Julius Göndös zum Staatssekretär des Innern, welche die Christlich-Sozialen stark verstimmt hat, da Göndös ein Anhänger der freien Königswahl ist und den Erzherzog Albrecht auf den Thron erbeben möchte, könne er nicht rückgängig machen.

RachklSnge zvm Tod« d« KÄsertv.

Die preußischen Ministerien habe« davon Absta«K ge­nommen, diejenigen Beamten, die am BeiietzunsStas der früheren Kaiserin sich eigenmächtig Urlaub aenvmme« habe», zur disziplinarischen Verantwortung zu ziehen. In Berlin und Potsdam sind fast 15000 Beamte am Beisetzung stag ihren Amtsbüros ferngeblieben. -

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Dämsn des Lebens.

Kriminalerzählung von A. Vftland.

(Nachdruck verboten.)

Noch immer sprach Edith nicht. Ihr Blick hing wie gebannt an dem Gesicht des Vaters, welches jetzt eben von einem Lichtstrahl hell beleuchtet wurde. Nie noch waren ihr seine Züge so alt und scharf erschienen, nie noch hatte er so todmüde und elend ausgesehen. Ein großes Mitleid mit ihm überkam sie. Sie neigte ihr junges zartes Gesichtchen herab zu ihm und küßte ihn zärtlich auf die gefurchte Stirne, aus die Augen, welche heute so trübe blickten. Und er, dem sonst jede Liebkosung saftig und unangenehm gewesen war, er hiell ganz sttll«, legte sanft einen Arm um die schlanke Gestalt seine» Kinde» und lehnte seinen weißen Kopf fest an chre Schulter. So rannen die Minuten. Wieder schien der schweigsame Mann in das tiefe Nachdenken zu ver- finksn, da» ihn auch sonst so oft umfing. Erst als Edith sich endlich zart von ihm löste und leise, seine eigenen Worte wiederholend, fragte:Eine Haus- genossin, Vater?" da schien er in die Wirklichkeit zurück- zukehren.

Er strich ein paarmal mit der Rechten über feine «kirne.

3a, Kind," sagte er mühsam,eine eine Mitbe­wohnerin dieses Hauses, besser gesagt. Denn nichte als das soll die Frau dir sein, welche von heute an h- c wohnt. Es tst eine eine entfernte Verwandte von mir, Kind, eine Frau Lilian Aldermore"

»Du kennst sie schon langer Beters*

Er nickte.

m 'Ziemlich lange. Du weißt, ich hatte ja Verwandte in Mexiko Da biete mir xurebeten, ließ ich die Laufbahn

L " lc'-r.i-ysicyen Offizier» fein - e» redeten da noch allerlei Grunde mit Kind, welche ich dir jetzt nicht austlSren kann. Äurg, ich hing den bunten Rock an den R»,«l und fuhr über bat greif Wäger. Litt«» Silber»

mors war gleichfalls im Hause meiner Verwandten in Mexiko. Wie gesagt: sie ist eine entfernte Cousine von mir. Nun kam sie herüber suchte mich als ihren ein» zigen Anhaltspunkt auf ja ich traf sie heute ganz zufällig in der Stadt. Ganz zufällig Kind gewiß*

Der Brief, Vater, der letzthin kam, und den ich selbst dir übergab, dieser Brief war nicht von ihr?" fragte Edith dazwischen. Seine unklare, abgerissene Sprechweise beunruhigte sie stark. Und deutlich sah sie es: er war mit allen Kräften bemüht, ihr etwas zu ver­heimlichen ...

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Mit geöngsttgtem Gesicht sah er sie an.

Der Brief?" sagte er dann mit schwerer Zunge. Nein, der Brief war nicht von ihr. Ich wollte dich nur um eines bitten, Edith: Lasse mich nicht viel allein mit dieser Frau! Bleibe bei mir, wenn sie da ist! Aber vermeide jede freundschaftliche oder vertrauliche Annäherung, ich beschwöre dich! Denn Gutes kommt nicht von ihr. Nie! Nie!"

Er stöhnte schmerzlich auf und barg das Gesicht in den zitternden Händen.

Sie ist ein Dämon!" flüsterte er vor sich hin mein Dämon!"

Vater," sagte Edith nach einer Weile tiefen Still- schweigens,weshalb gestattest du dieser Frau, daß sie hier bei uns lebt?"

Er sah still vor sich hin.

Kind," entgegnete er endlich,sie sie ist ver­irrt ganz im Sumpf war sie wieder einmal. Und nie- mand, der ihr die Hand bietet. ... Ich konnte nicht anders, Edith. Und dann sie hat die Macht über mich die Macht."

Er strich sich mit der zitternden Hand über die Stirn und sah scheu an ihr vorüber, als wisse er es, ohne daß sie ein Wort sprach, daß sie ihm nicht glaubte. Und ihr tat dieser ganz zerbrochene, ganz verwirrte 2-tann so leid. Sie hatte nicht den Muh weiter in ihn zu bringen.

«Wo wird fit wohnen?" fragte fit endlich zögernd.

Wo?" er fuhr wie aus schweren Träumen empor, hier Kind, hier. Ja. Aber nicht geradezu im Hause. Sie hat das Gartenhaus gewählt. Dort sind zwei Zimmer und der nette kleine Vorraum. Mes steht voll Rokoko­möbel ... du weißt Loch, Edith."

Ja, ja," sagte das Mädchen leise,dort hat ja ein­mal ein sehr schöne Dame gewohnt. Die Leute hier herum erzählen oft noch von ihr. Sie soll ganz heimlich immer da herausgekommen sein, und hier hat sie ihren Liebste» getroffen... so sagen sie.*

Otto Willstadt hatte sich erhoben.

Von alledem weiß ich nichts," sagte er mit einer ab- wehrenden Handbewegung,ich weiß nur eines: daß Ltlia« Aldermore nun wieder hier ist Lilian Aldermore."

Er lachte scharf und schneidend auf. Dann zog er den Arm seiner Tochter in den semigen.

Komm, wir gehen zum Nachtessenl Und KdUh Liebling bleib bei mir! Bleib bei miri"

Es lag eine solche Liebe und dabei eine so furchtbar« Angst in seinem Tone, daß sie fast erstaunt aufhorchte. Die Worte klangen ihr noch im Ohre nach, als sie eine Minute später dicht neben ihm den großen, etwas düstere» Raum betrat, in dem sie meist zusammen mit ihrem Vater ihre Mahlzeiten einzunehmen pflegte.

Das weitläufige Zimmer wurde von dem Lichte d« Hängelampe nur schwach erhellt. In den Ecken und Winkeln lag die Dunkelheit. Da^ große, schwer« Elchen- büfett warf einen ungeheuren Schatten in den Raum. Nur der runde Tisch, über den jetzt ein weißes Tuch ge­breitet war, lag in hellem Lichte. Und aus diesem warmen, gelblichen Schein hob sich heut« seltsam und fremdartig, die Gestalt der schönen Fr?'u.

Als sie die beiden Eintretenden gewährte, erhob sie sich mit einer raschen, fast jugendlichen Bewegung. Roch höher und schlanker erschien nun ihre Gestalt in dem lang­fließendem Hauskleid. Dagegen hoben sich das schwere dunkle Haar und die schwarzen, heißen Augen in dem blassW Antlitz seltsam ab.

Gortjetzung folgt)

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