ÜMchtmmMung
8 chlüch 1 erner Kreis Hatt. — - — 8chlüchterner Tageklatl.
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Gegründet im Jahre 1849
unter best Titel
Des Besitgileit
Freitag, dm 22. April 1921
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73. Aa-rg.
" Aus der Heimat.
—* Zeitbilder. (Etwas vom Frühjahrshut-Eiukauf.) Einen Frühjahrshut zu kaufe«, — wenn die Gattin einen braucht — (braucht sie fernen, quält erst recht sie, — bis der Kopf Dir davon raucht), — dieses freudige Ereignis, - das sich jährlich offenbart, — ist und bleibt für Ehemänner — ein Genuß von seltner Art. — Draußen vor dem Ladenfestee — wäret Ihr Euch einig längst — aber bist du dann erst drinnen, — kommt es anders, als Du denkst. — Zwanzig, dreißig, »e«ta Hüte — stülpt man mit gespreizten Fingern — Deiner Gattin auf den Schädel, — feinet paßt von all den Dingern, — einer ist zu kühn gebogen, — einer paßt nicht zum Gesicht, — bei dem einen stört die Farbe, — einer ist ein^bißchen schlicht, — einer würde Dir gefallen, — doch wenn man den Preis Dir nennt, — fühlst Du selbst bei kaltem Wetter, — wie der Schweiß vom Antlitz rennt, — nach dem fünfzigste» Versuche, — wenn Dein Mund schon leise flucht, — nimmt die Gattin schließlich jenen, —- den sie draußen ausgesucht. — Nachts in Deines Schlummers Träumen — wiederholt sich Deine Qual, — stundenlang im Schlafe sprichst Du — bloß von Borten und Tagal, — hörst Du Blumen, Schleifen, Bänder — wild durch deine Sinne rauschen. ---Tags darauf geht Deine Alte — nochmal hin, um umzutauschrn.
Walter-Walter.
—* (Die Abgabe der Steuererklärung.) Eine Verlängerung der Frist für die Abgabe der Einkommensteuererklärung über den 30. April hinaus, über die dieser Tage an den maßgebenden Stellen verhandelt wurde, kommt, wie die Franks. Ztg. hört, nicht mehr in Frage. Die Steuererklärung ist also in all den Fällen, tu denn ein späterer Termin nicht zugestanden ist, spätestens zu dem z-rnanv^n Taa-; avzugedeu.
—* (Verlängerung der Polizeistunde in Sicht?) Den Vertretern des GastwirtSgewerbeS ist von den maßgebenden amtlichen Stellen in Berlin die baldige Verlängerung der Polizeistunde, und zwar bis 1 Uhr, in Aussicht gestellt worden. Die technische Möglichkeit dafür wäre durch den geringeren Licht- und Stromverbrauch im Sommer gegeben. Die wirtschaftliche Notwendigkeit liegt in den Schwierigkeiten des Gastwirtsgewerbes begründet, die durch die frühe Polizeistunde hervorgerufen werden, von der nur die geheimen Nachtlokal« einen Vorteil haben.
—* (Notgeldsammlee I) Der durch die Türkenbelagerung rühmlichst bekannte Ort hat durch seine Ortsgruppe der Hauskrankenpflege in Perchtoldsdorf zu Gunsten dieses edlen Werkes eine Notgeldserie, entworfen von hervorragenden Künstlern, herausgegeben. Die Serie bestehend aus 10, 20, 50 Heller K 1.— kostet 2 K 80, die Serie 10, 20, 50 Heller K 1.— und K 5— kostet K 8.80. Be stellungeu sind an Vizebürgermeister Rudolf Hochmap^r, Perchtoldsdorf bei Wien zu richten. Für Händler Sipnat- anstellnng.
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Dämon -es Lebens.
Kriminalerzählung von A. Ost land.
(Nachdruck verboten.)
Und nun sollte diese ganz eigentümliche, seltsame Frau, die aus irgendeinem ihm unbekannten Grunde eine große Macht über den Vater Ediths besaß, nun sollte diese Frau vielleicht das Leben des Mädchens teilen! Und er mußte dies zugeben, hatte gar keine Gewalt, es zu ändern! Was sollte er auch tun? Er war jung, seine Stelle war noch klein. Er hing teilweise ab von seinem Pflegevater, dem alten Wilhelm von Ramin, und würde wohl, trotz aller Anstrengungen, vorwärtszukommen, noch eine ganze Weile seiner Unterstützung bedürfen. Wilhelm von Ramin aber war kein Frauenfreund. Er hatte lange drüben gelebt in Amerika, war dort Bauunternehmer gewesen, hatte sich ein schöne» Vermögen erarbeitet und — wie er sagte — .auch da» Leben tüchtig kennengelernt und besonders die Weiber" — und war dann, vor ungefähr zehn Jahren, nach der Heimat zurückgekehrt. Daß er nicht mit den besten und edelsten Frauen verkehrt hatte, das bewiesen deutlich seine Aussprüche über das weibliche Geschlecht im allgemeinen. Er hatte bald nach seiner Rückkunft den damals sünfzehnjährigenSohn seines Bruder», den gänzlich verwaisten Herbert von Ramin, zu sich genommen und vertrat Vaterstelle an ihm. Das heißt, er sorgte materiell anständig für den jungen Mann, ließ ihn studieren und trachtete, den fertigen Juristen möglichst bald in eine Stellung zu bringen. Obgleich Herbert weit lieber sich dem Gerichtswesen gewidmet hätte, bestand der alte Herr darauf, daß er bei der Polizei eintrat, da der vnkel hier gewichtige Verbindungen besaß. Im übrigen «ingen die beiden ziemlich getrennte Wege, und ein innere» Rand zwischen ihnen bestand nicht. Trotzdem hatte Wilhelm von Ramin ein Testament verfaßt, in welchem er seinem Neffen sein gesamtes Vermögen hinterließ.
Außer dieser Zukunftsaussicht besaßen die beiden jun^-n Leute nun aber gar nichts, nur die Hoffnung, daß
—* (Der Zähltarif im Fernsprechwesen.) Der Staatssekretär für das Fernsprechwesen Dr. Bredow teilte in Berlin in einem Vortrag mit, daß der Fernsprechverkehr einen Fehlbetrag von 800 Millionen Mark jährlich aufweise. Als einzige Möglichkeit einer Gesundung der wirtschaft! cheu Lage des Ferusprechwesen» bezeichnete Dr. Bredow die Abschaffung der Fernsprechpauschalgebühr und die Einführung des Zählsystems. — In England sind die Pauschgebühren bereits abgeschafft worden; an ihre Stelle ist ein Einzel- gesprächsgehührentarif getreten, der zu sehr erheblichen Erhöhungen kommt. Künftig kostet nach den „Times" z. B. ein Anschluß bei einer Gesprächszahl von jährlich 250 bis 500 Gesprächen in deutscher Papiermark für London durchschnittlich 2538 Mk.; derselbe Anschluß kostete vorher nach deutschem Gelde jährlich 1539 Mark. In der Provinz beträgt jetzt die Gebühr für einen gleichen Anschluß 2303 Mk., während bisher 1410 Mk zu zahlen waren. Wie erinnerlich leiden auch England. Frankreich und alle übrigen am Kriege beteiligt gewesenen Lander unter schweren Mängeln im Ferusprechbetri-be; auch die Vereinigten Staaten von Amerika machen hierin keine Ausnahme; indes ist ihr F-rnsprechwesen am wenigstens vom Kriege in Mitleidenschaft gezogen worden und hat sich am schnellsien erholt. Trotzdem übersteigen die Gebühren in N wyrrk die oben genannten Londoner Zahlen noch um ein Geringes.
—* (Scharfe Drucksachmkontrolle.) D'e Zahl der Drucksachen ist im Jahre 1921 gegen das Vorjahr um etwa 33 Prozent gestiegen, während gleichzeitig die Zahl der Briefe und Postkarten zurückgegangen ist. Die Reichspostverwalturig Hai sich daher veranlaßt gesehen, der Ursache auf den Grund zu gehen und es erscheint die Annahme begründet, daß Sendungen, die der Brie'gebühr Lkttrliegcv, in größeren Meng«« unter V- h-iy der Bestimmungen der deutschen Postordnung gegen DrüLsachengebühr ausae- liefert ...ab unbeanstandet befördert worden sind. Um hierfür Anhaltspunkte zu bekommen, sind sämtliche deutsche Postämter angewiesen worden, möglichst alle Drucksachensendungen einer Kontrolle zu unterziehen.
Hk. (50 Jahre Handelskammer zu Hanau.) Am Mittwoch, den 27. ds. Mts wird der Tag wiederkehren, an welchem vor 50 Jahren die Handelskammer zu Hanau zu ihrer ersten Sitzung zusammengetreten ist, nachdem sie durch Ministerialerlaß vom 19. Dezember 1870 errichtet war. Dem Ernst der gegenwärtigen Zelt entsprechend wird eine schlichte Füer des Jubiläums in engerem Kreise stattfinden, unter Beteiligung der Handelskammer nachstehender Behörden und kollegialen Körperschaften.
* Schlächtern. Die starken Nachtfröste der letzten Tage haben den blühenden Obstbäumen in «nserer Gegend, soweit sie sich nicht in geschützter Lage befinden, stark geschadet. Vielfach sind in den Gärten und an den Landstraßen die Kirschen- und Birnenblüten erfroren, so daß leider die Obsternte nicht den erwarteten Ertrag zeitigen wird. In den Gärten sind vielfaÄ B üte« der Stachel- nnd^Jabannisbeeren
es Herbert gelingen würden durch Fleiß und Ausdauer bald in seinem Berufs v»rz«rück«L gab ihnen den Mut, zu warten. Aus diese« Gründ* setzt, der jung« Mann auch alle seine Tatkraft sein ganze» Können und Riffen ein, denn es war ihm völlig klar, daß er jetzt keinerlei Aussicht hatte, den Vater Edith» umzusttmmen, der ja allen Heiratsplänen überhaupt feindselig gegenüberstanv. Vielleicht gelang ihm dies «her, wenn er dem geliebten Mädchen eine gut« Stellung bieten konnt«. Und blieb der alte Herr auch dann unerbittlich, so war Herbert von Ramin fest entschloffen, abzuwarten, vi» Edith großjährig war. Dann konnte sie selbst über ihr« Zukunft entscheiden. Und hoffenttich würde ihre Liebe sie auf tat rechten Weg führen: den Weg zu ihm.
Alle» dies zog schmerzhaft dem fangen Manne durch den Kopß als er so neben Edith dahinschritt über die weiten Ebenen. Sie kamen vorüber an kleinen Waffertümpeln, welche wie trübe Augen schimmerten, an dichtem Buschwerk und einzelnen großen Bäumen. Zu Scharen flogen Krähen und Elstern über da» Land. Außer ihrem schrillen Geschrei klang kein Laut von nah und fern.
»Wo sind wir hingeraten?" fragte Edith plötzllch — »da, jene Insel aus dunklem Buschwerk scheint mir sehr bekannt. Ich glaube gar, wir nähern uns von rückwärts unserem Haufe. Da ich in dieser Richtung nie gehe, ist mir dieser Fußpfad wohl unbekannt geblieben."
»Hat das Haus auch nach dieser Seite Fenster?" fragte Herbert. Er wollt« nicht neben Edith gesehen werden, denn er bangte um sie, wenn er sie dem Zorne des Vaters dann allein überlasten sollte.
Das junge Mädchen schüttelte den Kopf.
»Nein. Uederhaupt zieht der Garten hier weit hinter dem Hause hin; man kann auf keinen Fall von dort hierher sehen. Und Vater geht niemals in den Garten, nicht einmal im Hochsommer. Uns droht hier keine Gefahr. Hörst du, das ist schon Pluto» Sttmme! Was hat nur der Hund 7 Er ist ganz aufgeregt!"
- ^rch die tiefe Sülle klang wirklich in diesem Augenblicke dröhnend dumpf«» Huno«g«bell- Es wurde lauter, heftiger und schien die ganz« öd« Weit« zu erfüllen
I erfroren, ebenso junge Gemüsepflanzen und viele Ziersträucher.
Die schwarzen Blüten und Triebe beweisen die Frostschäden. Großen Schaden haben die Rachtftöste auch in andere« Gegenden hervorgerufen.
* Hanau a. M (Der Kampf gegen die Luxussteuer zieht weitere Kreife.) Reben dem Zentralen Aktionsausschuß zur Bekämpfung der Luxussteuer und dem paritätische« Aktionsausschuß für das rhein-mainische Wirtschaftsgebiet hat sich kürzlich in Stuttgart für Württemberg ein provisorischer Aktionsausschuß zur Bekämpfung dieser für die deutsche Verfeinemugsindustrie unerträglichen Steuer gebildet. Diese Neugründunz ist gewiß ei« Beweis dafür, daß die vo« den Gegnern der LvxuSsieuer vertretenen Idee« starke Werbekrast besitzen und daß der Kampf, den diese Gegner führen, asch in sachlicher Hiustcht ein wohlb-gründeter ist.
toe AsrWM für den Wiederaufbau
Die Lettsätze des Deulschen Gewerkschastsbmtdet.
Der Vorsitzende des Allgemeinen Deutschq« Gewerkschaft», bunbes hat der deutschen Regierung zur Frage -es Wteber- aufbaues eine Reihe von Leitsätzen vorgäegt, tu baten auf, Re Siotwcnüigkeit hinKwiesen wird, sofort t» großzügigjsier Kreise der französischen Regierung neue Averbietungen für ben unverzüglich in Angriff zu nehmenden Wiederaufbau au Rachen. Im einzelnen sind folgende Vorschläge gemacht; Dv. Iranzösischen Regierung ist anzubiete«:
1. alsbald für den Wiederaufbau der -ersrSrte« Xetk Nordfrankreichs und Belgiens alle Hilfsmittel Deutschlands bereitzustellen und auf berät schleunigste Heranziehung hinzuwirken,
L in den zerstörten Gebieten mit AnsräumungSarHei- te« und Ausforstungsarbeiten zu beginnen. Ueber die Regelung der praktischen Durchführung möge die französische Regierung der deutschen Regierung Vorschläge unterbreiten Ande-terl; -w-z»M den ihr Regierung auf Verlange« an die andere Seite mit positiven Vorschlägen herantreten.
3. Ziegeleien im Aufbangebiet durch Deutschland instand zu setzen oder neue zu errichten, ebenso Kalk-, Gips- und Zementwerke dort zu erbauen, die erforderlichen Maschinen und Geräte zu liefern, um mit der Gewinnung und Verwertung der dort vorhandenen Rohmaterialien für Banstoffe beginnen zu können: Hierüber hinaus Maschinen, Baustoffe und Baumaterial aus Deutschland zu tiefern.
4. Vorkehrungen zu treffen, daß die im Aufbangebiet Hiebt vorhandenen Geräte u»d Maschinen für Bauzwecke aus Deutschland herangeführt werden könne»,
5. sofort mit der Anfertigung von Hilfsbauten aller Art, mindestens aber 25 000 Holzhäuser sWohnhäuser), zu be». ginne» und diese vor Beginn der käUeren Jahreszeit auf- zuscellen,
6. dazu die Ausstattung bezw. die Möbel, Oefe«, Kochherde und Kochgeschirr zu liefern,
7. Deutschlands Bereitwilligkeit zu erkläre«, nach den Plänen und unter Kontrolle der französischen Behörden Hoch- und Tiesbauten jeder Art auszuführeu,
& im Einvernehmen mit den deutschen Bauarbeiter, organisativuen, einschließlich des Bundes technischer Angestellten und Beamten, versickert die deutsche Regierung, daß die Mitglieder dieser Organisationen bereit sind, beim Wiederaufbau der zerstörten Gebiete durch Arbeitsleistung ndfimutrfcH
i Gleich darauf vernahm man au» dem (Barte« eine grauen« stimme t
»Hatt« ben Hund zurück, Otto! Ich will unbehindert gehen und kommen können!"
EdUh Willstadt schmiegte sich noch enger an ben Geliebte». Man vernahm von drinnen die Stimme be» alten Hauptmanns Willstadt:
»Pluto! Hierher! Du bleibst bei wir!"
.Vater muß auf der Veranda stehen", flüstert« da» jung« Mädchen. .Seltsam! Er betritt sie sonst nie! Ist überhaupt um diese Zett schon stet- in seinen Simmern eingefperrt Diese Fremde hat eine Macht über ihn, d!» ich nie besaß. Und sie sagt ,bu' zu ihm l"
Herbert »on Ramin erwiderte nichts und macht« auch ihr ein Zeichen, zu schweigen. Im Schatte-r der Hecke standen sie und horchten auf die ieiien, vorsichtigen Schritte, welche durch den Garten kamen. Jetzt sahen sie auch durch eine Lücke im Zaun die hohe, dunkle Gestatt der Semben Frau, welche langsam auf einem der von dürrem aub bedeckten Pfade bahinging.
Die Frau blickte spähend nach recht» und links. Dann schien sie etwas zu entdecken. Hier war eine 'kleine Settentüre, welche direkt aus diesem rückwärtigen Teile des Gartens binausfübite auf die Felder. Die Frau probierte einige Male an dem Gitter, aber das Schloß war versperrt. Sie fchüttelte wie ärgerlich den Kopf und wen- bete sich dann um, zum Hause zurückkehrend.
.Herbert," flüsterte Edith, „um Himmelswillen, was kann all dies bedeuten? Ich find; s nich. I- imzukommen, ich habe Angst vor dieser Frau und Angst vor dem Vater. O Herbert, ich — ich möchte am liebten gar nicht zurück in dieses Haus!"
Er strich ihr zärtlich, begütigend über den Kopf, be- ' müht, seine eigene Angst um sie n-lischst zu verbergen.
^Foriletzung jols.