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SchlilchttrnerMung

Kchlüchlerner Kreis ^Tatt.

GegMdet im Jahre 1849 unter dem Titel

Mn^spvei« »orauSzahlbqr etertelj. durch die Post Mk. 12., durch imkere Träger Mk. 10.80, bei uns abgeholt Mk. 10. Wrschei«t an Wochentaqen nachmittags Druck u Verlag , Hebmeister, «erantwortlich H-E, Hohmeister, Schlttchtern. Fernruf 65. Erfüllungsort für den gesamten SeschSstS- ners-br mit der Rfrnta Tchlstchtern.

Anzeige«: kl. Zeile ober bereu^süm 1 Mk, R-Name« zetlr 3 Mk. lämti. ohne besonderen Zuschlag. Bei Betriebsstörungen kein Schadenersatz oder Mindergrbübr einschl. Bezug». Seine Gewähr für Platz, Aufnahmc^eit und Beleglteserung. Sein Nachlaß bei gerichtlichen Zwischen« kosten Zählkarte Frankfurt». M Nummer 1140S.

M 91

Mittwoch, dm 20. April 1921

78. Zahrg.

Aus der Heimat.

* (Die WanderhauShaltunqsfchule des KreissS Schlüch- tmt.) Der letzte Kursus der HausßaltungssÄule in unserer ÄrelS^abt wurde im Frühjahr 1915 astgehalten und er« freute sich eines auten Besuches. Das Ziel der Schule, den jungen Mädchen, unseren zukünftigen Hausfrauen und Mütter», eine Grundlage für eine gute, gedeihliche und praktische Haushaltführung mit inS L->ben zu gehen. Der Unterricht dieser Fortbildungsschule paßt sich in jeder Weise den Bedürfnisse« aller Kreise unserer Bevölkerung an. Der Lehrstoff umfaßt alle in HauS und Garte« vorkommende« Gebiete, deren Kenntnisse sich anzueignen für die Hausfrau unserer Zeit unbedingte Notwendigkeit ist. An praktischen Arbeite» werden durchgenommen: die einfach« bürgerliche Küche, mit Berücksichtigung von Speisen zu Familienfeste« und in Krankheitsfälle«. Das Kinkoben von Obst, Ge­müsen und Fleisch. Anrichte« von ©Dessen, Tischdecke«, Servieren, Haus- und Küchenputz. das Waschen von weißer, bunter und Wollwäsche, das Bügeln von der einfachsten bis mr Stärkwäsche, Wäsche flicke«, Zuschnelden, Nähen und Sticken und alle täglich vorzunehmenden ReinigungSarbeiten in Haus und Küche. Der theoretische Unterricht bietet Belehrungen über Zusammenstellung von Mahlzeiten mit besonderem Hinweis auf deren Nährwert, ErnäbrunaS und Nabrunqsmittellehre, Berechnung bei hergestellten Mablleiten, Bnchfüh-ung, Entwürfe zu Voranschlägen für den Hansbalt, Gesundheitspflege und Krankenhebandlung, Vorträge über SSuglingSpfl-gt, erste Hflfe bei itnfällen und Verbände, Gemüse- und Obstbau «. a. m Die Dauer dieser Haus. Haltungskurse ist auf 8 Wochen festgesetzt Der tägliche Unterricht ist von 8 Uhr morgens bis 4 Uhr nachmittags, sadaß es den jungen Mädchen, neben dem Besuche der Schule möglich ist, mancherlei Pflichten der Haustochter veizuvehm»«». Gewiß werden viele Eltern die Einrichtung eines HanShaltungSkursuS mit Freuden begrüßen und ihren Töchtern diese bauswirtschaftliche Ausbildung ermöglichen.

* (Betrifft Heilbehandlung für Kriegsbeschädigte nach dem Rsichsmrsorgungsgesrtz vom 12. Mai 1920.) Kriegs­beschädigte, deren Vcrsorgungsleiden eine Heilbehandlung erfordert, haben nach dem RüchSversorgungsgesitz Anspruch auf Heilbehandlung. Die Hetlsürsorge, die hiernach für die unter das' Gesetz fallenden Personen vorgesehen ist, üben im wesentlichen die Krankenkasse« aus. Wird Heilbehandlung nach dem Retchsversorgungsgesetz notwendig, so wendet sich der Beschädigte a) wenn er Mitglied einer reichsgesetzlichen Krankenkasse (also einer OrtS-, Lmd-, Betriebs, Jnnungs-, Knapplchfftskrankenkasse oder Erlatzkass ) ist an diese b) wenn » einer solchen Kasse nicht als M tglied angehö't, an bie Allgemeine Ortskrankenkaffs oder W'NN eine solche nicht besteht, au die La ldkrankenkaffe seines Wohnsitzes. Die von der RranZenlaffe zu gewährende Heilbehandlung umfaßt nach dem G-setz« ärztliche (zahnärztlich-) ambulante Behandlung, Ber- »rguag mit Arznei und anderen SrUmttteln. Hsilanst-ltspfl-ne

und Hauspflege. Dagegen ist die Gewährung von Badekuren (einschließlich Heilstättenkuren), von Körperersatzstücke», ortho­pädischen und anderen Hilfsmitteln, sowie die Lieferung des Führerhundes stet« beim zuständigen Versorgungsamt also nicht bei der Krankenkasse vom Beschädigten zu beantragen. Um den Beteiligten unnötige Wege nach den BersorgungS- ämtern zu ersparen, seien diese darauf hingewiesen, daß fie bei der amtlichen Fürsorgestelle ihre« Wohnortes nähere Auskunft erhalten können.

* Schlüchtern. Zu unserem ArtikelDie Avothekerin" i« gestriger Nummer schreibt man unS rIhre Ausführungen über die Vorbedingungen von Frauen zum Apothekerberuf sind nicht zutreffend. Für den Eintritt in den Apotheker- beruf ist für Frauen ebenso wie für Männer das Reife­zeugnis der betreffenden höheren Schulen erforderliche.

* Salmünster. Die Versetzung des Herrn Försters a. R. Goldman», hier nach Hersfeld wurde zurückgezogen.

* Marjoß Herr Revierförster Schnell in Forsthans Kreuzgrund, hiesige Oberförsterei, wurde am 1. April d. J. in den Ruhestand versetzt.

Die amentw$en Skalen und der Völkerbund

Aus Mexiko wird gemeldet: Das BlattEl Denwcrato" will erfahren haben, der größere Teil der amerikanischen Republiken wolle an der nächsten Sitzung des Völkerbundes nicht mehr teilnehmen, sondern abwarten, was sich aus Präsident Hardings Plänen einer neuen Völkerbundsliga, in der alle Nationen vertreten sein sollen entwickeln werde. Das Blatt teilt dies im Zusammenhang mit einer Nachricht mit, Mexiko solle demnächst aufgefordert werden, Vertreter zur nationalen Liga zu bestimmen und fügt hinzu, Mexiko habe nicht um Aufnahme in den Völkerbund ersucht, und denke auch gar nicht daran es zu tun, da es die Liga für das nationale Leben für durchaus entbehrlich halle.

Dje polm e Drohung.

Zu Beginn des Jahres 1921 hatte Polen noch die Jahr­gänge 1896, 1897, 1898, 1899 und 1900 unter den Fahnen. Von diesen fünf Jahrgängen sollten fristlos Anfang April rutlafsen werden: Sämtliche Infanteristen des Jahrgangs 1896. sowie diejenigen Infanteristen der Jahrgänge 1897, 1898, die am 21. März über zwei Jahre dienten. Nach einer inzwischen ergangenen Weisung des polnischen Kriegsmini­steriums soll der Befehl auf die Bezirke Posen und Krakau neuerdinas keine Anwendung finden. Demnach werden die Schlesien gegenüber breitgestellten Truppen nicht gechwächt. Sie wurden sogar gegenüber dem Stand von Mitte März dadurch wesentlich verstärkt, daß zwei Tage vor der Abstim­mung in Oberschlesien der zu einer 1-itügigen Uebung ein­gezogene Jahrhang 1901 noch nicht wieder entlassen wurden. Die bisher .an der polnischen Ostfront verwandte U Kaval­lerie-Brigade ist seit Anfang April im Raum Warichau- Wolclawek untergsbracht.

Polen befindet sich seit der Ratifikation des Versailler Vertrags mit Deutschland im Friedenszustand. Mit Ruß­land schloß es am 18. 3. Frieden. Gegen wen unterhält Polen eine solche starke Truvpenmacht?

Die EniDiMng der Ereignisse im Osten.

Die Folgen der Aufstände in der Sowjetrepublik.

Die ZeitungPoslednija Novosti" meldet: Die Sowjet regierung gibt in einer Funkmeldung zu, daß 16 Goiwer- nements nicht mehr ihrer Gewalt unterstehen. ?lus glaub­würdiger Stelle erfahren wir aber, daß es tatsächlich 22 Gouvernements sind, die die Sowjetmacht nicht nnetten» nen. Außerdem sind die regierungstrenen Gegenden von­einander durch die aufrirhrerischen Gonvernements und zerstörte Eisenbahnlinien getrennt. Auf Stete Weite hat Sie Sowjetregierung nur über Moskau. Petersburg und das dazwischenliegende Territorium die «nbedmare Herrschaft. Der innere Zustand der Roten Armee i« den letzten Nach­richten zufolge bedenklich. Es mehren sich die Fälle, wo ganze Regimenter der Roten Armee zu den Gegnern ver­gehen, was zuerst während des Kronstadter AnssstandeS zu­tage trat, als Trotzki mit Baschkiren nnd Chinesen zum Angriff schritt. Dies geschieht auch jetzt in der Nähe von Pskow, in der Nkraine, im Donbecken und in Sibirien. Der Abfall der Truppen erklärt sich durch folgenSe Ursachen: Die meisten Offiziere der Roten Armee stammen noch aus der Zarenzeit. Die Not trieb sie zu den Bolschewisten. Naturgemäß teilen sie die bolschewistischen Ideen nicht und benutzen die erste Gelegenheit, um zu den Gegnern überzu- gehen. Unleugbar bringen die Soldaten ihren unmittel­baren Befehlshabern viel Vertrauen entgegen, so daß der Einfluß der Offiziere größer ist als der der Sowjetkom­missare. Bei dieser Einbuße der Regimenter, die sich stettz vermehrt, bleiben den Bolschewisten durchaus zuverlässige Streitkräste immer weniger.

Südslawien tefeW sich an den SaMonen.

Die kürzlich als Falschmeldung bezeichnete Nachricht, Südslawien habe sich den in London beschlossenen Zwangs­maßnahmen gegen Deutschland angeschlossen und dement­sprechend eine Sllprozentige Abgabe auf die deutschenLDaren eingeführt, wird nunmehr bestätigt. Die Abgabe wird jetzt tatsächlich Srngefü^rt. Der diesbezügirche Äegiernngsertaß ist veröffenlicht worden. Weitere Ausführungsbesttmanm- gen werden erwartet.

1 Fortsetzung des Streiks in Wales.

Daily Mail" meldet: Die radikalen Gruppen der Berg» arbeiter von Wales nahmen eine Entschließung für Fort­setzung des Streiks mit allen Mitteln an; infolgedessen Äeibi die militärische Besetzung der Kohlenzechen bestehen.

Warum die Eisenbahner und die Transportarbeiter die Bergleuteverraten" haben, wie diese sich ausdrücken, indem sie den Generalstreik aksagien, erfährt man aus dem Verlauft der entscheidenden Versammlung. Hier stellte sich herausj daß die Eisenbahner nur 60 vom Hundert und die Trans« pcrtarbeiter gar nur 50 Prozent ihrer Leute bei dem Streit beschluß hinter sich hatten. Infolgedessen waren sie sicher, daß jetzt, wo die Bergleute einen Ausweg verschmäht hatten, der von ihren eigenen Führern empfohlen worden war, bis überwiegende Mehrheit der Arbeiter den Ausstand nicht mehr mitmachen wurde. Sie ergriffen daher die Gelegertheit, vor dem Streik endgültig zurückzutreten, obwohl sie dasut tm Niederlage der Bergarbeiter besiegelten.

Dämon Kos Lobons.

Kriminalerzählung von A. O st k a n d.

Nachdruck verboten.)

Edith drückte sich noch tiefer in den Schatten der fcaule. Hosseutlich sahen die beiden sie nicht! Welch ein Glück, daß sie vergessen hatte, Pluto mitzunehmen 1 Zuerst, ihr dieses Versäumnis ausgefallen war, hatte sie der Gedanke, ganz allein in dieser Einsamkeit zu sein, sehr unangenehm berührt. Jetzt war sie froh darüber, denn Pluto wäre nickt zu halten gewesen . . .

Ganz nahe klangen schon die Stimmen der beiden.

Lilian, ich bitte dich," hörte Edith ihren Vater sagen, -nimm die Hand, die ich dir biete! Das Leben, welches ' ' ' - . Wenn du

.>'»>im vie j)ano, cte ,cy mr viere I Pas Let du führst, ist mit tausend Gefahren verbunden.

Nun wirklich entdeckt würdest I Und ist dar tin Leben zu nennen?"

Sie Frau hemmte für einen Augenblick die Schritte.

. »Ein Leben?" wiederholte sie schneidend.Nein, da hast du recht I Ein Leben ist das nicht zu nennen I Ader was soll ich tun ? Ich tauge nicht zur Arbeit, zum Er- werd in den gewöhnlichen Bahnen. Ich passe nicht in kleine Verhältnisse du weißt es selbst am besten l Ich «ebe das Geld und den Luxus und die Schönheite

Und alles dies hast du einst so bitter entbehrt 1" klang die Stimme des Mannes dagegen. E» war fast wie eine Frage.

das überhaupt

»-ua", sagte sie hart.

Einen Moment schwiegen beide.

Dann fuhr sie fort;

W krank. Jetzt, da er mich nach Jahren wiedersah, letzt kommt die alte Leidenschaft mit aller Macht ^ "">., Und bas ist für mich ein Glück, denn er hat ^eiv im Ueberstuß. Wenn du mich zwingst, bei dir zu wohnen, so kommt er eben dorthin

to »A?^ lch'i« der Mann auf,bas ^ ba» ertrage "M, bas darf nie fein 1"

« hob schon wieder bea gut

unbekannt. Diese fremdartige, südländische Schönheit, diese scharfen Züge.... Aber woher kenne ich sie?*

Herbert von Ramin hatte des jungen Mädchens Arm in den seinen gezogen. So schritten sie, einen kleinen Wiesenpfad einschlagend, dahin. Edith kam nicht über den Eindruck dieser letzten Stund« hinaus.

Ich glaube, sie will bei uns im Hause wohnen," sagt« sie gepreßt.Denke nur, Herbert: bei uns, wo seit Jahren kein fremder Menjch mehr Eingang fanbi Und Vater muß das dulden, wie sie sagt Weshalb? Um Gotteswillen weshalb?"

Er sah in scharfem Nachdenken oor sich hin.

Und einen Ramin will sie einladen?" sagte er. Das ist doch merkwürdig! Außer mir und ich bin doch sicherlich nicht dieser Erwartete gibt es in Wien nur noch einen Mann dieses Namens: meinen Onkel und Pflegevater Wilhelm von Ramin. Obgleich ich seit zehn Jahren bei ihm wohne, kenne ich ihn eigentlich kaum, und wir gehen sehr getrennte Weg«. Ich schulde ihm viel Dank. Mehr kann ich ihm nicht geben. Er verlangt auch nicht mehr. Aber Damenbekanntschaften hab« ich bei ihm nie gesehen* , ^ . .

Auch er schwieg nun. Eng aneinandergeschmiegt schritten sie dahin, beide noch immer mit allen ihren Ge- danken bei den zwei Menschen, welche sie da soeben beob­achtet hatten. Herbert von Ramin konnte die Idee nicht überwinden, daß die Fremde nun als Hausgenossm neben Edith wohnen solle. Eine starke Angst um das junge, doch ganz unerfahrene Mädchen überkam ihn plötzlich. Sie erschien ihm so verlassen und unbeschutzt in dem weitläufigen öden Hause, neben dem alten, menschenscheuen Manne, der sich so wenig um sie befummerte mnb doch in entscheidenden Fragen einen so ausschlaggebendes Er» stutz nahm auf ihr ganzes Leben.

(gortfeßung folgt)

Du hast doch von einem alleinstehenden Gartenhaus ; gesprochen, das ich bewohnen soll", sagte sie überredend, er braucht ja nicht zu ahnen, wem das Haus gehört. Lasse das Vergangene ruhen und denke, daß es am besten ist er sieht dich nicht und du triffst ihn nie. Denn er ist boshaft, ein tückischer Mensch. Ich kenne ihn. Und die Nummer 666 hat er nicht vergessen. Senf an den Frieden deiner Tochter*

Nein, ich dulde es nicht trotz alledem l* stieß der Hauptmann hervor.

Sie waren nun doch weitergeschritten. Die Stimmen verklangen. Schars und deutlich hoben sich die Silhou­etten des Mannes und der Frau ab gegen den grauen Himmel. Noch eine kurze Weile sah Edith sie wie dunkle Schatten dahingleiren, dem Hause entgegen, wo sie wohnte, dann vernahm man noch eine Weile die langsamen Schritte. Immer leiser wurden sie. Endlich verschlang die große j Stille ringsum auch dieses letzte Geräusch.

Ediths sagte da eine weiche, junge Stimme knapp hinter ihr.

Mit einem unterdrückten Iubelruf flog sie herum. Und j im nächsten Augenblick lag sie an der Brust des hochge­wachsenen jungen Mannes, dessen helle Augen sie so warm anstrahlten durch all das kalte, farblose Grau.

Einen Moment hielt er sie so fest als wollte er sie schützen gegen irgendein Unheil. Dann fragte er ge­dämpft :

Edith, Liebling, war das nicht dein Vater? Der Herr, welcher eben hier mit einer dunkelgekleideten Frau vorüberging?

Sie nickte nur.

Und wer war bie Dame, Liebling? Ich ging eine ganze Weile schon hinter ihnen. Während sie lauter sprachen, konnte ich verstehen, was sie sagten. Sie nannte mehrmals eine Nummer 668. Und Sein Vater schien keineswegs erfreut über die Bekanntschaft"

Ich begreife gar nicht, wer sie fein sann', sagte Edith, noch immer im Banne bei seltsamen Eindruckes stehend.Ich tenne diese Frau nicht, ich hab« niemals mit ihr aefnrodieiL u«x >«««* ib ihr tÜLiiMI mi» tiirfit

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