? dem Titel
Schlächtern er Tageblatt
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Aus der Heimst.
—* Die Arbeitsgemeinschaft des Bayrischen Einzelhandels & D. hat an den ReichswirtschaftSrat nachstehende Zuschrift gerichtet: Für die Grsamtheit des Bayrischen Einzelhandels »heben wir Widerspruch gegen die geplante weitere Erhöhung des Papierpreises, die erfahrungsgemäß eine ganze Reihe von PreiserhöhungSübeln im G-folge hat. Der Handel erwartet, daß die Regierung die mittelbare Beteiligung am Halzwucher endlich einstellt. Dann wird es den in M Leidenschaft gezogenen Kreisen nicht zu schwer werden, auch der unerhörten Gewinnsucht der Papierfabrikanten eine Grenze zu ziehen. Versagt die Regierung in dieser Frage, so verwirkt sie das Recht, das Wort „Preisabbau" dem Handel gegenüber in den Mund zu nehmen, denn fieb -droht dann auch von dieser Seite her seine Existenz. Für die Angestellten und Arbeiter zahlreicher Geschäftszweige, vor allem aber für das Z itungs- gewerbe selbst und damit für die wirtschaftliche und politische Gesamtlage könnten Folgen eintreten, die bisher offenbar nicht genügend bedacht wurden.
—* (Dürfen Geschworene während der Havptverhandlung schlafen?) Manchmal soll es Vorkommen, daß auch dem eifrigsten Hüter der G?rechtiakeit bei langen Verhandlungen daS müde Haupt auf die Brust sinkt. Welche rechtlichen Folgen hat nun ei« solches Schlummern des Volksrichters für die Sache des Angeklagten ? Kann dieser geltend machen, daß der spätere Wahrspruch des Schwurgerichts nichtig sei? Keineswegs meint das Reichsgericht. Denn wenn von den zwölf Geschworenen auch einer bisweilen eingenickt sein mag, so läßt sich doch nicht sagen, daß die Hauptverhandlung nicht in Anwesenheit der gesetzlich vorgesehenen Zahl stattge- funden habe. Ebensowenig kann davon die Rede sein, daß das Schwurgericht »icht während der ganzen Dauer der Verhandlung vorschriftsmäßig besetzt gewesen sei. Wenn bei der ganzen Hauptverhandlung zwölf Geschworene anwesend waren und ihren Wahrspruch abgegeben haben, so muß auch angenommen werden, daß sie hierbei gewissenhaft und nach ciWer Ueberzeugung verfahr " ‘mb inSb^LLdorr dem Ga"g der ganzen Verhandlung die erforderliche Aufmerksamkeit geschenkt haben. Wie in der weitverbreiteten Zeitschrift „Gesetz und Recht" zutreffend auSgeführt wird, kann diese Entscheidung des höchsten Gerichts das Rechtsbewußtsein des Vo kes wenig befriedigen. Wenn ein Richter, Schöffe oder Geschworener in der Hauvtverhandlung einschläft, müsse» ihm mit Notwendigkeit wichtige Umstände entgehen, und dann ist der dringende Verdacht begründet, daß er zur Abgabe eines sachgemäßen, also unparteiischen Spruchs außerstande ist. Leider bietet das Gesetz keine Handhabe, einen solchen Spruch zu beseitigen. Eine Möglichkeit, ihn zu verhindern, bestände vielleicht darin, daß der Angeklagte oder der Staatsanwalt den verträumten Richter noch vor Erlaß des Urteils wegen Befangenheit ablehnt.
* SÄlüchtern. Im amtl. Teil unserer heutigen N»m- Rer veröffmtücht das Finanzamt Schlüchtern eine B-ckarmt-
Dämvn öes LLdens.
Kriminalerzählung von A. O st l a n d.
"^ (Nachdruck verboten.)
Zum erstenmal war der Vater, welcher seit Jahren das Leben eines Einsiedlers führte, auch gegen sie schroff «na hart geworden. Er verbot ihr strengstens, den jungen Mann je wieder zu sprechen.
„Wenn du es dennoch tust, Edith/ sagte er finster so baft du dir die Folgen selbst zuzuschreibenl Herbert von ^amm! Schon dieser Name erweckt in mir eine Er» mV1^"9, ^e/che ich hasse. Nie sollst du mit einem Menschen dieses Namens in nähere Verbindung treten 1 Set) dulde es nicht I Hörst du, Edith? Ich dulde es nicht l* Sie hatte geweint und gebeten. Aber er blieb bei semeN-Worten. Schließlich rührte ihn ihr bitteres Weinen doch. (sanft strich er über ihr schönes Haar:
„Kind," hatte er gesagt, „Kind, glaube mir doch I Ich habe ja nichts mehr auf Erden als dich, feit deine Mutter ist i Ich meine es gut mit dir und mit mir. Ich f E kenne die Gründe meiner Weigerung. Auf meinem ' en liegt ein Fluch. Du weißt, was für ein Wander- i uen mir geführt haben seit Jahren. Seit ich meine Stelle (-!» Habrikdirektor drüben in Mexiko aufgab — das ist Swanzig Jahre her —, seither habe ich feine Ruhe mehr gefunden. Ich bin mit dir heimgekommen nach «uropa, ein müder Mann. Ich wollte Ruhe, nichts als Ruhe.
Wir haben am Rhein gelebt und dann in Berlin, in Varis, in London, in Hamburg — wo noch überall? Aber der Fluch meines Lebens ging mit mir und trieb mich
r Rast wieder weiter. Du stehst mich so fragend an, Edith Ämd, es gibt Dinge, die kann kein Mann Über die ippen bringen. Du mußt mir glauben, mein uebiu«, auch ohne mich zu verstehen! Nun haben mir hier eine Rast gefunden — fünf Jahre lang leben mir oJe da in dem alten Hause, und niemand kennt uns. ^ ^ |o bleiben, Edith 1* Nur noch eine kurze Spanne
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I , 9. AprU 1921
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machunz, ^vl-qehft daß bei der Erhebung der | Einkommensteuer durch Akzug vom Arbeitslohn der Wert der Natural-nnd Sachbezüge für die Bemessung des Steuerabzuges vom Arbeitslohn eine Aenderung erfahren hat. Wir bitten unsere verehrten Leser, diese Bekanntmachung im eigensten Interesse genau durchznlesen, evtl. auszuschneiden und aufzubewahren.
Wirtschaftüche Wundschau.
(Nach dem Stande vom 16. April 1921.)
(Nachdruck verboten.)
W. K. S. Allgemeine Lage. Unser Wirtschaftsleben krankt gegenwärtig hauptsächlich an den Folgen der von der Entente eingeleiteten Zwangsmaßnahme». Nach Ansicht maßgebender Stellen dürfte das Aufhöreu des deutschen Exportes nach den Ententestaaten einen Verlust von 35 Proz. unseres GesamtexporteS bedeuten.
Geldmarkt. Die politische Lage bewirkte andauernd Zurückhaltung Die Tendenz gestaltete sich unregelmäßig. Nur wenige Werte fanden größere Beachtung.
Handel und Industrie. Durch Unterbindung des Exportes nach den Ententeläudern und das Ausbleiben von Rohstoff?« muß man mit einem starken Rückgang in manchen Industriezweigen rechnen. — Bei deutschen Firmen liegen bedeutende Licf-rvnasaufträqe von Lokomotiven von russischer Seite argen Goldzahlung vor. — Bei der Mailänder Mustermesse haben unser 725 ausländischen 284 deutsche Firmen ausgestellt.
Kohlen. Die durch die Unruhen erheblich heinflußten Förder- und Versandziffer» haben sich wieder etwas gebessert. Die Beförderung war infolge des schlechten Wasserstandes auf den Schienenweg angewiesen.
Warenmarkt. Die Stockuug im Verkaufsgeschäft hielt an. — Nach Leder beginnt die Nachfrage wieder reger zu werden, da die letzten Häuteauktionen Preissteigerungen brachten. — Die Bewirtschaftung der Zündhölzer soll ab 1. Juli ihr Ende finden.
Lmrdrvirtschafr. Der- Ltarrd bat Saaten echv. verspricht eine gute Ernte. — Mit immer stärkerer Macht kommt die Forderung nach Aufhebung der Zwangswirtschaft zum Ausdruck.
Produktenmarkt. Die Steigerung für Mais setzte sich fort. Auch Hülsenfrüchte waren fester. In Rauhfutter war das Geschäft noch, ruhig.
Viehverwertung. Auf den Viehmärkten trat in den Preisen wenig Veränderung ein. Dagegen ziehen die Preise für Häute und Felle wieder an. Die letzten Auktionen in Berlin, Fraukfurt a. M., Darmstadt, Hanau, Wiesbaden, Erfurt erbrachten teilweise Aufschläge von 5—40 Prozent je nach Gattung uud Menge.
Lebensmittel. Der jetzige Stand der Teuerung ergibt nach der Statistik eine durchschnittlich neunfache Steigerung der Preise aller notwendige» Bedürfnisse gegenüber der Friedenszeit.
„Und dann — dann darf ich Herbert — Herrn von Ramin Wiedersehen mit deiner Erlaubnis?" hatte sie noch zu fragen gewagt.
Der Vater schien schon wieder in sein gewöhnliches dumpfes Dahinbrüten zu verfirtten. Aber bei der Nennung des Namens von Ramin fuhr er doch wieder empor:
„Niemals 1" sagte er scharf und hart. -Merke es dir, Edith: Niemals I Und wenn du meinem Verbote trotzest, dann kündige ich hier den Pacht, und wir ziehen wieder weiter. Vielleicht nach Bulgarien — irgendwohin . . /
Sie sah ihn heute noch im Geiste vor sich, wie er sie damals ansah, drohend und doch unendlich wehmütig. Ein tiefes, unsägliches Mitleid mit ihm hatte sie erfaßt. Aber etwas von feiner trotzigen, starken Art lebte doch auch in diesem zarten, schönen Mädchen. Und sie hatte es in jener Stunde mit aller Gewalt empfunden: Nein. Lassen konnte sie nicht von ihrer Liebe, nur einer Laune, einer Schrulle folgend I Und was konnte es mehr sein? Gegen Herbert selbst, den er gar nicht kannte, konnte der Vater doch nichts haben 1 Und eine echte Liebe läßt sich nicht niederzwingen, sie überwindet tapfer alle Hindernisse, und endlich siegt sie dennoch. Mußte es nicht auch bei ihnen so fein ? Freilich: die äußerste Vorsicht war geboten, denn sonst machte der Vater am Ende seine Drohung wahr, und sie verließen dieses Haus ebenso fluchtartig, wie sie ihre früheren Wohnstätten verlassen. Edith dachte stets mit Wehmut an diese ganz plötzlichen Uebersied- lungen. Kaum hatte sie sich irgendwo ein wenig ein« gelebt, so mußte sie wieder fort Sollte es ihr neuerlich so ergehen? Seit einigen Wochen hast» sie einen besonderen Grund zur Besorgnis. Da war — wieder zum erstenmal feit fünf Jahren — ein Brief an den Vater ge» kommen, ein vornehm aussehender blaßvioletter Brief, auf dem seine Adresse mit steifen kleinen Buchstaben geschrieben war. Edith selbst hatte ihm den Brief übergeben, und sie sah das furchtbare Erschrecken, welches über sein Antlitz zog, sah, wie er fast zurücktaumelte, und wie er dann bennod? den Brief mit spitzen Fingern an sich nahm. Er verschloß sich damit in seinem Zimmer, und am Nachmsttag biefes .Tages ereignete .jtzh tiga» Seltsames. Der Haupt
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Holzmarkt. Am Brettermarkt hält die Geschäftslofig- keit an. Für Rundholz wurde» auch weiterhin «ur Gebote gelegt, die unter den Taxe» lagen. Für Bauholz hat die Nachfrage etwas zugenommen, doch ist der Absatz immer noch gering. Schwarzwälder Sägewerke boten Bauholz mit Waldkaule zu 575—625 Rk. p. Fm. frei Bahnwagen oberrh. Etat. a«.
Bau markt. Unsere verschiedenen Berichterstatter melden den Beginn einer lebhafteren Bautätigkeit. — Die neuen Zementhöchstpreise betragen für das Gebiet des Nordd. Zementverbandes 3410 Mk., des Rhein. Westf. 3220, des Südd. 3505 Mk. für je 10 000 Kilo ab Werk. — Die Regierung gedenkt durch eine Mietsteuer, die erstmalig 10 Prozent und später 20 Prozent betragen soll, Milliarden flüssig zu machen, wodurch alljährlich 150 0<)0 Wohnungen geschafft werden sollen.
Verkehr. Aus Kreisen des Reichswtrtschastsrates wird vorgeschlagen, die Tariferhöhungen für Güter nur als vorübergehende Zuschläge auf die im Dezember neu festgesetzten Tarife zu betrachten. — Die Gesamteinnahmen «us dem Auslandsfremdevverkehr werden für 1920 für mindestens 3 Milliarden Mark geschätzt.
Ausland. Während der Export der Vereinigten Staaten nach den Hauptländern im Februar eine ganz auf« faxende Abnahme zeigt, hat er nach Deutschland bedeutend zugenommen. — In England hat daS Wirtschaftsleben einen bedeutenden Stoß durS die Streiks erlitten
ReichSgeireidesieSe und Mehlvettaischung.
Die Reichsgetreidestelle erläßt folgend« öffentliche Auß- korderung: Es wird von Verbraucherkreisen darüber geklagt, daß das reine amerikanische Weizenmehl, welches ab 16. März in einer Ausmahlung von 70 Prozent frei von Sei» Mischungen irgendwelcher Art den Kommunalverbärckkn zum Preise von 7 Mark das Kilo von der R. G. zur Verfügung gestellt wird, um an die Verbraucher verteilt zu werden, im Kleinhandel mit Beimischungen vo< MaiSmehl und mög» licherrvrisr noch andre - Stoffen au staucht. Wo Verdac- sx« per: betrügerischer Handlungen dieser Art besteht, wrro die R. G. die sofortige Anrufung der Staatsanwaltschaft heran» lassen, falls mit der Anzeige an die Adresse: ReichSgetreide- stille, Berlin W. 50, Außendienst Ueberwachuug K ein Muster im Gewicht von 50 bis 100 Gramm und eine vochind» »chr Erklärung eingescmdt wird, bei «eiche» r8n«HS»dler die beanstandete Probe gekauft wurde.
Abbruch der griechischen Expedition.
Nach der Ansicht griechischer höherer Offiziere und Politiker will mau jetzt die griechische Erpeditton in Kleinasien abbrechen, weil der Zustand des Heeres keine Fortsetzung der Operation gestattet. Fn maßgebenden Kreisen ist man der Meinung, daß mit der jetzigen griechische« Sr-ce ein Erfolg gegen die türkischen Nationalisten nicht zu erzielen sei. Es wird deshalb der Rückzug auf Smyrna und die Beobachtung einer defensive« Haltung empföhle«.
mann d. R. Otto Willstadt ging aus. Dies hatte er feit Jahren nicht getan, und Edith wunderte sich sehr darüber. Aber sie sagte nichts, denn sie sah sein zuckendes Gesichtz sah die bebenden Hände. Seither ging er regelmäßig alle Wochen zweimal fort, ohne je zu sagen, wohin er ging. Und an diesen Tagen, welche ganz bestimmt eingefallen wurden, wagte Edith es, mit Herbert von Ramin zusamiuen- zutreffen. Immer tiefer ward die Liebe der beiden jungen Leute, seit sie sich wieder dann und wann sahen. Immer unmöglicher erschien es ihnen, je voneinander zu lassen.
Edith Willstadt seufzte schwer auf. Es war alles so unverständlich, was sie umgab! Wie ein Druck lag es auf ihrem jungen Herzen, wie die Ahnung eines Unheils, das näher und näher heranschlich.
Sie fuhr jählings empor aus ihren Träumen. Klangen da nicht nun doch endlich Schritte hinter ihr?
Vorsichtig spähte sie rückwärts.
Aber im nächsten Augenblicke preßte sie sich noch fester gegen die Säule. Um Gotteswillen! War das nicht ihr Vater, welcher da so gebückt, so tief ermüdet, die totrage emporschritt? Deutlich sah sie mit ihren scharfen Augen sein Profil, sah, als er nun den breitrandigen Hut ab» nahm, das schon silbern erglänzende Haar. Nur daß es ihr schien, als feien jeine Bewegungen heute ganz be« sonders müde, die Gestalt so gebückt, so hinfällig, fein Schritt so schwer. Und dann — wer schritt dort neben ihm? Eine hohe, dunkel gekleidete Frauengestalt war es. Nie noch hatte Edith ihren Vat-r in Begleitung irgendeines Menschen gesehen. Nun * >er hob sich da aus dem halben, verschwimmenden Li deutlich die im laufe, ge« schmeidige Figur hervor. Als die beiden, welche sehr er» regt zu sprechen schienen, näher kamen, sah Edith durch das Dämmerlicht ein weißer, schönes Antlitz mit tiefliegenden, sprühende» dunklen Augen. Die Frau war ge» wiß nicht mehr jung, aber sie hatte etwas vollständig Außergewöhnliches an sich, einen seltenen Reiz. Das Mädchen vernahm deutlich das kapriziöse Rascheln seidener Röcke, sie sah die Federn nicken von dem breiten Hut und vürte, wie eine Wolke schweren, süß buftenben Parfüms bis zu ihr herüberwehte. (Fortsetzung folgt)