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Aus der Heimat.

* Schlächter«, 15. April. Mit dem heutigen Tage scheidet Herr Kaplan Brehler von der hiesigen katholischen Gemeinde, um eine neue Stelle als Curatus in Müs Kr. Fulda anzutreten. Nur ungern steht man den tüchtigen und beliebten Geistlichen von hier scheiden. Möge es ihm in seinem neue« Wirkungskreise recht wohl ergehen! Sch.

* Soden. Galmünster. Ja der Nacht vom 10/11. August v. Js waren der Waschfrau Helling, hier, die für die Kurgäste Wäsche gewaschen und dieselbe auf dem Rasen -um Trocknen ausgelegt hatte, Wäsche im Werte von mehreren Tausend Mark gestohlen worden. Als der Tat verdächtig wurden der 45 Jahre alte Arbeiter Karl Kohlbaue- und der 26 Jahre alte Diamantschleifer N'Äel, beide aus Frankfurt am Mai« verhaftet. Die Strafkammer in Hanau hielt die beiden Angeklagten für die Schuldigen und hielt sie des gemeinschaftlichen Diebstahls für überfährt. K. hatte bei der Berhaftung einen Dolch bet sich gehabt, doch konnte er, da über die Herkunft keine bestimmten Feststellungen sich machen ließen, dieserhalb nicht in Strafe genommen werden. Mildernd für ihn kam außerdem geistige Minderwertigkeit in Betracht, er erhielt sechs Monate Gefängnis, während N. wegen Diebstahls im Rückfolle 1 Jahr Gefängnis erhielt.

* Vom oberen Vogelsberg. Gegenwärtig findet die FlachSlieferung unserer Landwirte statt. Die Bestände werden in den Dörfern zusammengefahren und zur Bahn befördert. Die Flachslieferanten kommen dieses Jahr auf ihre Rechnung, da der Preis um das Doppelte gegen das Vorjahr gestiegen ist, nähmlich von 35 auf 70 Mark der Zentner. Er ist ein guter Ansporn nur Hebung des Flachsanbaues, bei dem noch nebenbei das Leinöl gewonnen wird.

* Frankfurt a. M. Als ein Wunder der Zeit kann es betrachtet werden, daß es in heutiger Zeit einmal gelingt, einen Bauvoranschlag nicht zu überschreiten. Dieses Kunst­stück hat die Frankfurter Meffe bei ihren Bauten zwischen Herst und Frühjahr fertig gebracht. Die Gesamtkosten waren auf 2,3 Millionen voranschlagt, doch ist eine Ersparnis von 700 000 Mark möglich gewesen.

* Schotten. Am 22. Juni werden 40 Jahre verstrichen sein, daß der Vogelsberger Höhenclub auf dem Posthäuschen dahier von 14 wackeren Männern ins Leben gerufen wurde. Aus diesem Anlaß findet die diesjährige Hauptversammlung des V. H. C.-Gesamtvereinsals Jubiläumshauptversammlung in Schotten am 7./8. Mai (8 Tage vor Pfingsten) statt. Es liegen bereits zahlreiche Anmeldungen auswärtiger Zweig, vereine vor. Der Festausschuß wird im Verein mit der ganzen Bürgerschaft bestrebt sein, den Geburtstag des V. H. C. zu einer würdigen Kundgebung auszugestalten.

* Cafsel. Der Geschäftsreisende einer hiesigen Kohlen- großhandlung hatte von seinem Arbeitgeber den Auftrag er- Halte«, bei der Post und einer hiesige« Bank 250 000 Mark einzuzuhlen. Er führte den Auftrag nicht aus, sondern unterschlug die Summe und ergriff die Flucht. Der Defrau- dant hinterläßt Frau und mehrere Kinder.

Me Legierung und der Notstand der Messe.

Wer aus dem öffentlichen Leben der Gegenwart die Presse ausschalten wollte, der würde ein schlimmes Chaos heraufbeschwören. Man stelle sich nur einmal vor, welche Unruhe, welcher Argwohn, welche Zweifel und welche Be- sorgnifle in Stadt und Land entstehen würden, wenn plötz- sich keine Blätter mehr erschienen, die die Bevölkerung über die Weltbegebenheilen unterrichten. Man vergegenwärtige sich die unberechenbar verderbliche Wirkung, die die Partei­leidenschaften ausüben würden, wenn ihnen die Zeitungen nicht mehr als Ventil dienen könnten! Kein Meusch, der Anspruch erhebt, als zivilisiert zu gelten, kann der Preffe bestreiten, daß sie ein unentbehrliches, lebeuSwichtiges Glied im heutigen Staats-, WirtschaftS-'und GesellschaftsorgauiSmu? ist. Man sollte er deshalb nicht für möglich halten, daß das Deutsche Reichskabtuett eine Maßnahme treffen konnte, die den weitaus größten Teil der deutschen Zeitungen, namentlich aber die mittlere und kleine Presse, vor die Schicksalsfrage: Sein oder Nichtsein? stellt. Das ist ge­schehen durch den Beschluß des Reichskabinetts vom 2. April d. Js., die Bewirtschaftung des Zeitungsdruckpapiers mit Wirkung vom 1. April d. Js. ab aufzuhebeu.

Nicht, daß die Aufhebung beschlossen ^wurde, dieser Schritt sollte und mußte früher oder später einmal getan werden, aber daß sie jetzt beschloffen wurde, jetzt, da Deutschland nicht nur um Ob^rschlesien, sondern im ver­wegensten Sinne des Wortes um sein Dasein ringen muß, das war ein schwerer Fehler, und dieser Fehler vergrößert sich noch, wenn man die Umstände berücksichtigt, unter denen der Beschluß gefaßt wurde, und die Beweggründe ins Auge läßt, aus denen er hervorging. Obwohl die Preise für Papierholz, das die Papierfabrikanten benötigen, in der

Gegründet im Jahre 1849

unter dem Titel

De« S^$irf^Botc

Samstag, den 16. April 1921

letzte» Zeit nicht unbeträchtlich zurückgegangen find, forderten die Papierfabrikante», unterstützt von den Zellstoffabrikauten, eine Erhöhung des PapierpreifeS von 260 Mark auf 400 Mark für 100 Kilogramm. Bei dieser Preiserhöhung müßte selbst eine mittlere Zeitung, die jährlich 700 OOO Kilogramm Papier braucht, fast eine Million Mark im Jahre mehr aufbringen. Selbst dem Nichtfachmann muß es begreiflich erscheinen, daß eine solche Summe durch Steigerung der Abonnements- und Juseratengebühren nicht ausgeglichen werden kann. Ein Ausgleich des Fehlbetrags ist um so schwieriger, als seit Jahresfrist auch sämtliche Löhne und Gehälter des Zeitungspersonals wiederholt erhöht worden sind, als die Kosten des Nachrichtendienstes, die Telephon-, Telegramm- und Postzeitungsgebühren bedeutend gewachsen sind als die Preise für elektr. Kraft in ungewöhnl. Weise gesteigert wurden und als die Preffe durch die widersinnige Anz-igeusteuer unerträglich eingeschnürt, ja, fast gelähmt wurde.

Man sieht, daß der Papierpreis tatsächlich eine Exi­stenzfrage für die mittleren und kleinen Zeitungen Deutschlands ist und daß auch die großen Zeitungen die Mehraufwendungen, die durch die Papierpreiserhöhung erforderlich würden, nur tragen könnten, wenn sie den redaktionellen Inhalt, also die politischen Nachrichten und Betrachtungen, die Berichterstattung aus Nah und Fern, den belehrenden und unterhaltenden Teil ganz wesent­lich einschränkten. Abgesehen von den üblen wirtschaftlichen Nachteilen, die durch eine Verminderung des RedaktionS-, kaufmännischen und technischen PerfonlaS herbeigeführt würden, müßte die Beschränkung des Lese- und BitdungS- stoffes, den die Zeitungen ihre» Beziehern biete«, auch als ein schwerer kultureller Verlust in Rechnung gestellt werden.

Allerwärts wird der Ruf nach sittlicher und geistiger ErMerung des heutigen VolkE erhoben. Wie aber soll diese Erneuerung ermöglicht und wie der wirtschaftliche Wiederaufbau Deutschlands durchgeführt werden, ohne die tatkräftige Mithilfe der Zeitunge«, namentlich auch der mittleren und kleinen Preffe? Mindestens in demselben Maße, wie in den Händen der Künstler, ist des Volkes und der Menschheit Würde heute in die Hand der Preffe gegeben.

Alle diese Argument« würben in der Versammlung, die Ende März in den Räumen des ReichswirtschaftSministeriumS unter dem Vorsitz des MinisterialratS Pfundtner, stattfand, von den ZrttungSverlegern ins Feld geführt. Vertreten waren in dieser Versammlung auch die beiden Verbände bet Zeitungsdruckpapierfabriken, die Holzstoff- und die Zebstoff- erzeuger. Aber die sachlichen Darlegungen der ZeitungS- rerleger wecktrn auf bet Gegenseite nur in sofern einen Widerhall, als sie Herrn Minoux. den Generaldirektor des Zellstoffintereffenten Herrn StiuneS, zu bet gehässigen An- schuldigung veranlaßten, daß die Verleger nichts anderes bezweckten, als durch bewußt falsche Angaben über die Ein­nahmen ihrer Unternehmungen aus den Geldern der Steuer­zahler Subventionen herauszuholen. Da der Leiter der Versammlung, Herr Pfundtner, sich nicht bemüßigt fand, die Zeitungsv erlege« gegen diese krasse Ehrv-rletzuna tu Schutz zu nehmen, hielten es die Verleger mit der Würde und dem Ansehen der Presse für unvereinbar, die Verhandluage« fortzusetzen und verließen den Verhaudlungsraum. Nebenbei bemerkt, steht Herr Pfundtner in Unterhandlung mit den Papierfabrikantenverbänden, die ihm eine glänzend bezahlte Stellung angeboten haben. Und ausgerechnet diesem Manne hatte das Reichswirtschaftministertum die Vermittlerrolle zwischen den Zeitungsverlegern und den Papierfabrikanten übertragen. Wahrlich: es ist schwer, keine bittere Satire zu schreiben! ,

Es folgten nun Verhandlungen und Vorstellung-« beim Reichswirtschaftsminister Scholz. Aber das ganze Hin und Her hatte kein Ergebnis. Nur wurde den Zeitungsverleger» endlich der Papierpreis, mit dem man lange htntsrm Berg gehalten hatte, mitgeteilt und ihnen zugleich eröffnet, daß das Reichskabinett die Bewirtschaftung des Z-imvgsdruck- papiers noch bis zum 1. Juli b. J° aufrecht erhalten wollte. Dieser Beschluß wurde vom Reichskabinett am 26. März gefaßt. Am 30. März wurde eine allgemeine Zeitungs- verlegerversammlung in Honnover abgrhalten. Dort wnrbe eine Entschließung gefaßt, irr der die Versammlung ihre warnende Stimme dagegen erhob, daß die Preffe in dem Augenblick, da ihr Wirken im öffentlichen und nationalen Interesse, auch in den bedrohten und besetzten Gebieten, notwendiger ist als je zuvor, geschwächt und zerrüttet wird. Noch einmal wurde auf alle die materiellen und geistigen Schäden, die ein Niedergang oder gar ein Zusammenbruch der Presse im Gefolge haben muß ohne jegliche Uebertreibung, aber in durchaus wahrheitsgemäßer und sachlicher Weise hingewiese», und schließlich wurde Regierung und Reichs - tabinett feierlich verantwortlich gemacht für die erzwungene BetriebSeinstellungen von Zeitungen und alle Akt« der

Aiyrtsenr N. Zeile oder deren' Raum 1 Mk., Reklame- seilt 3 Mk fSmtl. ohne besonderen Z-nchlaz. Bei BettiebSstSrungen kein Schadenersatz oder Msnderqebühr einsch.'. Bezugs, »eine Gewähr für Platz, Aufnahmezeit und Beleglief-rung. Sein Nachlatz bei gerichlltcheu Zwlfcheü- koüen. Zählkarte Frcmkfurl a. M. Nummer 1!MS

73. Aaörg.

Selbsthilfe, zu benen die deutsche Presse greifen muß, wenn die deutsche Regierung auch hier versagt. . .

Und welche Wirkung übte dieser eindringliche, einzig und allein von der RücksiLt auf das Gesamtgedeihm diktierte Apprll aus. Das Reichskabinett beschloß di« Bewirtschaftung des Zeituvgspapiers schon mit Wirkung vom 1. April ab aufzuheben und damit jeden Einfluß auf die Preisfestsetzung zu entsagen.

Allem Anschein nach, war bet Beschluß lediglich ein Produkt der Verärgerung, und man geht vielleicht nicht fehl, wenn man als seinen Vater den Reichswirtschaftsminister Scholz bezeichnet, der in der ganzen Angelegenheit wahrlich keinen Beweis für einen wirtschaftlichen Weitblick und für ein tieferes Verständnis der LebenS»otw«vdigk«i1eu des deutsche« Volkes geliefert hat. Durch bie Aufhebung der Bewirtfchastuug des Zeituugspapiers wird die Presse voll­ständig ber Willkür bet Papier- und Z-llstoffabrikant?» auS- geliefert, bie, zu Verbänden zusammengeschloffen den Zeitungen ruinös« Preise diktieren können. Und wenn man fragt , ob eine derartig« Preissteigerung, wie sie von den Papierfabriken beliebt wird, für ihr g-deii»^L- Fortbestrhev nötig ist, dann braucht man sich nur einmal ye Bilanzen anzusehen. Sie erzielen sehr, sehr beträchtli '' Gewinne, während bie Z-t- tungsvrrleger oft nicht w ff n, fwo sie das Geld hernthmn» sollen, um ihre riesigen Povierrechnungen zu ««gleichen!

Stets ist die Presse mit Freude« bereit, anderen Ständen in ihren Nöten unb Gebresten nach Kräften be^usteheu. Heute aber kämpft sie selbst um ihr Leben, rub sie darf sich wohl der bestimmten Hoffaung hingeben, daß die weit überwiegende Mehrheit des Vslkrs unb der Volksvertretung sie energisch in ihrem Existenzkampf unterstützen wird. Der Reichstag könnte unmöglich als Verkörperung des VolkS- wtllens angesehen werben, der eS geschehen ließe, daß durch eine Maßnahme der Regierung bet Verfall der deutschen Press« herbeigeführt und damit die deutsche Wirtschaft aus ihren Füge» gerissen ant hU -rutsch« Kults: wurzellos ge­macht würde. Durchdrungen von der Erkenntnis, daß dem deutschen Volke gerade in seiner gegenwärtigen Sage eine lebenslustige Presse bitter not tut, hat Reichspräsident Löbe dem Aeltestenausschuß des Reichstags dm Barsch!^; gemacht, sofort b«im Zusammtteten des Parlaments eine interftaktio- nelle Konferenz der Abgeordneten aller Parteien zu einer Besprechung über die Frage der PapierpretSerhöhung, ge­meinsam mit den Organisationen der ZeftungSverleg«: abzu- Halten. Der Vorschlag wurde von allen Parteien gebilligt, und so darf man erwarten, daß der Reichstag der Presse gegenüber seine Pflicht erfüllen wirb.

Die Eier werden billiger.

Wenn auch nicht die Hoffnungen mancher Optimisten W« libeit wurden, daß die Eierpreise nach Ostern auf 60 Pig. Herabsinken würden, so macht sich der Rückgang bei EierpreisS 'loch von Woche zu Woche geltend. Aus Auerbach in bei Pro-- -«uz Starlenburg wird gemeldet, daß von Odenwälder ^üversfrauen dort die Eier für 7080 Pfg. verkauft wur. her Und aus dem bayerischen MUtelmaingebirt wird gar berichtet, daß in den Landgemeinden die Eier jetzt überall zu $0 Pfg. zu kaufen sind. Dieser Preis erschein! bei den heuti­gen Verhältnissen angemessen, bedeutet er doch eine zebnfcch Erhebung des Friedenspreises, eine Steigerung, die sich wyhi Sir di meisten Preise herausgebildet haben dürfte. Dieser Eierpreis von 60 Pfg. entspricht im übrigen _ auch den im NUtielmaingebiet üblichen Fleisch- und Wurstpreisen, somit den Preisen für Milch und Butter; .10 bis 12 Mk. kostet dort vielfach das Pfund Butter.

Ein Rückgang der Fleischpreise wird aus Mainz gemeldel. Wegen starken Angebots auf dem Viehmarkt gingen die Ein­kaufspreise für mittlere Masikalber und erstklassige Saug­kälber innerhalb einer Woche um 300 bis 350 Mk. für den Zentner Lebendgewicht herab, was eine Preissenkung von 33 Prozent bedeutet. Die meisten Metzger haben daher aner­kennenswerter Weise auch sofort die Preise für Kalbfleisch wesentlich herabgesetzt. DaS Pfund, da? vor einigen Tagen in Mainz noch 12 bis 14 Mk. kostete, wird fe^t massenhaft zum Preise von 8 oder höchstens 10 Mk. angeboten Auch bu Preise für Rind- unb Ochsenfleisch sind herabgesetzt^ worden, wenn auch nicht in gleich großem Umfange wie für Raun fletsch.

Sie Greuel in Kronstadt.

Die LondonerTimes" meldet grauenerregende Einzel­heiten aus Kronstadt. Danach sollen etwa 7000 Mann er- schrffen worden sein. Die Leichnahme werden mit schauerlicher Regelmäßigkeit im Hofe des Marinegefängnisses aufgestapelt. Da eine Beerdigung unmöglich ist, sollen sie massenweise ver­brannt werden Die Bolschewisten hatten allen Teilnehmern am Aufruhr Straffreiheit versprochen, während in Wirklich- teü alle, die mit der Waffe in bei Hand angetroffen wurden, mir Tode verurteilt sind. Die Kasernen werden von Frauen und Kindern umlagert, welche nach ihren Männern, bie Waf­fen getragen haben, suchen. Sie werden mit brutaler Gewalt zurückgewiesen. 1.