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ÄernaSvreiö vorauSzahlbar viertelt, durchsdie Post Mk. 12.—, durch untere Träger Mk, 10.80, bei uns abgeholt Mk. 10.—. Erscheint an Wochentagen nachmittags. Druck u. Verlag L. Hohmeister, verantwortlich H.-L. Hohmeister, Schlüchtern. «ernruf 65. Erfüllungsort für den gesamten GetchSstS- " verkehr mit der Firma Schlüchtern.
Gegründet im Jahre 1849
unter dem Titel
Des VsziVksvste
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Kf-ilame,
sämll. ohue besondere« kein Schadenersatz oder «eine Bewähr für Platz, "g. Kein Nachlaß bet gerichtlichen Zwist kosten. Zahlkarte Frankst"« «, M. Nummer 11408.
einschl. 8 und Sei,
Dienstag, den 12. April 1921
73. Aa-rg.
Aus der Heimat.
—* (Keine Wiedereinführung der SomNerzeit) Durch verschiedene Tageszeitungen ging vor einigen Wochen die Nachricht, daß beabsichtigt sei, auch in diesem Jihre wiederum die sogenannte Sommerzeit einzuführm. Wie auf eine Anfrage vom ReichSminister des Innern mtigetdU worden ist, entspricht diese Meldung nicht den Tatsachen. Mit Rücksicht auf die fast einstimmige Ablehnung, die der Gesetzentwurf über die Wiedereinführung der sog. Sommerzeit für das Jahr 1919 in der verfassunggebenden deutschen Nationalversammlung erfahren hat, beabsichtigt der M uister nicht, den gesetzgebenden Faktoren einen entsprechenden Entwurf für 1921 vorzulegen.
* Schlüchtern, 10. April. Ein aufregender Vorfall spielte sich am Samstag Nachmittag auf dem Schlüchterner Bahnhof ab. Bei Abfahrt des Bebraer Zuges sprang ein Mann von dem schon in Fahrt befindlichen Zuge ab und geriet z« Fall, glücklicher Weise kam er mit einige« Hautabschürfungen und dem Schrecken davon.
* Schlüchtern. (Tanneuwalr?!). Der in unserem Städtchen aus den Revolutionstagen 1918/19 bekannte Simon Tannenwald aus Frankfurt a./M., welcher bei dem damals hier einquartterten Feld.-Artl. Regt. Nr. 63 Mitglied des Soldatenrates war, wurde dieser Tage von der Strafkammer in Hanau wegen Widersetzung zu 7 Monaten, wegen Aufwiegelung zu 8 Monaten und wegen Nichtbe- folgung eines Dienstbefehls in Tateinheit mit Gehorsams Verweigerung vor versammelter Mannschaft zu 1 Monat Gefängnis verurteilt. Zufammeugezogen wurde auf eine Gesamtstrafe von 10 Monaten Gefängnis erkannt.
* Schlüchtern. (Union-Theater). Heute und morgen fi-M im ^Union-Theater" die Vorführung des zweiten Teiles des großen F^rve?!-« „Der Fluch h« Menschheit" (Im Rausche der Milliarden) statt. Die Ausstattung dieses Sensations-Films soll glänzend sein, ssdaß den Kinofreunden einige genußreiche Stunde in Aussicht stehen. Den Operetten- und Lustsptelltebhabern wird die Direktion mit dem Lustspiel „Der KoufektiokSretseude" eine besondere Freude bereiten.
* Schlüchtern. (Fußball-Sport). Das am vergangenen Sonntag zwischen der 2. Mannschaft 1910 und der aus 2. und 3. Mannschaft kombinierten Mannschaft der Tumgemeinde Fulda ausgetragene Spiel endete nach scharfem Tempo unentschieden 5:5. Von Schlüchterns Mannschaft verdienen besonders der Mittelstürmer, der Mittelläufer und rechte Verteidiger erwähnt zu werden, während die beiden Außenläufer völlig abfielen, dem Halblinken wird dringend empfohlen, sein Solospiel zu unterlassen. Das hieran anschließende Spiel der 1. Jugendmannfchaft 1910 gegen 1. Jugendmannschaft Germania Fulda zeigte sehr schöne Momente. Die 1. Jugendmannschaft 1910 kaun spielen, wenn sie will und vor allem, wenn sie sich den Anordnungen des Spielausschusses fügt. Was Fulda an Sicherheit sämtlicher Spieler voraus hatte, ersetzte bet den Einheimischen der Eifer, es war ein Spiel äußerst fair. Besonders angenehm fiel das ruhige Verhalten beider Mannschaften auf; alle Spieler sollt;« sich Merke«, daß nur durch mustergültiges Verhalten jedes Eiazelne« dem Sport weitere Anhänger geworben werden können.
* Schlüchtern. (Gauturntag des Kinzixgaues.) Am vergangenen Sonntag fand in Gelnhausen der diesjährige Gauturntag des Kinztggaues statt. An der Sitzung beteiligten sich außer dem Gauausschuß 101 Delegierte. Nachdem verschiedene Punkte der Tagesordnung erledigt waren, nahm man bie Wahl des Ortes vor, an dem das diesjährige Gauturnfest stattfinde« sollte. Bei knapper Mehrheit wurde Büdingen durch Wahlzelle! als F^tort bestimmt. Hierdurch wird Schlüchtern, welches in diesem Jahre sein bOjähriges Bestehen feiert, als Anrechiträger auf das Gau- turufest zurücktreten. Die Wahl des Ortes für den Gauturntag 1922 fiel auf Wirlheim.
* Hütten. Am vergangenen Sonntag veranstalkte der Gesangverein „Sängerluft Hütten" eine Theatervorstellung. Herr Gemeinderechner Fehl hieß das recht zahlreich erschienene Publikum herzlich willkommen und wünschte ihm einige frohe Stunden. Außer den Bühnendalbietunge«, welch; gut einstudiert waren und tadellos gelangen, überraschte der Gesangverein auch mit einigen Liedern. Herr Kraushaar hatte mit seinen Couplet Voruägen einen sehr guten Erfolg. Das Publikum ging mit dem Bewußtsein nach Haus, einen genußreichen Abend verlebt zu haben.
* Riederkalbach. Eine schreckliche Bluttat hat sich am verflossenen Sonnabend hier ereignet. Die Ehefrau des Hüttners Weine« war seit einiger Zeit krank und stand in ärztlicher Behandlung. Als der behandelnde Arzt Dr. Bogner in Neuhof sich am Sonnabend nach dem Befinden seiner Patientin umsehen wollte, fand er sie als Leiche vor. Die Umstände deuteten auf einen unnatürlichen Tod hin. Der ließ sofort das Gericht und die Polizei kommen. Der Mann wurde wegen des dringenden Verdachtes, feine Frau
erschlagen zu haben, verhaftet, uns in das Gefängnis in Neuhof abgeführt.
* Jossa. Am 1. April 1921 trat der hiesige Revier- förster, Herr Schnell auf Forsthaus Kreuzgrund, der 16 Jahre die Stelle innehstte, in den Ruhestand, weil er die gesetzliche Altersgrenze von 65 Jahren erreicht hat. Er stellte nach H-nnbach bei Eaffel über. An seine Stelle trat Herr Revierförster Rittnick, der bereits vor 20 Jahren in hiesiger Gegend staub. — Ebenso ist mit dem 1. April 1921 Herr Förster Zwiebel nach Fciedervalde, Kr. Hersfeld v-r fitzt, nachdem er 9 Jahre in Jossa war. Seinem Nrch- folger, HerrnFörster Sch'ndiwolf, fällt es schwer, ein Logis in ' Jossa zu finden, da auch hier wie überall großer Wohnungsmangel herefcht.
Wirtschaftliche Mundschau.
(Nach dem Stande vom 9. April 1921.) (Nachdruck verboten.)
W K.S. Allgemeine Lage. Große Unsicherheit in politischer Hinsicht stellt sich wieder stärker der wirtschaftlichen Belebung entgegen. Ueber die nächste Zukunft urteilen maßgebende Kreise neuerdings ziemlich ungünstig Verschärft wurde die Lage durch die Rückwirkung der Unruhen in Mitteldeutschland.
Geldmarkt. Im Mai 1914 waren in Deutschland nicht ganz 2 Milliarden Papiergeld im Umlauf. Am 15. November 1920 betrug letzterer 76 Milliarden. — Nach den Bilanzen sehr vieler Betriebe zeigt sich ein Gewinn, der in schreiendem Mißverhältnis zur Rot des Volkes und den Preisen der Hergeftellte« Fabrikate steht. 30 bis 50 Proz Dividenden sind keine Seltenheit. — Im März sind 308 Konkurse eröffnet worden. (Febr. 236). Im 1. Vierteljahr 1921 waren es 739 gegen 212 im Vorjahre.
Handel und Industrie. Infolge der Sanktionen ist das Geschäft mir den besetzt?« G-bi^'v und mit der Entente fast völlig ins Stocken geraten. — wie Frühjahrsmesse in Frankfurt a. M. dauert vom 10.—16. ds. Mis. — Ruf der Breslauer Messe konnten 1500 Aussteller untergebracht werden. — In Berlin wurde zur Förderung der^Bezieh- ungen zwischen Deutschland, Italien, Portugal, Spanien, Jugoslawien und der Schweiz ein Südeuropäischer Wirt- schaftSverband gebildet. — Infolge der Unruhen sind der Sednitzer Blumenindustrie Millionen-Aufträge aus Amerika entgangen. — Der Absatz des Kalisyndikats im 1. Viertelst 1921 ist um rund 500000 D.Ztr. A-inkalt gegenüber dem 1. Viertelj. 1920 zurückgeblieben. 95 Prozent fallen auf den Inlands-, 5 Prozent auf den Auslandsabsatz.
Kohlen und Metall. Die Kohlenverforgung konnte sich nicht bessern. Die oberschlesische Produktion im März ist infolge der politischen Wirren erbebich zurückgeblieben, ebenso jene im Ruhrgebiet. — Bei Großvahberg (Braunschweig) würben neue Eisenerzlager erbohrt.
Warenmarkt. Das ZeitungSpapier ist mit dem 1. April freigegebeu worden. — Am Ledermarkt ist die ängstliche Zurückhaltung etwas gewichen, nachdem der Absatz tu Schuhen sich besserte. — Am 1. Juli tritt die freie Wirt schaft im Tabakgewerbe ein. Die Preise für Zigarren und Zigaretten bleiben unberührt, weil sie fast ausschließlich von der Höhe der Steuer abhäugen.
Produktenmarkt. Die Maispreise haben wieder au- gszozrn. Die Geschäftslage der anderen Artikel hat sich wenig verändert. Die Preise für Hopfen find weiter rückgängig. Es wurde zuletzt am Nürnberger Markt bezahlt: für Primahopfen 1100—1300 Mark, für Mittelhopfen 750—1000 Mk. — Der „Berl. Lokalanzeiger" meldet ein weiteres Sinken der Wsivpreise.
Viehmärkte. Die Zufuhren zu den Märkten haben nachgelassen. Aus dem Rhein- und Maingebiet wird ein Sinken der Schweinepretse gemeldet. Vielfach haben auch die Ferkelpreise in den letzten Wochen eine Senkung erfahren.
Lebensmittel^ Die deutsche Zuckerrasfiuerie« erzeuaten vom 1. September 1920 bis 1. Febr. 1921 1.24 Mill. Ztr. Verbrauchszucker mehr als in den gleichen Monaten des Vorjahres.
Holzmarkt. Nadellangholz ist zu den gewohnten Preisen nicht mehr abzusetzen. Am Brettermarkt blieb das G-schäft ruhig. Süddeutsche Hersteller sind mit reichlichen Offerten zu 425—550 Mk. je cbm am Mark«. Für Na delpapierholz konnten vielfach nicht mehr die Preise erzielt werde», die den vormonatlichen Erlöse« entsprachen.
Baumarkt. Infolge Kohlen- und Frachtverteuerung ist vorbehaltlich der Regierungsentscheidung eine Erhöhung der Höchstpreise für Zement von 90 Mk. für 10000 kg vor gesehen.
Verkehr. Der Wasserstand des Rheins hatte die vor letzte Woche feinen niedrigsten Stand seit vielen Jahren erreicht. Der SchiffahrtSverkehr hat eine ziemliche Ein- schränknng erfahren, Auch im Eisenbahngüterverkehr ist. wie aus Eff-n gemeldet wird, ein Rückgang zu verzeichnen,
Ausland. In dem Rückgang der Preise im englischen
Großhandel ist ein Stillstand eingetreten. — Die WiU- schaftskrisis hat in Finnland die Stillegung vieler Betriebe zur Folge gehabt. — In Rumänien gingen die Preise für Jndustriearttkel um 100—170 Proz. zurück. — In den Vereinigten Staaten ist eine weitere Ergolung des Geschäfts- verkchrs eingetreten. — In Kanada herrscht Hunger «ach deutschen Waren. — In Japan find im Vorjahre raub 2000 Banken in Konkurs geraten.
Zeitung für eilige Leser.
Die ehemalige Kaiserin Angusta Viktoria ist am Monta« morgen gestorben.
Der „Times" zufolge wird aus Reval gemeledt, Lenin habe dem sozialistischen Revolutionsfuhrer Tschnerno«, bei sich augenblicklich i« Reval befindet, des Posten des Land- wirtschastskommifiars in der Towjetregierung ««geboten.
Fürst Bülow ist in Rom angekommen. Er hat die Absicht. in voller Zurückgezogeuheit in seiner Villa Rose« zU leben und sich unter seinem Vorwand mit Politik zu befasse«.
Nach dem „Petit Parifie«- findet gegenwärtig zwischen den beteiligten Regierungen ein Meinungsaustausch über die Frage der Rückkehr der Habsburger nach Uugaru statt.
Sie frühere Kaiserin t
Aus Amsterdam wird unterm 11. April gemeldet: Die frühere Kaiserin Augusta Viktoria ist heute früh 8 Uhr gestorben.
Auguste Viltoria war im Jahre 1858 als Tochter 1x5 Herzogs Friedrich III., des Augustenburgers geboren. Im Jahre 1881 wurde sie die Gemahlin des damaligen Prinzen Wilhelm, späteren Kaiser Wilhelm H. Die Verstorbene war als eine stille Frau und gute Mutter betanni. In politische Zeit- und Streitfragen hat sie sich nie eingemischr und Einfluß außerhalb ihres Familienkreises hat sie weder gesucht noch gehabt. Bei ihrem Ableben kann man wohl sagen, daß sie als Mensch keinen Feind hatte. 1918 folgte sie ihrem Gewab! ins Exil nach Holland, schon damals körperlich und seelisch zusammen Frk-rocher So waren die letziev Jahre ihres Lebens recht trüb und dunkel, ihr körperliches ^iben hatte sich in der letzten Zeit sehr gesteigert, sodaß schon lange mit ihrem Tode gerechnet wurde
Man wird der dahin Geschiedenen, die von der Höhe des Lebens so jäh gestürzt war, die menschliche Teilnahme nicht versagen können; ihr; stille Art, mit der sie ihr herbes Geschick trug, wird viel dazu beitragen, daß ihr Andenken ein gutes sein wird.
Die O$ über den Ausstand.
In den letzten Tagen hat der Zentralausschutz der Bereinigten Kommunistischen Partei in Berlin getagt, um zu der jüngsten kommunistischen Aktion in Mitteldeutsckland Stellung zu nehmen. Der Zentralausschutz entschied sich mit 26 gegen 14 Stimmen für die von der Zentrale der Pcriei vorgelegten „Leitsätze über die März-Aktion". In diesen umfangreichen Leitsätzen versucht die ParteilcitunZ nachträglich, dem Aufruhr, der nach ihrem eigenen Eingeständnis mit einer schweren Niederlage der Partei geendet bat, eine theoretische und praktische Rechtftrrizung zu geben. Die gesamte Lage nach dem Abbruch der Londoner Ber- handlungen und nach der Abstimmung in Oberschlesien habe der Arbeit;r!laffe geboten, die revolutionäre Initiative zu ergreifen. Die V. K. P. D. sei verpflichtet gewesen, Ber Arbeiterklasse in der Aktion voranzugeheu, „selbst auf Die Gefahr hin, datz sie vorerst nur einen engen Kreis der Är- beiteschaft mit sich in den Kampf reifte“. Diese revolutionäre Offensive habe, äußerlich gesehen, mit einer Niederlage der Kommunistischen Partei gee^b»'. Äre Partei fei — das geben die Leitsätze selbst zu — bt... großen Teilen der Arbeiterschaft isoliert. Trotzdem versucht die Erklärung mühfam, in sechs Punkten positive Ergebnisse bet Aktion festjustcHen. Die Leitsätze versuchen, die Verantwortung für alle Terrorakte während der letzten Bewegung von der Partei abzu- schütteln und die Schuld dafür Orgesch-Spitzeln und ande-en Konterrevolutionären aufzubürden. Zum Schluß sprechen sie der Zentrale die Billigung für ihre politische und taliinbe Haltung aus und verurteilen aufs schärfste die passive oder gar aktiie Gegnerschaft einzelner Parteimitglieder wahrend der Aktion. Eine Resolution, die in der Sitzung ,des Zen- iralausschusies offenbar von den Gegnern der März-Aktion vorgelegt worden war, und die den Putsch selbst aufs schärfste mißbilligte, wurde mit 44 argen 6 Stimmen bei drei -Stimm» erthaltunaen abgelehnt. Sievers von der Zentrale, ber sich auf den Boden ber Minderheit gestellt hatte, mußte auf Beschluß des Ausschusses aus der Zentrale ausscheiden. In besonderer Abstimmung wurde der Zentrale die Vollmacht erteilt, organisatorische Maßnahmen zu treffen, um sie Partei auf die größte Kampfkraft ein^ustellen. Nach dem Wortlaut der Vollmacht den die „Rote Fahne- veröffentlicht, soll die Zentrale alle Parteimitglieder, die gegen Grundsatz; und Taktik der Partei sowie gegen Anweisungen der Zentrale handeln, aus der Partei ausschließen. Wie es scheint, richtet sich dieser Beschluß vor allem gegen einen Teil der früher in führenden Stellen der Kommunistischen Partei tätigen Parteimitglieder, von denen man weiß, daß sie die (etzte Putschaktion von Anfang aufs schärfste verurteilt haben.